Author Topic: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"  (Read 1530 times)

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Offline Eichhörnchen

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Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2



Angriff im Morgengrauen


Mit verbitterten Gesichtszügen blickte Graham auf das sich langsam abkühlende Gerippe des ausgebrannten Scorpions. Ununterbrochen drang metallisches Knacken aus dem rußgeschwärzten Wrack und noch immer war eine deutliche Hitze um die Aufschlagstelle herum spürbar. Sie hatten den Aufprall sowie das ausbrechende Feuer überlebt und der Pilot fragte sich wiederholt, welcher Schutzengel ihnen beigestanden hatte. Nachdenklich wandte sich Graham an die restlichen Überlebenden des Absturzes. “Haben Sie den Notruf rechtzeitig absetzen können?”
“Ja Sir, leider brach die Verbindung ab, bevor ich eine Empfangsbestätigung erhielt.” Ein blutiger Schnitt verunstaltete die Wange des Funkers. Graham vermutete, dass ihn eines der davon spritzenden Teile beim Absturz getroffen hatte. Mit dem Wrack war auch ihre gesamte medizinische Ausrüstung verbrannt, so dass er gezwungen war, dem Mann sich selbst zu überlassen.
“Was machen wir nun, Sir?” Fragend richteten sich alle Augen auf den Piloten. Graham fuhr sich überlegend übers Kinn. “In den Aufzeichnungen, die wir vor dem Start erhielten, war doch von einem Forschungsstützpunkt die Rede.” Der Funker fummelte sein Datenpad hervor, dass zu Grahams Erleichterung immer noch anstandslos seinen Dienst versah.
“Korrekt Sir, warten Sie einen Moment, bitte. Hier… eine Basis mit der Bezeichnung RC- 33. Vielleicht ein paar Tagesmärsche von hier, wenn wir uns nicht verlaufen.” Graham nickte zufrieden. “Suchen Sie alles zusammen, was noch verwendbar erscheint. Ich möchte so bald wie möglich abrücken. Diese Station ist eine wesentlich besserer Alternative, als hier mitten im Urwald auf Rettung zu warten. Vielleicht finden wir dort auch wieder ein funktionierendes Funkgerät für Sie.” Alvares verzog das Gesicht und wandte sich an die anderen.
“Ihr habt gehört, was der Pilot gesagt hat, also los. Packen wir unser Zeug zusammen und verschwinden von hier.” Eine halbe Stunde später war die kleine Gruppe bereit zum Aufbruch.

******

Ein erschreckendes, wie seltsam vertrautes Geräusch riss Fawn aus dem Schlaf. Benommen richtete sie sich auf, während ihre empfindlichen Ohren den Ursprung des in Wellen anbrandenden Lärms zu ergründen versuchten. Brian lag ruhig vor ihr und machte keinerlei Anstalten, sich zu erheben.
“Ma Brian wach auf, rutxe!” Weicher Stoff glitt durch ihre Finger, als sie beherzt die Decke wegzog. Keine Reaktion. Entschlossen packte sie zu und schüttelte ihn durch, doch nichts konnte Brian aus seinen Träumen reißen. Von draußen wurde das Dröhnen so laut, dass die Panoramascheibe der Kantine unter den Vibrationen zu klirren begann. Noch einmal versuchte sie ihn zu wecken.
Brian rekelte sich herum und brummte, “…jetzt nicht Fawn. Wir können nachher weiterspielen, ich bin noch zu müde… .”
Im nächsten Augenblick erklangen wieder die vertrauten Schnarchlaute durch den Raum.
“Skxawng!” Fawn erhob sich fauchend und starrte nach draußen. In der Ferne zeichnete sich die Wand des Urwalds ab, doch nichts deutete daraufhin, was den Lärm verursachte. Nach einem letzten Blick auf den schlafenden Söldner betrat sie die kleine Eingangsschleuse, ließ die Tür zu gleiten und wartete ungeduldig, bis eine Lampe, begleitet von einem Summen, das äußere Schott freigab. Feuchtwarme Luft empfing die kleine Jägerin, als sie ins Freie trat. Ohne sich weiter aufzuhalten, rannte das Mädchen zur Rückseite des Gebäudes, von wo sie hoffte, mehr erkennen zu können. Hier draußen war das merkwürdige Geräusch noch eindringlicher als in der Kantine und gepeinigt presste Fawn beim Laufen ihre Hände auf die Ohren. Gerade erreichte sie den rückwärtigen Bereich, hinter dem sich die Lagerhäuser erhoben, als sie etwas sah, dass ihr den Atem stocken ließ. Ein Schatten huschte über sie hinweg, dann noch einer und weitere. Mit weit aufgerissenen Augen starrte das Mädchen auf das ungewöhnliche Schauspiel, dass sich ihr bot. “Kunsip!”, stammelte Fawn aufgeregt und presste ihren Körper dicht an das kühle Material der Rückwand, in der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden. Doch die Besatzungen in den Hubschraubern schienen sie überhaupt nicht zu bemerken oder waren anderweitig beschäftigt. So schnell wie das Unheil aufgezogen war, verschwand es auch wieder und nur das an und abschwellende Dröhnen hielt sich noch eine Zeitlang, bis es schließlich auch von der mannigfaltigen Geräuschkulisse des Dschungels verschluckt wurde. Fawn reckte entsetzt den Kopf und sah sich unsicher um, ob noch von anderer Seite Gefahr drohte. Mit klopfenden Herzen schlich sie zurück zur Schleuse und betrat wieder die Kantine. Brian schlief immer noch den Schlaf des Gerechten und machte keine Anstalten, sich zu erheben. Fawn überlegte einen Augenblick, wobei ihre Blicke über die Einrichtung schweiften und wandte sich der Küchenzeile zu. Kurz entschlossen griff das Mädchen einen Behälter, der für ihr Vorhaben ausreichend erschien und füllte ihn an der Spüle, bis das Wasser überschwappte. Immer noch erfüllte es die kleine Jägerin mit Verwunderung, woher das Wasser kam. Einen Moment war sie versucht, ihren Mund an den Hahn zu halten, um davon zu trinken, verwarf den Gedanken jedoch sofort wieder. Ohne weiteres Zögern trat sie an das provisorische Schlaflager heran und kippte die Schüssel über dem lautstark schnarchenden Söldner aus. Brian fuhr prustend in die Höhe und sah sich gehetzt um. Es dauerte einige Sekunden, bis ihm zu Bewusstsein kam, wo er sich befand und dass ihm keine unmittelbare Gefahr drohte. “Verdammt, was soll das? Fawn! Alles nass… wenn das ein Scherz sein sollte, finde ich ihn nicht witzig.”
“Endlich bist du wach! Ich dachte schon, dass ich es nie schaffe, dich zu wecken.” Noch benommen blickte er auf die durchnässte Decke und zog sich das ebenfalls feuchte Shirt über den Kopf “Was ist denn in dich gefahren, Fawn? Hoffentlich hast du eine verdammt gute Erklärung für dein Verhalten sonst… .”
“Sonst was, ma Brian? Wirst du mich dann bestrafen?”
Brian stockte der Atem. Ihre gesamte Körperhaltung und der seltsam lauernde Ausdruck in ihren Augen zeigten ihm, dass sie es geradezu auf eine Auseinandersetzung anlegte.
“Ach vergiss es einfach. Sag mir einfach, was los ist.“ Enttäuschung spiegelte sich in den Gesichtszügen der kleinen Jägerin wieder. Zu gerne hätte sie Brian noch mehr aus der Reserve gelockt. Ein Seufzen erklang.
“Hast du die Kunsips nicht gehört? Die großen Vögel sind direkt über uns hinweg gezogen.“ Brian hatte das Gefühl, ein paar Ohrfeigen verabreicht bekommen zu haben und sprang aufgeregt auf die Füße. Er verstand, was Fawn meinte, auch wenn ihm immer noch nicht alle Worte geläufig waren. “Hubschrauber waren hier über der Basis? Wohin sind sie geflogen?“ Fawn deutete mit ihrer Hand in eine Richtung, deren gedachtes Ende zwischen dem Kelutral und der Schlucht lag, wo die Auseinandersetzung mit den Sampsons stattgefunden hatte.
“Du bist ganz sicher? Vielleicht sind sie in der Nähe gelandet, um das direkte Basis-Gelände zu meiden und erst einmal zu beobachten. Immerhin können sie nicht wissen, was sie hier erwartet.“ Das Na‘vi Mädchen schüttelte energisch den Kopf, so dass ihre schwarze Haarpracht in alle Richtungen flog.
“Ich weiß, was ich gesehen habe, ma Brian! Zweifelst du etwa an meinen Worten? Es ist nicht meine Schuld, wenn du wie ein Stein schläfst.” Er winkte schnell ab, um sie nicht weiter gegen sich aufzubringen. Fawn neigte dazu, in solchen Situationen äußerst rasch bockig zu werden.
Brian brauchte nicht lange zu überlegen und sagte mit einem bedauernden Blick auf seinen Schlafplatz:
“Wir sollten zum Lager zurückkehren, Fawn. Hol das Pferd, ich werde inzwischen unsere Sachen packen.” Fawn nickte zustimmend und entschwand seinen Blicken.  Routiniert packte er seine Ausrüstung zusammen und reinigte die Filter des Atemgeräts, bevor er die Maske wieder aufsetzte. Es war ein merkwürdiges Gefühl, nach dem Aufenthalt in der Basis nun wieder das gummiartige Material auf der Haut zu spüren. Ein letztes mal ließ er wehmütig seinen Blick über ihren Schlafplatz gleiten, wo sie sich die vergangenen Tage ihren zügellosen Fantasien hingegeben hatten. Draußen erwartete ihn schon die kleine Jägerin und beim Anblick des riesigen Pa’li lief ihm ein kalter Schauer den Rücken hinunter. “Eigentlich unpraktisch und äußerst zeitaufwendig, immer den Weg zwischen der Basis und dem Heimatbaum zurücklegen zu müssen.“
“Was hast du, ma Brian? Sag es mir. Ich sehe es an deinen Augen, dass etwas nicht stimmt.”
“Es ist alles in Ordnung. Mir kam nur die Idee, ob wir nicht eines der kleineren Gebäude, wie die Baracke zum Kelutral transportieren könnten.”
“Das ist unmöglich und du weißt das. Keines unserer Pa’li könnte eurer Häuser ziehen.”
“Ich dachte auch nicht an eines der Pferde. Eine Maschine könnte es vielleicht bewerkstelligen. Wenn es mir gelingen würde, einen der Schlepper wieder fahrbereit zu machen.” “Verstehst du denn etwas von diesen… Dingern?”
Brian schüttelte den Kopf. “Nicht wirklich, Fawn. Ich habe Hubschrauber gewartet, unsere metallischen Vögel.”
Sie nickte verstehend. “Gut, das heißt, dass du es nicht kannst, also lass uns gehen. Es ist besser das Lager zu verlassen, bevor die Himmelsmenschen zurückkommen.”
Brian überlegte, ob er etwas erwidern sollte, hatte dieser Logik allerdings nichts entgegenzusetzen und fügte sich so schließlich in das Unvermeidliche. “Also schön, reiten wir.”
Fawn kicherte auf. “Du brauchst keine Furcht vor dem Pa’li zu haben. Es ist ganz zahm.” Sie reichte ihm ihre Hand und zog ihn mühelos nach oben. Bald darauf jagten sie auf dem Rücken des mächtigen Reittiers durch den Dschungel. Die ganze Zeit über versuchte Brian in diversen Gedankenspielen herauszufinden was das erneute Auftauchen der Hubschrauber, dabei noch direkt über der Basis zu bedeuten hatte. Doch eine zufrieden stellende Lösung wollte ihm nicht einfallen. So blieb ihm nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass ihm die Zeit eine Antwort geben würde.

******

Auraya taumelte vor Schreck einen Schritt zurück und wäre beinahe gestürzt, als sie den Himmelsmenschen in die ebenfalls überraschten Gesichter blickte. “Tawtute!” Der fauchende Ausruf glich mehr einem Raubtier und schüchterte die unsicher durch den Urwald tappenden Soldaten noch zusätzlich ein. Bevor sie sich versahen, hatten Aurayas Begleiter sie umstellt. “Ich sagte doch, das ist der falsche Weg. Wir hätten dem kleinen Bach folgen müssen.” Graham blickte den Funker missmutig an.
“Sir, die Aufzeichnungen müssen nicht korrekt sein. Außerdem hatte ich im Vorfeld bemerkt, dass die Möglichkeit besteht, sich zu verlaufen.” “Schon gut. Erklären Sie das lieber diesen Wilden. Sie sehen nicht aus, als würden sie uns den Weg zeigen.” “Fnu!”, rief Varyu wütend. Obwohl deutlich größer spiegelten sich Furcht und Nervosität in seinem Antlitz wieder. Auraya und ein weiterer Jäger nahmen unterdessen die Waffen der Himmelsmenschen an sich. “Was machen wir nun mit ihnen? Sollen wir sie zum Lager bringen? Wenn nur der Anführer nicht erkrankt wäre.” Auraya warf ihm einen aufreizenden Blick zu, der Varyu sofort in seinen Bann schlug. “Ma Varyu, mein Bruder wird sich um alles kümmern und eine Entscheidung treffen, was mit ihnen geschehen soll. Wir nehmen sie mit uns”, sagte sie und drückte ihm die Waffen in die Hand. Auraya trippelte los, wobei ihr langer Schwanz wie zufällig Varyus Bein streifte. Nur schwer schaffte sie es, ihre Beherrschung zu wahren. Eine Hochstimmung ergriff von dem Mädchen Besitz. Ihr Verlangen nach den abgestürzten Maschinen zu sehen, hatte im Lager Unverständnis ausgelöst. Doch Auraya hatte sich davon nicht beeindrucken lassen. Die richtige Entscheidung, wie sie nun erfreut feststellte. Alles entwickelte sich prächtig, wobei der Zufall ihr, wie so oft in letzter Zeit, in die Hände spielte. Varyu war ihr zugetan und würde keine Schwierigkeiten bereiten, ganz gleich was auch immer sie von ihm verlangte. Insgeheim mochte sie ihn und die Vorstellung, sich eines Tages vielleicht mit ihm zu vereinen, erschien ihr mit einemmal nicht mehr so abwegig. Auraya biss sich nervös auf die Lippe, als sie ein Ziehen in ihrer Brust spürte. Ihre zunehmende Erregung machte ihr zu schaffen und sie zwang sich dazu, ihre Gefühle im Zaum zu halten. Wenn nur Yaryu nichts davon bemerkte. Noch war nicht der richtige Zeitpunkt gekommen. Während sie den Rückweg zum Heimatbaum einschlugen, achtete niemand darauf, wie einer der Soldaten etwas unter seiner Weste hervorholte.

Schon lange vor dem Absturz hatte sich Dillon damit beschäftigt, was sie im Falle einer Gefangennahme tun würden und er hatte vorgesorgt. Zu seiner Dienstwaffe, welche nun über der Schulter eines Ureinwohners vor ihm baumelte, hatte er sich einen illegalen Revolver zugelegt. Niemand weder die Na’vi, noch seine Mannschaftskameraden hatten etwas von der Waffe bemerkt und ahnten, was in seinem verwirren Kopf vor sich ging. Noch mehr als die Wilden fürchtete er eine erneute Gefangenschaft. Auf der Erde lange Zeit wegen zahlreicher Vergehen inhaftiert, war die Flucht nach Pandora seine letzte Möglichkeit gewesen, einer lebenslangen Haftstrafe zu entgehen. Dillon belächelte die Dummheit dieser Wilden, die es nicht einmal für nötig erachteten, ihre Gefangenen zu fesseln. Ein weiteres Indiz dafür, dass sie in der Hyrachie weit unter ihnen standen. Vorsichtig zog er beim Laufen die kleine aber ungeheuer wirkungsvolle Waffe hervor und richtete sie auf Varyus Rücken. In diesem Augenblick bemerkte Alvarez die Pistole in den Händen des Soldaten. Seine Augen weiteten sich.
“Bist du übergeschnappt? Du bringst uns alle in Gefahr!” Zeitgleich mit seinem Aufschrei stieß er Dillon hart beiseite. Vom Geschrei, dass er nicht verstand, irritiert, wollte Varyu sich umwenden, als ein ohrenbetäubender Schuss aufpeitschte. Ein Luftsog an seinem Ohr, gefolgt von brennenden Schmerz. Haarscharf verfehlte ihn die abgefeuerte Kugel und nur schwer realisierte der junge Krieger, welches Glück er gehabt hatte. Der Soldat war gestürzt und wollte die Waffe erneut auf Varyu richten, da riss er sich aus seiner Lethargie. Blitzschnell zog er sein Tstal hervor und stieß zu. Ein Schmerzensschrei hallte zwischen den Bäumen hindurch. Hass gepaart mit Verwunderung mischten sich in den Ausdruck des Soldaten, bevor er zusammensackte und regungslos liegen blieb. Auraya hatte der Angriff ebenso überrascht wie die übrigen Na’vi, doch schnell hatte sich das Mädchen wieder in der Gewalt. Neugierig beobachte sie, wie Varyu mit der für sie alle gefährlichen Situation umging. Etwas, das ihre Achtung für den Krieger deutlich steigen ließ. Langsam trat Varyu an den leblosen Soldaten heran und steckte die Klinge wieder zurück. Nachdem er sich von dessen Tod überzeugt hatte, gab er leidenschaftslos das Zeichen, zum Kelutral aufzubrechen.

