Author Topic: Umweltbewusstsein durch Avatar - Umweltaktivismus: Ende Gelände 2016  (Read 1387 times)

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Offline Rima Nari

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Kaltxí! :)  Schreibt man das so? Habe das Wort seit Jahren nicht mehr gebraucht...

Ist schon lange her, dass ich hier öfter unterwegs war. Und ich bin (leider) sicher, es ist insgesamt etwas ruhiger geworden. Aber es gibt ein Thema, das mich im Allgemeinen und wegen einer speziellen Sache nicht loslässt und dachte mir, dass sich hier vielleicht jemand findet, um darüber zu diskutieren und Gedanken und Meinungen auszutauschen :)

Und dieses ist: Umweltbewusstsein. Sich im Klaren darüber sein, dass die Umwelt Schutz bedarf - und etwas dafür zu tun, oder nicht zu tun. Von kleinen persönlichen Handlungen wie Müll Trennen über Anschaffungen von technischen Dingen aufgrund besserer Energieeffizienz zu Demonstrieren gegen die, die es nicht sind (Unternehmen und Politik). Ich bin durchaus ein recht umweltbewusster Mensch, leiste meinen Beitrag (denke ich) und mache mir Sorgen über die Natur und die Welt von morgen. Aber ich frage mich, woher das kommt. Wenn ich meine Eltern oder mein soziales Umfeld so angucke, sehe ich da kein besonders großes Vorbild. Aber es gibt/gab da was... Avatar.
Die meisten hier haben Avatar wohl im zweistelligen Bereich oft geguckt und uns allen bedeutet der Film recht viel. Ich frage mich, ob viele/alle, die von Avatar so mitgerissen sind/waren, gesteigertes Umweltbewusstsein zu ihren Eigenschaften zählen. Ist das eine Eigenheit des Films, Leute dazu zu bringen, mehr über ihre Umwelt - über die Natur - nachzudenken? Wie umweltbewusst würdet ihr euch einschätzen?
Ich glaube, dass es hauptsächlich Avatar ist, was mich dazu gebracht hat mit offeneren Augen unsere Umwelt und was wir ihr antun wahrzunehmen.

Diese Frage hat mich seit einiger Zeit beschäftigt und gerade in letzter Zeit insbesondere aufgrund der weltweiten Aktionen für den Klimaschutz um und nach der Klimakonferenz in Paris. Dort wurde sich auf ein Erderwärmungslimit geeinigt, aber auf nichts Konkretes, was die Erwärmung unter diesem Limit halten würde. (Ein Vergleich, den ich letztens gehört habe, bringt es auf den Punkt: Ein fettleibiger Patient macht mit seinem Arzt aus, nicht über eine bestimmte Gewichtsgrenze zu kommen, aber eine Umstellung des Ernährungs- oder Fitnessplan wird nicht ausgemacht.) Und dann kommt dazu, dass ich endlich verstanden habe, dass tatsächlich eine breite und absichtliche Manipulation der Öffentlichkeit stattgefunden hat, so dass menschen-gemachte Erderwärmung als etwas erscheint, dass es zu debattieren gilt - anstatt als äußerst sichere Tatsache.
Wegen dieses effektiv gescheiterten Klimagipfels planen einige Organisationen weltweite Aktionen im Mai, um ein starkes Signal gegen die Fossile-Energien-Branche zu senden und etwas zu erreichen. In Deutschland heißt der Vertreter Ende Gelände 2016. Geplant ist, im Zuge eines Klima-Camps eine Braunkohlemine zu besetzen und den Betrieb durch zivilen Ungehorsam aufzuhalten. Dadurch hofft man, Interessenten an der zum Verkauf freigegebenen Mine von Vattenfall abzuschrecken.

