Author Topic: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens" tìpawm txe’lanä.  (Read 5083 times)

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Offline Eichhörnchen

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Eine Frage des Herzens http://dolphinsoft.bplaced.net/navi-lernen/ff_01_eine_frage_des_herzens.html



Das junge Na’vi Mädchen Fawn schreckte aus seinen trübsinnigen Gedanken auf und ließ sich von dem mächtigen Ast, auf dem es die letzten Stunden verbracht hatte, geschickt zurück zum Urwaldboden gleiten. Leise und sanft wie eine Feder berührten ihre Füße die feuchte mit leuchtenden Moosen überzogene Erde.
Mit ihrer Größe von noch nicht einmal 2.30 Meter galt sie unter ihren Stammesangehörigen als extrem kleinwüchsig. Als Kind hatte sie immer gedacht, dass sie im Laufe der Zeit noch weiter wachsen würde, doch aus irgendeinem unerfindlichen Grund war dies nicht geschehen, sehr zu ihrem Bedauern. Tagtäglich war sie dem Hohn und Spott der erwachsenen Krieger ausgesetzt, die sie für ein zu groß geratenes Kind hielten und einfach nicht ernst nehmen wollten, egal, was sie auch versuchte, um ihren Respekt zu erlangen.
Doch schließlich mit ihrem 18 Lebensjahr war auch für sie der Tag ihrer Prüfung und der Aufstieg über die Himmelstreppe gekommen, welche die Erwählung ihres Ikrans und die damit verbundene Ernennung zum Taronyu beinhaltete. Viele ihrer Brüdern und Schwestern hatten ihr davon abgeraten, die Prüfung abzulegen oder ihr aus Spaß nahe gelegt, sich an der Erwählung eines Waldikran’s zu versuchen, der von Natur aus bedeutend kleiner war, als die mächtigen Flugtiere der Jäger.
Mit Ausdauer und einem Kampfgeist, den ihr niemand so recht zugetraut hatte, bestand das junge Mädchen letztendlich die schwierige Aufgabe. Das alles lag nun, wie es ihr selbst vorkam, eine halbe Ewigkeit zurück. Dabei waren seitdem erst ein paar Tage vergangen. Über ihr im Geäst des Baumes raschelte ihr neuer Begleiter aufgeregt mit seinen gewaltigen Flügeln. Fawn legte den Kopf in den Nacken und blickte mit ihren großen gelben Augen in die Höhe und erstmals seit langem zeigte sich ein Lächeln auf ihrem hübschen Gesicht. So sehr sie auch überlegte, wollte ihr einfach kein passender Name für die prächtige Kreatur einfallen. Nun das musste warten, denn im Moment beschäftigen Sie andere Dinge bedeutend mehr.
Das Mädchen schaute wieder in die Richtung, in welche der Reitertrupp vorhin entschwunden war, um den erst vor kurzem entdeckten Außenposten der Himmelsmenschen anzugreifen. Ihre Teilnahme an dem Kriegszug war vom olo’eyktan aufgrund ihrer Unerfahrenheit entschieden abgelehnt wurden, was ihre Wut und Enttäuschung nur weiter anstachelte.
Zu gerne wäre sie mit dabei gewesen, um zu beweisen, dass sie ebenso fähig war, wie die anderen Krieger und auch wie sie selbst verwundert feststellte, aus einer gewissen Neugierde. Bisher kannte sie die merkwürdigen Wesen, die in ihre Welt eingefallen waren nur aus den Erzählungen und Geschichten der Jäger und Jägerinnen, denen sie abends am Lagerfeuer so gerne lauschte.
Fawn hätte alles darum gegeben, einen dieser Himmelsmenschen oder “Sawtute”, wie sie verächtlich von ihren Brüdern und Schwestern genannt wurden, aus der Nähe zu sehen. Dass die Fremden noch kleiner sein sollten als sie selbst, faszinierte das Na’vi Mädchen.
In ihr reifte ein verwegener Plan: Was, wenn sie dem Trupp einfach folgte ? Sie war eine erfahrene Spurenleserin und es sollte ihr ein Leichtes sein, die Fährte ihrer Stammesgenossen aufzunehmen, mochten sie sich noch so vorsichtig bewegen. Ein Himmelsmensch wäre dazu nie in der Lage gewesen, aber ihr reichte ein angebrochener Ast, achtlos oder in Eile abgerissene Blätter, sogar ein Fußabdruck in einem Tümpel, sie würde ihn bestimmt erfühlen.
Je mehr sie darüber nachdachte desto besser gefiel ihr die Idee, allerdings war der Weg durch den Dschungel alles andere als ungefährlich, also galt es, sich gut vorzubereiten.
Fawn überlegte einen Augenblick, den Ikran zu nehmen, doch das verbot sich von selbst, wie sie sich mit einem leichten Seufzen eingestand. Die Himmelsmenschen hatten merkwürdige glänzende Vögel aus einem ihr unbekannten Material, welche genauso schnell und tödlich wie jeder Ikran waren. “Kunsip”, hatten die Krieger diese Maschinen ehrfurchtsvoll genant, ein Name, den sie sich eingeprägt hatte. Sie kehrte zum Kelutral in der Nähe zurück und packte etwas Nahrung und weitere Dinge aus ihren persönlichen Besitztümern, die ihr nützlich erschienen ein. Als nächstes überprüfte sie gewissenhaft die Sehne ihres Bogens und die Spitzen der von ihr selbst gefertigten Pfeile und hängte sich die Waffe auf den Rücken.
Als alles zu ihrer Zufriedenheit erschien, machte sie sich auf den beschwerlichen Weg. Fawn wusste nicht genau, wo sich das kleine Lager der Tawtute befinden sollte, doch war sie zuversichtlich genug, den Spuren der anderen Jäger folgen zu können. Niemand kümmerte sich um sie, oder versuchte das Mädchen aufzuhalten. Ihre Stammesbrüder nahmen wohl an, dass sie, wie so oft, auf die Jagd oder zum Sammeln von Früchten und essbaren Samen ging. Es war ja nicht so, dass sie das kleinwüchsige Wesen aus purer Bösartigkeit verspotteten und Fawn wusste das auch. Manche nannten sie scherzhaft “Taronyutsyìp” in Anspielung auf ihre Größe, was soviel wie kleiner Jäger bedeutete, doch verletzte es sie trotzdem. Nachdem sie nun eine vollwertige Jägerin geworden war, hatte sie auch das Recht erworben, einen Partner erwählen zu dürfen oder er Sie. Das war noch eine Sache, die ihr sehr zu schaffen machte, mehr als sie sich selbst eingestehen wollte, denn: welcher stolze Krieger würde sich schon mit ihr abgeben wollen? In ihren Gedanken nahm sich Fawn fest vor, ihnen zu beweisen wozu sie fähig war.
In Windeseile entfernte sich Fawn immer weiter von der ihr so vertrauten Umgebung des Heimatbaumes, wobei sie den Spuren der Reiter mit Leichtigkeit folgte. Der dichte Urwald umgab das Na’vi Mädchen wie eine schützende Glocke und verbarg es vor  jeglichen Blicken. Hin und wieder entdeckte sie auch Spuren von Raubtieren, Vipernwölfen und weitaus schlimmeren Dingen, aber während des Tageslichtes ließen sich diese Kreaturen nicht sehen. Stunde um Stunde verging und Fawn begann allmählich zu ermüden, während sie über armdicke Wurzeln kletterte, und sich durch das Gestrüpp kämpfte. Lange konnte sie das mörderische Tempo welches sie an den Tag legte nicht mehr durchhalten. Als sich am Blätterdach des Urwaldes  die ersten Zeichen der hereinbrechenden Nacht zeigten, beschloss das Mädchen, den Schutz der Dunkelheit zu nutzen um sich etwas auszuruhen. An einem Bachlauf machte sie Rast, nicht ohne jedoch vorher die Umgebung sorgfältig nach Spuren von Raubtieren abgesucht zu haben, die ihr gefährlich werden konnten. Nachdem Fawn ihren selbst gewählten Lagerplatz für ausreichend sicher befand, legte sie sich beruhigt auf dem moosbedeckten Waldboden und schon nach kurzer Zeit sank sie in einen tiefen traumlosen Schlaf.

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Seit zwei Monaten befand sich Brian nun an diesem Ort im Dschungel mit der viel sagenden Bezeichnung RC-33. Früher als Vorposten mit angegliederter Forschungsstation gedacht und weil man hier Spuren von Unobtanium in der Gegend gefunden hatte, war er mittlerweile nach der Aufgabe des Hauptquartiers Hellsgate zu einer Art Sammelpunkt für die Reste der umherirrenden und völlig verwahrlosten Marines mutiert. Brian war ein muskelbepackter Hüne, mit kurz geschorenen Haaren und Augen so grau wie die Metalllegierung der Hubschrauber.
Auf der Erde war lange Zeit Detroit seine Heimat gewesen, ein herunter gekommener Flecken, dem er keine Träne nachweinte. Neue Schrecken, wie die immer häufiger auftretende Flusskrankheit die zur völligen Erblindung der Betroffenen führte, sowie die allgemeine schlechte Versorgung mit Gebrauchsgütern des täglichen Bedarfs, ließen ihm die Entscheidung, sich den Aufrufen der RDA anzuschließen, nur leichter fallen. Detroit, allein der Gedanke daran weckte böse Erinnerungen in ihm, die er nur zu gerne wieder verdrängte. Das lag jetzt alles schon weit in der Vergangenheit zurück und wie lange er sich mittlerweile auf Pandora befand, vermochte er nicht mit Genauigkeit zu sagen. Man verlor hier jegliches Zeitgefühl, wie Brian beiläufig bemerkte. Mit der ersten Welle an Soldaten, Bergarbeitern und Wissenschaftlern, war er damals auf dem Mond eingetroffen. Seine Aufgabe auf Pandora hatte darin bestanden, zum Schutz der unzähligen Minenarbeiter beizutragen, die sich ständigen Angriffen wilder Tiere gegenübersahen. Das auch die Ureinwohner zunehmend ein Problem wurden, erfuhr er erst später. Brian hatte lange Zeit auf der Erde als Söldner Dienst getan und diese Erfahrungen und seine allgemein gute körperliche Konstitution machten ihn zu einem hervorragenden Kandidaten für die Rekrutierungsmühlen der RDA. Der Söldner hatte die heftigen Kämpfe gegen die Na’vi und die Aufgabe des Hauptquartiers erlebt und war im Zuge dieser dramatischen Ereignisse nach RC-33 gekommen. Völlig desillusioniert und ohne rechte Hoffnung auf die Zukunft, hatte er sich den Marines unter Oberst Willow angeschlossen. Er hatte sich keine Vorstellungen davon gemacht, was ihn hier erwartete…

