Author Topic: Die Legende von Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”  (Read 799 times)

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Offline Eichhörnchen

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Die Legende von Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”
« on: June 28, 2014, 04:48:07 am »
Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”



Neugierig folgte Tim dem Mädchen, dass ihn seit einigen Tagen immer mehr in seinen Bann zog, ohne dass er sich dagegen zu wehren vermochte. Allerdings traf ihn nicht die alleinige Schuld daran. Lynda verstand sich darauf Köpfe zu verdrehen. In dieser Hinsicht war sie ein richtiges Naturtalent. Jede freie Minute verbrachten sie zusammen und Tim wunderte sich, wie leicht es ihm fiel, Ausreden zu erfinden, um sich vor der Arbeit zu drücken. Ihre Zungenspiele oder sie ganz einfach nur im Arm zu halten und zu streicheln, waren umso vieles aufregender als die eintönige Schufterei auf den Feldern. Gelegentlich hatte er seine Hände unter ihr Shirt geschoben und sie ihn dabei auf so eine seltsame Art angesehen, aber nichts gesagt.
“Was ist? Warum bleibst du stehen? Beeil dich! Meine Eltern sind nicht zu Hause. Ich kenne ihren Tagesablauf in und auswendig. Du brauchst dich nicht zu fürchten. Oder hast du wieder etwas angestellt, von dem ich wissen sollte?”
Trotz aller Versuche gelang es ihr nicht ganz, das Kichern zu unterdrücken.
“Nein, habe ich nicht“, sagte Tim resigniert, während sie das Farmhaus der Greyburnes erreichten.
“Dann ist doch alles in Ordnung! Komm mit mir, Tim!”
Lachend ergriff sie seine Hand und zog ihn hinein.
Aufgeregt folgte er ihr durch die zahlreichen Räume und revidierte dabei seine Ansicht über die Greyburns. Das war kein einfaches Farmhaus sondern glich eher einem Anwesen. Tim kam aus dem Staunen nicht heraus und als er Lyndas Heiligtum betrat, verschlug es ihm die Sprache.
“Wie findest du es?”
“Atemberaubend! Allein dein Bett ist größer als mein gesamtes Zimmer.”
“Du übertreibst! Das ist ein Himmelbett. Setz dich rauf. Es wird dir gefallen. Aber zieh bitte die Schuhe aus!”
Tim tat wie ihm geheißen und hatte das Gefühl auf der Matratze zu versinken.
“Dein Vater bringt mich um, wenn er uns erwischt.”
Lynda fing an zu grinsen und setzte sich neben ihn.
“Ja, das wird er ganz sicher. Aber mach dir nichts daraus. Meine Eltern wollen jeden umbringen, der mich auch nur ansieht. Am liebsten würden sie mich in ein Shuttle setzen und auf eine Umlaufbahn schießen. Zum Glück haben sie jedoch nicht zu entscheiden, mit wem ich mich treffe. Manchmal denke ich, das sie die Kinder sind, zumindest ihrem Verhalten nach.”
“Warum bist du nicht mit mir gekommen? Ich hätte dich gerne meinem Onkel vorgestellt.”
“Nun, vielleicht wollte ich die Gelegenheit nutzen und einfach mit dir allein sein.”
Verspielt strich er durch ihr weiches duftendes Haar. Lynda war das, was man allgemein als Außenweltlerin bezeichnete. Anders als er oder ihre Eltern, war sie auf dem Planeten geboren worden. Der Gedanke daran rief etwas in ihm wach.
“Stimmt es, dass ihr wirklich so intelligent seid?”
“Wer wir? Sprich bitte nicht mit mir, als hätte ich ein paar imaginäre Freundinnen im Schlepptau. Wenn du etwas wissen möchtest, frag mich einfach.”
“Okay. Ich habe es nicht so gemeint. Also … ich weiß dass du hier geboren wurdest und ich habe die Gerüchte gehört. Dass ihr schneller lernt, ein anderes Wachstum habt und dass ihr … dass du … .”
“Ja? Raus damit Tim. Was haben die Leute über mich erzählt?”
“Dass du krank bist.” Erschrocken über seine eigenen Worte, versuchte er eine Regung in ihren Augen zu erkennen, doch Lynda starrte ihn nur an.
“Was weißt du darüber?”
Tim zuckte die Schultern.
“Nur das was alle erzählen.”
“Gut und nun weißt du nicht, was davon wahr ist oder wie du dich verhalten sollst. Hast du Angst, Tim? Davor dass es ansteckend sein könnte?”