Da kommen also ganz normale Leute zusammen, die wahrscheinlich noch nie mit der Polizei zu tun hatten, und brechen in ein Betriebsgelände ein, setzen sich vor die mannshohen Räder von haushohen Baggern und warten, bis die Polizei sie wegträgt. Ich finde das unglaublich! :)  Leute riskieren eine Anzeige und gehen mitten in eine Kohlemine rein - um ihre eigene oder die Zukunft ihrer Kinder vor einer Bedrohung zu schützen, die leider kaum jemand wahrnimmt! Wenn in Wirklichkeit so gut wie gesichert ist, dass wir Menschen für die beobachtbare Klimaerwärmung (signifikant) verantwortlich sind und diese Klimaerwärmung im Bereich von mehreren Grad liegen kann - was sie tut - und wenn dieser Unterschied ausreicht, um Meeresspiegel um Größenordnungen von Metern anzuheben und außerordentlich häufige und brutale Stürme zu verursachen - sollten wir dann nicht alle mal aufwachen? Sollten wir nicht auch in dieser Kohlemine uns vor einen Bagger setzen? Ich bin seit Wochen hin- und hergerissen, ob das eine Sache ist, für die es sich zu kämpfen lohnt...
Was ist eure Meinung dazu? Früher war meine erste Reaktion auf sowas nur "Spinner" - Leute die sich zu ernst nehmen und glauben, etwas bewirken zu können, eventuell sogar nur den Helden spielen wollen. Inzwischen glaube ich, dass diese Leute große Weitsicht und großen Mut beweisen. Wie ist eure erste Reaktion, wenn ihr von dieser Art des Umweltaktivismus hört? Könntet ihr euch vorstellen, mitzumachen?


Diese Frage, wo mein Umweltbewusstsein herkommt und ob ich es zu Umweltaktivismus erweitern möchte, treibt mich jetzt schon seit Wochen um. Ich hoffe, dass eure Meinungen und Kommentare mir auch weiterhelfen können :)
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Re: Umweltbewusstsein durch Avatar - Umweltaktivismus: Ende Gelände 2016
« Reply #1 on: April 30, 2016, 02:03:19 pm »
Kaltxì! :D

Ich bin mir nicht sicher wie ich anfangen soll, aber ich versuche es. :) Meine bescheidenen Gedanken dazu:

Das große Problem bei internationalen Klimatreffen und deren Zielsetzung ist, dass gewisse Interessen aufeinander stoßen. Ein Beispiel wäre da der Lebensstandard. Industrieländer haben nicht wirklich ein Interesse den Lebensstandard der Bevölkerung zu senken um das Klima zu stabilisieren. Wiederum haben die reichen Staaten den Luxus effiziente Technologien zu leisten, zu entwickeln und zu nutzen, oder gar eine Energiewende umzusetzen. Die Schwellenländer wie Indien oder China wollen nicht ihr wachsenden Wohlstand bremsen. Und da sind natürlich auch diverse Großunternehmen, die ihre Geschäfte in Gefahr sehen und deshalb Lobbyismus betrieben.

Das Ganze ist fast wie in der Quantenmechanik, wo schon kleine Dinge große Veränderungen bewirken können aber nicht müssen: Protestaktionen können einen Beitrag zur Änderung leisten, müssen es aber nicht und genau diese Ungewissheit macht eine Entscheidung, solche Aktionen zu unterstützen oder aktiv teilzunehmen, schwierig. Leider zeigt die Geschichte, dass der Mensch erst dann was tut wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Hinzu kommt, dass die heutingen Gesellschaften noch nie mit so etwas konfrontiert waren und viele die Konsequenzen der globalen Erwärmung nicht wirklich begreifen. Die traurige Wahrheit ist auch, dass der Zug bereits abgefahren ist. Die Erwärmung ist schon längst im Gange und um dennoch den Bogen zu bekommen, müsste man innerhalb weniger Wochen weltweit alle Treibhausgasemmissionen stoppen. Dass das sehr sehr unwahrscheinlich ist, ergibt sich schon von selbst. Daher bemühen sich die meisten Regierungen um Schadensbegrenzung.

All dies ist nicht pessimistisch gemeint, sondern einfach die Realität. Wenn man sich die enorme Komplexität der modernen Gesellschaften von heute im Bezug mit der globalen Erwärmung vor Augen führt, wird man feststellen, dass dies ein extrem schwerer Brocken ist, an dessen Lösung alle Staaten und alle Menschen an einem Strang ziehen müssen. Wenn man aber den Egoismus mancher Staaten innerhalb der EU ansieht und das auf globalem Maßstab hochskaliert, kommen in mir leider sehr starke Zweifel auf. Das Problem mit dem Klima ist schon seit über 40 Jahren bekannt und es wird noch heute von bestimmten Gruppen klein geredet oder einfach ignoiert.