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Vor einer halben Stunde war eine Gruppe Na’vi Krieger auf ihren Pa’li oder Schreckenspferden, wie sie aufgrund ihrer Erscheinung von den Menschen genant wurden, vor den behelfsmäßigen Befestigungen des Stützpunktes aufgetaucht und hatte ohne Vorwarnung angegriffen. Es war der erste Angriff seit dem Fall des Hauptquartiers und kam für die zahlenmäßig geringe Besatzung völlig überraschend. Mehrere Wachposten waren im Pfeilhagel der Bogenschützen getötet worden, bevor sie überhaupt begriffen, was da über sie hereinbrach. Der Pilot eines startenden Scorpions wurde gerade, als er abheben wollte, von mehreren Pfeilen durchbohrt, welche die Kanzel durchschlugen, als wäre sie aus Papier. In unkontrollierten Bewegungen tuckerte der Hubschrauber eine Weile hin und her, bevor er über das Stützpunktgelände hinweg schoss und ein paar Meter weiter im nahen Urwald aufschlug. Während der Donner einer gewaltigen Detonation über den Vorposten hallte, breitete sich ein gewaltiger Feuerball rasend schnell an der Absturzstelle aus und dichter schwarzer Rauch begann aufzusteigen. Brian und andere Männer seiner Einheit rannten hektisch zum Rand des Lagers in die Angriffszone, die Waffen im Anschlag und eröffneten sofort das Feuer auf die großen blauen Geschöpfe. “Keine Gefangenen, keine Gefangenen” schrie Oberst Willow, während er mit seiner Pistole wütend herum fuchtelte. Ein surrendes Geräusch veranlasste Brian, sich auf den Boden zu werfen und im selben Moment, stöhnte ein Soldat hinter ihm, von einem Pfeil getroffen auf. Brian rappelte sich wieder hoch und hetzte in Deckung, dabei mehrere ungezielte Schüsse aus seiner Pistole abgebend.
Nach ein paar Augenblicken heftigen Abwehrfeuers war der Spuk so schnell vorbei, wie er begonnen hatte. Über ein Dutzend tote oder verwundete Na’vi lagen vor und auf dem Gelände von RC-33 ebenso wie es einige Marines erwischt hatte. Der Rest hatte sich ebenso überraschend, wie sie aufgetaucht waren, wieder in den Dschungel abgesetzt, die völlig verstörten Pa’li, deren Reiter gefallen waren, mit im Schlepptau.
Oberst Willow winkte Brian mit hochroten vor Wut verzerrten Gesicht zu sich heran. “Kommen Sie Soldat, wollen doch mal sehen, ob welche von den Hundesöhnen überlebt haben”. In der Nähe des Zaunes fanden sie, im Schein der langsam untergehenden Sonne, eine Na’vi die ihre Hände auf eine blutende Bauchwunde drückte. Als sie den Oberst sah, fauchte sie ihn voller Verachtung an und bevor Brian die Situation richtig erfassen konnte, war Willow an die Frau herangetreten und schoss ihr ohne Zögern in den Kopf. Leblos sackte der Körper der Jägerin in sich zusammen.
“Sehen Sie… “, er suchte mit wieselflinken Augen nach dem Namensschild auf der Brust des Söldners, “… Brian… so wird das gemacht. Zeigen Sie nur keine Gnade, mit diesem elenden Ungeziefer”. Brian nickte geflissentlich, aber zutiefst in seinem innern erschüttert über den Vorfall, während sie weitergingen. Er wollte dem Oberst unter keinen Umständen zeigen, wie sehr ihn der Tod der Na'vi getroffen hatte. Einen Feind im Kampf zu töten war die eine Sache fand Brian, aber jemand Hilfebedürftigen aus nächster Nähe einfach hinzurichten, eine ganz andere. Doch behielt er das besser für sich. Linkerseits näherte sich mit raschen Schritten Dr. Fleischmann, wie immer mit einem völlig blutbeschmierten Kittel bekleidet. Der Doktor gab seinen Begleitern Zeichen sich um die verletzten Marines zu kümmern, die er selbst nur eines flüchtigen Blickes würdigte. “Ahhh Oberst Willow, ich hoffe, Sie lassen mir eines der überlebenden Exemplare für meine Forschungen übrig”. Er bedachte Brian kurz mit einem fast schon an Bösartigkeit grenzenden Lächeln, bevor er sich abwandte und auf zwei verletzte Krieger zeigte, die von einer Gruppe Soldaten umringt wurden. Brian schauderte es immer aufs Neue, wenn er in die Augen des Doktors blickte. Er vermeinte in ihrem Leuchten, Spuren von Wahnsinn zu erkennen. Der Doktor, Brian und ein paar begleitende Soldaten, folgten dem Stützpunktkommandanten zu den beiden am Boden liegenden Ureinwohnern. Einer von ihnen hatte mehrere Schusswunden erlitten und Dr. Fleischmann winkte verächtlich ab, als der Oberst ihm das halbtote Wesen für seine Forschungen anbot. Willow gab einem der Soldaten ein Zeichen, worauf dieser den Krieger kurzerhand erschoss. Das Augenmerk des Doktors galt dem anderen Na’vi, einem kräftigen Burschen, ohne sichtbare Verwundung, der wohl nur das Pech gehabt hatte, in Gefangenschaft geraten zu sein.
“Dieses Prachtexemplar ist genau, was ich benötige“, meinte der Doktor strahlend, während er sich sichtlich erregt seine vernarbten Hände rieb.
Brian schauderte es, als er an das Schicksal dachte, welches die arme Kreatur erwartete. Er hatte einmal das zweifelhafte Vergnügen gehabt, eine Depesche zu Fleischmann bringen zu müssen. Während des kurzen Aufenthalts im Labor, war ihm klar geworden, das die “Forschungen” des Doktors weniger der Wissenschaft als vielmehr seinen eigenen perversen Ambitionen dienten. Einige der dort auf Op-Tischen liegenden und an alle Arten von Apparaturen angeschlossenen Geschöpfe waren keineswegs tot, wie ihm ein Blick in ihre trüben, um Hilfe flehenden Augen gezeigt hatte. Danach hatte er sich eine halbe Stunde lang erbrechen müssen.
Während Fleischmann zufrieden den Abtransport des Kriegers beaufsichtigte, wies Willow die anderen Soldaten und Brian an, ihm weiter zu folgen. Langsam über den betonierten Boden schreitend, näherten sie sich dem Ende des Stützpunktes und fast, als Brian schon dachte, dass es wohl keine weiteren Überlebenden gab, worüber er nicht wirklich unglücklich gewesen wäre, wie er bei sich selbst dachte, entdeckte der kleine Trupp, im Schutze einiger Lagerhäuser, ein Pärchen der blauen Geschöpfe. Während eines der Wesen, der Erscheinung nach männlich, in einer Blutlache am Boden lag, kniete über ihm eine ebenso junge Na’vi und sprach aufgeregt und wohl auch etwas verängstigt auf den verletzten Ureinwohner ein, in einer Sprache, von der Brian nichts verstand. Als sie die Soldaten bemerkte, richtete sie sich erschreckt auf und starrte hasserfüllt auf den Oberst herab, während ihre Blicke aus den für Brian faszinierenden gelben Augen, hektisch zwischen dem Kommandanten und den anderen Söldnern wechselten.
“Ist das nicht rührend“, gluckste Willow, “dieses fast manische Verbundenheitsgefühl der Ureinwohner untereinander? Jeder vernünftig denkende Mensch hätte längst das Weite gesucht, aber dieses dumme Geschöpf bleibt bei ihrem Partner”.
Willow schüttelte verächtlich den Kopf und überprüfte gewissenhaft seine Dienstwaffe, bevor er fortfuhr. “Bringen wir es zu Ende. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit, Jagd auf Wilde zu machen.” Ohne jegliche Spur von Mitleid, richtete er seine schwere Pistole auf das Mädchen und drückte mehrmals ab. Sie versuchte noch, mit einem Aufschrei ihren Dolch zu ziehen, doch einen Augenblick später klatschte ihr lebloser Körper wie ein nasser Sack vor ihnen zu Boden. Der Krieger überlebte nur einen Bruchteil länger. Dann sicherte der Oberst seine Waffe und steckte sie zurück. “Ich denke, das wäre erst einmal alles für den Moment. Sorgen Sie dafür, dass die Sauerei hier weggeräumt wird.” Mit diesen Worten entfernte er sich von der Gruppe und schritt selbstsicher den Baracken entgegen. Seine Stiefel erzeugten dabei knallende Geräusche auf dem Asphalt, die sich langsam entfernten. Brian merkte, wie sich ein dicker Kloß in seinem Hals bildete und er das Gefühl hatte, jemand würde ihm die Kehle zuschnüren.
Der Anblick der eben in seinen Augen schlichtweg ermordeten Wesen, war nur schwer zu ertragen.
Einer der anderen Soldaten, ein blondhaariger Typ namens Jenkins, meinte Schulter zuckend, “Unser Oberst ist ein richtiges Herzchen, nicht wahr? Immer so feinfühlig und direkt.” Einige der umherstehenden Soldaten grinsten sich an.
Jenkins betrachte erst die beiden toten Na’vi dann richtete er sich wieder auf und musterte Brian wobei er zu dem 1.90 m großen Hünen aufsehen musste. “Du siehst echt scheiße aus, Kumpel. Wohl noch nie eine Liquidierung so hautnah miterlebt was? Dachte so ein Söldner hält mehr aus. Na egal, gönn dir erstmal eine Pause, damit du wieder zur Ruhe kommst, wir schaffen die Drecksarbeit hier schon.” Mit diesen Worten wies Jenkins die anderen Soldaten an, ihm zu helfen, während er das tote Mädchen an einem der Füße packte. Jenkins war am selben Tag wie er auf der Basis eingetroffen, wobei er ihn am Anfang wegen seines ständigen Grinsens als Idiot eingestuft hatte, doch hatte sich seine Einstellung ihm gegenüber mittlerweile geändert. Sie hatten sich schnell verstanden, der Gefreite und der Söldner. Brian wandte sich nach einem letzten Blick auf die beiden toten Ureinwohner angewidert ab. Über eine Stunde wanderte er ziellos am Stützpunktzaun entlang und wollte erst zu seiner Unterkunft zurückkehren, um Jenkins Rat folge zu leisten, entschied sich dann aber anders und betrat die Kantine des kleinen Stützpunktes. Es war ein heruntergekommenes Gebäude, aus einem grauen Material, das auch schon mal bessere Tage erlebt zu haben schien. Drinnen herrschte ein diffuses Licht, einzig aufgehellt durch ein großes Fenster im Hintergrund des Raumes. Die Luft war so dick, das man sie mit einem Messer hätte schneiden können und roch nach einer Mischung aus Schweiß, Qualm und abgestandenen Essen. An einem der Tische saßen mehrere Soldaten beim Kartenspiel und schenkten dem Neuankömmling keine Beachtung. Brian nahm seine Maske ab, schaute sich kurz um und setzte sich dann an einen Tisch in der Ecke der Kantine, von wo er einen guten Überblick auf die Eingangstür und das Fenster hatte. Von draußen war das rhythmische Dröhnen der wenigen noch funktionsfähigen Scorpions und Samsons zu hören, welche in ständiger Alarmbereitschaft gehalten wurden. Brian lehnte sich entspannt zurück und hing eine Weile seinen Gedanken hinterher. Er vermochte nicht zu sagen, wie viel Zeit vergangen war, als ein Schatten auf sein Gesicht fiel und Jenkins vor ihm mit zwei Tabletts auftauchte, auf denen Teller mit einer dampfenden Nährpaste und ein Korb mit Brot standen. “Hier, hab dir auch was mitgebracht. Du siehst aus, als könntest du es gebrauchen. Wir wollen ja nicht, das du uns noch vom Fleisch fällst.” Damit spielte er auf Brians korpulente Erscheinung an, die den Söldner in Verbindung mit seiner Körpergröße, dem unbefangenen Betrachter nur noch gewaltiger erschienen ließ.
« Last Edit: May 04, 2011, 04:17:11 pm by Eichhörnchen »
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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #1 on: March 08, 2011, 05:35:47 pm »
Mit einem abschätzigen Blick auf das frugale Mahl griff Brian nach dem Besteck und fing an, lustlos das Essen in sich hinein zuschaufeln. “Was habt ihr mit den Leichen vorhin gemacht?”, richtete er die Frage an Jenkins mit Bitterkeit in seiner Stimme. “Hinter den Lagerschuppen verbrannt“, kam die lapidare Antwort zurück. “Du machst dir zu viele Gedanken, Kumpel. So etwas kann einfach nicht gesund sein. Sieh mal, mir gefällt es doch auch nicht. Der neue Kommandant ist ein Schlächter und sein Stabsarzt steht ihm an Gemeinheit in nichts nach. Ich sag dir mal was. Die ganze Sache hier geht für uns bestimmt noch ganz böse aus.” Brian schüttelte als Erwiderung nur den Kopf. Kauend schaute er zu, wie vor dem großen Aussichtsfenster Oberst Willow mit fast schon kindlicher Vorfreude die angetretene Ablösung der Wachmannschaft inspizierte. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, persönlich ein paar der zum Appell angetretenen Soldaten unter an Hysterie grenzenden Gebrüll zur Sau zu machen. Brian wandte sein Interesse wieder dem Teller vor ihm zu und versuchte zu erkennen, aus welchen undefinierbaren Zutaten der pandorischen Flora der Koch diesmal den Brei erschaffen hatte. Bei allen Göttern, der Fraß war zum Kotzen und mindestens genauso schlecht wie die Moral auf dem Stützpunkt.
Jenkins schien seine Gedanken zu erraten, “Was meinst du… wollen wir den Koch kopfüber in der nächsten Latrine versenken?”
Brian verdrehte in gespielten Entsetzen die Augen, ”Ich wäre sofort dabei, Jenkins. Selbst auf der Erde war die Verpflegung besser und da dachte ich schon, es könnte nicht schlimmer kommen.” Sich am Kopf kratzend erwiderte Jenkins, “ Da siehst du es mein lieber, die RDA vermag uns immer wieder zu überraschen. Los komm, es wird Zeit, sich eine Runde aufs Ohr zu hauen. Wer weiß schon, was unser Herzchen von Oberst, Morgen wieder mit uns vorhat.” Jenkins erhob sich und steuerte dem Ausgang entgegen und Brian, immer noch aufgewühlt von den vergangenen Ereignissen, folgte ihm.


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In der Ferne graute bereits der Morgen, als das Na’vi Mädchen schließlich erwachte. Noch etwas benommen wusch Fawn sich am nahen Bach und aß ein paar der mitgeführten Früchte. Sie liebte den sie umgebenden Wald, war tagtäglich eins mit ihm und den Wesen, die er beherbergte. Auf der Jagd wusste sie genau, was sie sich zutrauen konnte und welchen Kreaturen sie besser aus dem Weg ging, wie dem hinterhältigen Slinger oder dem riesigen Thanator. Bei der Vorstellung an dieses Ungetüm, das schon so manchem erfahrenen Krieger zum Verhängnis geworden war, lief ihr ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter und sie beschloss, weiter zuziehen. Ausgeruht und von neuen Tatendrang erfüllt, ergriff sie ihren Bogen und die restliche Ausrüstung und nahm die Fährte der Reiter wieder auf. Es musste fast gegen Mittag sein, als sie verwundert erneut die Spur der anderen Jäger überprüfte. Seltsam, aber sie konnte nirgends irgendeinen Hinweis auf einen Lagerplatz entdecken. Auch schienen die Spuren älter zu werden, was darauf hindeutete das der Trupp in der Nacht keine Rast eingelegt, sondern durchgeritten war. Es erfüllte sie mit Verwunderung, doch blieb keine Zeit darüber Nachzudenken. Mit geschmeidigen Bewegungen und fast lautlos glitt sie wie ein von der Sehne gelassener Pfeil durch das Dickicht des Dschungels. Ihre unstillbare Neugierde trieb sie zu Höchstleistungen und nach kurzer Zeit begann sich der Wald um sie herum zu lichten, während das Gelände fast unmerklich anstieg. Bald schon stand sie auf einem flachen mit Bäumen bewachsenen Hügel und sah völlig überrascht unter sich das Lager der Tawtute liegen.
Geschäftig bewegten sich die - was ihr sofort auffiel - wenigen Himmelsmenschen auf dem Stützpunkt vor ihr hin und her, doch waren sie zu klein und zu weit entfernt, um wirklich etwas erkennen zu können. Von dem Reitertrupp konnte sie nirgends etwas entdecken, allerdings verrieten ihr die Brandspuren im nahen Dschungel und das rußgeschwärzte Wrack eines Kunsips, dass erst vor kurzem ein heftiger Kampf stattgefunden haben musste. Fawn wurde bewusst, dass sie zu spät gekommen war, was sie aber überhaupt nicht enttäuschte. Von jeher war ihr jegliche Art von Kampf, außer der Jagd zur Nahrungsbeschaffung zuwider, eine Eigenschaft, welche sie in der Gunst der Krieger nicht gerade steigen ließ. Jedoch auch wenn sie nicht mehr ihren Brüdern und Schwestern zur Seite stehen konnte, so wollte sie doch wenigstens die fremden Wesen auf dem Stützpunkt genauer in Augenschein nehmen. Angetrieben von ihrer maßlosen Neugierde beschloss sie, sich noch näher an das Lager heranzuschleichen, um die Himmelsmenschen besser beobachten zu können.
Ihr Herz klopfte so stark, dass sie vermeinte, es hören zu können und aufgeregt setzte Fawn eines ihrer schlanken kraftvollen Beine vor das andere ohne, wie sie es sonst tat, dem Boden unter ihren Füßen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Blicke der Jägerin waren unentwegt völlig fasziniert auf den nahen Stützpunkt und das Geschehen dort gerichtet und so bemerkte das Mädchen nicht, in welche tödliche Gefahr es sich begab.

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Brian schraubte mit einer Hingabe an dem Tankstutzen eines defekten Samsons herum, die jedem Ingenieur vor Verzückung Freudentränen in die Augen getrieben hätte, während er das muntere Treiben auf der kleinen Basis aus den Augenwinkeln heraus verfolgte. Seine Fähigkeiten als Mechaniker, ein Beruf den er lange vor seiner Söldnerlaufbahn erlernt, aber mangels Beschäftigung nie richtig ausgeübt hatte, brachten ihm diese willkommene Nebentätigkeit ein. Oberst Willow hatte sich sehr erfreut gezeigt, als er davon erfuhr - ein Wesenszug, der bei ihm nur äußerst selten zum tragen kam. Viel gab es ohnehin nicht zu tun, nachdem alle Minenarbeiter umgekommen oder verschollen waren und so war Brian für jede Abwechslung dankbar. Mit ein paar letzten Drehungen des Schraubenschlüssels beendete er die Reparatur und blickte auf sein Chronometer. Es ging fast auf Mittag zu, nur verspürte Brian nach dem schon unspektakulären Frühstück keine große Lust, sich vom selbsternannten Koch der Basis erneut “verwöhnen” zu lassen.
Verschwitzt und mit Flecken von Treibstoffresten an seiner Kleidung trat er aus dem völlig überfüllten Hangar ins grelle Licht der zum Teil erdähnlichen Sonnen von Alpha Centauri und hielt im ersten Moment geblendet die Hand vor seine Atemmaske. Brian streckte sich und entkrampfte seine Glieder.
Etwas Bewegung würde ihm jetzt gut tun und so beschloss er, seine bald beginnende Inspektionsrunde zu nutzen und einen kleinen Streifzug auf die das Lager zur Nordseite hin umgebenden Hügel zu unternehmen. Oberst Willow hatte ihn dazu eingeteilt um die dort ausgelegten Fallen täglich zu überprüfen, wobei sich der Söldner wieder sein Verständnis mechanischer Dinge zunutze machte. Gelegentlich fand Brian ein verletztes Tier vor, dessen Fleisch essbar war, welches dann umgehend seinen Weg in die Kochtöpfe der Lagerküche fand. Außerdem war es dem Oberst lieber, einen Söldner einzusetzen, als einen seiner kostbaren Marines dafür freizustellen. Schon viel zu oft waren die Soldaten Opfer der Fauna und Flora Pandoras geworden und die Besatzung des Stützpunktes, schrumpfte immer mehr zusammen. Brian erfüllte diese Aufgabe mit Feuereifer, um in der Stille der Natur, wie er es selbst gerne ausdrückte, seine Gedanken zu ordnen.
Nach einem Halt an der Unterkunftsbaracke, wo er seine Ausrüstung komplettierte und einer kurzen aber äußerst sorgfältigen Überprüfung, wandte sich Brian über die schmale staubige Piste dem hinteren Ausgang des Lagers zu.
Zusätzlich zu seiner Dienstwaffe trug er einen nicht ganz legal erworbenen Wasp Revolver am Gürtel, der über mehr als ausreichend Durchschlagskraft gegen so genannte harte Ziele verfügte und Brian ein Gefühl von Sicherheit verschaffte.
Am Stacheldrahtverhau angekommen, der RC-33 vom Wald abgrenzte, grüßte er den wachhabenden Soldaten und meldete sich ab. Mit sicheren Schritten, begann er den Aufstieg zu einem 
dem kleinen Lager am nahesten liegenden Hügel.