“Nein! Habe ich nicht! Ich liebe dich doch“, kam es viel zu schnell über seine Lippen.
“Dummerchen. Du weißt in Wirklichkeit gar nichts. Aber den letzten Teil glaube ich dir sogar. Sag es noch mal. Bitte. Für mich.”
“Ich liebe Dich.”
“Ja, ich denke das tust du wirklich. Ich liebe dich auch, Tim”
Dieses Lächeln, das ihm die Seele zu rauben schien.
“Ich kann dich beruhigen. Es ist nicht übertragbar, zumindest nicht so einfach.”
“Wie meinst du das?”
“Nun, es ist kein Virus. Mehr eine Abwehrreaktion und betrifft nur die hier geboren worden sind. Vielleicht, wenn ich ein Kind mit dir bekommen würde, bestände die Möglichkeit, dass es die selben Symptome zeigt. Aber sicher weiß ich das auch nicht.” Sie sah ihn bekümmert an.
“Müssen wir uns damit jetzt die Stimmung verderben? Es betrifft längst nicht jeden. Gut möglich, dass es mich auslässt oder überspringt.”
“Du hast ja recht. Entschuldige bitte.”
“Schon gut. Was ist mit dir?”
“Was soll mit mir sein?”
“Na mit deinen Eltern zum Beispiel? Du hast nie über sie gesprochen. Eigentlich weiß ich so gut wie gar nichts über dich.”
“Da gibt es nicht viel zu erzählen.”
“Soll das heißen dass sie tot sind?”
“Nein, zum Glück nicht. Onkel Bron plante damals überzusiedeln. Meine Eltern hätten ihn nur zu gerne begleitet. Das must du mir glauben. Es vergingen endlose Abende an denen sie das Thema diskutierten. Aufgrund ihrer Situation war es ihnen jedoch nicht möglich dieses zu tun, obwohl die Lage schon völlig verzweifelt war. Zumindest hätten ihre finanziellen Ressourcen nicht für uns alle gereicht. Also beschlossen sie das Geld zusammenzulegen und vertrauten mich dem Schutz meines Onkels an. Sie selbst wollten später nachkommen.”
Diese wundervollen blauen Augen …Tim konnte nicht den Blick von ihnen wenden, während warmer Atem über sein Gesicht streifte.
“Was sie aber nie getan haben.”
Er spürte, wie sich sein Puls fast merklich beschleunigte. Ihre unmittelbare Nähe faszinierte ihn und erschwerte es, sich zu konzentrieren. Viel lieber hätte er ihr Antlitz mit Küssen bedeckt, als über seine Vergangenheit zu reden.
“Nein, haben sie nicht. Eine Zeitlang habe ich ernsthaft darauf gewartet, doch mit jedem Raumschiff das landete, wurde die Gewissheit größer, dass sie nicht mehr kommen würden.”
Lynda schüttelte sich.
“Was hast du?”
“Nichts. Mir ist nur ein Schauer den Rücken runter gelaufen. Auf etwas zu hoffen, von dem man weiß, dass es sich womöglich nicht erfüllen wird, muss furchtbar sein.” “Anfangs war es das auch, aber ich habe es nicht allzu schlecht getroffen. Meine Verwandten kümmern sich gut um mich, auch wenn Onkel Bron sehr streng ist. Außerdem muss ich in gewisser Weise dankbar sein.”
Ihr fragender Blick traf ihn.
“Inwiefern?”
“Na überleg doch mal. Wenn meine Eltern entschieden hätten, mich auf der Erde zu lassen um bei ihnen zu bleiben, hätten wir uns niemals kennen gelernt.”
Das unstillbare Verlangen sie einfach zu küssen, stieg in ihm auf.
“Ich kann mir ein Leben ohne dich überhaupt nicht mehr vorstellen.”
“Ja Tim, das verstehe ich. Es geht mir genauso. Schon lustig, oder? Dabei kennen wir uns doch kaum.” Wie auf ein geheimes Zeichen gab sie ihm einen innigen Kuss und Tim erwiderte begeistert ihre Zärtlichkeiten. Eine Weile ließen sie sich nur von ihren Gefühlen leiten, bis er plötzlich aufseufzte.  
“Ich muss jetzt wirklich gehen. Die Zeit mit dir vergeht immer wie im Flug.” Begeistertes Lachen erfüllte seine Ohren.
“Das nehme ich jetzt mal als Kompliment!” Ein weiterer Kuss zum Abschied.
“Ich bringe dich noch hinaus. Wollen wir uns morgen nach der Schule wieder treffen? Vielleicht bei dir?” Ihr erwartungsvoller Blick ließ ihn dahin schmelzen.
“Ja sicher. Ich sage meinem Onkel Bescheid. Er hat bestimmt nichts dagegen.”
“Fein. Also dann bis morgen in der Schule Tim.” Sie winkte ihm noch nach, bis das Haus hinter einer Biegung verschwand. Seufzend richtete Tim den Blick wieder vorwärts und schritt auf die entfernte Farm zu.

