Author Topic: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"  (Read 1357 times)

0 Members and 1 Guest are viewing this topic.

Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"



Jahrhundertealter Staub wurde von nackten Füßen aufgewirbelt. Ängstlich sah sich das Mädchen um, hastete durch Gänge und Kammern aus denen es kein Entrinnen gab. Ein Geräusch vor ihr ließ das Blut in ihren Adern gefrieren. Glühend rote Augen schälten sich aus der Finsternis des Gewölbes. Die Bestien… sie hatten sie gefunden.

Tara erwachte und blickte sich verstört um. Von draußen drang spärliches Licht in die Kammer und verkündete den Anbruch des neuen Tages.
“Wo bin ich?”, sagte sie immer noch benommen.
“In deinem Bett, Dummchen. Was dachtest du denn? Oder warte… ich bin ein geflügelter Dämon, der dich in die Jenseitswelt entführt hat, um seine frivolen Spielchen mit dir zu treiben.” Grüne Augen sahen belustigt auf sie herab und im gleichen Moment kehrte ihre Erinnerung zurück.
“Theia, lass den Unsinn. Ich habe einfach nur schrecklich geschlafen.”
“Du siehst auch furchtbar aus”, kicherte die kleine Fee und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen.”
“Langsam, Theia. Mein gesamter Rücken schmerzt. Ich fühle jeden einzelnen Knochen. Bestimmt ist alles voller Blutergüsse.”
“Zeig mal her, ich sehe nach.” Tara drehte sich auf den Bauch und präsentiert ihr dabei die nackte Kehrseite. “Wie schlimm ist es?”
“Sei unbesorgt, ich kann nichts entdecken. Alles in Ordnung… sehr sogar”, kam es schelmisch gefolgt von einem Klatsch auf den Po.
“Theia! Du bist unmöglich!” Das Mädchen fuhr herum und zog sich die Decke über ihre Blöße. “Sei so nett und gib mir bitte meine Sachen.”
“Schade, aber wenn du unbedingt darauf bestehst. Ich dachte, wir kuscheln noch ein wenig miteinander.”
“Haben wir nicht Wichtigeres zu tun?” Die kleine Fee rutschte vom Bett hinunter.
“Ich fürchte, du hast recht.” Enttäuscht warf sie Tara einige Kleidungsstücke zu, wobei ihr Blick die Phiole auf dem Nachttisch streifte. Einer Eingebung folgend nahm Theia sie in die Hand und fuhr nachdenklich mit den Fingern über die unscheinbare Flasche. “Seltsam, es fühlt sich immer noch warm an.”
Erschreckt hielt Tara mit dem Einkleiden inne. “Meinst du, es ist dämonisches Blut?”
“Nein, dann hätte die Phiole es nicht halten können. Ich weiß auch nicht. Diese Bestien umgibt irgendein Geheimnis.”
“Wie geht es nun weiter? Geben wir es Zahira zum Trinken?“ Tara streifte ihr Kleid glatt. “Was ist… warum starrst du mich so ungläubig an? Habe ich etwas Falsches gesagt?”
“Du solltest dich mal selbst hören. Vielleicht ist es besser, wenn du dich wieder hinlegst und ich alles Weitere erledige.”
“Ich versteh halt nichts von solchen Dingen”, erwiderte Tara kleinlaut geworden.
“Ist schon gut. Zahira darf es nicht einfach trinken, das würde sie umbringen. Erst in Verbindung mit den anderen Materialien entfaltet das Blut des Shrouks seine Wirkung.”
“Was sind das für Dinge, von denen du da ständig sprichst? Wäre mir nur nicht schlecht geworden, dann würde ich jetzt nicht so dumm dastehen.”
Theia wog die Phiole einen Moment in ihrer Hand und steckte sie schließlich vorsichtig ein. “Du kannst nichts dafür. Wie oft soll ich dir das noch sagen? Wir brauchen eine spezielle Frucht, die nur im Feenreich zu finden ist. Damit wird die giftige Wirkung des Blutes neutralisiert.”
“Das bedeutet, wir müssen noch mal zurück?” Die Fee schüttelte ihren Kopf und holte ein Tuch hervor, an dem mehrere Ausbuchtungen verrieten, dass etwas darin eingewickelt war.
“Sieh mal hier. Ich habe sie in der Nähe des Hains eingesammelt, als ich nach meinen Schwestern schaute.” Neugierig öffnete Tara den provisorischen Beutel.
“Bei den Göttern, sie sind wunderschön!”
“Nicht nur das, sie schmecken auch genauso, wie sie aussehen.” Theia steckte sich grinsend eine Frucht in den Mund. “Wirklich bedauerlich, dass wir sie für den Trank brauchen.” Gerade wollte sie nach einer weiteren Beere greifen, da fasste sie Tara am Handgelenk.
“Die nehme ich besser an mich, bevor du noch auf dumme Gedanken kommst.”
“Du kannst einem jede noch so kleine Freude verderben”, erwiderte Theia missmutig.
“Also gut, dann lass uns mal nachdenken. Wir haben das Blut und die Beeren. Nun fehlt nur noch der Spruch. Das wird die schwerste Aufgabe. Ich weiß nicht, aus was er besteht oder wie wir an ihn gelangen sollen.”
“Du meinst ein richtiger Zauberspruch? Das hört sich aufregend an.“
“Nein nicht direkt, sondern es handelt sich dabei wohlmöglich um einen Namen. Die Aufzeichnungen waren hier etwas ungenau. Aber einmal ausgesprochen wird er zu einer mächtigeren Waffe, als es ein Zauberspruch je könnte.“ In der Ferne erklang das Heulen eines Shrouks.
“Die Mistviecher ahnen wohl, dass es ihnen bald an den Kragen geht”, sagte Theia. Ihre Augen erstrahlten in einem intensiven Grün und vermittelten so dem aufmerksamen Beobachter einen Hinweis auf den Grad ihrer Zufriedenheit.
“Gib mir die Flasche. Ich werde beides zusammen verwahren.” Ein verwunderter Blick, dann fingerte sie die Phiole hervor.
“Gaben eure Bücher keinen Aufschluss darüber, wo wir einen Hinweis finden könnten?”
“Leider nicht, Tara. Ich hatte gehofft, dass du eine Idee hast.”
Tara kaute auf ihrer Unterlippe. “Vielleicht habe ich das sogar. Komm, hilf mir den Tisch zu decken. Nach dem Essen werden wir jemanden aufsuchen.”