******

Unzählige Augenpaare starrten auf die Scanner und Bildbeobachtungsgeräte, doch es war wie verhext. Nirgends ließ sich ein Zeichen der abgestürzten Maschinen entdecken. Wer nicht das Glück hatte, einen der heiß begehrten Plätze davor zu ergattern, begnügte sich damit, durch die Einstiegsluken auf das rasend schnell vorbeiziehende Blätterdach zu starren. Unterschwelliges Dröhnen erfüllte die Luft, das bis in die schwer gepanzerten Kabinen vordrang. Norton beglückwünschte sich über seine Ohrenschützer, welche den Soldaten in ihrer Standardausrüstung vorenthalten wurden. Zu beiden Seiten glitten die massiven Kampfhubschrauber wie silberne Todesboten durch die Luft. Schlanke Raketen und mehrläufige Geschütze hingen drohend unter den Tragflächen und ließen erahnen, welche Feuerkraft sich hinter den Maschinen verbarg.
Einst zur raschen Niederschlagung von Aufständen entworfen und an die Eingreiftruppen ausgeliefert, versahen sie nun auf dem fernen erdähnlichen Mond zuverlässig ihren Dienst. Norton schreckte aus dem monotonen Dröhnen auf, das auf ihn einschläfernd wirkte. Nervös sah er sich um, ob einer der Männer an Bord etwas bemerkt hatte, doch im nächsten Moment atmete er erleichtert auf. Keiner seiner Begleiter schien sich um ihn zu kümmern und nur Augen für die Suche am Boden zu haben. Unter ihnen zog die verlassene Basis vorbei. Interessiert blickte er auf die im Sonnenlicht glänzenden Gebäude herab. Doch nichts zeigte sich, welches das Interesse der zahlreichen Beobachter hätte wecken können. Eine Weile zogen sie weiter über den Urwald dahin. Eingehende Funksprüche der anderen Verbände zeichneten ein ernüchterndes Bild. Nirgends ließ sich eine Spur der beiden vermissten Maschinen ausmachen, auf deren Meldung die Suche angeordnet wurden war. Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit, in der das eintönige Grün des Urwalds sich unter den Hubschraubern ausbreitete, erreichten die Maschinen die Grenze ihrer Reichweite. “Das ist doch alles sinnlos. In dem Dickicht finden wir sie nie. Gab es noch eine weitere Funkmeldung von den Maschinen?“ Der angesprochene Funker schüttelte den Kopf und wand sich wieder seinen Geräten zu. Nur widerwillig gab der Staffelführer den Befehl, die Aktion abzubrechen. Nacheinander wendeten die schlanken Maschinen und richteten ihren Bug auf die in der Ferne liegende Basis aus.

******

Bei ihrer Ankunft am Kelutral fiel Brian sofort auf, dass etwas in ihrer Abwesenheit passiert sein musste. Meist wurden sie von schreienden und lachenden Na’vi Kindern umringt, die es sich nicht nehmen ließen, mit dem Söldner ihren Unsinn zu veranstalten. Doch diesmal war alles anders. Eine geradezu unheimliche Ruhe lag über dem Urwald und unbehelligt erreichten sie die große Feuerstelle. Völlig verlassen präsentierte sich der Lagerplatz, wo sonst stets ein hektisches Treiben herrschte. “Wo sind sie denn alle hin, Fawn? Diese Ruhe hat ganz sicher nichts Gutes zu bedeuten.”
“Du bist immer so ängstlich, ma Brian. Vielleicht veranstalten sie ein Bogenschießen oder einer der Jäger hat seine Prüfung abgelegt. Lass uns einfach nachsehen.” Eine Weile schlenderten sie erschöpft von ihrer Reise durch das verlassene Lager. Ihr Pa’li war schon nach ihrer Ankunft davon gestoben. Brian nahm an, dass es dabei war, sich den Bauch mit dem überall reichlich vorhandenen Gras voll zuschlagen. Etwas, dass ihn daran erinnerte, dass sie selbst lange nichts mehr gegessen hatten. Als sie schließlich den hinteren Teil des Lagers, wo die Pa’li untergebracht waren erreichten, brandete ihnen Lärm und das gewohnte Lachen entgegen.
“Was ist da los, Fawn?” “Ich weiß es nicht, ma Brian. Da vorne sehe ich Iley und meine sa‘nu. Aber ich verstehe nicht, warum sie uns nicht begrüßen.” Als sie die Versammlung erreichten und sich zwischen den Ureinwohnern hindurchzwängten, stockte Brian fast der Atem.
“Tawtute”, fauchte Fawn. Ungläubig starrte sie auf die gefesselten Himmelsmenschen, die von zahlreichen Kriegern argwöhnisch bewacht worden.
“Na da brat mir doch einer einen Storch”, rief einer der Soldaten, als er Brian erblickte. “Wie haben Sie es geschafft, hier einfach rumlaufen zu dürfen? Sagen Sie diesen Wilden, dass sie uns sofort freilassen sollen, sonst wird es ernste Konsequenzen für Sie haben.” Brian verzog angewidert das Gesicht. Augenscheinlich hatte er linientreue Soldaten vor sich, die jeden Gedanken an eine Aufgabe als Verrat auffassen würden. “Es tut mir sehr leid… “, “Graham, Pilot”, “… wie auch immer”, sagte Brian. “Ich fürchte, im Moment sind mir leider die Hände gebunden. Haben Sie etwas Geduld. Meine Brüder und Schwestern werden sicherlich bald entschieden haben, wie weiter mit Ihnen verfahren wird.”
“Was soll das heißen? Du elender Verräter machst gemeinsame Sache mit diesen Wilden? Sobald unser Kommandant davon erfährt, wird er das Lager angreifen und dem Erdboden gleichmachen lassen.”
“Dazu müsste er erst einmal wissen, wo sie sich überhaupt aufhalten, finden Sie nicht?”, sagte Brian.
“Deinen sarkastischen Ton kannst du dir schenken, Verräter. Hältst dich wohl für besonders intelligent oder? Was glaubst du, warum wir die Aufklärungsflüge unternehmen und wir waren nur eine der Einheiten. Der Suchkreis erweitert sich täglich und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie euch aufspüren. Noch dazu wo wir einen Funkspruch absetzten konnten.” Ein höhnisches Lächeln erschien auf dem Gesicht des Soldaten, als er Brians Verblüffung bemerkte. “Nicht wahr, jetzt haben wir euch mit herunter gelassenen Hosen erwischt. Damit hattet ihr bestimmt nicht gerechnet.”
“Komm mit Fawn, wir müssen reden!” “Überrascht wollte sie etwas erwidern, doch Brian ergriff ihre Hand und zog sie unter den verwunderten Blicken der anderen Na’vi mit sich.
“Was hast du, ma Brian? Hat der Tawtute dich verärgert? Ich habe nicht alles verstanden, obwohl ich deine Sprache kenne. Er spricht sehr ungewöhnlich.”
“Nein Fawn, er hat nur einen starken Akzent.” “Es ist sehr unhöflich von uns, zu gehen. Hast du die Blicke meiner sa’nu bemerkt? Ich hätte sie wenigstens grüßen müssen, so erfordert es der Brauch.“ “Eure Bräuche müssen warten. Ich glaube nicht, dass die anderen Himmelsmenschen darauf Rücksicht nehmen werden.“ Awaiei trat an ihre Seite, das Kind sicher in der Trageschlaufe um ihren Bauch verwahrt.
“Seit wann sind die Tawtute hier im Lager?”, fragte Brian. Die schmächtige Na’vi streichelte versonnen über den Kopf des Babys. “Unsere Krieger brachten sie nach eurem unerwarteten Aufbruch. Einer von ihnen starb, als er sich der Gefangennahme widersetzte.” Die hagere Na’vi stockte. Zu sehr haftete die Erinnerung an ihre eigene Gefangenschaft in ihr und noch immer vermied sie es, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Geduldig wartete Brian, bis Awaiei fortfuhr, während sie ihrem Schlafplatz entgegen schritten.
“Die Schamanin sieht gelegentlich nach ihnen. Sie hat auch die Krieger besänftigt und davon abgebracht, die Himmelsmenschen einfach zu töten.”
“Wäre das nicht die Aufgabe eures Anführers? Wo ist er überhaupt? Ich kann ihn nirgendwo sehen.” Sie erreichten den Lagerplatz und Fawn war Brian dabei behilflich, sich seines Gepäcks zu entledigen.
“Ihr könnt es ja nicht wissen. Unser geliebter olo’eyktan ist seit Tagen schwer erkrankt und keines der Heilmittel der Tsahìk will anschlagen. So haben wir voller Verzweiflung und auf ihr Drängen hin damit begonnen, jeden Abend zu Eywa für seine Gesundung zu beten, ma Brian. Kann ich bitte Verzeihung haben, dass ich euch nicht sofort informierte?”
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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #1 on: May 19, 2013, 07:09:36 pm »
Fawn setzte sich neben die hagere Frau und streckte dem Baby einen Finger entgegen, nach dem es begierig griff.
“Schon gut. Du kannst nichts dafür. Wir sind wirklich viel zu oft unterwegs.”
“Ma Fawn… dein Vater möchte dich sprechen und er war äußerst ungehalten, als ich ihn verließ. Er bat mich, dir Bescheid zu sagen, falls wir uns begegnen.”
Fawn konnte nicht verhindern, dass sie ungewollt zusammenzuckte. Im Innern ihres Herzens fühlte sie sich schuldig. Darüber, dass sie solange ihren Stamm verließ und weniger Zeit für ihre Familie aufbrachte, als man es allgemein von ihr erwartet hätte.
“Oe irayo si ngaru ma Awaiei, ich werde meinen sempul sofort aufsuchen.” “Soll ich dich begleiten, Fawn? Ich habe Ayur auch lange nicht mehr gesehen und würde gern ein paar Worte mit ihm wechseln.”
“Die ich dann doch nur wieder übersetzen müsste, skxwang. Nein, das muss ich allein machen, ma Brian.”
“Ganz wie du meinst, Fawn. Dann versuche ich mein Glück beim olo’eyktan. Ich möchte sehen, was ihm wirklich fehlt und vielleicht kann er mir weiterhelfen.”
Sprachlos sah Fawn ihm nach, bis Awaiei ihr eine Hand auf die Schulter legte und sie damit in die Wirklichkeit zurückholte.
“Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, deinen Vater zu treffen. Er sprach davon, dass er mit den anderen Jägern bald wieder aufbrechen würde, um Fleisch und Felle zu besorgen.”
Fawn verharrte und überlegte eine Sekunde, über was ihr Vater wohl noch alles mit Awaiei in ihrer Abwesenheit gesprochen hatte. Doch widerstrebte es ihr, die schmächtige Frau danach zu fragen. Die Blicke der jungen Na’vi auf ihrem Rücken fühlend, schlich sie sich, sichtlich betroffen, wie ein Dieb davon.

******

Abwehrend hob die Schamanin beide Hände und versperrte Brian den Weg. Ein paar junge Na’vi Mädchen, die ihr helfend zur Seite standen, hielten sich kichernd im Hintergrund. Ein Wink der Schamanin und das Gackern verstummte augenblicklich.
“Du kannst nicht zu ihm. Der olo’eyktan ist sehr schwach und ich werde nicht zulassen, dass du ihn störst Tawtute.”
“Aber ich muss mit ihm sprechen. Wenn mich nicht alles täuscht, bereiten die Himmelsmenschen einen Angriff auf das Lager vor.”
Die Schamanin verzog keine Miene, doch in ihren Augenwinkeln blitzte es belustigt auf.
“Ein Tawtute warnt mich vor seinesgleichen. Welch eine Ironie des Schicksals. Allerdings ändert es nichts an meiner Entscheidung, Brian.”
“Ich kann wirklich nichts tun?”
“Doch, du darfst gehen.”
“Wahrlich… ein Stein ist leichter zu erweichen als ihr, Tsahìk.” Sie lachte bei seinem Vergleich laut auf, hatte sich jedoch sofort wieder unter Kontrolle.
“Ich kann mir vorstellen, dass deine neuen Freunde sicher erfreut sein würden, dich in die Hände zu bekommen, immerhin habe ich das Gespräch vorhin am Verschlag mitbekommen.”
Brian musste grinsen und meinte anerkennend.
“Ihr seid eine sehr gefährliche Frau, Anìhe.”
“Es gehört zu meinen Stärken, über alles Bescheid zu wissen und du wärest enttäuscht, wenn dem nicht so wäre. Vielleicht möchtest du dich noch weiter mit den Gefangenen unterhalten? Ich gebe dir die Erlaubnis dazu. Mit etwas Glück verraten sie dir etwas, das sie bisher vor uns verschwiegen haben. Die Aussicht auf Freiheit vermag jeden Geist zu beflügeln.“
“Ich soll ihnen in Aussicht stellen, dass wir sie laufen lassen?“ Die Tsahìk machte eine abwägende Geste mit ihrer Hand.
“Der Zweck heiligt die Mittel. Ist es nicht das, was ihr immer sagt Himmelsmensch? Unsere Krieger sind zuverlässige Wächter, aber lausige Diplomaten. Doch nun geh und sei ohne Sorge. Sollte unser geliebter Anführer aufwachen, werde ich ihm dein Ansinnen vortragen. Solange müssen wir auf die Güte unserer großen Mutter vertrauen. Sie wird uns in diesen schweren Zeiten leiten und beschützen.”
Brian merkte, dass damit für die Schamanin das Gespräch beendet war und machte einen Gruß der jedem Na’vi zur Ehre gereicht hätte. Es war besser, es sich mit der Ehrfurcht gebietenden Frau nicht zu verderben. Erst wollte er erneut den Pferch aufsuchen, entschied sich aber, einer Eingebung folgend, anders und trabte entschlossen ihrem Nachtlager entgegen.

******

Die kleine Jägerin traf Ayur bei den Pa’li an, wo er im Kreise seiner Begleiter alles für die nächste Jagd vorbereitete. Seine befehlsgewohnte Stimme trieb die anderen Jäger zu Höchstleistungen an.
“Ma sempul, oel ngati kameie.” Ehrfurchtsvoll legte Fawn die Hand an ihre Stirn. Ayur sah auf und erwiderte den Gruß flüchtig, ohne das jedoch ein Wort über seine Lippen kam. Eine Weile sah Fawn ihm zu, wie er seine Waffen schärfte.
“Es ist lange her, dass ich meine Tochter das letzte mal erblickt habe.” Ayur tat, als wäre sie nicht anwesend, was ihr mulmiges Gefühl in der Magengegend nur verschlimmerte.
“Sag mir Kind, wo treibst du dich ständig herum? Reicht es nicht, dass dein Bruder immer mehr versucht, die Gebräuche der Himmelsmenschen nachzuahmen? Ich habe große Stücke auf dich gehalten.” Er richtete sich zu voller Größe auf und legte seine Hände auf ihre Schultern. “Aus dir hätte eine hervorragende Spurensucherin werden können. Du besitzt ein scharfes Auge und einen wachen Verstand. Wohlmöglich… mit etwas Hilfe, wärest du sogar die nächste Tsahìk geworden. Anìhe wird nicht ewig leben, auch wenn ihre Zeit noch nicht gekommen ist.”
“Ich bin mir sicher, dass sie erfreut sein dürfte, eure Worte zu vernehmen Vater.”
“Schweig! Wie kannst du es wagen, so mit mir zu reden?”
Eine Hand packte sie fest und zog sie an sich.
“Ich werde dir eine Chance geben, mir zu zeigen, was dir deine Familie und dein Stamm bedeutet.” Fawn starrte ihn ob seiner geheimnisvollen Andeutungen nervös in die wachsamen Augen. “Wir brechen heute auf, um Yeriks zu jagen. Deine Fähigkeiten wären uns eine große Hilfe und würden die Zeit, die wir unterwegs sind, um ein beträchtliches verkürzen. Ich kann auf dich zählen, ma ite?” Ein gigantischer Kloß blockierte ihren Hals und so sehr sie es auch versuchte, brachte sie kein einziges Wort hervor. Geschickt entwand sie sich seinem Griff.
“Ich kann nicht, Vater. Brian und ich sind gerade erst angekommen und wir… .”
“Unser Anführer ist krank.”
“Ich weiß, Vater. Awaiei hat es mir gesagt.”
“Du könntest dabei behilflich sein, Kräuter zu suchen, wenn dir schon die Jagd nicht liegt.”
“Vater bitte, das habe ich nie gesagt.”
“Dennoch weiß ich, das es so ist. Du warst schon immer sehr sanft und konntest keinem Tier etwas zu Leide tun. Die Krieger haben dich deshalb verachtet und für schwach gehalten. Dein Bruder folgt deinem Vorbild, obwohl ich gehofft hatte, dass er das Herz eines Kämpfers besitzt. Noch dazu jetzt, wo unsere Tsahìk dazu gezwungen sein wird, eine Entscheidung zu treffen.”
“Welche Entscheidung, ma Ayur?”
“Nun, sollte der Anführer nicht überleben, muss unter den Kriegern sein Nachfolger bestimmt werden.”
Fawn schoss es siedend heiß durch den Kopf, als sie bemerkte, auf was ihr Vater hinaus wollte. Nur schwer schaffte sie es, ihre aufwallende Wut unter Kontrolle zu halten.
“Findest du auch, dass Iley zu schwach ist und dass ich verweichlicht bin?”
“Du vernachlässigst deine Aufgaben. Das ist, was wir alle hier sehen.” Ein wütendes Fauchen entfuhr Fawn.
Ayur sah seine Tochter aufmerksam, aber von ihrem emotionalen Ausbruch unbeeindruckt, an.
“Wenn sich unsere Brüder und Schwestern jetzt entscheiden müssten, dann sag mir, auf wen wird ihre Wahl fallen?”
Fawn spürte weiterhin ein merkwürdiges Gefühl im Hals und eine Weile blickte sie ihren Vater atemlos an. Schließlich machte das Mädchen die geläufige Geste des Abschieds. Bevor sie sich zu einer Dummheit hinreißen ließ, die sie später wieder bedauerte, trat sie lieber den Rückzug an.

