Author Topic: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"  (Read 1176 times)

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Offline Eichhörnchen

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Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"
« on: June 16, 2013, 02:42:32 pm »
Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 “Mira”



Mit schreckgeweiteten Augen starrte die Frau auf die Erscheinung in ihrer Kammer. Unfähig, sich zu rühren, brachte sie nur ein Stammeln über ihre Lippen. Im gleichen Moment stürzte sich der Schatten auf sie und ein rasender Schmerz raubte ihr fast die Sinne. Dazu gesellte sich ein Schock, als sie ihren Bauch sah, aus dem in dünnen Strahlen das Blut heraus gepumpt wurde. Instinktiv klammerten sich ihre Finger um den Gegenstand, den der Fremde in seiner Hand hielt, während das Leben aus ihr wich. Noch bevor ihr Körper den Boden berührte, verschwand der Eindringling, so geheimnisvoll wie er aufgetaucht war. In ihrer leblosen Hand steckte das Kleinod, welches sie ihrem Mörder entrissen hatte.


Theia stippte ihre Finger in den Bottich und zog sie sofort aufschreiend zurück.
“Ist das kalt! Wie kann man sich damit waschen?” Krampfhaft nahm sie all ihren Mut zusammen und beugte sich erneut darüber. Im gleichen Moment packte sie etwas von hinten und drückte ihren Kopf in das eisige Wasser. Nur unter Aufbietung aller Kräfte schaffte sie es, sich prustend loszureißen.
“Was beim Licht unseres Mondes soll das… Mira!” Völlig überrascht starrte sie in das Gesicht ihrer Schwester. Mira lachte glockenhell. “Entschuldige Theia, aber du hast förmlich danach gebettelt.”
“Was machst du hier und wie hast du uns überhaupt gefunden? Mutter wird äußerst ungehalten sein, wenn ich dich zurückbringe.”
“Mich zurückbringen? Das kannst du vergessen, ich werde nicht mit dir kommen!” Gerade lag ihr eine scharfe Erwiderung auf der Zunge, da kam Tara wie von Furien gehetzt um die Hütte herum geschossen.
“Was geht hier vor sich? Theia!” Hatte sie erst angenommen, dass Theia etwas zugestoßen war, so irritierte sie der Anblick der anderen Fee nun völlig.
“Mira… bist du das? Wie kommst du hierher?”
“Das würde ich auch nur zu gerne wissen.“ Theia schüttelte sich, was einen Schwall aus unzähligen Tropfen bestehend zur Folge hatte. Begleitet von einem Aufschrei wich Tara zur Seite.
“Sie erkennt mich wieder”, rief Mira freudestrahlend und schwirrte ihr entgegen. Bevor sie ihrer Begeisterung noch weiter Ausdruck verleihen konnte, wurde sie unsanft an den spitzen Ohren gepackt. “Hier geblieben. Wir beide sind noch nicht fertig miteinander.” Mira ließ einen kläglichen Laut hören, das Gesicht dabei von Schmerz verzerrt. “Lass mich sofort los, oder du kannst etwas erleben!”
“Gib sie frei, Theia. Jetzt wo sie schon mal hier ist, können wir ihr auch das Haus zeigen. Das möchtest du doch, Mira?” Ein heftiges Nicken. Die kleine Fee nutzte die Gelegenheit und befreite sich flink aus den Fängen ihrer Schwester.
“Was habe ich mir da nur wieder eingehandelt. Eria wird mich umbringen, wenn sie davon erfährt”, schluckte Theia, der anzusehen war, dass ihr diese Entscheidung überhaupt nicht leicht fiel.
“Vielleicht musst du es ihr gar nicht sagen. Wenn sie nicht zu lange wegbleibt, merkt deine Mutter nichts und wir werden sie nicht verraten”, überlegte Tara.
Die beiden Feen Mädchen sahen sie entsetzt an. “Nein! Wir können nicht lügen, wann begreifst du das endlich!” Theia wirkte völlig fassungslos, während Mira nur mit dem Kopf schüttelte, dass ihre feinen Haare umher flogen.
“Ihr zwei seid einfach nur… unglaublich”, stammelte Tara. “Also kommt, lasst uns ins Haus gehen oder wollt ihr hier draußen Wurzeln schlagen?”
Mira folgte ihr erleichtert.