Yuki schlich wie ein gehetztes Tier herum, bis es ihrer Schwester zuviel wurde. “Kannst du nicht damit aufhören? Du verscheuchst das ganze Wild. Was sollen wir sagen, wenn wir ohne etwas zu essen zurückkommen? Ich versuche gar nicht erst, mir die Enttäuschung unserer Sa’nu auszumalen.”
“Du hast ja recht, entschuldige bitte. Es ist nur wegen Tim. Seit Tagen habe ich ihn nicht mehr gesehen.”
“Vielleicht ist er krank.”
“Meinst du? Ob ich ins Lager schleiche um nachzusehen?”
“Das wirst du sein lassen! Wie oft muss ich es noch sagen. Er wird zu tun haben. Die Himmelsmenschen arbeiten hart auf den Feldern, ganz im Gegensatz zu dir.”
“Wir haben keine Felder … .” Ein Finger erschien drohend vor ihrem Gesicht, kaum das sie ausgesprochen hatte.
“Stell dich nicht dümmer als du bist! Was soll ich nur mit dir machen?”
“Das Treffen der Schamanin. Ich habe gehört, dass du sie begleiten wirst.”
“Wer hat dir das erzählt? Bist du mir wieder nachgeschlichen?” Yeena sah ihre Schwester missmutig an.
“Es stimmt. Als eine der wenigen Kriegerinnen unseres Stammes erteilte sie mir die Ehre sie Morgen zu der Versammlung begleiten zu dürfen.”
“Nimm mich mit, bitte Yeena!” Yuki fühlte ein Kribbeln in ihrem Körper. Sie musste einfach dabei sein.
“Kehe, vergiss es! Die anderen würden dem niemals zustimmen!”
Die abweisenden Worte trafen sie hart, ähnlich zurückschnellenden Zweigen.
Yeena schien zu bemerken, was sie angerichtet hatte.
“Yuki, es tut mir leid. Ich wüsste auch nicht, wie ich der Schamanin deine Anwesenheit erklären sollte.”
“Schon gut. Ich hätte die Gelegenheit genutzt nach Tim zu sehen.”
“Glaubst du, das weiß ich nicht? Ich habe bemerkt, wie viel er dir bedeutet. Seine Geschichten sind wirklich wundervoll. Doch es bleibt dabei. Es ist besser, wenn du das Lager nicht verlässt.”
“Besser für wen? Für dich und die Schamanin? Habt ihr Angst, dass ich etwas anstellen könnte? Oder fürchtest du dich vor dem Krieger?”
Blut schoss rauschend durch ihre Adern, sodass sie anschwellten. Die Wut ließ sie die Fäuste ballen, bis ihre scharfen Fingernägel Spuren hinterließen.
“Beruhige dich, Yuki. Ich kann nicht mit ansehen, wie du dich selbst zerfleischst. Gib mir etwas Zeit. Ich werde versuchen, die Schamanin umzustimmen, aber verspreche dir nicht zuviel davon.”
War es der verzweifelte Ausdruck in ihrem Antlitz? Yuki konnte sich den plötzlichen Sinneswandel nicht erklären, etwas das ihrer tiefen Erleichterung jedoch keinen Abbruch tat. Das war es und mehr, als sie insgeheim zu hoffen gewagt hatte. Yeena würde die Dinge schon richten. Sie bekam immer alles hin, warum sollte es diesmal anders sein. Vor Freude rannte Yuki los von neuem Tatendrang erfüllt.
“Wo willst du hin?”  
“Hast du es etwa schon vergessen? Wir müssen Nahrung suchen. Also los. Lass uns etwas jagen gehen.”