******

Aufgebracht brach Fawn durch die Büsche und ließ sich auf ihr pralles Hinterteil fallen. Unruhig wischte ihre Schwanzspitze über den Boden, während ihre Augen in einem gelben Feuer funkelten.
“Das Gespräch mit deinem Vater verlief alles andere als angenehm?” Brian wollte irgendetwas sagen und spürte instinktiv, wie sehr die kleine Na’vi innerlich schäumte.
“Sei still, Trottel! Es ist alles deine Schuld. Mein sempul wirft mir vor, dass ich mit dir zuviel Zeit verbringe und selbst Iley hält er mittlerweile für schwach.”
“Nun was mich betrifft, verbringe ich gerne viel Zeit mit… .” “Du sollst still sein! Wie oft muss ich das noch sagen. Ich werde Vater auf die Jagd begleiten müssen. Nur so kann ich seine Gunst wieder zurückerlangen, auch wenn ich kein Verlangen darauf verspüre. Ich will ihnen nicht dabei zusehen, wie sie Tiere schlachten. Das konnte ich noch nie. Vielleicht hat mein sempul doch recht.”
“Nimm dir nicht immer alles so zu Herzen. Er hat es bestimmt nicht so gemeint.” Sie warf sich auf ihn und riss ihn dabei zu Boden. “Bist du krank, ma Brian?” Nein… eigentlich nicht, warum fragst du?” “Weil deine Ohren nicht hören. Ich bat dich ruhig zu sein.” Sie betrachte ihn, wobei es merkwürdig in ihren Augenwinkeln aufblitzte. Seelenruhig erhob sich Fawn und begann, die Verschürung ihres Lendenschurzes zu lösen. Brian lag eine Frage auf der Zunge, doch diesmal verbiss er sich jede weitere Bemerkung, bevor sie wieder bockig wurde.
“So ist es gut. Du lernst schnell, Tawtute.” Der fein gewebte Stoff flog, gefolgt von Ketten und Federschmuck, achtlos ins Gras. Fawn schnalzte auffordernd mit der Zunge, nachdem sie ihn aufmerksam betrachtet hatte.
“Du darfst jetzt wieder sprechen, ma Brian.”
“Was hast du vor, Fawn? Es ist helllichter Tag und jederzeit kann jemand nach uns sehen.”
“Schämst du dich meiner, ma Brian?” Sie hielt ihn fest und presste ihre Nase so dicht an die Maske, dass er nicht anders konnte, als ihr in die Augen zu sehen.
“Nein Fawn, es ist nur etwas ungewohnt. Allerdings könnte ich mich an den Anblick gewöhnen.” Ein freches Grinsen zierte sein Gesicht.
“Mach schon, ma Brian und leg endlich deine Kleidung ab.” Sein Blick streifte flüchtig über die Sträucher und das sie umgebende Gelände. Awaiei war längst mit ihrem Kind entschwunden und in der Ferne plätscherte das Wasser des nahen Flusses und gab dem Ganzen eine friedliche Atmosphäre. Brian seufzte erleichtert auf. Der Lagerplatz war gut gewählt gewesen.
“Ma Brian, träumst du? Ich mag es nicht, wenn du mich warten lässt.” Die sanfte, doch zugleich fordernde Stimme riss ihn aus seinen Betrachtungen. Brian drückte sie in das weiche Moos und begann ihren nackten Körper zu streicheln, wobei er sich ausgiebig den biolumineszenten Punkten widmete. Mit einem Mal schien er alle Hemmungen verloren zu haben, die ihn eben noch belastet hatten. Fawn stöhnte auf, als er die Warzen ihrer knospenden Brüste fest umschloss und begann sie mit den Fingern zu traktieren. Zu dem Prickeln, dass seine Hände an ihren Brüsten verursachte, kam ein brennendes Gefühl zwischen den Schenkeln. Fawn stieß kurze lustvolle Laute aus, als eine Hand dazwischen fuhr, ihre Scham streichelte und unzählige freche Dinge mit ihr anstellte. Einen Moment überlegte sie, ob sie sich auf den Bauch rollen sollte, um ihm ihren Hintern zu präsentieren, verwarf den verlockenden Gedanken aber sofort wieder. Vermutlich würde sie sich nicht mehr zurückhalten können, wenn Brian sie auf diese Art verwöhnte und das gesamte Lager durch ihre Schreie aufmerksam werden. So beließ sie es dabei und gab sich ganz seinen Liebkosungen hin, bis eine heiße Welle sanften Schmerzes sie fast besinnungslos werden ließ und ihr den Atem raubte. Erschöpft sank Brian auf sie und sofort schlang das Mädchen die Arme um ihn.
“Siehst du ma Brian, ich habe es dir doch gesagt. Niemand hat etwas bemerkt.” “Ja schon, aber ohne die Maske hätte ich deutlich mehr davon gehabt.“ Ein Kichern, dass sie in letzter Zeit häufiger vernehmen ließ. “Oh, was du eben mit mir gemacht hast, sah nicht danach aus, dass du unglücklich bist, ma Brian.” Noch immer lief ein deutlich spürbares Zittern durch ihren schlanken Körper. Große gelbe Augen blickten ihn frech an und versuchten, jede Regung in seinem Gesicht zu deuten. “Was hast du, ma Brian? Sag es mir, ich sehe… nein anders, ich spüre es, dass du etwas hast, das dich bedrückt.” Brian tastete nach seinen Sachen und begann sich anzuziehen.
“Ich wollte es dir schon vorhin sagen, Fawn, aber du hast mich nicht zu Wort kommen lassen.” “Was gibt es denn, ma Brian? Ich hoffe, du hast keine schlechten Neuigkeiten.”
“Was? Nein, ganz und gar nicht Fawn. Erinnerst du dich an meine Überlegung neulich in der Basis?” Sie nickte stumm und ließ ihn fortfahren.
“Die Schamanin gab mir die Erlaubnis, mich intensiv mit den Gefangenen zu unterhalten und ihnen ein Zugeständnis zu machen.”
“Was ist ein Zugeständnis, ma Brian?”
“Also kurz gesagt, sollte ich ihnen versprechen, dass wir sie freilassen, wenn sie uns behilflich sind.”
“Behilflich bei was? Ich kann nicht glauben, dass die Tsahìk sie gehen lässt. Die anderen Krieger werden dem niemals zustimmen.”
“Das müssen sie auch nicht, Fawn. Anìhe ist nach eurem Anführer die Nächste in der Stammesfolge. Ich denke nicht, dass einer der Krieger sich offen gegen sie stellen würde. Der olo’eyktan ist zu schwach, um derzeit Entscheidungen zu treffen. Nur ein von allen Kriegern bestimmter Nachfolger könnte ihn ablösen.”
“Noch lebt er aber, ma Brian und in unserem Interesse bete ich, dass er noch lange unter uns weilt. Nicht alle sind unserer Vereinigung wohl gesonnen und wenn der Falsche erwählt wird, könnte das schlimme Folgen für uns haben.”
“Mach dir keine Sorgen. Uns bleibt immer noch die Basis als letzten Rückzugsort. Hoffen wir einfach, dass es nicht zum Schlimmsten kommt.” Sanft strich er über ihre Ohren, was sie zu einem genießerischen Laut veranlasste.
“Das war es allerdings nicht, worüber ich mit dir sprechen wollte. Unter den Gefangenen befindet sich auch der Pilot der abgeschossenen Maschine.”
“Ich verstehe dich nicht, ma Brian.”
“Nun, der Zufall will es, dass in der Basis ein einsatzfähiger Sampson steht.”
Sie packte seine Hände. “Du konntest ihn nicht fliegen.”
“Ja, aber er kann es. Jetzt müssen wir nur eine Möglichkeit finden, ihn sicher dorthin zu geleiten, dann könnte er die Maschine zurück zum Kelutral fliegen.”
“Warum sollte er das tun, ma Brian?” Er seufzte auf. Der kleinen Jägerin komplexe Zusammenhänge zu vermitteln, noch dazu, wenn sie technischer Natur  waren, war ein ebenso schwieriges Unterfangen, wie ihm die Sprache der Ureinwohner beizubringen.
“Mit etwas Hilfe könnten wir eines der kleineren Module von dem Hubschrauber transportieren lassen. So ein Haus hier in der Nähe vom Heimatbaum würde vieles erleichtern.”
“Du hast immer so verrückte Einfälle, ma Brian. Wer soll dir dabei helfen?”
“Nun, ich dachte an dich und deinen Bruder, wenn er einverstanden ist. Allein schaffe ich es nicht und jemand muss den Piloten während der Unternehmung bewachen.”
“Das werde ich übernehmen.” Fawn sprang auf und ihr Gesicht ließ keinen Zweifel daran, dass sie es kaum erwarten konnte, ihn zu begleiten. Dass sie immer noch völlig nackt war, schien das Mädchen zu ignorieren. “Iley wird uns helfen, wenn ich ihm sage, was du vorhast. Er hat mir noch niemals eine Bitte verwehrt.” Wenn Brian über ihre Antwort erleichtert war, so zeigte er es nicht. Fawn trippelte davon. “Wo gehst du hin?” “Mich waschen, ma Brian. Du kannst gerne warten, ich bin bald wieder zurück. Oder möchtest du mich begleiten?”
Brian verspürte keine Lust, sich in die kalten Fluten des Flusses zu stürzen und winkte ab. Einen Augenblick betrachtete er seine Stiefelspitzen, bis sein Blick auf Fawns Lendenschurz und ihre Ketten fiel, die immer noch auf dem Boden lagen. Nachdenklich klaubte er alles auf und erhob sich.
“Ach, was soll’s”, sagte er und folgte der kleinen Jägerin zum Fluss hinunter.

******

Brian beglückwünschte sich zu seinem Einfall, Fawns Bruder gebeten zu haben, sie zu begleiten. Der eindrucksvolle Krieger war ein wertvolle Hilfe und packte tatkräftig mit an, auch wenn er nicht verstand, was der Himmelsmensch beabsichtigte. Den Piloten durch den Dschungel zu geleiten, war der weitaus leichtere Teil gewesen. Schwieriger hatte sich die Ablehnung der Krieger gestaltet, die ihren Gefangenen nicht freigeben wollten und Brians Vorschlag äußerst misstrauisch betrachteten. Nur das beherzte Eingreifen der Schamanin hatte Schlimmeres verhindern können und die Gewissheit, dass die beiden anderen Tawtute im Lager verblieben.
“Sind die Bänder fest genug Iley?”
“Srane ma Brian.” Er zog mit seinen Händen an den Verschnürungen, doch sie gaben nicht nach. “Sehr schön. Dann kann es endlich losgehen.”
“Was meinst du?”, fragte der Krieger verwundert.
“Wir fliegen zurück zum Heimatbaum und das hier kommt mit.” Brian deutete auf das Dach der Baracke.
“Wie willst du es zum Kelutral bekommen? Kein Pa’li wird es bis dorthin ziehen können.”
Brian lachte auf. “Das wird auch nicht nötig sein, Iley. Einer der metallischen Vögel wird diese Aufgabe übernehmen.” Sprachlosigkeit zeigte sich auf dem Antlitz des Kriegers.
“Du meinst das ein Kunsip es wirklich tragen kann?”
“Ich weiß es nicht, aber einen Versuch ist es wert”, antwortete Brian. “Ich helfe dir, auch wenn ich nicht verstehe, was du beabsichtigst, ma Brian.”
“Ich hatte auch nichts anderes erwartet”, sagte Brian innerlich erleichtert. “Ich werde mit Fawn auf die Besatzung achten, während du hier auf der Baracke bleibst. Wird das gehen?” Nun war es an Iley zu grinsen.
“Du denkst immer noch wie ein Tawtute. Dieses seltsame Ding bereitet mir keine Furcht, auch wenn es sich hin und her bewegen sollte. Es bereitet weniger Schwierigkeiten, als einen wilden Ikran zu zähmen. Eines unserer Kinder könnte sich mit Leichtigkeit an den Bändern festhalten.” Grinsend sah Brian zu dem startbereiten Sampson. Fawns Beine hingen aus einer der Türen hinaus und zeigten ihm, dass die kleine Jägerin ihre Aufgabe, den Piloten zu bewachen, sehr ernst nahm. “Wir können starten, Fawn”, rief er dem Mädchen entgegen. Fawns Kopf lugte aus der Kabine. Ein kurzes Nicken, dann verschwand sie wieder. Der Söldner warf einen letzten prüfenden Blick auf die gewagte Konstruktion und wand sich dann ebenfalls dem Sampson zu. Im gleichen Moment sprang der Rotor an und wirbelte loses Geäst in weiten Bogen beiseite. Die kleine Jägerin zog Brian beherzt hinein. Ein Ruck und die schwere Maschine hob gemächlich vom Boden ab. Angespannt richteten sich mehrere Augenpaare auf Iley, der ihnen vom Dach der nahen Baracke zuwinkte. “Gleich wissen wir, ob die Bänder halten”, sagte Brian. Die Maschine stieg sanft auf. Immer mehr straffte sich die Verschnürung, bis ein spürbares Rütteln durch den Boden des Hubschraubers zog. Bange Sekunden geschah nichts und Brian erwartete, dass der Sampson unter der Beanspruchung aufheulte. Schließlich begann sich die Baracke zu bewegen. Erst war es nur eine kaum merkliche Bewegung, dann ging sie in ein leichtes Schlingern über, dass die überlegt angebrachten Bänder und die Erfahrung des Piloten gleichermaßen in den Griff bekamen. Nach weiteren angespannten Augenblicken zog die Maschine mit ihrer Fracht ruhig über das Gelände der Basis hinweg auf den nahen Urwald zu. Vergnügt ließ er seine Blicke über den Horizont streifen. Mit Hilfe des Sampsons würden sie innerhalb kürzester Zeit beim Lager sein, auch wenn er den Piloten instruiert hatte, besonnen zu fliegen, um jegliche Rotation des mitgeführten Gebäudes zu verhindern.
Der Söldner merkte nicht, dass der Abtransport der Baracke von einer Hubschrauber-Besatzung in der Nähe beobachtet wurde.

