Author Topic: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"  (Read 1839 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 434
  • Karma: 269
  • Oel ngati kame
Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 “Der Tod hat kleine Flügel”


Eine einsame Strasse die durch das verheerte Land führt. Sie beherbergt mannigfaltige Wunder, Geheimnisse und Gefahren. Unzählige Möglichkeiten und ebenso viele Entscheidungen liegen vor den einsamen Wanderern. Welche ist die Richtige und welche bringt die Suchenden an ihr Ziel? In all diesen Unwägbarkeiten scheint nur eines gewiss: Caltun erwartet sie, wo sich ihr Schicksal erfüllen wird.
 
In einem ständigen Strom streiften Windböen über die Hügelkuppe, zerrten an ihren Haaren und ließen Gewänder flattern. Bereits im Morgengrauen hatte die imposante Gruppe aus Rittern, Knappen und Soldaten dicht gefolgt von den Angehörigen des Versorgungstrosses die Anhöhe bestiegen. Hier bot sich ein beeindruckendes Bild, über die vor ihnen liegenden Ländereien des Lehens.
“Dort in der Ferne befindet sich Caltun, unsere Hauptstadt.”
Angestrengt suchend, folgte Tara seinem ausgestreckten Arm.
“Ich kann überhaupt nichts sehen, Ciron.” Enttäuschung spiegelte sich in ihren Worten, während gutmütiges Lachen erklang.
“Ach verzeiht, ich vergesse immer wieder, dass Ihr die Stadt nie mit Euren eigenen Augen erblickt habt. Es sind wohl Erinnerungen an bessere Tage, die mich ein Bild sehen lassen, wo ihr nichts entdecken könnt. Wartet, bis wir die Ebene erreichen und der Wind nachlässt. Sieht ganz danach aus als ob das Ödland nicht geneigt ist, uns so einfach freizugeben.”
Wie zur Bestätigung erhob sich ein erneuter Windstoss und riss unsanft an ihnen. Staub und Dreck drangen dabei in jeden Winkel ihrer Kleidung und obwohl sich Tara ein Tuch vor den Mund gebunden hatte, schmeckte sie die winzigen Partikel auf ihrer Zunge. Vor ihr klopfte Ciron dem Hengst auf die Flanke und lenkte das Tier vorsichtig den Abhang hinunter.
“Bist du aufgeregt?” Die sanfte Stimme der Fee zog sie unwillkürlich in ihren Bann. Mit einem Lächeln blickte Tara auf das zierliche Wesen herab.
“Nein, Theia. Komm, nimm meine Hand, ich helfe dir hoch.”
Wie erwartet, drängte sich die Fee an ihr vorbei und ergriff sogleich die Zügel.
“Das glaube ich dir nicht, Tara. Du sollst mich nicht anlügen, das kann ich nicht ertragen.”
“Also gut, vielleicht ein ganz kleines bisschen. Ich kann es dir nicht beschreiben”, lenkte sie beschwichtigend ein.
Theia gab sich damit zufrieden und ließ schnalzend das Pferd antraben, wobei sie versuchte, mit Cirons Hengst Schritt zu halten. Ein schwieriges Unterfangen für die ungelernte Reiterin. Das Gelände fiel steil zu einer weiten Ebene vor ihnen ab und der schlechte Zustand der Reichsstrasse machte es für die Reiter auch nicht leichter.
“Vorsichtig, Theia. Es nützt niemanden, wenn wir uns die Knochen brechen.”
“Wir ziehen in den Kampf gegen eine Bestie von unvorstellbarer Bösartigkeit. Glaubst du, da lasse ich mich von ein paar losen Steinen auf unserem Weg aufhalten?” Tara seufzte und richtete ihr Hauptaugenmerk wieder auf die Umgebung. Alles wirkte seit Äonen verlassen und die unerträgliche Stille begann, auf ihr Gemüt zu schlagen. Kein Vogelzwitschern oder das Lachen von Kindern, die über die Felder rannten. Nur die Geräusche des Trosses und ein Raunen, hervorgerufen durch die Windströmung, begleiteten sie auf ihrem Weg. Neben ihr an den Satteltaschen klapperte ihr Schwert, ebenso wie der merkwürdig gravierte Stab, den Theia angefertigt hatte. Verspielt fuhren ihre Finger über das glatte Material. Die Feen Mädchen hatten erstklassige Handwerkskunst abgelegt, soweit sie das beurteilen konnte. Theia war der Auffassung, dass die Stäbe ihnen einen Vorteil im Kampf verschaffen mochten und sie hoffte, dass die kleine Fee damit richtig lag. Plötzlich aufklingendes Gelächter veranlasste Tara, sich umzusehen.
Mira ritt zusammen mit Cirons Knappen dicht hinter ihnen und wurde es nicht müde den Jungen zu necken, wann immer sich eine Gelegenheit dazu bot.
“Ich glaube, sie liebt Geldis”, sagte Tara.
“Meinst du?”
“Das ist doch offensichtlich.”
Seufzen erklang und ausweichend meinte Theia. “Ja, vielleicht.”
“Du machst dir Sorgen, nicht wahr? Ich habe auch Angst. Was würde ich dafür geben, wenn wir einfach in unser Dorf zurückkehren könnten.”
“Das werden wir, Tara. Ich habe es dir versprochen.”
“Ach und woher willst du das wissen? Selbst mit deiner Magie kannst du das nicht voraussehen.”
Für eine Weile verfiel die Fee in Schweigen, bis Tara die Anspannung einfach nicht mehr aushielt.
“Du sträubst dich nur dagegen, deine eigene Unsicherheit einzugestehen, Theia. Warum hast du nie die Möglichkeit in Betracht gezogen, Hilfe anzufordern?”
Theia schüttelte entschieden ihren Kopf, dass ihr helles Haar in alle Richtungen flog. “Es ist nicht richtig, sich in die Belange der Menschen einzumischen. Außerdem bin ich mir sicher, dass der Rat niemals zugestimmt hätte, uns zu helfen.”
“Das ist so nicht ganz richtig”, erwiderte Mira hinter ihnen. Sie hatte ihrem Gespräch beiläufig gelauscht und sich unbemerkt genähert.
“Es gibt Berichte darüber, dass wir den Menschen in Schlachten beistanden. Nicht oft und die Erzählungen sind sehr spärlich gehalten, aber es kam vor.”
Tara war überrascht, wusste aber, dass Mira die Wahrheit sagte und erwiderte.
“Davon hast du mir nie etwas erzählt, Theia. Ist dieses Wissen auch in den Steinen verborgen?” Glucksen erklang. “Du hast immer eine Art, dich auszudrücken. Die Antwort ist ja. Im Hain würdest du alle Antworten erhalten. Trotzdem… bedenke meine Stellung. Sie hätten mich nicht gehen lassen, noch dazu auf eine gefährliche Reise mit ungewissem Ausgang.” Theia lenkte das Tier geschickt um eine tiefe Spalte, die sich über die gesamte Breite der Strasse zog.
“Eure Baumeister sollten bestraft werden. Das Pflaster ist in einem so schlechten Zustand, dass sich ein unvorsichtiger Reiter leicht in der Dunkelheit das Genick brechen kann.”
“Wie sollten wir das anstellen? Sie sind bestimmt schon lange von uns gegangen. Eine bedrückende Vorstellung, findest du nicht auch?”
“Du denkst schon wieder zu viel nach”, sagte Theia deutlich wohlwollender.
“Sieh mal, Ciron hat irgendetwas entdeckt. Reiten wir zu ihm.”
Der Ritter war die Strasse ein ganzes Stück voraus geeilt, um sie vor drohenden Gefahren besser warnen zu können. Nun blieb er unerwartet stehen und hob eine Hand zum Halt. Leise trug der Wind das Wiehern seines Pferdes mit sich.
“Warum will er, dass wir halten?”
Im Trab führte Theia das Tier über loses Geröll. Zu beiden Seiten tauchte etwas aus der flimmernden Hitze auf, dessen Umrisse klarer wurden, je näher sie dem Ritter kamen.
“Seht dort vor uns. Was ist das? Ich kann es nicht genau erkennen.“ Seine Hand tastete nach dem Schwert. Theia versuchte mit geübten Blick etwas herauszufinden. “Sind das Reiter? Vielleicht haben einige Bewohner den Untergang Caltuns überlebt oder es gibt weitere Dörfer in der Nähe.“
Ciron Nackenhaare sträubten sich und er nahm eine lauernde Haltung an, bereit, jederzeit zuzuschlagen.
“Das sind Pfähle, aber wer hat sie aufgestellt und welchem Zweck dienen sie? Gebt Nachricht an den Tross dass sie wachsam sein sollen. Wir reiten weiter, aber seid bereit, euren Pferden die Sporen zu geben.” Einer der Begleiter spurtete in wilden Galopp die Strasse zurück, um den Befehl auszuführen.
Tara sah nervös um sich. “Befürchtet Ihr einen Hinterhalt?”
“Die ganze Sache gefällt mir nicht. Dieser Weg führt direkt zum Haupttor der Stadt. Jemand, der uns schaden will, weiß das.”
Mit jedem Schritt ihrer Pferde kamen sie den Gebilden näher, welche nun grausige Details offenbarten, mit denen keiner gerechnet hätte.
“Bei den Göttern, da hängt jemand daran!”, rief sie aufgeregt.
Nun konnten sie die Menschen erkennen, die man kurzerhand an den Pfählen aufgespießt hatte. Einige wiesen schon starke Verwesungsspuren auf, doch allen Gesichtern war der Schrecken der letzten Augenblicke wie eingemeißelt.
“Denkt Ihr dasselbe wie ich, Asgard?”
Tara war erschreckt, wie seltsam dünn ihre Stimme klang.
“Aye. Wir sind nicht mehr allein.”
Sie fuhr ihm ins Wort. Die aufsteigende Panik machte es ihr schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. “Ihr meint ,es sind noch andere Ritter hier?” Ihre Hand deutete auf Schnittverletzungen, die viele der Körper aufwiesen und von Schwertern stammen mussten.
Asgard schüttelte sich wie ein nasser Hund. “Andere vielleicht, aber Ritter? Ich fürchte, tief in ihrem Herzen haben sich diese Kreaturen von allem losgesagt, was einst Teil ihrer Ausbildung war: die Berufung, der tiefe Glaube. Sie treten all diese Werte mit Füßen.”
Sein Blick war ernst, als er ihre Augen suchte. “Nein Kindchen, das sind nur wilde Hunde, die man von der Leine gelassen hat. Ich fürchte, wir werden sie erschlagen müssen.”