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Ein rasender Schmerz durchfuhr Fawn, als sich die Metallkiefer der Falle schlossen und die stahlharten Zähne in ihr Fleisch getrieben wurden. Bevor sie etwas tun konnte, fiel sie schon zu Boden während dunkelrotes Blut aus den langen Wunden an ihrem rechten Bein pulsierte, welche die Falle gerissen hatte. Instinktiv griff sie nach den Kiefern der ihr unbekannten Vorrichtung, um sich daraus zu befreien, doch schaffte sie es nicht, die Backen, die wie Schraubstöcke um ihren Knöchel saßen und die rasiermesserscharfen Zähne immer tiefer in ihr Bein drückten, auch nur eine Handbreit zu bewegen. Das Gefühl des Schmerzes war unbeschreiblich und begann sie zu überwältigen und so gab sie es schließlich auf, auch aus Furcht das Bewusstsein zu verlieren. Was war sie doch für eine Närrin gewesen, zu glauben, die Himmelsmenschen hätten ihr Lager nicht gesichert. Erschrocken starrte sie auf das viele Blut, das sich aus den von der Falle geschlagenen Wunden ergoss und zum ersten mal in ihrem noch jungen Leben befiel sie wahnsinnige Angst. Irgendwie musste sie es schaffen, sich zu befreien und die Blutung zu stillen oder sie würde hier sterben.
Das Na’vi Mädchen kämpfte verzweifelt die Wellen der Panik nieder, die von ihr Besitz zu ergreifen versuchten. Tränen traten in ihre großen Augen und sie fing in all ihrer Qual an, zu weinen.
Noch einmal versuchte sie sich zu befreien, aber ihr fehlte einfach die erforderliche Stärke. Für einen Moment wurde ihr schwarz vor Augen und sie drohte die Besinnung zu verlieren. Fawn zwang sich dazu, gleichmäßig zu atmen. Vor ihren Augen tauchte das Antlitz ihrer Mutter auf, wie es ihr gütig zulächelte und ihre schlanken Finger strichen zärtlich über ihr Gesicht. Es war so real, dass sie vermeinte, die Berührung der Hände zu spüren. In einem grellen Nebel verging das Bild wie es gekommen war und ihr Vater erschien vor ihr. Sie sah sich mit ihm beim Bogenschießen, wie er anerkennend und voller Stolz auf seine hübsche Tochter ihre Treffsicherheit lobte. Wieder ein Farbwirbel und nun schob sich ihr wunderschöner Ikran ins Bild, das sie fast glaubte, ihn greifen zu können. Als erneut ein schmerzhaftes brennendes Gefühl durch ihr verwundetes Bein zog, verschwanden die Erinnerungen wie sie gekommen waren. Traurig wurde ihr bewusst, dass sie wohl mittlerweile schon Fieberträume erlitt. Eine Weile lag sie so schluchzend und zitternd da und versuchte krampfhaft, eine Lösung zu finden, während das Leben aus ihrem Körper wich und sie immer schwächer wurde. Ihr Bogen! Siedendheiß kam ihr der Gedanke, berührte sie wie eine wage Hoffnung und sie fing verzweifelt an, um sich herum den Boden abzusuchen. Mit der Sehne würde es ihr vielleicht gelingen, das Bein abzubinden und die Blutung zu stillen. Fawn drehte sich herum, konnte ihn aber erst nirgends entdecken. Dann endlich sah sie ihn am Rande der Hügelkuppe im feuchten Moos liegen. Er musste bei ihrem Sturz ein ganzes Stück den Hang hinuntergerutscht sein und war damit völlig außerhalb ihrer Reichweite. Voller Kummer rollte sie sich wieder auf den Rücken, während ihre Augen sich erneut mit Tränen füllten.
Mit der Erkenntnis, dass der blaue Himmel über ihr wohl das Letzte wäre, was sie in ihrem Leben sehen würde, fing sie an, zu Eywa zu beten.

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Als er die Anhöhe schon fast erreicht hatte, drangen fremdartige Worte an sein Ohr, nicht laut ausgesprochen, eher wie ein Flüstern das immer wieder von gelegentlichen Schluchzen unterbrochen wurde. Der Söldner vernahm das Wort “Eywa”, dessen Bedeutung sich ihm jedoch nicht erschloss. Brian legte die letzten Meter zur Kuppe des Hügels zurück, während er fast schon routinemäßig seine Waffe entsicherte. Sollten sich dort Ureinwohner versteckt halten, würde er ihnen nicht unvorbereitet entgegentreten. Was er jedoch erblickte, ließ jeden Gedanken an einen Kampf schlagartig in den Hintergrund treten.
Vor ihm auf dem dicht bewachsenen Waldboden lag völlig regungslos eine Na’vi, um deren Beine sich eine kleine Blutlache gebildet hatte. Er erkannte sofort, dass das arme Geschöpf einer der Fallen, die rund um den Stützpunkt ausgebracht worden waren, zum Opfer gefallen war. Ohne seine Hilfe würde es wohl nirgendwo mehr hingehen und entweder verbluten oder irgendwann jämmerlich verhungern und verdursten. Das Mädchen war deutlich kleiner, als alle Na’vi, die er bisher gesehen hatte, wenngleich immer noch imposanter als jeder Mensch und schien ihn nicht einmal zu bemerken, denn ihre Blicke waren zum Himmel über ihnen gerichtet.
Brian trat vorsichtig, dabei jegliche hektische Bewegung vermeidend, an das blauhäutige Geschöpf heran, um es nicht noch weiter zu ängstigen. Eine Gefahr schien nicht von ihr auszugehen, trotzdem behielt er die Waffe zur Sicherheit in der Hand, ohne sie jedoch direkt auf das Wesen zu richten.