Trotz allem zeigen Proteste dem Entscheidungsträgern, dass es Menschen gibt, denen das Problem mit dem Klima - und natürlich generell die diversen Umweltprobleme - nicht egal ist und Politiker und Konzernchefs daran erinnern, dass die Erde ein sensibles Gefüge ist, welches erhalten werden muss.

Bezüglich deiner letzten Frage: die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, wie wichtig dir die Umwelt ist und ob du in Rahmen deiner zur Verfügung stehenden Möglichkeiten aktiv teilnehmen möchtest und du ebenfalls bereit bist, die Konsequenzen (Anzeige und Schlagstöcke etc) tragen willst, die eine solche Teilnahme mit sich bringt.
Ich für meinem Teil bin kein Protestler und versuche meinen Beitrag für die Umwelt anderweitig zu leisten wie beispielsweise Strom und Wasser sparen, öffentliche Verkehrmittel benutzen anstatt das Auto etc.

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Offline Rima Nari

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Oh, der Strich über meinem i in Kaltxì ging in die andere Richtung als bei dir. :D

Diese aufeinandertreffenden Interessen sind ein guter Punkt. Entwicklungsländer, die augenscheinlich bessere Probleme haben, Schwellenländer, die den gleichen Wohlstand wollen wie Industrieländer und letztere, welche diesen Wohlstand nicht verlieren wollen. Unternehmen, welche Gewinne maximieren wollen und per Definition des "Unternehmens in einem kapitalistischen Markt" niemals auf etwas anderes als auf kurzfristige Gewinnmaximierung Wert legen.
Aber man kann das alles etwas vereinfachen zu: Regierungen, die das Problem ignorieren - sich dessen eventuell garnicht so sehr bewusst sind - und Unternehmen, die es absichtlich missachten, weil es im Wege von kurzfristigem Profit steht. Ich glaube, ungebremster Kapitalismus ist das grundlegende Problem. Ohne kurzsichtige Unternehmen, die in Wirklichkeit die Welt regieren, würde nicht so rücksichtslos auf mögliche Konsequenzen Ressourcen extrahiert werden. Man stelle sich vor, der Kohlebergbau obläge der Bundesregierung und nicht Vattenfall, RWE & Co. Man würde sich ganz natürlich viel früher Gedanken darüber machen, welche Auswirkungen dieser Wahnsinn überhaupt hat anstatt einfach nur das Geldäquivalent eines Tagebergbaus oder eines Kohlekraftwerks zu betrachten. Unternehmen hingegen haben nichts zu befürchten. Am Beispiel Kernenergie sieht man es ja aktuell wieder deutlich, wie leicht sich diese Konzerne selbst von der unmittelbarsten Konsequenz freikaufen können...

Protestaktionen können einen Beitrag zur Änderung leisten, müssen es aber nicht und genau diese Ungewissheit macht eine Entscheidung, solche Aktionen zu unterstützen oder aktiv teilzunehmen, schwierig.
Wie meinst du das? In dem Sinne, dass eine Protestaktion auch einen umgekehrten Effekt haben kann? Oder in dem Sinne, dass der Effekt einer Protestaktion gering oder nicht vorhanden sein kann? Im zweiten Fall stimme ich dir zu... aber das kann kein Argument sein weiterzumachen as usual! Ungewissheit ist Teil jeder menschlichen Unternehmung, stoppt Menschen aber nicht, neue Dinge zu tun, größere Dinge zu tun.
Es stimmt, Klimaerwärmung ist ein Thema, dass in gewisser Weise neu ist, als da noch nie etwas von dieser Art war. Es ist wohl die Bedrohung, die die größte Reichweite hat, da sie die ganze Menschheit betrifft. Es ist auch die Bedrohung, die auf lange Zeit gesehen wohl die größten Auswirkungen hat: Das klingt jetzt auch in meinen Ohren etwas arg übertrieben, aber wenn die pessimistischsten Vorhersagen eintreffen und wir einige Jahrhunderte warten, mag es sich zu einem Problem entwickeln, welches das kollektive Überleben der Menschheit bedroht. Schlimmer noch, als es ein globaler Atomkrieg hätte. Und zuletzt ist es die Bedrohung, die am wenigsten greifbar, am leichtesten zu übersehen, zu ignorieren und wieder zu vergessen ist. Menschen handeln schneller und entschiedener, wenn sie emotional gegenüber einer Bedrohung sind. Aber die Evoluation hat menschliche Emotionen derart gestaltet, dass sie nur auf relativ unmittelbare oder offensichtliche Bedrohungen reagiert. Wenn der einzige Hinweis auf eine Bedrohung wissenschaftliche Erkenntnis ist - Zahlen und Graphen! - dann werden die wenigsten Menschen emotional. Und das vermutlich ist es, was so viele von uns den Klimewandel nicht wahrnehmen lässt.