Der Dorfpriester sah gelangweilt auf, als die beiden Mädchen den Schrein betraten, verfiel jedoch gleich darauf wieder in sein monotones Singen, das sie schon von weiten vernommen hatten. Unzählige Kerzen verstärkten das einfallende Sonnenlicht um ein Vielfaches.
“Meister Beorn entschuldigt unser Eindringen, doch dürften wir euch kurz sprechen?” Mit einemmal herrschte eine spannungsgeladene Stille. Beorn erhob sich ächzend und bedachte sie mit einem prüfenden Blick aus geröteten Augen. Die abgetragene Kutte und das verwahrloste Innere ließen erahnen, dass es um den Schrein mehr schlecht bestellt war.
“Tara mein Kind. Welch unerwartete Überraschung. Wie lange habt ihr mich nicht mehr aufgesucht? Nein wartet, sagt nichts. Seit dem Tod eures Vaters, richtig?”
“Verzeiht mir Beorn, doch es gab soviel zu tun.”
“Oh ich verzeihe euch. Aber werden es auch die Götter?”
“Ich bin mir sicher, dass ihr ein gutes Wort für mich einlegen werdet.”
“Sollte ich das? Oh ja gewiss doch, meine Blume. Die Trauer um euren geliebten Vater hat euch nichts anhaben können. Ihr seht noch bezaubernder aus, als ich euch in Erinnerung hatte.”
Theia fing an zu lachen und zog damit die Aufmerksamkeit des Geweihten auf sich.
“Doch nun sagt mir, wer ist dieses reizende Kind, welches ihr mitgebracht habt? Ich habe dich hier noch nie gesehen.”
“Ich bin eine Fee und kein Kind!” Aufgebracht zog Theia ihren Umhang herunter und ließ dabei ihre kleinen Flügel wild ausschlagen.
“Was du nicht sagst. Nun deinem Verhalten nach mag das sogar zutreffen.”
“Was meint ihr damit, Beorn? Sagt nicht, dass ihr solch einem Wesen schon einmal gegenüber gestanden habt.” In Taras Stimme schwang Überraschung mit.
“Nicht von Angesicht zu Angesicht, das ist wahr, jedoch hat das Studium unzähliger alter Schriften auch die Existenz dieser Wesen zutage gefördert. Zumindest unsere Vorfahren müssen schon auf sie getroffen sein, wenngleich sich der Kontakt mit ihnen oftmals schwierig gestaltete, soweit es die Überlieferungen bezeugen.”
“Siehst du Tara, ihr verfügt sogar über Aufzeichnungen unserer Existenz und da wolltest du mir weis machen, dass du nicht an mich glaubst”, gluckste Theia.
“Das kann ich euch bestätigen. Meine Begleiterin hat so ihre Eigenarten.”
Die Fee schlich schattengleich um den Gelehrten, was sich zu einem wahren Hindernislauf gestaltete. Ständig war sie darauf bedacht mit ihren Flügeln den Kerzen nicht zu nahe zu kommen. “Ich bin nicht eigenartig, nur neugierig Tara.“
Ein säuerlicher Geruch drang an ihre Nase und ließ Theia angewidert das Gesicht verziehen.
“Eigenarten… nicht eigenartig. Das ist etwas anderes Theia.”
“Na und wenn schon.“ Sie kehrte zurück und brachte die Lippen ganz dicht an Taras Ohr. “Beorn riecht komisch. Ich befürchte, er ist ein Trunkenbold.”
“Was hat das Mädchen gerade zu euch gesagt? Ihr müsst lauter sprechen. Ich höre nicht mehr so gut wie früher.”
“Meine Freundin bat mich nur, endlich zum Grund unseres Besuches zu kommen.” Sie warf Theia einen Blick zu mit der unausgesprochenen Bitte, jetzt den Mund zu halten.
“Was könnt ihr uns über die Artefakte erzählen? Es heißt, sie seien hier in den Grenzlanden gefunden und dann weggebracht wurden.”
Beorn sah sie überlegend an und wischte sich etwas Speichel aus seinen Mundwinkeln. “So ist es mein Kind. Nicht weit von den Klippen der ewigen Finsternis wurden sie aus dem Boden gegraben. Das geschah noch bevor du geboren wurdest. Ein Magister namens… wie hieß er doch gleich?“ Beorn fuhr sich über den haarlosen Schädel. “Es tut mir leid, ich erinnere mich nicht mehr daran. Das Alter fordert seinen Tribut von jedem von uns.”
“Er sollte nicht soviel saufen, dann würde er sich vielleicht besser erinnern.“
Die Stimme der Fee war nunmehr ein Flüstern, doch es reichte um Tara schlucken zu lassen. “Ich sagte doch, ihr müsst lauter sprechen! Wo war ich jetzt stehen geblieben?”
“Ihr spracht über die Artefakte, Meister Beorn.”
“Richtig die Artefakte. Nun besagter Magister leitete die gesamte Ausgrabung. Ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse, dem man nicht im Dunkeln begegnen möchte. Er behandelte die Gelehrten des Königs wie seine Leibeigenen. Auf seinen Geheiß wurden die geborgenen Steine in die Hauptstadt transportiert, um Forschungen damit zu betreiben. Sicherlich eine weite und gefährliche Reise, aber er fürchtete wohl unliebsame Beobachter auf sich zu ziehen, wenn man sie im Dorf untersucht hätte. Was letztendlich daraus wurde, dürfte hinlänglich bekannt sein, zumindest euch mein hübsches Kind.”
“Wurde im Zusammenhang mit den Artefakten jemals ein Name erwähnt? Bitte, ich muss es wissen, es ist überaus wichtig”, erwiderte Tara.
“Nein Kindchen, davon ist mir nichts bekannt. Warum möchtet ihr das wissen?“ “Reine Neugierde. Nach Geoffreys und meines Vaters Tod durch die Shrouks, interessiere ich mich für die Bestien und woher sie kommen. Dieses zierliche Wesen hier ist mir dabei behilflich.” Theia blickte dem Geweihten tief in die Augen. “Die Steine verbergen den Schlüssel zu einem Namen. Sagt uns alles, was ihr wisst, alter Mann. Es geht darum, jemand zu retten.” Beorn rieb sich nachdenklich das Kinn.
“Eine Sache wäre vielleicht noch erwähnenswert. Allerdings… ach vielleicht sind es auch alles Hirngespinste verängstigter Bauern. Ich sollte euch nicht damit belästigen.”
“Jetzt hab ihr mich neugierig gemacht. Berichtet mir was geschehen ist, auch wenn es euch völlig unbedeutend erscheinen mag.“ Beorn streckte sich und es war ihm anzusehen, wie sehr er es genoss, wieder einmal im Mittelpunkt des Interesses zu stehen.
“Auf dem Weg aus dem Gebirge machten sie an einer Kapelle halt um die letzte Möglichkeit für eine Rast zu nutzen. Danach würde sie das Ödland erwarten. Die Gelehrten blieben eine Nacht, währenddessen es zu einem folgenschweren Vorfall gekommen sein muss. Allerdings sind die Meldungen darüber widersprüchlich.” Seine Hand verharrte und wischte sich erneut über die Lippen.
“Das ist einfach widerlich”, stöhnte Theia auf.
“Ach findet ihr? Nun dann warten wir ab, bis ihr mein gesegnetes Alter erreicht habt. Wenn euch die Haare ausfallen, die Augen schlechter werden und ihr eure Pisse des Nachts nicht mehr halten könnt.”
“Hört sofort auf damit! Ich will das nicht hören!” “Ihr wollt nicht? Gut dann verschwendet nicht weiter meine kostbare Zeit. Hinaus mit euch, bevor ich mich vergesse! Das heißt, Moment noch… ich habe etwas für dich, geflügeltes Miststück!”

“Er hat uns einfach rausgeworfen, Tara!” “Beorn war verärgert, das ist alles. Du hättest ihn nicht Säufer nennen dürfen. Wenigstens hat er sich bereit erklärt das Blut für uns aufzubereiten. Immerhin besitzt er Kenntnisse der Alchemie.”
“Nimm ihn nicht in Schutz. Sieh dir das an…, mir einen Tritt in den Hintern zu geben… unglaublich, schließlich bin ich eine Fee!”
“Du wirst darüber hinwegkommen, Theia.” “Vielleicht… vielleicht auch nicht. Ich sollte ihm seine Männlichkeit wegzaubern. Was ist, warum lachst du?”
“Ich glaube nicht, dass das Beorn noch etwas ausmachen wird. Gelehrte sind allgemein nicht für ihr ausschweifendes Liebesleben bekannt. Im Gegensatz zu dir.”
“Glaubst du das wirklich, Tara? Ich war doch nur ehrlich.”
“Nein, du warst frech und ungezogen, Theia. Das ist ein großer Unterschied.”
“Wir brauchen ihn nicht. Er sagte etwas von einer Kapelle. Also müssen wir nur dorthin gehen.“
“Es gibt keine Kapelle im Gebirge. Zumindest ist mir nichts davon bekannt. Vielleicht gab es mal eine und sie ist zerstört wurden. Du könntest dich bei Beorn entschuldigen, dann verrät er uns vielleicht doch noch, wo wir sie finden können.“
“Niemals, eher sterbe ich.“ Theia bitte, wir…“, “Nein! Er ist ein widerlicher alter Fettsack, der nach Wein stinkt. Hast du gesehen, wie er mich angeschaut hat? Ich hätte ebenso gut nackig vor ihm stehen können.“ Theia warf sich ihren Umhang über die Schulter und trippelte schweigend davon. “Wo willst du hin?” “Nach Hause. Ich habe Hunger. Außerdem müssen wir ein paar Sachen zusammenpacken.”
“Wir haben erst gegessen. Du bist doch nur wieder eingeschnappt.”
“Ja und? Wenn ich wütend bin macht mich das eben hungrig. Hol uns lieber ein Pferd oder glaubst du, ich habe vor, den ganzen Weg durchs Gebirge zu laufen.”
“Manchmal kannst du wirklich unausstehlich sein, Theia.”
“Findest du? Dann besorge ich mir das Tier eben selbst. Wir sind geschickt darin Pferde zu steh… ich meine zu borgen.”
“Das wirst du nicht tun, ich verbiete es dir! Was ist, wenn sie dich erwischen?”
“Ihr Menschen beherrscht keine Magie und eure Mauern können mich nicht aufhalten. Also sag mir, wie sie mir etwas antun sollten.”
“Sie könnten dich töten, Theia. Man kann jedes Wesen töten. Ein Pfeil oder Speer aus dem Hinterhalt und deine ganze Magie wird dich nicht retten können.”
“Warum bist du immer nur so furchtbar sachlich, Tara?” Sie sog tief die kühle Luft in ihre Lungen. “Na schön, ich verspreche dir vorsichtiger zu sein und auf mich Acht zu geben.”
“Mir wäre bedeutend wohler zumute, wenn du deinen Umhang überziehen würdest. Den meisten Bewohnern sind wir sicher gleichgültig, aber wir wissen nicht, wem wir vertrauen können.” Der gewohnte Ton des Horns oberhalb der Festung zog über den Dorfplatz hinweg und verklang klagend in der Ferne. Tara blickte angestrengt hinauf.
“An was denkst du, Tara?” “Ciron… ich meine Sir Ciron. Er hilft uns ganz sicher weiter. Erinnerst du dich an die Stute, die er uns gezeigt hat?” “Sicher tue ich das. Ein wirklich schönes Tier. Was ist damit? Er wird es dir kaum ausborgen.”
“Das braucht er auch gar nicht. Ich denke eher an Geoffreys Hengst. Vielleicht hat er noch keinen neuen Besitzer dafür gefunden und zwei Pferde kann er nicht reiten.”
“Warum sollte Ciron das machen, Tara? Du besitzt nichts, womit du ihn bezahlen könntest.”
“Mein Vater hat noch Felle in der Kammer. Wenn ich die verkaufe, sollte genug zusammenkommen. Außerdem möchte ich das Pferd nur leihen und nicht kaufen. Ich glaube Ciron mag mich und das nicht nur, weil er mit Geoffrey befreundet war.” Theia schnalzte abschätzig mit ihrer Zunge.
“Das befürchte ich auch schon die ganze Zeit. Aber da hat er sich geschnitten. Du gehörst jetzt mir.”
“Findest du nicht, dass ich da auch noch ein Wörtchen mitzureden habe?”
Die Fee stemmte ihre Arme in die Hüften, etwas, das bei ihrem zierlichen Körperbau eher belustigend wirkte. “Nein hast du nicht, Tara! Ich liebe dich und ich werde dich nicht teilen, so einfach ist das!”
Das Mädchen begann schallend zu lachen. “Oh Theia. Das ist die schönste Liebeserklärung, die man mir jemals gemacht hat.”
“Na so viele werden das nicht gewesen sein…”, “werd nicht frech, Theia!” Bevor die Fee aufbegehren konnte, zog sie das Geschöpf an sich, begleitet von einem leidenschaftlichen Kuss.
“Das gefällt mir, Tara. Von mir aus darfst du das den ganzen Tag mit mir machen.” “Daraus wird nichts. Ich werde nach Ciron suchen. Vielleicht ist ihm etwas über eine Kapelle bekannt. Wenn du möchtest, dann warte solange zu Hause auf mich. Ich versuche, so bald wie möglich wieder bei dir zu sein. Jetzt zieh nicht so ein Gesicht, das gibt nur Falten.”
“Was? So ein Unsinn. Wir altern nicht äußerlich. Ich bleibe hier und wenn es eine Ewigkeit dauert.”
“Ganz wie du möchtest“, sagte Tara und flitzte zur Festung hinauf. Theia sah ihr angestrengt nach, während ihre Umrisse immer kleiner wurden und sie ihrem Blickfeld entschwand. Eine Weile verharrte sie und kaute nachdenklich auf ihrer Lippe herum, bis in ihr die Gewissheit reifte, dass Tara so schnell nicht kommen würde. “Also gut, dann warte ich eben im Haus”, seufzte sie und stapfte zur fernen Hütte.

