Author Topic: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"  (Read 1006 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 434
  • Karma: 269
  • Oel ngati kame
Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 “Reise durch das Ödland”


Unzählige Augen, die in ihrer dunklen Farbgebung mit den finstersten Nächten wetteiferten, beobachteten die zerfallene Strasse. Staub und Sand wurden vom Wind mit sich getragen und traktierten die Kreaturen. Keine bewegte sich oder zeigte gar ein Blinzeln. Weltliche Dinge waren etwas, dass ihnen schon lange nichts mehr anhaben konnte. Das Geräusch zahlreicher Hufe ließ sie aufhorchen. Wie auf ein geheimes Kommando gesprochen, richteten sich sämtliche Augenpaare auf die Reiter, die sich gegen den Horizont abzuzeichnen begannen. Der Dämon öffnete sein Maul zu einem lautlosen Ruf, der in den Köpfen der Wesen widerhallte. Erwartungsvoll und voller Gier sahen sie zu ihm. Es wurde Zeit, die Diener loszuschicken.

Der Manduir präsentierte sich den erschöpften Wegefährten als reißender Strom, gespeist durch die andauernde Schneeschmelze im Gebirge. Asgard ließ sein Pferd entlang des Flusslaufs auf und ab schreiten.
“Bei den Göttern, die Furt lässt sich mehr erahnen. Wir werden nacheinander übersetzen. Passt auf, worauf ihr eure Tiere lenkt. Der Untergrund ist tückisch.”
Theia hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder die Zügel in vielerlei Hinsicht in ihrer Hand zu halten.
“Schreitet voran, Sir Asgard. Wir werden Euch folgen wie ein Schatten.”
“Mir wäre es lieber, wenn du uns mit Hilfe deiner Zauberkünste auf die andere Seite bringen könntest”, seufzte Tara hinter ihr und klammerte sich noch fester an sie.
“Das ist unmöglich, Tara. Ich darf meine Magie nicht in Gegenwart von Menschen anwenden.”
“Dennoch hast du es schon getan.”
“Das war etwas anderes und auch nur zu unserem Schutz.” Interessiert beobachtete die kleine Fee, wie Mira hinter Geldis Rücken die Furt durchquerte.
“Komm, jetzt sind wir dran. Ich werde uns sicher durchführen. Das wird ein Spaß!” “Nein, warte Theia!”
“Was ist denn noch? Die anderen sind schon fast drüben.” Sie ließ das Pferd antraben. “Nicht! Bitte Theia. Ich… kann nicht schwimmen.” Das Tier wieherte auf, als die Fee abrupt an den Zügeln zog und es zum erneuten Halten veranlasste. “Du kannst nicht was? Das ist jetzt nicht dein ernst oder? Du verarscht mich doch, Tara!”
“Es ist wahr. Ich habe es nie gelernt.”
“Du lebst an einem See und kannst nicht schwimmen?”, kicherte Theia. Von der gegenüberliegenden Seite erklangen Asgards fordernde Rufe.
“Ich passe schon auf und sollte das Pferd ausrutschen, bringe ich uns selbst rüber. Du wirst nicht ertrinken, versprochen Tara.” Theia spürte durch den Stoff hindurch, wie das Mädchen zitterte. Ein Schnalzen ihrer Zunge. Gehorsam setzte sich das Pferd in Bewegung. Immer tiefer versank der Leib des Tieres, bis das Wasser an die Flanken heranreichte. “Jetzt bekommen wir nasse Füße. Wie ich das hasse, aber es hilft nichts.” Beruhigend strich Theia über den Kopf des Pferdes, als es versuchte, in der Flussmitte seinen Weg zu finden. Langsam kam das jenseitige Ufer näher.
Tara hatte ihre Augen geschlossen und fühlte nur, wie das Wasser um ihre Beine spritzte und der Saum ihres Kleides sich voll sog.
“Sind wir bald durch?”
Ein Rucken, was sie zu einem entsetzten Aufschrei veranlasste. Das Pferd sprang die Uferböschung hinauf.
“Du kannst deine Augen wieder aufmachen, Dummchen. Wir sind in Sicherheit.”
Der leise Spott in Theias Stimme ärgerte das Mädchen, ebenso wie der freche Blick, den sie ihr über die Schulter zuwarf und nur mühsam verbiss sich Tara eine entsprechende Entgegnung. In gemächlichen Trab schlossen sie zu den Anderen auf. “Worauf wartet Ihr, Sir Ciron?”
“Wir werden hier rasten. Die Sonne steht schon tief über den Bergen. Ich glaube nicht, dass wir überhaupt noch auf ein bewohntes Gehöft stoßen und hier haben wir wenigstens eine Möglichkeit, die Pferde zu tränken und unsere Wasservorräte aufzufüllen.”
Die Aussicht auf eine Rast beflügelte Tara und so nahm sie sich die Zeit, ihre Umgebung näher in Augenschein zu nehmen.
Soweit sie sehen konnten, erstreckten sich verdorrte Ähren auf den endlosen Feldern.
“Es sieht noch schlimmer aus als in euren Schilderungen, Sir Ciron.”
Der Ritter wirkte nicht sonderlich überrascht, fast schon gleichgültig.
“Das ist nicht weiter verwunderlich. Mit dem Wegfall der Bewässerung war das Land dem Verfall preisgegeben. Ich frage mich nur, wo die Bauern hingegangen sind.”
“Meint Ihr, sie haben versucht, sich zur Hauptstadt durchzuschlagen?”
“Schwer zu sagen. Wohlmöglich hätten uns die Gelehrten in der Abtei darüber Auskunft geben können, wären sie nicht ermordet wurden. Es gab nichts, dass ihren scharfen Augen und wachen Verstand entgangen wäre.”
“Trotzdem haben sie ihr eigenes Ende nicht kommen sehen.”
Tara bemerkte, wie er sie anerkennend musterte.
“Das ist wohl war und es zeigt, wie gefährlich der Gegner ist, mit dem wir es zu tun haben.” Bei seinen Worten befiel Tara ein unangenehmes Kribbeln im Nacken.
“Dort vorne! Ich denke, das wäre eine geeignete Stelle”, rief Ciron.
Die Pferdehufe lösten Erdbrocken aus dem Boden, als der Ritter an ihr vorbeipreschte. Einen Moment folgten Ross und Reiter den Windungen des Flusses, nur um gleich darauf abrupt anzuhalten. In einer eindrucksvollen Geste schwenkte Ciron sein Breitschwert über dem Kopf.
“Er hat einen Lagerplatz gefunden”, sagte Asgard lakonisch und gab seinem Pferd die Sporen. Nachdem die Knappen und Gefolgsleute sie passiert hatten, setzte sich Theia ebenfalls in Bewegung. Ihr Kichern dabei ließ Tara aufhorchen.
“Reiten macht dir wohl Spaß?”
“Das ist überhaupt kein Ausdruck, Tara! Es bereitet mir diebische Freude!”
“Gut, dass wenigstens einer von uns so sorglos sein kann”, erwiderte Tara.
“Wie meinst du das jetzt wieder?”
Das Mädchen schüttelte in Gedanken den Kopf und erst auf Theias erneute Nachfrage wurde ihr bewusst, dass die Fee es nicht bemerkt hatte.
“Ach nichts Theia. Ich bin einfach nur erschöpft.”
“Habe noch etwas Geduld. Sobald das Lager errichtet ist, werden wir uns ausruhen. Dir wird erneut die Ehre zuteil, eine weitere Nacht mit mir das Zelt teilen zu dürfen.”
Theia lachte begeistert auf und führte ihr Pferd sicher durch das unwegsame Gelände.
Ein Stück oberhalb des Laufs erreichten sie die herumeilenden Trossleute. Mehrere Knappen schlugen Pflöcke in den Boden, um die Pferde anzuleinen. Gewissenhaft wurde jedes Band überprüft, bevor das nächste Tier an die Reihe kam. Inzwischen war die Sonne zur Hälfte unter dem Horizont versunken und ein rötlich goldener Schein breitete sich über das Land aus.
Die frische Abendluft streichelte angenehm ihre erhitzten Gesichter. Neugierig sahen sich die beiden Mädchen um, während einer der Knappen das Pferd fortführte. Von hier aus war das unaufhaltsame Strömen der Fluten nur ein leises Plätschern.
“Es ist so friedlich. Kaum vorstellbar, dass uns Gefahr drohen soll.”
Tara streckte sich und ließ sich auf das vertrocknete Moos sinken. Eine Wolke aus Sporen wirbelte auf und kitzelte sie unangenehm in der Nase. Leicht moderiger Geruch erfüllte die Luft um sie herum.
“Eine trügerische Ruhe, Mylady. Wir werden Wachen für die Nacht bestimmen.” “Erwartet Ihr, dass uns jemand angreift? Ich habe nichts davon bemerkt, dass wir verfolgt werden.”
Asgard zog sein Schwert und rammte die Waffe neben seinen Lagerplatz in den Boden. “Ich bin gerne auf alles vorbereitet. Ihr solltet euer Zelt aufschlagen und etwas ausruhen. Mein Knappe wird euch dabei behilflich sein, wenn Ihr es wünscht.”
Paran, stets in der Nähe des Ritters, erhob sich sofort und fing an, die benötigte Ausrüstung von den Satteltaschen zu lösen. Überall waren Knappen damit beschäftigt die Unterkünfte ihrer Herren herzurichten. Binnen kürzester Zeit entstand so ein kleines Zeltlager, dessen fröhliche Farben, wie bunte Kleckse in der ansonsten eintönigen Landschaft wirkten. Gestrüpp und vertrockneten Astwerk wurden von den Trossleuten zu einem heimeligen Lagerfeuer aufgeschichtet, um das sich nach und nach die Gefolgschaft versammelte. Während des Essens beratschlagten die Ritter lautstark schwatzend über den weiteren Weg, bis Ciron anmahnte, dass sie sich schlafen legen sollten. Das Glühen der Abenddämmerung war einem prächtigen Firmament gewichen, von dem abertausende Lichter auf sie herabfunkelten. Tara folgte Theia erschöpft in das Zelt, dessen Umfang mit Leichtigkeit der doppelten Anzahl Personen Platz geboten hätte.
“Das war zuvorkommend von Asgard, uns sein Zelt zur Verfügung zu stellen”, frohlockte Theia.
“Findest du? Ich bin mir sicher, dass Paran wenig angetan davon ist, sein Lager nun mit seinem Herrn zu teilen.”
Theia schlug die Decke zurück und legte sich auf den mit Moos gepolsterten Untergrund. Ein herzergreifendes Seufzen kam über ihre Lippen.
“Was hast du, Theia?”
“Erst der harte Pferderücken und nun das. Dazu riecht es hier überall so komisch.”
Sie rupfte missmutig ein Grasbüschel aus und wog es in ihren Händen.
“Wir Feen sind für solch eine raue Umgebung einfach nicht geschaffen.”
Tara musste unwillkürlich grinsen. “Das ist das Moos. Es verrottet, wie alles hier um uns herum. Auf dem Acker neulich hat dich der Boden nicht gestört. Leg dich endlich hin. Morgen haben wir wieder einen langen Ritt vor uns.”
Etwas bewegte sich vor dem Zelt und im nächsten Moment streckte Mira ihren Kopf herein. Türkisfarbene Augen blickten belustigt auf sie herab.
“Dein Gejammer hört man durch das ganze Lager, Theia.”
“Na und wenn schon. Mein Rücken schmerzt.”
“Stell dich nicht so an, du bist nur verwöhnt.”
“Bin ich nicht!”
“Bist du doch!”
Theia nahm das Grasbündel und warf es nach ihrer aufsässigen Schwester. Reaktionsschnell zog Mira ihren Kopf zurück, während das Geschoss wirkungslos gegen den Zeltvorhang prallte. Sich entfernende Schritte und Gekicher bewiesen, dass Mira für den Moment keine Lust verspürte, sich weiter mit Theia zu streiten.
“Ich sollte ihr nachgehen und sie zur Rede stellen. Jede Wette, dass ich sie bei Geldis im Zelt finde.”
“Das wirst du nicht tun. Die beiden mögen sich ganz einfach. Außerdem hat er die erste Wache. Ich habe gehört, wie Ciron ihm den Befehl dazu gab. Komm zu mir, ich brauche dich jetzt, Theia.”
Tara griff nach ihrem Handgelenk und zog die zierliche Fee ohne Mühe zu sich heran. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen hatte sie Mira schon wieder vergessen.
“Ist das nicht aufregend? Wir befinden uns in einem richtigen Heerlager”, schwärmte Theia. Von draußen erklang das Schnauben der Pferde, gebrüllte Kommandos und Geräusche von unzähligen Füßen, welche vor dem Zelt herumrannten. Tara spürte ihren Herzschlag und selbst ihr Blut rauschte so laut durch den Kopf, dass sie meinte, davon taub zu werden. In wilden Verlangen presste sie ihre Lippen auf die Theias.
“Das finde ich noch viel aufregender”, erwiderte Tara.
Theia wirkte nur für einen Moment überrascht, dann begann sie anmutig ihr Kleid abzustreifen. Milchigweiße Haut wurde darunter sichtbar.
Die kleine Fee schüttelte sich. “Wirklich frisch hier im Zelt. Ich fürchte, du wirst mich wärmen müssen.“
Ein freches Grinsen. “Na los, mach schon, worauf wartest du noch?”
Gebannt sah Theia dabei zu wie sich nun auch das Mädchen seiner Sachen entledigte. Kaum hatte Tara ihr Höschen abgestreift, da schloss Theia sie ungeduldig in die Arme und begann damit, sie leidenschaftlich zu küssen.
“Warte Theia! Was ist, wenn uns jemand hört und nachsehen kommt?”
“Ist mir egal”, erwiderte Theia flapsig. Sie setzte ihr begonnenes Spiel fort und bald versank die Umgebung um die beiden Mädchen herum, bis nur noch sie und ihre Empfindungen füreinander zählten.