******

Brian wartete geduldig, bis der Hubschrauber mit seiner gewaltigen Last sich dem Lager näherte. In weiser Voraussicht hatte er mit Fawn zusammen einen Platz unweit vom Flussufer gesucht. Der Untergrund war hier fest genug um ein Wegsacken der Baracke zu verhindern. Auch wollte er nicht die Ureinwohner mehr als nötig beunruhigen. In der Nähe erhob sich der mächtige Kelutral, doch ausreichend entfernt für die Zwecke des Söldners. Langsam senkte der Sampson sich durch das Blätterdach, wobei seine Rotoren, alles was sich ihnen in den Weg stellte abrasierten und davon wirbelten. “Noch etwas weiter rüber! Nein mehr nach rechts! Ja, so ist es gut.” Angespannt gab der Söldner dem Piloten über sein tragbares Sprechfunkgerät Anweisungen, bis das Gebäude mit einem dumpfen Geräusch aufsetzte. Der Lärm des Rotors traktierte seine Ohren und machte es schwer, sich zu konzentrieren. Nachdenklich blickte Brian auf sein neues Zuhause hinab, ob es irgendwelche äußerliche Schäden davon getragen hatte. Zu seiner Beruhigung ließ sich außer ein paar Kratzern nichts gravierendes auf dem Metall feststellen. Allerdings war das aus der erhöhten Position schlecht abzuschätzen. Er musste runter, um alles genauer inspizieren zu können. Ohne zögern löste er die Halteschlaufen der Träger, während Iley es ihm unterhalb des Hubschraubers gleichtat. “Das haben Sie gut gemacht, Pilot und ich halte mein Wort. Sie können nun zu ihrer Basis zurückfliegen. Im gleichen Augenblick wagte er den Sprung auf das unter ihm befindliche Dach der Baracke. Geschickt rollte sich der Söldner ab und ließ sich an der Vorderseite hinunter gleiten, bis er endlich festen Boden unter seinen Füßen spürte.

Die beiden schon hoffnungsvoll dreinschauenden Soldaten hangelten sich auf Brians Zeichen an einem Seil nach oben.
“Fawn, du kannst abspringen.” Er wusste nicht, ob die kleine Jägerin ihn überhaupt durch das Gerät verstanden hatte. Im nächsten Moment wurde er seiner Sorgen enthoben, als die hübsche Na’vi in der Nähe auf den Füßen landete. Es erstaunte Brian immer aufs Neue, wie unglaublich geschickt das Mädchen war. Über ihm brummte der Rotor auf und in einem langsamen Steigflug entfernte sich die Maschine. Brian schritt durch die kleine Schleuse und griff nach einem Hebel. Augenblicklich reagierte die interne Energieversorgung auf die Aktivierung.
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Offline Eichhörnchen

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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #2 on: May 19, 2013, 07:11:27 pm »
Anzeigen begannen zu blinken und das Innere wurde von einem angenehmen Licht erfüllt. Selbst die Filteranlagen liefen reibungslos. Vorsichtig nahm Brian die Maske ab und tat einen Atemzug. Nichts geschah. Kein Anzeichen eines Erstickungsanfalls, nur etwas abgestanden roch es in den Räumlichkeiten. Von draußen sah er das lächelnde Gesicht der kleinen Jägerin. Brian winkte dem Na’vi Mädchen zu und forderte sie damit auf, hineinzukommen. Ihr Gesicht verschwand und Brian hörte, wie jemand die Schleuse betätigte. Kurz darauf erklangen tapsende Schritte, die sich ihm vorsichtig näherten. Fawn schenkte der für sie inzwischen völlig vertrauten Umgebung keine Beachtung und schlang ihre Arme um den Söldner.
“Dein neues Zuhause, ma Brian”, kicherte sie und drückte verspielt die Nase gegen seine. “Bist du nun glücklich?”
“Ja Fawn. Endlich habe ich ein Stück meiner Welt zum Greifen nah. Es wird vieles vereinfachen und wir können hier verrückte Dinge anstellen.” Das Mädchen gab ein Glucksen von sich.
“Srane, doch das muss warten. Unsere Brüder und Schwestern wollen darüber abstimmen, wer der Nachfolger unseres Stammes-Anführers werden soll. Wie du weißt, hat er keine Nachkommen. Unter den Kriegern sind Rivalitäten ausgebrochen, da viele als Anführer geeignet sind oder sich zumindest dafür halten. Nimm meinen smukan Iley und Ikelu. Sie sind sich nahezu ebenbürtig und ich fürchte, die Situation in der wir uns befinden, wird noch viel Missgunst heraufbeschwören.”
“Sollen sie halt gegeneinander antreten, bis nur noch einer übrig bleibt.” Brian hatte nur beiläufig geantwortet. Er zog es vor, sich aus den internen Streitigkeiten der Krieger raus zuhalten.
“Das haben sie vor, ma Brian”, antwortete Fawn völlig überraschend. “Was heißt das? Meinst du wirklich, dass Ikelu und all die Anderen aufeinander losgehen sollen?”
Fawns Gesicht nahm einen überaus ernsten Ausdruck an.
“Es ist der einzige Weg. Die Tsahìk könnte jemand vorschlagen, aber würde es die Krieger nicht zufrieden stellen. Sie müssen sich gegeneinander beweisen. Das liegt in der Natur unseres Volkes begründet.”
“Du sagst das, als ob es dich nicht betreffen würde. Ikelu und dein Bruder sind nicht gerade das, was man Freunde nennt und ihm wird jedes Mittel recht sein, ihn zu bezwingen. Hast du denn überhaupt keine Angst um ihn?”
“Sicher habe ich das, ma Brian. Doch es ändert nichts an den Gegebenheiten. Ich könnte vielleicht… .”
“Du könntest was? Wenn du einen Vorschlag hast, wie man den Irrsinn noch abwenden kann, dann wäre jetzt der geeignete Zeitpunkt dafür.” “Kehe. Ich kann nicht darüber sprechen. Ich möchte es nicht, verstehst du? Wärst du mir böse, wenn ich dich bitte, mich eine Weile allein zu lassen? Ich muss nachdenken, ma Brian.”
“Vermutlich kann ich dich nicht dazu bewegen, mit mir darüber zu sprechen?” Das Mädchen schüttelte entschieden den Kopf und Brian konnte ihr ansehen, dass egal was er anstellte, sie ihre abweisende Haltung nicht aufgeben würde.
“Also gut, wenn es dein ausdrücklicher Wunsch ist.” Er setzte die Maske auf und überprüfte den korrekten Sitz.
“Ich werde einen kleinen Streifzug durchs Lager machen und die Sachen von unserem Schlafplatz holen, Fawn.”
“Lass dir Zeit damit, ma Brian.”
“Ja. Das werde ich, sei unbesorgt.” Brian verließ die Baracke und warf einen Blick auf sein neues Heim. Ein Gefühl unglaublicher Zufriedenheit ergriff von ihm Besitz und begleitet von einem Lächeln, das seine Mundwinkel umspielte, schritt er dem nahen Fluss entgegen. Dass Fawn sich ausgerechnet die Baracke zum Nachdenken ausgewählt hatte, faszinierte ihn und zeigte, wie fest das Na’vi Mädchen inzwischen mit der Technik der Himmelsmenschen und ihrer mannigfaltigen Gegenstände vertraut war. Darin, so befand Brian, unterschied sich die kleine Jägerin gewaltig von den meisten ihrer Brüder und Schwestern. Der Söldner war so versunken in seine Überlegungen, dass er nicht bemerkte, wie ihn ein gelbes Augenpaar neugierig aus einem Gebüsch heraus beobachtete. Nichts ahnend schlenderte Brian davon.

******

Sorgfältig lag sämtliche Ausrüstung neben Brian ausgebreitet. Vor dem Transport hatte er sich dazu entschlossen, noch mal alles durchzusehen. Derart in die Aufgabe versunken, bemerkte er nicht, wie sich leise trippelnde Schritte ihm näherten. Erst als ein Schatten auf ihn fiel, sah sich Brian genötigt aufzusehen. Überrascht weiteten sich seine Augen, als er gewahr wurde, wer da vor ihm stand und erwartungsvoll auf ihn herabblickte. “Nicht wahr? Damit hattest du bestimmt nicht gerechnet Himmelsmensch.” Auraya ließ sich neben ihm nieder und betrachtete, von Neugier erfüllt, die seltsamen Dinge in seinen Händen. “Allerdings, das ist wirklich eine Überraschung. Dein Bruder wird es bestimmt nicht gerne sehen, dass du meine Gesellschaft suchst.”
Ein mildes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. “Ikelu hat nicht über mich zu verfügen, auch wenn er es gerne möchte. Ich treffe meine eigenen Entscheidungen, so wie du Brian. Was ist das für ein lustiges Ding?”
Verblüfft starrte Brian in ihr Gesicht, dann auf seine Hände. “Das ist… also… ein Ersatzfilter… für die Atemmaske. Siehst du hier.” Brian hielt das Teil an die Stelle, wo es eingesetzt wurde.
“Mache ich dich nervös?”, kicherte Auraya. “Du benimmst dich wie Varyu, wenn ich mit ihm zusammen bin.” Sie rückte noch etwas näher, so dass Brian den Geruch ihrer Haut wahrnehmen konnte.
“Wusstest du, dass Iley mich immer noch liebt? Er vermag es gut hinter seinem steinernen Gesicht zu verbergen, aber ich weiß, das es so ist. Ich schaue ihm direkt in sein Herz.” Auraya streckte sich, so dass ihre Reize besonders zur Geltung kamen, wobei ihre eindrucksvollen Augen ihn nicht aus dem Blick ließen. Wie so oft hatte sie auf jegliche Bedeckung ihrer Brust verzichtet.
“Findest du mich schön, …ma Brian?” Unbewusst zuckte Brian zusammen, als er die vertrauliche Anrede bemerkte. Ihm gefiel nicht, in welche Richtung sich ihre Unterhaltung fortbewegte. “Du wirst sicher keine Schwierigkeiten haben, einen Krieger zu finden”, sagte er ausweichend.
“Srane ma Brian und ich werde ihm ein kräftiges Kind schenken. Zu bedauerlich, dass Fawn keine Kinder bekommen kann.”
“Sie hat sich damit abgefunden, ebenso wie Iley nun mit Awaiei vermählt ist.”
“Ach wirklich? Hat sie das? Nun ich sah sie davonrennen und bin ihr nachgegangen. Ein weinendes Mädchen am Flussufer… ist das deine Vorstellung von Freude und Verständnis? Ihr Himmelsmenschen seid nur schwer zu begreifen.”
Brian sprang auf und wollte an ihr vorbei, doch Auraya hatte seine Reaktion vorausgesehen und packte ihn.
“Lass mich los, ich muss nach Fawn sehen.”
“Wozu sollte das gut sein, ma Brian? Du kannst ihr doch nicht helfen. Genauso wenig wie Iley vor sich selbst leugnen kann, dass er mich immer noch begehrt.”
“Was bist du doch für ein Miststück.”
Auraya verzog keine Miene. “Was erwartest du von mir? Soll ich mich ändern um jemand anderes für dich zu sein? Schade, dass du so klein bist. Ich würde dich gerne besser kennen lernen.” Ihr Blick aus den gelben Augen zeigte überdeutlich an was sie dabei dachte.
“Das ist keine besonders gute Idee und es gibt auch keinen Anlass dazu.” “Warum bist du so abweisend? Ich bin nicht so schlecht, wie du denkst. Du darfst mich nicht an meinem smukan messen.” Stimmt, du bist noch viel schlimmer, dachte Brian und verbiss sich mühevoll die Bemerkung.
“Es ist besser, wenn du jetzt gehst. Ich habe noch viel Arbeit vor mir.”
“Du bringst die fremdartigen Dinge in dein neues Haus? Ich habe zugeschaut, wie der glänzende Vogel es abgesetzt hat. Was wohl meine Brüder und Schwestern davon halten und erst Ikelu, wenn er es erfährt.”
“Wo ist Ikelu eigentlich? Ich habe ihn bisher nicht im Lager gesehen.”
“Er beaufsichtigt eine Gruppe Jäger, die ihren Ikran erwählen müssen. Er ist bald wieder zurück.”
“Was meintest du mit deiner Bemerkung?” Ein abschätzender Blick traf ihn und jagte Brian einen Schauer über den Rücken. “Nun ganz einfach. Du kannst es dir leicht oder sehr schwer machen. Ich bitte dich nur, etwas freundlicher zu mir zu sein. Die Entscheidung liegt ganz bei dir, Himmelsmensch. Wirst du das hinbekommen?” Brian überlegte fieberhaft, wie er die unsichtbare Schlinge, die sich um seinen Hals zog, noch abwenden konnte. Schließlich deutete er ein Nicken an.
“Ich werde etwas Zeit zum Nachdenken brauchen”, sagte er ausweichend.
“Gut, aber lass mich nicht zulange warten, Tawtute. Meine Geduld ist begrenzt.” Grußlos verschwand Auraya so schnell wie sie aufgetaucht war. Brian betrachtete den Filter in seinen Händen und schleuderte ihn davon. Mit einem Mal war ihm jede Freude über den bevorstehenden Einzug in die Baracke vergangen.

******

Brian schlenderte lustlos um die im Sonnenlicht glänzende Wand des Gebäudes herum. Vom Heimatbaum drangen Lachen und Wortfetzen an sein Ohr. Zahlreiche Na‘vi Frauen hantierten auf dem großen Versammlungsplatz mit Körben, farbenfrohen Tüchern und waren dabei Holz für das Lagerfeuer aufzuschichten. Brian schenkte ihnen keine weitere Beachtung. Während er sein neues Zuhause betrachtete, reifte ein Plan in ihm heran. Gerade war er dabei, das Innere zu betreten, als Fawn unerwartet herauskam.
“Fawn. Ich dachte, du bist am Fluss.” Sein Gesicht musste so verblüfft aussehen, dass die kleine Jägerin unweigerlich anfing zu lachen.
“Wie kommst du darauf ma Brian? Kannst du neuerdings meine Gedanken sehen? Aber wenn es dich beruhigt, ich war wirklich eine Weile dort, um besser nachdenken zu können.”
Brian spürte zum wiederholten Mal an diesem Tag einen Schauer den Rücken hinunterlaufen und hoffte inständig, dass Fawn nicht nachfragte, woher er davon wissen konnte. Eine Sorge, die sich im gleichen Augenblick als unbegründet erwies.
“Möchtest du etwas von mir, ma Brian? Du siehst mich so seltsam an. Ich kenne diesen Ausdruck an dir zur Genüge.”
“Wie war das gleich mit den Gedankensehen?” Brian verzog den Mund zu einem Grinsen. “Lass uns reingehen, Fawn. Ich möchte alle Annehmlichkeiten unseres neuen Schlafplatzes ausprobieren. Fawn sah überrascht zum Dach des Urwaldes.
“Ma Brian. Es ist Nachmittag und die Frauen werden bald damit beginnen das Essen vorzubereiten.” Ein verblüffter Blick. “Wirklich? Na das hat dich an unserem alten Lagerplatz doch auch nicht gestört.” Sie kicherte. “Also gut, ich werde mich fügen und alles tun, was du von mir verlangst ma Brian.”
“Mit dieser Einstellung komme ich sehr gut zurecht.”
Ein Finger erschien drohend vor seiner Atemmaske. “Vorsicht, ma Brian. Überspanne den Bogen nicht. Was möchtest du nun von mir?”
Der Söldner griff nach dem Finger und nahm ihre Hände in die seinen.
“Kannst du mir etwas von euren Farben besorgen, Fawn?” Neugier blitzte in ihren großen Augen auf und auch eine Spur von Ernüchterung.
“Möchtest du dich bemalen, ma Brian? Die Krieger werden nicht zulassen, dass du an dem Wettkampf teilnimmst.” Brian wehrte beschwichtigend ab.
“Nein Fawn, es ist für unser Haus. Ich möchte es anmalen.“ “Das ist eine Aufgabe für Kinder,” kicherte Fawn. “Soll ich sie rufen? Bestimmt werden sie dir helfen wollen.”
“Nein, das ist nicht nötig. Ich werde das selbst übernehmen. Bekomme ich die Farbe von dir?”
“Meine sa’nok kann sie herstellen, aber ich werde ihr zuvor die Zutaten bringen müssen.”
“Gut, dann lass sie uns gemeinsam suchen. Ich werde dir dabei helfen.” “Kehe ma Brian. Du weißt was beim letzten Mal passiert ist, als wir in den Wald gingen. Du hast meine Punkte studiert und anderes.” Fawn leckte sich verführerisch über die Lippen.” “Ich würde dich nur wieder auf dumme Gedanken bringen und allein bin ich schneller zurück.”
Brian rollte in gespielten Entsetzen mit den Augen. “Ach Fawn. Ich würde dich ganz sicher nicht ablenken. Aber wenn du meinst. Vielleicht ist es wirklich besser, wenn jemand hier bleibt.”
Sie lächelte und ließ dabei ihre strahlend weißen Zähne sehen. “Bis zum gemeinsamen Essen bin ich wieder zurück, ma Brian.” Im nächsten Moment verschwand das Mädchen zwischen den Sträuchern. Eine Zeitlang hörte Brian noch das Brechen von Astwerk, bis auch diese Laute verstummten.