Anerkennend nippte Theia an ihrer Tasse. “Du verstehst es wirklich uns zu verwöhnen Tara. Ich liebe heiße Schokolade.”
Das Mädchen schenkte Mira etwas von der dampfenden Flüssigkeit ein, bevor sie sich selbst dazu setzte. “Ich genieße es, endlich wieder etwas Leben im Haus zu haben. Hast du dir schon überlegt, wann du Mira zurückbringst?”
“Sobald ich ausgetrunken habe. Sie dürfte überhaupt nicht hier sein. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können.” Theia bedachte ihre deutlich jüngere Schwester mit einem vorwurfsvollen Blick.
“Bitte streitet euch nicht wieder. Wir haben wirklich andere Probleme.”
“Schon gut. Kann ich noch etwas von deiner Schokolade haben?”
Nickend goss Tara nach. Keines der beiden Mädchen achtete auf Mira, in deren Augen es schelmisch glitzerte.
“Du musst mir unbedingt das Rezept verraten, Tara. Eria wird davon begeistert sein und es ganz sicher nachkochen wollen.” Sie leckte sich genießerisch über die Lippen. “Wirklich ganz ausgezeichnet. Es schmeckt wie…, wie… Schlamm! Mira, du kleines Biest!” Theia zog angewidert ein Tuch hervor und wischte sich den Mund ab, nur um sich gleich darauf auf die kichernde Fee zu stürzen. Ein Schemel flog unter lautem Krachen um, während die Becher auf dem Tisch bedenklich erzitterten.
“Hört sofort auf damit! Ihr demoliert mir ja noch alles!” Energisch versuchte Tara die ineinander verschlungenen Kontrahentinnen zu trennen und packte sie hart am Nacken. “Was ist denn nur in euch gefahren? Ihr benehmt euch wie Kinder.”
“Bitte Tara, du musst mir helfen! Ich möchte nicht nach Hause. Hier bei euch ist alles so aufregend.”
“Dem werde ich niemals zustimmen! Du kommst augenblicklich… .”
Eine Hand legte sich auf Theias Mund und erstickte ihren Redefluss.
“Was ist denn so schlimm daran, wenn Mira ein paar Tage bei uns bleibt? Immerhin ist es deine Schwester. Hast du mir nicht selbst immer gesagt, wie sehr du sie vermisst?” Vorsichtig lockerte Tara ihren Griff, doch Theia machte keine Anstalten, sich erneut auf ihre Schwester zu stürzen. Statt dessen blieb sie mit gesenktem Kopf stehen. “Ja schon Tara. Es ist nur, also… wir sollen… .” Sie fing an zu schlucken und schwieg. “Beruhige dich. Wenn wir alle etwas aufpassen, kann nichts passieren. Du wirst uns doch gehorchen, Mira?”
“Soll das heißen: Ich darf hier bleiben?” Mira sprang lachend auf und riss in ihrem Überschwang das Mädchen beinahe von den Füßen. “Was ist Theia? Bist du einverstanden?” Theia schaffte es nicht, dem erwartungsvollen Blick ihrer jüngeren Schwester etwas entgegenzusetzen.
“Also gut, aber wehe, du stellst irgendwelchen Unfug an, dann lege ich dich eigenhändig übers Knie.” Mira verzog spöttisch ihre Mundwinkel.
“Schön, dass wir das geklärt haben. Werdet ihr nun mit mir in das Dorf gehen?”
Ihre grünen Augen nahmen einen geradezu bettelnden Ausdruck an. Tara, damit beschäftigt das Geschirr abzuräumen, musste unwillkürlich lächeln und rief ihr zu:
“Warum nicht? Bei der Gelegenheit können wir den Schrein aufsuchen. Allerdings muss ich dich warnen, Mira. Meister Beorn, kann manchmal etwas ungehobelt sein.”
“Meister… wie das klingt. Er ist ein Säufer und Hurenbock mehr nicht”, erwiderte Theia ungehalten.
“Benimm dich, Theia. Was soll Mira sonst von dir denken?”, kam es tadelnd von jenseits der schlichten Anrichte. “Woher hast du überhaupt diese Ausdrücke?”
“Von den Soldaten der Stadtwache. Ich habe sie des Nachts belauscht, als sie aus der Dorfkneipe torkelten. Sie haben noch ganz andere Dinge gesagt. Möchtest du sie hören?”
Das Mädchen verneinte hastig und kam heran, wobei es Theia einen missbilligenden Blick zuwarf. “Darüber sprechen wir noch. Zieh das an, es sollte dir passen, Mira.”
Tara reichte der Fee ihren Umhang und streifte sich stattdessen die abgewetzte Jacke ihres Vaters über.
“Ist das ein derber Stoff. Wie kannst du es darin nur aushalten und komisch riechen tut er außerdem.” Theia verbiss sich mühevoll ein Kichern.
“Was meinst du damit? Meine Sachen sind sauber. Willst du nun mit uns kommen oder nicht? Wir müssen irgendwie deine Flügel verbergen, sonst wird das ganze Dorf auf uns aufmerksam.”
Mira seufzte auf und betrachtete argwöhnisch das ungewohnte Material.
“Also gut, wenn es unbedingt sein muss. Hör endlich auf zu grinsen, Theia, sonst wirst du es bereuen.”
“Das tue ich jetzt schon, Mira.“
“Es reicht. Seid still, alle beide!“ Tara zog ihre Freundin mit nach draußen, bevor die Mädchen sich wieder in die Haare bekommen konnten. Strahlender Sonnenschein empfing sie vor der Tür und zwang sie dazu, für einen Moment die Augen zu schließen, bevor sie blinzelnd rief:
“Ein herrlicher Tag. Ich bin gespannt, wie es Zahira geht. Ob sie irgendwann wieder zu Bewusstsein kommt? Mittlerweile tut sie mir wahnsinnig leid. Ich schließe sie jeden Abend in meine Gebete mit ein.”
“Meister Beorn dürfte darüber bestimmt entzückt sein, mein Kindchen”, feixte Theia. “Das ist nicht witzig! Ich weiß, dass du nicht an unsere Götter glaubst.”
“Nun Beorn wohl auch nicht, sonst würde er nicht soviel saufen.”
“Wovon beim Licht des silbernen Mondes redet ihr beiden da?” Mira blieb stehen und blickte aufgeregt in ihre Gesichter.
“Habe etwas Geduld, Mira, wir werden es dir bald zeigen. Geh einfach weiter”, sagte Theia ausweichend. Immer noch hatte sie mit dem unerwarteten Erscheinen ihrer Schwester zu kämpfen und zum wiederholten male kam in ihr die Frage auf, was Mira sich dabei gedacht hatte. Schweigend schritten die Mädchen ins Dorf, doch je weiter die Hütte hinter ihnen zurück blieb, umso unwohler begann sich Tara zu fühlen.
“Seltsam… es ist so still. Wo sind denn die Leute hin?”
“Was meinst du, Tara?”
“Na sieh dich doch mal um. Irgendwas stimmt hier nicht.”
Nun bemerkte es auch die Fee. Keine Stimmen wo sonst ein Raunen in der Luft lag. Das Hämmern in der kleinen Schmiede, die Geräusche der Handwerker, welche das Holz verarbeiteten, nichts von alledem erklang. Fast war es, als habe ein Dieb alle Laute gestohlen und das Dorf in ewige Stille versetzt.
“Ob Shrouks in der Nähe sind?”
“Das denke ich nicht, Theia, dann wären wir längst auf die Stadtwache getroffen. Vielleicht haben sich die Bewohner bei Meister Beorn zu einer Gebetsstunde eingefunden. Ich vergesse oft, an Feierlichkeiten teilzunehmen. Besonders, seit ich dich kenne”, sagte Tara schuldbewusst.
Die kleine Fee rollte bei ihren Worten mit den Augen.
“Sehen wir erst einmal am Markt nach. Bestimmt machst du dir wieder zu viele Gedanken und alles hat eine ganz harmlose Erklärung.”
“Was sind Shrouks?”, flüsterte Mira neugierig dem Mädchen zu.
“Das möchtest du nicht wissen, glaub mir”, erwiderte Tara und schritt nachdenklich den ausgetretenen Weg entlang.