Ich stimme dir zu, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Aber wieso sollte der Zug abgefahren sein? Und auch das Kind ist noch nicht ertrunken. Klimawandel ist wie ein Zug, der ins Rollen kommt. Aber ein Zug hat Bremsen. Vor allem aber könnte man erstmal aufhören aufs Gaspedal (wortwörtlich!) zu treten. Dann rollt der Zug natürlich erstmal noch weiter, zugegeben. Vielleicht ist auch leicht abschüssig und er nimmt ohne unser Zutun an Fahrt auf - dass wir ihn ins Rollen gebracht haben, hatte gereicht. Aber nach jedem Gefälle kommt eine Steigung. Und wir können vielleicht sogar Bremsen (Renaturalisieren abgeholzter Flächen, so dass Pflanzen CO2 aus der Atmosphäre entziehen). Okay, die Leute, die auf der Strecke auf den Gleisen lagen, wo der Zug schon drüber gefahren ist, sind verloren. Aber die Strecke ist gesäumt mit Menschen - je früher wir den Zug stoppen, desto geringer ist der Schaden.
(Ich bin gerade unglaublich erstaunt wie sehr diese Zug-Analogie wie die Faust aufs Auge passt! :) )
Und ganz ernsthaft, ohne Metaphern: Wieso müssten wir innerhalb weniger Wochen unsere Emissionen auf Null zurückschrauben? Wäre natürlich super, aber Klimawandel ist nichts, dass erst ab einer gewissen Schwelle einsetzt. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, den aufzuhalten zu einem frühen Zeitpunkt natürlich besser ist, aber er lässt sich auch später noch aufhalten. Was alles andere als ein Appell zur Untätigkeit ist, im Gegenteil: Unsere Chance ist noch nicht vorbei :)   "Schadensbegrenzung" ist was wir tun sollten - indem wir den Klimawandel mit allen Mitteln (der Menschlichkeit) stoppen.


Wenn man sich die enorme Komplexität der modernen Gesellschaften von heute im Bezug mit der globalen Erwärmung vor Augen führt, wird man feststellen, dass dies ein extrem schwerer Brocken ist, an dessen Lösung alle Staaten und alle Menschen an einem Strang ziehen müssen.
Man stelle sich vor, du könntest in Europa Produkte aus Amerika kaufen und innerhalb von wenigen Tagen in der Hand halten. Oder man stelle sich die Vision vor, dass Handel ohne Zölle und über Staatsgrenzen hinweg reibungslos funktionieren kann! Oder dass es eine weltweite Organisation gibt, die den Handel auf dem gesamten Planten der gesamten Menschheit überwacht!
Das sind Dinge, für die alle Staaten an einem Strang ziehen müssen. Mussten. Denn man kann problemlos Produkte aus den USA innerhalb weniger Tage geliefert bekommen, es gibt ettliche Freihandelsabkommen und auch die Welthandelsorganisation WTO wurde 1994 gegründet. Wieso sollten wir das nicht mit dem Klimawandel auch schaffen? Wie haben gezeigt, dass wir es können, wenn einige wenige mächtige und privilegierte Staats- und Konzernchefs es wollen. Dann werden wir es doch wohl auch schaffen können, wenn Millionen von Menschen es wollen.
Auch wenn das hervorgekäut klingt, aber so ist es: Wir sind der Staat. Durch die mickrigen Züge der Demokratie, die in unserem Land noch verblieben sind, vielleicht nicht mehr so sehr wie es sein sollte, aber auf dem Papier allemal. Nehmen wir und das, was uns gehört - Mitbestimmung - doch zurück!