Das Trappeln zahlreicher Hufe ließ Theia verwundert aus dem Fenster sehen. Im Hintergrund stieß ein dampfender Teekessel schrille Pfeiftöne aus, doch reichte es nicht, um die wie gebannt an der Scheibe klebende Fee zu bewegen, sich um ihn zu kümmern.
Theia staunte nicht schlecht, als sie die Gruppe, allen voran Tara auf die Hütte zureiten sah. “Wie hat sie das nur wieder geschafft”, meinte sie kopfschüttelnd. Freudig erregt nahm sie den Kessel vom Feuer und ergriff im Vorbeihasten, ein paar vorsorglich zurecht gelegte Sachen. Alle Augen hefteten sich auf sie, als die Tür aufflog und Theia hinausstolperte. “Was starrt ihr mich so an? Vielleicht hätte einer von euch die Freundlichkeit, mir zu helfen!”
Gelächter klang auf, unterdessen die Fee entschlossen auf die Gruppe zustampfte. Aufgeregt musterte sie dabei die Neuankömmlinge.
In Begleitung Taras befanden sich Sir Ciron und ein weiterer Ritter, an dessen Satteltasche ein seltsam glänzendes Großschwert herabhing. In würdigen Abstand zu den imposanten wie schwer gerüsteten Männern folgten ihre Knappen.
“Meine Herren, darf ich vorstellen… Theia, eine entfernte Verwandte meines verstorbenen Vaters.” Theia würgte eine Erwiderung herunter und nickte artig.
“Wir alle hörten davon. Ein wirklich bedauerlicher Vorfall”, sagte der Besitzer des Schwerts, dessen Anblick Theia so beeindruckte. Eine Hand auf dem Sattelhorn musterte er die Fee augenscheinlich. “Wenn ihr es wünscht, dürft ihr bei mir aufsitzen. Ich hätte nichts gegen etwas Gesellschaft einzuwenden, noch dazu, wenn sie so attraktiv ist.”
“Was für ein Süßholzraspler”, stöhnte Theia auf. “Ich muss euer Angebot leider ablehnen, Sir…”, “Asgard, nennt mich einfach nur Asgard, Mylady.” “Sehr schön, also Asgard, bedauerlicherweise habe ich für diese Reise schon meine Begleitung gewählt.”
“Ihr seht mich zutiefst betrübt, junge Dame. Vielleicht seid ihr mir ein andermal mehr gewogen.”
“Wir werden sehen. Nun mach schon Tara und hilf mir endlich auf diesen Gaul rauf!” Tara reichte ihr die Hand und gab ihr Halt, bis Theia sich vor sie geschwungen hatte. “Mach dich nicht so schwer, Theia oder bist du dicker geworden?”
“Bin ich nicht! Hast du nicht gehört, was Asgard gesagt hat? Er findet mich attraktiv.” Tara grinste still in sich hinein und wartete geduldig, bis einer der herangeeilten Knappen ihre Ausrüstung in den Satteltaschen verstaut hatte. Ciron und Asgard waren in einen Disput um den einzuschlagenden Weg verwickelt. Tara hörte nur Worte wie, “die Reichsstrasse ist nicht mehr sicher…”, oder “…den steinigen Weg bewältigen die Pferde nicht”, als die Männer an ihr vorbei ritten.
“Bestimmt habe ich heute Abend einen wunden Hintern. Hoffentlich müssen wir nicht zulange reiten.” “Nein, keine Bange. Ciron meinte, dass es eine kaum noch genutzte Abtei ein paar Wegstunden von hier gibt.” “Warum weißt du dann nichts davon?” Tara biss sich auf die Lippen. “Ich habe dir doch gesagt, wie mein Vater war. Es gab immer soviel zu tun und ich hatte nie wirklich Gelegenheit, das Dorf zu verlassen. Wo hätte ich auch schon hingehen sollen allein. Das wäre viel zu gefährlich gewesen.“ Theia nahm die Zügel zur Hand und ließ das Pferd antraben.
“Möchtest du das Pferd führen? Ich wusste gar nicht, dass Feen reiten können.“
“Tara, bitte! Wir besitzen zwar keine eigenen Reittiere, haben aber schon oft welche ausgeborgt, um unsere Scherze damit zu treiben.“ Theia ließ wie so oft ihr niedliches Kichern vernehmen.
“Schade, dass du uns beide nicht einfach zur Abtei transportieren kannst.”
“Das geht nicht. Dazu müsste ich eine Vorstellung von dem Ziel haben. Außerdem kostet es sehr viel Energie, je weiter es entfernt ist. Wohlmöglich wäre ich danach so erschöpft, dass ich uns nicht mehr zurückbringen könnte und was ist, wenn wir in einer Falle landen.”
“Daran habe ich auch schon gedacht, Theia”, sagte sie und deutete auf die Reiter.
“Wir sind euch zu großem Dank verpflichtet, dass ihr uns begleitet Sir Ciron.”
“Du vielleicht… ich ganz sicher nicht.” “Sei still, Theia.” “Ist doch wahr. Ich wäre viel lieber mit dir allein aufgebrochen. Vermutlich werdet ihr euch die ganze Zeit über schöne Augen machen.” “Halt endlich deinen Mund, Theia, oder es setzt etwas!” “Jetzt sprichst du wie Beorn. Warum will mich jeder nur verhauen?” Theia zog eine Flunsch.
Ciron schenkte dem Gespräch der beiden Mädchen keinerlei Beachtung, zumindest zeigte er es nicht, doch Tara war sich sicher, dass der Ritter alles mitbekommen hatte. Ruhig hielten seine durch Kettenhandschuhe geschützten Finger die Zügel, während sie sich über den Marktplatz bewegten. Das Klacken der Hufe auf dem ausgetretenen Pflaster hatte fast schon etwas Monotones an sich.
“Ich wäre meines Standes nicht würdig, wenn ich zwei junge Damen allein in die Fremde ziehen lassen würde. Außerdem bietet euer Vorhaben eine Perspektive, wie wir sie schon lange nicht mehr hatten. Letztendlich ist alles besser, als sich hinter den Mauern zu verschanzen und auf die Shrouks zu warten.”
Asgart verzog die Mundwinkel. “Wir werden jeden, der sich uns in den Weg stellt zerschmettern.” “Geoffrey dachte einmal ganz ähnlich wie ihr… und wo ist er jetzt? Verzeiht mir, aber ich gebe nichts auf eure schönen Worte”, erwiderte Tara kühl.
Langsam blieben die letzten Häuser hinter ihnen zurück. Die Pferde trabten die Strasse entlang, auf der vom Wind hervorgerufene Schneewirbel tanzten.
“Wer sind denn eure beiden jungen Begleiter, die so schweigsam hinter uns hertraben?”, fragte Theia nun doch neugierig geworden.
“Oh kümmert euch nicht um sie. Der mit der Mähne auf dem Kopf ist Geldis und der schmächtige Paras . Sie sind zu nichts nutze und stolpern über ihre eigenen Füße. Manchmal frage ich mich, warum wir so viel Zeit und Geduld in ihre Ausbildung stecken.” “Aber sie sind von edler Abstammung. Mein Vater erzählte mir einiges über Knappen.”, warf Tara ein. “Das ist richtig und das Einzige, was sie bisher an Leistungen vorzuweisen haben, wenn man davon überhaupt sprechen kann.”
Ciron und Asgard sahen sich an und begannen schallend zu lachen. Unbemerkt von den anderen ließ sich die kleine Fee etwas zurückfallen, bis sie auf Höhe der Knappen war.
“Ihr redet nicht viel. Seid ihr vielleicht stumm?” Geldis schüttelte den Kopf.
“Nein Mylady, aber es gehört sich nicht unseren Herren zu widersprechen.”
“Euren Herren? Ihr seht gar nicht aus wie Sklaven. Wenn jemand im Unrecht ist, widerspreche ich immer. Erst heute morgen habe ich diesem fetten Geweihten…”, Ein sanfter Hieb traf sie am Hinterkopf. “Theia!” “Entschuldigt mich bitte. Die Stimme meiner Gebieterin ruft nach mir”, seufzte die Fee.
“Sie ist eure Herrin? Dann solltet ihr uns verstehen”, feixte der schmächtigere.
“Nur in ihren Wunschträumen.” Theia gab dem Pferd die Sporen und schloss geschickt zu den Rittern auf.
“Warte, bis wir beide wieder zu Hause sind, dann kannst du was erleben.”
“Na das hoffe ich doch“, kicherte Theia.
“Hör auf, den Jungs die Köpfe zu verdrehen. Was sollte das überhaupt, ihnen von Beorn zu erzählen. Du wolltest dich zurückhalten, hast du das schon vergessen?” “Nein, natürlich nicht. Entschuldige Tara. Ich weiß auch nicht, wie das immer passiert, aber es kommt eben einfach so über mich und dann… .” Tara zog sie verspielt an den Ohren. “Sag mal Theia, steht dein Mundwerk eigentlich nie still?”
“Ich bin halt so aufgeregt. Wir erleben ein richtiges Abenteuer. Wenn Eria wüsste, was wir vorhaben, würde sie mich zu Hause einschließen.”
“Was bei dir auch Sinn macht”, lachte das Mädchen auf.
“Glaub mir, meine Mutter hat so ihre Methoden, uns gefügig zu machen. Du möchtest sie nicht erleben wollen, wenn sie wirklich wütend wird.” “Bei so vielen Mädchen verwundert das mich nicht”, erwiderte Tara.
“Tu mir einen Gefallen und entspann dich einfach, Theia. Der Ritt wird ein paar Stunden dauern.” “Das heißt, wir sind nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurück?” Theia wirkte mit einmal überhaupt nicht mehr unbeschwert.
“Nein, wir werden sehr voraussichtlich an der Abtei übernachten müssen. Warum interessiert dich das? Sag nur, du fürchtest dich plötzlich.”
“Das nicht gerade. Ich musste nur an die Bestien denken”, erwiderte Theia mit einem merkwürdigen Unterton. “Wir reiten entgegengesetzt zu den Klippen und sie verlassen ihr Angestammtes Gebiet nur selten. Allerdings besteht die Gefahr das wir auf wilde Tiere treffen. Mach dir keine Sorgen Theia. Für unseren Schutz ist gesorgt, wie du siehst.” Tara spürte die Bewegung der kleinen Flügel und strich beruhigend darüber. Mittlerweile war nichts mehr von der vertrauten Umgebung des Dorfes zu sehen. “So weit im Gebirge war ich noch nie. Kaum vorstellbar, dass Menschen hier eine Kapelle erbaut haben sollen.” Ciron hatte ihre Worte vernommen und erwiderte. “Die Geweihten bevorzugen die Einsamkeit, junge Dame. Sie gründeten die Abtei lange vor der Feste, die ihr nun eure Zuflucht nennt. Ihr wäret überrascht, wie viele verlassene Siedlungen sich in der Unwegsamkeit des Gebirges befinden.” “Eine schreckliche Vorstellung, Sir Ciron. Ich glaube nicht, dass ich darüber nachdenken möchte, was ihnen widerfahren ist. Reiten wir einfach weiter. Ich fürchte, die Zeit drängt.” Der Recke nickte und ließ seine Pferd in eine schnellere Gangart fallen, der sich die anderen anschlossen.

