Author Topic: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"  (Read 916 times)

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Offline Eichhörnchen

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Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« on: January 21, 2014, 09:57:29 am »
Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"



Eine Kakophonie, geboren aus unzähligen Kehlen, Schwerterklirren und den Lauten von Tieren, die vom Tross zusammenführt wurden, erfüllte die Luft. An diesem Mittag herrschte Gedrängel und ungewohnte Enge vor dem Stadttor von Akrans Zuflucht. Neugierige Dorfbewohner taten ihr übriges den Zugang weiter zu verstopfen, was sich in teils harschen Ausrufen der Expeditionsmitglieder äußerte.
Tara bahnte sich aufgeregt ihren Weg zwischen Kämpfern und Landsknechten hindurch, in ihrem Schatten die beiden Feen Mädchen. Jemand trat ihr auf den Fuß und noch während eine flüchtige Entschuldigung erklang, erhielt sie einen derben Stoß in die Seite.
“Kannst du nicht aufpassen, wo du hinläufst Mädchen? Scher dich fort! Ein Aufmarsch ist nicht zum Gaffen und Spielen gedacht!”
Gehetzt wich sie einem Reiter aus, immer auf der Suche nach den vertrauten Gesichtern Cirons oder seines Knappen.
“Da sind sie, Tara, siehst du?”
Mira zeigte vor sie und neugierig folgte ihr Blick dem ausgestreckten Arm.
“Dort ist auch Geldis. Beim Licht des silbernen Mondes, er trägt eine richtige Rüstung. Geldis! Geldis, hier sind wir!”
Lachend flitzte die Fee an ihr vorbei, bevor ein Schrei Theias sie aufzuhalten vermochte.
“Lass sie Theia, sie freut sich so wahnsinnig, ihn wieder zu sehen.”
Etwas abseits vom kunterbunten Treiben schaffte es Tara endlich, ein ruhiges Plätzchen zu ergattern. Vor ihnen hatten die Ritter einen provisorischen Kampfplatz errichtet, auf dem sie ihre Übungen abhielten, während sich die Expeditionsteilnehmer allmählich versammelten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht zog Tara den Stoff ihres Kleides hoch und betrachtete die Stelle an der sie der Stoss getroffen hatte. Rot und blau wechselten miteinander und jede der Farben versuchte dabei zu dominieren.
“Was hast du jetzt wieder angestellt, Tara?”
Die Fee betrachtete sie mit großen Augen.
“Ist dir nichts geschehen, Theia?”
“Wie du siehst: nein”, kam die flapsige Antwort.
“Wie macht ihr das nur? Ich fühle mich wie einer der Schaukämpfer im Buhurt.” Theia erwiderte nichts, grinste aber dermaßen frech, dass Tara aufseufzte.
“Warum frage ich dich überhaupt. Na komm, begrüßen wir die Ritter. Sir Ciron erwartet uns bestimmt schon.”

Der heftige Schlag traf das Handgelenk des Jungen und ließ ihn aufschreien. Klirrend landete das Schwert auf dem Platz, während alle Augen sich auf Geldis richteten und ihm die Röte auf seine Wangen trieben.
Ciron griff nach der verwaisten Waffe und reichte sie seinem völlig überraschten Knappen, begleitet von einem gütigen Tonfall.
“Zu verlieren ist keine Schande. Allerdings will auch das gelernt sein.
Es gibt nichts Schlimmeres, als einen schlechten Verlierer. Damit beleidigst du deinen Gegner und zeigst nur, dass du keinen Respekt vor seiner Leistung hast. Hast du das verstanden, Geldis?”
Der Knappe nickte ehrfürchtig und hielt die Waffe unschlüssig in seinen Händen.
“Ich danke Euch, Sir Ciron.”
“Für heute hast du dich wacker geschlagen. Nun geh und lass diese Unterwürfigkeit. Da ist jemand, der auf dich wartet.”
Auf einen der Eckpfosten gestützt, welche die Eingrenzung des Platzes symbolisierten stand Mira und ließ ihr niedliches Kichern vernehmen. Nervös steckte der Knappe unter ihren wachsamen Blicken sein Schwert weg und konnte nicht verhindern, dass er Angesichts des lieblichen Wesens noch mehr erröte. Ihr Antlitz und der sanfte Klang ihrer Stimme waren Dinge, die ihn unweigerlich in ihren Bann zogen.
“Steh nicht rum wie eine Steinsäule und schnapp sie dir, sonst lasse ich dich doch noch meine Rüstung säubern!”
Ciron sah befriedigt das Erschrecken im Gesicht des Jungen, welches seine harschen Worte hervorriefen. Endlich löste dieser sich aus der Starre und trat mehr zögerlich dem Mädchen gegenüber. Ihre türkisfarbenen Augen sahen ihm dabei erwartungsvoll entgegen und Geldis kam sich vor, wie ein Idiot, als er sie stammelnd begrüßte.
“Mylady, welch eine Überraschung. Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so schnell wieder begegnen würden.”
Mira unterbrach seine Begrüßungszeremonie vehement.
“Halt einfach den Mund und küss mich endlich! Na los, oder hast du alles verlernt, was ich dir beigebracht habe?”
“Nein Mylady, natürlich nicht, aber hier sind so viele Augen, die uns beobachten. Denkt Ihr, es ist der richtige Zeitpunkt um…”
“Ja Dummkopf!”
Bevor Geldis noch etwas sagen konnte, spürte er ihre warmen Lippen auf seinem Mund. Nur mühsam schaffte es der Knappe, nicht von ihrem Überschwang mitgerissen zu werden und dabei das Gleichgewicht zu verlieren.
“Mylady, ich…”,
“… Mira, nicht Mylady. Oder gefällt dir mein Name nicht?”
“Oh doch, Mylady… äh… Mira. Entschuldigt bitte.”
“Redet ihr Knappen immer soviel? Sei ruhig und genieße den Augenblick.”
Ihr helles Lachen erklang über das Raunen der Menge hinweg. Unangenehm berührt, bemerkte der Junge, wie sämtliche Gespräche um sie herum verstummten, während sich alle Aufmerksamkeit auf die beiden Wesen richtete. Tara schälte sich mit Miras Schwester aus der Menge und blieb völlig sprachlos stehen.
“Was schaut ihr so dumm? Habt ihr nichts Besseres zu tun, als uns beim Küssen zuzusehen? Komm mit mir, Geldis! Ich benötige deine Hilfe beim Aufsatteln. Du hast doch nichts dagegen, dass ich mit dir reite?”
“Nein, selbstverständlich nicht. Wie könnte ich, My… Mira”, sagte er schnell und setzte sich in Bewegung.
“Ja, wie könntest du auch”, flüsterte die Fee hinter vorgehaltener Hand und folgte dem Knappen.
Ciron hatte die Mädchen entdeckt. Befehlsgewohnt tönte seine Stimme über die Köpfe der anderen hinweg.
“Eure Pferde warten beim Tross auf Euch! Sir Gunthar wird sie Euch aushändigen. Zu meinem Bedauern kann ich mich jetzt nicht weiter um Euch kümmern, Myladys.”
Ein wohlwollendes Nicken zum Abschied, dann verschwand der Ritter im Trubel der Menschenmenge.