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Ein Geräusch in unmittelbarer Nähe riss Fawn aus ihrer Verzweiflung. Sie hatte gar nicht bemerkt, wie sich ihr der Himmelsmensch genähert hatte, ein Zeichen dafür, wie benebelt ihre Sinne mittlerweile waren und nun stand er mit gezogener Waffe vor ihr und blickte auf sie herab. Instinktiv bleckte sie die Zähne und fauchte ihn an, was sie im selben Moment auch schon wieder bedauerte. Bei allen Dämonen, was tat sie denn da? Wenn der Himmelsmensch sie für bösartig hielt und als Bedrohung einstufte, würde er sie auf der Stelle töten. Allen widersprüchlichen Gefühlen zum Trotz hatte Fawn erkannt, dass er ihre einzige Chance war, wollte sie am Leben bleiben. Sie formte ein Wort mit ihren Lippen, “Srung” und deutete mit einer Hand auf ihr verletztes Bein, in der Hoffnung, dass er sie verstand und als er nicht reagierte, sagte sie es noch einmal, “Srung sivi oeru rutxe” mit aller Deutlichkeit.
Brian lauschte den fremdartigen Worten, konnte aber nichts damit anfangen, allerdings war die Geste des Mädchens eindeutig. Er sicherte seine Pistole und steckte sie in das Halfter zurück dann kniete er sich vor ihr nieder und betrachtete ihre Verletzungen. Es waren hässliche Wunden, welche stark bluteten und ihm kamen erste Zweifel, ob er ihr mit seiner Ausrüstung überhaupt würde helfen können. An ihrem Gesichtsausdruck, den geweiteten Augen und der heftigen Atmung entnahm er weiterhin, dass sie unter Schock stand.
Fawn kam zu Bewusstsein, dass der Soldat wohl ihre Sprache nicht verstehen konnte, also versuchte sie sich an das zu erinnern, was sie gelernt hatte. Etwas unsicher sagte sie, “Bitte hilf mir” und zeigte wieder auf die Falle, während Tränen über ihr Gesicht liefen.
Als Brian die Worte vernahm, fuhr er zusammen und starrte das Mädchen überrascht an. “Verdammt, Du sprichst ja unsere Sprache.” Fawn seufzte kurz auf und sagte dann mit den ihr ungewohnten Worten und zittriger Stimme, “Wirst du mir helfen oder tötest du mich?” Brian wurde es heiß und kalt zugleich. Er war zwar ein Söldner, doch hatte er nie Hand an Frauen oder Kinder gelegt und zum Teufel, er würde heute nicht damit anfangen. Die Situation fing Brian auch langsam an zu überfordern. Er hasste eilige Entscheidungen und betrachtete ein Problem gerne von allen Seiten, bevor er eine für ihn befriedigende Lösung fand, eine Eigenschaft die von einigen seiner Artgenossen, öfters als Dummheit ausgelegt wurde. Diesmal, so erkannte er in aller Klarheit, blieb keine Zeit für lange Überlegungen. Eilig kramte Brian in seinen Taschen herum und fingerte aus der Notfallausrüstung Verbandsmaterial hervor, welches er vor sich ablegte, während das blauhäutige Wesen ihm dabei zusah. Dann wandte er sich wieder dem für ihn so fremdartigen Geschöpf zu.
In seinem Hirn hämmerte es im Hintergrund unaufhörlich, “Was tust du da ? Sie gehört zu jenen, die den Stützpunkt überfallen haben. Du musst sie töten“, allerdings sprach sein Herz eine andere Sprache als sein Verstand und so beschloss Brian, sich von seinen Gefühlen leiten zu lassen. Er sah ihr in die tränengetrübten Augen und hoffte, dass sie ihn verstand, “Was ich jetzt mache, wird sehr weh tun. Beiß einfach die Zähne zusammen und versuche, dein verletztes Bein still zu halten. Vertrau mir.” Brian betrachte kurz den heimtückischen Mechanismus, dann packte er eine zahnbesetzte Klammer der Falle und zog an ihr mit beiden Händen, während er mit aller Kraft seine Beine gegen die andere stemmte, um sie auseinander zutreiben. Ein Zittern ging durch den Körper des Na’vi Mädchens, während ein schmerzerfüllter Aufschrei ihrer Kehle entfuhr. Schweißtropfen bildeten sich auf Brians Stirn ob der gewaltigen Anstrengung, doch mit eiserner Willenskraft schaffte er es nach einer gefühlten Ewigkeit, ihren Fuß zu befreien. “Los jetzt, zieh ihn heraus, beeil dich”, brachte er mit einem Keuchen grade noch hervor. Dabei hoffte er inständig, dass ihr Knöchel nicht von der Falle zerschmettert wurden war.
Fawn dachte im ersten Augenblick, ihr Bein würde auseinander gerissen, als sich die Metallzähne aus ihrem Fleisch lösten und ihren Fuß freigaben.
Mit der drohenden Bewusstlosigkeit und aufsteigender Übelkeit kämpfend, zog sie vorsichtig ihr Bein aus der Falle und sank dann wieder zu Boden, wo sie schwer atmend und völlig erschöpft liegen blieb, während rote Schleier vor ihren Augen tanzten. Insgeheim dankte sie überglücklich Eywa für ihre wundersame Rettung. Brian griff sich ohne weiteres zögern die zurecht gelegten Bandagen und begann geschickt damit, die Wunden des Mädchens fest zu verbinden. Fawn zuckte bei der Berührung durch seine Hände im ersten Moment zusammen und fauchte ein “kehe!” hervor, doch unterdrückte sie rasch ihre instinktive Abwehrhaltung gegenüber dem Himmelsmenschen und ließ ihn gewähren.
Mittlerweile war sie auch zu schwach geworden, um noch ernsthaft an Widerstand gegenüber dem so unendlich fremden Wesen, das ihr zu helfen versuchte, denken zu können. Ohne das sie es merkte, ergriff eine tiefe Ohnmacht von ihr Besitz, geboren aus Erschöpfung und dem starken Blutverlust. Brian nahm nervös zur Kenntnis, wie der Körper des Mädchens erschlaffte, hielt jedoch nicht inne und Verband das Bein fachmännisch zu Ende. Er hatte in seiner Laufbahn gelernt, mit Verletzungen umzugehen, eine Fähigkeit, die sich  als überlebenswichtig erwies. Zufrieden betrachte er schließlich seine Arbeit und ließ sich verschwitzt und völlig erschöpft, vor der jungen Na’vi nieder.
Zum ersten mal seit er die Anhöhe betreten hatte, nahm er sich die Zeit, das Mädchen genauer zu betrachten. Auf der Erde hätte sie als exotisch, wenn nicht sogar hübsch gegolten und auf eine Art die sich der Söldner nicht zu erklären vermochte, zog ihn das Wesen mehr und mehr in seinen Bann, je länger er es beobachtete. “Was mache ich nun mit dir….” sagte er mehr zu selbst. Ins Lager gehen und Hilfe anfordern verbot sich von allein. Brian sah schon das widerlich grinsende Gesicht des Doktors vor sich, wenn er die junge Na’vi in seine schmierigen Hände bekam. Auch der Lagerkommandant würde ihr wahrscheinlich eher eine Kugel verpassen, als sich ernsthaft für ihre Genesung zu interessieren.
Sein Blick wanderte über den Körper des Mädchens und blieb dann wieder an ihrem verbundenen Bein haften. Soweit er es hatte feststellen können, schienen die Knochen nicht ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen wurden zu sein. Wenn sie aufstehen konnte… ein oder zwei Tage Ruhe und sie würde es vielleicht wieder zurück zu ihrem Stamm schaffen. Es widerstrebte ihm sie nun allein ihrem weiteren Schicksal zu überlassen. Brian überprüfte geflissentlich sein Chronometer dann sah er wieder nach dem regungslosen Mädchen. Er hatte noch genug Zeit, bevor er sich auf den Rückweg machen musste und so kauerte der Hüne von Mensch neben dem fremden Wesen, wie ein eherner Wächter und wartete.
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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #2 on: March 08, 2011, 05:37:33 pm »
Fawn erwachte aus ihrer tiefen Bewusstlosigkeit und probierte, sich aufzurichten, wobei sie sich auf ihre Hände abstützte. Es bereitete ihr im ersten Moment Schwierigkeiten und immer noch verspürte die Jägerin brennende Schmerzen. Um sie herum waren nur die Geräusche des Urwaldes zu vernehmen und so versuchte das Mädchen noch völlig benommen, sich zurecht zu finden. Besorgt sah sie an sich herunter auf ihr Bein, das von Bandagen umwickelt war und sofort entspannten sich ihre verkrampften Muskeln wieder. Der Himmelsmensch hatte Wort gehalten und ihr nichts angetan, im Gegenteil: Die Blutung war zum Stillstand gekommen, wenn sie von den stellenweise dunkelrot gefleckten Verbänden absah. Fawn schaute sich um und entdeckte ihren Retter in der Nähe sitzend, wo er in Gedanken versunken, mit einem Ast Kreise in den weichen Waldboden zeichnete. Neben dem Söldner lag ihr schöner Jagdbogen, den sie aus einem Stück Holz des Kelutral gefertigt hatte. Er schien noch nicht bemerkt zu haben, dass sie wieder erwacht war.
“Wie heißt du, Himmelsmensch?” Fawn kamen ihre eigenen Worte, in diesem Moment so unendlich fremd vor. Das Sprechen fiel ihr sichtlich schwer und ihr Mund fühlte sich völlig ausgetrocknet an.
Brian zuckte zusammen, als er die Stimme vernahm, wobei seinen Händen der Ast entglitt und wandte sich dem Mädchen zu. “Brian… du kannst mich Brian nennen”, kam die zögerliche Antwort, während er fieberhaft überlegte, wie lange sie ihn schon mit ihren gelben Augen beobachtete. Insgeheim ärgerte er sich über seine mangelnde Wachsamkeit.
Fawn nahm den Klang seiner Stimme in sich auf. Brian, das hörte sich merkwürdig an, aber irgendwie gefiel es ihr auch. “Ich nenne mich Fawn”, sagte das Mädchen, während es vorsichtig versuchte, sich zu erheben.
“Lass das…”, erschrocken sprang Brian blitzschnell an ihre Seite und drückte sie sanft wieder zu Boden, was ihm bei ihrer Schwäche nicht sonderlich schwer viel. “Du darfst jetzt nicht aufstehen, oder willst du das deine Wunden wieder aufreißen…”
Auch ohne diesen Hinweis hätte Fawn es nun gemerkt, denn ein stechender Schmerz zog durch ihr Bein hoch und ließ sie aufstöhnen.
Brian überprüfte eilig die Verbände, während er versuchte, beruhigend auf die junge Jägerin einzusprechen.
“Fawn… das klingt hübsch”, erwiderte Brian. “Was hattest du eigentlich ganz allein, hier draußen vor?”
Sie antwortete nicht auf die Frage, sondern meinte zu ihm mit dünner zittriger Stimme.
“Bitte Himmelsmensch… Brian… kannst du mir nicht helfen, aufzustehen?” Brian sah sich um, strich dabei mit den Fingern durch sein kurz geschorenes Haar und schließlich kam ihm eine Idee. Entschlossen trat er hinter das Mädchen und bückte sich, wobei er sie vorsichtig an den Schultern packte. “Komm, ich helfe dir dort rüber zu dem Stamm.” Er zeigte auf einen der vielen hohen Tigerzahn-Bäume, die um sie herum aufragten.
Fawn war erst überrascht, fasste sich aber schnell und unterstützte Brian so gut es ging. Gelegentlich stöhnte sie auf, wenn ihre Beine über eine Wurzel oder einen Stein gezogen worden. Als Fawn endlich den Astlosen Stamm hinter ihrem Rücken spürte, fühlte sie sich gleich wohler. Auf dem Boden liegend, war sie sich so hilflos vorgekommen.
“Irayo… Brian… “ sagte sie fast schüchtern und schlug die Augen nieder. “Warum… tust du das alles für mich?”.
“Du hast mich darum gebeten und was hätte ich denn sonst tun sollen? Ich konnte dich nicht einfach sterben lassen.” Er nahm die Atemmaske herunter und wischte sich den Schweiß ab, der sich auf seiner Stirn bildete und Anstalten machte, herabzutropfen.
Obwohl Fawn die Situation körperlich wie auch seelisch alles abverlangte, nahm sie ihren Mut zusammen und begann ihren unfreiwilligen Retter eingehender zu betrachten. Dabei versuchte sie, den aufmerksamen Blicken aus seinen Augen nicht auszuweichen. Ungeachtet der Schmerzen, erwachte ihre unbändige Neugier wieder zu neuem Leben.
“Was ist das für eine merkwürdige Maske, die du ständig trägst?” Brian zeigte ihr das handliche Exopack, welches durch einen kleinen Schlauch mit der Atemmaske verbunden war. “Eure Luft ist für uns nur bedingt atembar. Ohne dieses Gerät werden wir nach kurzer Zeit bewusstlos und ersticken schließlich.” Unentschlossen sah er das blauhäutige Wesen an, nahm zögernd die Maske erneut ab und hielt sie ihm hin.
Fawn befühlte das merkwürdige Material, das für sie genauso seltsam war, wie die restliche Ausrüstung des Himmelsmenschen. Gerade als er die Schutzmaske wieder aufsetzen wollte, ergriff sie seine Handgelenke und hielt sie fest. “Warte bitte… kannst du das?”
Brian war den Bruchteil einer Sekunde erschreckt, nickte dann aber verwundert und hielt weiter die Luft an. Er spürte ihre Berührung, als sie mit ihren großen schlanken Händen neugierig sein Gesicht betastete und mit den Fingerspitzen entlangfuhr.
Der Söldner empfand es nicht als unangenehm und als das Mädchen kurz darauf ihre Finger wieder zurückzog, setzte er sprachlos die Maske auf und holte erst einmal tief Luft.
Gedanken schossen ihm dabei durch den Kopf, wann ihn in all den vergangenen Jahren überhaupt jemand auf diese Art berührt hatte, doch vermochte Brian sich nicht daran zu erinnern. In seinem Leben war einfach immer zu wenig Platz für Gefühle oder gar eine Beziehung gewesen.
Fawn betrachtete in noch eine Weile schweigend, dann ließ sie sich - sichtlich gezeichnet von den erlittenen Strapazen - gegen den harten Stamm des riesigen Baumes sinken.
“Hast du etwas Wasser für mich? Ich fühle mich völlig ausgetrocknet.” Brian verwünschte sich im selben Augenblick, das er nicht schon längst daran gedacht hatte. “Natürlich… warte einen Moment.” Eilig löste er die Feldflasche an seinem Gürtel und reichte sie der Jägerin, was diese mit einem freudigen Aufleuchten ihrer Augen quittierte und daraus trank.
“Du bist so anders, Himmelsmensch. Zumindest entsprichst du nicht den Tawtute in den Erzählungen meiner Brüder und Schwestern. Ich danke dir… Brian.” Bevor er etwas erwidern konnte, riss ihn das Geräusch eines startenden Hubschraubers der nahe gelegenen Basis aus seinen weiteren Überlegungen. “Ich muss zurück, sonst bekomme ich mächtigen Ärger”, sagte Brian nach einem Blick auf das Chronometer. Über Wurzeln und herumliegendes Geäst hastend, suchte er die verbliebene Ausrüstung der Ureinwohnerin zusammen und legte alles neben ihr ab. “Du vertraust mir?” fragte Fawn erstaunt, als sie unter anderem Bogen und Pfeile zurück erhielt. Brian nickte ihr nur kurz zu. “Glaub mir, wenn ich es nicht tun würde, wärst du jetzt tot. Du wirst deine Waffen vielleicht in der Nacht brauchen. Ich komme morgen wieder und sehe nach dir. Die Feldflasche kannst du erstmal behalten und…” damit deutete er auf ihre mitgebrachte Nahrung, “…das sollte erstmal genügen.”
Brian legte behutsam eine Hand auf ihr verletztes Bein und versuchte der Na’vi ein aufmunterndes Lächeln zu schenken, was ihm aber, ihrem Gesichtsausdruck nach, gänzlich misslang. “Bitte geh nicht…”. Ihre sanfte Stimme war mehr ein Hauch, dennoch reichte es, ihn in seinen Grundfesten zu erschüttern und zwiespältige Gefühle hervor zurufen. “Ich komme zurück… Fawn… versprochen.” Er riss sich von ihrem Anblick los, eilte den Hang hinab, ohne sich nochmals umzusehen und war bald aus ihrem Blickfeld entschwunden. Seufzend griff Fawn nach dem Bogen und ließ ihn auf ihren Oberschenkeln aufliegen, dabei die Umgebung in Augenschein nehmend. Hier in der Nähe zu den Himmelsmenschen, sollte ihr keine unmittelbare Gefahr durch wilde Tiere drohen, doch man konnte nie sicher sein. Sie betrachte das verletzte Bein, fuhr mit einer Hand über die ungewohnten Bandagen auf ihrer Haut und war sichtlich erleichtert, dass kein weiteres Blut durch die Verbände gesickert war. Der Himmelsmensch hatte gute Arbeit geleistet, auch wenn immer noch ein schmerzhaftes Ziehen und Brennen von ihren Verletzungen ausging. Langsam breitete sich die Nacht wie ein dunkler Mantel über dem Urwald aus, der jedes Licht zum Erlöschen brachte. Zusammen mit der Finsternis begann hingegen auch das unwirkliche Leuchten und Glühen der sie umgebenden Pflanzen, Wurzeln und Moose hervorgerufen durch die Biolumineszens und verwandelte alles mit seinen seltsamen und zauberhaften Farbenspielen.
Fawn war weder hungrig noch besonders durstig, aber zunehmend machte ihr die Müdigkeit zu schaffen. Immer wieder riss sie sich zusammen, während ihre Augenlider schwerer wurden, doch schließlich siegte die Erschöpfung über ihren Körper. Das Mädchen sackte zusammen und fiel ohne es verhindern zu können, in den Schlaf.

***************************************************

Brian schlief die Nacht überaus schlecht und rollte sich von einer Seite des unkomfortablen Bettes auf die andere, wobei er mehrmals aufwachte. Innerhalb der Baracke war im halbdunkel nur das vereinzelte Schnarchen der anderen Männer zu vernehmen. Seine ruhelosen Gedanken kehrten zu dem blauhäutigen Wesen zurück, welches er dort draußen, wenn auch nur widerwillig, sich selbst überlassen hatte. Er versuchte sich vorzustellen, ob sie vielleicht Angst so völlig allein in der Dunkelheit und fern von Zuhause hatte. Brian gestand sich ein, dass er sich in ihrer Situation zumindest sehr unwohl fühlen würde, was ihn auch nicht zur Ruhe kommen ließ. In seinem Geiste erschien ihr Gesicht vor seinen Augen, welches ihn voller Neugierde anschaute…

Am nächsten Morgen wachte Brian völlig erschlagen auf. Schließlich hatte ihn doch noch der Schlaf übermannt, auch wenn es nur eine kurze Phase der Ruhe gewesen war. Nach einer kurzen Dusche betrat er immer noch gerädert, im Gefolge der anderen Marines und des wenigen verbliebenen Stützpunktpersonals die Kantine.
Sein Freund Jenkins erwartete ihn schon in voller Kampfmontur, mit einem übertrieben selbstsicheren Grinsen auf dem Gesicht.
“Na, ausgeruht mein Bester? Irgendwie siehst du aus, als ob du die ganze Nacht durchgezecht hättest. Also wenn… dann musst du mir unbedingt sagen, woher du den Stoff hast.” Jenkins nahm die Füße vom Stuhl und schob ihn Brian zu. Lustlos besorgte sich der Söldner ein Tablett, worauf er das karge Frühstück an der Essensausgabe parkte und ließ sich dann vor Jenkins auf den Stuhl fallen.
“So und jetzt erzähl mal Onkel Jenkins, wo der Schuh drückt”, meinte dieser mit einem erwartungsvollen Gesichtsausdruck.
Brian raunte ihm kauend zu, “Nicht hier Jenkins. Lass mich Essen und danach suchen wir uns einen Fleck, wo wir ungestört reden können. Glaub mir… das ist besser… für uns beide.”
Jenkins zuckte nur mit den Schultern. “Ganz wie du willst. Das muss ja eine unglaubliche Geschichte sein, wenn du so geheimnisvoll tust. Na meine ungeteilte Aufmerksamkeit ist dir sicher.” Damit ließ er wieder sein leicht debiles Grinsen sehen, welches gelegentlich über seine wahre Intelligenz hinwegtäuschte. Nachdem Brian die letzten Bissen herunter geschlungen hatte, verließen die beiden ohne ein Wort das kleine Gebäude und suchten nach einem Platz, wo sie niemand belauschen konnte. Im Schutz einiger alter Lagerschuppen wähnten sie sich schließlich sicher. In diesen Teil des Stützpunktes verirrte sich selten jemand und nur entfernt, waren gelegentlich Stimmen zu vernehmen.
Brian überlegte, wo er beginnen und was er überhaupt preisgeben sollte, entschied sich dann aber für die Wahrheit.
Er kannte Jenkins lange genug, um ihm vertrauen zu können und letztendlich brauchte er seine Hilfe.
Während Brian das Erlebte schilderte, wurden die Augen des Gefreiten immer größer, bis er ihn schließlich unterbrach.
“Oh Mann… ist das wirklich dein Ernst, Brian?” Jenkins schluckte deutlich vernehmbar, dann sah er seinen Freund eine Weile schweigend an.
Fast schon verschwörerisch schaute Jenkins sich schließlich um. “Vorsichtig Brian, wenn der Oberst Wind davon bekommt, über was wir hier reden, dann erhalten wir schneller ein Ticket für unsere eigene Hinrichtung, als uns lieb sein kann. Im besten Fall eine Kugel in den Kopf oder vielleicht landen wir auch einfach nur auf den Labortischen dieses irren Doktors.”
Mit ernster Miene betrachte er erst Brian, dann seine Hände, als ob sich aus diesen neue Erkenntnisse ziehen ließen.
“Also gut ich helfe dir unserer Freundschaft willen, aber zu keinem ein Wort, das dass klar ist.”
Brian atmete erleichtert auf. Die schwerste Hürde, dem Na’vi Mädchen zu helfen, schien erst einmal geschafft zu sein.
Er teilte Jenkins mit, was er an frischen Verbandsmaterial alles benötigte, mit der Bitte, es für den Mittag bereit zuhalten. Für Brian war es unmöglich daran zu kommen, ohne das der Doktor unangenehme Fragen stellen würde. Dann trennten sie sich.
Die Zeit ihm Hangar zog sich endlos dahin, jedenfalls kam es Brian so vor und immer wieder wanderten seine Blicke ruhelos auf das Chronometer, während er seine Arbeit verrichtete.
Nach dem Mittagessen, welches er hastig mit ein paar Angehörigen des Hangarpersonals einnahm, packte Brian seine Ausrüstung und eilte zum Ausgang des Lagers, wo Jenkins ihn bereits erwartete.
“Hier ist alles drin, was du mir aufgetragen hast Brian. Sag jetzt nichts und egal, was du vorhast, pass auf dich auf.” Mit diesen Worten reichte er dem Söldner einen Beutel, den Brian sogleich an seinem Gürtel befestigte. “Danke mein Freund… aber noch eines… deine Wasserflasche, gib sie mir.” Jenkins schaute nur kurz verwundert, dann nickte er in jäher Erkenntnis und reichte sie Brian. “Die brauche ich aber heute Abend wieder zurück. Du weißt, wie die Leute aus der Ausrüstungsabteilung reagieren, wenn etwas verloren geht. Viel Glück mein Freund.” Damit wandte er sich ab und kehrte auf seinen Posten zurück.