Ciron unterbrach ihn. “Schaut nicht weiter hin! Das ist kein Anblick für junge Damen!” Er gab dem Pferd einen Klaps, als er merkte, dass Theia zögerte und sich nicht von dem Anblick losreißen konnte. Schnaubend ruckte das Tier vorwärts. Tara hielt sich geistesgegenwärtig fest und  vermied es, weiter auf die Toten zu sehen. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt den Bewegungen der kleinen Flügel auf Theias Rücken. Es half und ihr Magen, der bei dem furchtbaren Anblick wild aufbegehrt hatte. kam wieder zur Ruhe, als sie schon glaubte sich übergeben zu müssen. Tara suchte verzweifelt nach einer Erklärung für das Erlebte.
“So etwas Abscheuliches habe ich noch niemals gesehen. Wer macht so etwas und aus welchem Grund?”
Ciron ließ seinen Hengst ihr Reittier flankieren. “Die Gier nach Gold und Besitztümern. In diesen einsamen Landen ohne Recht und Gesetz ist jeder sich selbst der nächste. Habt Ihr es bemerkt? Die Toten weisen unterschiedliche Stadien des Zerfalls auf. Die Mörder führen ihr Handwerk also schon eine lange Zeit aus. Sehen wir uns vor, dass wir nicht ihre nächsten Opfer sind.”
Die steinige Strasse verbreiterte sich sichtlich und Tara versuchte am Horizont irgendein Anzeichen zu erkennen, dass sie sich dem Ziel ihrer Reise näherten.
“Wo ist nun die Hauptstadt, Ciron? Ihr sagtet mir dass wir sie bald sehen werden, aber nun reiten wir seit Stunden durch diese Einöde und es ist nichts davon zu entdecken. Sollten nicht ein paar Häuser stehen geblieben sein? Oder wenigstens vereinzelte Hütten. Irgendetwas muss doch die Zerstörung überstanden haben.”
Tara bemerkte, wie seine Gesichtszüge versteinerten.
“Werdet Ihr mir nun endlich antworten? Ich verlange eine Erklärung von Euch! Was habt Ihr im Morgengrauen gesehen?” Missmutig sah sie zu, wie der Ritter sein Pferd in eine abseits der Strasse liegende Senke führte und abstieg.
“Ich habe gelogen, Mylady. Es sind noch einige Wegstunden. Zum Abend werden wir die Mauern erreichen, so uns die Götter gewogen sind.”
“Ihr habt was? Aber warum denn nur, Ciron?” Wut und Endtäuschung stürmten auf sie ein, während sie sich aus dem Sattel gleiten ließ.
“Seht Euch an Mylady. Ihr seid nur noch ein Schatten Eurer selbst. Ich befürchtete dass ihr allen Mut verliert, je länger sich die Reise zieht. Ich wollte Euch nur etwas geben, an das Ihr Euch klammern könnt.”
Tara holte aus und verabreichte dem Ritter eine schallende Ohrfeige. Ohne jede Regung blieb Ciron stehen und tat, als sei die Bloßstellung eben nicht erfolgt.
“Wollt Ihr nichts sagen? Eine Entschuldigung? Redet endlich mit mir, Ciron und behandelt mich nicht wie Euer Mündel!”
“Eure anklagenden Worte sind ungerechtfertigt. Wir alle brauchen Halt und jeder sucht ihn sich auf eine andere Art. Eure Erschöpfung ist nicht zu übersehen. Ich befürchtete, dass ihr einfach aufgebt.”
Tara begriff, was er getan hatte und im selben Moment kam sie sich wie eine Närrin vor. “Ihr müsst mich nicht schonen. Ich bin stark genug das durchzustehen.”
“Ohne Frage, ansonsten hätte der Kommandant unserer Mission keinen Erfolg eingeräumt. Ihr seid eine außergewöhnliche junge Frau.”
“Merkt ihr das jetzt erst, Ciron?”
Theias freche Stimme erklang, wie so oft, ungefragt.
“Das einzig Außergewöhnliche an Euch, ist zweifelsfrei Euer Mundwerk, Mylady.” Ciron warf ihr einen abschätzenden Blick zu, den die Fee mit funkelnden Augen erwiderte.
“Wir halten hier. Gebt es an den Tross weiter.”
“Ein schönes Plätzchen habt Ihr da gewählt, Ciron. Keine Bäume, die uns Schatten spenden und der harte Boden wird meiner Haut das Äußerste abverlangen.”
“Bäume würden die Sicht versperren und Angreifern Gelegenheit geben, sich anzuschleichen. So ist es besser. Was eure Haut angeht… nun, ich dachte nicht dass jemand von königlicher Abstammung so wehleidig sein kann.”
“Ihr haltet mich für wehleidig? Was fällt Euch ein Ciron? Bleibt gefälligst stehen, wenn ich mit Euch rede!”
“Falls Ihr es noch nicht bemerkt habt, habe ich mich um meine Männer zu kümmern. Wenn Ihr also nichts Ernsthaftes vorzubringen habt, dann lasst mich meine Aufgaben erledigen.”
“Vielleicht hattest du recht, Tara. Mittlerweile bin ich auch gewillt, umzukehren. Eria hätte bestimmt nichts dagegen, wenn du mit mir und Mira heimkehrst.”
Ciron, gerade dabei den Trossleuten letzte Anweisungen zu geben, wirbelte herum. Unverständnis und Wut sprachen aus jedem seiner Worte.
“Der Dämon wird sein zerstörerisches Werk fortsetzten! Oder seid Ihr so naiv, zu glauben dass er die Anderswelt ungeschoren lässt?”
Theia von dem Ausbruch überrascht, lenkte unerwartet ein.
“Nein, Ciron, es stimmt, was ihr sagt. Darum ist es so wichtig, dass wir Tara zum Strudel geleiten. Was dort passiert, können wir nur erahnen, aber es muss getan werden.”
“Ich weiß genau was in Euch vorgeht. Bis jetzt war es nur ein Spiel, nicht mehr als ein Abenteuer. Doch nun wird daraus blutiger ernst. Wir dürfen nicht verzagen. Diese Kreatur, was auch immer sie sein mag, wird unsere Schwächen erkennen und gegen uns benutzen. Geben wir ihr keine Gelegenheit dazu. Doch nun lasst mich meine Arbeit erledigen.”
Tara sah belustigt zu, wie der Ritter die völlig verdatterte Fee stehen ließ.
“Das kann er doch nicht machen! So lasse ich nicht mit mir umspringen!”
“Er ist erschöpft, wie wir alle und genervt von deiner ständigen Jammerei, Theia. Lass ihn einfach eine Weile in Ruhe. Komm da vorne ist eine Stelle, wo wir uns ausruhen können.” Tara hatte einen umgefallenen Baum erspäht und schritt ohne zögern darauf zu, während sich um sie herum schnell die Senke füllte.
“Wir sind so weit weg von zu Hause”, sagte Tara.
“Ja das sind wir. Doch grämt euch nicht. Ich habe etwas, das Ablenkung verspricht.” Asgard nahm einen Schluck aus seinem Weinschlauch.
“Ein gutes Tröpfchen. Nicht der Dreck den der Wirt im Dorf an die Wache ausschenkt.” Er reichte den ledernen Beutel an Ciron weiter, der jedoch abwinkte.
“Dieses mal nicht. Besser, wenn einer von uns bei klarem Verstand bleibt.”
Der Hüne zuckte nur seine Schultern. Bevor er erneut ansetzten konnte, entwand ihm Theia geschickt den Schlauch.
“Ich habe noch niemals Wein probiert. Mal sehen, ob das Getränk all den Erzählungen gerecht wird.”
“Nein, Theia, das bekommt dir nicht!” Tara versuchte, ihr das Behältnis zu entreißen, doch die Fee wich flink aus und rannte mit ihrer Beute davon.
“Ich lasse mir von dir nicht jeden Spaß verderben, Tara!”
Theia setzte an und trank in langen Schlucken.
“Theia nicht! Dir wird schlecht davon.” Endlich gelang es Tara ihr den Weinschlauch zu entreißen und mit einem wütenden Blick reichte sie ihm dem Ritter zurück.
“Es schmeckt süßlich, aber mein Mund brennt wie Feuer.”
Theia leckte sich über die Lippen.
“Das ist Branntwein, meine Teuerste”, rief Asgard und klopfte sich auf die Schenkel. “An den Geschmack könnte ich mich gewöhnen.” Sie kniete neben dem Ritter nieder, welcher ihr erneut den Schlauch reichte.
“Trinkt soviel Ihr wollt. Vor der Schlacht sollten wir uns stärken. Wer weiß, ob es nicht das letzte Mal ist, dass wir alle so vertraut zusammensitzen.”
“Ihr klingt besorgt, Sir Asgard”, sagte Tara.
“Sollte ich das nicht? Morgen Abend werden einige von uns an der Tafel ihrer Ahnen speisen. Grund genug also, für einen Moment alles zu vergessen.”
Tara wusste nichts darauf zu erwidern und nahm erschöpft zwischen den Gefährten platz. Doch Ruhe war ihr damit nicht vergönnt. Egal wie sie es anstellte, ständig drückten winzige Steinchen durch den Stoff ihres Kleides.
“Kannst du nicht ruhig sitzen, Tara? Dein Rumgeruckel macht mich ganz nervös.” “Dir können die Anstrengungen wohl gar nichts anhaben, Theia. Ich spüre Knochen, von deren Existenz ich bis vor kurzem noch nicht einmal etwas wusste.”
“Du hast auch Dinge mit mir getan, von denen du nicht wusstest, welchen Spaß sie bereiten.”
Tara errötete und warf der Fee einen wütenden Blick zu. “Trink nicht soviel! Ich fühle mich sicherer, wenn du deine Gedanken beisammen hast.”
“Das ist ein Argument”, gluckste Theia zustimmend und reichte Asgard den Schlauch zurück. Der Kämpe betrachtete sie wohlwollend.
“Unsere bezaubernden Begleiterinnen dürfte es nach den Gesetzen des Verstandes gar nicht geben”, sinnierte er. Tara sah, dass seinem Kampfgefährten ein Einwand auf der Zunge lag. “Lasst Ihn weiter sprechen, Sir Ciron.“
“Wir haben eine Bezeichnung für solche Wesen… Naturgeister. Sie zeigen sich nur, wenn es ihnen gerade beliebt. Es ist ein gutes Zeichen, dass sie uns begleiten.”
Theia zauberte ein breites Grinsen auf ihr Gesicht.
“Endlich jemand, der meine Qualitäten zu schätzen weiß.”
“Er sagte uns, Theia, nicht du allein!”
“Halt die Klappe, Mira. Du bist noch ein Kind!”
“Kind oder nicht. Wenn ihre Anwesenheit zur Stärkung der Kampfmoral beiträgt, ist sie mehr Wert, als ein Haufen Schwerter in den Händen von Bauern.“
Ciron bedachte seinen Knappen mit einem wissenden Blick.
“Wie geht es nun weiter, Sir Ciron? Sollten wir nicht besser wieder aufbrechen?”
Der Ritter schüttelte den Kopf. “Geduld gehört augenscheinlich nicht zu Euren Tugenden Mylady. Dabei kann sie über alles entscheiden. Ich habe Reiter voraus geschickt, um die Mauern von Caldun auszukundschaften. Sobald sie zurück sind, setzen wir die Reise fort.” Asgard reichte den Wein an seinen Knappen und streckte sich rücklings aus. “Eine gute Entscheidung. Also warten wir.”