Theia blickte von unbeschreiblichen Glücksgefühlen beseelt und insgeheim auch ein klein wenig erschöpft auf Tara herunter. Ein angenehmes Kribbeln zog durch ihren zierlichen Körper und beschleunigte ihre Atmung, die im Laufe ihres Liebesspiels in ein heftiges Stöhnen übergegangen war. Die dunklen Augen des Mädchens musterten sie neugierig und versuchten zu ergründen, was in ihr vorging. Immer noch spürte sie Tara unter sich zittern und es bereitete ihr jedes Mal eine diebische Freude, auf ihr zu sitzen und sich von ihr verwöhnen zu lassen. Taras Hände ruhten sanft auf ihren harten Brustwarzen und verstärkten mit ihrer Berührung das lodernde Verlangen, dass gerade erneut dabei war, aufzuflammen. Die Fee fühlte, dass sie noch keineswegs ermüdet war und bereit, ihre Freundin weiter zu fordern. Theia konnte von ihren Spielchen einfach nicht genug bekommen, zu aufregend waren all die Dinge, die das Mädchen ihr zeigte. Tara besaß mittlerweile eine Raffinesse, sie zu verwöhnen, dass ihr Hören und Sehen verging und lustvoll gab sie sich ihren Liebkosungen hin. Schwungvoll warf Theia den Kopf in den Nacken, wobei ihre wilde Haarpracht zu beiden Seiten herab fiel und stöhnte auf, als das Mädchen ihre Brüste streichelte. Erst sanft dann immer härter, bis Theia sich auf die Lippen biss, um nicht laut aufzuschreien. Tara zog sie zu sich herab, bedeckte ihr verschwitztes Gesicht mit Küssen voller zügelloser Begierde nach dem anmutigen Geschöpf, dem ihre ganze Liebe gehörte. Hemmungslos erforschten die Zungen gegenseitig ihre Münder und nahmen ihnen fast die Luft zum Atmen. Ihre Hände bewegen sich tiefer, umschlossen ihr hübsches Hinterteil und kneteten die Backen, dass sie lustvoll dabei aufstöhnte. Eine Hand fuhr zwischen ihre Beine. Theia fühlte, wie sich wieder das Feuer eines Vulkans zwischen ihren Schenkeln seine Bahn zu brechen versuchte, diesmal schneller und heftiger als zuvor. Freudig erregt wurde Theia von einer Welle lustvollen Schmerzes davongetragen. Nach einer kleinen Ewigkeit, lichtete sich das Meer aus Farben vor ihren Augen. Sie hatte nicht bemerkt, wie sie zusammen gesunken war und Tara sie zärtlich mit ihren  Armem umschloss, während sie zitternd auf ihrem Bauch lag.
“Das war einfach wunderschön“, hauchte die Fee, wobei Tara unsicher war, ob es aus Zärtlichkeit oder völliger Erschöpfung geschah. Auch sie selbst war sichtlich mitgenommen. Immer noch spürte sie das Ziehen zwischen ihren Schenkeln und die Nässe von Theias Scham, deren Anblick ausreichte, um ein wildes Verlangen in ihr zu entfachen. In Theias Körper kam wieder Bewegung. Sie verschränkte vorsichtig die Arme auf Taras Brust und sah sie mit ihren leuchtenden Augen an. Der sanftmütige Blick studierte interessiert jede Gefühlsregung ihres Gesichts und noch nie hatte Tara soviel Zuneigung in den Augen eines Wesens gesehen. Sie dachte flüchtig an all ihre zahlreichen Abenteuer, die sie bisher erlebt hatten und musste unwillkürlich lächeln. “Was hast du?”
“Nichts. Es ist nichts. Ich liebe dich, Theia.”
Theia gluckste auf und berührte sanft mit den Lippen Taras Stirn.
“Komm, gehen wir uns waschen, ich fühle mich schmutzig.”
“Wie stellst du dir das vor? Wir haben kein Wasser. Willst du etwa zum Fluss laufen?” Ein Blick in Theias Augen ließ sie aufseufzen.
“Warum frage ich dich überhaupt? Na dann los, bevor ich vor Müdigkeit umfalle und einfach liegen bleibe.” Kichern antwortete ihr und im nächsten Moment war Theia nach draußen verschwunden. Eilig folgte ihr Tara und versuchte, mit dem flinken Wesen Schritt zu halten.
“Wartet! Wo wollt ihr hin? Niemand darf das Lager ohne Erlaubnis verlassen.”
“Sagt wer?” Theias Stimme klang patzig, doch der Knappe ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen.
“Sir Ciron gab die Anweisung, Myladys.”
“Wir müssen mal austreten, du Holzkopf, oder möchtest du uns etwa dabei zusehen?”, fauchte Theia den Jungen an.
Geldis bekam einen hochroten Kopf und sah verlegen zu Boden.
“Entfernt euch aber nicht zu weit und bleibt in Hörweite.”
“Keine Sorge, wir passen schon auf”, sagte Theia, die gar nicht daran dachte, seiner Bitte folge zu leisten. Schattengleich huschten sie weiter durch die Dunkelheit.
“War das nötig? Du hättest ruhig etwas freundlicher zu ihm sein können.”
“Warum sollte ich? Vermutlich wird er sich nach seiner Wache bei Mira ausheulen um sich von ihr trösten zu lassen.” Theia verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
“Du bist widerlich, Theia.”
“Ich bin nur ehrlich.”
“Das kommt bei dir auf das Gleiche hinaus.”
Ein paar Schritte vor ihnen wurden die Umrisse des Flusses sichtbar. Sanftes Rauschen erfüllte die Luft, gelegentlich durchdrungen von Plätschern, wo sich die glänzende Oberfläche an herausragenden Steinen am Uferrand brach.
Tara kniete an der Böschung nieder und tauchte ihre Hände in das eisige Wasser.
“Auf was wartest du, Theia?”
Nachdenklich starrte die Fee über den Fluss in die Finsternis. “Nur so ein Gefühl. Ich kann es dir nicht beschreiben. Beeilen wir uns besser.” Rasch streifte sie ihr Gewand ab und watete in die Fluten, bis das Wasser ihre Hüften umspülte.
“Hast du keine Angst, dass deine Flügel nass werden?”
Statt einer Antwort tauchte Theia ihre Hände ins Wasser und spritzte in Taras Richtung.
Ein entsetztes Aufquietschen. “Hör sofort auf damit, Theia!”
Helles Lachen klang zu ihr herauf und im nächsten Moment stand Theia klatschnass vor ihr. Milliarden von glitzernden Tropfen auf ihrer Haut, zeichneten den Körper des Wesens im Mondlicht nach.
“Zieh dir etwas an, sonst erkältest du dich noch.“ Die Fee verneinte und eilte zum Lager zurück, dessen Feuerschein ein gespenstisches Licht zum nahen Ufer schickte. Geldis fielen fast die Augen aus dem Kopf, als sie unbekleidet an ihm vorbei ins Zelt schlichen, verbiss sich diesmal aber krampfhaft jede Anmerkung. Tara streifte ihr Nachthemd über und versuchte, eine möglichst angenehme Lage auf dem harten Untergrund einzunehmen. Im gleichen Moment war Theia auf ihr und presste sich an sie. “Nicht Theia! Was machst du denn? Du bist noch völlig nass.”
“Hab dich nicht so”, kam es enttäuscht.
Theia rutschte von ihr herunter und machte sich nicht einmal mehr die Mühe etwas anzuziehen, bevor sie unter die raue Decke schlupfte. “Kein Vergleich zu deiner Haut Tara. Am liebsten würde ich die ganze Nacht auf dir schlafen.”
“Das könnte dir so passen. Ich fühle mich wie gerädert. Wir sind wirklich verrückt. Morgen früh werden wir unsere nächtliche Exkursion ganz sicher bereuen. Ich meine… eigentlich sollten wir längst ausruhen.”
“Das haben wir doch Tara”, kicherte die kleine Fee. Das Mädchen blies die einsame Öllampe aus, die sie sich von Ciron beschafft hatte. Kein Laut drang aus dem Lager zu ihnen. Durch den Spalt des Eingangs blickte ihnen die tiefschwarze Nacht entgegen. Eine Weile lauschten beide noch dem gelegentlichen Heulen des Windes der um die Zelte streifte, bis sie schließlich erschöpft einschliefen.