Das gesamte Heerlager um sie herum war erfüllt von hektischen Treiben und allenorten wurden Anzeichen sichtbar, dass der Aufbruch unmittelbar bevorstand.
Die rassige Stute tänzelte nervös und zeigte schnaubend ihr Gebiss, so dass Tara die perlenweißen Zähne bewundern konnte.
“Ruhig Leandra, was ist denn mit dir? Von uns hast du nichts zu befürchten”, sagte Theia und versuchte ihrer Stimme einen beruhigenden Klang zu verleihen.
“Woher weißt du, wie das Pferd heißt? Hat Gunthar es dir verraten?”
Sie betrachtete aufgeregt das edle Tier, das der Ritter ihnen zugewiesen hatte.
Theia schüttelte den Kopf und hielt dabei die Zügel unschlüssig in ihren Händen.
“Ich kenne ihn überhaupt nicht, Tara. Leandra war der Name unserer allerersten Königin. Klingt er nicht wunderschön? Wir haben alle die gleiche Endung, um sie zu ehren und die Erinnerung wach zu halten. Na komm, hilf mir, die Satteltaschen festzumachen, sonst stehen wir bei Wintereinbruch noch hier.”
“Wartet Mylady!” Paran hatte sie beobachtet und kam herangeeilt, um ihnen die Ausrüstung abzunehmen.
“Wo ist denn Asgard? Ich kann ihn nirgends entdecken.”
Tara verrenkte sich fast den Hals in dem Versuch, den Ritter zu erspähen.
“Er wurde von Sir Ciron voraus geschickt, um nach Gefahren auf unserem Weg Ausschau zu halten. Wenn alles gut geht, wird er sich uns bald wieder anschließen.“
“Trotzdem… irgendwie ist das Ganze seltsam”, erwiderte Tara verwundert.
“Ein Knappe gehört an die Seite seines Gebieters habe ich Recht?”
“Das stimmt, aber mein Herr befahl mir, in eurer Nähe zu bleiben. Sollte ich versuchen ihm zu folgen, würde er mir ohne zu zögern den Kopf abschlagen.“
Beide Mädchen sahen sich für einen Moment schweigend in die Augen.
“Denkst du dasselbe wie ich?”
“Ja, das klingt wirklich nach Asgard”, sagte Theia grinsend und machte bereitwillig dem Knappen platz.
Routiniert zog er die Schlaufen fest und ließ es sich auch nicht nehmen, den Mädchen in den Sattel zu helfen, bevor sie etwas erwidern konnten. Tara nickte ihm wohlwollend zu und ergriff die Zügel, sehr zu Theias Bedauern.
“Warum lässt du mich nicht reiten? Das Pferd vertraut mir.”
“Nein, diesmal nicht, Theia. Ich möchte selbst wieder mal die Zügel in der Hand halten. Schließlich hat Geoffrey mir das Reiten beigebracht und mich oft genug auf einen Ausritt mitgenommen.
“Geoffrey. Dieser Name folgt uns wie ein Schatten. Ich dachte, er ist tot.”
“Theia!”
“Ist ja schon gut.”
Nur schwerfällig setzte sich der Tross in Bewegung, begleitet vom frenetischen Jubel der Dorfbewohner der ihnen noch lange nachhallte.
Tara fand, dass es ewig dauerte, bis sie die letzten Felder hinter sich gelassen hatten und zwischen die Ausläufer des Vorgebirges eintauchten. War es ihre Aufregung oder die Freude darüber, die für sie mittlerweile erdrückende Enge des Dorfes hinter sich lassen zu können? Tara vermochte es nicht zu sagen, aber alles in ihr drängte danach dem Pferd einfach die Sporen zu geben und vorauszupreschen. Das Knarren der schwer bepackten Wagen lenkte für eine Weile ihre Aufmerksamkeit auf sich und so bemerkte sie erst nicht, dass die Fee entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit verstummt war. “Was ist Theia, du sagst ja gar nichts mehr.”
“Ich habe genug damit zu tun, mich an dir festzuhalten! Du würdest es doch gar nicht bemerken, wenn ich plötzlich das Gleichgewicht verliere und vom Pferd falle! Machst du dir überhaupt Gedanken um mich, oder hast du nur noch Augen für die Ritter um uns herum?”
Tara seufzte auf und ließ das Tier halten. “Na schön. Du hast gewonnen. Ich bin nicht gewillt mir deine Jammerei den ganzen Weg über anzuhören.”
“Warum nicht gleich so,” erwiderte Theia und rutschte aus dem Sattel.
“Das glaube ich einfach nicht! Du bist unmöglich!”
“Findest du? Eria meinte, dass ich von allen ihren Töchtern die größte Ausdauer besitzen würde.”
“Ohne jeden Zweifel”, sagte Tara und zog das sichtlich zufriedene Geschöpf hinauf. Bevor Tara sich festhalten konnte, schnalzte Theia mit der Zunge und ließ das Pferd losgaloppieren. Derweil die Fee über die Vorzüge debattierte, welche ihre Fähigkeit auf Tiere einzuwirken als Reiterin mit sich brachte, schweiften Taras Gedanken ab und kehrten zu einer Stelle im Wald zurück, die sie mit Beklemmung erfüllte, je näher sie dem Ort kamen. Begleitet durch die monotonen Klänge von Pferdehufen und den Geräuschen der Trosswagen wand sich der Heerzug durch die Landschaft.
“Wo Asgard wohl steckt? Sollte er nicht längst zu uns stoßen?”
“Da haben wir es”, erwiderte Theia in anklagenden Tonfall.
“Du machst dir schon wieder um jemand anderen Gedanken, nur nicht um mich. Eigentlich müsste ich jetzt beleidigt sein.”
“Dazu hast du überhaupt keine Veranlassung. Ich mache mir halt nur Sorgen. Dieser Wald ist böse.”
“Nicht der Wald, Dummchen, nur die Wesen darin.”
Einen Moment flatterten Theias Flügel sanft mit dem Wind, dann verharrten sie unerwartet.
“Ich mache mir auch Gedanken. Allerdings, wenn es jemanden gibt, der mit diesen Viechern fertig wird, dann ist es Asgard, oder hast du schon vergessen, dass er einige der Bestien eigenhändig erschlagen hat? Eine beachtliche Leistung, zumindest für einen Menschen.”
Theia fühlte, wie sie an ihren spitzen Ohren gezogen wurde.
“Du kannst es einfach nicht lassen.”
“Warum sollte ich? Ich bin eine Fee.”
Erneut das leichte Ziehen.
“Hey lass das gefälligst. Wie soll ich mich sonst auf den Weg konzentrieren?”
Tara drückte sich so eng es ging an den schlanken Leib und flüsterte kaum merklich. “Ich liebe dich, Theia.”
Theia konnte ihre Freude nur schwerlich verbergen.
“Ich bringe uns wieder sicher zurück, Tara. Mach dir keine Gedanken und nun wäre ich dir dankbar, wenn du meine Flügel nicht weiter einklemmen würdest.”
Sofort ließ der Druck hinter ihrem Rücken nach und das Mädchen stammelte. “Entschuldige, ich war unvorsichtig.“
Äußerst zufrieden führte Theia das Pferd an einer Gruppe Knechte entlang, die mehrere Tiere vor sich hertrieben.
“Wie das hier riecht. Ich weiß nicht, wer mehr stinkt: die Bauern oder ihr Vieh. Reiten wir lieber schnell daran vorbei.”
“Die Tiere sind zur Versorgung der Expedition gedacht, Theia.”
“Na und wenn schon. Ich halte nichts davon. Im Wald gibt es genug Nahrung und der Lärm, den die Viecher veranstalten, lockt nur die Bestien an. Ihr könntet genauso gut die Essensglocke für sie schlagen, das wäre einfacher.”
“Nicht jeder gibt sich mit einer Schüssel Kornbrei zufrieden”, erwiderte Tara mit einem Seitenhieb. Die Erinnerung an die Lieblingsspeise der Feen Mädchen ließ sie angewidert das Gesicht verziehen, doch im nächsten Moment war jeder Gedanke daran weggewischt.
“Sieh doch nur, dort vorne beginnt der Wald. Hier muss auch irgendwo die Stelle sein, wo wir das Schwert fanden, Theia.”
Erinnerungen stiegen in ihr empor, von denen sie glaubte, sie in der hintersten Ecke ihres Herzens für immer verschlossen zu haben. Sie ließen sie heftiger atmen und nahmen sie schließlich gefangen. So verharrte sie in Schweigen, während die Reiter die ersten Baumreihen passierten und unaufhaltsam tiefer in das Dickicht eindrangen.
“Denkst du wieder an Geoffrey? Sag nichts. Ich weiß, dass es so ist.”
“Nicht nur, Theia. Auch an die Gefahr, in der wir beide uns befanden und wie du uns das Leben gerettet hast.”
Kichern. “Seitdem ist viel Zeit vergangen. Bereust du es, dich mit mir eingelassen zu haben? Na los, sag schon. Aber sei ehrlich zu mir.”
“Ich bereue gar nichts Theia, hörst du? Überhaupt nichts!”
Gänzlich unerwartet tauchten die Umrisse eines Gebäudes aus der Düsternis des umgebenden Walds auf. Die letzten Strahlen der verblassenden Abenddämmerung waren einzig zwischen den Baumwipfeln sichtbar, doch reichte ihr Licht nicht, um durch das Blätterdach zum Boden zu gelangen. Gestrüpp verhüllte die Mauern so, als versuchten die Bäume, sie vor neugierigen Blicken zu verbergen. Auf einen Wink des Anführers kam die Kolonne zum stehen und alle Augen richteten sich auf ihn, als er sich aus dem Sattel schwang, um das Bauwerk näher zu inspizieren.
Gerade schritt Ciron entschlossen auf den stark befestigen Turm zu, als mit lautem Krachen das Tor aufflog und einen riesenhaften Schatten preisgab, der den gesamten Rahmen ausfüllte. Flackerndes Licht im Hintergrund, verlieh der Gestalt einen  seltsamen Schein, der die gespenstische Wirkung der Situation noch verstärkte. Überraschte Ausrufe wechselten mit dem Klang gezogener Schwerter, bis Ciron ihnen Einhalt gebot. Unheimliche Stille breitete sich mit jedem seiner Schritte aus, während er sich der Gestalt näherte.