Mauerreste erhoben sich aus dem Sand, löchrig und durchzogen von Rissen, wie mit tiefen Narben versehen. Nach Rückkehr der Kundschafter hatten sie innerhalb kürzester Zeit Caldun erreicht und waren in die Stadt eingedrungen.
“Das war einst das Viertel der Kunsthandwerker. Seht ihr die überall verstreut liegenden Tonscherben? Hier habe ich als Kind gespielt, wenn es mir gelang, an den Wachen vorbei, aus dem Palast zu schleichen.”
“Ein richtiger Palast sagt Ihr, Sir Ciron? Wenn noch etwas davon übrig ist, müsst Ihr ihn mir unbedingt zeigen.” Tara bekam vor Begeisterung große Augen.
“Palast! Hah! Wahrscheinlich ein besserer Wachturm”, erwiderte Asgard mit rauer Stimme. “Ihr solltet meine Heimstatt in Schwarzwasser erblicken. Mauern, so dick wie Fels und von einem Glanz, dass sie einen Reisenden schon von weitem blenden können.”
“Das, was einen unbedarften Zuhörer blendet, sind Eure haarsträubenden Aufschneidereien. Es ist unglaublich, was ihr dem Mädchen für einen Bären aufbinden wollt. Jeder weiß doch, welcher Herkunft Ihr seid.”
“Ach wissen sie das? Jetzt seht Ihr mich interessiert.” Asgard hatte sein Pferd zum Halten gebracht.
“Hört sofort auf damit, alle beide! Jetzt ist nicht der geeignete Zeitpunkt für eure Meinungsverschiedenheiten.”
Bewusst hatte sie auf jede förmliche Anrede verzichtet, etwas, dass ihre Wirkung nicht verfehlte. Beide Ritter starrten sie verwundert an und brachen in schallendes Gelächter aus, ein Verhalten, dass Tara ihrerseits aus dem Gleichgewicht brachte.
“Gehen wir weiter”, sagte Ciron und schritt über das Scherbenfeld hinweg.
“Macht euch allerdings keine Hoffnungen, dass wir noch etwas vorfinden. So, wie die Außenbezirke aussehen, verheißt es nichts Gutes für den zentralen Bereich. Die Akademie der Wissenden befand sich nahe dem Regierungssitz.”
“Es ist so still. Ungewöhnlich, dass keine Gegenwehr erfolgt, nun, wo wir in die Stadt vordringen”, sagte Tara nervös. Immer wieder ließ sie ihre Blicke ruhelos über die Ruinen schweifen, vorbei an eingefallenen Maueröffnungen, die einstmals Fenster oder Türen gewesen waren.
Sie waren noch nicht weit durch die Trümmer geschritten, da verrieten Geräusche aus den angrenzenden Gassen, dass sie nicht mehr allein waren.
“Hört ihr das? Klingt wie das Schaben von Metall.”
“Ich gehe nachsehen”, sagte Asgard entschlossen und wollte vortreten, da hielt ihn Cirons Hand zurück.
“Ihr bleibt! Keiner rührt sich vom Fleck, bis wir wissen, was sich da vor uns befindet. Haltet eure Augen offen und die Schwerter griffbereit.”
Tara fasste nach der handlichen Klinge und fühlte, wie ihre Handflächen schweißnass wurden. Die Fee hatte den Stab wie eine Schaufel gepackt und hielt ihn vor sich. Erneut klang Kratzen auf, diesmal sehr viel näher.
“Es bewegt sich direkt auf uns zu. Schnell, sucht euch eine Deckung!”
Atemlos huschte Tara hinter ein Fass, dessen ranziger Geruch ihr fast den Atem raubte. Ein Schatten erschien auf der gegenüberliegenden Hauswand, dann eine Schwertspitze. Sie fühlte die angenehme Körperwärme, als sich Theia dicht neben sie kauerte. “Das sind Ritter, Tara, aber was machen sie hier?”
Gerade, als sie antworten wollte, hörte sie Parans Stimme, der seine Hand auf den Mund der Fee presste. “Seid endlich still! Sie dürfen uns nicht bemerken.”
Die Gestalt in der Gasse war abrupt stehen geblieben. Nicht die kleinste Bewegung. Selbst die vorragende Klinge war erstarrt.
“Was macht es?” Tara flüsterte so leise es ihr möglich war. Entsetzen war in die Augen des Knappen getreten, als er sich ihr zuwandte.
“Es sucht nach uns. Verhaltet Euch ruhig.” Nervös reckte er seinen Kopf wieder in Richtung der Seitenstrasse. Die Schwertspitze erzitterte und schlug im gleichen Moment krachend in das Fass, hinter dem sie Deckung gesucht hatten. Scharfkantige Holzteile spritzten in alle Richtungen davon.
“Sie haben uns entdeckt. Zu den Waffen!” Ciron löste sich aus dem Zwielicht des Hauseingangs, indem er Schutz gesucht hatte und stürmte dem unheimlichen Gegner entgegen. Unirdisches Kreischen hallte durch die Gasse, dem die Kampfrufe der Ritter antworteten. Der Lärm von Schwertern, die auf Rüstungen und Knochen trafen, erfüllte die Luft. Dazu gesellte sich der unangenehme, wie ebenso vertraute Geruch nach Blut. Das Breitschwert in Asgards Händen trennte einer der unheimlichen Gestalten den Schädel vom Rumpf. Entsetzt spähte Tara auf den Kopf, der vor ihrem Versteck zur Ruhe kam.
“Da habt Ihr Eure Ritter!” Asgard spie aus und parierte einen erneuten Angriff der skelettartigen Wesen. Schreie und die Geräusche des Kampfes wurden immer ungestümer und machten eine Verständigung unmöglich. So blieb Tara nur, angsterfüllt hinter dem Fass hervorzulugen. “Wo bist du, Theia?“ Verzweifelt suchte sie nach den Feen Mädchen, die in einem unbeobachteten Moment von ihrer Seite gewichen sein mussten und erschrak im gleichen Moment erneut. Theia erwerte sich mit ihrem Stab eines Skelettes, dass es geschafft hatte, in den Rücken der Kämpfer zu gelangen. Obwohl nur wenige Augenblicke vergingen,  kam es Tara wie Ewigkeiten vor, bis endlich einige der Soldaten auf die Gefahr hinter ihnen aufmerksam wurden und die Fee aus ihrer misslichen Lage befreiten.
“Was hat da so lange gedauert? Ich hätte verletzt werden können, ihr einfältigen Tölpel! Muss ich denn alles alleine machen?” Theias giftende Stimme schaffte es, den Lärm der Schlacht zu durchdringen. Etwas voraus lag ein toter Soldat und neben ihm eine weitere der skelettartigen Gestalten. Ciron und Asgard hieben und schlugen in einem stummen Wettstreit miteinander, bis die anfängliche Gegenwehr der Feinde zerbröckelte. Nach und nach ebbten die Kämpfe ab und räumten einer gespenstischen Stille das Feld. Heftig atmend, das Gesicht von Schweiß getränkt, steckte Ciron sein Schwert zurück. “Jetzt wissen wir, was die Reisenden getötet hat. Vermutlich wurden sie ebenso angegriffen und waren eine leichtere Beute, als wir es gewesen sind. Seid Ihr verletzt, Mylady?” Tara schüttelte den Kopf und schaute augenblicklich nach der Fee, die atemlos auf dem Boden hockte und sich nicht rührte. “Alles in Ordnung, Theia?” Statt einer Antwort erfolgte nur ein Nicken. “Komm, Ciron rückt zur Akademie vor. Bringen wir es endlich zu Ende.” Immer noch von den Erlebnissen gezeichnet, folgten sie den voraus marschierenden Soldaten weiter ins Innere Calduns.
« Last Edit: August 23, 2013, 05:54:06 am by Eichhörnchen »
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 434
  • Karma: 269
  • Oel ngati kame
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #1 on: August 23, 2013, 05:53:19 am »
Es dauerte Stunden, bis sie sich dem Kraterboden soweit genähert hatten, dass sie alle Einzelheiten erkennen konnten. Tara streckte ihren Kopf in den Nacken und blickte hinauf. Vom Palast und der Akademie hatten sie zu ihrem Bedauern nichts mehr vorgefunden. Beide Gebäude hatten augenscheinlich im Zentrum der Zerstörung gelegen. “Ich wage nicht, mir vorzustellen, was dieses Gebilde geschaffen hat. Die Explosion muss gewaltig gewesen sein.”
“Groß genug um einen Riss in das Gefüge zu reißen. Seht her!”
Asgards Hand wies auf die glitzernde Fläche vor ihnen, deren Umrisse sich in ständiger Bewegung befanden.
“Was ist das, Asgard? So etwas habe ich noch nie gesehen.”
“Ein Durchgang in eine andere Welt”, antwortete Theia unaufgefordert. “Allerdings nicht in die Anderswelt und die Wesen dahinter sind auch ganz sicher weniger nett.”
Das Mädchen ließ sich von ihren Worten nicht beirren.
“Wo sind die Artefakte? Sollten sie nicht hier sein? Wie sollen wir ohne sie das Ritual durchführen und den Eingang verschließen?”
“Woher soll ich das wissen? Du kannst immer nur Fragen stellen. Versuche doch mal selbst, eine Lösung zu finden. Immerhin wären wir ohne dich gar nicht hier.”
“Theia… warum sagst du so etwas?”
“Ich bin erschöpft, müde und habe wahnsinnigen Hunger. Du weißt, wie unleidlich ich werde, wenn ich hungrig bin.”
“Nicht nur dann, Theia”, sagte Mira hinter ihnen.
“Halt deine Klappe. Es hat keiner verlangt, dass du uns begleitest. Das hast du dir mit deiner Uneinsichtigkeit selbst eingebrockt.” Wütend trat sie den Sand vor sich beiseite und schrie schmerzerfüllt auf.
“Hast du dich verletzt, Theia?” Besorgt wollte das Mädchen an ihre Seite eilen, stockte mitten im Lauf und sah ungläubig auf das, was unter dem weggetretenen Sand zum Vorschein gekommen war.
“Bei den Göttern, was ist das? Schnell Mira, hilf mir.” Tara begann, Staub und loses Geröll von dem merkwürdigen Objekt im Boden zu schaufeln. Auch die Anderen waren auf sie aufmerksam geworden und kamen heran, um sich zu beteiligen. Unter den vielen helfenden Händen war das Objekt bald freigelegt.
“Ist es das, was ich denke”, erklang Asgards Stimme.
Ciron wirkte erleichtert, als er seine Finger über das glatte Material streifen ließ, dem der Sand keine Abnutzungsspuren hatte zufügen können.