Ich für meinem Teil bin kein Protestler und versuche meinen Beitrag für die Umwelt anderweitig zu leisten wie beispielsweise Strom und Wasser sparen, öffentliche Verkehrmittel benutzen anstatt das Auto etc.
Du bist sicherlich mehr Protestler als ich :)  Die einzige Protestaktion an der ich bisher teilgenommen habe war ein Flashmob mit einigen hundert Menschen, bei dem wir uns in einer Herzform aufgestellt haben im Zuge das People's Climate March 2016. Ansonsten kann ich nur Clicktivismus vorzeigen und die ein oder andere kleine Spende.
An Ende Gelände kann teilnehmen, wer will. Man muss kein gehärteter Aktivismus-Veteran sein mit jahrelanger Erfahrung. Ende Gelände hat auch letztes Jahr stattgefunden als Aktion eine Kohlemine im Rheinland stillzulegen. Hier ist ein Erfahrungsbericht von einem völlig normalen Menschen: Ben Winston. Klimawandel war für ihn auch nur eine Sache, die er lange ignoriert hat, aber irgendwann hat er sich entschlossen etwas dagegen zu tun. Diese Aktion besteht nicht nur aus Greenpeace- und Sonstigem Leuten, die schon alles mögliche erlebt haben. Viele sind normale Leute, die etwas realisiert haben, was die Gesellschaft kollektiv ignoriert und nun den Drang haben, zu handeln. Mir geht es genauso.
Ich will dich nicht überreden zu irgendwas - ich bin selbst unentschlossen - aber ich glaube der Satz "Das ist nichts für mich, ich bin niemand der protestiert, mache aber meinen eigenen Teil durch Energiesparen" ist nur etwas, wohinter man sich versteckt, weil man vor der Realität und Verantwortung als menschliches Wesen zurückschreckt*.
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Es gab und gibt Staaten, die Betriebe haben und jene machen es nicht unbedingt besser als gewöhnliche Unternehmen. Die Geschichte hat es auch gezeigt. Deutschand könnte staatliche Beriebe besser führen, aber leider wurden viele staatliche Betriebe privatisiert.

Wie meinst du das? In dem Sinne, dass eine Protestaktion auch einen umgekehrten Effekt haben kann? Oder in dem Sinne, dass der Effekt einer Protestaktion gering oder nicht vorhanden sein kann?
Dass Proteste einen umgekehrten Effekt haben können, meine ich nicht, sondern einfach, dass eine Protestaktionen ignoiert werden können. Bei vielen Menschen kommt auch die Frage wie viel Sinn es macht gegen die Klimaerwärmung to protestieren, insbesondere weil dieses Problem kein lokales Problem ist, sondern ein globales. Ich bin der Meinung, dass globale Probleme globale Lösungen erfordern, und da bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich sinnvoll ist, eine lokale Kohlemine für ein paar Stunden außerbetrieb zu setzen. Natürlich hat solch eine Aktion eine gewisse Symbolkraft und dass möchte ich nicht unterschlagen. Letzendlich muss das aber jeder für sich selber entscheiden. :)

Aber wieso sollte der Zug abgefahren sein?
Es hat mit der Komplexität der Erwärmung zu tun. Wir wissen nicht genau, ab welchen Punkt positive Rückkoplungseffekte auftreten und die Erwärmung sich verselbständingt im Sinne sich selber verstärkt: CO2 erwärmt Athmosphäre -> Permafrostboden taut und setzt dabei Methan frei (20x stärker als CO2) -> Eisfläche nimmt ab, das dazu führt, dass mehr Energie absorbiert wird anstatt reflektiert -> Ozeane erwärmen sich und kann Methanhydrat freisetzten... Um mal bei der Zug-Analogie zu bleiben, das wäre so als wenn der Zug mit anderen Zügen kollidiert und jene Züge mitreißt. Solch ein Zug wird immer länger und schwerer und wird entsprechend schwerer aufzuhalten sein.

Wieso müssten wir innerhalb weniger Wochen unsere Emissionen auf Null zurückschrauben?
Weil um das Klima auf normalem Niveau zu bekommen es auf natürlichem Weg mehrere hundert Jahre dauern wird. Was die ganze Sache eben schierig macht sind die zuvor genannten Rückkopplungseffekte.