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Fawn versuchte etwas unbeholfen, sich zu erheben, während die ersten wärmenden Sonnenstrahlen noch vorhandene Reste der Müdigkeit aus ihrem Körper vertrieben. Doch so sehr sie sich auch bemühte, das bandagierte Bein nicht unnötig zu belasten, es wollte ihr nicht gelingen. Schließlich gab sie auf, auch aus Furcht, dass die Wunden wieder anfangen könnten zu bluten. Enttäuscht ließ sie sich auf ihr Hinterteil nieder, während ihr langer Schwanz hin und her huschte und ihrer inneren Anspannung Ausdruck verlieh.
Die Ungewissheit, ob und wie sie wieder zu ihren Angehörigen zurück kehren sollte, ließ ihr kaum eine ruhige Minute. Auch was den Himmelsmenschen betraf, war sie noch zu keinem eindeutigen Entschluss gelangt. Sicher… er hatte versprochen wieder nach ihr zu sehen, aber würde er das auch und konnte sie ihm überhaupt soweit vertrauen? Gelegentlich drangen die für sie so fremdartigen Geräusche des nahen Forschungsstützpunktes, an ihre sehr feinen und empfindlichen Ohren.
Fawn begann die restlichen in essbare Blätter eingewickelten Früchte und Samenkörner zu verzehren und nachdem sie ihren Hunger gestillt hatte, beschloss das Mädchen auf den Himmelsmenschen zu warten. Sollte er bis zum Nachmittag nicht erscheinen, würde sie sich etwas einfallen lassen müssen.

***************************************************

Brian erreichte schließlich die Anhöhe, wobei er sich mehrmals umschaute, ob ihm auch niemand folgte. Völlig achtlos trat er dabei auf Wurzeln und herab gefallene Äste, welche unter seinen Stiefeln ein lautes Knacken von sich gaben.
Sie musste ihn wohl schon von weitem kommen gehört haben, denn unsicher hielt sie ihren Bogen auf seine Position gerichtet.
Als Fawn ihn erkannte, entspannte sie sich und legte rasch die Waffe nieder, dabei den Himmelsmenschen erwartungsvoll ansehend. “Oel ngati kameie, Brian”, sagte Fawn zu ihm als Begrüßung, wobei sie eine Geste mit der Hand zu ihrer Stirn machte. Brian erahnte mehr die Bedeutung ihrer Worte, als das er etwas verstand und nahm an, dass sie wohl erleichtert war, ihn wieder zusehen.
Etwas verlegen und nicht sicher, wie er ihr begegnen sollte, nickte Brian der Na’vi zu und schaute nach den Verbänden an ihrem Bein, wobei ihm auffiel, dass das Mädchen diesmal nicht abweisend auf seine Berührung reagierte.
Voller Interesse schaute Fawn dem Himmelsmenschen dabei zu, wie er vorsichtig die verschmutzten Verbände abwickelte und durch frische ersetzte. Nur gelegentlich zuckte sie zusammen, wenn eine Faser der Bandagen durch das getrocknete Blut mit ihrer Haut verklebt war.
“Wie fühlst du dich… Fawn? Hast du etwas schlafen können?”
Brian war besorgt, denn die Wunden sahen immer noch furchtbar aus und er wusste nicht, wie er ihr sonst helfen sollte.
Fawn winkelte das verletzte Bein an, damit Brian den Verband besser anlegen konnte. “Srane… eigentlich habe ich erst versucht wach zubleiben, aber die Erschöpfung war einfach zu groß.”
Fawn sah ihm an, dass etwas nicht stimmte und legte nach kurzen Zögern eine Hand auf seine Schulter.
“Was ist Brian? Heilen die Wunden nicht?”
“Na ja… nicht so schnell, wie ich gehofft hatte… wenn ich nur… ach verdammt. Wir müssen uns etwas einfallen lassen Fawn.”
Er zog die letzte Bandage straff, befestigte sie und packte die übrigen Materialien wieder in den mitgeführten Beutel.
“Wir haben für solche Verletzungen Wundsalben und verschiede andere Mittel, aber da ich nicht weiß, wie sie bei euch… dir… wirken, lassen wir das besser.”
“Tawtsngal”, sagte Fawn nach einigem Überlegen und zur Erklärung, als sie seinen fragenden Ausdruck sah, “du musst nach einer schalenförmigen Pflanze suchen Brian. Manche hängen an Bäumen, aber du wirst auch einige in Bodennähe finden. Hier… fülle es mit der Flüssigkeit.” Fawn reichte ihm die leere Wasserflasche.
Brian hakte den Behälter an seinen Gürtel und gab ihr die andere Wasserflasche. “Was bewirkt die Pflanze denn?”
Das Mädchen zwang sich trotz der ständigen Schmerzen zu einem Lächeln. “Sie hat Heilwirkung, Brian”.

Brian brauchte nicht lange, um das Objekt seiner Begierde zwischen den vielfältigen Schlinggewächsen und Bäumen zu finden. Allen Anschein nach waren diese Pflanzen wie eine Art Parasit und sehr zahlreich vertreten. Interessiert betastete er die Schale und tauchte einen Finger in die angesammelte Flüssigkeit, um ihre Konsistenz zu testen. Über das Ergebnis befriedigt, öffnete Brian den Verschluss der Wasserflasche und versuchte, die Flüssigkeit einzufüllen, was sich aber anfangs als komplizierter erwies als es aussah. Beim ersten Versuch lief das Meiste daneben und so drückte er die faserige Schale an einer Stelle des Randes soweit zusammen, dass sich ein kleiner Ausguss bildete. Innerhalb kurzer Zeit, wobei er mit jeder Pflanze geschickter wurde, war die Flasche gefüllt und Brian machte sich zufrieden auf den Rückweg. Nebenbei sammelte er noch Früchte und andere Dinge ein, von denen Brian glaubte, das sie vielleicht essbar wären. Da der mitgeführte Beutel zum Transport nur bedingt geeignet war, zog der Söldner seine Weste aus und wickelte alles darin ein. Er verließ sich darauf, das dass Mädchen wusste, was davon völlig ungenießbar war.
Fawn fuhr zusammen, als er den provisorischen Lagerplatz betrat. Sie war eingenickt, ein deutliches Zeichen für Brian, dass sie doch schwächer war, als sie selbst zugeben wollte.
“Hast du die Pflanzen gefunden?”. Ihre großen Augen blickten ihn hoffnungsvoll an. Als Erwiderung hielt er nur die Feldflasche hoch und warf sie ihr zu. Geschickt fing die Jägerin den Behälter auf und roch an der darin befindlichen Flüssigkeit. Nach ein paar Schlucken verzog sie angewidert die Mundwinkel. “Meine sa’nu sagt immer: Nur Medizin, die widerlich schmeckt heilt auch wirklich. Aber ich wusste nicht, dass es so schlimm ist.” Erstaunt sah sie in Brians leicht sprachloses aber auch grinsendes Gesicht. “Was hast du? Habe ich etwas falsches gesagt?” “Nein… nein… es ist nichts. Nur haben unsere Mütter auf der Erde so einen ähnlichen Spruch. Meinst du wirklich es hilft, wenn du es trinkst? Vielleicht sollte ich besser die Verbände damit tränken, wenn wir sie das nächste mal wechseln.”
Sie schaute Brian, belustigt an. “Warum denkt ihr Himmelsmenschen immer so kompliziert? Ich bin keine Schamanin, aber ich weiß was ich tue Brian.” Damit war für sie alles gesagt.
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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #3 on: March 08, 2011, 05:40:27 pm »
Schulter zuckend griff er nach dem Inhalt in seiner abgelegten Weste und breitete ihn vor ihr auf dem Waldboden aus.
Mehrere Sorten Früchte, Samenkörner und sogar eine Art Gemüse warteten darauf, von Fawn begutachtet zu werden.
Aufs höchste konzentriert, sortierte die Jägerin geschickt alles aus, was völlig ungenießbar oder sogar giftig war. Auch ein paar Körner und Früchte, die sie nicht kannte, lehnte sie ab und warf sie achtlos ins Gebüsch.
“Das ist sehr beeindruckend…. für einen Himmelsmenschen. Irayo , ma Brian.” Der Söldner sah aufmerksam dabei zu, wie sie alles überprüfte. Allerdings war für ihn nicht ersichtlich, woran das Mädchen die giftigen Sachen erkannte. Ihm war bekannt, dass die Menschen vieles aus der Fauna und Flora Pandoras verwendeten, anders wäre ein Überleben auf dem Mond längst nicht mehr möglich gewesen. Aber Brian hatte sich nie so recht dafür interessiert. Aufgefallen war ihm, dass sie ihn diesmal irgendwie anders angesprochen hatte. Auch erschien Fawn ihm nun viel lebhafter, was wohl nicht allein der Verdienst des Heilmittels sein konnte. Mittlerweile war es später Nachmittag geworden, wie ihm ein Blick auf den Zeitmesser zeigte.
“Ich muss meine Runde beenden und dann zur Basis zurückkehren Fawn. Es ist besser wenn niemand etwas bemerkt.” Brian erhob sich und legte seine durch die teils klebrigen Früchte verschmutzte Weste wieder an.
“Werde ich dich morgen wieder sehen?” Fawn sah ihn mit ihren großen Augen an, die Brian jedes Mal aufs Neue faszinierten.
“Sicher, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Sei ohne Furcht, ich lasse dich nicht im Stich… und schone dein Bein.” Er überlegte einen Augenblick, ob er noch etwas sagen sollte, entschied sich dann aber zu gehen. Fawn verabschiedete ihn wieder mit der Geste zu ihrer Stirn und sah zu, wie er im dichten Unterholz des nahen Urwaldes verschwand.
Irgendwie wurde sie nicht schlau aus dem Himmelsmenschen. Auch ihre Gefühle hatten sich ihm gegenüber verändert und gingen weit über reine Dankbarkeit für seine Hilfe hinaus. Ihre Empfindungen für den Himmelsmenschen erschreckten sie und machten Fawn sehr nachdenklich.

***************************************************

Brian beendete wie jeden Tag seine Arbeit im Hangar der Basis. Gerade als er fertig war und ins Freie wollte, trat ihm Jenkins in den Weg und meinte spaßig “Na Kumpel, haben sie dich immer noch nicht erwischt?” Wie geht es überhaupt deiner neuen Errungenschaft?”
Brian starrte den Gefreiten völlig überrumpelt an und rang nach Worten, waren seine Gedanken doch längst wieder zu Fawn gewandert. Jenkins bemerkte das zögerliche Verhalten seines Freundes und rief überrascht aus.
“Brian, deine Augen, ich glaub das jetzt nicht oder ?” Mit einem ungläubigen Ausdruck im Gesicht schaute Brian ihn an, “Was soll damit sein Jenkins?”
“Hey jetzt komm schon Alter und verarsch mich nicht. Du bist verliebt. Ich fass es einfach nicht. Der Klotz von Söldner hat ein weiches Herz.” Brian drückte Jenkins beiseite und meinte im vorbeigehen Kopf schüttelnd. “Ich möchte jetzt nicht darüber sprechen. Wir unterhalten uns heute Abend, wenn ich wieder zurück bin.” Zielstrebig machte sich Brian davon, um Fawn aufzusuchen.

***************************************************

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Brian lernte viel über die sie umgebenden Pflanzen und Bäume von dem Na’vi Mädchen. So war es ihm möglich aufgrund der Beschaffenheit des Stammes, die Gel artigen Blätter der Wasserpflanze zu besorgen, mit deren Hilfe er ihre Schmerzen lindern konnte. Brian hatte sich gewundert, dass ihr dieser Einfall erst jetzt gekommen war, es aber dann auf ihre Verwirrung und die Umstände geschoben. Nach und nach wurde ihm jedoch klar, auf was für ein “Früchtchen” er unter den Na’vi getroffen war. Brian musste sich das Lachen verbeißen bei dem Gedanken und irgendwie machte es Fawn für ihn auch menschlich. Des weiteren gab es Blätter, die Wasser speicherten, was den Umweg über seine Feldflaschen nahezu überflüssig machte. Fawn brauchte sie nur auszusaugen, um ihren Durst zu stillen.
Wieder einmal war es spät geworden und die Dämmerung zog in der Ferne am Horizont herauf.
Fawn konnte schon relativ sicher auftreten, auch wenn Brian ihr immer noch besorgt zur Seite stand aus Angst, dass sie sich selbst überschätzte. “Sieh her Brian… ich kann wieder laufen. Nun kann ich endlich zu meinen Brüdern und Schwestern zurückkehren.” Sie tippelte aufgeregt über das Gras und die Freude darüber stand ihr ins Gesicht geschrieben. Brian fand, dass sie mit ihrem Lächeln noch hübscher aussah als sonst. Jenkins hatte wohl recht. Auf irgendeine Weise fühlte er sich zu der jungen Jägerin hingezogen. Ihre Ankündigung erfüllte ihn jedoch mit Trauer und es viel ihm schwer, sich ihr gegenüber nichts anmerken zu lassen.
Die beiden so ungleichen Wesen setzten sich zusammen ins Gras und Fawn legte behutsam ihre Hände auf seine Schultern. “Ich muss dich bald verlassen, ma Brian. Wie du dir denken kannst, wird es Zeit für mich, zu meinen Stamm zurückzukehren. Doch vorher möchte ich mich bei dir bedanken, dass du mein Leben gerettet hast.”
Überrascht und unfähig sich zu rühren, ließ er zu, wie sie fast zärtlich seine Atemmaske abnahm und ihn auf die Stirn küsste.
“Irayo ma Brian, Irayo für alles was du für mich getan hast.”
Fawn hatte lange überlegt, bevor sie sich zu diesem Schritt entschlossen hatte. Seltsamerweise war es ihr noch nicht einmal schwer gefallen. Sie empfand mehr für Brian als nur Dankbarkeit, was auch ein Grund dafür war, dass sie zurück musste. Im Kreise ihrer Stammesbrüder wollte sie sich erst einmal über ihre wahren Gefühle im klaren werden.
Brian nahm die Maske wieder an sich und setzte sie auf. Für einen kurzen Augenblick hatte er den seltsamen Geruch ihrer Haut wahrnehmen können, bevor er die Luft angehalten hatte.
Im nachhinein empfand er es als sehr aufregend und alles in ihm sträubte sich dagegen, sie gehen zu lassen. In einer fast schon unmenschlichen Anstrengung versuchte er, die Fassung zu wahren.
“Werde ich dich irgendwann wieder sehen Fawn?”
Das Mädchen schaute ihn nachdenklich an. “Ja ma Brian, das wirst du. Ich… verspreche es.” Sie hatte mit Absicht seine Ausdrucksweise gewählt, um ihm zu zeigen, wie ernst es ihr war.
“Ach Brian. Ich werde soviel Zuhause zu erzählen haben. Allerdings fürchte ich, dass mir nicht einmal meine Sa’nok glauben wird, wenn ich ihr von dir berichte.”
Nach allem, was er bisher von Fawn wusste, verwunderte Brian das nicht. Ihre unglaubliche Fähigkeit, sich und andere in Schwierigkeiten zu bringen und ihre fast schon naive Art, machte es ihren Stammesangehörigen bestimmt nicht leichter, sie ernst zu nehmen.
Brian entschied, dass es für heute das Beste wäre, sich von ihr zu verabschieden. Sein Kopf fühlte sich an, als ob er platzen würde und er musste auch noch die anderen Fallen inspizieren, bevor er zum Lager zurückkehren konnte.
Er erhob sich und strich ihr mit den Fingern durch ihr dichtes schwarzes Haar. Fawn zeigte keinerlei Spuren von Ablehnung oder Unbehagen, sondern schaute ihn nur aus traurigen Augen dabei an. Brian nickte ihr noch mal zu dann verließ er wortlos den Lagerplatz.
Noch lange nachdem er gegangen war und die Nacht schon hereinbrach hielt Fawn verträumt ihren langen Zopf in den Händen und spielte damit herum. Sie bedauerte es, sich nicht einfach mit Brian verbinden und seine Gedanken in sich aufnehmen zu können. Im nächsten Augenblick schüttelte Fawn entsetzt über ihre eigenen Vorstellungen den Kopf. Wie kam sie nur auf solch eine verrückte Idee? Dennoch, in ihrem Hinterkopf hielt sich dieser Wunsch hartnäckig, so sehr sie ihn auch zu verdrängen versuchte. Was war nur los mit ihr?
Fawn legte sich ins weiche Gras und versuchte, etwas zu schlafen. Im Morgengrauen würde sie aufbrechen und nach Hause zurückkehren.