Tara richtete sich erschreckt auf. Um sie herum herrschte Stille, einzig unterbrochen von Theias Atmung. Doch das war es nicht, was sie geweckt hatte. Die kleine Fee lag ruhig neben ihr. Mit schweißnassen Händen griff Tara nach ihrem Umhang und schlich sich, jedes Geräusch vermeidend, zum Eingang des Zeltes. Vorsichtig streckte sie ihren Kopf heraus und lauschte in die Nacht. Ein Wiehern erklang. Tara fühlte, wie ihr ein Stein vom Herzen fiel. Es ist nur ein Pferd, Dummchen. Die kleine Feuerstelle lag verlassen in der Mitte des Lagers. Wo waren die Wachen? Asgard hatte versprochen, sie zu beschützen. Aber von ihm oder den anderen Rittern war nichts zu sehen. Erneut hörte sie das Tier, diesmal deutlich aufgeregter. Ihr eben erst erlangtes Gefühl von Sicherheit, zerfiel in tausende Scherben. Schmerzhaft legte sich eine unsichtbare Klaue um ihr Herz, während sie versuchte, sich zu artikulieren.
“Sir Ciron.”
Ihre Stimme war mehr ein Krächzen.
Tara befeuchtete ihre Lippen und versuchte es erneut.
“Ciron, wo seid ihr? Geldis?”
Keine Antwort erfolgte. Nervös fragte sie sich, wo der Junge abgeblieben war. Geldis würde seinen Posten niemals verlassen, dafür kannte sie ihn mittlerweile zu gut. Schweißtropfen rannen ihre Wange hinunter, während im Gegensatz dazu eisige Schauer über ihren Rücken zogen. Gerade als sie erneut rufen wollte, presste sich eine gepanzerte Hand auf ihren Mund. Mit schreckgeweiteten Augen unterdrückte Tara das aufkommenden Gefühl, laut los schreien zu müssen.
“So ist es gut. Ihr solltet vorsichtiger sein, bevor unsere Feinde noch auf euch aufmerksam werden.” Ciron. Allein der vertraute Klang seiner Stimme half, ihre flatternden Nerven zu beruhigen. Willenlos ließ sie zu, dass er sie mit sich zog, weg vom flackernden Schein des Feuers. Die Laute der Pferde wurden eindringlicher und ähnelten nun mehr angstvollen Rufen.
“Was geht hier vor sich, Sir Ciron? Lasst mich los, ich muss Theia wecken.”
Die Hand um ihren Mund lockerte sich und wurde fortgezogen.
“Ich sagte ihr sollt still sein. Eure Begleiterin kann auf sich selbst aufpassen.”
Seine Worte glichen einem Flüstern, kaum lauter als der Hauch des Windes. Erst jetzt bemerkte sie das gezogenes Schwert in der anderen Hand. Wie zur Bestätigung, tauchte Theia dicht gefolgt von Mira hinter ihnen auf. Die Feen verhielten sich überraschend ruhig, was Taras Anspannung nur noch weiter anfachte.
“Seht dort hinüber.”
Nervös folgten ihre Blicke seinem ausgestreckten Arm. Ein gewaltiger Schatten huschte vorbei. Tara rieb sich den Schlaf aus den Augen, da folgte die nächste Kreatur. Immer mehr der unheimlichen Gestalten versammelten sich in der Nähe des Feuers, ohne direkt in dessen Schein zu treten.
“Was sind das für Wesen?”
Sie konnte sich nicht von den bedrohlichen Erscheinungen lösen und so bemerkte sie nicht, wie sich hinter ihr die Soldaten erhoben. Tara zuckte zusammen, als Ciron plötzlich aufbrüllte und an ihr vorbeihechtete.
“Jetzt Asgard, zum Angriff!”
Nun erklang auch die Stimme des Hünen und unter infernalischen Gebrüll stürmten die Ritter auf die Bestien zu. Wütendes Kreischen antwortete ihnen. Gerade dabei, sich den Pferden zuzuwenden, welche ihnen leichte Beute versprachen, wurden die Kreaturen völlig von dem Ansturm überrascht. Lanzen und Schwerter streckten sich ihnen entgegen. Einigen gelang es, sich dem neuen Feind zuzuwenden, dann waren die Kämpfer heran. Ciron stieß noch im Lauf zu. Tief bohrte sich seine Klinge in den Leib eines der gewaltigen Wesen. Von Hass getrieben, versuchten Klauen, die Panzerung der Ritter zu durchdringen, tasteten nach Schwachstellen in ihrer Abwehr. Mehrere Soldaten wurden auseinandergewirbelt, als eine der Bestien sich in wildem Ansturm auf sie warf und einen von ihnen unter sich begrub. Sofort nutzten andere die geschaffenen Bresche und stürmten den schutzlosen Trossleuten entgegen.
“Standhalten! Sie dürfen nicht durchbrechen!“ Ciron schrie, während seine blutverschmierte Klinge wie eine Sense durch die Angreifer fuhr.
Tara hörte Schreie und starrte völlig apathisch auf die herannahenden Bestien. Verzweifelt versuchte sie sich zu bewegen, doch ihre Beine wollten ihr nicht mehr gehorchen, obwohl alles in ihr drängte, davonzulaufen. Gelähmt stand das Mädchen vor den Zelten und wartete darauf, dass die Unholde sie erreichten. Rufe erklangen, helle Stimmen und im gleichen Moment zog sie etwas davon. Erstaunt sah sie auf die beiden zierlichen Geschöpfe, welche sie mit angstvollen Blicken bedachten und anschrieen, obwohl sie keine Laute bewusst wahrnahm.
“Was ist mit ihr, Theia?“
“Sie steht unter Schock. Los hilf mir!”
“Das schaffen wir nicht. Sie sind gleich hier.”
“Was hast du vor, Mira?”
Mira ließ überraschend los und verabreichte Tara eine schallende Ohrfeige.
“Deine Methode gefällt mir, Schwester”, sagte Theia spöttisch.
Das Mädchen erwachte aus seiner Lethargie. “Was ist denn passiert?”
“Du warst völlig weggetreten, Tara. Geht es wieder?”
Sie nickte hastig, bevor Mira ihre Behandlung fortsetzen konnte und folgte den Feen zum Fluss. Einige Soldaten und Trossleute rannten vorbei, ohne ihnen Beachtung zu schenken. Gleich darauf brandete hinter ihrem Rücken Kampflärm auf.
“Schnell kommt! Hier können wir uns verbergen”, rief Theia.
Im Schutze einiger Sträucher verharrten sie kauernd, bis der Kampflärm abebbte und die ersten Soldaten zurückkehrten.
“Ich glaube, es ist vorbei. Lasst uns nachsehen”, sagte Tara und erhob sich.
Überall lagen die Körper erschlagener Kreaturen. Tara bekämpfte ihren Ekel und zwang sich, eine davon genauer in Augenschein zu nehmen. Eine Hand hielt sie dabei auf ihre brennende Wange.
“Eigenartig. Das sind keine Shrouks. Woher kommen diese Wesen?”
Cirons Stimme erklang neben ihnen und ließ sie herumfahren.
“Sandläufer! Ich hätte es wissen müssen! Wir hörten in der Festung davon. Nur, dass sie sich so weit nach Westen trauen, hätte wohl niemand vermutet. Bisher wurden sie nur in den Wüstenregionen gesichtet, aber etwas muss sie ins Ödland getrieben haben.
“Wie die Shrouks.” Tara sah mit leeren Blick auf die toten Körper.
“Ja, das sollte uns zu denken geben. Widerspricht es doch allem, was wir bisher über diese Kreaturen in Erfahrung bringen konnten.”
“Menschliches Wissen ist begrenzt und kann allenfalls einen kleinen Teil zur Lösung des Rätsels beitragen”, sagte Theia schnippisch und stolzierte an Cirons Seite.
“Was Ihr braucht, ist jemand mit genug Verstand, um Geschehnisse solcher Tragweite, wie wir sie gerade erleben, zu begreifen.”
“Ach und der jemand seid Ihr?”
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 434
  • Karma: 269
  • Oel ngati kame
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"
« Reply #1 on: July 23, 2013, 08:59:04 am »
Der Ritter zog die Augenbrauen hoch. Theias Flügel verharrten und wechselten kurz darauf in ein wildes Ausschlagen, wie immer, wenn sie etwas außerordentlich aufregte. “Ich habe Flora und Fauna dieser Sphäre schon studiert, bevor es euren Eltern überhaupt in den Sinn kam, ein Kind zu zeugen!”
“Ohne jeden Zweifel habt Ihr das, meine Teuerste”, lenkte Ciron beschwichtigend ein.
Theia nickte befriedigt und begann damit, Kreise um den Ritter zu ziehen.
“Gut, dass wir einmal übereinstimmen. Diese Sandläufer wie ihr sie nennt, sind erst der Anfang. Der Dämon wird alles gegen uns werfen, um Tara in seine Hand zu bekommen und uns zurückzuschlagen. Ist Euch aufgefallen, dass sie nie direkt angegriffen wird? Er braucht sie lebend. Was uns hingegen betrifft, sind wir für ihn nur Mittel zum Zweck.”
“Eure Schlussfolgerungen entbehren nicht einer gewissen Logik.”
Theia ließ sich nicht in ihrem Redefluss stoppen und fuhr ungerührt fort.
“Wir werden noch weitere Kreaturen zu Gesicht bekommen, bevor das Ziel unserer Reise erreicht ist, dessen bin ich mir ganz sicher. Er versucht, Wesen mit geringer Intelligenz unter seine Herrschaft zu ziehen. Die Bauern waren vielleicht auch von ihm beeinflusst. Wie hätten sie sonst so schnell von dem Mord erfahren können?” “Was ist mit der Fee im Schrein? Sie passt nicht in das Muster,” warf Ciron ein.
“Ihr meint Zahira? Nun in ihrem Fall lag die Sache anders. Sie sprach von einem Schatten, was darauf schließen lässt, dass sie ihm gegenübergestanden hat. Ihre Bösartigkeit machte es ihm leicht, sie zu beherrschen.”
Immer noch nicht überzeugt entgegnetet Ciron.
“Er hätte Euch oder Eure Freundin übernehmen können.”
“Der Dämon, wollte mich, das stimmt”, sagte Theia zu ihrer aller Entsetzten.
“Mit mir in seiner Gewalt, wäre es ein leichtes gewesen, Tara überall hinzubringen. Vermutlich hätte er mir die Ziele in meinem Kopf suggeriert und ich das Mädchen mithilfe der Magie transportiert. Allerdings kam glücklicherweise Zahira dazwischen und hier machte er einen entscheidenden Fehler: Er hielt Zahira für mich. Als er es bemerkte, war es bereits zu spät. Es war unser Glück, dass seine Macht noch begrenzt und er nicht im Begriff seiner vollen Kräfte ist, sonst wäre die Festung nun eine rußgeschwärzte Ruine.”
Geräusche von schweren Stiefeln unterbrachen Theia in ihren Ausführungen.
Asgard kam in Begleitung mehrerer Soldaten heran geeilt und erkundigte sich nach ihrem Wohlbefinden. Deutlich war dem Krieger seine Erleichterung anzumerken, dass keines der Mädchen einen Kratzer davon getragen hatte.
“Wir haben die Flüchtenden gestellt und erledigt. Es ist niemand übrig geblieben, der über uns berichten könnte.”
Ciron nickte erleichtert. “Eine Sorge weniger. Gut gemacht, Asgard.”
Das Schaben von gewaltigen Hufen fuhr ihnen unangenehm in die Glieder. Köpfe ruckten herum und unter erschreckten Ausrufen sahen alle in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Groß wie ein Fels, begleitet vom glühenden Schein ihrer Augen, betrat die Bestie das Schlachtfeld.
“Was bei allen Göttern… ist das?”, stammelte Tara entsetzt.
“Ein Nachtschlinger! Dann stimmen die Geschichten, die man sich über die alte Reichsstrasse erzählt. Wahrlich, ich hätte nichts auf dieses Bauerngeschwätz gegeben.”
“Was sollen wir nun machen, Asgard?”
Er zog sein Breitschwert und richtete es auf die Bestie.
“Es töten!”
Begleitet von einem Kampfschrei warf sich der Ritter dem neuen Gegner entgegen. “Paran, Geldis, ihr bewacht die Mädchen mit eurem Leben. Alle anderen, folgt mir!”, rief Ciron und stürmte hinterher.
Asgard erreichte seinen Gegner und setzte mit Schattenklinge zu einem ersten wuchtigen Hieb an, der jedem normalem Feind sofort den Schädel gespalten hätte. Hart fuhr das Metall über die gepanzerte Haut und verursachte einen Schnitt aus dem dampfende Flüssigkeit hervortrat. Keinen spaltbreit Boden gab der Dämon nach. Gierig schnappten mächtige Fänge nach ihm, mit einem Geräusch, dass durch Mark und Bein ging. Gedankenschnell wich Asgard zur Seite und im gleichen Moment fuhr die Klaue vorbei, wo er eben noch gestanden hatte. Ein Kreischen aus Wut und Enttäuschung hallte über das Lager hinweg. Zornentbrannt setzte die Kreatur zum Sprung an, um ihn unter sich zu begraben. Seine Hände umklammerten Schattenklinge so fest, dass die Köchel weißlich hervortraten. Asgard wartete, bis der Gegner ihn erreichte und ließ sich erst im letzten Augenblick zur Seite fallen. Noch in der Bewegung schlug er zu. Begleitet von unmenschlichen Brüllen, drang der Stahl in den Leib, zerschnitt Sehnen und Knochen und hinterließ eine klaffende Wunde.
Der Nachtschlinger geriet ins Straucheln. Für die heraneilenden Ritter das Zeichen zum Zuschlagen. Unzählige Schwerter traktierten die gepanzerte Haut.
“So töten wir ihn nicht! Stecht in die Augen!”
Cirons Stimme klang rau und erschöpft. Eine gut gezielte Lanze eines Soldaten drang in den Schädel des Dämons und ließ ihn aufkreischen. Im Todeskampf schlug er rasend vor Schmerz um sich, bevor er unter einem klagenden Schrei dumpf auf den Boden schlug. Asgard erklomm den Rücken und stieß sein Breitschwert tief in den Körper der gewaltigen Kreatur. Ein letztes Aufzucken, dann blieb der Dämon regungslos liegen. Jubel erhob sich und mit triumphierenden Ausdruck stieg Asgard vom Rücken des Dämons herab.
“Gar nicht mal so schlecht. Zumindest für einen Menschen.“ Theia wirkte erleichtert. “Diese Nachtschlinger wie ihr sie nennt, gehören nicht in unsere Sphäre. Genau genommen, dürften sie gar nicht hier sein. Es muss etwas durch den Spalt gekommen sein, von dem wir nichts wissen.”
“Darüber machen wir uns Gedanken, sobald wir dort sind.”, entgegnete Ciron und steckte seine Waffe zurück.
“Wir sollten sofort aufbrechen. An Schlaf kann nun kaum noch zu denken sein”, sagte Theia, immer noch ein wenig aufgebracht über den nächtlichen Angriff.
Cirons herrische Handbewegung ließ sie verstummen.
“Nein, wir bleiben hier! In dieser Nacht werden sie nicht erneut kommen. Wer weiß, welche Gefahren auf unserem Weg in der Dunkelheit lauern.”
Theia trat verstimmt einen Stein in Richtung der Uferböschung, wo er rasch in der Dunkelheit verschwand und wand sich an ihre Freundin. “Gehen wir schlafen, Tara.”
 