“Eines der Artefakte. Dann müssen sich die Anderen auch hier befinden. Wartet! Erinnert sich noch jemand an die Aufzeichnungen aus der Kapelle?”
Theia kam mit siegessicheren Gesichtsausdruck heran und reichte ihm die stark verschlissenen Seiten, welche sie geborgen hatten.
“Ich fand  es besser, sie bei mir zu behalten, falls wir sie noch einmal benötigen sollten.” Cirons anerkennendes Nicken ließ die kleine Fee förmlich aufblühen. Mithilfe der Skizze wurden die Standorte der anderen Artefakte leicht ausfindig gemacht. Nacheinander legten sie unter der sengenden Nachmittagssonne die runenbedeckten Steine frei.
“Eigenartig, jeder hat eine Fassung, aber diese hier ist leer.” Tara untersuchte die Halterung, welche als Einzige keinen der Steine beinhaltete. “Hier fehlt das Artefakt.” “Bestimmt im Sand verborgen wie die Anderen. Schaut noch einmal nach. Wir müssen wohlmöglich tiefer graben.” Aus den Augenwinkeln beobachtete sie Mira, wie sie einen Stein nahm und ihn auf die glitzernde Oberfläche warf.
“Was ist das für ein seltsames Material? Hört ihr das auch?”
Ein Klirren, hell und unerwartet wohlklingend.
“Bei den Göttern es ist Glas!”, rief Tara überrascht.
“Hier geschehen Dinge, die alles auf den Kopf stellen. Lasst mich etwas versuchen.” Begleitet von einem unerträglichen Kratzen, zog Ciron seine Klinge über die in ständiger Bewegung befindliche Oberfläche.
“Kein Kratzer, nicht mal ein Riss. Die Klinge lässt sich nicht durchstoßen.”
Das seltsame spiegelgleiche Gebilde rief Unbehagen in Tara hervor.
“Es verhält sich wie der Dämon, so wie es uns Zahira über ihre Begegnung mit ihm schilderte.”
“Wenn es stimmt, was ihr sagt… wie sollen wir einen Schatten bekämpfen, oder gar töten? Dagegen sind unsere Waffen wirkungslos.”
“Ihr enttäuscht mich, Sir Ciron”, sagte Theia und legte ihre Hand auf eines der Artefakte. “Wir werden den Vorgang umkehren und den Spalt verschließen, aber vorher sorgen wir dafür, dass der Dämon unsere Welt betreten kann.”
“Ihr wollt diese Bestie absichtlich herbeirufen? Das ist…”
“… notwendig, Sir Ciron. Sobald er körperlich ist, müsst Ihr ihn erschlagen. Ich sehe darin unsere einzige Chance, oder habt Ihr eine bessere Idee?”
“Was ist, wenn Ihr Euch irrt? Niemand von uns hat jemals gegen eine Ausgeburt der Jenseitswelt gekämpft.”
“Nicht so bescheiden, Ciron. Ihr habt den Nachtschlinger besiegt. Ich bin sicher, Ihr werdet auch dieser Kreatur ein wohlverdientes Ende bereiten. Seid unbesorgt, Mira und ich werden Euch beistehen. Doch nun genug geredet. Fangen wir endlich an.”
Irritiert sah Tara, wie die Fee unter den Saum ihres Kleides griff.
Bevor sie reagieren konnte, packte Theia beherzt ihren Arm und zog ein winziges Messer hervor. “Was hast du vor, Theia? Lass mich sofort los!”
“Sei endlich ruhig! Wir brauchen dein Blut, um den Dämon zu beschwören.”
Mira hatte sie ebenfalls ergriffen und half ihrer Schwester, sie festzuhalten.
“Nicht, Theia, das könnt ihr doch nicht machen!”
Raunen erhob sich, doch gerade, als einige der wie erstarrt Umstehenden sich zu einem Eingreifen entschlossen, gebot Ciron ihnen Einhalt.
“Bleibt stehen! Keiner rührt sich vom Fleck! Diese Geschöpfe wissen schon, was sie tun, habt Vertrauen.”
Mira stieß erleichtert die Luft aus ihren Lungen, während sie versuchte, das heftig um sich tretende Mädchen in ihrem Griff zu halten. Anders Theia. Die kleine Fee bekam Taras ganzen Zorn zu spüren.
“Dafür wirst du büßen, Theia! Ich hasse dich, hörst du? Ich hasse dich!”
“Hattest du ernsthaft geglaubt, dass das Ritual sich ohne Opfer bewerkstelligen lässt? Es gibt kein weiteres Artefakt. Sieh es endlich ein. Wir werden nichts finden, solange wir auch danach suchen. Du bist der Schlüssel, um das Tor zu verschließen.”
Tränen schimmerten in Theias Augenwinkeln, während sie das Handgelenk über die Schale hielt. Dunkles Blut tropfte in stetem Strom hinein und wurde von dem Metall und der Öffnung am Grund gierig empfangen. Wie gelähmt starrte Tara auf ihr Blut, dass in die Schale lief und vergaß dabei sogar, weiter um sich zu treten. Mit jedem Tropfen, der von dem Gefäß empfangen wurde, ließ ihr Widerstand nach, bis sie nur noch apathisch vor sich hin blickte. Nach endlosen Augenblicken schritt Ciron ein. “Genug! Seht! Es verändert sich.” Alle Augen folgten seinem ausgestreckten Arm. War die Oberfläche bisher in ständiger Bewegung gewesen, so erstarrte sie nun und wurde tiefschwarz.
“Abstand halten, schnell!” Ciron trieb die Zaghaften und Unentschlossenen mit eiserner Hand vor sich her. Ein Beben ging durch den Boden.
Theia hatte den blutverschmierten Dolch achtlos fallen gelassenen und zog Tara vom Rand des Übergangs weg. Die Birkenstäbe in ihren Händen kam Mira herangeeilt, als ein erneuter Erdstoß sie von den Füßen holte. Vor ihnen riss die spiegelnde Oberfläche auf und versandte kristallartigen Splitter in weiten Umkreis. Zahlreiche der gefährlichen Geschosse prallten wirkungslos an den Rüstungen der Ritter ab, andere trafen auf ungeschütztes Fleisch und richteten Verletzungen an.
“Fühlt ihr das? Etwas drängt durch den Spalt”, rief Theia mit weit aufgerissenen Augen. Beißender Nebel stieg aus dem Loch hervor, der ihre Schleimhäute reizte und die Sicht erschwerte.
“Wir haben ihn befreit. Schnell Ciron, lasst Eure Leute Aufstellung nehmen!”
Der Ritter zögerte nicht und wies jedem der Artefakte einen Soldaten zu. Er selbst versammelte die kampferprobten Ritter um sich. Kreischen brach aus dem Nebel hervor, welcher nun die Farbe geronnenen Blutes angenommen hatte. Tara riss ein Stück Stoff aus dem Saum ihres Kleides und verband notdürftig den Schnitt an ihrem Handgelenk. Aus den Augenwinkeln sah sie Mira, die sich wieder aufgerappelt hatte.
Plötzlich aufwallender Schmerz ließ sie die Augen schließen, als die Stimme des Dämons in ihren Köpfen erklang.
“Sterbliche, ich bin frei! Jetzt erhaltet ihr den verdienten Lohn für eure Anmaßungen!” Klauen fuhren aus dem Dunst zwischen die Soldaten. Einer der Männer wurde hochgerissen und entschwand im Nebel. Abrupt brach sein Schreien ab, während ein blutiger Regen auf die Wartenden niederging. Wieder tauchten die scharfen Krallen auf. “Ausweichen! Bringt euch in Sicherheit!”
Asgard hieb mit Schattenklinge vergeblich nach einer Klaue. Der Arm löste sich in Rauch auf, nur um im gleichen Augenblick an anderer Stelle wieder hervorzutreten.
Theia hielt den Stab ruhig umschlossen. Vor ihr tauchte das Maul des Dämons unerwartet aus dem Nebel.
“Beim Licht Madas, verbrenne Höllenkreatur!”
“Ich werde deine Seele fressen, Närrin. Menschliche Waffen können mich nicht vernichten.”
“Du bist so abgrundtief hässlich”, stöhnte Theia auf. “Mira jetzt, oder wir werden alle sterben!” Die Fee schloss ihre Augen und formulierte Laute in einer Sprache, die Tara nicht verstand. Im gleichen Moment brach ein sonnenheller Strahl aus der Spitze des Stabs. Mira reagierte augenblicklich und vollführte dasselbe Ritual. Ein Schrei tönte auf, voller Schmerz und Hass. Wo das Licht auf die Oberfläche des Dämons traf, verdampfte sie und ließ nichts als Leere zurück. Theia gab Ciron ein Zeichen.
“Die Artefakte… schnell! Entfernt sie!” Die Stimme des Dämons hallte durch den gewaltigen Krater und zum ersten Mal mischte sich Entsetzen darin.
“Nein! Was tut ihr? Das dürft ihr nicht!”
“Nun spüre den Zorn meines Volkes!” Theia schrie ihm die Worte entgegen. Während die Soldaten die Steine aus den Fassungen lösten, begann die Oberfläche wieder zu pulsieren. Gnadenlos hielt Theia den Strahl weiter auf die Kreatur gerichtet, welche die schlimmsten Verwünschungen ausspie. Plötzlich verschwanden die Krallen, wurden zu Staub, als hätten sie niemals existiert. Ein Zahn löste sich aus dem Maul des Dämons und bohrte sich vor den Rittern in den Boden. Erneut ein markerschütterndes Fauchen. Die unheimliche Gestalt vor ihnen zerfiel in feine Nebelschwaden, die in alle Richtungen aufstiegen und verschwanden. Mit einemmal kehrte beklemmende Stille ein.
“Seht, es ist verschlossen! Der Übergang existiert nicht mehr.”
Tara blickte verwundert auf die Fläche, die nun durchs nichts mehr vom sandigen Boden um sie herum zu unterscheiden war.
Begeisterte Ausrufe erfüllten die Luft, während sich die Mädchen in die Arme fielen. “Bist du mir immer noch böse, Tara?” Die Fee blickte sie beinahe verschüchtert an. Kopfschütteln. “Nein. Du hast wohl das Richtige getan, Theia und nun kommt. Es wird Zeit, dass wir zurückkehren.” Ciron gab Anweisungen, die Artefakte einzusammeln. “Wir nehmen sie mit uns. In der Festung werden sie vor weiteren Zugriffen geschützt sein.” Tara zuckte nur mit den Schultern. “Macht damit, was immer Euch beliebt, Sir Ciron. Wir möchten nur nach Hause.” Unter den Anweisungen Asgards begann der Tross den Aufstieg aus dem Krater. Diesmal vermieden es die Mädchen in stiller Übereinkunft zurückzublicken.