Das mit der WTO ist ja schön und gut, aber dennoch kocht jeder Staat seine eigene Suppe. Staaten wollen in erster Linie sich selber erhalten. Man kann doch die EU als Beispiel hernehmen. Es hat gewisse Organe und Kompetenzen EU-weite Regelungen durchzusetzten, aber da sind viele viele Dinge, die jeder Staat lieber selber regeln möchte (Wäre dem nicht so, wäre die EU schon soetwas wie die "Vereinigten Staaten von Europa"). Die Sache mit Freihandelsabkommen ist, dass diese gut klingen (manchmal es auch in der Tat sind) aber irgendwo Mist sind, wie aktuell TTIP.

... aber ich glaube der Satz "Das ist nichts für mich, ich bin niemand der protestiert, mache aber meinen eigenen Teil durch Energiesparen" ist nur etwas, wohinter man sich versteckt, weil man vor der Realität und Verantwortung als menschliches Wesen zurückschreckt
Ich war auch schon mal protestieren, gegen dieses ACTA. Und was ich mit der Aussage meinte ist schicht meine momentane Situation. Ich habe einfach nicht die Zeit mich an solche Protestaktionen aktiv zu beteiligen. Wenn ich die Zeit hätte, wäre ich ebenfalls sehr unentschlossen.

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aber leider wurden viele staatliche Betriebe privatisiert.
Strom, Wasser, Energie, Müllabfuhr, Öffentliche Beförderung, ... - die komplette Grundversorgung. :(  Ich habe bisher noch nie richtig realisiert wie sehr "amerikanisch" Deutschland ist in Hinblick auf dieses verdrehte Ideal von Selbstbestimmung als Freiheit von jeglicher Regulierung.
Staaten, die Betriebe haben, haben diese bestimmt auch nur, damit Teile der staatlichen Gewalt durch Wettbewerb "besser" funktionieren. Wobei "besser" das Aufwand-/Kostenverhältnis meint und nicht, einen bestimmten Standard für möglichst geringe Kosten zu halten.

weil dieses Problem kein lokales Problem ist, sondern ein globales. Ich bin der Meinung, dass globale Probleme globale Lösungen erfordern, und da bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich sinnvoll ist, eine lokale Kohlemine für ein paar Stunden außerbetrieb zu setzen.

Letzendlich muss das aber jeder für sich selber entscheiden. :)
Ein globales Problem, mit lokalen Ursachen. Aber genau weil es ein globales Problem ist, gibt es im ganzen Mai vielfältigste Aktionen gegen Fossil Fuels auf verschiedensten Kontinenten, unter dem Stichwort Break Free from Fossil Fuels. Die Politik hat ja offenbar kein Interesse, sichtbar am Paris-Semi-Desaster (das seltsamerweise jeder als "passt schon" feiert), deswegen muss man die Sachen in die eigene Hand nehmen und mit Demonstrationen und Zivilem Ungehorsam aufmerksam machen. Und wenn man dabei ganz praktisch etwas erreicht, schadet das auch nicht. Aber die Symbolkraft ist es, was zählt.

Natürlich muss es jeder für sich selbst entscheiden - aber Entscheidungen werden oft gefällt durch Bewerten von Meinungen anderer :)


Dieses Argument mit den "tipping points", ab denen die Erwärmung schlagartig und in einem Teufelskreis gefangen ansteigt, höre ich meist immer nur auf der Seite derer, die dazu aufrufen, endlich zu handeln und die Dinge in die eigene Hand zu nehmen. Eben wegen diesen Dingen, um sie zu vermeiden oder bestmöglich entgegen zusteuern. Ich schätze mal es liegt an der eigenen Weltsicht, ob man so etwas als Argument für Aktionismus sieht, oder as Argument dagegen a lá "ist sowieso zu spät".
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfange Schuldgefühle zu entwickeln. Dafür, dass ich so lange untätig war und obwohl ich um die Brisanz des Themas wusste mir nie die Zeit genommen habe um es mir mal genauer anzusehen. Ich glaube, dass ich etwas tun *muss*.