Langsam kehrte die Ruhe in das provisorische Lager zurück. Nervös saß das Mädchen inmitten des Zelts und grübelte vor sich hin.
Sie teilte nicht die Zuversicht ihrer Freundin und wurde schon seit dem Angriff von trübsinnigen Gedanken geplagt, die sich jetzt in der Abgeschiedenheit und Stille noch verstärkten.
“Ich bin mir nicht mehr sicher, dass wir das Richtige tun. Vielleicht, wenn wir weit fortgehen von hier, dann könnten wir ein neues Leben anfangen, Theia.”
Überraschung leuchtete in Theias Antlitz auf.
“Wovon redest du da nur Tara? Wo willst du denn hingehen? Du kannst nicht mehr nach Hause zurück, hast du das schon vergessen? Der Kommandant würde dich auf der Stelle töten lassen.”
Wie Hammerschläge traf sie jedes Wort der Fee. Tara wusste, dass Wahrheit in allem lag, was sie sagte, doch diese zu akzeptieren, wollte ihr einfach nicht gelingen. Noch nicht. Immer wieder suchte ihr verzweifelter Geist nach einem Ausweg, prüfte Fakten, wog Möglichkeiten ab, nur um am Schluss zu erkennen, dass ihr keine Wahl blieb. “Ich muss ihn finden. Irgendwo. Ich muss einfach, verstehst du?”
In ihrer Erregung bemerkte sie nicht, wie sie die kleine Fee mit ihrem Griff an sich presste, bis Theia vor Schmerz aufschrie.
“Lass mich los, Tara, du tust mir weh!”
Erst jetzt wurde ihr bewusst, was sie tat und augenblicklich gab sie das zierliche Wesen frei.
“Entschuldige bitte, Theia. Es tut mir leid. Das wollte ich nicht.”
Zitternd tastete sie nach Theias Wange und strich sanft darüber.
“Manchmal kommst du mir richtig unheimlich vor, Tara.”
Ein verstörter Blick, dann lehnte Theia den Kopf an die Brust des Mädchens.
“Dein Herz schlägt rasend schnell.”
“Ich habe Angst, Theia.”
“Das brauchst du nicht. Ich bin bei dir, was auch immer geschehen mag. Sieh mal, unsere Begleiter sind in der gleichen Situation. Auch ihnen wurde die Heimkehr untersagt, sollte es uns nicht gelingen, den Dämon zu besiegen. Glaubst du, ich würde ernsthaft zulassen, dass euch irgendetwas geschieht?” Unsicher tastete das Mädchen nach ihrer Hand.
“Nein, natürlich nicht. Aber der Dämon hat Zahira besiegt und ich habe Angst, dass er dasselbe mit dir macht.“
Erneut versuchte Tara, das Unvermeidliche vielleicht doch noch abzuwenden.
“Wir könnten in die Anderswelt gehen Theia.”
“Nein Tara, das will ich nicht! Wir werden in dem kleinen Haus leben, nur wir beide. Ich verspreche es dir.“ Noch niemals zuvor hatte sie diese Entschlossenheit in Theias Blick bemerkt, außer wenn sich die kleine Fee nach Zärtlichkeit sehnte.
“So und nun will ich nichts mehr davon hören. Leg dich neben mich.”
Theias Zuversicht beruhigte sie. Auch, dass die Fee ihr ein Versprechen gegeben hatte, in dem Wissen, dass sie nicht lügen konnte trugen dazu bei, dass das Mädchen schließlich zur Ruhe kam.