Vor ihnen tauchte der Marktplatz auf und sofort wurde ersichtlich, warum das Dorf sich ihnen bisher so verlassen dargestellt hatte. Sämtliche Bewohner drängten sich aufgeregt schnatternd und gestikulierend zwischen den Ständen der Händler, die in das Geschrei mit einstimmten. Als einer der Bauern der Mädchen gewahr wurde, streckte er ihnen seinen Arm entgegen.
“Da ist sie, diese Hexe, zusammen mit ihrer seltsamen Begleitung! Los ergreifen wir sie und erteilen ihnen eine Lektion, die das Pack nicht so schnell vergessen wird!”
Der unbändige Hass in den Worten des Händlers ließ sich nur schwer überhören und genügte, um die aufgebrachte Menge weiter anzustacheln. Endlich ein Ziel vor Augen, auf das sich ihr Zorn richten konnte, versuchten sie der Mädchen habhaft zu werden. Während die beiden Feen wie gelähmt von der überraschenden Situation waren, begriff Tara augenblicklich, in welcher Gefahr sie sich befanden.
“Theia, Mira, lauft!”
Panisch trieb sie die beiden zierlichen Wesen an. Ein gehetzter Blick zurück: Die Menge hatte sich in Bewegung gesetzt und begann mit Knüppeln und allem, was sie habhaft werden konnten, den vermeintlichen Täterinnen nachzustellen.
“Soll ich uns zur Hütte bringen, Tara?”
“Nein, auf gar keinen Fall wendest du deine Magie an! Damit würden wir ihnen nur in die Hände spielen und direkt auf dem Scheiterhaufen landen. Wir müssen es ganz einfach schaffen. Die Händler können uns nicht ewig verfolgen, schließlich werden sie ihre Stände nicht unbeaufsichtigt lassen wollen. Rennt weiter!”
Insgeheim hoffte Tara, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag.
Keuchend hasteten sie durch das Dorf dem kleinen Weiher entgegen. Tara hatte diesen Weg gewählt, um die Meute nicht zur Hütte zu führen. Die Vorstellung, dass die Bauern vielleicht ihr Heim in Brand stecken könnten, war unerträglich für das junge Mädchen. Eine Weile schaffte es der aufgebrachte Mob zu folgen, blieb dann langsam hinter ihnen zurück und verschwand schließlich aus ihrem Blickfeld.
Schwer atmend ließ sich Tara ins Gras fallen. “Bei den Göttern, ich hatte schon befürchtet, dass sie uns lynchen wollen. Was ist denn nur in sie gefahren?”
“Irgendwer rief Mörderin und es fielen Worte wie Feen Pack”, schluckte Theia und sank zusammen mit Mira erschöpft auf die Knie. Ihre Flügel bewegten sich in hektischen Rhythmus. Tara drückte die Mädchen an sich, um ihnen Trost zu spenden.
“Es war nicht zu überhören. Was machen wir nun? Hier können wir nicht bleiben, sie sind immer noch hinter uns.”
Theia schnappte nach Luft. “Ich bringe euch beide zurück! Jetzt gleich! Hier ist es zu gefährlich geworden.”
Ihre Schwester erwiderte nichts. Furcht und blankes Entsetzen schimmerten aus Miras Augen. “Schaut, da kommen sie! Rasch… wir müssen fliehen!”
Verstört starrte Tara in die Ferne, wo die Bauern schreiend herankamen. Die Menge hatte sich sichtbar gelichtet, doch waren es immer noch zu viele, um ernsthaft eine Gegenwehr in Betracht zu ziehen. Unter verzweifelter Anstrengung riss sie sich auf die Füße. Ihre Knöchel schmerzten und Tara fragte sich, wie lange sie noch vor den Dorfleuten davonrennen konnten. In diesem Moment ließ sie das Geräusch trappelnder Pferde erschreckt die Köpfe wenden. Sämtliche Augen richteten sich auf die Schwadron Reiter, die ihnen in einer wehenden Staubfahne entgegenstürmte.
“Auch das noch… Soldaten! Lauft, so schnell ihr könnt!” Theia hielt sie zurück.
“Bleib hier, Tara. Sie haben uns bereits gesehen und werden uns mühelos einholen. Verhaltet euch ganz ruhig und habt keine Furcht, ich weiß was ich tue.”
Ihre grünen Augen strahlten voller Zuversicht.
Theia stellte sich zwischen beide Mädchen, bereit jederzeit mit ihnen zu verschwinden, wenn es die Lage erfordern sollte. Noch nie zuvor hatte sie versucht, mit mehr als einer Person zu springen, wie Tara es etwas flapsig nannte. Dennoch war sie sich sicher, nicht zu versagen. Dorfbewohner wie Soldaten kamen rasch heran und es war abzusehen, dass beide Parteien sie zeitgleich erreichen würden. Erste Konturen der Reiter wurden erkennbar und im gleichen Augenblick fing Theia vor Erleichterung beinahe hysterisch an zu lachen.
“Sieh doch nur, das da vorne an der Spitze ist Asgard!”
Die Ritter sprengten an ihnen vorbei auf die wütenden Dorfbewohner zu.
“Zurück mit euch, elendes Gesindel! Zurück sage ich, oder ihr werdet meinen Stahl zu spüren bekommen!” Die befehlsgewohnte Stimme übertönte selbst das Donnern der Pferdehufe. Das Wiehern zahlreicher Kampfrösser, Klirren von Stahl und die wütenden Schreie der Bauern vermischten sich zu einer mannigfaltigen Geräuschkulisse, welche die Mädchen in ihrer Mitte zu verschlingen drohte. Erst dicht vor der aufrührerischen Meute kamen die Reiter zum Stehen. Unsicher geworden, wichen die Händler nacheinander vor den wild ausschlagenden Hufen. Nur einer der Männer, mit Augen erfüllt von grenzenlosen Hass, trotzte der Übermacht.
“Ich erkenne sie wieder. Diese Kreatur hat mit ihrer Magie meinen Stand verwüstet. Ich fordere Gerechtigkeit!”
Durch ihren Rädelsführer wieder mit Mut versehen, wagten sich die Bauern erneut vor. Gleichzeitig erklang das Geräusch von Schwertern, die gezogen wurden. Unerwartet forsch schritt der Händler auf die Mädchen zu und streckte seine Hand nach Theia aus. Asgard schlug aus der Bewegung heraus zu, bevor die Finger des Mannes die Fee berühren konnten. Ein Schrei erklang, der in ein wahnsinniges Kreischen überging. Fassungslos starrte der Händler auf den blutigen Stumpf, aus dem der Lebenssaft spritzte.
“Sieh nicht hin, Mira!”
Ebenso schockiert wie ihre Begleiterinnen, hielt Tara der Fee instinktiv die Augen zu. Die schmerzerfüllten Klagelaute des Bauern gingen ihnen durch Mark und Bein. Während die Reiter versuchten, die Mädchen von dem Geschehen abzuschirmen, löste sich ihr Anführer aus der Gruppe.
“Ho… ganz ruhig.” Der Ritter ließ sein prächtiges Tier vor ihnen tänzeln.
“Hier steckt ihr also. Wir suchten bereits an der Hütte nach euch. Steigt auf Ladys, ihr erhaltet sicheres Geleit.”
Immer noch den Schrecken in den Gliedern, schwang sich Theia hinter seinen Rücken.
“Ich hätte nicht vermutet, dass wir uns so schnell wieder begegnen, Sir Asgard.”
“Die Freude ist ganz meinerseits, Mylady, umso mehr, euch wohlbehalten zu sehen.” “Könnt ihr uns sagen, was passiert ist?”
“Genaues kann ich euch auch nicht berichten. Es gibt nur Gerüchte über einen Vorfall in der Festung. Allerdings verbreiten sich diese wohl schneller als ein Feuer auf einem Strohdach. Sie beinhalten Dinge, die sehr wohl über euer Tod oder Leben entscheiden können. Wer ist das Mädchen? Kann man ihr vertrauen?” Sein gepanzerter Handschuh deutete auf Mira.
Tara nickte hastig und ließ sich von Paran aufs Pferd helfen. “Sorgt euch nicht, sie gehört zu uns”, sagte Tara und legte ihre Arme um den Jungen, was diesem sichtlich zu gefallen schien. “Los Mira, steig auf!“
Endlich kam Bewegung in die kleine Fee und völlig eingeschüchtert ließ sie zu, dass einer der Reiter sie sanft in die Höhe zog. “Ihr seid wahrlich leicht wie eine Feder”, meinte er lächelnd. Mira antwortete nicht und schlug die Augen nieder, während sie versuchte, Halt zu finden.
Die Schreie des Händlers waren inzwischen verstummt. Ein Blick zeigte, dass er wohl bewusstlos geworden war. Mehrere der Bauern versuchten, nachdem sie die hässliche Wunde abgebunden hatten, ihn fortzuschleppen.
“Schert euch zurück ins Dorf, ihr aufsässiges Gesindel! Diese Mädchen stehen unter meinem Schutz. Solltet ihr noch mal versuchen, euch an ihnen zu vergreifen, bezahlt jeder einzelne mit seinem Leben dafür.”
Die Bauern erwiderten nichts, nur ein Raunen erklang, dass sich mit ihnen zusammen verzog. Erleichtert stieß Tara die Luft aus ihren Lungen und versuchte ihren rasenden Herzschlag zu regulieren, während  Paran das Pferd dicht an das seines Gebieters dirigierte.
“Können wir nicht die Wache zu Hilfe rufen? Der Mob ist völlig außer Kontrolle geraten.” Sofort zerschlug der Ritter ihre aufkeimende Hoffnung.
“Die Stadtwache ist dem Kommandanten treu ergeben und ihre Soldaten würden keinen Finger rühren, um euch zu retten. Wir können ihnen nicht vertrauen. Unsere einzige Chance besteht darin, den Befehlshaber von eurer Unschuld zu überzeugen. Besonders die eurer ungewöhnlichen Begleiter.”
“Unschuld? Ich sprecht in Rätseln, Sir Asgard. Was immer man uns auch vorwirft, wir haben es nicht getan, das müsst ihr mir glauben.”
“Wenn es anders wäre, würde ich euch eigenhändig in Ketten legen, Mylady.”
Tara schluckte. Der Ritter hatte wie gewohnt höflich geantwortet, doch war der leise Spott nicht zu überhören gewesen. “Warum helft ihr uns eigentlich, Sir Asgard?”
“Warum ich… ? Nun ganz einfach: Ciron bat mich darum, nach euch zu suchen und gegebenenfalls meinen Schutz anzubieten, falls ihr diesen benötigt. Der Hauptgrund ist aber wohl, dass ich diesem liebreizenden Geschöpf hinter mir mein Versprechen gab, ihr beizustehen, sollte sie in Gefahr geraten. Ein Ritter bricht niemals seinen Eid. Die Geschehnisse in der Burg gaben zu großer Besorgnis Anlass und wie ihr seht, kamen wir gerade noch zur rechten Zeit.”
“Wofür wir euch auch überaus dankbar sind, Sir Asgard”, sagte Tara und richtete ihre Blicke wieder auf den Weg vor ihnen.
In gemächlichen Trab blieb der Weiher zurück. Das Tor in eine andere Welt von der niemand außer den Feen Mädchen und Tara etwas wusste.
“Wohin bringt ihr uns?”
“Nach Hause oder schwebt euch ein anderes Ziel vor? Ich bin befugt, euch überall hin zu geleiten.” “Meine Hütte ist in Ordnung“, sagte Tara mit einem erleichterten Blick auf ihre Begleiter.” Asgard ließ ein Grummeln vernehmen und führte den Trupp durch das Dorf bis schließlich ihre vertraute Behausung auftauchte.