Schon merklich gesunken stand der leuchtende Ball am Himmel, als die Gruppe auf den Hof eines düsteren Bauwerks ritt, das sich vor ihnen erstreckte. Tara fühlte eine unbestimmbare Drohung in der Luft liegen.
“Diese Stille ist bedrückend, fast schon unheimlich. Wo sind die Menschen hin? Sagtet ihr nicht, die Kapelle würde noch benutzt?”
“Das war sie auch, zumindest als ich sie das letzte Mal verließ.” “Wann war das, Ciron? Alles hier sieht aus, als sei es schon eine Ewigkeit verlassen.” “Ein oder zwei Monde, keinesfalls mehr.“ Er reckte den Kopf in den Nacken. Nervös tänzelte die weiße Stute unter ihm und ließ sich nur schwerlich beruhigen. “Hoo meine Hübsche, ganz ruhig. Hier hast du nichts zu befürchten. Merkwürdig… seht ihr den Turm? Das dort oben sieht mir wie Brandspuren aus, aber der Rest der Mauern ist unversehrt.”
“Schauen wir zuerst bei den Ställen nach, bevor wir uns das Hauptgebäude vornehmen. Vielleicht sind sie ausgeritten”, sagte Theia. Ciron schüttelte den Kopf.
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"
« Reply #1 on: April 14, 2013, 12:43:14 pm »
“Das ist unwahrscheinlich. Sie hätten uns auf dem Weg von Akrans Zuflucht entgegenkommen müssen. Die Strasse ist der einzige noch gangbare Weg dorthin. Abseits durch die Wälder wäre es viel zu gefährlich und eine weitere bewohnte Ansiedlung im Umkreis ist mir nicht bekannt. Diese Lande tragen ihren Namen zurecht.” Geldis eilte heran und half ihnen beim Absteigen, während Paras die Pferde an den Zügeln hielt, damit sie nicht durchgingen. Immer wieder kam von einem der Tiere ein aufgeregtes Schnauben durch die Nüstern. “Die Pferde spüren etwas. Ein böses Vorzeichen, wenn ihr mich fragt.”, sagte Paras. “Einfältiges Geschwätz! Ihr verunsichert damit nur die Mädchen. Gehen wir zum Stall und sehen nach, warum niemand zu unserer Begrüßung erscheint.” Ciron zog im Schreiten das Schwert hervor. Ein Tritt seiner Stiefel brachte die Stalltür zum Erzittern. Knarrend öffneten sich die gewaltigen hölzernen Flügel. Das hereinfallende Licht beleuchtete das Innere gerade ausreichend genug, um ihnen das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. “Bei den Göttern Ciron, was ist hier geschehen?” Tara starrte fassungslos auf die blutigen Körper, die vormals die Reittiere der Gelehrten gewesen waren. Völlig atemlos drängten sich Theia und die beiden Knappen zusammen.
“Denkt ihr, die Pferde sind hier gestorben?” Ciron winkte ab und studierte weiter jede Einzelheit der schaurigen Szenerie vor ihnen. “Das würde mich sehr verwundern. Seht ihr die verstreuten Knochen? Das Pferd wurde nicht einfach getötet. Sein Mörder hat es zerrissen.” Ein paar Schritte brachten ihn an die andere Seite des Stalls. “Hier bietet sich das gleiche Bild.” “Aber wer tut so etwas Schreckliches?” “Wer weiß schon, was in den Tiefen dieser Wälder lauert. Denkt an die Brandspuren am Turm. Tara versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen, was ihr in der unheimlichen Situation nur schlecht gelingen wollte.
“Wollt ihr damit sagen, dass der Dämon vielleicht… .” Er unterbrach sie unsanft.
“Seid keine Närrin! Wenn sich solche eine Kreatur hier in der Nähe befinden sollte, wären wir längst tot. Ich glaube, dass es Shrouks waren.” Beide Mädchen sahen sich verschreckt an.
“Seid ihr euch sicher, Ciron? Das kann nicht sein. Sie nähern sich nur selten einer Ansiedlung, schon gar nicht so weit von Akrans Zuflucht entfernt.”
“Nun vielleicht nicht von selbst. Doch was ist, wenn sie jemand antreibt?”
“Zahira! Sie steckt dahinter. Es muss einfach so sein”, rief Tara aufgeregt aus.
“Warum? Weil ihr es so sehen wollt? Macht es euch nicht zu leicht. Nicht immer ist die logische Schlussfolgerung auch die richtige.”
“Er hat recht. Zahira ist verdorben, aber das hier…”, Theia blickte sichtlich betroffen auf die Überreste der Pferde, “… niemals würde sich eine Fee zu solch einer abscheulichen Tat hinreißen lassen. Es steckt noch Gutes in ihr. Ich spürte es, als ich ihr die Fesseln anlegte.” “Ich fürchte, es hilft alles nichts. Wir werden uns in der Kapelle umsehen müssen, um Antworten zu erhalten.” “Dann lasst uns keine Zeit verlieren. Die Nacht bricht bald herein und wer weiß, welche Schrecken sie mit sich führt.” Asgard packte sein Schwert so fest, dass die Knöchel weißlich hervortraten und schritt hinaus, gefolgt von den Knappen. Tara warf einen letzten Blick auf die geschändeten Körper und rannte den anderen hinterher.