***************************************************

Brian nahm entschlossen die Atemmaske vom Gesicht, schraubte den Filter ab und reinigte ihn im klaren Wasser, dabei das neben sich liegende Chronometer im Sichtfeld behaltend. In der letzten Nacht hatte er einen Entschluss gefasst, der sein bisheriges Leben wohl merklich verändern würde. Es war eigentlich ganz einfach, fast wie beim Waffen zerlegen. Immer wieder dieselben Handgriffe, bis jeder einzelne saß. Durch eine geschickte Atemtechnik konnte er mittlerweile über eine Minute die Luft anhalten und seine Zeit beim Zerlegen und Reinigen wurde immer besser. Jenkins trat an ihn heran, voller Verwunderung als er seinen Freund ohne Schutzmaske und völlig in seine Arbeit vertieft am Rande des Zaunes sitzen sah.
“Was tust du da Brian… bist du jetzt völlig übergeschnappt?”
Brian sah noch nicht einmal auf, beendete die Reinigungsübung und setzte die Atemmaske ohne eine Miene zu verziehen wieder auf. “Jenkins… diese Filter… sie müssen alle zwei Wochen gereinigt werden, richtig?” Total verdattert antwortete der Gefreite, “das stimmt… aber was hast du vor?”
Brian ignorierte die Frage und legte gelassen sein Chronometer an. “Theoretisch hält das Exopack ewig, soweit ich gehört habe.” Er baute sich vor Jenkins auf und ließ ihn nicht aus seinem Blick.
“Ja… eine der wenigen nützlichen Errungenschaften, die wir der RDA zu verdanken haben. Aber nun erzähl mir endlich, was das alles zu bedeuten hat.”
Die Mundwinkel des Söldners zuckten kaum merklich, “nach was sieht es denn aus Jenkins?”.
“Hm… also wenn du mich so direkt fragst, dann würde ich sagen, dass du nicht mehr ganz dicht bist”, antwortete Jenkins ohne zögern.
“Na vielen Dank. Du wolltest doch neulich wissen, was mit Fawn ist. Nun ich habe eine Entscheidung getroffen, Jenkins. Da sie nicht zu uns kommen kann, werde ich bei ihr Leben.”
Jenkins fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er die Worte des Söldners vernahm. “Du willst das wirklich durchziehen? Aber… ich meine… wie soll das gehen Brian?”
Brian sah ihn eine Zeit grübelnd an, bevor er schließlich antwortete. “Das weiß ich noch nicht Jenkins, sonst wäre mir auch bedeutend wohler, das kannst du mir glauben. Aber egal wie, ich werde einen Weg finden.”

Eine paar Stunden nach dem Gespräch mit Jenkins, erreichte Brian wieder die kleine Anhöhe. Doch so sehr er sich auch umsah, nirgends war eine Spur von Fawn zu entdecken. Verzweifelt rief er mehrmals ihren Namen, in der Hoffnung das sie in der Nähe durch den Dschungel streifte, um ihre wiedererlangte Beweglichkeit, zu genießen. Aber es erfolgte keine Antwort.
Aufgewühlt ließ er sich auf dem Moos nieder und betrachtete die Umgebung. Sie musste schon früh aufgebrochen sein und war wohl längst auf dem Weg zu ihrem, wie sie es genannt hatte, Heimatbaum. Er hätte ihr gerne gesagt wie sehr er sie liebte, doch hatte er sich letztendlich nicht getraut, was er nun bedauerte. Nach einer Weile erhob sich Brian und machte sich niedergeschlagen zur Basis zurück.
Insgeheim beschloss er, jeden Tag ihren kleinen Lagerplatz aufzusuchen, um zu sehen ob sie vielleicht ihr Versprechen wahr machte.

***************************************************

Fawn konnte im Moment die Nähe ihrer Stammesbrüder einfach nicht ertragen, wobei sie nicht einmal genau zu sagen vermochte, warum dem so war. Nachdem sie gestern den Kelutral erreicht hatte, war sie erst mit überschwänglicher Freude begrüßt worden. Die Schamanin hatte ihr Bein untersucht und ihr unangenehme Fragen gestellt. Aber Fawn schwieg zu allem eigensinnig und aus einem Schamgefühl heraus. Doch es hatte auch viele ernste Stimmen gegeben, die ihre Leichtsinnigkeit verurteilten und kein Verständnis für ihre unüberlegten Handlungen aufbringen konnten. So hatte Fawn der Mut verlassen und sie entschied, niemanden vorerst von dem Himmelsmenschen zu erzählen. Sogar vor ihrer Mutter, mit der sie sonst über alles reden konnte, verschwieg sie ihr Geheimnis, auch wenn es sie mit großer Trauer erfüllte, sich niemanden anvertrauen zu können.
Ihre Gedanken waren ständig bei Brian und obwohl es erst ein paar Tage her war, dass sie ihn verlassen hatte, wünschte sie sich nichts mehr, als ihn wiederzusehen. Um sich etwas abzulenken, entschied sich die Na’vi mit ihrem wundervollen Ikran einen Flug zu unternehmen, was ihr bisher jedesmal sehr viel Freude bereitet hatte.
Fawn stimmte ein paar Lockrufe an und nach wenigen Momenten tauchte durch das Blätterdach raschelnd ihr neuer Begleiter auf. Sie stellte mit ihrem langen geflochtenen Zopf Tsaheylu her, schwang sich geschickt auf den Rücken des großen Geschöpfes und mit kräftigen Flügelschlag glitt der Ikran durch die Lüfte. Doch irgendwie war heute alles anders als sonst, denn Fawn schaffte es nicht, klare Anweisungen gedanklich zu formulieren. Statt dessen dachte sie immer wieder an Brian, wie er sie angesehen hatte und… Fawn wollte es sich erst nicht eingestehen, was sie selbst in seiner Gegenwart empfunden hatte.
Mit einem wütenden Aufschrei stürzte sich der Ikran in die Tiefe, unfähig die auf ihn einströmenden Gefühle und Emotionen zu begreifen.
Fawn hatte alle Mühe, das gewaltige Flugtier wieder unter ihre Kontrolle zu bringen und zwang sich, in für ihren riesigen Begleiter verständlicheren Bahnen zu denken, um das arme Geschöpf nicht noch mehr zu verwirren. Als das junge Mädchen die Verbindung löste, hatte sie das untrügliche Gefühl, dass ihr Ikran froh darüber war, von ihrer Anwesenheit befreit zu sein. Fawn konnte es ihm nicht verübeln und schämte sich ein wenig, dass sie ihre Gedanken nicht im Zaum halten konnte.
Wütend über sich selbst kehrte das Mädchen zum Kelutral zurück.

***************************************************

Eine Hand legte sich von hinten sanft auf ihre Schulter und riss sie aus ihren Gedanken. “Was ist nur die ganze Zeit los mit dir Fawn?” Vorwurfsvoll sah ihr Bruder Iley auf sie herab, während er sie fest in seinen Griff hielt. Nur unwesentlich älter als Fawn, überragte er sie jedoch schon bei weitem, wie sie wieder einmal frustriert feststellen musste. “Das… kann ich dir nicht sagen" erwiderte sie trotzig. “Doch, das kannst du. Komm ma smuke und erzähle mir, was dich bedrückt.” Freundlich nahm er ihre Hände und führte sie zu der Stelle an der sich sein Herz befand. Überrascht sah sie in an. “Unser Ritual… jetzt und hier ?” Ihr Bruder nickte nur und legte seine Hände auf ihr Herz.
Irgendwann, vor Jahren, hatten sie beide es für sich erfunden, um sich besondere Dinge anzuvertrauen, von denen niemand anderer wissen sollte, wie in einer Art stiller Übereinkunft. Ein paar Na’vi Kinder rannten kichernd und lachend an ihnen vorüber und Fawn wartete seufzend, bis sie außer Hörweite waren. “Ich bin verliebt, Iley.”
Er zeigte keinerlei Regung, sondern fragte völlig ruhig, “Wer ist es Fawn”?
“Nein nicht so wie du denkst. Es ist… ein… ein Himmelsmensch!” Fawn spürte, wie ihr die Röte ins Gesicht stieg und beobachtete gespannt das Gesicht ihres Bruders.
Seine Hände lagen immer noch auf ihrem Herzen. “Hast du… habt ihr beide euch…”, “Kehe!… Nein habe ich nicht.” Sie ließ den Rest unausgesprochen, während ihre Augen feucht wurden. “Aber ich… ich kann an nichts anderes mehr denken.” Fawn fing an, sich zu schämen und gleichzeitig wurde das Verlangen nach Brian in ihr unerträglich, wie ein Feuer, dass sie von innen heraus zu verzehren drohte.
Seine Augen weiteten sich unmerklich. “Das wird Mutter überhaupt nicht gefallen, aber es steht mir nicht zu, deine Entscheidung anzuzweifeln.”
Fawn zuckte bei der Erwähnung ihrer Sa’nok zusammen. “Bitte… du darfst es ihr nicht erzählen… noch nicht.”
Er verstärkte etwas den Druck mit seinen Fingerspitzen über ihrem Herzen. “Kein Wort wird über meine Lippen kommen, ma smuke.” Fawn war sichtlich beruhigt, ihr Bruder würde sie nicht verraten. “Du bist dir darüber im klaren, dass du nie eigene Kinder haben wirst… ich meine…”. In Fawn rührte sich wieder der Trotz. “Ich bin nicht dumm, ma smukan, glaubst du, ich wüsste das nicht?”, erwiderte sie mit einem Fauchen und heftiger, als eigentlich beabsichtigt. Ihr Bruder schüttelte leicht den Kopf und sah sie mit einer Wärme und Herzlichkeit an, dass es Fawn durch und durch ging. “Nein ma smuke, dumm bist du wirklich nicht. Ich wollte nur sichergehen.” Sie nahm ihre Hände herunter und knuffte ihn verspielt in die Seite. “Ich liebe Brian… aber warum erzähle ich dir das eigentlich alles…”.
Er schnappte das Mädchen, warf sie zu Boden und im nächsten Moment rollten sie sich lachend und quietschend vor Vergnügen auf dem Waldboden herum. Nach einer Weile blieben die beiden blauhäutigen Wesen erschöpft und völlig außer Atem nebeneinander im Gras liegen. Nicht so wild Iley, denke bitte an mein Bein.” Schuldbewusst schaute ihr Bruder auf ihre Narben, welche die Falle hinterlassen hatte. Bei ihrem Anblick lief es ihm immer wieder eiskalt den Rücken hinunter, obwohl er als Krieger schon Verletzungen gesehen hatte.  “Verzeih mit bitte Fawn, ich freue mich nur so wahnsinnig, dich wieder zusehen. Viele hatten schon geglaubt, dass du vielleicht…“ Fawn sah ihn betroffen an und nahm seine Hände in die ihren. “Ich weiß Iley und wäre Brian nicht gewesen, wäre ich jetzt mit Sicherheit nicht hier. Iley fragte zögernd. “Brian… ein seltsamer Name… begehrt er dich ebenfalls ?”
Fawn richtete sich auf, während sie mit leuchtenden Augen erwiderte.
“Du hättest sehen sollen, wie er mich immer betrachtet. Ich möchte nur noch mit ihm zusammensein Iley.” Ihr Bruder kicherte, als plötzlich Hufgetrappel vernehmbar wurde.
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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #4 on: March 08, 2011, 05:45:35 pm »
Neugierig warf Iley einen Blick nach den Reitern, die an ihnen vorbei ritten, während er Fawn Fragen stellte, die ihm seit ihrer Rückkehr und ihren Erzählungen im Kopf herumgingen.
Hast du dir eigentlich Gedanken darüber gemacht, wie ihr zusammenleben wollt, Fawn? Ihr… ihr beide seid so unterschiedlich und ich meine damit nicht nur das Aussehen. Er kann nicht ohne Maske atmen und selbst so etwas Einfaches wie Essen wird zu einer Herausforderung. Machst du es dir nicht zu leicht?” Fawn verzog ihr hübsches Gesicht und schwieg einen Moment. “Ich kann dir jetzt nicht darauf antworten ma smukan, aber wir werden eine Lösung finden.” Iley merkte, dass er Fawn nicht weiter bedrängen durfte, denn die Stimme seiner smuke nahm schon wieder einen leicht bockigen Klang an.