“Gehst du heute zu der Versammlung, Onkel Bron?”
“Ich habe es in Betracht gezogen, bleibe aber lieber bei deiner Tante. Sie ist immer noch sehr schwach auf den Beinen. Wie steht es mit dir? Deine Ureinwohner besuchen uns hochoffiziell. Vielleicht triffst du auf Yuki.”
Tim schüttelte zu seiner Überraschung den Kopf.
“Es sind nicht meine Ureinwohner und Yuki ist noch zu jung, um daran teilnehmen zu dürfen. Außerdem habe ich Lynda schon den Abend versprochen. Sie kommt mich nachher besuchen.”
“Ganz wie du willst. Ich verstehe dich. Sie ist ein hübsches Mädchen.”
Tim überlegte kurz. Sein Onkel war guter Laune und das galt es auszunutzen.
“Onkel Bron? Macht es euch etwas aus, wenn Lynda heute bei mir übernachtet? Sie erzählt ihren Eltern, dass sie bei einer Freundin zu Besuch ist.”
Bron zog die Augenbrauen hoch.
“Du hast dich nicht zufällig ein wenig in sie verliebt?”
“Schon möglich“, erwiderte Tim ausweichend. “Also, was ist nun?”
“Von mir aus. Du bist alt genug. Dennoch sei vorsichtig, Tim. Ich sage es nicht gerne, aber Mr. Greyburn ist ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse, erst recht in Bezug auf seine Tochter.”
“Wir machen nichts Unrechtes. Was meinst du? Ob der Siedlungsrat die Na’vi von einer Zusammenarbeit überzeugen kann?”
Bron sah ihn an, als erinnere er sich an etwas. “Barns ist überraschend unpässlich geworden. Kann man sich das vorstellen? Wie lange wurde darauf hingearbeitet und in wenigen Augenblicken wird das alles zunichte gemacht.”
“Was geschieht nun?”
“Sie schicken jemand Anderen und du wirst mir niemals glauben, wenn ich dir sage wer das ist … .”