In der Ferne verklang das Geräusch trampelnder Hufe, als die Soldaten, die ihnen sicheres Geleit geboten hatten, zur Festung zurückkehrten.
Tara schob den Riegel vor und vergewisserte sich, dass die Tür fest verschlossen war.
“Das sollte halten. Wenn jemand versucht, sie aufzubrechen, merken wir es.” Angst und Unverständnis spiegelten sich in den Augen der beiden Feen Mädchen wieder.
“Was machen wir nun, Tara?”
“Wir sollen uns ruhig verhalten und genau das werden wir auch tun. Habt keine Furcht. Die Dorfbewohner werden es nicht noch mal wagen, gegen uns vorzugehen.”
“Ich wäre mir da nicht so sicher, Tara. Immerhin wurde einer der Händler beinahe getötet. Sie werden uns die Schuld dafür geben, weil sie es einfach so sehen wollen, diese einfältigen Narren.” Eine Weile hingen die Mädchen ihren Gedanken nach und versuchten, jedes für sich schweigend, die Geschehnisse zu verarbeiten. Etwas, dass Mira am schlechtesten zu gelingen schien, deren Antlitz mit jeder verrinnenden Stunde blasser wurde.
“Ich verstehe das nicht. Was meinen sie mit ihren Anschuldigungen und warum sind sie so aufgebracht uns gegenüber? Ist vielleicht eine weitere Fee hier, von der wir nichts wissen?”
Theia sah sie überrascht an, schüttelte aber gleich darauf entschieden den Kopf. “Nein, dann hätte ich es längst gespürt. Es kann nur…”, “…was Theia… sag es uns bitte!” “… nun… also ich dachte an Zahira. Was, wenn sie doch wieder erwacht ist? Wir wissen nicht, ob sie geheilt wurde. Vielleicht hat der Dämon erneut Besitz von ihr ergriffen.“ “Du denkst, dass sie etwas mit dem Vorfall in der Burg zu tun hat?“
“Wartet einen Moment, ich überprüfe etwas”, sagte Theia und verschwand vor ihren Augen. Nervös griff Tara nach Miras Hand und drückte sie ganz fest, um ihr Mut zu spenden. Bevor sie über das weitere Vorgehen beratschlagen konnten, flimmerte die Luft erneut. Schon der erste Blick in Theias Antlitz reichte, um zu wissen, dass etwas ganz und gar nicht in Ordnung war.
“Hast du Zahira gesehen?” “Nein. Ich bin gar nicht in ihre Nähe gekommen. Vor dem Schrein sind Wachen aufgezogen. Vermutlich liegt sie immer noch darin, sonst hätte Beorn es irgendwie geschafft, uns zu informieren.”
“Vielleicht steckt er mit den Soldaten mittlerweile unter einer Decke.”
“Beorn mag ein Trunkenbold sein, aber er würde uns nicht absichtlich hintergehen, Tara.” Ein stiller Vorwurf schwang in Theias Worten mit. Das Mädchen atmete heftig aus. So ganz wollte sie selbst nicht an ihre Vermutung glauben, immerhin mochte sie den Geweihten. Aber eine Ahnung, was die Dorfbewohner so gegen sie aufgebracht haben sollte, und warum die Wachen am Schrein  aufgezogen waren, wollte sich einfach nicht einstellen.
“Wir bleiben hier. Asgard sagte, dass er in Erfahrung bringt, was in der Festung vor sich geht. So lange müssen wir warten. Es ist besser, wenn wir das Haus solange nicht verlassen.”
Theia seufzte und zog die Brosche unter ihrem Kleid hervor. Spielerisch ließ sie das fein gearbeitete Schmuckstück durch ihre Finger gleiten.
“Ich weiß, an was du jetzt denkst, aber das wird nicht nötig sein. Die Ritter werden niemals zulassen, dass uns etwas passiert.”
“Also gut, aber sobald irgendetwas Unerwartetes geschieht, bringe ich uns ins Feen Reich. Das ist mein letztes Wort und ich werde nicht darüber mit dir diskutieren, Tara!” Sie schlang ihre Arme um das zierliche Geschöpf. “Damit kann ich leben und nun lass uns zu Abendessen. Das wird unsere Nerven beruhigen.” Theia machte ein überraschtes Gesicht und sofort fügte sie hinzu.
“Ich denke, heute sollten wir früh schlafen gehen. Wer weiß, was uns noch bevorsteht. Es wird besser sein, wenn wir ausgeruht und bei Kräften sind.”
Nach dem Essen machten sie sich auf in die kleine Kammer. Mira war schon früh zu Bett gegangen, nachdem Tara ihr den Schlafraum ihres verstorbenen Vaters zugewiesen hatte. Neugierig warfen beide Mädchen einen Blick hinein. Mira lag auf dem Bauch und rührte sich nicht, nur ihre kleinen Flügel zitterten gelegentlich.
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Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"
« Reply #1 on: June 16, 2013, 02:51:39 pm »
“Sie sieht aus wie ein Engel, Theia.” “Sie ist fast noch ein Kind. Ich weiß nicht, was ich mache, wenn ihr etwas zustoßen sollte. Mira hätte das heute überhaupt nicht sehen dürfen”, sagte die Fee nachdenklich.
“Lass uns schlafen, Theia.” Bestimmend zog sie das zierliche Wesen mit sich und ließ die Tür sanft ins Schloss gleiten. In ihrer Kammer warf sich Theia auf das Bett, welches bedenklich aufächzte.
“Nicht so stürmisch, oder möchtest du die Nacht auf dem Fußboden verbringen?” “Warum nicht, wenn ich mich dabei an dich kuscheln darf.” “Du änderst dich wohl nie?” “Was ist daran so schlimm? Ich brauche Zärtlichkeiten, erst recht in dieser Situation, sonst werde ich garantiert keinen Schlaf finden.” Tara legte eine Arm um sie, was die kleine Fee sofort schamlos ausnutzte und sich eng an sie schmiegte. Entgegen ihren eigenen Worten war Theia kurz darauf eingeschlafen. Nachdenklich starrte das Mädchen zur Decke und versuchte, ihre innere Ruhe wieder zu finden. Ein hoffnungsloses Unterfangen, wie sie bald darauf resigniert feststellen musste.
Auch lange nachdem der Mond am Nachthimmel erschienen war, lag Tara immer noch wach.