Voller Argwohn betrachtete der Geweihte die Vorderseite des Altars, die er gerade übertrieben gründlich gereinigt hatte, als Geräusche ihn aus der eintönigen Tätigkeit aufschreckten. Ein Lichtspalt, der sich rasch vergrößerte, drang durch das knarrende Hauptportal. Flüstern, gefolgt von Lachen, das mannigfach von den hohen Wänden zurückgeworfen wurde. Rasch tauchte Beorn im Schatten des gewaltigen Schreins unter und zog sich in eine Nische zurück, wo er regungslos verharrte. Im nächsten Augenblick schloss sich krachend der Eingang und Beorn in seiner Anspannung war versucht, laut aufzuschreien. Die Laute kamen näher und nun konnte er einzelne Gesprächsfetzen vernehmen.
“Was wollen wir hier zu so später Stunde? Die abendliche Andacht ist längst vorüber.”
Eine weibliche Stimme, deren Klang ihm bestens vertraut war, kicherte.
“Jetzt enttäuscht du mich aber, Dain. Ich hatte etwas mehr Fantasie von dir erwartet.” Eher unbeabsichtigt schritten die beiden Eindringlinge auf den Aufenthaltsort des Geweihten zu und blieben kurz davor stehen, was Beorn den Schweiß auf die Stirn trieb.
“Ich werde dir Dinge zeigen, wie du sie dir selbst in deinen kühnsten Träumen nicht ausmalen könntest.”
Nun war es an der hageren Gestalt, deren Umrisse durch einen Umhang verzerrt wurden, aufzulachen.
“Woher willst du wissen, was ich mir alles vorstellen kann? Kelven würde erblassen, wenn er wüsste, wie sehr es mich nach seinem Weib gelüstet.”
“Sprich nicht so abwertend über mich. Noch gehöre ich dir nicht, zumindest solange wie Kelven noch atmet.”
“Oh… ein Umstand, der sich ändern lässt. Habe noch etwas Geduld, Liebste.”
“Ich habe dein Wort?”
“Hattest du jemals einen Grund daran zu zweifeln?”
Atemlose Stille, dann das Rascheln von seidenem Stoff, der zu Boden glitt, gefolgt von einem überraschten Ausruf.
“Hier?”
“Gäbe es einen besseren Ort uns zu lieben als auf dem Altar? Oder fürchtest du dich vielleicht, mein Liebster?”
Die verhüllte Gestalt packte die Frau und legte sie mitten auf den Schrein, wobei sie Kerzen und Schalen achtlos beiseite wischte.
“Ich fürchte mich vor gar nichts, Nyara!”
Eindeutige Geräusche bewiesen, mit was die unerwarteten Besucher sich beschäftigten und verschafften so dem Geweihten die Gelegenheit, sich unbemerkt zurückzuziehen. Nur wenige Kerzen spendeten ihr flackerndes Licht, während lange Schatten an den Wänden der Kapelle einen wilden Tanz aufführten. In ihrem Schutz gelangte er schließlich an eine kleine Pforte, ohne dass die Eindringlinge auf ihn aufmerksam geworden wären.
Beorn beglückwünschte sich heimlich dazu, die Metallbeschläge erst mit Fett eingerieben zu haben. Völlig geräuschlos glitt die Tür einen spaltbreit auf. Schweiß rann in Strömen über sein Gesicht, während im Hintergrund das Lachen Nyaras zu hören war. Ein Becher rollte scheppernd über den Boden der kleinen Kapelle und wieder brandete Gelächter auf. Beorn nahm all seinen Mut zusammen und zog die Tür mit zitternden Händen auf. Kein Geräusch erklang. Vor ihm breitete sich der verlassene Hinterhof im Schein des Mondes aus. Schrittweise tastete sich Beorn aus der Kapelle, bis er die Kühle der Wand in seinem Rücken spürte. Langsam und lautlos glitt die Tür wieder ins Schloss. Trotz der milden Nacht fühlte Beorn jedes Kleidungsstück an seinem Körper. Zum ersten Mal in seinem Leben verfluchte er seine Dickleibigkeit und sein Alter, welches ihm nun eine schnelle Flucht erschwerte. Ruhelos wanderten seine Blicke zum Turmfenster hinauf, wo sich die Gemächer des Kommandanten befanden. Sollte er Kelven wecken und würde dieser ihm überhaupt glauben? Zu fantastisch klang das Gehörte als dass Beorn selbst es als Bauerngeschwätz abtun, wenn er nicht jedes Wort mit seinen eigenen Ohren vernommen hätte; Dain beabsichtigte, den Kommandanten ermorden zu lassen. Nur fehlte ihm jeglicher Beweis dafür. Auch der Zeitpunkt war ungewiss. Es konnte schon diese Nacht oder erst in ein paar Mondumläufen geschehen. Beorn entschied, dass es das Beste wäre, mehr in Erfahrung zu bringen und den beiden die nächste Zeit nicht mehr von der Seite zu weichen. Ein flüchtiger Blick zurück, ob ihm jemand folgte, dann trat Beorn den Rückweg zu seinem Schrein außerhalb der Festung an. Hier gab es vorerst nichts mehr für ihn zu tun.