Verunsichert starrte die Schamanin in das Gesicht ihres Gesprächspartners. Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie mit der neuen Situation nicht umzugehen wusste, wie ein Raunen im Kreise ihrer Begleiter bestätigte. Mr. Greyburn ergriff sogleich das Wort, bevor sie ihre Überraschung überwunden hatte. Sein Tonfall verdeutlichte eindringlich, wer hier das sagen hatte und was er von den Verhandlungen hielt.
“Du bist Yaya, nehme ich an! Mein Name ist Bruce! Oh ich hoffe, er ist nicht zu schwer für dich auszusprechen. Mir ist bekannt, dass euch Wilden … nun wie soll ich sagen … einige Laute fehlen.” Allein die Tatsache sie ohne jeden Titel anzusprechen war schon eine Beleidigung, der Verweis auf ihre Art zu leben und ihre Befähigungen taten ihr übriges. Doch Yaya wäre keine Stammesanführerin gewesen, wenn sie nicht über die offene Provokation hinweg gesehen hätte.
“Ich hatte einen anderen Gesprächspartner erwartet. Wenn das allerdings an unserem Vorhaben nichts ändert, soll es mir recht sein.”
“Selbstverständlich nicht. Du bist an unserer Landwirtschaft interessiert. Nun wenn du und deine Leute mir folgen würdet.”
Yuki sah sich neugierig um. Auf den Feldern herrschte deutlich weniger Betriebsamkeit. Dafür folgte ihnen eine Traube aus unzähligen Himmelsmenschen, allesamt in heftige Gespräche verwickelt, so dass es dem Mädchen schwer fiel, alles zu verstehen. Der Mann mit dem unaussprechlichen Namen suchte die Nähe der Schamanin. Gelegentlich deutete er auf etwas und ließ umständliche Erklärungen folgen. Immer noch verstand sie nicht, wie es ihrer Schwester gelungen war, die Anführerin zu überzeugen, doch sie hatte versprochen, keine Fragen zu stellen.
“Bleib an meiner Seite. Keine Exkursionen, Yuki, auch wenn du Tim nicht siehst“, flüsterte Yeena in ihr Ohr. Sie ließen die letzen Farmen hinter sich. Eine riesige Ackerfläche erstreckte sich vor ihnen bis zum Horizont, einzig unterbrochen vom glitzernden Band des Zaunes.
“Wie winzig diese Früchte sind. Wie soll man davon satt werden?”
Yuki streckte ihre Hand nach einer der unbekannten Pflanzen aus, als sie einen derben Schlag darauf erhielt.
“Nimm deine Finger weg!“, fauchte ihre Schwester ungehalten. Einige der Siedler waren auf sie aufmerksam geworden und zogen lachend an ihnen vorbei. Der kleine Zwischenfall veranlasste Mr. Greyburn zu seiner nächsten herablassenden Äußerung.
“Natürlich solltet ihr bei der Feldarbeit helfen um zu lernen.” Bruce sah sich mit einem süffisanten Grinsen um und deutete überraschend auf den Krieger.
“Was ist mit dir? Du siehst kräftig genug aus.”
“Ich werde nicht für euch im Dreck wühlen! Txar wird euch alle töten!” Blitzschnell erschien der Dolch in der Hand des Kriegers. Bevor jemand reagieren konnte, zielte Txar drohend mit der gefährlichen Waffe auf die Kehle des Stadtrates.
“Kehe, was machst du?” Die anklagenden Worte der Tsahik, drangen an die Ohren ihrer erschreckten Begleiter. Zeitgleich erklang das hässliche Einrasten von Magazinen, während sich die Waffen der Farmer auf sie richteten.
“Ach Mist! Bleib hinter mir, Yuki! Wenn etwas passiert, renn so schnell du kannst zum Lager zurück, um die Anderen zu warnen.”
Yukis Hals schnürte sich zu. Wie weit würde sie kommen, sollte die Lage eskalieren? Ein paar Schritte vielleicht? Das Yeena so sprach hieß, dass sie fest mit einer Auseinandersetzung rechnete. Doch noch lag ihre Hand auf dem Dolch, hatte ihn aber nicht hervorgezogen. Atemlos vernahm sie, wie Yeena ihre nächsten Worte fauchend an Txar richtete.
“Steckt deine Waffe zurück, du Trottel oder wir werden hier alle sterben!”
“Ich kann nicht! Er hat mich beleidigt!”
Aus den Augenwinkeln sah Yuki eine Hand sich auf den Arm des Kriegers legen.
“Du kannst! Ich weiß es! Himmelsmenschen können uns niemals beleidigen, also wozu diese Provokation? Darin liegt keine Ehre.“ Keine Reaktion erfolgte.
“Ich habe versprochen, meine Schwester zu beschützen, Txar!”
“Sie dürfte gar nicht hier sein.”
“Srane! Doch sollte sie sterben, wirst du es auch und das nicht durch die Waffen eines Tawtute!”
Immer noch zielte die tödliche Klinge auf Bruce doch in den Augen des Kriegers begann es zu flackern.
Yuki wollte aufschreien, als Yeena ihren Tsal hervorzog.
“Ich werde nicht gegen euch Himmelsmenschen kämpfen!” Für alle sichtbar nahm sie den Dolch in beide Hände und legte ihn behutsam vor sich auf den Boden. Argwöhnisch folgten die Farmer jeder ihrer Bewegungen.
“Verzeiht meinem Bruder. Er ist den Umgang mit euch nicht gewohnt.”
Kaum das sie ausgesprochen hatte, legten die anderen Ureinwohner auf ein Nicken der Tsahìk ebenfalls ihre Waffen ab.
Der Widerstand des Kriegers zerbröckelte endgültig, als er in die verständnislosen Augen seiner Begleiter blickte. Langsam löste sich die Spitze und verschwand aus dem Antlitz Mr. Greyburnes.
“Du wirst den Himmelsmenschen helfen, um deinen Ungehorsam wieder gut zu machen. Das ist ein Befehl! Befolge ihn oder du brauchst nicht mit uns ins Lager zurückzukehren!” Eisige Kälte lag in den Worten der Schamanin.
Txar trat hinter seine Brüder und Schwestern zurück, wenngleich ihm der Widerwillen darüber ins Gesicht geschrieben stand.
“Sehr schön”, brachte Bruce etwas zu glatt hervor. Schweißperlen auf seiner Stirn verrieten indessen, wie es in seinem Innersten aussehen musste.
“Wenn ihr eure internen Streitigkeiten beigelegt habt, würde ich vorschlagen, das wir zusammen essen. Unsere Frauen haben etwas für euch vorbereitet.”
“Nein habt meinen Dank, doch ich denke es ist besser wenn wir euch nun verlassen. Die Gemüter müssen sich erst beruhigen.”
“Wie du wünscht. Es bleibt doch bei unserem Vorhaben? Wir werden diese kleine Unterredung fortsetzen?”
Yaya nickte nur und forderte mit einem Blick ihre Begleiter auf, ihr zu folgen. Zurück blieb ein Häuflein Menschen, dass ihnen teils frustriert, teils erleichtert nachschaute.