Am nächsten Morgen wurden sie durch heftiges Klopfen an der Tür geweckt. Erschrocken fuhr Tara hoch. “Du meine Güte, Theia wie spät ist es?”
Herzhaft gähnend richtete sich die Fee auf und sah sich in der nur vom spärlichen Mondlicht beleuchteten Kammer um.
“Woher soll ich das wissen? Es ist doch noch stockdunkel draußen.” Sie warf einen Blick aus dem Fenster, wo sich der funkelnde Nachthimmel in all seiner Schönheit zeigte, einzig unterbrochen von einem rötlichgolden schimmernden Band am Horizont. Eine beherzte zugleich vertraute Stimme erklang von außerhalb des Hauses.
“Theia, bei den Göttern, das ist Ciron. Los beeil dich, wir müssen uns anziehen!”
“Er soll sich gedulden. Ich werde mich erst zurechtmachen…, Hey!”
Vor Erleichterung lachend riss Tara die Decke weg und ergriff ihre Beine um sie aus dem Bett zu ziehen. Erneut erklang das dumpfe Pochen.
“Einen Augenblick noch. Ich öffne gleich.” Tara streifte ihr Gewand über und stürzte die Stiege hinunter. Gerade spürte sie den Knauf in der Hand, als das Holz der Tür erneut unter heftigen Schlägen erzitterte. Ciron stolperte beinahe in den Raum, als das Hindernis, dass er bisher mit seinen Fäusten traktiert hatte, plötzlich verschwand. “Bei den Göttern, ich dachte schon, ich müsste die Wand einreißen, um euch zu wecken.” Sein Knappe folgte ihm unaufgefordert ins Innere.
“Geldis, was macht ihr hier? Ich verstehe nicht. Was hat das alles zu bedeuten, Ciron?” In ihrer Aufregung verzichtete Tara auf jede förmliche Anrede.
“Ich überbringe euch schlechte Neuigkeiten. Ihr müsst mich begleiten, jetzt gleich. Allerdings ist es besser, wenn ihr ohne eure kleine Begleiterin mit mir kommt.”
“Was meint ihr damit? Ich denke nicht, dass sich Theia davon abhalten lassen wird.” “Ganz recht, das werde ich nicht!“, erklang es trotzig hinter ihrem Rücken. Theia war unbeherrscht die Stiege heruntergekommen, immer noch mit nichts als ihrem dünnen Nachthemd bekleidet. “Was immer ihr auch von Tara wollt, ich begleite sie, soviel kann ich euch versprechen, Ciron.”
Ciron blieb die Ruhe selbst. “Verzeiht mir, junge Dame, es lag nicht in meiner Absicht euch zu kränken. Ich hielt es nur für besser, wenn niemand von eurer Anwesenheit erfährt. Der Kommandant ist nicht für seine Gütigkeit und Verständnis anderen gegenüber bekannt. Schon gar nicht seit dem entsetzlichen Vorfall mit seiner Tochter.”
Tara schluckte hart bei der Erwähnung Liliths. “Sehr geschickt Ciron, wirklich. Wusstet ihr nicht, dass Lilith alles versucht hat, um Geofreys Herz zu erobern?”
“Sie gab sich nicht die geringste Mühe, es vor irgendjemanden zu verheimlichen, ihr habt recht, verzeiht einem einfachen Ritter.” Theia winkte ab und bewegte sich mit leichtfüßigen Schritten durch den Raum.
“Dann könnt ihr euch auch denken, wie Tara sich fühlt, wenn ihr diesen Namen in ihrer Hütte aussprecht.” “Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Wollt ihr mir nun endlich zuhören?” Tara und Theia sahen sich verunsichert an. Irgendetwas im Verhalten des Ritters warnte sie. “Sprecht Sir Ciron und entschuldigt unsere Einwände.” “Schon gut. Asgard berichtete mir von dem Übergriff der Bauern auf euch. Wir sind alle etwas angespannt. Also folgendes hat sich zugetragen… .” Atemlos lauschten die beiden Mädchen den Ausführungen des Ritters.
“Aber das ist unmöglich. Wir waren alle hier. Ich kann es vor den Göttern bezeugen”, brachte Tara entsetzt hervor, nachdem Ciron geendet hatte.
“Das mag sein junge Dame, doch fürchte ich, wird es den Kommandanten unbeeindruckt lassen. Er ist blind vor Hass und vernünftigen Argumenten nicht zugänglich. Sollte er eine eurer Begleiterinnen in die Hände bekommen, wird nichts sie mehr vor seiner Rache retten können.” “Wie kommt er überhaupt auf die absurde Idee, dass wir etwas damit zu tun haben?” Wortlos gab Ciron seinem Knappen einem Wink, woraufhin dieser ein Objekt unter seinem Mantel hervorholte. Geldis hielt es ruhig in seiner Hand, so dass die Mädchen es in aller Ruhe betrachten konnten. Deutlich war darauf das inzwischen geronnene Blut zu sehen.
“Bei allen Göttern Theia, das ist eine Feder!“
Theia verzog die Mundwinkel. “Sie ist nicht von uns, das kann ich euch versichern. Wirklich sehr gut gemacht, aber trotzdem eine Fälschung. Unsere Flügel sind organisch gewachsen. Seht her, Ciron.” Sie breitete ihre Schwingen eindrucksvoll aus. “Wir verlieren nichts davon, schon gar nicht eine Feder.” “Selbst wenn ihr recht habt, wird es unmöglich sein, das zu beweisen. Ich bleibe bei meiner Ansicht. Ihr und eure Begleiterin seid in größter Gefahr. Dieses bewusstlose Geschöpf im Schrein steht seit dem Vorfall unter strengster Bewachung. Er wartet darauf, dass sie erwacht, um ihr den Prozess zu machen und niemand vermag zu sagen, wie lange seine Geduld hält.”
“Das… das ist einfach nicht… “ Er unterbrach sie vehement. “Ihr denkt, dass es nicht fair ist? Was in dieser Welt ist das schon? Der Mob verlangt nach einem Schuldigen und der Kommandant wird ihn ihm geben. Ich möchte jetzt nicht in der Haut dieses Wesens stecken.”
“Sprecht nicht so über sie, als wäre sie schon verurteilt. Zahira ist unschuldig und ich werde es beweisen. Wir haben sie nicht gerettet, um dann tatenlos zuzusehen, wie ihr sie hinrichtet!” Verblüfft sah Tara zu, wie ihre Freundin vor Wut schäumte, etwas das bei dem ansonsten sanftmütigen Wesen bisher noch niemals vorgekommen war.
Tara fühlte noch, wie ihre Beine nachgaben, bevor sie auf den Boden schlug. Ciron ebenso wie sein Knappe waren vor Schreck wie gelähmt, nur Theia erfasste die Situation und versuchte, dem Mädchen wieder auf die Füße zu helfen.
“Was ist geschehen? Meine Beine schmerzen”, schluckte Tara. Im gleichen Augenblick überflutete sie die Erkenntnis.
“Du hattest einen Schwächeanfall. Ich sage doch immer, du sollst dir nicht alles so zu Herzen nehmen.” “Theia, wenn das wirklich wahr ist, stecken wir alle in großen Schwierigkeiten.” “Mach dir keine Sorgen, Tara. Um den Kommandanten kümmern wir uns.” “Nein, das wirst du nicht tun! Theia bitte, das ist kein Spiel mehr, begreifst du?” Tara merkte in ihrer Aufregung nicht, dass sie angefangen hatte zu schreien.
Unbemerkt schlich sich jemand leise die Stiege herunter und tapste auf nackten Füßen hinter ihren Rücken heran. Ciron geschulte Sinne bemerkten sofort das Wesen.
“Wer bei allen Göttern ist das?”
Tara hielt seinen Arm fest, der nach dem Schwert greifen wollte.
“Mira. Wir haben dich bestimmt geweckt. Verzeih mir bitte.”
Die junge Fee nickte verschüchtert und klammerte sich Hilfe suchend an ihre Schwester. “Was ist denn passiert? Ich habe dich schreien gehört, Tara.”
“Sir Ciron, darf ich vorstellen: Mira. Eine weitere gute Freundin meiner Familie.” Beide Feen Mädchen regierten unterschiedlich. Theia zeigte ein wissendes Lächeln, während Mira sie nur verständnislos anstarrte, aber ebenfalls kein Wort über ihre Lippen kommen ließ.
“Wie viele Bekannte eures verstorbenen Vaters beherbergt diese Hütte denn noch?” Tara atmete tief durch. “Seid unbesorgt, Sir Ciron, die beiden Feen Mädchen sind die einzigen.”
“Ja und mehr meiner Schwestern werdet ihr niemals in eurem Leben sehen”, erwiderte Theia verstimmt. Jegliche Schüchternheit fiel von Mira, wie ein Vorhang zu Boden, als sie unerwartet forsch an den jungen Knappen hinter Ciron heran trat.
“Bist du auch ein Ritter?” Geldis sah unsicher von einem zum anderen.
“Nein, Mylady.”
“Schade, aber das macht nichts. Ich mag dich trotzdem”, kicherte Mira.
“Er ist ebenso wenig ein Ritter wie du eine Lady und nun setz dich und halt den Mund!” Unbeherrscht stapfte Theia nach draußen und ließ die Tür hart ins Schloss fallen. “Beachtet sie einfach nicht weiter. Ihre Gefühlswelt ist etwas in Aufruhr geraten, was zum Teil an eurem Gefährten liegen mag.”
Ciron zog eine Augenbraue hoch. “Ihr meint Asgard? Wusste gar nicht, dass der alte Haudegen solch eine Wirkung auf eure Begleiterin erzielt hat.” “Lassen wir das bitte. Also was schlagt ihr nun vor, Sir Ciron?” “Esst etwas, Kleidet euch züchtig und begleitet mich zur Festung. Die Gelehrten erwarten eure Ankunft. Ich bin befugt worden, euch diese Aufforderung zu überbringen. Leistet ihr dem Widerstand, fürchte ich, wird der Kommandant die Wache zu eurer Ergreifung einsetzen und glaubt mir, sie werden nicht so nachsichtig mit euch sein, wie ich es bin.” “Wir werden euch keine Schwierigkeiten bereiten, Sir Ciron”, erwiderte Tara und traf ihre Vorbereitungen.