Die Rückreise gestaltete sich schwierig und mit den zahlreichen, teils schwer verletzten Kämpfern, kam der Tross nur langsam voran. Asgard schlug vor, die Verwundeten in dem kleinen Dorf im Ödland zurückzulassen, bis sie genesen waren, etwas, dass von Ciron vehement abgelehnt wurde. Unbeabsichtigt schroff hallten seine wütenden Schreie über sie hinweg, so dass Tara vermutete, dass man sie selbst noch am Ende der Gesellschaft hören konnte.
“Das werden wir nicht tun, Asgard, hört Ihr? Niemals! Eher schlage ich mir einen Arm ab, als ohne meine Männer zurückzukehren!”
Asgard lenkte beschwichtigend ein und für eine Weile zogen sie schweigsam durch die einsame Landschaft. Sogar Theia blieb für ihre Verhältnisse ungewöhnlich still.
“Du jammerst gar nicht, Theia.” Sie zuckte gleichgültig mit den Schultern.
“Das kann ich später immer noch machen, wenn wir Akrans Zuflucht erreichen.”
“Ist irgendetwas mit dir?”
“Ich habe nachgedacht, Tara. Ich werde nicht mehr nach Hause zurückkehren.”
“Du meinst in die Anderswelt?”
Theia nickte. “Eria wird einer meiner Schwestern die Nachfolge übertragen müssen. Ganz sicher wird sie nicht begeistert davon sein, aber mein Entschluss steht unwiderruflich fest.”
Tara fühlte, wie sich ihr Puls beschleunigte.
“Das kannst du nicht machen, Theia. Dir ist es vorbestimmt, Herrscherin zu werden.”
“Sie können mich nicht dazu zwingen. Es bleibt dabei. Ich werde mit dir in dem kleinen Dorf leben, das hatte ich dir versprochen, es sei denn, du schickst mich fort.” Theia schaute sie fragend an mit einem seltsamen Ausdruck in ihren Augenwinkeln. Vor Verblüffung wusste Tara zuerst nicht, was sie sagen sollte, etwas, dass die kleine Fee völlig falsch auffasste.
“Tara! Warum sagst du nichts? Antworte mir gefälligst!”
Erst jetzt kam Bewegung in das Mädchen und nach, für Theia viel zu langen Augenblicken, erwiderte sie endlich.
“Ach Theia, es kam einfach so überraschend für mich. Selbstverständlich möchte ich, dass du bei mir bleibst. Ich kann es nur noch nicht so richtig glauben, dass du freiwillig auf dein dir angestammtes Recht verzichtest, nur um mit mir zusammen zu sein. Die wenigsten Menschen würden das tun.”
“Ich bin kein Mensch!”
“Nein, das bist du wirklich nicht und ich danke den Göttern dafür.”
Bevor Theia wieder aufbegehren konnte schloss sie das zierliche Wesen in ihre Arme.
“Ich liebe dich, Theia, für jetzt und immer bis an das Ende aller Zeiten.”
Theias Augen sprühten vor Leidenschaft, während sie das Pferd sicher an den Zügeln hielt.  “Das hast du schön gesagt. Dann ist ja alles geklärt. Bleibt nur noch Eria. Sie wird es verstehen, glaube mir Tara, da bin ich mir ganz sicher.”
 