******

Verwundert sah Kommandant Riley zum Horizont, als ein nur allzu gut bekanntes Dröhnen über dem Urwald erklang und von dem dichten Baumbewuchs hundertfach zurückgeworfen wurde. “Sagten Sie nicht, alle Maschinen seinen von ihren Aufklärungsflügen zurückgekehrt?” Sein Adjutant übte sich in der selben Überraschung, wie Riley Augenblicke zuvor.
“Ich verstehe es auch nicht, Sir. Mir liegen keine Informationen über eine weitere Maschine vor. Das muss ein ungenehmigter Flug sein, anders kann ich es mir nicht erklären.” Riley zog die Augenbrauen in die Höhe.
“Ungenehmigt also. Was sie nicht sagen. Darüber reden wir noch. Ich werde mir erstmal den Piloten vornehmen. Wenn er nicht eine verdammt gute Begründung hat, dann kann er sich auf etwas gefasst machen.” Rileys Gesicht verfinsterte sich umso mehr, je näher der Hubschrauber sich dem Lager näherte. Routiniert schwenkte der Sampson ein und setzte sanft auf. Bisher hatte das Bodenpersonal das Rollfeld nur behelfsmäßig ausgebessert, ein Umstand, der Riley jedes mal aufs neue verärgerte. Er hasste jede Art von Nachlässigkeit seitens seiner Bediensteten. Der Kommandant schritt forsch auf den Hubschrauber zu und wartete nicht ab, bis der Pilot ausgestiegen war. Wütend packte er den überraschten Soldaten, als die Kanzeltür sich öffnete und zog ihn nach draußen.
“Ich erwarte eine Erklärung von Ihnen! Wo kommen Sie jetzt her? Na los, auf was warten Sie. Ich beginne langsam, meine Geduld zu verlieren.” Erst jetzt bemerkte der Kommandant die anderen Soldaten in der Kabine und ein Gefühl von Unsicherheit überkam ihn. Die Erinnerung an den abgestürzten Hubschrauber trieb Riley den Schweiß auf die Stirn. Sollte das wirklich möglich sein? Augenblicklich ließ er den Piloten los.
“Sir, ich melde… Pilot Graham und seine Besatzung zurück vom Einsatz.” Ein Lächeln umspielte die Mundwinkel in dem sonst so erschöpft wirkenden Gesicht. Clark hatte unter einer dumpfen Vorahnung begonnen, die gelandete Maschine genauer zu inspizieren und sah nun seinen anfänglichen Verdacht bestätigt.
“Sir, das müssen sie sich anschauen!” Heftig mit den Armen rudernd winkte Clark vom rückwärtigen Teil des Sampsons nach dem Kommandanten.
“Was ist denn nun wieder …? Sind denn heute alle verrückt geworden?” Neugierig betrachte er die Stelle auf die sein Adjutant voller Inbrunst deutete.
“Eine Registriernummer. Wirklich beeindruckend. Jede unserer Maschinen wurde damit ausgerüstet. Sagen Sie nur, Sie wussten das nicht?” Der Adjutant winkte ab und hielt Riley sein Datenpad entgegen. “Geschenkt Sir. Werfen Sie mal einen Blick hier drauf“, schnalzte er unwillig. Im nächsten Moment weiteten sich die Augen des Kommandanten und Clark genoss es, seinen Befehlshaber einmal sprachlos zu sehen.
“Sie steht nicht auf der Liste. Aber das ist unmöglich. Es sei denn… .” Die Stimme des Piloten riss beide aus ihren Betrachtungen. “Sir, das wollte ich ihnen schon die ganze Zeit über erklären. Der Hubschrauber stammt aus einer aufgegeben Forschungsstation. Unsere eigene Maschine ging bei einem Angriff der Ureinwohner verloren. Wir wurden gefa… .” Bevor der Pilot den wahren Sachverhalt schildern konnte, unterbrach ihn Riley aufgeregt.
“Sie haben diesen Sampson trotz ihrer prekären Situation in ihren Besitz bringen können? Ganz ausgezeichnete Arbeit, mein lieber. Haben Sie das gehört, Clark? Es ist beruhigend, noch Leute mit Kampfgeist in unseren Reihen zu wissen. Merken Sie die Besatzung für eine Beförderung vor und geben Sie ihnen ein paar Tage frei.” Riley reichte dem Piloten spontan die Hand, welche dieser mit einem mulmigen Gefühl im Magen ergriff. “Wirklich eine ganz hervorragende Leistung. Machen Sie nur weiter so, dann schaffen Sie es eines Tages noch zum Staffelführer.” Nach einer Ehrenbezeugung schritt Riley stampfend davon, gefolgt von seinem übereifrigen Adjutanten.

******

Fawn hatte nicht zuviel versprochen und fasziniert sah der Söldner dabei zu, wie das Mädchen unter den Anweisungen seiner sa’nok sich daran machte, die Farben anzufertigen. Blätter der seltenen und von den Na’vi deswegen sehr begehrten Loreyu welche einen orangenen Farbton ergaben, zerstieß das Mädchen voller Hingebung in einem Tiegel, bis Eyaye zufrieden nickte. “Das ist sehr gut, ma Fawn. Du lernst schnell.” Verspielt wischte Fawns Schwanz über den Boden und es kostete Brian Überwindung, sie nicht, wie so oft, daran zu ziehen. In Gegenwart ihrer sa’nok widerstand der Söldner allerdings der äußerst verlockenden Versuchung. Nur mühsam zwang sich Brian dazu, seine Aufmerksamkeit ganz auf die Farbenherstellung zu richten. Für sein Verständnis ging es viel zu langsam vorwärts und ihm kamen mehrere Ideen, wie man den umständlichen Herstellungsprozess beschleunigen könnte. Doch aus Ehrfurcht und Dankbarkeit über die Hilfe schwieg er. Nachdem grüne und andere dem Urwald angepasste Farbtöne in Schalen vorbereitet waren, meinte Fawn:
“Nun müssen wir warten, ma Brian, bevor du sie verwenden kannst. Die Stoffe entwickeln ihre Wirkung erst nach einer gewissen Ruhephase. Morgen kannst du mit deinem Vorhaben beginnen.” Brian seufzte erleichtert auf. Ihm kam es so vor, als habe er Stunden damit verbracht, den beiden Frauen zuzusehen. Um Fawns sa’nu nicht zu kränken, bedankte er sich persönlich, wobei er alle seine Sprachkenntnisse zusammennahm.
“Irayo ma Eyaye.” Sie bedachte ihn mit einem prüfenden Blick. Brian spürte, wie er vor Unsicherheit errötete, doch bevor er etwas sagen konnte, packte ihn Fawn und zog ihn lachend mit sich. “Beeilen wir uns, ma Brian. Das Essen ist vorbereitet und es wäre unhöflich, die Anderen warten zu lassen. Ma sa’nok, mit deiner Erlaubnis… .” Eyaye nickte flüchtig. “Geh ruhig Kindchen, ich komme gleich nach, sobald ich etwas aufgeräumt habe.”

******

Der Zustand des olo’eyktan verschlechterte sich täglich und es war abzusehen, wann er nicht mehr in der Lage sein würde, die Geschicke des Stammes im Sinne aller Na’vi zu leiten. Eine schwere Bürde lastete auf Anìhe. Vergeblich versuchte sie, eine Besserung seines Zustands zu erreichen, doch hier stießen ihre Heilkräfte an ihre Grenzen. Soviel Zeit, wie sie gerade noch verantworten konnte, verbrachte Anìhe am Lager des Anführers. Nur gelegentlich entfernte sie sich, meist um weiteres Heilmittel zuzubereiten oder eine Kleinigkeit zu essen. Selbst ihren Schlaf hielt sie in seiner Nähe ab.
“Du sollst doch nicht über mich wachen”, kam es vorwurfsvoll als er wieder einmal aus seinem Dämmerzustand hoch schreckte. “Wenn es Eywas Wille ist, dass ich vor unsere Ahnen trete, wirst auch du es nicht verhindern können.”
“Fnu skxwang!” Ihre Stimme klang verärgert, doch ihre Augen zeigten, was wirklich in ihrem Innern vor sich ging. Tiefe Besorgnis erfüllte ihr Herz und machte es ihr unmöglich, außer kleinen Ruhepausen, überhaupt Schlaf zu finden.
“Du darfst nicht aufgeben, sonst bleibt mein Heilmittel wirkungslos.” Ein Seufzen das in ein Stöhnen überging entfuhr seiner Kehle. Rasch war Anìhe bei ihm und reichte ihm etwas Wasser, das er dankbar zu sich nahm.
“Meine Augen haben wahrlich genug gesehen in diesem langen Leben. Nun ist es an der Zeit, dass ein Anderer die Verantwortung für den Stamm übernimmt. Du musst mir dabei helfen, Anìhe. Lass unsere besten Krieger gegeneinander antreten.”
“Kehe, sag nicht so etwas. Du wirst selbst einen Nachfolger bestimmen.”
“Nein! Es ist mein Wille. Wirst du ihn ausführen?”
Sie nickte ehrfürchtig. “Ich werde zu Eywa beten, dass sie den Kriegern beisteht und uns den Besten zeigt.”
“Das ist gut und nun lass mich ein wenig allein. Ich fühle mich schwach und werde versuchen, etwas zu ruhen.” Die Schamanin verneigte sich nachdenklich und entschwand, um alles vorzubereiten.

******

Nachdenklich betrachtete Brian die Umgebung des Kelutrals. Er war nervös und konnte nicht einmal sagen, warum dem so war. Morgen begannen die Kämpfe, aus denen einer der Krieger als neuer Anführer hervorgehen würde. Eine Weile lauschte er in die Nacht hinein und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Der Söldner richtete den Blick zum Nachthimmel, der das Land mit Dunkelheit überzog. Irgendwo dort zwischen den unzähligen Sternen musste die Erde liegen. Erinnerungen kamen in ihm hoch und überwältigten ihn und bevor er sich versah, begannen seine Gedanken eine Reise in die Vergangenheit.

Unerträglicher Lärm und Hitze empfingen Brian, als er die große Halle betrat. Seit ein paar Tagen schuftete er in einer der zahllosen Fabriken des Konsortiums. Sein Vorarbeiter begrüßte ihn wie immer mit einem derben Schlag auf die Schulter. Im Hintergrund waren die Schweißer in ihrer Schutzkleidung damit beschäftigt, glänzende Röhren, zusammen zufügen. Brian machte sich daran, Löcher in stählerne Platten zu stanzen. Eine eintönige Tätigkeit, die ihm körperlich einiges abverlangte, im selben Maße jedoch völlig geisttötend war. “Was produzieren wir hier eigentlich?”, fragte Brian, als ihm der Vorarbeiter neues Material brachte. “Warum willst du das wissen?”
Brian zuckte unsicher mit den Schultern. “Nur so. Es interessiert mich eben, wofür ich meine Zeit totschlage.” Die Augen des Mannes fixierten ihn. Beinahe verschwörerisch flüsterte er dicht an sein Ohr.
“Es gehen Gerüchte um, dass hier A - Waffen neuester Bauart gefertigt werden.” Brian zuckte zusammen und ließ die Platte fallen, als habe er heißes Metall in den Händen. “Vielleicht montieren wir aber auch nur Kloschüsseln. Wer vermag das schon zu sagen.” Chambers lachte schallend, als das Teil krachend am Boden landete und legte ihm eine seiner Pranken auf die Schulter. Auch andere Beschäftigte waren nun aufmerksam geworden und kamen neugierig heran.
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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #3 on: May 19, 2013, 07:13:01 pm »
“Bist etwas schreckhaft, Bürschchen. Heb das schnell auf, bevor der Boss auf dich aufmerksam wird. Die Erwähnung Harpers trieb ihm den Schweiß auf die Stirn. Der Geschäftsführer war ein Sklaventreiber, wie er im Buche stand und verbreitete allein mit seinem Erscheinen Angst und Schrecken. Hochrot im Gesicht tat Brian, wie ihm geheißen.
“Du bist neu hier, richtig? Zumindest bist du mir vorher nie sonderlich aufgefallen, was allerdings nichts heißen muss. Stille Wasser sind bekanntlich tief. Warst du schon mal in einer Gang?”
Die Frage verwunderte Brian und energisch schüttelte er den Kopf. “Nein noch nie. Meine Mutter hat etwas dagegen, dass ich mich abends herumtreibe.” Erneut brandete Gelächter auf und Brian kam sich selten dämlich vor.
“Womit sie ganz sicher recht hat. Du könntest allerlei Gestalten in die Arme laufen… Leuten wie uns.” Chambers und seine Jungs schüttelten sich vor Lachen. “Du bist schon in Ordnung, Brian. Hast du heute Abend etwas vor?” In die Augen des Vorarbeiters trat ein lauernder Ausdruck.
“Nein, das heißt, eigentlich müsste ich noch… .” Chambers winkte ab und reichte ihm eine Karte.
“Komm zu dieser Adresse, allein. Keine Sorge, niemand wird dir etwas tun. Sagen wir, es ist einfach ein gemütliches Treffen unter Freunden oder wie immer du es nennen möchtest.”
Der Vorarbeiter zauberte ein breites Grinsen auf sein Gesicht. Brian steckte die Notiz ein und machte sich wieder an seine Arbeit. Als schließlich die Sirene das Ende seiner Schicht verkündete, konnte er es gar nicht erwarten, nach Hause zu eilen, um sich umzuziehen und auf den Abend vorzubereiten.

Eine Weile später, die Wände der Häuser warfen schon lange Schatten und eine trügerische Ruhe legte sich auf das heruntergekommene Viertel am Rande Detroits, machte er sich auf den Weg. Die Straßen waren menschenleer, was ihn nicht weiter verwunderte. Nach Einbruch der Dunkelheit wagten sich die wenigsten ehrlichen Leute noch ins Freie. In der Ferne flackerte der Schein eines Feuers empor, um das sich niemand kümmerte. Brian regte sich schon lange nicht mehr darüber auf, ebenso wie über die ausgefallene Straßenbeleuchtung, welche die einsamen Häuserschluchten noch beängstigender erscheinen ließ.
Mit einem seltsamen Gefühl in der Magengegend betrat Brian das unscheinbare Gelände, auf das die Adresse hingewiesen hatte. Die abgestellten Maschinen unterschiedlichster Bauart und herumliegenden Ersatzteile ließen für Brian den Rückschluss zu, dass es sich bei dem Gebäude um eine Motorradwerkstatt handeln musste. Hinter ihm fiel das Tor mit einem ohrenbetäubenden Krachen ins Schloss. Brian, schon nervös, fuhr bei dem Geräusch zusammen. Im gleichen Augenblick kamen schon mehrere Männer  um die Ecke eines baufälligen Schuppens.
“Was willst du denn hier, Kleiner? Hast dich wohl verlaufen? Das ist kein Spielplatz, also sieh zu, dass du Leine gewinnst oder sollen wir dir auf die Sprünge helfen?” Brian sah sich unsicher geworden um. Er kannte keinen der Leute. Bevor die Lage eskalierte, rief er geistesgegenwärtig. “Chambers! Mrs. Chambers hat mich hierher beordert.“
Die grobschlächtigen Männer sahen sich an, dann blitzte es erkennend in den Augen eines der Männer auf.
“Du musst Brian sein, richtig?“ Brian nickte hastig und streckte ihm die Karte entgegen.
“Was soll ich damit? Das kannst du behalten. Los, beweg dich! Wir bringen dich zu unserem Boss.“ Das Innere der kleinen Halle unterschied sich nicht sonderlich von seinem Arbeitsplatz, den Brian tagsüber in der Fabrik einnahm. Der Gestank nach Schweiß und Benzin, sowie das Gedröhn von Motoren war allgegenwärtig.
“Ah Brian. Schön, dass du es einrichten konntest, meiner kleinen Einladung zu folgen.” Sein Vorarbeiter zeigte ein süffisantes Lächeln.
“Sieh dich ruhig um. Nur keine falsche Bescheidenheit.”
“Was ist das hier alles eigentlich? Eine Werkstatt? Allerdings habe ich kein Firmenschild draußen entdecken können.”
“Du bist ein helles Köpfchen, Brian. Vielleicht mehr, als gut für dich ist.” Chambers Grinsen gefror und er machte eine weit schweifende Geste. “Das, was du hier siehst, ist nicht einfach nur irgendeine Werkstatt. Es ist das Zuhause unserer Gang.” Brian fühlte einen Schauer seinen Rücken hinunterlaufen. Wo war er da nur wieder hineingeraten.
“Wir haben dich beobachtet und sind zu dem Schluss gekommen, dass du gut zu unserem kleinen Verein passen würdest. Ein Junge wie du sollte nicht allein sein. Du brauchst Freunde. Leute, die auf dich aufpassen und beschützen. Detroit ist so ein hässliches Pflaster und an jeder Ecke kann schon eine Gefahr lauern. Na, was ist? Willigst du ein?” Chambers streckte ihm seine vernarbte Hand entgegen. Brians Blicke wanderten über die Anwesenden. Breitschultrige Männer in verschlissenen Lederjacken, die alle etwas lauerndes in ihren Augen hatten. Schließlich schlug Brian ein und schüttelte die kräftige Hand des Vorarbeiters. “Wusste ich doch, dass man sich auf dich verlassen kann. Na dann, willkommen in unserem Verein.” Chambers wandte sich an seine Leute. “Habt ihr gehört… Brian ist ab heute einer von uns.” Aufmunternde Zurufe erklangen und ein paar der Gangmitglieder ließen es sich nicht nehmen, ihrem neuen Kameraden äußerst derb auf die Schulter oder den Rücken zu klopfen. Brian stieß keuchend die Luft aus und malte sich in Gedanken aus, wie viele unzählige blaue Flecken er am nächsten Morgen vorfinden würde. Es folgte ein Umtrunk und Brian musste ein ums andere Mal einen Becher leeren, bis sich die Auswirkungen bei ihm zeigten und er sich beschwingt und leicht fühlte. Aller Hemmungen enthoben, beugte er sich zu Chambers. “Was wäre geschehen, wenn ich abgelehnt hätte?” Der Vorarbeiter erstarrte, dann machte er eine abwägende Geste mit der Hand, schwieg jedoch. Nur im Hintergrund begannen einige der Männer zu feixen, was Brian den Schweiß auf die Stirn trieb. Er hatte verstanden.