Tara glaubte erst ihren Ohren nicht zu trauen, als sie die bekannte Stimme hörte, dann fiel es ihr vor Erleichterung wie Schuppen von den Augen.
“Asgard! Bei den Göttern, Ihr seid es wirklich und Ihr lebt!“
“Ja was dachtet Ihr denn, meine Teuerste? Ein paar Bäume und wilde Tiere sind nichts, was mich erschrecken könnte.“
“Absatteln! Baut das Lager auf und sichert es!“
Sofort kam Bewegung in die zahllosen Helfer. Asgard löste sich sanft aber bestimmt aus ihrer Umarmung, um seinen Waffenbruder zu begrüßen.
Nachdem sich die erste Überraschung gelegt hatte, nahm das Mädchen seine Umgebung genauer in Augenschein. “Was ist das hier überhaupt? Ihr hattet gar nicht erwähnt, dass es eine weitere Befestigung in dieser Gegend gibt.”
“Es gibt vieles, was ihr noch nicht wisst.“ Ciron machte eine ausschweifende Geste. Mylady… vor Euch befindet sich die Kralle.”
Tara sah atemlos den Turm hinauf bis an die obersten Wehrzinnen, die im restlichen Schein der Abenddämmerung wie mit Blut überzogen wirkten. Die seltsame Bezeichnung hallte in ihrem Kopf nach und gab ihr zu denken.
“Warum nennt Ihr sie so?”
Statt einer Antwort packte Ciron sie und zog sie mit sich um das Gebäude herum. “Seht hinab, dann werdet Ihr verstehen.”
Tara folgte mehr stolpernd dem Ritter bis an den Rand der Klippe und verstand. Wie eine gewaltige Klaue klammerte sich das Fundament des Turms an die steil abfallende Wand. Gewaltige Metallstäbe ragten aus dem gewachsenen Fels und hielten das auf ihnen ruhende Gewicht an seiner Position. Der Anblick der Konstruktion, ebenso wie die grausige Tiefe, jagten ihr Schauer über den Rücken.
“Das also ist der Rand der Welt.”
“Aye Mylady. Besser gesagt: die Klippen der ewigen Finsternis.“
“Seltsam… ich habe sie mir immer ganz anders vorgestellt.” Ihre Blicke wanderten ruhelos über die Nebelschwaden, welche sich bis zum fernen Horizont erstreckten und den Ausblick auf den Grund verwehrten.
“Der Rand der Welt! Was ihr immer für einen Unsinn redet!”
Die spöttische Stimme lenkte die Aufmerksamkeit weg von dem Abgrund auf das zierliche Wesen, das hinter ihrem Rücken erschienen war.
“Theia! Komm her, das must du selbst sehen! Der Anblick ist atemberaubend.”
Die kleine Fee schob sich zwischen ihnen hindurch und spähte hinab.
“Ich habe es dir schon einmal gesagt, Tara. Eure Welt hört hier nicht auf. Irgendwo in diesem Nebel verborgen, muss es einen Hain geben. Zumindest gab es ihn vor langer Zeit. Also war dieses Land vormals besiedelt.”
Ungläubig schaute Tara von ihrer Freundin hinab auf das Nebelmeer und eine merkwürdige Vorahnung beschlich sie. “Du weißt bestimmt wo er gelegen hat, habe ich recht? Das Mädchen, das in den Träumen zu dir spricht, hat sicher damit zu tun.“
Theia nickte nur, ließ sich aber von ihrer Betrachtung nicht ablenken.
“Also müssen wir dort runter? Ich kann nicht sagen, dass mir diese Vorstellung gefällt.” Sie fühlte, wie die Fee ihre Hand ergriff und sanft drückte.
“Mir auch nicht Tara, aber ich fürchte, uns bleibt keine andere Wahl. Nur in dem Hain werden wir die Antworten erhalten.”
“Wie sollen wir den Grund heil erreichen? Die Felswand fällt steil hinab. Vermutlich werden wir uns bei dem Versuch das Genick brechen.”
Ciron hatte bisher nur schweigend neben ihnen gestanden und das Geschehen beobachtet. Doch nun kam Bewegung in den Recken.
“Das ist also der Grund, warum ihr mich begleiten wolltet”, kam sein Einwand mit einem nachdenklichen Blick auf Theia. Es tut mir leid Mylady, aber das kann ich nicht zulassen.”
“Was? Wovon beim Licht des silbernen Mondes redet Ihr da, Ciron? Ich dachte, ich kann Euch vertrauen.”
“Oh das könnt Ihr. Dennoch werde ich nicht tatenlos zusehen, wie Ihr in Euer Verderben rennt.” Mit einem Augenzwinkern verkündete er der sprachlosen Fee sogleich die nächste Überraschung. “Ich werde Euch begleiten! Das ist mein letztes Wort in dieser Angelegenheit. Entweder gehen wir alle gemeinsam oder Eure Reise endet hier. Also wie entscheidet Ihr Euch?”
“Ciron… ich meine Sir Ciron, aber was ist mit der Expedition? Ihr habt doch eine Aufgabe zu erfüllen.”
Seine raue Stimme unterbrach sie barsch. “Sehe ich aus wie ein einfacher Landarbeiter? Diese Hände sind es gewohnt ein Schwert zu führen, nicht mit den Schweinen im Dreck zu wühlen. Gunthar wird mich in meiner Abwesenheit vertreten und die Ausgrabungen leiten.”
“Schön, nachdem das geklärt ist, sollten wir zum Lager zurückkehren. Die Anderen fragen sich bestimmt schon, wo wir so lange stecken”, sagte Tara und ging voraus.
Theia sah nachdenklich zum Himmel über ihren Köpfen empor, während sie zum Lagerplatz zurück schritten.
“Was könnt Ihr mir über den schwarzen Abgrund sagen, Sir Ciron?”
“Ihr wisst davon? Wer hat Euch darüber erzählt?“
“Das tut erst einmal nichts zur Sache. Bitte beantwortet mir nur meine Frage.“
“Nun, im Zuge meiner Ausbildung war es mir vergönnt, mit Großmeister Garwain zusammenarbeiten zu dürfen. Eine seiner Thesen lautete dahingehend, dass die Sterne am Himmel Gestirne seien so wie unsere Sonne. Zwischen ihnen und unserer Welt soll sich demnach etwas befinden, was er den schwarzen Abgrund nannte.”
“Eine verrückte Theorie, findet Ihr nicht?”
“Verrückt ja… doch nicht weniger als das Geschöpf, welches nun vor mir steht.”
“Ich bin kein Geschöpf sondern eine Fee und äußerst real! Soll ich es Euch erneut unter Beweis stellen?” Theia funkelte den Ritter an.
“Ihr werdet ruhiger werden müssen, wenn ihr eines Tages die Herscherwürde übertragen bekommt.”
« Last Edit: January 21, 2014, 11:30:26 am by Eichhörnchen »
kxetse sì mikyun kop plltxe