Nach endlosen Tagen auf Pferderücken, in denen Tara alle Reittiere dieser Welt verfluchte, kam endlich das Bergdorf in Sicht. Im funkelnden Sonnenlicht präsentierte sich die Ansammlung verschiedenster Hütten und Baustile geradezu malerisch in der vor ihnen liegenden Landschaft.
“Wir haben es geschafft, Theia! Kannst du dir das vorstellen? Ich sehne mich nach meinem weichen Bett und einem Bad.”
“Für mich dasselbe, aber in umgekehrter Reihenfolge”, kicherte Theia.
Vor dem Schrein erwartete sie der Geweihte heftig winkend.
“Siehst du das, Theia? Beorn wirkt so anders.”
“Ja, er hat sich endlich gewaschen.”
Nun bemerkte Tara die strahlende Kutte und ihre Augen weiteten sich noch mehr, als Zahira hinter ihm hervortrat. “Zahira! Bei den Göttern, sie ist wieder erwacht.”
“Jetzt wird mir einiges klar“, sagte Theia.
“Mir auch. Für Zahira muss es eine einzige Qual gewesen sein, bewegungsunfähig von dem nach Wein und Schweiß stinkenden Geweihten umsorgt zu werden.”
Theia schritt forsch auf die Fee zu, was diese falsch deutete und ängstlich hinter Beorns Rücken Schutz suchte.
“Ich tue dir nichts. Wenn du mir versprichst, keine Schwierigkeiten mehr zu machen, hast du nichts zu befürchten.”
Zahira nickte flüchtig als Zeichen ihrer Zustimmung.
“Weise Endscheidung”, sagte Theia und packte den Geweihten am Ärmel.
“Nun zu Euch. Ihr seht mich verwundert, Beorn. Wann ist sie erwacht?”
Nervös huschte seine Zunge über die Lippen, aber diesmal verzichtete Beorn darauf, sich wieder Speichel aus den Mundwinkeln zu wischen.
“Oh… lasst mich einen Moment nachdenken. Das muss vor ein paar Tagen gewesen sein. Die Zeit vergeht so schnell und es gab so viel zu erledigen.”
“Was hast du schon zu tun, du alter Säuf… 
“Theia!” Der warnende Aufschrei stoppte die Fee, bevor sie so richtig in Fahrt kommen konnte.
“Ist ja schon gut. Ich meine, was ist Euch in der Zwischenzeit widerfahren? Ihr seht so verändert aus.”
Das Gesicht des Geweihten begann zu strahlen, als habe er beim Jahrmarktsfest den ersten Preis erzielt. “Nicht wahr? Nun, es wäre vermessen zu sagen, dass das alles mein Verdienst ist. Eure kleine Begleiterin hier, war maßgeblich daran beteiligt.”
Ein fast schon sanftmütiger Ausdruck trat in seine Augen.
“Ich nehme, an Ihr seid gekommen, um sie mit Euch zu nehmen.”
“Sie kann nicht bei Euch bleiben, jetzt wo sie erwacht ist und Ihr wisst das.”
Beorn wirkte enttäuscht, aber seine Worte trugen auch einen Hauch von Erleichterung in sich. “Ich verstehe durchaus, mein hübsches Kind. Ihre Gegenwart war äußerst angenehm, wenn auch anstrengend.”
Tara ignorierte die wortreichen Erläuterungen des Geweihten und konzentrierte sich auf das Wesentliche, den Schrein. Überall war das Wirken der Fee zu sehen, welche wenn man die kurze Zeit seit ihrem Erwachen bedachte, wahrlich Erstaunliches geleistet hatte. Nicht nur Beorn hatte sich verändert, auch das Innere des Heiligtums glänzte aus allen erdenklichen Winkeln und ein Geruch von honigsüßen Blüten lag in der Luft. Tara hielt es vor Neugierde nicht mehr aus.
“Was geschieht nun mit Zahira? Lassen wir sie gehen, Theia?”
“Nein. Ich denke, es ist besser, wenn sie vorerst bei uns bleibt.”
Tara wirkte verunsichert. “Bei uns? Das möchte ich nicht.”
Kichern. “Habe ich etwas von der Hütte gesagt? Sie wird in der Nähe des Weihers verweilen. Es wird ihr nichts ausmachen, immerhin war sie lange Zeit geächtet und hat gelernt, mit Widernissen umzugehen. Doch, wenn uns das Licht des silbernen Mondes gewogen ist, wird ihr Aufenthalt in der Wildnis nicht allzu lange andauern.”
“Was hast du nun wieder vor, Theia? Sprich nicht immer in Rätseln.”
“Nicht so ungeduldig. Ich werde Eria aufsuchen und ihr alles erklären. Wenn wir die Anderen überzeugen, lassen sie Zahira wieder zurückkehren.”
“Du meinst, sie würden den ausgesprochenen Bann aufheben?”
“Hast du es schon vergessen? Ich bin von königlicher Abstammung”, sagte Theia vergnügt. “Außerdem schulden sie mir etwas, nachdem der Dämon besiegt und die Gefahr für die Anderswelt abgewehrt wurde.”
Im Laufe ihres Gesprächs, dem Zahira völlig atemlos gelauscht hatte, war sie immer unruhiger geworden, bis es aus ihr herausplatzte. “Ihr lasst mich wirklich gehen?”
Theia nickte gönnerhaft. “Du hast gehört, was ich gesagt habe. Ich werde vor den Rat treten und mein Anliegen vortragen, dann sehen wir weiter. Für den Moment bist du frei.” “Ich danke Euch”, erwiderte Zahira. Ein sanftes Rauschen ihrer Schwingen, dann löste sie sich vor ihren Augen auf.
“Wo ist sie hin? Mit dieser Reaktion hätte ich nicht gerechnet”, sagte Tara verwundert.
“Sie genießt ihre zurück gewonnene Bewegungsfreiheit und wird uns wohl bei der Hütte erwarten. Kannst du dir vorstellen, all die Zeit in Beorns Obhut verbringen zu müssen?” Tara lachte auf, als sie sah, wie die Fee sich unmerklich schüttelte. Im Hintergrund erhoben sich Stimmen und das Trappeln unzähliger Pferdehufe. Ciron versammelte seine Ritter um sich, während der Tross schon zur nahen Festung zog.
“Hier trennen sich unsere Wege, Myladys. Ich muss dem Kommandanten Bericht erstatten. Asgard wird Euch sicher nach Hause geleiten.” Eine formelle Verbeugung, dann ritt Ciron, begleitet von einer Staubfahne, davon. Geldis folgte seinem Beispiel, auch wenn ihm seine Unentschlossenheit ins Gesicht geschrieben stand und schenkte Mira einen letzten sehnsüchtigen Blick, den diese mit einem Kichern erwiderte.
“Sieht aus, als ob die Shrouks das Dorf nicht mehr belästigen. Vielleicht kehrt nun wieder Ruhe ein”, sagte Tara froh darüber, festen Boden unter den Füßen zu haben.
 Theia warf eine Frucht in die Luft und fing sie geschickt mit dem Mund auf. Zufrieden kauend meinte sie.
“Eine Sache würde mich noch interessieren. Ihr nennt sie immer die Wächter, aber wenn nach den Klippen eure Welt, wie ihr sagt, aufhört, was bewachen sie dann?”
Theia genoss, es in die sprachlosen Gesichter zu sehen.
“Oh nein Theia. Ich weiß, auf was du hinaus willst, doch daraus wird nichts. Mein Bedarf an Abenteuern ist gedeckt.”
Asgard regte sich unter dem Knirschen der dicken Panzerplatten seiner Rüstung.
“Eure Freundin hat recht, Mylady. Wir sind wohlbehalten zurückgekehrt und haben einen Sieg errungen, der seinesgleichen sucht. Es wäre nicht besonders klug, das Schicksal zweimal heraus zufordern.”
Tara fühlte, dass es Zeit wurde, Lebewohl zu sagen. “Was werdet Ihr nun tun, Asgard?”
“Nun, was meinen Gefährten angeht, so wird der Kommandant neue Aufgaben für ihn bereit halten. Ich werde nach Schwarzwasser zurückkehren, sobald wir die Strassen von dem restlichen Dämonengezücht gereinigt haben.”
“Das ist äußerst bedauerlich”, ließ sich Theia vernehmen.
“Wollt Ihr damit andeuten, dass Ihr mich vermissen würdet?”
“Vielleicht ein wenig, aber bildet Euch ja nichts darauf ein. Vertraut mir Asgard. Sollte es nötig sein, werden wir Euch zu finden wissen.”
“Davon bin ich überzeugt und es gestaltet den Abschied leichter. Paran! Mein Pferd!” Geflissentlich eilte sein Knappe heran und reichte ihm die Zügel.
“Ihr geht den Rest des Weges alleine?”
Tara nickte. “Bemüht Euch nicht, Sir Asgard und habt meinen Dank. Ohne Euch hätten wir unsere Heimat nie wieder gesehen.
“Aye. Myladys… lebt wohl.”
Der Kämpe verbeugte sich und entschwand alsbald zur Festung hinauf, dichtauf begleitet von seinem Gefolge.
“Bereit heimzukehren, Tara?” Die Feen Mädchen sahen sie erwartungsvoll an.
“Ja ihr beiden, gehen wir nach Hause. Ich kann es gar nicht mehr erwarten, meine Hütte wieder zu sehen.” Noch einmal blickte Tara zurück zu den Hügeln, hinter denen ihre Reise vor Wochen begonnen hatte. Was für ein Abenteuer dachte sie bei sich, während ein wohliger Schauer über ihren Rücken fuhr. Glücklich, alles überstanden zu haben, folgte sie den Feen.