Das Lager war schnell abgebrochen worden und sämtliche Ausrüstung in Windeseile verstaut. Seit Stunden saßen sie nun wieder auf den Pferden und bewegten sich einem Ziel entgegen, von dem sie nicht wussten, wie es aussah, oder was sie dort erwartete. Unter den Hufen knirschte Sand, der auf den Steinen der Reichsstrasse klebte wie eine ölige Schicht, die jede Kontur begrub.
Aufgeregt deutete Theia auf eine Ansammlung von Erhebungen in der Ferne.
“Seht dort drüben Asgard. Ist das ein Dorf?”
“Eure Augen sind schärfer als die eines Adlers. Ich werde nachsehen, wartet hier.” “Daraus wird nichts. Ich habe es entdeckt und werde Euch begleiten. Versucht gar nicht erst, mich umzustimmen.”
“Wie Ihr wollt. Bleibt hinter mir und seid wachsam.”
Tara rieb sich über ihre geröteten Lider. Der anstrengende Ritt verlangte ihr alles ab. Müdigkeit und die Unfähigkeit, sich zu konzentrieren wuchsen mit jeder Wegstunde, die sie durch die Einöde ritten. “Was hast du jetzt wieder vor, Theia? Dafür haben wir keine Zeit. Wir müssen weiter.”
“Warte es ab. Mit etwas Glück, können wir uns bald ausruhen.”
“Na hoffentlich. Mir fallen schon die Augen zu.”
“Fall mir bloß nicht vom Pferd”, sagte Theia besorgt und trieb das Pferd an. Je näher sie kamen umso deutlicher schälte sich die schlichte Bauweise der Hütten aus der sengenden Sonne. Das ganze Dorf, wenn man es überhaupt so nennen konnte, machte einen mehr als ärmlichen Eindruck auf die Reisenden.
“Eine Ansiedlung mitten im Ödland. Hattet Ihr nicht gesagt, dass hier keine Menschen mehr leben?” Statt einer Antwort, ließ Asgard nur ein Schulterzucken erkennen. Staub wirbelte in kleinen Wolken auf, als sie ihre Pferde über den Dorfplatz lenkten.
“Ein Brunnen. Wenigstens gibt es in dieser Einöde Wasser.”
Argwöhnisch blickten ihnen die wenigen Bewohner entgegen, die sich um diese Tageszeit im Freien aufhielten. Über ihnen brannte gnadenlos das Himmelsgestirn herab und trieb Menschen wie Tieren den Schweiß aus den Poren. Theia schwang sich aus dem Sattel und wollte gerade ihre Hände in das Auffangbecken tauchen, da hielt sie ein Schrei Asgards zurück.
“Haltet ein, Mylady!”
“Was habt Ihr? Es ist nur Wasser und ich bin durstig”, sagte Theia leicht gereizt. So spurlos, wie sie es gerne ihren Begleitern weis zu machen versuchte, war die anstrengende Reise nicht an ihr vorbeigegangen, auch wenn sie sich das selbst niemals eingestehen würde. Asgard hielt seine Hand in die Tränke und träufelte sich ein paar Tropfen auf die Zunge. Einen langen Moment hielt der Recke inne, erst dann entspannten sich seine Gesichtszüge.
“Es ist unbedenklich. Bedient Euch, junge Dame.”
Theia hatte seiner Untersuchung fassungslos zugesehen und wirkte angewidert.
“Ihr erwartet allen ernstes, dass ich daraus trinke, nachdem ihr eure Hände drin hattet? Das ist einfach nur ekelhaft, Asgard.”
“Ich dachte, Ihr habt Durst? In unserer Lage solltet ihr nicht allzu wählerisch sein.”
Ein vernichtender Blick aus ihren hübschen grünen Augen traf ihn, bevor Theia sich seufzend fügte. “Auf was wartet ihr noch?”
“Mylady?”
“Es schickt sich nicht, einer Dame beim Trinken zuzusehen. Noch dazu, wenn sie so durstig ist, wie ich.”
“Also doch. Warum müsst Ihr alles immer so komplizieren?”
“Ich bin eine Fee.”
Grunzend wandte Asgard sich ab und setzte sich auf den Rand der Einfriedung. Inzwischen hatte sich ihre Ankunft herum gesprochen und immer mehr Dorfbewohner versammelten sich um sie herum. Ruhig lag die Hand des Ritters, als unausgesprochene Warnung auf seinem Schwertknauf. Geduldig wartete er, bis die Fee getrunken hatte und  sich neben ihn setzte. Geschickt begann sie etwas unter ihrem Ausschnitt hervorzuziehen.
Theia wog das Amulett nachdenklich in ihren zarten Händen.
“Zeigt es nicht so offen. Die Dorfbewohner sind sehr arm und werden versuchen es euch zu stehlen.”
“Das würde niemand wagen und wenn doch, werden sie meine Fähigkeiten kennen lernen.”
“Aye, doch ich bezweifle, dass die Bauern überhaupt wissen, was ihr seid. In erster Linie sind sie hungrig. In ihrem Leben ist kein Platz für moralische Bedenken, wenn zu  Hause das eigene Kind dem Hungerstod ins Auge sieht.”
“Asgard… .”
Er betrachtete sie aufmerksam.
“Was ist das Schmuckstück wert?”
Sein Blick fiel flüchtig auf das Kleinod, kehrte jedoch augenblicklich zu ihr zurück. “Für uns? Nichts.”
“Ich verstehe.”
“Alles”, lachte der Ritter nun unerwartet auf und irritierte sie damit vollends.
“Seine wahre Bedeutung liegt ganz im Auge des Betrachters. Aber falls ihr die Bauern meint… für sie bedeutet es lange Zeit einen gefüllten Bauch.”
“Das meinte ich.” Schweigen, derweil Theia das Schmuckstück hin und her pendeln ließ. “Wäret Ihr mir böse, wenn ich es verschenken würde?”
“Ihr wollt es den Bewohnern überlassen? Warum?”
“Ich habe noch nie soviel Elend gesehen. Es bedrückt mich.”
“Dachtet Ihr an jemanden bestimmten?”
Theia riss sich aus ihrer Lethargie und das grüne Feuer kehrte in ihre Augen zurück, wie immer, wenn sie einen unumstößlichen Entschluss gefasst hatte.
“Seht Ihr die Frau dort mit den vier Kindern?”
Er sah in die angegebene Richtung.
“Aye Mylady. Ihr habt eine gute Wahl getroffen.”
“Ich darf es also? Ihr verachtet mich nicht deswegen?”
“Es gehört Euch. Macht damit, was immer euch beliebt.”
Er legte ihr eine Hand auf die Schulter und drückte sanft zu.
“Ihr habt ein gutes Herz. Mit eurer Hilfe werden wir den Dämon zur Strecke bringen.”
Theia fühlte sich erleichtert. Ihr Blick fiel auf Tara, die in Gesellschaft von Paran neben dem Pferd stand und es sicher an den Zügeln hielt.
“Das werden wir, Sir Asgard, allein schon wegen ihr.”
Lächelnd, jedoch mit einem Hauch Bedauern in der Stimme, antwortete Asgard.
“Ich fürchte gegen soviel Anmut kann ich nicht mithalten.”
Theia ging ohne Zögern auf die ärmlich gekleidete Frau zu, die ihr neugierig entgegen sah. Das jüngste ihrer Kinder hielt sie dabei mit den Armen umschlossen.
“Hast du Hunger?” Sie packte die Dörflerin am Gewand und stellte sich auf ihre Zehenspitzen, um mit ihr auf Augenhöhe zu kommen. Die Frau schwieg, folgte nur jeder ihrer Bewegungen argwöhnisch.
“Natürlich hast du Hunger, was frage ich auch so einfältig. Es sieht doch jeder, dass ihr nicht genug zu Essen bekommt. Deine Kinder sind völlig abgemagert und ich denke, unter deinen Kleidern sieht es nicht besser aus.”
Theia bemerkte, wie die Frau nervös über ihre Schulter blickte.
“Was hast du? Ist es wegen Asgard? Du darfst ruhig sprechen. Wenn er dich anrührt, kann er etwas erleben, das ihm hören und sehen vergeht.”
Unglauben stahl sich in den bisher ängstlichen Blick der Bäuerin. Endlich nahm sie all ihren Mut zusammen. “Er wird meinen Kindern wirklich nichts tun? Wir dürfen nicht in Gegenwart der hohen Herren betteln. Darauf steht Kerker oder der Tod.”
Theia überlegte und fasste in Windeseile einen Entschluss.
“Warte auf mich, ich bin gleich zurück.”
Asgard wirkte verwundert. “Benötigt Ihr meine Hilfe?”
“Zieht Euch für eine Weile zurück. Ich stoße später wieder zu Euch.”
“Nein, Mylady, das kann ich nicht zulassen. Was ist, wenn jemand der Bewohner Böses gegen Euch im Schild erführt?”
Die Fee seufzte auf. “Das Wagnis muss ich eingehen.”
Asgard blieb regungslos stehen und machte keine Anstalten, der Aufforderung nachzukommen.
“Wenn ich deinen Schutz brauche, dann sage ich es schon und nun verschwinde endlich!”
Theia ballte wütend ihre kleinen Fäuste und brachte damit den Ritter zum Schmunzeln. “Wenn es Euer ausdrücklicher Wunsch ist. Wir kehren zu den anderen zurück. Ciron schlägt ein Lager neben dem kleinen Hain auf. Ihr findet uns dort, Mylady. Doch lasst Euch nicht zu lange Zeit. Paran! Ihr kommt mit mir.”
Theia wartete, bis der Ritter außer Sichtweite war, bevor sie zu der Frau zurückkehrte. Tara folgte ihr neugierig.
“Hier nimm das. Es gehört dir.”
Die Augen der Bäuerin wurden so groß wie Wagenräder und selbst Tara gab ein überraschtes Stöhnen von sich.
“Was machst du da, Theia? Asgard wird sicher böse, wenn du es verschenkst.”
“Wird er nicht. Ich habe seine Zustimmung.”
“Du hast was? Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich nun vermuten, dass du mich anflunkerst.” Bevor Theia etwas erwidern konnte, fiel ihr die Frau ins Wort und bedankte sich überschwänglich, als ihr zu Bewusstsein kam, was sie da für ein Kleinod in ihren Händen hielt.
“Meine Dame, das .. das kann ich nicht annehmen.”
“Warum nicht? Kauf dir etwas zu essen für dich und deine Kinder.”
“Aber ich…”, stammelte die Frau völlig sprachlos.
“Sei still, ich will nichts mehr davon hören.”
“Ihr solltet ihr Geschenk besser nicht ausschlagen”, mischte sich Tara ein. Die kleine Fee nickte anerkennend über Taras Einwand, verriet der Bäuerin aber mit keiner Silbe, wie es gemeint war. Theia kletterte zufrieden auf den prächtigen Hengst, den sie für ihre Reise gewählt hatten.
“Los, hoch mit dir Tara, sonst macht Asgard seine Drohung war und kommt uns holen.”
“Das würde dir doch ganz sicher nichts ausmachen”, kicherte Tara.
“Wer weiß, Tara, wer weiß.”
In gemächlichen Schritten trabte das Pferd dem Lager außerhalb des Dorfes entgegen, wo sich der Tross versammelt hatte. Schon aus der Ferne konnten sie das Feuer sehen, dass die Gefolgsleute entzündet hatten. Theia seufzte auf. Das Versprechen einer warmen Mahlzeit, die von den Flammen ausging, mobilisierte ihre letzten Kraftreserven.