Im Haus seines Onkels ahnte Tim nichts von den gescheiterten Verhandlungen und sah sich mit einer Herausforderung ganz anderer Art konfrontiert, der es sich zu stellen galt.
“Du bist nur zwei Jahre älter als ich. Das ist nicht die Welt”, hauchte Lynda.
“Ich könnte auf dich warten.”
“Ja das könntest du, aber würdest du das auch?”
“Ja!”
“Ja? Wirklich?”
“Ganz bestimmt.”
Ihre Zunge huschte nervös über die Lippen.
“Es gibt da nur ein Problem.”
“So, was denn?” Was immer sie ihm auch offenbaren wollte, er würde versuchen es zu akzeptieren.
Sie brachte ihre Lippen dicht an sein Ohr, als ob sich hinter ihnen das bestgehütete Geheimnis verbergen würde, das sie ihm nun mitteilen wollten.
“Ich möchte aber nicht länger warten.”
Tim stockte der Atem und wertvolle Sekunden vergingen in denen er versuchte das Gehörte zu verdauen. Wieder tauchten ihre blauen Augen vor ihm auf. Diesmal öffnete er den Mund ohne zögern und war überrascht davon, mit welcher Leidenschaft ihre Zunge darin auf Endeckungsreise ging.
“Nicht so stürmisch. Ich möchte nicht, dass mein Onkel uns hört.” Ein frecher Blick. “Kannst du die Tür abschließen?”
Tim nickte überrascht.
“Na dann los! Worauf wartest du noch, du Holzkopf?”
Er schluckte. Wenn Lynda ihn so nannte, hatte sie es wieder faustdick hinter den Ohren. Ein Klicken setzte die automatische Verriegelung in Kraft.
“Sie werden uns schon nicht stören. Ich glaube, die beiden haben dich irgendwie ins Herz geschlossen … .” Tim wand sich um und glaubte seinen Augen nicht zu trauen. “Was ist denn Tim? Ich dachte mir, du würdest gerne einmal sehen, was du ständig versuchst zu streicheln“, sagte sie keck und präsentierte ihm ihre nackten Brüste.
“Du bist ganz schön durchtrieben.”
“Na und wenn schon. Ich weiß halt, was ich will.”
“Ach und was ist das?”
“Ich will dich, Tim! Ist das denn so schwer zu erraten?”
Tim schüttelte grinsend den Kopf. Seine Atmung ging schneller, während er es genoss ihren bloßen Oberkörper mit Küssen zu bedecken.
“An was denkst du in diesem Moment?”
“Unser Zusammensein. Es ist wie pure Magie.” Ihr verträumter Blick traf ihn.
“Magie! Diesen Ausdruck habe ich mal in einem alten Buch gelesen. Aber das ist lange her. Weißt du was? Er gefällt mir!” Lynda zog unter seinen überraschten Blicken ihr Höschen runter. “Also dann, willkommen im Zauberland, Tim!”

Ein angenehm kühler Luftzug wehte über die Veranda, auf der zwei Menschen den eintretenden Sonnenuntergang bewunderten.
“Ein hübsches Paar, findest du nicht?”
“Ja, das sind sie.” Brons Stimme klang versonnen.
“Hast du mit ihm gesprochen?”
“Worüber? Ach das. Nein. Sie wird es ihm selbst sagen, wenn die Zeit gekommen ist. Lynda ist ein vernünftiges Mädchen.”
“Zeit … das ist es, was die beiden nicht haben, Bron und das weißt du.”
“Ich verstehe deine Sorgen, aber vielleicht sind sie unbegründet. Mit etwas Glück kommt die Krankheit bei ihr nicht zum Ausbruch.”
“Sie hat beim Abendessen gehustet. Sag mir nicht, dass du es nicht bemerkt hast.”
“Das Mädchen hat sich verschluckt gehabt, das ist alles.”
“Ach Bron. Das ist es, was ich an dir so liebe. Du versuchst, die Dinge immer positiv zu sehen.”
 Eine Hand legte sich auf seine Schulter und drückte sanft zu.
“Bron?”
“Ja?”
“Was machen wir, wenn doch etwas passiert?”
Er erstarrte und sah wieder zum Horizont mit einem Gesicht, aus dem jede Freude gewichen war.