Die Sache mit Freihandelsabkommen ist, dass diese gut klingen (manchmal es auch in der Tat sind) aber irgendwo Mist sind, wie aktuell TTIP.
Oh, das war auch garnicht positiv von mir zu Freihandelsabkommen gemeint. Die treiben nur das grundlegende Problem von ökologischer und sozialer Ungerechtigkeit in unserem System weiter voran: unregulierter Kapitalismus und der Zwang, immer mehr zu wachsen. Was in einer Biosphäre mit begrenzten Ressourcen irgendwann Probleme macht. Ganz kurzfristig und direkt schon ist TTIP ein herber Schlag gegen das Klima, wenn noch umfangreicher Waren zwischen den USA und Europa hin- und hertransportiert werden, da physikalische Entfernungen zu einer kleinen Ziffer unter vielen am Rande einer Kosten-Nutzen-Rechnung verkommen.


Morgen fahre ich auf das Klima-Camp bei Proschim (westlich von Cottbus), einem von Planungen für einen neuen Tagebau gefährdeten Ort. Am Samstag ist sowohl eine Demonstration geplant als auch die Aktion, die Kohlebagger und -züge zu besetzen. Mal gucken, zu was von beidem ich mich entschließen werde :)
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Kaltxì zusammen,

auch ich war Ewigkeiten nicht mehr hier. Und mit Ewigkeiten meine ich schon mehrere Jahre  :o
Aber wie es der Zufall will, bin ich heute seit langem wieder auf das Forum gestoßen, auf den lieben Basti, der mich damals hier hin geholt hat und auf dieses sehr interessantes Thema!
Ich habe leider nicht so viel Zeit, dass ich alles in meinem kopf hier niederschreiben kann, aber ich versuche es zusammenzufassen und kirz zu halten-

Was sind also meine Gedanken dazu:
Ich habe mich gerade in der Vergangenheit oft mit diesem Thema beschäftigt. Und auch heute lebe ich in meinem Sinne umweltbewusst. Ich lebe in meinen gegebenen Verhältnissen bescheiden und trage meinen Teil bei. Jedoch war dabei immer ein saurer Nebengeschmack dabei. Und mittlerweile weiß ich auch warum. Ich mache dies für mein Gewissen. Vielleicht um was zurückzugeben. Trotz alledem bin ich der Meinung, dass es zwecklos ist. Egal wie viele Aktivisten sich an Bäume ketten, Braunkohlegebiete besetzen und Züge mit Atommüll aufhalten: Es ist alles ein Tropfen auf einem heißen Stein. Es ist ein Verzweiflungsakt, bei der diese Menschen mit diesem Bewusstsein im Vergleich doch relativ alleine da stehen. Wir haben Konzerne, wir haben Wirtschaft, wir haben die Politik - Alle preisen sie diese Bewegung für mehr Umweltbewusstsein an. Doch die 'Lösungen', welche präsentiert werden... Das ist alles so verdammt irrelevant. Für das Image sicher eine gute Sache. Doch für die Welt vielleicht nur ein Tumor weniger, in einem Körper voller Geschwüre.

Der Mensch ist wie er ist. Egal wie viele aus der Reihe tanzen: Die Vergangenheit zeigt, dass wir noch nie aus unseren Fehlern gelernt haben. Sie werden nur jedes Mal anders verpackt. Und ich denke, so wird es auch mit dem lieben Klimaschutz sein. Es ist gut, dass wir unseren Teil beitragen. Es ist gut, dass wir darüber reden und diskutieren. Doch ich denke, dass der kleine Anteil von Menschen nichts ausrichten kann, wenn die Welt von dem anderen Großteil regiert wird und es die gesunde Mittelklasse existiert, die mitlaufen.


Bin mal auf eure Meinungen gespannt.
Euer Chris!  :D

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*extrem spät* :-[

Menschen haben schon aus Fehlern der Vergangenheit gelernt, zwar nicht bei allen Punkten aber immerhin. Lösungen für das Problem sind mehr oder weniger bekannt und teilweise schon heute (begrenzt) umsetzbar. Langfristig wird es eine umwelt- und klimafreundliche Umstellung geben müssen, da Öl und Gas nicht für immer verfügbar sein werden, das selbe gilt auch für Uran. Auch andere Resourcen für Konsumgüter werden nicht immer in der gewünschten Menge zu haben sein. Wie dem auch sei, wenn man gedanklich das gesammte aktuelle System mit all seinen Rattenschwänzen durchgeht, so wird man leider feststellen, dass es noch ein langer weg sein wird das Kind wieder aus dem Brunnen zu holen in dem es zuvor hineingefallen ist...