Tara war vor der Feuerstelle eingenickt. Bei ihrem Erwachen war von ihren beiden Begleiterinnen keine Spur zu entdecken und so entschloss sich das Mädchen, nach ihnen zu suchen. Eine Weile streifte sie durch das Lager, sah in Zelte, doch nirgends konnte sie etwas von den Feen Mädchen entdecken. “Wo stecken die beiden nur?” Tara bekämpfte ihre Aufregung und versuchte, sich zu konzentrieren.
Sanfte Stimmen wurden vom Wind an ihr Ohr getragen. Die vertrauten Laute weckten ihr Interesse und so versuchte Tara, ihren genauen Ursprung zu entdecken. Mit klopfenden Herzen schritt sie auf das vor ihr liegende Wäldchen zu, in dessen Nähe der Tross sein Lager aufgeschlagen hatte. Laub vermischt mit Geäst raschelte auf, als sie zwischen den Stämmen hindurch trat. Über winzigen Tümpeln tanzten Mücken in Clustern herum und vollführten einen immerwährenden Reigen. Wortfetzen vermischt mit Gekicher wurden klarer, je weiter sie sich voranbewegte. Tara wollte ihren Augen nicht trauen, als sie die beiden lieblichen Geschöpfe vor sich in vollendeter Harmonie sitzen sah. Mira hielt einen langen Ast fest, an dem Theia sich mit einer Klinge zu schaffen machte. Neben ihnen lag ein weiterer Stab und Tara glaubte darauf so etwas wie eingravierte Runen zu erkennen.
“Warum seid ihr nicht beim Lager? Wenn ich nun ein Shrouk gewesen wäre.”
“Beim Mittagessen hast du dich jedenfalls so angehört”, erwiderte Theia, die ihr den Rücken zuwandte, während ihre Schwester anfing, zu lachen.
Tara kniete sich hin. “Was macht ihr hier überhaupt?”
Theia zeigte wie nebensächlich auf einige Stämme in ihrer Nähe, die sich von den anderen hervorhoben.
“Wir fertigen Stäbe aus Birkenholz. In der Anderswelt gilt dieser Baum als heilig und wird von allen Feen verehrt. Unsere erste Königin wurde im Schutz einer Runenbirke geboren. Es heißt, dass die Bäume das Licht des silbernen Mondes auf eine besondere Art in sich speichern können. Ein Stab aus diesem Holz gefertigt, verfügt über beachtliche magische Fähigkeiten.”
“Dieser Platz ist seltsam. Warum blühen hier Pflanzen, wo um uns herum das Land verdorrt?”
“Hier war einst ein Übergang in unsere Welt, aber er ist verschlossen, zumindest fühle ich nichts”, sagte Theia.
Tara sah sich um, konnte zu ihrer Enttäuschung jedoch nichts feststellen, dass auf eine vorhandene Berührung der Sphären hingedeutet hätte. Den feinfühligen Sinnen der Feen Mädchen war sie hoffnungslos unterlegen.
“Kannst du ihn nicht öffnen?”
Theia kaute auf ihrer Lippe herum. “Vielleicht Tara. Aber das ist keine gute Idee. Der Magieausbruch könnte von unseren Gegnern bemerkt werden. Sie würden sofort wissen, was wir vorhaben und was noch viel schlimmer ist, wo wir uns aufhalten. Unsere Stäbe werden genügen.”
“Hast du nicht gesagt, das Holz müsste vom Licht eures Mondes getränkt sein um Magie zu wirken?”
Theia starrte sie an. “Na dann bete zu deinen Göttern, dass es der Dämon nicht erfährt.”
Schweigend sah Tara dabei zu, wie die Feen zusammenpackten und sich anschickten, zum Lager zurückzukehren.