Bevor Brian sich auf den Rückweg machen konnte, packte ihn Chambers am Handgelenk. “Nicht so schnell, Brian. Ich habe noch etwas für dich.” Er fingerte einen Gegenstand hervor, der in ein dickes Tuch eingewickelt lag. “Hier nimm das. Jeder von uns trägt es dabei. Sozusagen unser Erkennungszeichen.”
Ein seltsames Lächeln zierte das Gesicht seines Gegenübers.
“Was ist das?” “Mach es einfach auf und sieh nach.”
Brian tat, wie ihm geheißen und wickelte den schweren Gegenstand aus. Seine Augen weiteten sich, als er erkannte, was er da in seinen Händen hielt. Die große scharfkantige Klinge verfehlte nicht ihre Wirkung und ließ ihn heftiger atmen. Chambers studierte interessiert jeden seiner Gesichtszüge. “Wusste ich doch. dass es dir gefällt. Pass gut darauf auf. Du bist nun einer von uns, Brian.”
Ein zufriedenes Lächeln zog über das Antlitz des Söldners und im gleichen Moment kehrte er in die Wirklichkeit zurück.

Brian starrte immer noch gedankenverloren zum Nachthimmel und nur langsam löste sich die Starre, die ihn bisher in ihrem Griff gefangen hatte. Weiter wanderte sein Blick zu dem jungen Mädchen. Fawn lag regungslos neben ihm und war mittlerweile in einen festen Schlaf gefallen, zumindest nahm er es an. Seine Hand wanderte unbewusst an das Bein und fühlte über den Stoff unter dem sich die vertrauten Umrisse der Waffe abzeichneten. Immer noch trug er das Messer, obwohl es dazu mittlerweile keine Veranlassung mehr gab. Selbst seine unscheinbare Dienstwaffe war effektiver, doch damals in Detroit war das Messer wie eine Auszeichnung für ihn gewesen.
“Fawn hat recht, ich bin ein Trottel”, flüsterte er mehr zu sich selbst, in der Meinung, dass ihn niemand hören konnte.
“Ja ma Brian, das bist du. Komm her zu mir oder möchtest du heute nicht schlafen gehen?” Überrascht bemerkte er die gelben Augen, welche ihn belustigt ansahen. Brian bedurfte keiner weiteren Aufforderung, um sich neben das Mädchen zu kuscheln. “Fawn, ich habe gar nicht bemerkt, dass du wach bist. Wie lange beobachtest du mich denn schon?” “Lange genug, ma Brian, lange genug.” “Ich fürchte, ich werde diese Nacht keinen Schlaf finden.” Eine Hand tastete vorsichtig nach ihm. “Dein Herz ist voller Furcht, ma Brian. Ich spüre es. Aber du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich werde immer bei dir sein, egal was geschieht.”
“Du würdest mit mir kommen, Fawn? Das heißt, wenn es die Lage erfordert?”
Statt ihm eine Antwort zu geben, holte Fawn tief Luft.
“Hat euch jemand dabei geholfen, ma Brian?” “Geholfen bei was?” “Die Sterne zu erreichen. Ich verstehe nicht, wie ihr in einem Schiff fliegen könnt, wenn ihr so unglaublich dumm seid. Hatte ich dir nicht eben gesagt, was ich empfinde?” Brian spürte wie sein Hals rau wurde. “Ja schon. Ich mache mir wohl zu viele Gedanken.” “Das tust du, ma Brian und jetzt leg dich neben mich. Das wird Morgen ein langer Tag.” Widerspruchslos ließ sich Brian neben der kleinen Jägerin nieder und schmiegte sich eng an ihren Rücken. Doch so sehr es drehte und wendete, es gelang ihn nicht, in den Schlaf zu finden. Brian wälzte sich stundenlang herum und fühlte sich auf eine seltsame Art erleichtert, als endlich der Morgen über dem Lager graute.

******

Schon eine Weile machte zwischen den Kriegern das Gerücht über die bevorstehende Ablösung ihres Anführers die Runde. Doch als Anìhe nun die besten Jäger zusammenrief, wurde ihre Ankündigung nicht nur wohlwollend aufgenommen.
“Kehe! Ich weigere mich, gegen Iley anzutreten. Er hat den Tawtute zu seinem Bruder erwählt und ist völlig verweichlicht. Ich werde nicht zulassen, dass er die gleiche Gelegenheit erhält, unser Stammes Anführer zu werden. Diese Ehre gebührt einzig mir.”
“Bist du dir sicher, dass es so ist? In der Zeit, seit ich versuche unseren Anführer zu heilen, hat er nichts dergleichen verlautbaren lassen.“
Brian beobachtete interessiert, wie die Gesichtszüge des Kriegers bei den Worten der Schamanin entgleisten. Wut und Abscheu blitzten ihm aus den gelben Augen entgegen.
“Ich führe die Kriegszüge an und… .”
“Sei still, ma Ikelu! Ich habe es so entschieden!” Anìhe trat aus dem Kreis ihrer Brüder und Schwestern hervor. Äußerlich wahrte die Schamanin ihre Beherrschung, doch ein aufmerksamer Beobachter konnte sehen, wie es unter der Oberfläche brodelte. Ihr beide gehört zu den besten Kriegern unseres Stammes. Zusammen mit den anderen von mir Ausgewählten werdet ihr euch miteinander messen, bis der Sieger feststeht. Möge Eywa über euer Handeln wachen.”
Die Erwähnung der großen Mutter deutete daraufhin, dass Anìhe keine weiteren Einwände in dieser Sache hinnehmen würde. Zähneknirschend verneigte sich Ikelu kaum merklich vor der Tsahìk. Eine klare Konfrontation, doch noch fügte sich der Krieger. Anìhe ignorierte die Anmaßung. Ihr war bewusst, dass Ikelu die Himmelsmenschen hasste und ihnen an allem die Schuld gab. Insgeheim hoffte sie, dass der Krieger sich nicht zu einer unbedachten Handlung hinreißen ließ. Begleitet von einigen der anderen Jäger trat Varyu vor, in seinem Schlepptau Auraya, die ein siegessicheres Grinsen zur Schau stellte. Die neue Situation erfreute das Na’vi Mädchen und spielte ihr ungeahnte Möglichkeiten in die Hände. Ihrem smukan warf sie einen Blick zu, in dem die Aufforderung lag, den Bogen nicht zu überspannen. Noch war die Zeit nicht reif.
Brian verzog bei Aurayas Auftreten das Gesicht.
“Da ist sie wieder, unsere kleine Intrigantin. Bin gespannt, was sie sich diesmal einfallen lässt.”
“Man sollte sie mit ihrem Kxetse an einem hungrigen Nantang festbinden”, fauchte Fawn verächtlich.
“Ihr Bruder hätte ganz sicher etwas dagegen und ich bin mir sicher, dass selbst Varyu nicht sehr angetan davon wäre. Bestimmt hat er anderes mit ihr vor. Was ist mit dir, Fawn?”
“Mir gefällt die Art nicht, wie du sie ansiehst, ma Brian. Findest du sie hübsch?” Ein Finger tippte drohend auf seine Maske und ließ Brian aufschlucken. Nein, nicht wirklich. Sie ist viel zu schmächtig in den Hüften und auch ihre… .”
“Fnu skxwang! Ich will nichts mehr davon hören! Halte dich von ihr fern, das ist alles, was ich verlange um den Rest kümmere ich mich schon.”
“Was meinst du damit, Fawn? Sicher sie ist ein Miststück, ein Ansehnliches zwar, aber dennoch mit einem miesen Charakter. Vielleicht solltest du dir das nicht alles so zu Herzen nehmen.”
“Wenn es doch so einfach wäre, ma Brian.” Traurig wendete sie sich ab und hechtete unter seinen überraschten Blicken davon, bis sie das dichte Astwerk des Urwalds verschluckte. Unter keinen Umständen wollte sie, dass Brian bemerkte, wie sie sich fühlte.

Würdevoll trat die Schamanin an ihn heran. “Was hat das Mädchen? Ich sah Fawn davonlaufen. Ich hoffe doch, ihr fehlt nichts.”
“Ihr schlägt der bevorstehende Wettkampf auf den Magen, ebenso wie mir. Macht euch keine Sorgen. Ich bin mir sicher, sobald sie sich beruhigt hat, kommt sie wieder um den Kämpfen beizuwohnen.” Nervös betrachtete er ihr weites farbenprächtiges Gewand, das allein schon ausreichte, um Aufmerksamkeit zu erregen. Dazu kam ihre stattliche Erscheinung, gepaart mit einem unbeugsamen Willen.
“Erstaunlich. Das ist das erste Mal, dass ihr so offen von Fawn, als meiner Frau sprecht.”
“Die Zeiten ändern sich, ma Brian, ebenso wie es unser Volk tut. Hat nicht deine muntxate dich aus freien Stücken erwählt? Als ich ein Kind war, wäre so etwas noch undenkbar gewesen und der Gedanke daran etwas Verbotenes. Ihr Bruder hat dich als Außenstehenden in seine Familie aufgenommen. Allein das ist für einen Krieger schon beachtlich und kommt selbst unter den Mitgliedern verschiedener Stämme nur äußerst selten vor.”
“Ihr seid doch ganz sicher nicht gekommen um mit mir über Fawn zu reden.” Brian betrachtete die Schamanin misstrauisch. “Du bist überaus scharfsinnig, Himmelsmensch. Ich wollte mich vergewissern, dass du keine Schwierigkeiten machen wirst. Immerhin kenne ich deine Einstellung und bin mir der Tatsache sehr wohl bewusst, dass du und Fawn oft eigene Wege einschlagt.” Sie trat ganz dicht an ihn heran.
“Der Wunsch des olo’eyktan ist Gesetz und ich werde alles tun, um ihn umzusetzen. Versuche nicht, mich davon abzuhalten.” Brian entging nicht der drohende Unterton in ihrer Stimme. “Das werde ich nicht. Ihr könnt euch auf mich verlassen.” “Wenn es anders wäre, würdest du jetzt schon den Platz im Pferch einnehmen.” Ein Zwinkern machte ihm deutlich, dass es nicht ganz ernst gemeint war. Auch diese allzu menschliche Geste, war eine Tatsache, die ihm beinahe die Sprache verschlug.
Sie bemerkte seine verwunderten Blicke und musste lächeln. “Es gibt keinen Grund, warum wir nicht voneinander lernen sollten, Himmelsmensch.” Eine Hand legte sich auf seine Schulter, dann verschwand die Schamanin zwischen den Ureinwohnern. Belustigt und von eigenartigen Gefühlen erfüllt, sah Brian ihr nach.

Am großen Versammlungsplatz hatten sich alle Brüder und Schwestern eingefunden und die Luft war erfüllt von einem beeindruckenden Stimmengewirr. Wie der Söldner vermutete, kehrte Fawn zurück, nachdem sich ihr Gefühlsausbruch gelegt hatte. Brian nahm mit der kleinen Jägerin etwas abseits der anderen Platz. Neben Fawn saß Awaiei, das Kind wie gewohnt in einer Trageschlaufe auf den Bauch gebunden. Die Na’vi war mehr ein Schatten ihrer selbst und als die Krieger auf den Platz traten, lehnte sie sich zitternd an Fawn.
“Mach dir keine Sorgen, Awaiei. Unsere große Mutter wird sie vor Schaden behüten.” Awaiei zwang sich ein Lächeln ab, dass in einer Grimasse endete und richtete ihre Augen sofort wieder auf die Kämpfer des Stammes.
Der Söldner erhob sich, um besser sehen zu können.
“Da ist Iley. Ich bin gespannt, gegen wen er antreten muss.” Begeisterte Ausrufe brandeten auf, als die Krieger damit begannen, vor der Menge umher zuschreiten und ihre Kampfkraft zur Schau zu stellen. Einige der Kämpfer kannte Brian nur dem Namen nach und er vermutete, dass die Schamanin sie erwählt hatte, um die Auseinandersetzung interessanter zu gestalten.
“Das wird sicher ein langer Nachmittag. Vielleicht sollte ich mich etwas hinlegen. Du kannst mich wecken, wenn dein Bruder antritt.”
“Ma Brian, das ist nicht dein Ernst, oder?” Sie starrte ihn mit offenen Mund an und selbst Awaiei wirkte sprachlos.
“Versteht ihr keinen Spaß mehr? Ich habe es doch nicht so gemeint.” Ein Hieb traf ihn unsanft am Kopf. “Du bist einfach nur unglaublich, ma Brian.” Fawn warf ihm einen eindeutigen Blick zu, der sagte, was sie wirklich von ihm dachte und richtete ihr Interesse wieder auf die Krieger. Wie erwartet, traten erst die jüngeren und deutlich weniger erfahrenen Kämpfer gegeneinander an, um sich zu beweisen in der Hoffnung, genug Anerkennung zu finden. Iley und Ikelu überwältigten jeder ihre Kontrahenten, was ihnen bewundernde Ausrufe entgegenbrachte. Selbst Awaiei ging aus sich heraus und feuerte ihren muntxatu begeistert an. Im Verlauf der Auseinandersetzungen schlich Auraya wie zufällig an ihnen vorbei, wobei sie es sich nicht nehmen ließ, der kleinen Jägerin einen Seitenhieb zu versetzen.
“Ikelu wird deinen smukan in den Staub schicken. Hast du gesehen, wie schnell er mit seinem letzten Gegner fertig geworden ist?” Fawn verschränkte demonstrativ die Arme vor der Brust und strafte die junge Na’vi mit Nichtachtung.
“Ich hoffe doch, du bleibst noch etwas, Fawn. Dein Bruder wird dich brauchen, um ihm nach dem Kampf Trost zu spenden, wenn Ikelu gesiegt hat.” In Fawns Augen blitzte es auf, doch bevor sie sich auf ihre Kontrahentin stürzen konnte, packte sie Brian und hielt sie eisern in seinem Griff. Kichernd entfernte sich Auraya und schlenderte der Stelle entgegen, wo Varyu schon begeistert nach ihr winkte.
“Fawn, jetzt reiß dich zusammen! Es ist doch ganz klar, was sie damit bezweckt. Ich bin mir sicher, Iley wird ihrem Bruder eine Lehre erteilen, die er nicht so schnell vergisst.” Der Aufschrei eines Mädchens ließ sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Kämpfe richten. Iley hatte einen jungen Krieger zu Boden geschickt, woraufhin seine Erwählte klagende Laute von sich gab. “Sie schreit wie ein Baby”, fauchte Fawn verächtlich. “Dabei hat mein Bruder ihn nur sanft berührt. Er hätte ihm mühelos die Knochen brechen können.” Brian erwiderte nichts. Ihm war die Art der Krieger zu kämpfen bestens vertraut. Selbst in den  verhältnismäßig friedlichen Schaukämpfen kam es immer wieder zu Verletzungen, da jeder der Kämpfer versuchte, sein Bestes zu geben. Nach einiger Zeit hatte sich das Feld der Krieger gelichtet und nun bahnten sich die Auseinandersetzungen an, denen alle versammelten Ureinwohner entgegenfieberten.