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Re: Umweltbewusstsein durch Avatar - Umweltaktivismus: Ende Gelände 2016
« Reply #7 on: August 27, 2018, 10:15:43 am »
Von einem Nostalgie-Schub getrieben habe ich mich gerade aufgemacht das Forum etwas zu durchstreifen und den alten Zeit nachzutrauern. Dann hab ich diesen Thread wiederentdeckt... sorry, dass ich in meinem eigenen Thread nicht in der Lage war zu antworten.:(  Vor zwei Jahren hatten mich die letzten beiden etwas "pessimistischen" Antworten abgeschreckt.

Aber ich wollte das unbedingt jetzt nachholen. Toothless - Chris :) - ich habe mich wirklich riesig gefreut wieder etwas von dir zu lesen! (Um so mehr bereue ich es nicht geantwortet zu haben.)


Ich hatte ja geschrieben, dass ich auf das Klimacamp fahre und mich dann dort entscheiden werde, ob ich an der Aktion zivilen Ungehorsams teilnehmen werde. Genau das hab ich dann auch getan. Auf der Hinfahrt habe ich glücklicherweise jemanden kennengelernt, mit dem ich zusammen in die Aktion gehen konnte. Alleine sollte man sowas nämlich nicht tun.
Letztlich haben wir damals vor zwei Jahren einige Bagger im Tagebau teilweise blockiert, aber insbesondere die Gleise und Verladestellen für 48 Stunden blockiert. Die Blockade in der ich war wurde nicht polizeilich geräumt, sondern nach 48 Stunden haben wir uns entschlossen, abzuziehen. Wir hatten nicht nur unsere Botschaft vermittelt (und für pressewirksame Fotos gesorgt), sondern auch ganz praktisch das Kohlekraftwerk gezwungen die Leistung (und damit den CO2-Ausstoß) enorm zu drosseln und fast komplett abzuschalten. (Nein, die Stromversorgung wurde nicht wirklich gefährdet - Europas Stromnetz ist dicht genug um den Ausfall eines Kraftwerks zu vertragen.) Was aber wirklich zählt ist natürlich die Botschaft, dass normale Bürger die Nase voll haben von Politik und Unternehmen verarscht zu werden, und dass die Problematik medienwirksam in den Vordergrund gerückt wird. Zumindest für einen einminütigen Bericht in den 20-Uhr-Nachrichten.

Was die Aktion nun aber tatsächlich langfristig bewirkt hat, weiß wohl niemand. Ich hoffe insgeheim, dass die inzwischen fast traditionsreichen Ende-Gelände-Aktionen jedes Jahr einen großen Beitrag dazu leisten, dass sowohl das Problem des Klimawandels an sich - als auch die Rolle der deutschen Kohle dabei - mehr Gewicht in der Berichterstattung bekommen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass der Klimawandel tatsächlich prominenter in den Nachrichten ist... aber das kann ich nur schlecht abschätzen. Und ob mein Beitrag dazu nun einen Unterschied gemacht hat oder nicht... wer weiß das schon.

Es hat sich aber gut angefühlt, etwas zu tun. Das Problem, dessen man sich bewusst ist, und über das man so oft redet, endlich auch angegangen zu sein. Zumindest ein kleines bisschen, und auch selbst dann, wenn es tatsächlich eh schon zu spät ist oder am Ende gar nichts bringt.


Inzwischen werden die Aktionen zivilen Ungehorsams von Ende Gelände gegen die Braunkohle in Deutschland jährlich durchgeführt. Letztes Jahr war ich nicht dabei, aber dieses Jahr Ende Oktober, im Rheinland, plane ich wieder hinzugehen. Gerade im Moment wird ja sogar recht häufig auch in normalen Medien über den Hambacher Wald berichtet, dessen letztes verbliebenes Stückchen RWE in den kommenden Monaten roden will, um mehr Kohle zu baggern - obwohl die Kohlekommission tagt und noch nicht entschieden hat. Unter dem Gesichtspunkt kann man gerade jetzt ein sehr deutliches Zeichen für Klimaschutz setzen, dass sicher auch den für einen schnellen Kohleausstieg Verhandelnden in der Kohlekommission hilft.
Wer geht mit? ;)
« Last Edit: August 27, 2018, 10:21:09 am by Rima Nari »
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