Die kleine Gruppe erreichte das Innere der eindrucksvollen Festungsanlage. Niemand hielt sie auf und allein Cirons Anwesenheit schien ihnen Tür und Tor zu öffnen. Mit großen Augen betrachtete Mira die verlockenden Auslagen eines Bäckers, während sich die Schritte ihrer Begleiter entfernten. Rasch griffen ihre Finger nach den frischen Teigwaren und ließen mehrere Stücke des warmen Backwerks in den Taschen verschwinden. Mira liebte den Geruch und nach einigen flüchtigen Blicken biss sie herzhaft in eines davon hinein. Kauend flitzte sie den anderen hinterher.
“Wo warst du Mira? Bleib bei uns, sonst verläufst du dich wohlmöglich”, sagte Theia ohne sich umzudrehen. So bemerkte auch keiner den wütenden Bäcker, der noch mit völlig Mehl behafteter Schürze der Missetäterin nachstellte. Mira schrie hell auf, wie sich seine dicken Wurstfinger auf ihre Schulter legten und sie festhielten.
“Habe ich dich erwischt, du kleine Diebin!” Die raue Stimme sorgte dafür, dass nun auch die anderen auf das Geschehen aufmerksam wurden. Tara wollte aufbegehren und Mira zur Seite stehen, als sie das Brot in ihren Händen bemerkte.
Ciron handelte augenblicklich und drückte dem Händler ein paar Münzen in die Hand.
“Nehmt das als Entschädigung und nun will ich nichts mehr von dem Vorfall hören. Zu keinem ein Wort. Habt ihr das verstanden?”
“Selbstverständlich Sir, das versteht sich von selbst. Euer Entgegenkommen ist mehr als großzügig, habt meinen ergebenen Dank.” Der Bäcker verbeugte sich so tief, dass Tara erwartete, seine Lippen das Pflaster berühren zu sehen. Nach einem missmutigen Blick auf Mira schlich er sich zurück zu seiner Backstube. “Ab jetzt bleiben wir zusammen. Keine eigenmächtigen Exkursionen, haben wir uns verstanden?” Die Mädchen nickten schnell und folgten dem Ritter in das prächtige Haupthaus.

Nervös stand die kleine Delegation den Herren der Festung gegenüber. Der Kommandant, Asgart und zahlreiche Ritter, deren Namen Tara völlig unbekannt waren, als sie sich vorstellten, blickten mit grimmigen Mienen auf sie. Seitlich standen Paran und Geldis mit den anderen Knappen, bereit ihren Herren jeden Wunsch von den Lippen zu lesen, bevor sie diesen auszusprechen vermochten.
“Ihr wisst, warum ihr hier seid und welches Verbrechen man euch zur Last legt. Die Meinungen wurden gehört und auch wenn ich nicht von eurer Unschuld überzeugt bin, so doch gewillt, alles zu tun, um den feigen Mord an meiner Tochter aufzuklären. Hier ist jemand, der wohlmöglich etwas Licht in das Dunkel bringen kann. Magister Dain! Wenn ihr bitte so freundlich wäret.”
Ein Gelehrter in ein farbenprächtiges Gewand gekleidet, trat aus dem Kreis der anwesenden. Neugierig, zwei Finger dabei nachdenklich am Mund haltend, betrachtete er Tara. “Sollte das möglich sein? Die Götter prüfen uns wahrlich hart in diesen Tagen.” Asgard fuhr ihn an. “Wenn ihr etwas wisst, dass ihr uns mitteilen wollt, dann rückt heraus mit der Sprache und sprecht nicht in Rätseln.”
Unbeirrbar schlich Dain um das Mädchen, wobei er beiläufig seine Hände über den Stoff ihres Kleides fahren ließ. “Wir alle wissen, was damals passiert ist und zum Zerfall des Reiches führte. In unseren Aufzeichnungen fanden sich Hinweise darauf, dass nur ein Geschöpf reinen Blutes dem Dämon, und mit nichts anderem haben wir es hier zu tun, Einhalt gebieten kann. Eine Jungfrau, wenn ihr so wollt. Das seid ihr doch noch?” “Das geht euch überhaupt nichts an!” Theia fauchte und zog den völlig überrumpelten Weisen von Tara weg. Einige der Ritter wollten zu ihren Schwertern greifen, doch ein Wink Asgards ließ sie innehalten. “Sagt uns, wie wir diese Kreatur besiegen können, alter Schwätzer!” Ciron ließ nichts mehr von seiner Erziehung erkennen. “Genug! Ich bin eure ewigen Streitereien leid. Sprecht Dain.” Ächzend ließ sich der Kommandant wieder auf seinem imposanten Stuhl nieder, der sich um seinen korpulenten Leib schmiegte. “Wenn, wie diese Geschöpfe behaupten, sie nichts mit dem Mord zu tun haben, werden sie sicher bereit sein, alles zu tun, um sich von jedem Verdacht rein zu waschen.” Ciron holte tief Luft und setzte zu einer Erwiderung an, als ihn der Blick des Kommandanten stoppte. “Es steht außer Frage, dass der Dämon alles versucht hat, dieses Mädchen in die Hand zu bekommen. Also geben wir ihm einfach, wonach es ihm verlangt.” Tara stöhnte entsetzt auf und auch im Saal erklangen überraschte Ausrufe. “Was bezweckt ihr damit, Magister Dain?” Ciron umkreiste den Geweihten, als habe er eine giftige Schlange vor sich, jederzeit bereit, den tödlichen Biss zu setzen. “Ganz einfach: Wir haben die Pergamente studiert, welche ihr Meister Beorn gabt. Er war so freundlich, sie uns zu überlassen. Es steht außer Frage, dass die Artefakte und eure junge Begleitung in Zusammenhang miteinander stehen. Mehr noch, sie ist Hauptbestandteil eines Rituals, mit dem sich der in gang gesetzte Prozess vielleicht wieder umkehren lässt, welcher zur Zerstörung unserer Hauptstadt führte. Es gab auch beunruhigendes. Der Dämon bezweckt das Mädchen zu benutzen, um in unserer Welt Fuß zu fassen. Wir hingegen um den stümperhaft geöffneten Spalt wieder zu verschließen. Eine zweischneidige Angelegenheit, doch fürchte ich, haben wir keine andere Wahl.” “Eine vortreffliche Idee, Meister Dain. Ich schlage vor, dass ihre beiden Fürsprecher Sir Ciron und Sir Asgard die Mädchen begleiten. Ihr seid doch einverstanden oder muss ich es euch befehlen?” Ciron verbeugte sich mit einem widerwilligen Blick auf den Gelehrten, ebenso wie sein Kampfgefährte.
“Sehr gut, dann wäre dieser Punkt also geklärt. Doch ich möchte nicht undankbar erscheinen für die Gefahren, welche ihr bereit seid, auf euch zu nehmen.”
“Wovon redet er, Theia? Ich bin nicht bereit dazu.” “Halt den Mund Mira, in deinem eigenen Interesse”, sagte Theia und knuffte sie in die Seite. “Ihr dürft einen Wunsch äußern, Sir Ciron und so die Götter euch gewogen sind, werde ich zustimmen.”
“Welche Götter? Er braucht doch nur ja zu sagen.” “Mira!” Tara legte ihr eine Hand auf den Mund und zog sie mit der anderen ein Stück von den Umstehenden zurück. “Sei endlich still oder wir bekommen große Schwierigkeiten.”
“Ich verlange eine Wache… kampferprobte Männer, die mir und meinen Begleitern zur Seite stehen.” Cirons Stimme klang fordernd, doch der Kommandant zeigte sich davon unbeeindruckt. “Wie ihr wünscht. Ich werde euch ein paar meiner besten Leute mitgeben.” “Bei allen gebührenden Respekt, aber eure Soldaten waren nicht einmal in der Lage, das Leben eurer Tochter zu schützen. Ich werde mir meine eigenen Leute aussuchen.” Regungslos blickte der Kommandant auf Ciron herab, während alles Getuschel im Saal verstummte.
“Vorsicht, Sir Ciron, ihr führt eine scharfe Zunge! Zwingt mich nicht, sie euch abzuschneiden! Also gut, ich gewähre euch diesen Wunsch, aber es wird das letzte Entgegenkommen sein, dass ihr in dieser Sache von mir zu erwarten habt.”
“Ich danke euch, Sir.” Ciron kniete vor seinem Herrn, bevor er die Mädchen, dicht gefolgt von Asgard und den Knappen, zum Aufbruch drängte. Gerade wollten sie den Raum verlassen, als erneut die Stimme des Kommandanten erklang.
“Ach, bevor ich es vergesse: ich erwarte, dass ihr die Kreatur zur Strecke bringt und in meinem Namen Rache übt. Solltet ihr scheitern, braucht ihr und die Mädchen nicht zurückzukehren, haben wir uns verstanden?” Ciron nickte hastig und schob seine neuen Schützlinge hinaus.