An ihrem Lagerplatz war mittlerweile alles zum Aufbruch vorbereitet.
Paran schaufelte Sand auf die glimmenden Reste des Feuers, bis nur noch der Geruch verbrannten Holzes in der Luft lag.
“Da seid ihr ja endlich”, sagte Ciron, als er der Mädchen gewahr wurde.
Tara half der Fee beim Aufsteigen und nahm selbst hinter ihr Platz. Ein Teil der Ritter bildete unter Asgards Führung die Spitze der Kolonne, während Ciron mit den Mädchen und den Knappen folgte. Der Tross bildete, wie gewohnt, das Schlusslicht, nur bewacht von einfachen Soldaten. Weit voraus auf einer Hügelkette entdeckte Tara einen zerfallenen Turm, der stellvertretend wie ein Mahnmal für den gesamten Zustand der Ödlande stand. Ihre Gedanken kehrten zu Theias Äußerungen zurück, während die Gruppe sich langsam über die Landstrasse voran bewegte.
“Wer bist du wirklich, Theia?”
“Ich bin Theia, älteste Tochter von Eria aus dem Hause Immergrün.”
“Nein ich dachte an etwas anderes. Deine Mutter, welchen Rang bekleidet sie in eurem Volk?” “Meine Mutter? Eria ist die erstgeborene Tochter unserer geliebten Königin. Warum fragst du?”
Tara fiel es wie Schuppen von den Augen. Natürlich. Jetzt ergab alles einen Sinn. “Das ist also der Grund dafür, dass wir einfach den Hain aufsuchen durften und sich niemand um uns scherte. Du bist von edler Abstammung, Theia.”
“Daran hatte ich nie einen Zweifel. Ihr ganzes Gebaren ließ darauf schließen”, rief Asgard, der neben ihnen ritt sichtlich begeistert.
“Du hättest es mir sagen müssen, Theia.”
“Hätte das etwas an deiner Zuneigung geändert?”
“Nein, natürlich nicht, so meinte ich das nicht.”
“Wie dann? Eria wird eines Tages unsere Königin werden und ich werde nach ihrem Tod folgen.”
“Das klingt noch alles so unendlich weit entfernt. Ebenso wie unser Ziel. Ich habe das Gefühl, dass wir ihm keinen Schritt näher kommen.”
Ciron stieß ein raues Lachen aus und deutete die Strasse entlang.
“Wir sind dem Dämon näher, als ihr vielleicht glauben mögt. Hinter den Hügeln erwartet uns die Hauptstadt oder das, was von ihr noch übrig ist. Doch vorher werden wir ein letztes mal rasten.”
“Ich bin so aufgeregt, Ciron. Können wir nicht den Rest des Weges durchreiten?”
“Damit würden wir unsere Tiere zu Tode schinden. Es bleibt dabei. Wir überqueren die Anhöhe bei Tagesanbruch.”
Tara schaute versonnen in die Ferne. Noch eine Nacht, dann würde sie die Hauptstadt sehen und ihr Schicksal sich erfüllen, was immer es auch für sie bereithalten mochte. Zu ihrer Verwunderung war sie nicht ängstlich, nur erfüllt von bohrender Unruhe. Ein letzter Blick zum Horizont, bevor sie vom Pferd stieg.
“Morgen also”, seufzte das Mädchen.