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Re: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« Reply #1 on: January 21, 2014, 10:03:24 am »
Ihr Aufbegehren war wie weggewischt, als sie verlegen den Blick senkte.
“Ich bin mir gar nicht mehr sicher, ob ich das überhaupt möchte.” Sein Lachen ließ sie aufhorchen, doch lag kein Spott darin. Vielmehr trug es ironische Züge. “Verantwortung kann eine Bürde sein, doch wovor habt ihr Angst? Zu Versagen? Ich habe Euch lange genug beobachtet und glaubt mir, es gibt weitaus schlechtere Anführer.”
“Ich bin dafür einfach nicht geschaffen.”
“Denkt Ihr, Geldis fühlt sich zum Ritter berufen? Er wurde hineingeboren und muss sich seiner Aufgabe stellen, so wie wir alle. Oder nehmt Kelven. Er ist ganz sicher kein besonders weitsichtiger Befehlshaber und dennoch folgen ihm die Leute.”
“Das ist etwas, dass ich niemals verstehen werde. Ihr seid umso vieles geeigneter als euer Kommandant und solltet die Leute anführen.”
“Euer Vertrauen ehrt mich, doch in unserem Volk geht es nicht nach Befähigung. Einzig die Herkunft entscheidet über wohl und wehe des gesamten Lebens.”
“Das ist der Grund, warum wir Feen euch so hoffnungslos überlegen sind. Niemals würde ich mich einer unsinnigen Anordnung beugen.”
“Selbst dann nicht, wenn diese Weigerung Euren Tod nach sich zieht?”
“Ich würde nicht meine Ideale oder die meines Volkes verraten, nur um einen leichteren Weg einzuschlagen.”
Ciron trat auf sie zu und legte ihr eine Hand auf die Schulter. “Erstaunlich und da sagt Ihr von Euch nicht zum Herrschen geboren zu sein? Ihr vereinigt bereits alles in Euch, was man dazu benötigt.”
“Ihr sagtet, Ihr würdet mir die Treue schwören. Dann tut es jetzt! Ich bin von königlicher Abstammung, ganz gleich, ob ich jemals herrsche.”
“Das kann ich nicht, Mylady.”
“Doch ihr könnt, Ciron. Euer Schwur galt dem König, nicht Kelven. Euer Herrscher ist tot und mit ihm starb das Versprechen, dass Ihr ihm gabt. Ist es nicht so, dass ein Schwur mit dem Tod eines der beiden Partner erlischt?”
“Ihr verfügt wahrlich über gute Kenntnis unserer Gesetze.” Ciron hielt ihrem erwartungsvollen Blick stand und wählte die nächsten Worte mit bedacht.
“So sehr ich es auch möchte, kann ich Euch nicht die Gefolgschaft leisten Mylady.” “Warum nicht, Ciron? Wer sollte Euch daran hindern? Ist es, weil ich nicht menschlich bin? Bitte sprecht frei heraus.”
“Kelven mag in Euren Augen kein besonders guter Mensch sein, dennoch sorgt er für mich und meine Leute. Wenn ich mich entschließe, Euch zu dienen, müssten wir die Festung verlassen. Glaubt Ihr die Anderswelt, wie Ihr sie nennt, wäre bereit dazu, uns aufzunehmen?”
“Niemand würde es mir verwehren, Ciron. Ich könnte es ihnen notfalls befehlen. Wenn sie erfahren, was Ihr bisher geleistet habt, werden sie sich nicht gegen uns stellen.” “Befehlen”, sinnierte Ciron und ließ das Wort auf der Zunge zergehen. “Keine gute Entscheidung und Ihr vergesst eines...”
“Was denn, Sir Ciron?” Theias Augenlieder flackerten vor Neugier und Erregung. “Die Bewohner in Akrans Zuflucht. Was soll aus ihnen werden, wenn wir sie nicht mehr beschützen? Sie wären eine leichte Beute für die Bestien, Wegelagerer und was sich sonst so auf den Wegen herumtreibt.”
Theia fühlte einen Klumpen im Hals und erwiderte zögerlich.
“Das hatte ich nicht bedacht. Vergesst, was ich gesagt habe. Wir sind vom Thema abgeschweift.”
“Ja Mylady, das sind wir wohl.”
“Also was denkt Ihr, ist der schwarze Abgrund?”
“Schwer zu sagen. Einige Gelehrte sind der Ansicht, dass es der Sitz der Götter ist. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht daran. Die Vorstellung, dass diese Wesen ihre Heimstatt in ewiger Finsternis gewählt haben sollen, wirkt nicht sehr Vertrauen erweckend auf mich.”
“Das tut es wirklich nicht, Ciron”, erwiderte Theia und fühlte mit einemmal ein Frösteln durch ihren Körper ziehen. Sie erreichten den Lagerplatz, wo schon an mehreren Stellen Feuer brannten und einen heimeligen Schein verbreiteten. Asgard winkte sie heran, während Knappen geschäftig heraneilten, um die Wünsche ihrer Herren zu erfüllen, bevor diese sie auch nur formuliert hatten. Mira suchte den Platz an Cirons Seite um so seinem Knappen nahe zu sein, was missbilligende Blicke ihrer Schwester nach sich zog.
“Was machst du da, Tara? Ist dir kalt?”
Das Mädchen streckte ihre Hände ans Feuer und schüttelte sich. “Nein, ich habe nur auf euch gewartet. Was gab es denn so Wichtiges zu besprechen?”
“Ich hatte ein paar Fragen an unseren Beschützer”, sagte Theia und grinste Ciron auf ihre unwiderstehliche Art an.
“Das ist wohl war und es gibt noch so einiges, dass Euch interessieren dürfte.” Der Recke ließ sich einen Becher Wein reichen, bevor er mit seiner Erzählung fortfuhr.
“Die Grenzlande sind nur ein kleiner Teil des Reiches. Eines von vielen Ländereien, die ihm angehörten. Möchtet Ihr eine Geschichte hören, Myladys?”
“Warum nicht? Jede Ablenkung ist willkommen und vielleicht vertreibt sie sogar die Furcht aus unseren Herzen.”
“Meine Amme erzählte sie mir immer vor dem Schlafengehen. Sehen wir mal, ob ich noch alles zusammenbekomme. Ciron nippte an seinem Wein und warf einen ernsten Blick in die Runde.
“Einst herrschte Aurigel, Gottkaiser und Imperator über das Reich der zwölf Länder. Seine Macht reichte von den sonnenverwöhnten Steppen im Süden bis weit hinauf zum Nebelgebirge, dass vom unbarmherzigen Griff des Eises gefangen gehalten wird. So gewaltig, wie die Ländereien über die er befehligte, war auch seine Gier nach Macht. Skrupel waren ihm fremd und Zögerlichkeit ein Begriff, den er als Schwäche deutete. Aurigel regierte mit eiserner Hand, während seine Soldaten unaufhaltsam in neue Gebiete vordrangen, um die Einwohner zu unterwerfen. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes stellte er sich selbst gegen die Götter, indem er sich mit Hilfe der Priesterkaste als ihnen ebenbürtig erklärte.”
“Begehrte den niemand dagegen auf? Es ist doch ersichtlich, dass er wahnsinnig war.” Ciron verzog die Mundwinkel. “Das wagte niemand. Der Imperator verfügte über eine eindrucksvolle Legion. Böse Zungen munkelten, dass jeder neue Anwärter nach bestandener Prüfung einen Tropfen seines Blutes zu trinken bekam, um die Verbundenheit bis in den Tod zu symbolisieren.”
“Was geschah mit denen, die es nicht schafften, den Aufnahmeritus zu bestehen?” “Na, was denkt Ihr wohl? Aurigels andauernde Kämpfe forderten einen hohen Blutzoll unter der Bevölkerung, weswegen man ihm hinter vorgehaltener Hand auch den Namen Schlächter verlieh. Einige wurden zu Himmelfahrtskommandos verurteilt, doch das waren noch die Glücklicheren. Die anderen wurden den Priestern überstellt, um ihnen als Material für ihre Experimente zu dienen. Ich weiß nicht, was schlimmer war.”
“Über welche Art von Forschung sprecht ihr?”
“Unsterblichkeit. Aurigel war ein Leben nicht genug, um seine Pläne zu verwirklichen und so suchte er nach einer Möglichkeit, seine Zeit zu verlängern.”
“Hatte er Erfolg damit?”
Der Recke holte tief Luft und blickte nachdenklich in die zahlreichen Augen, die ihn gebannt musterten.
“Den Göttern sei Dank, führten seine Bemühungen zu keinem brauchbaren Ergebnis, doch es sollte noch viel schlimmer kommen. Als der Gottkaiser merkte, dass sich sein Ziel nicht mit herkömmlichen Mitteln verwirklichen ließ, wandte er sich finsteren Mächten zu.”
“Ihr meint, er beschwor einen Dämon?”
Tara blickte mit schreckgeweiteten Augen in die Runde.
“Zumindest versuchte er es. Meine Amme klammerte diesen Teil immer aus, um wie sie meinte, die Spannung zu erhalten. Fest steht nur, dass der Imperator einen Preis zahlen musste. Irgendwann erfuhren die Priester, was er getan hatte und wandten sich gegen ihn.”
“Was geschah mit ihm?”
Ciron wartete, bis sich das aufgeregte Getuschel gelegt hatte. “Hohepriester Alzaran lockte ihn unter einem Vorwand zu sich in den Tempel. Dort überwältigten die Priester Aurigel und begruben ihn bei lebendigem Leib, tief unter den Mauern ihres Schreins.”
“Hat die Leibwache denn die ganze Zeit tatenlos zugesehen? Sie müssen doch versucht haben, ihn zu befreien.”
“Oh natürlich haben sie das. Den Soldaten war es verwehrt, den Tempel zu betreten. Ein Gesetz aus uralten Zeiten das dennoch niemand zu brechen wagte. Also riegelten sie den Bezirk ab, als sie sicher waren, dass ihr Heerführer nicht mehr zurückkehren würde und steckten die gesamte Anlage in Brand. Jeder Priester, der versuchte, sein Glück in der Flucht zu suchen, wurde von ihnen erschlagen. Das Feuer wütete mehrere Tage und war wie ein Fanal noch in weit entfernten Städten sichtbar.”
“Eine unheimliche Erzählung. Ich hätte davon Alpträume bekommen”, meinte Tara nachdenklich.
“Nun bin ich dran“, erwiderte Theia keck und kuschelte sich eng an Tara.
“So kann man doch keine Geschichte erzählen! Du liegst fast mehr.”
“Warte es ab. Es wird dir gefallen, da bin ich ganz sicher.“ Theia senkte ihren Blick und erweckte den Eindruck, als versuche sie sich krampfhaft zu erinnern.
“Seit Angedenken spannt sich ein silberner Bogen über der Anderswelt, aus dem unzählige Tröpfchen dem Boden entgegenstreben, ohne ihn jemals zu erreichen. Sie sind ein Symbol für alles Leben, was entsteht und wieder in den Schoss des Mondes zurückkehrt. Irgendwann war Mara das Spiel wohl leid und entschloss sich, einen besonders großen von ihnen zu Boden fallen zu lassen, wo er im Schatten einer Runenbirke landete. Aus ihm wurde unsere Königin geboren und mit ihr das Feen Volk. Leandra war so schön, dass jeder, der sie sah augenblicklich ihrem Liebreiz verfiel. Mara verlieh ihr die Macht, weitere Tropfen zu sich zu holen, die sie zum Leben erweckte. Sozusagen ihre Kinder, deren Nachkommen später den Rat bildeten. Doch das war erst der Anfang. Wie es ihrem Naturell entspricht, verfügte Mara, dass wir Feen nur schwer Nachkommen bekommen konnten und als wäre das nicht schon eine Herausforderung, waren die meisten Neugeborenen Mädchen. Leandra sah sich daraufhin zum Handeln gezwungen. Mit Hilfe ihrer angeborenen Fähigkeit zur Magie, schufen die Feen Übergänge in die geheimnisvolle Welt der Menschen. Sie führten Reisende in die Irre und lockten sie in ihr Reich, um sich mit ihnen zu vereinen. Dabei war es nebensächlich, welcher Herkunft diejenigen waren.”
Theia wandte leicht den Kopf und zeigte Tara ein freches Grinsen.
“Deine Mutter hat vier Mädchen geboren. Widerspricht das nicht der Geschichte?” “Nein Tara, es bestätigt nur ihre königliche Abstammung und die Gunst Maras, die ihr zuteil wurde”, erwiderte Theia und fuhr mit ihrer Erzählung fort.
“Von den Auserwählten, die auf diese Art in die Anderswelt gelangten, eigneten sich die Feen alle Fähigkeiten an, seien sie handwerklicher Natur oder reines Wissen und Informationen. Gelegentlich allerdings entführten sie Menschen und selbst Tiere, um ihren Schabernack mit ihnen zu treiben.”
“Eure Göttin verfügt zumindest über Humor, wenn sie Wesen mit dieser Veranlagung erschuf”, meinte Ciron lächelnd. Theia verzog spöttisch das Gesicht, sagte aber nichts und erhob sich unter den aufmerksamen Blicken ihrer Zuhörer.
“Nun du Tara. Was ist mit dir? Ich bin gespannt, was du uns zu erzählen hast.”
Tara starrte in die Flammen und fühlte dabei eine unglaubliche Leere in ihrem Kopf.
“Ich kann nicht.”
“Was soll das heißen, du kannst nicht? Du wirst doch irgendeine Geschichte kennen.” “Wer soll sie mir denn erzählt haben? Mein Vater vielleicht?”
Bevor die Anderen verstanden, was geschah, sprang sie auf und stapfte davon.
“Wo willst du hin?”
Tara blickte zurück und jeder der Anwesenden vermeinte, die knisternde Spannung zwischen den Mädchen zu fühlen.
“Ich mache mich nützlich! Die Frauen beim Tross können jede helfende Hand gebrauchen.”
Einen Augenblick wirkte Theia fassungslos, dann trat sie wieder ans Feuer heran. “Wie es aussieht, ist der Abend wohl gelaufen. Wenn die Herren nichts dagegen haben, entschuldige ich mich. Etwas Ruhe wird mir nach dem anstrengenden Ritt gut tun.”
“Darf ich Euch mein Geleit anbieten, Mylady?” Paran erhob sich und machte Anstalten sich zu ihr zu gesellen.
“Nein, das wird nicht nötig sein! Ich finde schon allein in mein Zelt!” Der unerwartete Aufbruch Taras hatte sie verstimmt und so reagierte sie schroffer als beabsichtigt. Das Gras unter ihren Füßen dämpfte die Schritte, während sie sich durch das Lager bewegte. Hier und dort sah jemand von den Feuerstellen auf wenn sie vorbeiging, Grußworte wurden ihr zugeworfen, doch Theia antwortete nicht. Sie sehnte sich danach, allein zu sein und innerlich fühlte sie eine stärker werdende Müdigkeit. “Hoffentlich kann ich diese Nacht schlafen.” Leise, so das keiner auf sie aufmerksam werden oder etwas verstehen konnte, waren die Worte über ihre Lippen gekommen. Endlich kam das blasse Blau des Zeltstoffes in Sicht, dass ihren Lagerplatz kennzeichnete. Normalerweise entlockte ihr der vertraute Anblick ein Lächeln, hob sich die Farbgebung doch wohlwollend von den tristen Grautönen der anderen Zelte ab. Nun jedoch ignorierte sie alles um sich herum und schlich wie unter einer unsichtbaren Last bepackt in das Innere ihrer Schlafstätte.