Tara ging in Gedanken zum wiederholten Male alles durch und überlegte dabei fieberhaft, ob sie etwas vergessen hatten. Der Vorplatz der Hütte, an dem früher ihr Vater Holz gehackt und für die langen Winter aufgeschichtet hatte, glich nun einem kleinen Heerlager. Ritter und Knappen lachten, sattelten die Pferde oder nutzen einfach nur die Gelegenheit sich noch etwas auszuruhen, bevor der Aufbruch nahte. “Sei unbesorgt und mach nicht so ein ernstes Gesicht, Tara, ich bin bei dir.” Die kleine Fee half ihr, eine Satteltasche zu befestigen, wobei sie sich auf die Zehenspitzen stellen musste. Im Hintergrund erklang helles Kichern. “Oh warte… das glaube ich jetzt nicht”, sagte Theia und hielt in ihrer Arbeit inne.
Mira beugte sich vor, so dass sie Geldis einen tiefen Einblick in ihren Ausschnitt gewährte. “Nicht wahr, dir gefällt was du siehst”, sagte sie keck. “Du brauchst nicht rot zu werden. Es ist in Ordnung, wirklich. Nimm meine Hände, na los mach endlich.” Geldis schluckte und ergriff vorsichtig ihre schlanken Finger.
“Hast du schon mal eine Fee geküsst?” Kopfschütteln.
“Aber ich wette, bestimmt irgendein Mädchen. Du weißt doch, wie das geht, oder? Wenn du möchtest, darfst du mich küssen.” Mira spitzte erwartungsvoll ihre Lippen. “Dazu wird es nicht kommen!” Theia packte sie hart und hielt ihr Gesicht zwischen den Handflächen, während ein vorwurfsvoller Ausdruck ihr Antlitz zierte.
“Was hast du dir dabei gedacht, Mira? Wir sind nicht zu unserem Vergnügen hier, begreif das endlich! Ich hätte dich Eria zurückbringen sollen, als wir noch Zeit dazu hatten.” Ein tiefer Seufzer entfuhr dem zierlichen Wesen. Mira sagte nichts, nur das wütende Funkeln ihrer Augen sprach Bände.
“Mach es mir nicht so schwer, Mira. Ich habe die Verantwortung für dich.”
Von zwiespältigen Gefühlen erfüllt, richtete Theia sich auf und wollte sich wieder ihrem Pferd zuwenden.
“Was glaubst du eigentlich, wer dir das Recht gibt, über mich zu entscheiden? Bleib gefälligst stehen und antworte mir, Theia!”
Die kleine Fee erstarrte, ebenso wie alle Anwesenden um sie herum.
“Was hat sie nur? So kenne ich sie gar nicht.” “Haltet euch da raus, Sir Ciron. Ich glaube, diese Entscheidung ist schon lange überfällig.” Theia zeigte keine Reaktion, nur ihre Flügel schlugen hektisch.
“Was ist, Theia? Bekomme ich eine Antwort von dir? Ich bin deine Schwester und kein kleines unmündiges Kind!” Die Zeit um sie herum wirkte mit einemmal wie eingefroren. Unmerklich drehte sich das Mädchen langsam Mira entgegen und begann, auf sie zuzuschreiten.
“Ihr könnt das nicht verstehen, Ciron. Sie nimmt ihre Aufgabe ernst und würde für jede ihrer Schwestern, ohne zu zögern, sterben, wenn sie auch nur eine damit retten könnte”, hauchte Tara atemlos.
“Ganz richtig, du bist meine Schwester und wenn du kein Kind mehr sein möchtest, dann hör auf dich wie eines zu benehmen!” Mira tat, als höre sie den Einwand nicht und erwiderte selbstbewusst.
“Ich werde bald 56 Jahre alt, dann bin ich nach den Gesetzen unseres Volkes erwachsen”
“Erwachsen? Du bist doch noch verspielt bis in die Flügelspitzen!”
Bevor die Lage weiter eskalieren konnte, entschied sich der Ritter einzugreifen.
“Mylady, ich dränge euch nur ungern, doch wir sollten aufbrechen, wenn wir bis Sonnenuntergang einen Platz für unser Nachtlager finden wollen.” Theia nickte stumm und ließ sich aufs Pferd helfen. “Ich bin bereit, Sir Ciron.” Überall löste sich die Anspannung, als die Gefolgsleute zu den Pferden eilten. Ein Schnalzen des Anführers, dann setzten sich die Tiere eines nach dem Anderen in Bewegung.
Ciron ritt an der Spitze, dicht gefolgt von Asgard und ihren Knappen. Mira hatte es sich hinter Geldis Rücken bequem gemacht und ihr ständiges Gekicher zeigte, dass sie sich in den Jungen verkuckt hatte.
“Sie sieht es immer noch als einen Ausflug”, seufzte Theia missmutig.
“Lass sie doch. Wenn wir erst dem Dämon gegenübertreten, wird es noch hart genug für uns alle werden.” “Ja wenn, Tara. Glaubst du, dass wir wirklich soweit kommen?” Tara wusste nicht, was sie erwidern sollte und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Pfad, der aus dem Dorf führte.
“Was wird die erste Station unserer Etappe? Ich fürchte, ihr werdet mich leiten müssen, wenn ich das Ziel erreichen soll.”
Ein mildes Lächeln umspielte Cirons Mundwinkel. “Wir erreichen den Übergang an der Krähenfurt im Laufe des nächsten Tages.”
“Ihr klingt besorgt. Was erwartet uns dort?” Tara versuchte, begleitet von Windböen, die ihr Sand und Staub ins Gesicht bliesen, etwas zu erkennen.
“Ich kann euch keine Antwort darauf geben. Früher führte die alte Reichsstrasse dort entlang. Eine halbwegs sichere Route, die von vereinzelten Garnisonen am Wegesrand bewacht wurde. Aber nun in diesen Zeiten… wer weiß. “Krähenfurt… ein seltsamer Name. Warum nennt ihr sie so? Ciron lockerte den Schleier, den er sich zum Schutz vor dem Staub vor das Gesicht gebunden hatte. “Vor vielen Jahren war das Land, das ihr vor euch seht, eine blühende Kornkammer. Unzählige Ähren überzogen die Felder mit ihrem goldenen Schein soweit das Auge reichte. Die ansässigen Bewohner hatten mit vielerlei Widernissen zu kämpfen, von denen die Krähen die Schlimmsten waren. Der Fluss, woher die Bauern ihr Wasser für die Felder bezogen, bot nur diese eine Möglichkeit zur Überquerung. Immer wieder blieben Wagen dort stecken, kippten um oder wurden von den Fluten erfasst und mitgerissen, wenn ein unvorsichtiger Wagenlenker vom schmalen Pfad abkam. Wurden sie auf den Feldern gnadenlos von Tagelöhner gejagt, so fanden die Krähen an der Furt reichlich Nahrung.” “Warum baute niemand eine Brücke darüber?” Hinter ihr kicherten die beiden Feen Mädchen. “Glaubt ihr, das hätten sie nicht versucht? Das sind die Grenzlande, Kindchen. Wo hätten die Bauern das Material für die Brücke herbekommen sollen? Der nächste Wald liegt mehrere Tagesritte entfernt von hier, von den anderen Dingen ganz zu schweigen. Es wäre ein äußerst kostspieliges und mühsames Unterfangen geworden.” Tara zuckte nur mit den Schultern.
“Hinter dem Fluss beginnt das Ödland. Eine verwaiste Gegend ohne jede Ansiedlung soweit das Auge blickt. Sollten wir dort in Schwierigkeiten geraten, brauchen wir nicht auf Hilfe zu hoffen.” “In eurer Gegenwart fühlen wir uns sicher, Sir Ciron. Die Ritter werden garantiert mit jedem Gegner fertig, der versucht, sich uns in den Weg zu stellen.” Nun war es Asgard, der das Wort erhob. “Ihr solltet die Warnungen nicht einfach in den Wind schlagen. Es gibt Gerüchte, dass furchtbare Kreaturen im Ödland umherwandeln.”
“Was könnte schlimmer sein als die Shrouks?” “Wesen, die euch die Seele aus dem Leib reißen. Nachtschlinger…, Bestien die ihresgleichen bei lebendigen Leib fressen.” “Habt ihr schon mal einen von ihnen getroffen?” “Nein. Die Götter mögen das zu verhüten wissen.  Nur wenige überleben eine Begegnung mit diesen Alptraumgestalten und noch weniger können davon berichten. Die meisten sterben an Wahnvorstellungen und seltsamen Krankheiten, die sie befallen.” “Trotzdem führt ihr uns dorthin.” “Aye. Man kann seinem Schicksal nicht entfliehen. Ihr seid der Schlüssel, warum sonst sollte der Dämon euch jagen? Meine Aufgabe ist es, euch sicher an das Ziel zu geleiten, koste es was es wolle.” “Ihr würdet euer Leben opfern, nur um den Auftrag zu erfüllen?” “Ohne zu zögern.” “Beten wir zu den Göttern, dass das niemals notwendig sein wird.”
Tara ließ sich etwas zurückfallen und wendete das Tier auf einer kleinen Anhöhe, sodass sich ihnen ein umfassender Ausblick bot.
“Was machst du da, Tara? Wir sind doch eben erst aufgebrochen oder hast du schon vergessen, wie das Dorf aussieht?” “Es heißt: wenn man zurückblickt, kehrt man wieder heim und das ist es doch, was wir uns tief in unserem Herzen wünschen.” Statt etwas darauf zu erwidern, rief die Fee zu den Reitern herüber. “Mira! Dreh dich noch mal um!” Neugierig geworden, tat Mira wie ihr geheißen und antwortete verwundert: “Wozu soll das gut sein?” “Nur zur Sicherheit”, kicherte Theia und ließ das Pferd wieder antraben. Langsam wälzte sich der Tross durch die Landschaft, vorbei an Feldern und Wiesen, bis er zwischen den nahen Hügeln immer kleiner wurde und verschwand. Das Abenteuer hatte begonnen.