@Copyright 2013 Eichhörnchen
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9905
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"
« Reply #2 on: July 25, 2013, 02:08:04 am »
Wow, ma Eichhörnchen! :D

Und wieder eine phantastische Geschichte, wo man im wahrsten Sinnes des Wortes darin versinkt!
An dieser Geschichte hat mir sehr diese 'Unheimlichkeit' und diese 'dauernde Bedrohung' durch diese Dämonen gefallen. Auch sind die Szenen sehr gut beschrieben (man sich diese Szenen gut bildlich vorstellen kann!). Sonst einfach nur super!
Auf ein nächsten Teil bin ich sehr gepsannt. :D

Natürlich gibt es für den Eichhörnchen auch eine wohlverdiente Nuss! ;) :-*

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

Offline Neytiri2000

  • Uniltìranyu
  • **
  • *
  • Posts: 113
  • Karma: 17
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"
« Reply #3 on: July 28, 2013, 09:13:08 am »
Huhu Eichhörnchen,

habe heut Vormittag mir diesen 5. Teil durchgelesen und bin wie immer völlig begeistert  :D
Eine aufregende, wie immer erotische und aber auch gruslige Geschichte mit viel Kopfkino und guten Szenen.  ;)
Besonders die als man das gefühl bekam wo die beiden Mädchen dachten sie wären in einem Feldlager.  ;D

Bin echt ein Fan von Epischen Schlachten und großen Armeen.  :-X
Würde mich sehr interessieren was passiert wenn die beiden die Hauptstadt erreichen.  :)
Und natürlich bin ich ganz scharf auf eine heiße Szenen zwischen den Beiden  :-[

Ansonsten sind mir wenige Rechtschreibefehler aufgefallen, diese aber nicht sehr tragisch waren.

Bin voller vorfreude auf den Nächsten Teil und wünsche dir viel Spaß beim schreiben.

Liebe Grüße dein eifriger Leser Neytiri2000  :-*
Zitate:

Jake Sully: Ich möchte kein Mitleid, wenn du Fair behandelt werden willst, bist du auf dem Falschen Planeten.

Offline Ricardo

  • Taronyu
  • ****
  • *
  • Posts: 630
  • Karma: 28
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"
« Reply #4 on: August 12, 2013, 10:56:20 am »
Teil 4 und Teil 5 wurden jetzt von mir gelesen.

Sie sind, wie man das gewohnt ist, unterhaltsam, mit Würze von jeder Art.
Positiv fällt mir noch auf, dass deine Rechtschreibung von Geschichte zu Geschichte besser wird.

Was bleibt, ist die Spannung auf den nächsten Teil. ;)

Offline Yaknun

  • Ikran Makto
  • *****
  • *
  • Posts: 758
  • de Germany
  • Karma: 21
  • alt, aber vernarrt in AVATAR
    • Eine fixe Idee
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 5 "Reise durch das Ödland"
« Reply #5 on: August 20, 2013, 10:14:34 am »
Hallöchen mein Eichörnchen,

seit langem gelesen und das gleich mehrfach  :D

Heute nun will ich endlich auch "meinen Senf dazu geben" - wenn auch spät, so doch hoffentlich nicht zu spät  :-* :-X

Die Handlung ist wie gewohnt stringent, gibt eine ständige Anspannung an den geneigten Leser weiter und man hat nach wie vor das Gefühl, „wenn ich jetzt aufhöre zu lesen, verpasse ich etwas Wichtiges“…

Ich klebe förmlich bis zum letzten Satz am Geschehen und erlebe die Geschichte wieder einmal, als wenn ich dabei wäre.

Die bereits in Teil 4 hinzu gekommene Schwester der mir inzwischen sehr lieb gewordenen Theia etabliert sich zusehends im Geschehen und versucht punktuell, das Zepter in die Hand zu nehmen. In diesen Momenten besticht Theia nach wie vor durch ihre souveräne Überlegenheit.
Die kleine Tara kämpft sich mutig durch die für sie z.T. schwierigen Situationen und stößt so manches Mal an ihre Grenzen. Ihre Liebe zu Theia hilft ihr über alle Widrigkeiten hinweg.
Die gemeinsamen intimen Momente der Beiden sind immer wieder prickelnde Höhepunkte in der Geschichte.
Auch die übrigen Figuren sind interessant und bestechen durch ihre Eigenheiten. Insbesondere gefällt mir der Ritter Ciron, der in allen Situationen Ruhe bewahrt und offensichtlich mit seiner sprichtwörtlichen Ritterlichkeit brilliert.

Die Welt, die Akteure wie Leser durchwandern, liegt glasklar vor den Augen des Betrachters, verschwimmt jedoch immer mehr im mystischen Grau, je weiter man versucht, nach vorn zu schauen. Dar fast körperlich spürbare Dämon ist nach wie vor nicht wirklich greifbar und lässt den Leser erschauern und nicht definierbare Gefahren erahnen.

Mein persönliches Fazit nach den bisher gelesenen 5 Teilen ist, eine Geschichte miterleben zu dürfen, die sehr spannend geschrieben ist und der es gelingt, den Leser in ihren Bann zu ziehen. Dem Verfasser kann ich zu diesem gelungenen Werk nur herzlich gratulieren. Mir als Leser ist es immer wieder ein Hochgenuß, in diese Welt eintauchen und mit den Akteuren Hand in Hand die Abenteuer erleben zu dürfen

Einen großen Dank noch einmal an unser kuscheliges Hörnchen und seine genialen gedanklichen Ergüsse.

Dein begeisterter Leser  :D :D :D
Achim
Neytiri:
"Sie leben, Jake, in Eywa"

alt, aber
vernarrt in AVATAR
...


 

Become LearnNavi's friend on Facebook Follow LearnNavi on Twitter! Watch LearnNavi's videos on YouTube

SMF 2.0.17 | SMF © 2017, Simple Machines | XHTML | RSS | WAP2 | Site Rules

LearnNavi is not affiliated with the official Avatar website,
James Cameron, LightStorm Entertainment or The Walt Disney Company.
All trademarks and servicemarks are the properties of their respective owners.
Images in the LearnNavi.org Forums and Gallery may not be used without permission.

LearnNavi Affiliates:
ToS

LearnNavi is the community to learn Na'vi, the Avatar Language
"A place where real friendships are made." -Paul Frommer

AvatarMeet | Learn Na'vi Forum | Learn Na'vi Wiki | Na'viteri

LearnNavi