Ende

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Offline Tìtstewan

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Re: Die Legende von Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”
« Reply #1 on: June 29, 2014, 04:21:52 pm »
Kaltxì ma Robert,

Soeben gelesen und muss sagen, dass diese Episode schön und spanned zugleich ist. Es wird immer interessanter mit den Charakteren!
Achja, wenn die Na'vi auf die Arroganz der Menschen treffen. ;D
+1 Rutxe vivar!

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Offline Tsu'tey

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Re: Die Legende von Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”
« Reply #2 on: June 29, 2014, 05:21:39 pm »
Ohne lange Floskeln komme ich direkt zum Wesentlichen, ein wirklich schönes neues Kapitel hast du geschrieben, mein Lieber! Txar als Krieger mit einem relativ hohem Ehregefühl, gefällt mir ausgesprochen gut aber mein Blick ging schon fast immer zu den Charaktären, die eben keine Hauptrolle spielen. Alle Charaktäre sind sehr gut und gut geschrieben, aber man sucht sich eben so seine Lieblinge herraus, doch was sage ich da das kennst du ja schon von mir...

Jedenfalls bin ich gespannt was du weiterhin schreiben wirst, und ich bleibe wie immer am Ball ;)

Ich bleibe in Erinnerung. Ich habe mit Toruk Makto gekämpft. Und wir waren Brüder. Und er war mein letzter Schatten.

Offline Neytiri2000

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Re: Die Legende von Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”
« Reply #3 on: July 04, 2014, 02:12:45 pm »
Kalkxí ma Eichhörnchen,

bin echt begeistert wie schnell und gut du diese Episode dahingezaubert hast

beim lesen sind mir keine Fehler über den weg gelaufen und der Lesefluss ist wie immer spitzenklasse  ;)


war auch überrascht über diese Krankheit und deren Gerüchten

die auseinandersetzung und deren fast entstandenen eskalation war spürbar zu fühlen  :o

das ende gibt einen guten hänger zum so hoffe ich nächsten Episode

Mach weiter so  ;) ;)

Mfg Neytiri2000

PS. Nüsse sind unterwegs
Zitate:

Jake Sully: Ich möchte kein Mitleid, wenn du Fair behandelt werden willst, bist du auf dem Falschen Planeten.

Offline Ricardo

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Re: Die Legende von Yuki - Episode 3 “Die Zusammenkunft”
« Reply #4 on: July 31, 2014, 02:56:05 pm »
Endlich habe ich es auch geschafft, das Kapitel zu lesen.
In Handlungssträngen treibst du die Geschichte weiter voran und vergisst dabei nicht die Spannung.

Ein wenig übertrieben wirkt die Handlung um "Txar wird euch alle töten!"
Wie er fast aus dem Nichts heraus so eine Drohung ausspricht, erinnerte mich ein wenig an die Jugendlichen, die sich bei der kleinsten Provokation das Hemd vom Leib reißen, um zu kämpfen.
Da kommt noch hinzu, dass Txar von sich selbst in der dritten Person spricht.
Das rundet alles noch ab und ich konnte - ob vom Autor gewollt oder nicht - gut lachen.  ;D
Genau solche Situationen sind es, die mich am besten zum Lachen bringen und du darfst es als Lob verstehen, dass du so eine Situation konstruieren konntest.
Das gelingt selbst den professionellsten Komikern selten genug.

Das Zitat des Kapitels ist für mich eindeutig “Also dann, willkommen im Zauberland, Tim!”.
Das merke ich mir auf alle Fälle.  ;)

Mir gefällt auch die Formation des Textes sehr gut.
Das gestaltet das Lesen angenehmer als Blockschrift.

Du willst ja, dass ich es anspreche.
Ein paar kleine Flüchtigkeitsfehler habe ich gesehen.
Aber die sind nicht der Rede wert.
Nicht nur in der Hinsicht hast du im Vergleich zu deinen ersten Geschichten einen großen Sprung gemacht.
Weiter so!

Letztendlich kann ich mich nur bedanken und schließe mich folgendem Wunsch an:
Rutxe vivar!

 

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