Erleichtert schwirrte Zahira um das Haus und verharrte schließlich vor dem gewaltigen Waschzuber. Ein paar flüchtige Blicke, ob sie jemand beobachtete, doch von den Anderen war noch nichts zu sehen. Zahira kam es sehr gelegen. Schnell tauchte sie ihre Hände in das eiskalte Wasser und trank begierig daraus. Im Schrein hatte sie nur den schweren Wein vorgefunden. “Endlich wieder frei”, kicherte sie aufgeregt. “Beim Licht unseres Mondes, ich werde vielleicht wieder nach Hause zurückkehren.” “Du möchtest heimkehren? Das wirst du, aber mit mir.” Beim Klang der krächzenden Stimme blieb ihr fast das Herz stehen. “Nein, das ist unmöglich. Es darf einfach nicht sein”, stammelte sie entsetzt. “Was hast du denn? War es nicht eben noch dein ausdrücklichster Wunsch?  Nun es soll niemand sagen, ich würde meinen Dienern kein Gehör schenken.” Das hässliche Lachen hallte in ihrem Kopf und raubte ihr den Verstand. “Genug mit den Spielchen! Es wird Zeit zu gehen.” Zahira klammerte sich an den Rand des Fasses, als gewaltige Kräfte sie ergriffen und versuchten, fortzuziehen. Das, was sie niemals für möglich gehalten hätte, geschah und der gewaltige Bottich kippte um und klemmte ihre Arme ein. Immer weiter steigerte sich das Zerren des Dämons und zum ersten Mal sah sie knöcherne Hände, die sich in den Stoff krallten und ihn zerfetzten. Blut trat hervor, wo die Fingernägel ihre Haut aufrissen. “Nicht bitte… ihr tut mir weh. Meine Arme sind eingeklemmt.” Zahira schossen vor Schmerzen Tränen in die Augen und verzweifelt versuchte sie, sich zu befreien. Ein hoffnungsloses Unterfangen, wie sie feststellte, während ihre Qualen unerträglich wurden. “Da wo wir hingehen, benötigst du deinen Körper nicht mehr.”
Ein mörderischer Schmerz, der sie gellend aufschreien ließ, dann verschlang sie der dämonische Schatten und löste sich auf. Zurück blieb ein Haufen blutiger Knochen, die sofort begannen zu zerfallen. Ihr Staub wurde vom Wind davongetragen, bis nichts mehr an die Existenz der Fee erinnerte.