Das Innere des Haupthauses glich in seinem Zustand dessen, was sie in den Ställen gesehen hatten. “Seid ihr sicher, dass es nur ein paar Monde waren, vor denen ihr hier wart? Alles wirkt, als sei es seit Jahren verlassen.” Theia berührte vorsichtig die kalten Steine. “Irgendetwas war hier, ich kann es spüren. Seht euch all den Staub an. Wie lange braucht es, bis sich so eine Schicht bildet?” “Monate, vielleicht sogar Jahre, aber das ist unmöglich, Theia.” “Nicht wenn es dämonischen Ursprungs ist. Vielleicht hat es eine Berührung der Sphären gegeben. Zumindest hat die Kreatur versucht, hier in unsere Welt einzudringen und es ist ihr gelungen, sie zu berühren. Inwieweit Zahira darin verwickelt ist und ihr vielleicht sogar geholfen hat, vermag ich nicht zu beurteilen.” “Eine unheilvolle Behauptung, doch ich teile eure Ansicht. Irgendetwas geht hier vor sich.” “Seht her, ich habe etwas gefunden”, erklang Taras Stimme, vielfach zurück geworfen von den kahlen Wänden. Ciron brauchte nur einen Blick, um zu wissen über was sie das kniete.
“Asgard! Nehmt die Jungen und bewacht den Eingang. Ich möchte unseren Rücken geschützt wissen.”
Tara bückte sich und wischte mit ihren Händen die dicke Staubschicht beiseite, unter der sich die Konturen einer Bodenplatte abzeichneten.
“Sieht aus wie eine Klappe. Was sich wohl darunter befinden mag? Helft mir Ciron, ich bekomme es nicht auf.” Kräftige Hände schoben sie beiseite und fassten nach dem verrosteten Griff am Boden. Ein knarrendes Geräusch, dann war der Einlass freigelegt. “Mylady… so gerne ich euch den Vortritt lassen würde, denke ich, dass es besser ist, wenn ich zuerst in die Tiefe steige.” “Selbstverständlich, Sir Ciron. Ganz wie ihr es wünscht”, hauchte Tara nervös. Unter dem Geräusch seiner Stiefel verschwand Ciron in der Dunkelheit. “Ich folge als nächste… Mylady…”, gluckste Theia und schwebte lautlos die Stufen hinab. Tara sah sich nach dem Ritter um. Asgard stand regungslos im Eingang und wirkte in seiner schweren Rüstung wie ein Bollwerk aus purem Stahl. Instinktiv musste er ihre Blicke gefühlt haben. “Geh ruhig Mädchen und folge den anderen. An mir wird nichts vorbei kommen, lebend oder untod, das schwöre ich bei den Göttern.”
Aufgeregt schritt Tara die ausgetretenen Stufen hinunter.
“Ist das dunkel hier. Hat denn keiner daran gedacht, eine Fackel mitzunehmen? Wo seid ihr? Ich kann euch nicht sehen.” Atmengeräusche erklangen neben ihr, dann fühlte sie den Luftzug am Ohr. Erschreckt quiekte Tara auf. Zwei grüne Flecken in der Finsternis, gelegentlich von einem Blinzeln unterbrochen, zeigten ihr, wo die Fee sich befand.
“Lass den Unsinn, Theia! Mir wäre fast vor Schreck das Herz stehen geblieben.”
“Ach was, hier unten war bestimmt schon lange niemand mehr.”
Tara schluckte. “Du kannst sehen, Theia?”
“Ja ein wenig. Meine Augen sind wohl besser als eure. Soll ich euch Licht machen?” Absolute Stille, in der Tara unter heftigen Atemzügen versuchte, die unfassliche Äußerung zu verarbeiten.
“Was meinst du damit, Theia? In der Kapelle brennt keine einzige Fackel.”
“Sagte ich etwas von Feuer?” Der grüne Schimmer verschwand und Tara nahm an, dass die Fee ihre Augen geschlossen hatte. Im nächsten Moment stockte ihr Atem und Cirons Keuchen deutete an, dass der Ritter mindestens ebenso schockiert sein musste. Geisterhaftes Licht flackerte auf und ließ sie geblendet die Augen schließen.
“Theia bei den Göttern, was ist das?” “Nach was sieht es denn aus?” “Deine Hände… sie glühen.” “Ach das meinst du.“ Mit einem spöttischem Ausdruck betrachtete Theia ihre Finger, als handle es sich um die natürlichste Sache der Welt.
“Ein einfacher Zauber unseres Volkes, wenngleich sehr wirkungsvoll, wie ihr zugeben müsst. Jetzt macht nicht so sprachlose Gesichter. Das Feuer tut mir nichts. Los beeilen wir uns. Die Wirkung hält nicht ewig an und es ist anstrengend, den Zauber aufrecht zu erhalten.”
“Wirklich beeindruckend. Mich würde interessieren, über welche Fähigkeiten eure kleine Begleiterin noch verfügt, die sie uns bisher verschwiegen hat.”
“Es tut mir leid Ciron, doch von mir werdet ihr nichts erfahren. Ich habe euch schon mehr gezeigt, als ich eigentlich dürfte. Eria würde mir die Ohren lang ziehen wenn sie wüsste, dass ich in Gegenwart von Menschen Magie anwende.”
“Sir Ciron geht ihr vor, Theia und ich werden euch folgen.”
“Wie ihr es wünscht. Ich hoffe, eure Begleiterin bleibt dicht hinter mir.”
“So dicht, dass ihr meinen Atem im Nacken spüren werdet, Ciron.”
“Dann ist es gut. Wer weiß, welche Gefahren im Dunkeln lauern.”
An die Treppe schloss sich ein schmaler Gang an, dessen Ende von Finsternis verschluckt wurde. “Wenn wir nur genau wüssten, nach was wir suchen müssen.” “Wir werden aufmerksam nach allem Ausschau halten, Tara. Mehr können wir nicht tun. Irgendwo haben sie die Aufzeichnungen versteckt.”
“Mögen die Götter geben dass ihr recht habt. Nicht auszudenken, wenn die Bestien sie zerstört oder mit sich genommen haben“, erwiderte der Ritter. Sie passierten mehrere Kammern, in denen außer Staub und zerschlagenen Einrichtungsgegenständen nichts mehr darauf hindeutete, welchen Zweck sie vormals gedient haben mussten. Vor ihnen mündete der schmale Gang in ein Gewölbe, dessen Decke sich nur schattenhaft im diffusen Dämmerlicht von Theias Beleuchtung widerspiegelte. “Bei den Göttern was ist das… .” Ein Stöhnen kam über Cirons Lippen und im gleichen Moment sahen die beiden Mädchen, was ihn so aufwühlte. Tara schrie entsetzt auf, schaffte es aber nicht, ihre Blicke von den entstellten Körpern zu wenden, welche ehemals die Bewohner der Abtei gewesen waren. “Seht nicht hin, das ist kein Anblick für junge Damen!” Ciron versuchte sie in den Gang zurück zudrängen, doch Theia schaffte es, an ihm vorbeizuschlüpfen. “Jetzt wissen wir, was aus den Geweihten geworden ist. Nur, wo sind ihre Aufzeichnungen?” Theia hielt die Hände vor sich gestreckt und hüllte das unterirdische Gewölbe in ein geisterhaftes Leuchten. “Was hast du vor, Theia? Du willst doch nicht etwa die Leichen durchsuchen?” “Was denn sonst? In den Kammern und der oberen Abtei haben wir nichts gefunden. Wenn das hier die Geweihten sind, könnte es doch sein, dass sie versucht haben, etwas zu verstecken, als ihnen bewusst wurde, dass sie ihrem Schicksal nicht entrinnen können.”
“Wartet, ich werde euch helfen! Gebt mir Licht und ihr Mylady beobachtet den Gang. Nur zur Sicherheit”, fügte Ciron hinzu, als er Taras verstörten Ausdruck bemerkte. “Was für ein Gestank. Ich kann kaum noch atmen. Beeilt euch Ciron, oder ihr werdet Zeuge davon, wie sich eine Fee übergibt.” Tara richtete ihre ganze Aufmerksamkeit auf den dunklen Gang und versuchte, die Geräusche hinter ihr nicht zu beachten. Mal drang ein Stöhnen oder Seufzen an ihr Ohr, dann hörte es sich an, als ob jemand würgen musste. “Leuchtet hier herüber, ich habe etwas gefunden.” Ein Knacken von Knochen ertönte und Theia rief, “…ist das ekelhaft!” Das Licht hinter ihr wurde stärker, dann berührte sie jemand an der Schulter. “Wir können gehen. Die Gelehrten hatten tatsächlich noch einige Aufzeichnungen bei sich. Hoffen wir, dass es das ist, wonach es aussieht.” Die kleine Fee stieß einen erleichterten Stoßseufzer aus, der mannigfach von den Gewölbewänden reflektiert wurde. “Verschwinden wir von hier. Ich möchte endlich wieder Tageslicht sehen.”
Am Aufstieg zum Kapellensaal drangen Kampfgeräusche an ihre Ohren. Ciron zögerte keinen Augenblick. “Wartet hier und bleibt in Deckung, ich gehe nachsehen!” Im gleichen Moment verschwand er um die Biegung der Treppe, begleitet vom Hallen der schweren Stiefel. Ein Schrei klang zu ihnen herunter. “Shrouks!” Tara fasste zitternd nach Theias Hand. “Was machen wir nun Theia?” “Na was wohl… ich helfe ihnen!” Die kleine Fee riss sich los und verschwand. “Theia warte! Du kannst mich doch nicht allein lassen.” Keine Antwort erfolgte. Heftiger Kampflärm drang an ihr Ohr und deutete darauf hin, dass sich das Scharmützel ihrem Versteck näherte. Tara nahm ihren ganzen Mut zusammen und stieg verzagt die Stufen empor. In der Halle bot sich ihr ein schauriges Bild. Auf dem blutbeschmierten Boden lag ein erschlagener Shrouk. Ein weiterer befand sich im Eingansbereich. Geldis hielt sich mit schmerzverzerrten Gesicht seinen Arm, doch eine kurze Überprüfung ergab, dass es sich nur um eine Schnittwunde handelte. “Ich werde mich darum kümmern”, rief Theia bestimmt.
“Wie ihr wollt. Zum Glück waren es nur zwei. Nicht auszudenken, wenn uns eine ganze Horde überfallen hätte”, sagte Ciron und trat beiseite um die kleine Fee agieren zu lassen.
Asgard riss das Schwert aus der klaffenden Wunde im Bauch der Bestie heraus.
“Ich muss euch Abbitte leisten Sir. Ihr seid wahrlich ein Mann des Wortes”, sagte Tara, als sie sich ihm näherte. Statt einer Antwort grinste der Ritter sie an. Die schmierige Klinge wischte er am Fell der getöteten Kreatur ab und streckte sie Tara entgegen. “Nehmt es junge Dame. Es wird euch ebenso gute Dienste leisten wie mir.” Zögernd griff sie danach.
“Sir … das kann ich nicht annehmen. Ihr braucht doch… .” “Eure Freundin verfügt über ihre Magie, doch wie wollt ihr euch schützen, wenn wir einmal nicht zur Stelle sind, Kindchen?“ Der Ritter zog sein Großschwert hervor, dass er bisher auf dem Rücken verwart hatte.
“Sein Name ist Schattenklinge. Geschmiedet in den Essen von Schwarzwasser, ist es der härteste Stahl, den Waffenschmiede jemals erschaffen haben und auch der Schärfste der gesamten Grenzlande. Wie ihr seht, bin ich ausreichend gerüstet. Ihr wollt doch nicht mein Geschenk ablehnen und mich verärgern?” Tara schüttelt abrupt den Kopf.
“Nein Sir… die Götter sind mein Zeuge. Nichts lege mir ferner.”
“Darauf trinken wir!“ Lachend löste Asgard den Weinschlauch von den Satteltaschen und ließ ihn die Runde machen.
“Das erklärt euren Namen… Asgard. Ich war schon die ganze Zeit am überlegen von wo ihr herstammt”, warf Theia forsch ein.
“Das stimmt junge Dame. Genau genommen liegt meine Heimat am äußersten Zipfel der Grenzlande, weit oben im Norden. Ein fast schon unbedeutend zu nennendes Fleckchen. Dennoch verfügen wir über die besten Waffenschmiede.”
“Hah… lächerlich! Wenn, dann nur in euren Träumen, Asgard. Glaubt ihm kein einziges Wort, Mädchen.” “Neidisch Ciron? Selbst mein Knappe trägt besseren Stahl als ihr.” “Was hat euch in diese unwirtliche Gegend geführt?” “Nun wie alle hier, unseren werten Sir Ciron mit eingeschlossen, war ich so dumm dem Ruf zu den Waffen zu folgen. Uns lockte das Abenteuer, der Ruhm neue Ländereien für den König zu unterwerfen, doch alles, was wir vorfanden, waren wilde Tiere und diese Bestien. Wir drangen bis an den jenseitigen Rand des Gebirges, das ihr als die Klippen kennt vor. Unsere Verluste waren beträchtlich und wir entschieden uns zum Rückzug. An dem Ort, der heute Akrans Zuflucht heißt, begannen wir, eine Feste zu errichten. Seit dem Zeitpunkt harren wir aus, immer in der Hoffnung auf Nachricht aus der Heimat. “Die ihr nie erhalten habt”, sagte Theia bedrückt. “Genug der alten Geschichten. Lasst uns aufbrechen. Es wird eine lange und anstrengende Rückreise.”
Bevor Tara ihre Hand ausstrecken konnte, war Asgard schon heran. Der Ritter ließ es sich nicht nehmen, Theia selbst aufs Pferd zu helfen. “Ich danke euch, Asgard”, sagte die Fee mit honigsüßer Stimme.
“Seid ihr immer noch der Ansicht, dass dieses Wesen, das ihr zu retten trachtet, nicht bösartig ist?” Theia hielt dem forschenden Blick des Ritters stand. “Ich gebe zu, dass ich mich geirrt habe. Der Einfluss des Dämons auf Zahira und ihrer auf die Bestien ist größer als zuerst angenommen. Dennoch ändert es nichts an der Tatsache, dass wir sie von ihm befreien können.” “Mögen die Götter euch dabei beistehen.” “Ich glaube nicht an eure Götter, Sir Asgard. Das Wissen unseres Volkes wird sie von dem Dämon befreien.” “Aye, doch notfalls wird es mein Schwert tun.” Niemand erwiderte etwas darauf und so setzte sich die verschworene Gesellschaft schwerfällig in Bewegung.