Erschöpft kniete sich das Mädchen nieder. Die Schüssel in ihren Händen spendete eine angenehme Wärme und mehrmals pustete sie über die dampfende Oberfläche um sie etwas abzukühlen. Einer der Köche hatte sie ihr nach dem Tagewerk in die Hand gedrückt. Tara war harte Arbeit von Kindheit an gewöhnt und so hatte sie sich schnell eingefunden und war den Frauen zur Hand gegangen.
Sie sah die Reihen der Soldaten und Knechte entlang. Da war Oric, ein schroffer Kämpfer, dessen Gesicht von zahlreichen Narben verunstaltet wurde. Es ging das Gerücht, dass er in einer Taverne der Schankmaid ein Auge ausgestochen hatte, weil sie seine Anzüglichkeiten zurückwies. Nur die entfernte Verwandtschaft mit Kelven hatte ihn vor dem Beil des Henkers bewahrt. Aller Titel enthoben, war er vor die Entscheidung gestellt wurden, sich der Expedition anzuschließen oder im Kerker zu verrotten. Dem finsteren Gesichtsausdruck zufolge, hatte ihn das Geschenk der Freiheit allerdings nicht zu einem besseren Menschen gemacht.
Vala schob sich in ihr Blickfeld. Eine lebenshungrige Dirne, die jedem ihr Höschen zeigte und mehr, wenn die Bezahlung stimmte.
Tara schluckte, als sie daran dachte, wie sie ihren Vater mit diesem unsittsamen Geschöpf auf seinem Schoss bei einem seiner Saufgelage erwischt hatte. Sie verdrängte die unangenehmen Gedanken und nahm vorsichtig einen weiteren Schluck Suppe. Schließlich blieb ihr Blick auf einem unscheinbaren Jungen haften. Paran. Der Knappe war ein Rätsel für sie und es kam ihr vor, als vermied er absichtlich jede Nähe mit anderen Menschen, ganz so als bereite sie ihm Unbehagen. Nur Geldis befand sich wie so oft in seinem Schlepptau, doch eine Unterhaltung fand zwischen ihnen nicht statt. Vielmehr wirkten beide Knappen erstarrt und wechselten auch sonst kaum ein Wort miteinander. Gelegentlich reichte einer dem Anderen etwas ohne erkennbare Regung. Alles geschah in stiller Übereinkunft, einer Art Symbiose die nur sie verstehen konnten und deren Sinn einem Beobachter für immer verschlossen bleiben würde.
“Ist er nicht wunderschön? Gib es zu, du findest ihn auch hübsch, sonst würdest du ihn nicht so anstarren.”
“Was?” Tara fuhr erschrocken herum und blickte geradewegs in Miras leuchtend grüne Augen, die sie belustigt ansahen.
“Du verstehst das falsch.”
“Tue ich das?”
“Ich habe Paran angesehen.”
Mira fuhr ihr kichernd ins Wort. “Paran? Was willst du denn von ihm? Jetzt sag nicht, dass er dir gefällt.”
“Lass mich doch mal ausreden, Mira!”
Verblüfft hielt die Fee inne.
“Entschuldige. Ich wollte dich nicht so anschreien. Es ist nur, ich bin in letzter Zeit so nervös.”
“Das sind wir wohl alle. Die ganze Gegend ist irgendwie unheimlich. Also was ist nun mit dem Knappen? Theia bringt dich um, wenn du ihm schöne Augen machst.”
Tara seufzte auf und stellte die Schüssel ab.
“Manchmal ist es wirklich nicht leicht, mit euch auszukommen. Ich will nichts von ihm. Es ist nur… er benimmt sich so seltsam.”
“Tun das nicht alle Menschen? Selbst Geldis legt manchmal ein komisches Verhalten an den Tag. Er wollte mich noch nicht mal vor allen küssen.”
Tara musste unwillkürlich schmunzeln. “Ich habe euch gesehen. Vielleicht war es ihm einfach nicht recht. Ich denke, Paran ist einsam. Ständig wie ein Hündchen hinter seinem Herrn herzulaufen, kann keine Erfüllung sein.”
“Nicht? Du hast doch den selben Ausdruck im Gesicht, wenn du Theia folgst.”
“Du kleines Miststück!” Lachend rannte Tara der aufschreienden Fee hinterher. Eine Weile schaffte sie es ihr zu folgen, dann ließen schlagartig ihre Kräfte nach. Ihr selbstloser Einsatz begann seinen Tribut von ihrem Körper zu fordern. In der Ferne sah sie Mira einen Bogen beschreiben und zu Geldis Lagerplatz zurückkehren. Schwer atmend blieb Tara stehen. Für den Augenblick verspürte sie keine Lust, sich zu ihnen zu gesellen. Vielmehr drängte es sie danach, sich auszuruhen und nach Theia zu sehen. Nach einem weiteren tiefen Atemzug, machte sich das Mädchen auf den Weg.