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Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"
« Reply #2 on: June 21, 2013, 08:54:36 am »
Hallo mein Eichhörnchen,

du weißt Deine Leser immer zu begeistern - so auch mit diesem Teil.

Abgesehen davon, daß mit der kindlichen (bei 56 Jahren  :o  8)  ::)  :P ) Mira wieder eine schillernde Spannung versprechende Figur "in's Spiel getreten" ist, zerreißt es einem fast das Herz, miterleben zu müssen, daß man nun wieder darauf warten muß, daß es weiter geht  :-* :'( :'(

... und vor allem, wie es weitergehen wird  :-* :-\

Der kurz gehaltene Einstieg mit ein bissel Hintergrundinformation zu DEM, was da eigentlich die Ursache für das momentane und weitere Geschehen ist, läßt fast Schlimmes, aber mit Sicherheit Spannendes erahnen  ;)

Ich freue mich auf den nächsten Teil und sage für heute von Herzen
IRAYO

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Yaknun
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Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"
« Reply #3 on: June 22, 2013, 01:29:49 pm »

Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 400 Jahren und mehr, ist eine Fee mit etwas über 50 noch ein Kind. :)
wow - da ich mich mit dem Feengeschlecht nicht auskenne, war mir das noch nicht bekannt - nun ja, das alte Sprichwort "man kann alt sein wie Kuh und lernt immer noch dazu" bewahrheitet sich mal wieder  ;D :D ;D

Ich gebe einen kleinen Vorgeschmack. Auch auf andere Werke.
Hoffe doch, dass sich noch ein paar Leser zu einem Kommentar bewegen lassen. :-\
Hier ein paar kurze Auszüge um die Vorfreude zu steigern. :)




So, hoffe die kleinen Einblicke machen Lust auf mehr. :-\


srane ma oeyä Robert - das machen sie mitnichten  :D :D :D

Und nicht nur Lust, sondern schon annähernd Sucht. Es kribbelt förmlich in den Sehorganen, sich wieder an Deinen Texten festsaugen zu können und das lüsterne Gehirn mit neuem Stoff zu versorgen  :-* :-[

Also - geben wir Erwartung heischender Spannung weiten Raum und hoffen, bald ein neues schillerndes Licht am Horizont entdecken zu dürfen  ;) :D

Bis dahin wünsche ich Dir noch viele Leser und nette Kommentare  ;)

Liebe Grüße
Achim
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Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"
« Reply #4 on: June 23, 2013, 01:09:15 pm »
Blut, Schweiß und Tränen - Teil 3 "Die Seuche"


Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"


Blutiges Iridium


So hoffe die kleinen Einblicke machen Lust auf mehr. :-\
Was für eine Frage, natürlich immer her damit! :D *sabber*
Leser wartet gerne und geduldig auf neuen Lesestoff. ;)

Blutiges Iridium scheint mal ganz interessant zu sein!


Viele Grüße
Roland

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Offline Tìtstewan

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Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 "Mira"
« Reply #5 on: June 24, 2013, 05:53:06 pm »
So, meine kleine bescheidene Wertung dieser tollen Geschichte. :)

Wieder einmal eine schöne, packende und unterhaltsame Geschichte! Alleine dieser Bauern-Mob war sehr aufregend zu lesen, oder die hitzige Diskussion mit Ciron in der Hütte! Und das faszinierende ist, dass es jetzt drei Feen sind, die sich in zahlreichen Abenteuern stürzen. Ich muss erlich zugeben, als ich laß, dass Mira nur 56 Jahre alt ist und erst da erwachsen wird, war ich etwas verblüfft (was aber bei einem Feen-Alter von mehreren hundert Jahren doch sehr jung ist). Auch schön zu lesen, dass in dieser Geschichte lesen kann, wo die Reise geht:
Quote from: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 4 “Mira”
“Hinter dem Fluss beginnt das Ödland. Eine verwaiste Gegend ohne jede Ansiedlung soweit das Auge blickt.
Und auf diese kommende Reise, die sicher packend und spanned sein wird, freue ich mich sehr. :D
Bitte mehr davon!

Die Nusslieferung ist bereits unterwegs. ;)

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