Neugierig sah sich die kleine Fee hinter dem Schrein um, wobei sie über ihren wunden Hintern rieb. Gerne hätte sie sich etwas ausgeruht, doch Ciron und Asgard hatten die Mädchen zusammen mit ihren Knappen gnadenlos angetrieben.
“Euer Acker ist so klein. Merkwürdig, wenn ich die Größe des Dorfes bedenke.” Tara sah sich zu einer Erklärung veranlasst. “Der Boden besteht zumeist aus Fels und ist in tieferen Schichten gefroren. Deshalb werden nur die Ritter begraben. Alle anderen verbrennt man vor der Mauer. Der einfachste Weg und die Bewohner haben sich damit arrangiert. Für unsere Zwecke wird es reichen. Wie wollen wir es anfangen? Zahira wird bestimmt nicht freiwillig hierher kommen.”
“Was verstehst du schon davon. Die Aussicht, sich von dem Dämon zu befreien, sollte ihr Grund genug dafür geben. Ich werde sie suchen gehen. Weit kann sie nicht sein und sie ist wenig mit dieser Welt vertraut. Das letzte mal, dass ich sie spürte, war am Weiher. Hätten eure Leute ihre Neugierde im Zaum gehalten, würden wir nicht in solchen Schwierigkeiten stecken.” Damit warf sie Beorn einen Blick zu der zeigte, was sie über ihn wirklich dachte.
“Die Gelehrten hantieren mit Dingen, die sie nicht verstehen, um Kräfte zu erschaffen, die sie nicht bewältigen können.”
“Treffender hätte ich es auch nicht formulieren können, Sir Ciron”, sagte Theia.
“Ihr solltet besser eure Zunge hüten, sonst werde ich das nächste mal, wenn ihr verletzt seid, eine kleine Unpässlichkeit vortäuschen. Wundbrand kann schrecklich ausgehen, wusstet ihr das? Ihr könntet einen Arm oder ein Bein verlieren, vielleicht sogar euer Leben.”
“Haltet ein, alter Mann! Nehmt ihr meine Entschuldigung an?”
“Gewiss doch, Sir Ciron. Wer würde schon die Aufrichtigkeit eines Mannes eures Standes anzweifeln.“
“Ihr habt meinen Dank, Beorn. Allerdings… stimmt ihr doch mit mir darin überein, das manche Dinge besser hätten begraben bleiben sollen.”
Beorn deutete ein Nicken an. “Gewiss, mein Freund. Bedauerlicherweise ist es dafür nun zu spät. Ihr werdet euch dieser Kreatur, oder was immer sie auch sein mag, stellen müssen. Ihr dürft nicht zulassen, dass sie sich Zugang zu unserer Welt verschafft. Ich werde zu den Göttern für euren Schutz beten.”
“Jetzt fühle ich mich gleich viel sicherer”, sagte Theia schnippisch.
“Undankbares Geschöpf! Ich mag alt sein, aber immer noch in der Lage, euch zu züchtigen. Braucht ihr einen erneuten Beweis?”
“Das muss ich mir wirklich nicht anhören.” Demonstrativ kehrte Theia ihnen den Rücken zu.
“Ah… ihr wollt es mir erleichtern… ganz hervorragend.”
“Wagt euch das ja nicht!” Die Fee wirbelte herum und funkelte den alten Mann wütend an.
“Genug! Ihr verhaltet euch, als ob wir keine anderen Sorgen hätten”, sagte Tara.
“Da habt ihr wohl recht, mein hübsches Kind. Nun dann, lasst uns beginnen.” Ein Hand legte sich auf seine Schulter. “Habt ihr so etwas schon einmal gemacht?”
“Zu meinem eigenen Bedauern, muss ich eure Frage verneinen, Sir Ciron. Doch das soll uns nicht schrecken. Es ist der einzige Weg, wenn ihr eure Begleiterin retten wollt.”
Theia funkelte den Geweihten an. “Sie ist nicht unsere… Begleiterin! Wir versuchen nur schlimmeres Unheil von ihr und uns allen abzuwenden.”
“Worauf warten wir dann noch? Kannst du sie aufspüren, Theia?” Ohne ein Wort verschwand die kleine Fee vor ihren Augen. “Nun heißt es warten”, sagte Tara.
“Ein geheimnisvolles wie äußerst liebreizendes Geschöpf.”
“Sagt das bitte niemals in ihrer Gegenwart Asgard. Ich kann euch versichern, dass ihr keine Freude an ihr hättet.” “Verzeiht mir Tara, ich wollte euch nicht zunahe treten und beabsichtige auch nicht, eurer Begleiterin den Hof zu machen. Bitte vergesst meine unbedachte Äußerung.” “Schon gut, wir sind alle etwas angespannt.“ Ciron streckte sich, oder versuchte es zumindest, soweit es der eng anliegende Panzer zuließ. Dann begann für alle das nervenaufreibende Warten.