Theia wand sich ruhelos herum. Immer wieder erklang die fremde und gleichzeitig so vertraute Stimme in ihrem Kopf und verursachte unerträgliche Schmerzen, je mehr sie versuchte, sich darauf zu konzentrieren. Dunkelheit umgab sie, wohin sie auch blickte. Der Himmel über ihr erschien schwärzer als alles, was sie in ihrem Leben jemals gesehen hatte, einzig unterbrochen von wenigen Sternen und einem gleißenden Schein am Horizont. Inmitten dieser fast absoluten Lichtlosigkeit schlich sich die Furcht in ihr Herz, fraß sich durch jede Faser ihres Körpers und begann, ihr Dinge vorzugaukeln, die vorher nicht da gewesen waren. Oder vielleicht doch? Theia war sich nicht mehr sicher. Alles war verschwommen, nicht greifbar und sie fühlte sich, wie in einem Alptraum gefangen. Es mussten tausende und abertausende Knochen sein, die hier im Staub begraben ihrer Endeckung harrten. Unangenehm drang das Knirschen an die Ohren, wenn ihre Füße einen davon zerbrachen und nichts als feinen weißen Staub zurückließen. Schrittweise tastete sie sich weiter. Wieder etwas Hartes, aber diesmal zersplitterte es nicht. Im Gegenteil. Theia rutschte mit dem Fuß ab und kam ins Straucheln. Schmerz fuhr wie heiße Nadeln durch ihren Knöchel. Mit rasenden Puls sah sie nach unten und erschrak bis ins Mark. Ein Schädel… .
“Nein! Bitte Mara, das darf einfach nicht sein! Wie konntest du das zulassen?” Benommen torkelte sie einen Schritt zurück und stolperte erneut. Krachend flogen Knochensplitter und feiner Staub um sie herum. Die entsetzliche Erkenntnis drang in ihr Hirn. Ihre Schwestern. Die verlorene Kolonie. Höhnisch funkelte der Schädel sie an und begann ihre Sinne zu verwirren. Theia rang nach Luft, richtete sich auf, fiel wieder, bis sie schließlich heftig atmend liegen blieb. In den Augen das Entsetzen über das unvorstellbare Grauen um sie herum, öffnete sie den Mund zu einem stummen Schrei.