Freudig trat Ikelu seinem Kontrahenten gegenüber. Voller Leidenschaft brannte ein Feuer in seiner Brust, dass ihn zum Kämpfen drängte. Wie lange hatte er diesem Augenblick entgegen gefiebert und nun lag seine Chance zum Greifen nahe, Iley vor allen Brüdern und Schwestern bloßzustellen. “Tspang ma Iley, ich werde dich zu unseren Ahnen schicken”, rief der eindrucksvolle Krieger verächtlich und stürzte sich auf seinen Gegner. Iley war auf der Hut und hatte das Aufblitzen als Signal des Angriffs in Ikelus Augen bemerkt. Geschickt glitt er zur Seite und als der Krieger ihn passierte, trat Iley zu. Ikelu spürte einen stechenden Schmerz in der Hüfte und schrie überrascht auf, schaffte es aber torkelnd auf den Beinen zu bleiben. Fauchend zeigte Auraya ihre Reißzähne, als Ikelu getroffen wurde. In ihren Träumen hatte sie ihn schon dem Siege sicher gesehen und so überraschte sie Ileys harte Gegenwehr völlig. Anfeuernde Rufe der umstehenden Ureinwohner trieben beide Krieger zu Höchstleistungen an. Keiner wollte sich eine Blöße geben oder Schwäche zeigen. Ihre scharfen Dolche hatten alle Krieger vorher abgelegt. Einer Eingebung folgend, in welchen Kampfrausch sich die Krieger steigern konnten, hatte die Tsahìk Waffen verboten, um tödliche Verletzungen auszuschließen. Tief in seinem Herzen bedauerte Ikelu das außerordentlich, fügte sich aber gehorsam den Anordnungen der Schamanin. So würde er etwas länger brauchen, aber das Ergebnis stand für ihn fest und ein Scheitern war etwas, das in der Gedankenwelt des Kriegers nicht existierte. Seine Muskeln spannten sich und erneut warf er sich seinem Gegner entgegen. Konzentriert wartete Iley, bis ihn der Krieger erreichte. Unter dem jubelnden Aufschrei der Ureinwohner prallten beide Kontrahenten erneut aufeinander. Ikelus Angriff war unerwartet heftig und trieb Fawns Bruder die Luft aus den Lungen. Noch völlig benommen, trat Ikelu ihm das Bein weg und stürzte sich triumphierend auf den fallenden Widersacher. Bevor er sich abrollen und aus der Gefahrenzone bringen konnte, hatte Ikelu ihn gepackt und begann, ihn zu würgen. Unter Aufbietung der letzten Kraftreserven versuchte Iley die Klammer um seinen Hals zu lösen. Ein aussichtsloses Unterfangen, wie er kurz darauf feststellen musste. Ikelus Muskeln erschienen dem jungen Krieger härter als ein Fels und mit jeder Sekunde wurde ihm das Atmen schwerer. Iley winkelte die Knie an und schaffte das Kunststück, seinen Widersacher von sich zu stoßen. Frenetisches Geschrei erhob sich, als sich eine Wende im Kampf abzuzeichnen begann. Fawn stand regungslos mit weit aufgerissenen Augen am Rande des Kampfplatzes. Im nächsten Moment wechselten die von Erleichterung getragenen Ausrufe in pure Enttäuschung, was sich deutlich im Klang widerspiegelte. Iley, zu sehr geschwächt, schaffte es noch, sich aufzurichten, dann war der Krieger wieder heran.
“Genug mit spielen! Nun werde ich dich besiegen!” Ikelus Gesicht glich einer Fratze und im gleichen Augenblick traf den Krieger ein mörderischer Faustschlag, der ihn erneut von den Beinen riss. Aurayas Bruder ließ nun nicht mehr von seinem Gegner ab und eine Vielzahl Schläge prasselten auf Iley ein, denen er nichts mehr entgegenzusetzen hatte. “Ftang”, rief Iley, als er spürte, wie die Schatten einer drohenden Ohnmacht heraufzogen. “Du gibst auf?” Ikelu hatte eine Hand zum erneuten Angriff erhoben und betrachtete lauernd seinen hilflosen Gegner. Iley nickte schnell, bevor er einen weiteren Hieb erhielt, der ihn wohl endgültig ins Reich der Träume geschickt hätte. Ein hämisches Lächeln umspielte die Mundwinkel Ikelus. Entschlossen richtete er sich zu voller Größe auf und streckte die geballten Fäuste zum Zeichen seines Sieges empor. Begeisterte Rufe wurden vernehmbar, erst vereinzelt, bis sämtliche Brüder und Schwestern in das Jubelgeschrei mit einstimmten. Niedergeschlagen zog sich Iley unterdessen beinahe unbeachtet vom Kampfplatz zurück, bis ihn seine smuke aufhielt.
Ein wütendes Fauchen kam über Fawns Lippen.
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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #4 on: May 19, 2013, 07:14:49 pm »
“Was ist los mit dir, ma Iley? Du hättest ihn mit Leichtigkeit besiegen können!”
Der Krieger machte ein äußerst betroffenes Gesicht.
“Ich weiß es nicht, ma Fawn. Er ist unglaublich stark. Eywa hat die Entscheidung getroffen.” Fawn sah ihn mit aufgerissenen Augen an, verbiss sich aber jede spöttische Bemerkung. Sie bemerkte schnell, in welchen Zustand sich der junge Krieger befand. Nach einer Weile meinte sie schließlich nur resigniert. “Ja das hat sie wohl, ma Iley.”
“Wenn unser sempul von der Jagd zurückkehrt und davon Kunde erhält, wird er überhaupt nicht zufrieden sein.” Ileys Gesicht hatte wieder den gewohnten steinernen Ausdruck angenommen.
Fawn wirbelte herum und packte ihn hart an den Armen.
“Jetzt hör mir zu! Ayur hält uns für verweichlicht. Er sagt, der Umgang mit Brian macht uns schwach. Deine Niederlage wird ihn nur darin bestärken. Aber das ist nicht das Schlimmste.”
Die Ohren des Krieger zuckten nervös. “Was könnte noch schlimmer sein, als unserem sempul zu enttäuschen?”
Einen Moment überlegte sie fieberhaft, ob sie Iley ihre geheimsten Befürchtungen mitteilen sollte, schwieg aber aus Liebe zu ihm. Er hatte mit seiner Niederlage gegen Ikelu schon genug zu kämpfen. Fawn schlang ihre Arme um ihn und presste sich so fest sie konnte gegen seine Brust.
“Du irrst, ma Iley. Unser Vater braucht nicht enttäuscht zu sein. Er hat zwei wundervolle Kinder. Es wird Zeit, ihn wieder daran zu erinnern.” Bevor der Krieger zu einer Erwiderung ansetzen konnte, hauchte sie Iley einen Kuss auf die Nase und entschwand mit trippelnden Schritten.

******

Riley breitete einen großen Lageplan, unter den erwartungsvollen Blicken seiner Untergebenen aus.
“Meine Herren, wie Ihnen mittlerweile bekannt sein dürfte, haben die Aufklärungsflüge unserer Hubschrauber Früchte getragen. Wir wissen nun, wo sich unser Gegner versteckt hält.” Damit drückte er seine Wurstfinger in imposanter Geste auf zwei dicht beieinander liegende Flecken der Karte.
“Einmal hier in dieser von unseren Streitkräften aufgegeben Forschungsstation und ein Stück weiter liegt der Heimatbaum dieser Wilden. Ich würde sagen schätzungsweise einen bis zwei Tagesmärsche durch den Dschungel, von der Basis entfernt. Doch das soll uns nicht kümmern. Clark!” Der Gerufene trat augenblicklich an die Seite des Kommandanten. Gehetzt wechselten Clarks Blicke zwischen der Karte und Riley hin und her. “Lassen Sie eines der Shuttle startklar machen und geben sie Graham Bescheid, dass er seine Einheit ausrüsten und sich bereithalten soll. Ich bin gespannt, wie er sich schlägt.”
Der Adjutant verzog unmerklich das Gesicht. Riley hatte dem Piloten befördert, eine Entscheidung die nicht Clarks Zustimmung fand, doch war er weise genug, seine Gedanken für sich zu behalten.
“Sehr wohl Sir, ich werde sofort alles Nötige veranlassen.” “Clark, ich bin noch nicht fertig! Lassen Sie zusätzlich eine Gruppe Scorpions auftanken und mit Munition versorgen. Wir werden der Station einen Besuch abstatten.” Der Adjutant nickte eifrig und wartete, ob noch weitere Abweisungen folgten.
“Sie können gehen. Das wäre vorerst alles.” Eine schnittige Ehrenbezeugung, dann flitzte der Adjutant unter den Blicken, der übrigen Anwesenden davon.
“Wie mir weiterhin durch unsere zurückgekehrten Beobachter berichtet wurde, beginnen die Ureinwohner mit dem Abtransport wertvollen Materials unter Anweisungen eines Verräters.“ Geraune erhob sich im Kreis seiner Mitarbeiter und Riley wartete geduldig, bis sich die Verwunderung wieder gelegt hatte. “Wir wissen noch nicht, was sie damit bezwecken, doch ist das nur noch eine Frage der Zeit. Nichtsdestotrotz ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir jetzt handeln und mit allen Mitteln zurückschlagen. Das wäre alles fürs Erste. Sie dürfen wegtreten.” Riley stapfte sichtlich zufrieden mit seiner kleinen Ansprache davon und ließ seine heftig debattierenden Mitarbeiter zurück.

******

Zufrieden betrachtete Brian seine Arbeit und wischte sich die verschmierten Hände an der Weste ab. Nach dem Wettkampf hatte er endlich die Ruhe gefunden, sein Vorhaben auszuführen. Mehrmals noch hatte die kleine Jägerin ihm Farbe herstellen müssen, bis es endlich vollbracht war.
“Unglaublich, ma Brian. An dir klebt mehr Farbe als an unserem Zuhause.” Fawn grinste ihn frech an, was sie nur noch hübscher machte, wie Brian nicht umhin kam, anerkennend festzustellen. “Was ist? Warum schaust du mich so komisch an? Ich kenne diesen Blick an dir.” ER grinste sie breit an. “Du gefällst mir eben. Brian umarmte sie unerwartet und verteilte damit ungewollt Farbe auf ihrem Körper.
“Kehe, ma Brian! Lass uns zum Fluss gehen, damit du dich waschen kannst. Sieh nur, was du wieder angerichtet hast.”
“Das hat Zeit, Fawn. Wie findest du es?” Er deutete auf das Gebäude. “Auf Entfernung lässt sich die Baracke nun ganz sicher nicht mehr erkennen. Das metallische Glitzern war doch zu verräterisch.” Brian streckte sich. Er vermochte nicht genau einzuschätzen, wie lange er mit der Bemalung gebraucht hatte, doch es war ihm wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen.
“Es ist schön geworden. Noch mehr wird es mir aber gefallen, die erste Nacht im Haus zu verbringen,” erwiderte sie anerkennend. Nachdenklich biss sich Brian auf die Lippe.
“Du bist dir wirklich sicher, dass du auch darin schlafen möchtest, Fawn? Keine Hängematten mehr oder das Liegen im feuchten Gras?”
“Ja, ma Brian. Wie oft muss ich es dir noch sagen? Mir ist gleich, was meine Brüder und Schwestern davon halten. Ich gehöre zu dir und mein Platz ist an deiner Seite. Außerdem spricht doch nichts dagegen, auch einige Nächte im Freien zu verbringen.” Brian schüttelte erleichtert den Kopf. “Nein, das ganz sicher nicht Fawn. Solange es nicht gerade regnet.”
“Tawtute”, kam es schelmisch, doch bevor Brian etwas sagen konnte, zog sie ihm die Maske ab und küsste ihn leidenschaftlich. Gekonnt hielt er die Luft an und wartete geduldig, bis das junge Mädchen wieder von ihm abließ. “Wollen wir nicht reingehen? Ich würde unsere Unterhaltung gerne fortsetzten”, meinte Brian grinsend nachdem er seine Atemmaske zurechtgerückt hatte. “Wolltest du nicht die Farbe abwaschen, ma Brian?” “Das kann noch etwas warten, Fawn. Komm mit mir.” “Kichernd folgte sie ihm in die Baracke.

******

“Haben Sie unsere kleine Überraschung vorbereitet?” Clark nickte. “Die Shuttles sind bereits wieder zurückgekehrt. Alles wurde nach ihren Anordnungen ausgeführt. Die Falle wird zuschnappen, sobald sich die Ureinwohner versuchen, dem Lager erneut zu nähern. Fast tut es mir leid.”
“Um diese Wilden?”, rief Riley verblüfft aus.
“Nein Sir. Ich meine damit die Basis. Es widerstrebt mir, das alles einfach aufzugeben.” Die unverholene Kritik ließ Riley das Gesicht verziehen. Wie alle Befehlshaber der Streitkräfte war Riley durch und durch von sich und seinen Entscheidungen überzeugt und das Infrage stellen derselbigen etwas, mit dem er nie gelernt hatte umzugehen.
“Wir haben alles verwertbare Material geborgen. Uns fehlen einfach die Leute, auch noch diese Forschungsstation zu bemannen. Außerdem dürfen wir nicht zulassen, dass unsere Gegner die Basis als Nachschublager benutzen. Doch das ist erst der Anfang. Sobald alle verfügbaren Maschinen repariert und einsatzbereit sind, schlagen wir mit aller Härte zu.”
“Die Leute werden sich freuen das zu hören Sir. Sie hassen das untätige Rumsitzen.”
“Oh, ich fürchte, sie werden sich bald die ruhigen Tage zurückwünschen.” Rileys Augen funkelten bösartig und trieben Clark einen kalten Schauer über den Rücken. Woran dachte der Kommandant?

******

Ikelu hob seine Speer hoch über den Kopf und seine großen Augen leuchteten vor Freude. Endlich hatte er es geschafft und allen bewiesen, dass nur er allein in der Lage war, den Stamm vor allen Unbill und Gefahren zu beschützen. In einer ersten einberufenen Versammlung nach seinem Sieg wurde schnell klar, in welche Richtung seine Ambitionen zielten. Auraya hielt sich in dieser Zeit im Hintergrund. Alles lief so, wie sie es vorausgesehen hatte. Wenn die Basis zerstört wurde, würde es Fawn und ihren Tawtute jede Rückzugsmöglichkeit nehmen. Gleichzeitig sah sie es als eindringliche Warnung an Brian, ihren Forderungen mehr Gehör zu schenken. Auraya konnte nicht anders. Obwohl sie sich zwang, die Beherrschung zu wahren, stahl sich ein Grinsen in ihr Gesicht. Erst kicherte sie nur, bis es aus ihr hervorbrach und das junge Mädchen schallend anfing zu lachen.

******

Brian holte eine unscheinbare Tasche aus seinem Rucksack hervor und fingerte eine Weile darin herum. Noch ahnte er nichts von den Ereignissen, die ihre Schatten voraus warfen. Nach einem weiteren Besuch bei Anìhe war dem Söldner eine vage Idee gekommen, die ihn nicht mehr losließ und von der er hoffte, dass sie das Blatt wenden würde. Aufmerksam las er die Beschreibungen und schüttelte gelegentlich den Kopf.
“Wo ist es nur? Ich bin mir sicher, etwas davon in der Basis eingepackt zu haben. Diese Unordnung ist einfach nur unglaublich.” Ein Auflachen. “Das hast du dir wohl selbst zuzuschreiben. Nach was suchst du denn, ma Brian?”
Er ignorierte ihre Bemerkung und wühlte weiter, bis der gesuchte Gegenstand in seine Hände rutschte.
“Ah hier ist es. So mal sehen… die Jungs von der Ausrüstungsabteilung legten immer großen Wert darauf, alles so einfach wie möglich zu halten. Das kommt uns jetzt sehr entgegen.”
“Ich verstehe immer noch nicht, ma Brian”, sagte sie und griff nach dem für sie seltsamen Gegenstand in seinen Händen.
Nachdenklich betrachtete sie die Ampulle und wog sie vorsichtig in ihrer Hand. “Es ist ein Heilmittel, ein Gegengift wenn du so willst, zumindest hoffe ich es.”
“Woher willst du wissen, dass es überhaupt wirkt? Wir sind so anders als ihr.” “So große Unterschiede bestehen nun auch wieder nicht.” Verspielt glitten die Finger über ihren Rücken. “Lass das, ma Brian. Du weißt genau, wie ich es meine.”
“Sieh mal Fawn… euer Blut ist rot, die Luft bis auf wenige Ausnahmen identisch mit der auf der Erde. Es besteht zumindest eine Möglichkeit, dass es hilft. Einen Versuch ist es wert. Was hat euer Anführer schon zu verlieren? Anìhe sagt, dass er die Krankheit nicht überleben wird.”
“Ja ma Brian, aber wenn du ihm das Mittel gibst und er stirbt, würden sie dir die alleinige Schuld geben. Das kann ich nicht zulassen.”
Er verstand, worauf sie hinauswollte und konnte sich eines gewissen Unbehagens nicht erwehren.
“Das Wagnis bin ich bereit einzugehen Fawn”, erwiderte Brian nach einigem Zögern. Erneut herrschte Schweigen, bis das Mädchen fragte.
“Würdest du für mich das Gleiche tun, ma Brian?”
“Ohne mit der Wimper zu zucken, Fawn. Ich würde jede Möglichkeit ausschöpfen, um dich zu retten.”
Ein bedeutungsvoller Blick aus ihren hübschen großen Augen. Fast sanft tippte sie mit dem Finger auf seine Maske.
“Warte hier, ma Brian. Ich bin bald wieder zurück.”
Fawn nahm die Utensilien an sich und im nächsten Moment verriet nur noch das raschelnde Blattwerk, wohin sie entschwunden war.