Lange mussten sie sich nicht gedulden. Unerwartet schnell begann die Luft vor ihnen zu flimmern und zwei feingliedrige Körper schälten sich aus dem funkelnden Regen, der sie einhüllte. Atemlos blickten alle Beteiligten auf das Geschehen, nur Tara, schon daran gewöhnt, verzog die Mundwinkel zu einem Lächeln. Theia hielt die besessene Fee von hinten gepackt und machte keine Anstalten, sie freizugeben. “Ich habe Zahira”, kam es lakonisch. “Es war das reinste Kinderspiel. Sie hat nicht einmal versucht, sich vor mir zu verbergen.”
“Soviel aufheben um eine verfluchte Zauberin. Ich werde Holz holen, damit wir beginnen können.” “Beginnen womit? Habt ihr vor, einen Scheiterhaufen zu errichten um sie zu verbrennen?” Zahira schrie entsetzt auf und versuchte, sich aus dem festen Griff der beiden Knappen, denen sie Theia ausgehändigt hatte, zu befreien.
“Nein, bitte, das dürft ihr nicht! Lasst mich leben, ich werde fortgehen von hier.”
Theia ignorierte ihr Flehen und packte den feisten Geweihten an seinem speckigen Umhang. “Versucht euer Vorhaben in die Tat umzusetzen und ihr werdet kein Mann mehr sein!” “Schon gut. Habt ihr einen besseren Vorschlag, was mit ihr geschehen soll?” “Den habe ich. Wir brauchen nur die Erlaubnis, euren Acker benutzen zu dürfen und… ihr sollt das hier für mich aussprechen. Ich kann die Sprache nicht verstehen. Aber ihr könnt es, ich weiß es.”
“Was bei den Göttern ist das und wo habt ihr das her?”
“Schaut es euch in Ruhe an und dann sagt mir, was dort steht.” Beorn strich die herausgerissenen Seiten glatt und begann mit der Übersetzung.
“Eine sehr alte Runeninschrift. Wirklich interessant. Ihr habt sie aus der Abtei?” Theia verzog keine Miene. “Also soweit ich es sehe, hat jeder der Steine ein eingraviertes Zeichen. Sie werden einzeln aufgeführt… seht ihr… hier und hier geht es weiter. In die richtige Reihenfolge gebracht, ergeben sie einen Namen. Zu schade, dass ihr den Rest nicht dabei habt. Es ist ein Ritual, welches beschrieben wird.”
“Das, was ihr in Händen haltet, ist das Einzige, was wir vorfanden. Ein Ritual sagt ihr? Wozu dient es?“ “Nun, dem Inhalt nach, zu einer Beschwörung.“ “Könnt ihr mir den Namen sagen?” Theias zur Schau gestellte Gleichgültigkeit schwand und in ihren Blick trat etwas lauerndes. “Oh sicher Kindch.. ich meine junge Dame.” “Das hier ist ein “A” und das sieht mir nach einem “T” aus. Allerdings dürfte euch allein der Name des Dämons wenig nützen. Ihr müsst den gesamten Text vorlesen. Leider sind nicht alle Teile erhalten, also werden wir improvisieren müssen. Ihr beiden legt das Mädchen vor den großen Stein hier und fesselt sie daran.” “Was habt ihr vor, Beorn?” “Ich weiß es nicht. Allerdings denke ich, dass bisher niemand von uns mit solch einer Kreatur zu tun hatte.” “Macht, was immer ihr für richtig haltet, alter Mann. Sollte etwas schief gehen, werde ich bereit sein.” Asgard rammte sein Schwert in den Boden und stützte sich auf den Griff. Eine stille Drohung ging davon aus. Beorn stimmte eine Litanei an, deren Worte für Tara und die anderen nicht verständlich waren, sie aber dennoch in ihren Bann zogen. “Ich hoffe, er weiß, was er da tut”, flüsterte Theia. “Wir werden es bald erfahren, seid euch dessen gewiss.” Ciron griff nun ebenfalls nach seinem Schwert. Auf ein Zeichen des Geweihten nahm Tara die Phiole und setzte sie an Zahiras Lippen. Sie blickte in schreckgeweitete Augen.
“Nicht… ich will nicht. Nimm das weg. Was habt ihr mit mir vor?”
“Trink daraus und sei ohne Furcht. Es ist kein Gift. Zwing uns nicht, Gewalt anzuwenden.” Zögernd nippte Zahira an der seltsamen Flüssigkeit. Erneut stimmte Beorn die seltsamen Laute an, wobei er die Blätter mit den Inschriften wie einen Schild in der Hand hielt. “Tretet beiseite Kind. Ich vermag nicht zu sagen, was gleich passieren wird.” Aufgeschreckt packte Tara die Phiole und trat hinter den Geweihten. “Sprecht ihn endlich aus!” Theias Augen sprühten in einem grünlichen Feuer. Ohne auf ihren Einwurf zu achten, legte Beorn eine Hand auf Zahiras Stirn. Winzige Schweißperlen liefen über Beorns Gesicht. Fast lautlos, wie ein sanfter Windhauch formten seine Lippen den Namen des Dämons. Zuerst geschah nichts, bis sich die Augen der Fee zu verfärben begannen. Das Grün ihrer Pupillen verschwand und machte einem tiefen Gelb Platz. “Wie ein Raubtier”, hauchte Tara entsetzt. Ein heftiger Windstoß fegte über ihre Köpfe und verwandelte sich binnen Sekunden in ein Unwetter. Gierigen Fingern gleich zog der Sturm an den Kleidern Zahiras. Mühsam hielt die kleine Gruppe den Naturgewalten stand, während Beorn die Worte von dem Lippen gerissen wurden. Ein ohrenbetäubendes Krachen ertönte und ließ ihnen den Schreck in die Glieder fahren. In zwei Teile gespalten, zerfiel der Stein, an den die Fee gefesselt war in Fragmente. Derart gebannt, achtete niemand darauf, wie eine unheimliche Wandlung mit ihr vor sich ging, bis Theia aufschrie. Über Zahira begann die Luft zu flimmern. Erst unmerklich, bildete sich rasend schnell ein Schatten. Zahiras Körper zuckte und unartikulierte Laute drangen an ihre Ohren. “Was bei allen Göttern ist das?”, schrie Asgard. “Das muss der Schatten sein, von dem Zahira sprach.” Theia war sich unsicher, ob sie bei dem Lärm überhaupt jemand verstand. Eine Böe riss sie von den Beinen und im nächsten Moment war die formlose Gestalt entschwunden. “Ist er weg? Hat es wirklich geklappt?” Tara versuchte immer noch das eben Erlebte zu begreifen. Beorn kniete neben die nun regungslose Fee und fühlte nach ihrem Handgelenk. Ein Nicken als Bestätigung, dass Zahira noch lebte.
"Sie liegt so ruhig und friedlich da, irgendwie unheimlich Theia. Was machen wir, wenn sie nicht wieder aufwacht?” “Woher soll ich das wissen? Alles was wir nun tun können ist warten.” “Ihr werdet auf sie achten, Beorn! Das ist ein Befehl! Ich rate euch, gut über sie zu wachen, denn sollte ihr etwas zustoßen, haftet ihr mit eurem Kopf dafür.” Asgard tätschelte sein Schwert, während der Geweihte einen dicken Kloß aus seinem Hals zu bekommen versuchte. “Ich werde euch nicht enttäuschen”, kam es geflissentlich über seine Lippen.
“Meine Damen, ich fürchte, hier trennen sich unsere Wege. Unsere Dienste werden nun wieder in der Feste benötigt.” “Selbstverständlich Mylords, wir sind euch zu großem Dank verpflichtet. Während Ciron und die Knappen aufsattelten, trat Asgard an Theia heran. “Ich habe hier noch etwas für euch. Ein unbedeutendes Schmuckstück aus Familienbesitz. Solltet ihr jemals in Gefahr sein, so schick es mir und ich werde euch zu Hilfe eilen.” Zögernd nahm Theia das Kleinod in Form einer Brosche entgegen. Eine aufwendige Gravur stellte dar, welcher Familie Asgard angehörte. Wortlos saß der Recke auf und reihte sich zwischen seine wartenden Begleiter. Bevor Tara etwas sagen konnte, stoben die Pferde donnernd davon. Verblüfft sah sie, dass Theia immer noch auf das Schmuckstück in ihren Händen starrte. Mehr noch… eine leichte Röte bedeckte ihre Wangen. “Was ist mit dir, Theia? Du wirkst so merkwürdig auf mich.” Sie schüttelte den Kopf. “Es ist nichts, wirklich. Ich habe nur etwas geträumt. Ist die Brosche nicht wunderschön, Tara?” “Du hast dich doch nicht etwa verliebt. Glaubst du… also das du mit Asgard… ich meine… .” Eine Hand legte sich auf ihren Mund. “Halt einfach deine Klappe Tara, okay? Ich liebe nur dich und nichts und niemand wird je etwas daran ändern.” “Da war alles, was ich wissen wollte”, grinste Tara erleichtert.