Eine sanfte aber beherzte Stimme erklang und riss sie in die Wirklichkeit zurück.
“Was ist mit dir? Du bist schweißnass! Komm, zieh das hier an, sonst erkältest du dich noch.” Tara hielt ihr ein Hemdchen entgegen und wartete geduldig, bis Theia sich ihres eigenen entledigt hatte.
“Was für ein furchtbarer Traum.”
“Wieder dieses Mädchen?”
“Ja und noch etwas anderes. Eine Ebene voller Gebeine. Ich weiß nicht, in welcher Verbindung sie mit der Stimme stehen, aber sie haben mir Angst gemacht”, sagte Theia, während sich Verwirrung in ihren grünen Augen widerspiegelte.
Von draußen schimmerte der Schein einer Fackel durch den schmalen Zeltspalt und spendete gerade genug Licht um etwas erkennen zu können.
“Wo kommst du jetzt überhaupt her? Es ist finsterste Nacht.”
“Soll das etwa bedeuten, das du dir Sorgen um mich gemacht hast?”
Theia sah zu Boden.
“Na los sag es! Ich will es hören Theia.”
“Was soll ich denn sagen?”, kam es verstört zurück. “Ach das.“ Sie sah das Mädchen eindringlich an. “Ich liebe dich Tara.”
“Na siehst du, das war doch gar nicht so schwer.“
Ihre Lippen verschmolzen miteinander, während sie die Fee leidenschaftlich küsste. Das Hemdchen hielt Theia dabei immer noch in einer Hand.
“Anziehen macht jetzt wohl keinen Sinn mehr.”
“Nein, das hat Zeit bis später”, keuchte Tara und ließ ebenfalls alle Hüllen fallen. Fordernd umschlang sie den verschwitzen Körper der Fee und zog sie an sich. Theias Zunge in ihrem Mund, die sich aufrichtenden Warzen ihrer knospenden Brüste, all das waren Gefühle, die sie überwältigten und ein wahres Feuer der Leidenschaft in ihr entfachten. “Ich will dich, Theia!” Ihre Finger begannen Theias Körper zu erkunden und die Fee stand ihr an Geschicklichkeit, was diese Dinge betraf in nichts nach, wie sie gleich darauf lustvoll feststellte. Schon bald versank die Welt in einem farbigen Wirbel und ließ die beiden Mädchen alles um sich herum vergessen.

Tara blickte auf den Vorhang welcher den Eingang abschirmte. Nur langsam regulierte sich ihre Atmung und stückweise nahm sie die Umgebung wieder war.
Von draußen war kein Laut mehr zu vernehmen, nur der Schein eines Feuers warf faszinierende Lichtspiele an die Wand des Zeltes.
“Das war wunderschön, seufzte Theia und streckte sich völlig nackt auf dem rauen Stoff aus, der ihre Schlafstatt bedeckte.
“Fühlst du dich jetzt besser? Vielleicht kannst du nun den Rest der Nacht ohne Alpträume verbringen.”
Theia kicherte auf und schmiegte sich eng an sie. “Hoffentlich!”
Eine Weile spürte sie nur den warmen Atem der Fee im Nacken.
“Tara?”
“Ja?”
“Was ist, wenn es kein Traum war, sondern eine Vision, die mir zukünftige Ereignisse gezeigt hat, um mich zu warnen?”
“Denk nicht mehr darüber nach und versuche zu schlafen”, erwiderte Tara und versuchte, sich ihre Beklemmung nicht anmerken zu lassen.
Erneut kehrte Ruhe im Zelt ein.

Am nächsten Morgen wurde Tara unsanft vom geschäftigen Treiben im Lager aus ihren Träumen gerissen. Gähnend richtete sie sich auf und wollte nach Theia sehen, doch zu ihrer Überraschung fehlte von der Fee jede Spur. Eilig schlüpfte sie in ihr Gewand und hastete ins Freie hinaus. Theia stand vor dem Zelt und machte keine Anstalten sich umzudrehen.
“Hast du endlich ausgeschlafen? Das ganze Lager ist schon auf den Beinen.“
“Warum hast du mich denn nicht geweckt?“
“Warum sollte ich? Du hast so friedlich dagelegen wie ein Engel, da wollte ich dich nicht stören.“
Vala kokettierte an ihnen vorüber, wobei sie einer Wache eindeutige Blicke zuwarf. Wie aus Versehen täuschte sie ein Stolpern vor und hob dabei den Saum ihres Kleides an, sodass ihr aufreizender Hintern unter dem Stoff hervorblitzte. Die Fee betrachtete das Geschehen fasziniert.
“Sie ist hübsch.”
“Nein, sie ist eine Schlampe.”
“Na gut, dann ist sie eben eine hübsche Schlampe“, kicherte Theia.
“Das ist nicht lustig!”
“Jetzt hab dich nicht so. Sie kann doch nichts dafür, das dein Vater das Laken mit ihr geteilt hat.”
“Bei ihr ist das pure Berechnung.”
Theia gluckste. “Bei mir auch Tara, bei mir auch.”
Sprachlos betrachtete sie jede Gefühlsregung im Antlitz der Fee.
“Dein Gesicht ist einfach zu köstlich. Nun komm, lass uns etwas essen und dann überlegen, wie wir diese Felswand herunterkommen.”
“Hast du schon irgendeine Idee?”, fragte sie neugierig geworden.
“Nicht jetzt Tara. Mit leerem Magen kann ich nicht nachdenken”, sagte Theia tadelnd. Tara warf noch einen flüchtigen Blick nach der Dirne, welche intensiv mit dem Soldaten anbändelte. Valas Hände waren überall und nur mit Mühe gelang es der Wache, sich ihrer zu erwehren. Tara seufzte auf. Sie hatte genug gesehen. Nun machte sich bei ihr ebenfalls ein Hungergefühl bemerkbar und so stapfte sie der vorausgeeilten Fee hinterher. Was immer der Tag auch für sie bereithalten mochte, es konnte warten.


Ende
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Tìtstewan

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Re: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« Reply #2 on: January 21, 2014, 10:22:54 am »
Txantsan, ma Eichhörnchen! :D
Index updated

Wird am Wochenende gelesen. :)

PS: Ist da ein bestimmter Grund, warum die Schriftgröße in erstem Post kleiner ist als in zweiten?
« Last Edit: January 21, 2014, 11:24:00 am by Tìtstewan »

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Offline Ricardo

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Re: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« Reply #3 on: January 22, 2014, 02:45:37 pm »
Neuer Lesestoff.
Ich werde es mir so bald wie möglich durchlesen.

Offline Tìtstewan

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Re: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« Reply #4 on: February 01, 2014, 11:44:59 am »
So, jetzt kommt meine kleine Bewertung zu dieser schönen Geschichte. :)

Die Anfangszene mit Mira und dem Knappen, göttlich, und die Szene in der Kappelle ist sehr gut geschrieben! Die Geschichten in der Geschichte sind echt gut. Jeden Kapitel konnte ich mir bildlich vorstellen. :D Oh, und es wird noch spanned im Verlauf!
Die sind alle bei dem Turm, und die Feen wollen ins Portal, bei der "Kralle"...mehr!

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Offline Ricardo

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Re: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« Reply #5 on: March 25, 2014, 08:26:36 am »
Ich habe es jetzt auch gelesen und, wie vom Eichhörnchen angekündigt, gefällt es mir auch gut.
Man kann der Handlung leicht folgen, sich mit den einzelnen Charakteren identifizieren.

Die Feengeschichten sind an sich ja noch eher als Fortsetzungserzählung zu bewerten als die Na'vi-Geschichten.
Daher wurde nun natürlich wieder Spannung aufgebaut und man fragt sich einfach nur: Wie geht es weiter mit den Geschehnissen an der Kralle?

Auflösung bald?  ;)

Offline Yaknun

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Re: Das Licht der Ewigkeit - Kapitel 2 "Klippen der Finsternis"
« Reply #6 on: April 23, 2014, 07:58:57 am »
Hallo Eichhörnel,
lieber spät, als gar nicht ... in diesem Sinn heute ein paar Zeilen von mir.
Habe soeben das Kapitel gelesen. Wie immer bestichst Du  mit klarer Darstellung der Ereignisse und reißt Deine Leser mit.
Es hat wieder einmal Spaß gemacht, in die Welt Deiner Figuren einzutauchen.

Liebe Grüße
Achim
Neytiri:
"Sie leben, Jake, in Eywa"

alt, aber
vernarrt in AVATAR
...


 

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