Die Gruppe Krieger auf ihren Pa’li begann, sich vor dem Heimatbaum zu versammeln und aufgeregtes Geschrei drang an ihre Ohren.
“Was haben die Reiter vor, Iley… , fragend stand das Mädchen auf und schaute nervös auf die anderen Na’vi, deren Zahl immer weiter anstieg.
Ohne zu antworten ging ihr Bruder zu den versammelten Jägern und Kriegern, tauschte ein paar Worte mit ihnen und kehrte nach einem Moment hitziger Diskussion zu ihr zurück. Sein Gesichtsausdruck war völlig versteinert.
“Du solltest deinen Himmelsmenschen bald holen Fawn, wenn dir wirklich so viel an ihm liegt. Sie bereiten einen neuen Kriegszug vor.”
Fawn war sichtlich erschüttert. “Aber warum Iley? Die Tawtute sind fast geschlagen und werden uns bestimmt nicht weiter bedrohen, das ist ganz sicher.”
Mit ernster Miene antwortete ihr Bruder, “Fawn… seit der Ankunft der Himmelsmenschen in unserer Welt hat sich vieles geändert, auch im Denken unserer Krieger. Unser Anführer ist der Meinung, dass wir dem… Gleichgewicht… etwas nachhelfen könnten und will eine Entscheidung erzwingen. Die Erfolgschancen stehen günstig. Der Stützpunkt hat nur eine kleine Besatzung, wie unser erster Angriff ergeben hat. Sicher… sie haben gefährliche Waffen, aber wir werden sie mit unserer Überzahl besiegen.”
Fawn ging ein Stich durchs Herz und sie spürte wie ihre Knie unter ihr wegzusacken drohten. Die Angst um Brian traf sie wie eine eiskalte Faust. “Wann werden sie die Basis angreifen, Iley?”
Ihr Bruder strich mit einer Hand zärtlich über ihre Wange. “Schon bald Fawn, vielleicht noch ein paar Tage. Ein anderer Stamm soll sie dabei unterstützen, deshalb warten sie noch.
Er packte das Mädchen hart an der Schulter und zerrte Fawn hinter sich her, fort von den versammelten Kämpfern und aus deren Sichtbereich heraus.
“Du musst noch heute aufbrechen. Ich werde Mutter sagen, dass du auf der Jagd bist. Frag mich nicht, warum ich das mache."
Fawn schaute entsetzt in seine ernst blickenden Augen und eilte fort, um ihre Sachen zu holen. Mit trappelnden Schritten tauchte sie schon kurz darauf wieder auf, den Jagdbogen auf ihrem Rücken und eine Handvoll Pfeile griffbereit.
“Ich bin soweit, Bruder. Was werden sie sagen, wenn ich Brian hierher bringe?” Ein beklemmendes Gefühl machte sich in dem jungen Mädchen breit.
“Du hast dir doch selbst schon die Antwort gegeben, Fawn. Wenn du Brian erwählst, können sie in nicht mehr wegschicken oder gar töten. Das wäre gegen unserer Gesetze. Egal wie du dich entscheidest Fawn, es sind immer noch deine Brüder und Schwestern und du eine von ihnen. Außerdem hat er dir wohl das Leben gerettet, das wiegt vieles auf. Allerdings wäre es wirklich besser, wenn er beim Angriff nicht mehr im Stützpunkt ist. Aber wie du das machst, überlasse ich dir…” Er trat ganz nahe an sie heran und nahm sie fest in seine kräftigen Arme. “Fawn… ich… ich habe Angst um dich. Seine Stimme zitterte kaum merklich, doch es reichte, um in Fawn die Tränen aufsteigen zu lassen. “Aber das musst du nicht, ich kann auf mich aufpassen.” Iley erwiderte darauf, “Genau deshalb mache ich mir Sorgen Fawn.” Sie streichelte sein Gesicht. “Ich folge meinem Herzen Iley, vertrau mir.”
Fawn wandte sich von ihm ab und verschwand fast lautlos im dichten Gestrüpp. Beunruhigt kehrte ihr Bruder zurück zu den anderen Kriegern.

***************************************************

Brian saß auf dem harten Beton der schmalen Start- und Landefläche für die Hubschrauber und knabberte entspannt an einem Konzentratriegel. Gelegentlich nahm er einen Atemzug aus seiner Maske, die er neben sich gelegt hatte. Sein Freund Jenkins trat an ihn heran und klopfte ihm auf die Schulter. “Brian, du überraschst mich jeden Tag aufs neue. Was soll das nun wieder bringen? Du bist schon Gesprächsthema auf dem gesamten Stützpunkt.”
Brian schluckte den letzten Bissen hinunter und setzte die Atemmaske des Exopacks wieder auf. “Du hörst nicht zu Jenkins, das ist dein Problem,” meinte er ernst. “Ich habe dir gesagt, dass ich mit Fawn zusammen leben möchte. Das hier ist alles nur Training.”
“Ich sag dir jetzt mal eines Brian. Dein Vorhaben ist Blödsinn, nicht mehr und auch nicht weniger. Aber ich denke, ich kann dich nicht davon abbringen oder?” Jenkins verschränkte die Arme vor der Brust und musterte den Söldner eindringlich.
“Nein, das kannst du nicht und das weißt du. Mein Entschluss steht fest, Jenkins. Ich liebe Fawn und nichts wird etwas daran ändern.”
“Genau das habe ich befürchtet.” meinte Jenkins und ging Kopf schüttelnd seines Weges.

***************************************************

Brian war die letzten Tage immer wieder zu dem Ort, an dem er Fawn das erste Mal getroffen hatte, zurückgekehrt. Doch so sehr er es sich auch herbeisehnte, blieb Fawn weiterhin verschwunden und langsam stiegen Zweifel in ihm auf, ob sie je wieder zurück kommen würde. Wie jeden Tag saß der Söldner auf der Anhöhe oberhalb der Basis. Gelangweilt nahm er einen Ast vom Boden auf und holte sein Klappmesser hervor, um ihn zu bearbeiten.
Völlig in Gedanken versunken, schnitzte Brian, leidenschaftslos an dem Holz herum, als sich plötzlich ein Schatten über sein Gesicht legte. Zwei große blaue Hände bedeckten den Sichtbereich seiner Atemmaske und eine sanfte vertraute Stimme flüsterte hinter ihm, “Oel ngati kameie”.
Mit einem freudigen Aufschrei, befreite er sich aus der Umarmung. “Fawn, ich dachte schon, ich sehe dich nie wieder.”
Sie deutete auf die Maske und meinte schelmisch kichernd, “Nimm sie für einen Moment ab und halte die Luft an, du großer starker Mann”. Überglücklich und ohne Zögern tat er, was sie von ihm verlangte und im nächsten Augenblick zog Fawn sein Gesicht ganz nahe an ihres heran und bedeckte es mit Küssen.
Brian ließ sie willenlos gewähren und dachte bei sich, dass die alte Bezeichnung, jemanden zu Tode zu lieben, in seinem Fall wohl eine völlig neue Bedeutung bekommen würde. Genau wissend, wie viel er sich zumuten durfte, gab er Fawn zu verstehen, dass es Zeit wurde, wieder die Atemmaske des Exopack aufzusetzen.
Erschöpft aber unglaublich befreit, saugte er tief die gefilterte Luft in seine Lungen und ließ sich dann rücklings ins Moos fallen. Fawn war sofort über ihm, sah ihn mit einem viel sagenden Gesichtsausdruck an, während ein freches Grinsen ihre Mundwinkel umspielte. “Ich habe dich vermisst, ma Brian”.
Ihre erfrischend aufrichtigen Worte berührten ihn auf eine seltsame Art, die er vorher so nie gekannt hatte und er wusste vor Aufregung nichts zu erwidern. Alles was er sagen wollte, die Worte, die sich in seinem Kopf formten, erschienen ihm irgendwie falsch und nicht der Situation gerecht werdend.
Statt dessen schaute er fasziniert in ihre bildhübschen gelben Augen, während seine Hände vorsichtig ihr Gesicht berührten und zärtlich über ihre weiche Haut strichen. “Ich dich auch”, flüsterte er, “ich dich auch”.

Sie überlegte einen Moment, wie sie Brian sagen sollte, was sie wirklich von ihm wollte. “Könntest du dir vorstellen, mich zum Kelutral zu begleiten und bei mir zu bleiben ma Brian… für immer?” Sei ohne Furcht, niemand wird dir dort etwas antun.”
Brian brauchte nicht lange überlegen, schließlich war die Aussicht mit Fawn zusammen zu sein alles, was er sich seit langen wünschte und darauf hinarbeitete.
“Ich bin bereit, mit dir zu gehen Fawn, wann immer du es möchtest. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich dich die letzten Tage vermisst habe.”
Die Augen der Jägerin strahlten bei seinen Worten. Sie konnte  sich sehr genau vorstellen, was er durchgemacht hatte, wenn sie nur an ihre eigenen Empfindungen dachte.

Fawn küsste ihn erneut liebevoll auf die Stirn, dann legte sie langsam unter seinen aufmerksamen Blicken alles ab, was sie am Leibe trug und nahm ihn fest in ihre Arme.
“Nga yawne lu oer, ma Brian” hauchte sie in sein Ohr.
Brian verstand zwar immer noch kein Wort Na’vi, doch er war kein Idiot. “Ich liebe dich auch, Fawn“, antwortete er, während flüssiges Feuer durch seine Adern zu rinnen schien.
Neugierig betrachtete Brian ihren wunderschönen Körper, “Was hast du vor… ich meine… glaubst du, dass es funktionieren kann?”
Sie entgegnete kichernd, “Lass es uns herausfinden”.
Fawn legte sich auf den weichen Boden, um es ihm leichter zu machen und zog ihn dann zu sich herunter.
Ein ungekanntes Glücksgefühl machte sich in ihr breit und zum ersten Mal in ihrem noch so jungen Leben fand sie sich so, wie sie war, akzeptiert. In diesem Augenblick war sie nur ein Wesen, dass sich unendlich nach Liebe sehnte und hemmungslos gab sie sich ihrer Leidenschaft hin.

Lange verbrachten sie so eng umschlungen und Brian bemerkte erst am Leuchten der Abenddämmerung, wie viel Zeit inzwischen vergangen sein musste. Er richtete sich glücklich auf und legte seine Sachen wieder an, wobei er gelegentlich sein Exopack verfluchte Fawn streichelte mit einer ihrer großen Hände über seinen Rücken und beobachtete ihn dabei mit leuchtenden Augen.
Brian warf einen kurzen Blick auf die entfernten Lichter des Stützpunktes hinunter und überlegte, welche Zukunft ihn erwartete. Die Versorgungslage wurde täglich dramatischer, nachdem jeder Kontakt zur Erde abgebrochen war. Ob und wann überhaupt je wieder ein Raumschiff den Mond erreichte, stand in den Sternen.
Mittlerweile würden sie ihn bestimmt suchen und er konnte sich genau vorstellen, was Oberst Willow mit ihm anstellen würde, wenn er ihn in die Finger bekam.
Fawn packte ihn von hinten, drehte ihn zärtlich aber bestimmend zu sich herum und am Klang ihrer Stimme erkannte er, wie ernst es ihr war. “Brian, ich habe dich erwählt, so wie du mich erwählt hast.” Er vermeinte einen Hauch von Unsicherheit zu vernehmen, während sie fortfuhr. Sie mußte es schmerzlich vermissen, nicht Tsaheylu verwenden zu können.
“Ich bin jetzt mit dir fürs Leben vereint, ma Brian und kein Angehöriger meines Volkes, auch nicht der olo’eyktan, wird meine Wahl in Frage stellen.” Der Anführer war wirklich nicht das Problem überlegte Fawn und ein mulmiges Gefühl machte sich in ihr breit. Ihre Mutter würde ihr mit Sicherheit zuerst die Ohren lang ziehen, wenn sie von ihrer Entscheidung erfuhr.
Fawn richtete sich zu voller Größe vor ihm auf und ignorierte dabei scheinbar ihre Nacktheit. “Es ist entschieden, du kommst mit mir, Brian,” sagte das Mädchen bestimmender, als sie eigentlich wollte.
Dem leicht fauchigen Klang ihrer Stimme lauschend, war es jetzt an Brian, ungläubig zu gucken. Er beneidete sie um ihre einfache Art, Dinge zu sehen oder vorauszusetzen, bei deren Vorstellung die meisten Menschen wohl Schreikrämpfe bekommen würden. In den letzten Tagen war ihm viel durch den Kopf gegangen und sein gesamtes Weltbild mehr als einmal wenn nicht völlig auf den Kopf, dann doch zumindest in Frage gestellt wurden. Er konnte und wollte Fawn nicht verletzen. Als sich ihre Blicke trafen, wurde ihm noch etwas anderes bewusst. Sie hatte ihn, den Himmelsmenschen erwählt, sich ihm hingegeben mit all ihrer Liebe und Leidenschaft zu der sie fähig war, wissend, dass es damit für sie kein zurück mehr gab. Brian vermutete, das wenn er nicht einwilligte, sie ihm sehr wahrscheinlich überallhin folgen würde, auch zurück zu den anderen Himmelsmenschen und damit in ihren sicheren Tod. Leichten Herzens traf der Hüne seine Wahl, denn er liebte Fawn mehr, als er es je mit Worten hätte beschreiben können.
“Du hast recht, es ist entschieden“, sagte er aufrichtig, ihre Worte wiederholend. “Ich komme mit dir, Fawn. Wir sollten so bald wie möglich aufbrechen, hier ist es für uns nicht mehr sicher.” Dabei dachte er daran, dass eine Suchmannschaft vermutlich nicht lange brauchen würde, sie hier zu entdecken. Fawn zuckte bei seiner Äußerung unmerklich zusammen. Sie wußte wie recht er hatte, dennoch sagte sie nichts darüber, was dem Stützpunkt bevorstand.
Erst als er sie anerkennend musterte und sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen konnte, bemerkte sie ihre Blöße und gab ihm einen verspielten Klaps auf den Kopf.
“Wir sind völlig verrückt und du weißt das“, sagte Brian zu ihr. “Was tun wir hier eigentlich?”
Fawn legte ihre zweckmäßige Bekleidung mit geschickten Handgriffen an und blickte ihm dabei immer wieder liebevoll in die Augen. “Wir folgen unserem Herzen, ma Brian… “.
Einen letztes mal standen sie schweigend auf der Anhöhe und betrachteten, jeder in seine eigenen Gedanken versunken, die flackernden Lichter der Basis unter ihnen, während die Nachtluft angenehm über ihre erhitzen Wangen strich.
Sie schien zu spüren, woran er dachte, denn sie erwiderte sanft, während sie sich dem Wald zuwandte der dunkel und verheißungsvoll vor ihnen lag,
“Du machst dir zu viele Gedanken, ma Brian. Vertrau mir einfach.”
Brian musste bei ihrem Ausspruch lächeln. “Komisch, genau das sagt Jenkins auch immer zu mir.”
Fawn blieb stehen und drehte sich zu ihm um. “Wer ist dieser Jenkins”? Fröhlich blickte er ihr ins Gesicht. “Jemand, den du unbedingt einmal kennen lernen solltest.”
Glücklich ließ er Fawn voran gehen und folgte ihr in den nahen Dschungel. Er blickte nicht mehr zurück und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte Brian sich frei.

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Offline Sa'kul

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #5 on: March 11, 2011, 03:50:49 pm »
Mir gefällt diese Geschichte so sehr... ich hoffe, da gibt's noch ne Fortsetzung von? :)

Offline Tsu'tey

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #6 on: March 11, 2011, 05:58:29 pm »
Ich möchte dir hier an der Stelle ein ganz grosses Lob aussprechen, deine Geschichte ist mit einer der besten die ich vergangenen Monaten gelesen habe. Die Spannung ist wirklich grosse Klasse egal in welcher Hinsicht, auch ich wünsche und freue mich jetzt schon auf eine eventuelle Fortsetzung, ich konnte nach dem ich angefangen hatte mit dem Lesen garnicht mehr aufhören, und habe alles in einem Wall durchgelesen.

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Offline Palulukanä Tarontu

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #7 on: March 12, 2011, 08:29:03 am »
Auch ich habe es nun geschafft, deine lange Geschichte zu lesen. Du hast die Geschichte glaubwürdig und ausführlich geschrieben. Manchmal konnte man sogar die Emotionen spüren, die dieser Text enthält :D. Zugegeben, du hast auch einen Cliffhanger eingebaut, was Jenkins betrifft. Freue mich auch schon auf mehr für die verbleibenden offenen Fragen, die deine Geschichte hinterlässt.
Ohne jetzt die anderen Beiträge von raster und fpomä'itan zu kennen (letzteres hat ja leider nicht abgegeben) würde ich sagen, dass dein Beitrag zu Recht gewonnen hat.
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Offline tsmukan_stephen

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #8 on: March 12, 2011, 03:59:36 pm »
Kaltxi in die Runde,

ich habe mich zwar bisher wenig am Forum beteiligt, aber wenn ich die Geschichte so lese,
erzeugt sie an manchen Stellen richtig Gänsehaut!
Glückwunsch an Eichhörnchen, du hast die Story gut erzählt.