******

Fawn stürzte heran, dicht gefolgt von Ileys muntxate.
“Ma Brian! Sie wollen die Basis angreifen.”
“Wer denn, Fawn? Wovon redest du überhaupt?” Brian sah nervös in das fassungslose Gesicht der kleinen Jägerin.
“Ikelu hat einen Kriegszug gebildet, mit den Besten unserer Brüder und Schwestern. Sie sind schon zum Lager der Himmelsmenschen aufgebrochen.”
“Ist er jetzt völlig verrückt geworden? Sie werden seinen Trupp auslöschen. Sie haben zwar nur eine kleine Besatzung, aber es sind keine Idioten.”
Fawn riss die Augen auf, dann hieb sie ihm auf den Kopf. “Trottel! Ich spreche von der Station in der Nähe des Kelutrals, ma Brian. Sie wollen sie zerstören. Wir müssen sie aufhalten.” Zu Fawns Überraschung schüttelte er nur den Kopf.
“Das würde nichts bringen. Außerdem, was können sie mit ihren Speeren schon ausrichten? Lass sie sich abreagieren und wenn sich die Wogen geglättet haben, schauen wir nach, was wir noch retten können. Hast du Anìhe das Heilmittel gebracht?” Fawn nickte flüchtig.
“Es macht dir überhaupt nichts aus, dass sie die Basis angreifen?” “Wie sollen wir sie denn aufhalten Fawn? Wenn sie merken, dass ihre Waffen nutzlos sind, werden sie zurückkommen.” Er ergriff sanft ihre Hände. “Glaub mir, es ist besser zu warten.” Der Schwanz des Mädchens wischte unruhig dicht über dem Boden entlang und verriet ihre Nervosität. “Srane ma Brian, also warten wir.”

******

Die Reitergruppe erreichte nach einem anstrengenden Ritt, der nur durch eine kurze Rast für die Tiere unterbrochen wurde, den kleinen Hügel, von dem sich das Lager problemlos einsehen ließ. In der Ferne zog die Morgendämmerung herauf und tauchte den Horizont in ihr feuriges Band. Mit selbstsicheren Blick gab Ikelu ein paar seiner begleitenden Krieger ein Zeichen, die nahe Basis der verhassten Tawtute auszukundschaften. Zu gern wäre er selbst mit ihnen geritten, doch hatte es die Tsahìk ihm eindringlich verboten, sich unnötig in Gefahr zu begeben. So blieb ihm nichts weiter übrig, als in die Rolle eines stillen Beobachters zu schlüpfen, etwas dass der impulsive Krieger aufs Äußerste verabscheute. Immer noch konnten seine wachsamen Augen nichts erkennen, was ihm Anlass zur Besorgnis gegeben hätte und so gab er das Zeichen zum Angriff. Die Ureinwohner nutzten auf ihrem Vormarsch jegliche Deckung aus, kamen aber ungeachtet dessen, der Basis schnell entgegen. Bald hatten der erste die an zahlreichen Stellen eingerissenen Absperrung erreicht und sah sich neugierig um. Als sich keine Gefahr zeigte, drangen seine Brüder mit ihm weiter auf das Gelände vor. Immer noch zeigte sich kein Anzeichen für eine Gegenwehr und so begannen die Krieger sich sorgloser zu verhalten. Gerade als sie eines der Gebäude näher in Augenschein nehmen wollten, geschah es: Ein strahlendes Licht blitzte auf und ließ Ikelu geblendet die Augen schließen. In der nächsten Sekunde brandete ohrenbetäubendes Donnergrollen heran, dicht gefolgt von den abgeschwächten Ausläufern der Druckwelle. In dichter Folge zerrissen weitere Explosionen die Luft um das Lager herum und hüllten alles in eine gewaltige Glocke aus Rauch und Feuer, aus der immer wieder gewaltige Blitze hervor zuckten. Gebannt starrte Ikelu auf das Unheil, das seine Krieger erfasst hatte und mit seinem feurigen Odem zu Asche verbrannte. Wild tänzelte sein Pa’li unter ihm und versuchte instinktiv davonzurennen. Immer wieder musste er das völlig panische Tier beruhigen, um nicht abgeworfen zu werden. Voller Wut stieß der Krieger seinen Speer in die Erde des Hügels, von dem aus er alles beobachtet hatte.
“Ma Ikelu, die Himmelsmenschen stehen mit den ayvrrtep im Bund! Es wäre besser, sofort zum Kelutral zurückkehren!”
“Skxwang! Dann wären wir jetzt tot. Sie haben Fallen ausgelegt, das ist alles.” Ikelu versuchte, sich seine aufkommende Angst nicht anmerken zu lassen. Es übertraf seine Vorstellungskraft bei weitem, was sich da vor seinen Augen abspielte. Einzig, dass die Detonationen sie nicht auf dem Hügel erreichten, gab ihm etwas von seiner Sicherheit zurück. Eine neue Explosion erschütterte den Boden, als eines der größeren Gebäude in einer gigantischen Kaskade aus glühenden Brocken auseinander gerissen wurde. Glühende Fragmente flogen in alle Himmelsrichtungen geschleudert davon, einen Schweif aus verdampfenden Metall hinter sich herziehend. Noch immer konnte er nicht begreifen, was die Tawtute dazu veranlasst hatte.
“Wir müssen fliehen, ma Ikelu, bevor die Dämonen auch uns vernichten.” Wutverzerrt blickte der Krieger auf seinen ängstlichen Begleiter hinab. Doch nur für einen Augenblick. Langsam dämmerte Ikelu die Erkenntnis, das sie hier nichts mehr für ihre Brüder und Schwestern tun konnten.
“Du hast recht, wir ziehen uns zurück. Mit einer eleganten Bewegung zog er den Speer aus dem Boden und hielt ihn schwenkend über seinen Kopf, als Symbol zum Aufbruch. Schon bald hatten sich die restlichen Krieger eingefunden, die wie durch ein Wunder der Hölle vor ihnen entgangen waren. Ungeduldig wartete Ikelu bis alle aufgesessen waren, dann schallte ein kraftvolles “Makto ko!” über die Anhöhe. In wilden Galopp rasten die Ureinwohner auf die dichte Wand des ihnen vertrauten und Schutz versprechenden Dschungels zu. Nur eine gewaltige Staubfahne blieb zurück, die allmählich vom Wind zerrissen und davongetragen wurde. Nervös warf Ikelu noch einen letzten Blick auf das Lager und ein hinterhältiges Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Eigentlich gab es keinen Grund unzufrieden zu sein. Die Basis der Tawtute war zerstört worden und damit fand der Verlust einige seiner Krieger seine Rechtfertigung. Immer noch verstand der Hüne nicht, was geschehen war, so sehr er sich auch sein Hirn zermarterte. Jedoch war er besonnen genug, sich nichts von seiner Unwissenheit anmerken zu lassen. Ikelu grinste, als er sein Pa’li geschickt durch die ersten Baumreihen lenkte, dicht gefolgt von seinen Begleitern. Er war jetzt der beste Krieger des Stammes. Selbst seinen verhassten Gegenspieler Iley hatte er vor den Augen seiner Brüder und Schwestern in den Staub geschickt. Schon bald, wenn der olo’eyktan seiner Krankheit erlegen war, würde ihn die Schamanin zu seinem Nachfolger ausrufen.

Als der Kriegszug den Heimatbaum wieder sicher erreichte, erwartete Ikelu eine Überraschung. Auf dem Gelände des Versammlungsplatzes herrsche reges Treiben und zahllose seiner Brüder und Schwestern tanzten und lachten ausgelassen. Auraya löste sich aus der lärmenden Menge und eilte an ihn heran, dicht gefolgt von ihrem neuen Schatten Varyu, der sie nie aus den Augen ließ.
“Was ist geschehen, ma smuke? Los, sag es mir sofort.”
Ikelu blickte verständnislos auf die Ureinwohner. Keiner seiner Brüder und Schwestern grüßte die Zurückkehrenden und noch schlimmer, man schien überhaupt keine Notiz von ihnen zu nehmen. “Beruhige dich, ma Ikelu. Der Stammesanführer ist wieder von seiner Krankheit genesen, Eywa sei Dank.”
Die letzten Worte kamen mehr zerknirscht über ihre Lippen und Brian, der sich in der Nähe aufhielt und sie vernahm, war sich nicht sicher, ob sie wirklich aufrichtig waren.
“Wie ist das möglich? Hat die Tsahìk doch noch ein Heilmittel gefunden?” Ikelu war entgegen seiner sonstigen Gewohnheit sprachlos. “Das müsste er am besten wissen. Los, frag den Tawtute”, kam es voller Verachtung. Auraya trat an den Söldner heran. “Hast du nicht Fawn ein Heilmittel gegeben, von dem du nicht wusstest, ob es wirkt?” Brian starrte sie nur fassungslos an. “Woher.. ich meine, wie hast du es erfahren?”
“Also stimmt es, was die Schamanin zu ihren Mädchen flüsterte. Ich habe sie belauscht und gesehen, wie sie die ganze Zeit über den Anführer wachte. Als er sich plötzlich von seinem Lager erhob, wusste ich, was ihr getan hattet.”
“Du hast unserem Anführer Medizin verabreicht und die Schamanin hat dem zugestimmt?” Ikelu wechselte hastige Blicke mit Auraya. Schließlich brach es aus ihm hervor, als ihm bewusst wurde, dass über seinen Kopf hinweg entschieden worden war. Schlimmer noch: Alle seine Pläne, die er zusammen mit Auraya gesponnen hatte, begannen sich innerhalb von Sekunden in Luft aufzulösen. Mit verzerrten Gesicht zog er seinen Dolch hervor um sich auf den verhassten Tawtute zu stürzen. Bevor er Brian erreichte, sprang Iley ihn von der Seite an, umklammerte ihn und riss den Krieger von den Beinen.
“Du willst die Entscheidung, Bruder? Dann beenden wir es hier!” Ikelu fauchte hasserfüllt auf und ließ seine makellosen Zähne sehen. Sein Ausdruck glich einer Fratze, als er sich seines vermeintlichen Widersachers zu erwehren versuchte.
“Iley, pass auf!” Mühelos schleuderte der gewaltige Ureinwohner seinen Gegner von sich und setzte ihm hinterher. Awaiei kam, vom Kampflärm wie viele andere Na’vi angelockt, herbei gerannt. “Ftang ma Ikelu, rutxe!” Ihre Stimme flehte den Krieger an. Ikelu schüttelte seinen Kopf und schlug Iley zu Boden. Außer sich vor Wut tastete er nach dem Messer, dass ihm Ileys unerwarteter Angriff aus der Hand geschlagen hatte. Seine Finger fühlten mehr nach der Klinge im Gras, als dass er sie sah und schlossen sich fest um den Griff. Im gleichen Moment schrie er mit schmerzverzerrten Gesichtszügen auf und ließ die Waffe überrascht los, als sei sie in flüssiges Feuer getaucht worden.
Anìhe zog ihren Fuß weg und beugte sich nach der Klinge.
“Der falsche Weg, ma Ikelu”, kam es gefährlich leise.
“Du bist nicht länger der erste Krieger unseres Anführers.”
Mit einem fast traurig anmutenden Ausdruck in den Augen, betrachtete sie den Dolch und schleuderte ihn zum Entsetzen des Kriegers davon.
“Ich hatte Waffen verboten. Wie kannst du es wagen, dich meinen Anweisungen zu widersetzen?” Eine Weile herrschte eisiges Schweigen, in der alle Anwesenden erstarrt schienen.
“Ihr beide seid euch an Kampfkraft ebenbürtig. Doch durch dein Verhalten hast du gezeigt, dass du unwürdig bist, den Stamm anzuführen, Ikelu. Zum Glück für uns alle, hat die große Mutter sich entschieden, den Anführer zu retten. Wir werden heute Abend ein Dankesgebet sprechen und ich erwarte, dass alle anwesend sind.” Ihre durchbohrenden Blicke trafen auf Ikelu, der sich mit einem Mal überhaupt nicht mehr wohl in seiner Haut fühlte. So blieb dem Krieger nichts anderes übrig, als sich zu verbeugen. Brian trat an Ileys Seite und ergriff seine Hand. Noch immer steckte ihm der Schrecken über den unerwarteten Angriff in den Gliedern.
“Danke sagen ist jetzt wohl nicht genug, ma Iley. Du hast mir das Leben gerettet.” Iley sah ihn auf diese unnachahmliche Art an, die keinerlei Rückschlüsse auf seine wahren Gefühle zuließ. “Wir sind Brüder, ma Brian. Du hättest für mich dasselbe getan.” Ohne ein weiteres Wort wand er sich ab, nur Awaiei schenkte ihm ein flüchtiges Lächeln, bevor sie ihrem muntxatu nachlief. Brian bemerkte verwundert, dass Anìhe genauso unbemerkt verschwunden war, wie sie es vorzog, aus dem Nichts heraus zu erscheinen.
“Glaubst du, dass es damit ausgestanden ist, ma Brian?” Die kleine Jägerin sah erleichtert, wie Ikelu mit seiner Schwester und Varyu in ihrem Gefolge ebenfalls das Weite suchte.
“Aurayas Willen zu herrschen, ist nach wie vor ungebrochen. Ich fürchte, sie wird uns noch viel Ärger bereiten. Aber für den Augenblick… .” Er nickte ihr aufmunternd zu.
“Nun können wir uns endlich um unser Haus kümmern. Kommst du mit mir?” Fawn leckte sich verführerisch über ihre Lippen und der Blick, dem sie ihm zuwarf, sagte mehr als tausend Worte. Erleichtert folgte Brian dem jungen Mädchen zurück zur Baracke, die nun ihr neues Zuhause geworden war.


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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #5 on: May 19, 2013, 08:17:41 pm »
 :o...ich stehe auf und verneige mich vor dir! :D
Ausgezeichnet! Die Nusslieferung ist bereits unterwegs!

Da hast du ja mächtig die Tastatur zum Glühen gebracht - wow!

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Offline Tsu'tey

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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #6 on: May 20, 2013, 05:46:14 am »
Wieder mal ein Wunderwerk deiner Schreibkunst ! Einfach fantastisch und genial gemacht ! Habe mit ganz großer Begeisterung, den Kampf von Iley und Ikelu gelesen !

Ich bleibe in Erinnerung. Ich habe mit Toruk Makto gekämpft. Und wir waren Brüder. Und er war mein letzter Schatten.

Offline Yaknun

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    • Eine fixe Idee
Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #7 on: May 28, 2013, 05:13:39 am »
kosman oeyä 'eylan - nifrakrr  :D

Sehr gut zu lesen, stringent im Handlungsablauf,
fesselnd bis zur letzten Zeile

großes IRAYO

ta Yaknun
Neytiri:
"Sie leben, Jake, in Eywa"

alt, aber
vernarrt in AVATAR
...


Offline Neytiri2000

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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #8 on: June 06, 2013, 10:05:09 am »
Kalkxí, ma Eichhörnchen  :D

habe es nun auch zuende Gelesen

und hier nun meine versprochene Bewertung  ;)

Wiedermal richtig schön geschrieben, sehr lebhaft und Kreativ ^^

besonders der bezug zur zweideutigkeit ( anspielungen ) fande ich persönlich sehr amüsant  ;D  :-[

ebenfalls sehr spannend der Kampf der beiden Na´vi habe ich sehr aufmerksam verfolgt.

Ich hoffe das es noch viele weiter geschichten zu unserer geliebten Kleinen Jägerin geben wird  :)

Mit lieben Grüßen dein Neytiri2000
Zitate:

Jake Sully: Ich möchte kein Mitleid, wenn du Fair behandelt werden willst, bist du auf dem Falschen Planeten.

Offline Ricardo

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Re: Blut, Schweiß und Tränen - Teil 2 "Angriff im Morgengrauen"
« Reply #9 on: June 07, 2013, 01:58:55 pm »
Mir hat die Geschichte auch wieder sehr gut gefallen.
Kaum hatte ich ein, zwei Seiten gelesen, war ich wieder voll drin.
Auch die Cliffhanger an den Kapitelenden hast du sehr gut gesetzt.
Und wieder einmal Anknüpfpunkte für eine Fortsetzung gelassen.

Mit großer Freude überreiche ich dir einen weiteren Punkt!  :D

 

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