Ende

@Copyright 2013 Eichhörnchen
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9905
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #2 on: August 23, 2013, 05:55:12 am »
Tewti! Oel tse'a vurit amip fìtseng! Txantsan ulte oe ngaru irayo seiyi nìtxan! :D
--> Fan-Fiction Index aktualisiert. ;)

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

Offline Yaknun

  • Ikran Makto
  • *****
  • *
  • Posts: 758
  • de Germany
  • Karma: 21
  • alt, aber vernarrt in AVATAR
    • Eine fixe Idee
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #3 on: August 25, 2013, 08:08:29 am »
oh - hoch erfreut, daß es weiter geht  :-* :D :)
Montag früh ist Lesestunde - herrlich  :D :D :D
Neytiri:
"Sie leben, Jake, in Eywa"

alt, aber
vernarrt in AVATAR
...


Offline Yaknun

  • Ikran Makto
  • *****
  • *
  • Posts: 758
  • de Germany
  • Karma: 21
  • alt, aber vernarrt in AVATAR
    • Eine fixe Idee
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #4 on: August 27, 2013, 12:21:41 am »
Gestern gelesen und - wie immer, begeistert gewesen  :D

Detaillierte Äußerung zum Inhalt folgt in Kürze  ;)
Neytiri:
"Sie leben, Jake, in Eywa"

alt, aber
vernarrt in AVATAR
...


Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9905
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #5 on: September 04, 2013, 12:03:42 pm »
Jetzt komme ich zu mein kleinen Kommentar zu dieser Geschichte:
 :) (wenn auch etwas spät... :-[)

Ich muss sagen, dieser Teil ist wahrlich der Höhepunkt! Vom Schreibstil großartig und äußerst spannend geschieben.
Insbesondere die ganze Szenerie in der Hauptstadt "Caldun" mit den Kampf gegen den Dämon. Bei den Körpern auf den
Pfählen musste ich Vlad III. (Vlad Țepeș) denken...
Das Ende war sehr überraschend und ich hatte das nicht im geringsten erwartet. Eine überaschende aber auch traurige Wendung am Ende.
Es hat Spaß gemacht, diese Geschichte zu lesen und ich war wie, als wäre ich dabei gewesen!

Da nun dieser Teil auch der letzte und auch finale Teil von "Abenteuer in den Grenzlanden" ist, muss ich noch erwähnen, dass die gesamte Geschichte
einfach nur ausgezeichnet war und natürlich auch ist! Ich bin, was generell Geschichten angeht, recht lesefaul, doch diese Story ist es wert gelesen zu
werden, und ich finde, es hätten deutlich mehr Leute lesen und auch einen Feedback dazu geben sollen.

Für diese Geschichte gibt es eine Nuss für den Eichhörnchen, und sage noch:
Oe irayo seiyi ngaru nìtxan! :D

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

Offline Ricardo

  • Taronyu
  • ****
  • *
  • Posts: 630
  • Karma: 28
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #6 on: September 14, 2013, 05:39:45 pm »
Nimm bitte das dritte Komma vom Cover. :D ;)

Den 6. Teil habe ich nun auch gelesen.
Wie gewohnt schreibe ich dir per PN meine Meinung.

Das Karma-Plus habe ich an dich verteilt. Ehrensache. ;)

Was deine Stammleser aber sicher am meisten interessiert:
Arbeitest du schon fleißig an Projekten, die hier bald veröffentlicht werden? ;)

Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9905
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #7 on: September 14, 2013, 05:44:41 pm »
WOU!  :D :D :D
Das sieht echt gut aus! Sunu oer!

Nimm bitte das dritte Komma vom Cover. :D ;)
Fì'u.

Arbeitest du schon fleißig an Projekten, die hier bald veröffentlicht werden? ;)
Ma Ricardo:
Quote
"Das Licht der Ewigkeit" ist fertig. Es ist ein komplett neues eigenständiges Abenteuer der kleinen frechen Fee Theia. Frag sich nur ob daran überhaupt noch Interesse besteht.

*Hand heb*

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9905
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 6 "Der Tod hat kleine Flügel"
« Reply #8 on: October 22, 2013, 10:48:00 am »
Ich finde es sehr schön, dass du bestrebt bist, allerlei Dinge zu perfektionieren. :)

Von einem "Formatierungsfreak" (ich hrh) ein Vorschlag:


Inhaltsverzeichnis


Dramatis Personae
Seite 2

Kapitel 1
“Abenteuer in den Grenzlanden”
Seite 3

Kapitel 2
“Anderswelt”
Seite 16

Kapitel 3
“Aufbruch ins Ungewisse”
Seite 31

Zwischenspiel: Theia
“Schwingen der Leidenschaft”
Seite 49

Kapitel 4
“Mira”
Seite 54

Kapitel 5
“Reise durch das Ödland”
Seite 69

Kapitel 6
“Der Tod hat kleine Flügel”
Seite 84
_________________________________________________________________________



Dramatis Personae:


   Tara
Eine Halbwaise aus Akrans Zuflucht mit ungewisser Bestimmung.

   Theia
Fee, Schutzengel und Taras beste Freundin. Theias größte Schwäche ist ihr vorlautes Mundwerk.

   Eria
Theias Mutter aus der Anderswelt, von königlicher Abstammung. Neben Theia hat sie noch ihre Töchter Mira,
Alessa und Leilia. Erias hervorstechende Merkmale sind ihre Weisheit und Güte.


   Mira
Theias jüngste Schwester. Verliebt sich bei einem Ausflug in die Menschenwelt unsterblich in den Knappen Geldis.

   Sir Ciron
Ritter, Beschützer und Weggefährte Taras. Lässt sich nur selten aus der Ruhe bringen.
Sein Credo lautet: “Man muss sich seinem Schicksal stellen!”


   Sir Asgard
Waffenbruder Cirons und der zweitbeste Streiter des Lehens. Der Haudegen sucht ständig den Kampf und ist
einem guten Schlückchen nie abgeneigt.


   Beorn
Geweihter des heiligen Schreins in Akrans Zuflucht. Beorn hält nicht viel von Hygiene und unnötiger
Anstrengung, ist aber jederzeit bereit, sein Wissen zu teilen, wenn man ihn nur höflich darum bittet.


   Zahira
Eine verbannte Fee, die nach jeder Möglichkeit greift, wieder in die Anderswelt zurückkehren zu können.

   Geldis und Paran
Die beiden pflichtbewussten Knappen Cirons und Asgards. Ihre helfenden Hände sind oftmals vonnöten.

   Dain
Magister und Gelehrter des Reiches. Er hasst Feen und schmiedet einen perfiden Plan, um sich ihrer zu entledigen.

   Geoffrey
Taras erste große Liebe, die von dem Ritter jedoch nicht erwidert wird.





Darf ich fragen, welche Schriftart das auf dein Bild da ist?
« Last Edit: October 22, 2013, 10:51:56 am by Tìtstewan »

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

 

Become LearnNavi's friend on Facebook Follow LearnNavi on Twitter! Watch LearnNavi's videos on YouTube

SMF 2.0.17 | SMF © 2017, Simple Machines | XHTML | RSS | WAP2 | Site Rules

LearnNavi is not affiliated with the official Avatar website,
James Cameron, LightStorm Entertainment or The Walt Disney Company.
All trademarks and servicemarks are the properties of their respective owners.
Images in the LearnNavi.org Forums and Gallery may not be used without permission.

LearnNavi Affiliates:
ToS

LearnNavi is the community to learn Na'vi, the Avatar Language
"A place where real friendships are made." -Paul Frommer

AvatarMeet | Learn Na'vi Forum | Learn Na'vi Wiki | Na'viteri

LearnNavi