Da kann ich mir eine Umsetzung als Film schon gut vorstellen,
vorausgesetzt, Eichhörnchen wäre damit einverstanden!

Das Drehbuch müßte zwar noch angepasst werden, aber da wir hier im Forum ja
einen Spezialisten für die CG-Umsetzung haben, wäre so eine Fanfiction nicht nur als Geschichte,
sondern auch als realisierter Film schon interessant.

Erfahrung im Drehbuch-(um)schreiben sind ja hier vorhanden.

Die Ausrüstung für Filmaufnahmen incl. 3D-Ausstattung wäre vorhanden, die Schnittmöglichkeiten auch,
eventuell könnte ja die "Renderfarm" die aufwendigen Hintergründe bzw. CGIs beisteuern...

Ist nur so eine Idee, wenn Interesse wäre, müßten wir mal sehen, wie das zu schaffen ist.

Eywa ngahu

tsmukan_stephen
« Last Edit: March 12, 2011, 04:02:53 pm by tsmukan_stephen »
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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #9 on: March 12, 2011, 04:20:05 pm »

Das Drehbuch müßte zwar noch angepasst werden, aber da wir hier im Forum ja
einen Spezialisten für die CG-Umsetzung haben, wäre so eine Fanfiction nicht nur als Geschichte,
sondern auch als realisierter Film schon interessant.

Erfahrung im Drehbuch-(um)schreiben sind ja hier vorhanden.

Die Ausrüstung für Filmaufnahmen incl. 3D-Ausstattung wäre vorhanden, die Schnittmöglichkeiten auch,
eventuell könnte ja die "Renderfarm" die aufwendigen Hintergründe bzw. CGIs beisteuern...


Okay...

Und wie genau stellst du dir das vor? Hast du Zugang zu einer Renderfarm und genug Cash für so was? Btw. Wenn das jetzt ernsthaft diskutiert werden soll würde ich vorschlagen, das in einem anderen Thread zu tun...
« Last Edit: March 12, 2011, 04:21:57 pm by ‘Eylan hufweyä »
Fus Ro Dah!

Offline tsmukan_stephen

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #10 on: March 12, 2011, 05:14:31 pm »
Kaltxi,

zu Deiner ersten Frage:
Quote
Und wie genau stellst du dir das vor?

War eine spontane Idee, da ich (wie wohl auch die anderen) beim Lesen bestimmte Vorstellungen habe.
Ob und wie die sich in einem Film umsetzen lassen, ist immer ein Entwicklungsprozess, den ich jetzt
(noch) nicht angeschoben habe. Daher auch keine 'genauen Vorstellungen' ...

zur zweiten Frage:
mir war so, als wenn Kerame Pxel Nume mal etwas von einem Zugang zu einem größeren Netzwerk
von Computern geschrieben hat, auf denen er CG rendern lassen kann.

Finanzielle Mittel: Wenn das Projekt realisiert werden sollte ... , müßten vorher schon die Möglichkeiten
wie Filmförderung etc. abgeklopft werden.

Aber das wird jetzt zu sehr OT, daher wäre entweder wie vorgeschlagen ein neuer Thread angebracht
bzw. ich ziehe die Idee zurück und lösche meinen Beitrag.

Stephen
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Offline ‘Eylan hufweyä

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #11 on: March 12, 2011, 05:34:36 pm »
Nee, spinn das ruhig mal weiter...
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Offline ´eveng te atan

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #12 on: March 13, 2011, 08:43:44 am »
Zuerstmal @Eichhörnchen:
Ich hab Deine Story leider noch nicht lesen können, da ich das nicht "im Streßß mal schnell" machen möchte, sondern in Ruhe.
Ich werde das aber nachholen - versprochen !

@tsmukan_stephen:
So schön Deine Idee von wegen Film ja auch auf den 1. Blick ist, man muß das mal realistisch betrachten.
Ich arbeite gerade, zusammen mit 7 weiteren Leuten, an einer 3D-Produktion, d.h. der Film (eher Kurzfilm) wird nicht in 3D
rauskommen, sondern er wird komplett gerendert.
Dazu hat einer von uns eine Cloud gemietet, auf der die einzelnen Filmteile berechnet werden.

Alle anderen Arbeiten (Modellieren, Texturieren, Animieren, Riggen, Capturen, etc. pp) machen wir "acht Männekes" ganz alleine.
Sollte unser Zeitplan auch nur annäherend funktionieren, dann wird unser Film (Länge geplant ca. 12-15 Min.) um den 31.12.11
fertig. Wenn ich mir jedoch unsere bisherigen Ergebnisse anschaue (ohne es schlecht machen zu wollen !), dann tendiere ich fast
dazu, den 31.12.12 als Erscheinungstermin nennen zu wollen.
Zu Viele kleinere und größere Probleme und Haken tauchen immer wieder auf, die gelöst werden müssen.

Du sprachst von "3D Equipment ist vorhanden...".
Bei wem denn ?
Um Dich auch hier mal wieder "auf den Boden der Tatsachen" zurück zu holen:
Niemand von uns hat auch nur im entferntesten die technischen Möglichkeiten, qualitativ auch nur in die Nähe von Cameron & Co.
zu kommen. Selbst wenn Du Dir heute ´nen 10-Kerner kaufst und einen Rechner mit den tollsten Sachen für tausende von Euronen
baust, erreichst Du damit nicht einmal die "Aufnahmekriterien" für Firmen, die professionell CG machen.

Ich will Dich mit meinem Kommentar nicht runter machen oder irgendetwas in der Art, das liegt mir fern.
Ich spreche aber insofern aus Erfahrung, als daß ich selber versucht habe, Neytiri zu modellieren, texturieren und zu animieren.
Mit unseren "Taschenrechnern" ein Unding. Mein Rechner stand minutenlang still, als er eine Vorschau von Neytiris Kopf mit
"gerade mal" 50000 Haaren anzeigen sollte. Die Figur im Film dürfte gaaaanz locker über eine halbe Mio. Haare haben.

Was ich vorschlagen würde im Bezug auf Eichhörnchens Geschichte wäre eine Art Film/Kurzfilm mit "gespielten" Figuren.
Als Einstiegsprojekt für die, die bislang sowas noch nie hemacht haben wäre das ideal zum "Reinschnuppern", ob ihnen das gefällt.

Man könnte ja z.B. mal einige Szenen aus der geschichte zu einem Mini-Drehbuch zusammenschreiben und das z.B. auf dem Treffen
im August als Workshop ausprobieren.
Damit wäre noch lange genug Zeit für Vorbereitungen, etc.

Wir haben Leute mit Kameras. Z.T. haben die aucvh etwas Erfahrung, die über den "Sonntags Kaffeeklatsch" hinaus geht.
Wir haben Leute, die sich etwas mit Kamerafführung auskennen und wir haben Leute (denk ich), die etwas schauspielern können.
Schneiden, Vertonen, etc. dafür haben wir hier ebenfalls einige Leute.

ich glaub, ich schreib das auch nochmal in den Workshop-Thread zum Treffen als Anregung...



Offline tsmukan_stephen

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #13 on: March 13, 2011, 10:05:32 am »
Kaltxi in die Runde,

und Entschuldigung an Eichhörnchen, dass sein Thread durch mich etwas OT wurde.

An alle erstmal besten Dank für die Aufnahme der Idee.

@´eveng te atan:
Ich bin mir schon im Klaren über den Aufwand und unsere technischen Möglichkeiten.
3DS Max, Maya, After Effects, Premiere, Sony Vegas & Co. sind mir vertraut...
Daher war das Ganze nur als Anregung für die Weiterentwicklung zu sehen.

'3D-Ausrüstung' bezog sich nicht (wie die meisten bei dem Wort "3D" glauben), auf den Bereich der virtuellen Realität,
sondern auf reales Stereo-3D. Da ist der Aufwand nicht so extrem  ;D.
U.a. habe ich selbst ein 3D-Spiegelrig, bestückt mit Canon- und ein Side-by-side-Rig, bestückt mit Sony-Kameras,
dazu die entsprechenden Programme, die Stereo-3D-Mastering können.

Ich habe auf das hier im Forum übliche Niveau gebaut, um solche Ideen aufzunehmen und weiterzuentwicklen:
Quote
Wir haben Leute mit Kameras. Z.T. haben die aucvh etwas Erfahrung, die über den "Sonntags Kaffeeklatsch" hinaus geht.
Wir haben Leute, die sich etwas mit Kamerafführung auskennen und wir haben Leute (denk ich), die etwas schauspielern können.
Schneiden, Vertonen, etc. dafür haben wir hier ebenfalls einige Leute.
aber OK, wenn ihr hier so gut aufgestellt seid, dann brauche ich ja meine Zeit nicht mehr in so ein Projekt zu investieren...

Quote
Was ich vorschlagen würde im Bezug auf Eichhörnchens Geschichte wäre eine Art Film/Kurzfilm mit "gespielten" Figuren.
Als Einstiegsprojekt für die, die bislang sowas noch nie hemacht haben wäre das ideal zum "Reinschnuppern", ob ihnen das gefällt.

So hatte ich das Ganze auch gedacht.

Dass wir hier nicht an das Niveau von Cameron und seine Möglichkeiten herankommen, wird wahrscheinlich auch nicht nur
an den fehlenden 250 Mio. $ liegen. Ich lebe auch im Hier und Jetzt...  ;)

Falls sich aus meiner spontanen 'Spinnerei' mehr entwickeln sollte, bin ich, falls gewünscht,  gern dabei. Ich dränge mich bloß nicht gern auf.

Eywa ngahu

tsmukan_stephen
« Last Edit: March 13, 2011, 10:54:06 am by tsmukan_stephen »
Unsere Seite zum Treffen in Leipzig: http://www.LearnFromPandora.de

Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt,
sondern wir haben sie von unseren Kindern nur geliehen.
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Offline ´eveng te atan

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #14 on: March 13, 2011, 12:52:21 pm »

Falls sich aus meiner spontanen 'Spinnerei' mehr entwickeln sollte, bin ich, falls gewünscht,  gern dabei. Ich dränge mich bloß nicht gern auf.


Na das lieb ich ja !
Erst die Pferde scheu machenund dann sagen: "Also wenn Ihr mich doch nicht braucht..."... :D :D :P :P

Aber im Ernst.
Bei solchen Projekten (vorsuagesetzt da wird was draus !), wird JEDE kreative Hand und JEDER denkende Kopf gebraucht.
Meine Bemerkung, daß wir diverse Leute hier haben, die Kamers, etc. haben möchte ich keineswegs mißverstanden wissen,
so nach dem motto "Ach die haben da schon was.".
Deine Idee gefällt mir, wir bräuchten aber dennoch etwas mehr als Deine und vllt. meine Kameras.

Den Rest sollten wir aber jetzt wirklich in einem gesonderten Thread besprechen und wieder BTT kommen.

Von mir auch SORRY an Eichhörnchen.

Offline Ricardo

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #15 on: March 13, 2011, 01:16:49 pm »
Ich habe Eichhörnchens Geschichte nun auch gelesen und bin auch voller Hoffnung, dass da vielleicht eine Fortsetzung kommt!

Offline Sa'kul

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #16 on: March 13, 2011, 02:46:36 pm »
Das hoffen viele. Berechtigt. =)

Offline Eichhörnchen

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #17 on: March 13, 2011, 04:13:58 pm »
Kaltxi ma smukan si smuke

Ich möchte mich erstmal ganz herzlich, für die vielen überaus positiven Rückmeldungen bedanken. Als ich mich entschloß, die Geschichte ins Forum zu stellen, hätte ich nicht mit so einer großen Resonanz gerechnet.
Ich habe mir von ‘Eylan hufweyä die wirklich sehr umfangreiche Bewertung schicken lassen, um zu sehen was noch, in einer eventuellen Fortsetzung zu verbessern ist.
( An dieser Stelle nocheinmal meinen Dank an Sa'kul, der an der Auswertung und Punktevergabe maßgeblich beteiligt war. )

Meine größte Sorge in der Geschichte war, das es mir nicht gelingt das Na'vi Mädchen Fawn "glaubhaft" rüberzubringen. Bei den Menschen war das noch eine relativ leichte Übung, aber Fawn durfte weder allzu menschlich wirken, noch irgentwie hölzern oder zu fremdartig, so das niemand mehr Symphatie für das blaue Wesen empfinden würde. Na ich denke das ist irgendwie dann gelungen.

@tsmukan_stephen
Quote
Entschuldigung an Eichhörnchen, dass sein Thread durch mich etwas OT wurde.

Macht überhaupt nichts. Das ist nur ein Forumsthread und keine "Privatveranstaltung".

@´eveng te atan
Quote
Ich hab Deine Story leider noch nicht lesen können, da ich das nicht "im Streßß mal schnell" machen möchte, sondern in Ruhe.
Ich werde das aber nachholen - versprochen !

Lass dir ruhig Zeit damit. Ich habe beim mehrmaligen Korrekturlesen immer so an die 50 Minuten gebraucht. Keine Ahnung ob das schnell ist.
Auf deine Meinung dazu, bin ich aber trotzdem gespannt.

@Sa'kul
Quote
Mir gefällt diese Geschichte so sehr... ich hoffe, da gibt's noch ne Fortsetzung von?

Diese Aussage hat mich wirklich berührt.
Okay, ich möchte nichts versprechen, was ich dann nicht halten kann. Daher sage ich einmal vorsichtig, es wird eine Fortsetzung geben, aber einen Zeitplan dafür kann ich beim besten Willen nicht nennen. Ideen sind reichlich vorhanden, schließlich habe ich die Geschichte wegen Zeitdrucks zu einem indirekten Schluß bringen müssen, sonst wäre sie noch bedeutend länger geworden.

Bei all dem Blödsinn den ich im Kopf habe, könnte ich... genügend Zeit vorrausgesetzt... vielleicht sogar ein Buch schreiben.

Kìyevame ulte Eywa ngahu,

Euer Eichhörnchen
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline eana tutan

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #18 on: March 19, 2011, 08:08:18 pm »
So, hab deine Geschichte auch gelesen - super! Die Charakteren kommen sehr glaubhaft rüber, keine Sorge. :)
Ich mag deinen Schreibstil und hoffe auch, dass du noch weiter schreibst...
Screen's [172] || ISQ: 552207953


Offline Toruk'makto

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Re: Avatar Schreibwettbewerb: "Eine Frage des Herzens".
« Reply #19 on: March 24, 2011, 02:10:15 pm »
Kaltxì
Ich hab die Geschichte nun endlich auch durch und fande sie echt gut. Gut man konnte erahnen wie die Geschichte aufhört, aber das is ja egal.  :) So von der geschichte her echt toll...   :)
Große Klasse.
Die Himmelsmenschen haben uns eine Botschaft gesandt, dass sie sich alles nehmen können was sie wollen und dass niemand sie aufhalten kann. Aber wir schicken ihnen auch eine Botschaft; fliegt so schnell wie euch der Wind nur tragen kann; ruft die anderen Clans herbei. Sagt ihnen Toruk'makto ruft sie zu sich. Ihr fliegt jetzt mit mir. Meine Brüder, Schwestern und dann zeigen wir den Himmelsmenschen, dass sie sich nicht alles nehmen können was sie wollen und dass dies unser Land ist.

 

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