Sie passierten den kleinen Markt, wo lautstark Bauern und Handwerker die Qualität ihrer Waren anpriesen. Tara hatte die meisten Stände schon hinter sich gelassen, als unerwartet Geschrei aufbrandete. “Ist das nicht der Händler, der uns verraten wollte? Ich erkenne ihn. Was macht er da?” Sämtliche Auslagen wurden von unzähligen Käfern überflutet die aus dem Nichts gekommen waren. “Ja das ist er. Sieht aus, als hätte er alle Hände voll zu tun”, sagte Theia eine Spur zu teilnahmslos. Ein Blick in ihre strahlend grünen Augen und Tara wusste, dass sie hinter alle dem steckte. “Du änderst dich wohl nie, Theia. Los, lass uns besser verschwinden, bevor er dich bemerkt. Für heute reicht es mir mit Abenteuern.” Kichernd rannte die Fee neben ihr her. Eine Weile hörten sie noch das wütende Keifen des Händlers und das Johlen der Marktbesucher hinter sich, bis es vom aufkommenden Wind überlagert wurde und verschwand.


@Copyright 2013 Eichhörnchen


kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9995
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"
« Reply #2 on: April 14, 2013, 12:45:23 pm »
Super!!

Neues zum Lesen. :D
Habe soeben den Fan-Fiction Index aktualisiert. ;)

Update

Sehr schön! +1 :D

« Last Edit: April 14, 2013, 01:39:16 pm by Tìtstewan »

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

Offline tsmukan_stephen

  • Uniltìranyu
  • **
  • Posts: 127
  • Karma: 10
  • www.learnfrompandora.de
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"
« Reply #3 on: April 14, 2013, 04:30:23 pm »
Kaltxì, ma Eichhörnchen,

IRAYO für den nächsten Teil.

Wie immer super zu lesen, trotz einiger kleiner Verschreiber (siehe mein Vorschreiber).

Wird das auch mal ein Buch? Wäre mit Sicherheit eines, das ich mir in die Schrankwand stellen würde....  8) :-*

Weiteres per PN...

Beste Grüße

tsmukan_stephen
Unsere Seite zum Treffen in Leipzig: http://www.LearnFromPandora.de

Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt,
sondern wir haben sie von unseren Kindern nur geliehen.
(Uraltes indianisches Sprichwort)

Offline Tìtstewan

  • LearnNavi Zeykoyu
  • Toruk Makto
  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • *
  • Posts: 9995
  • de Germany
  • Karma: 324
  • Ke lu oeru kea krr krrtalun!
    • My YouTube Channel
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"
« Reply #4 on: April 21, 2013, 07:41:17 am »
So, eine kleine Bewertung, wie angekündigt.

Das mit dem Dorfpriester war echt gut! Vorallem die freche Fee, sie zeigt jedes mal aufs Neue, dass sie gnadenlos sagt was sie denkt. Feen und Pferde - einfach humorvoll. Schön unheimlich finde ich die Szenen bei der Kapelle. Da kommt so richtiges Abenteuerfeeling auf und ein bisschen Horror runden dei Geschichte auch ab. Bein Lesen kam es mir vor, als wäre ich dabei gewesen bei den ganzen Abenteuern der Fee.

Ich sag nur: Weiter so! :D

-| Dict-Na'vi.com | Na'viteri Files | FAQ | LM | Puk Pxaw 'Rrta | Kem si fu kem rä'ä si, ke lu tìfmi. |-

Offline Yaknun

  • Ikran Makto
  • *****
  • *
  • Posts: 758
  • de Germany
  • Karma: 21
  • alt, aber vernarrt in AVATAR
    • Eine fixe Idee
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"
« Reply #5 on: April 26, 2013, 01:51:29 am »
Spät, aber nicht zu spät  ;) gelesen und "für gut befunden"

Kaltxi ma 'eylan Eichhörnchen,

ein großes IRAYO für den aktuellen Teil Deiner tollen Geschichte.
Wieder einmal fesselte mich das Geschehen, welches ich förmlich 3-dimensional erlebte.
Deine Art zu schreiben läßt mich immer wieder tief in das Geschehen eintauchen und die Handlungen fast körperlich mit empfinden.
Ich freue mich auf weitere Fortsetzungen und schließe mich gern den Hoffnung ausdrückenden Worten unseres tsmukan Stephen an, daß wir der Geburt eines weiteren Druckwerkes aus Deiner Feder hofentlich in Bälde beiwohnen dürfen.

In diesem Sinne
kiyevame ulte Eywa ngahu
ta Yaknun

« Last Edit: April 26, 2013, 01:17:20 pm by Yaknun »
Neytiri:
"Sie leben, Jake, in Eywa"

alt, aber
vernarrt in AVATAR
...


Offline Ricardo

  • Taronyu
  • ****
  • *
  • Posts: 631
  • Karma: 28
Re: Abenteuer in den Grenzlanden - Teil 3 "Aufbruch ins Ungewisse"
« Reply #6 on: May 09, 2013, 07:40:20 am »
Hallo, Robert!
Endlich konnte ich die beiden neuen Teile lesen.
Nach wenigen Zeilen war ich wieder in deine Geschichten versunken und davon gefesselt.

Du hast wie immer großartige Arbeit abgeliefert und die Freude auf Neues bleibt erhalten.

Leider konnte ich dir bisher nur einen Karma-Punkt geben, weil das böse Forum mich zu einer Stunde Wartezeit verdammt. Nun gut.

 

Become LearnNavi's friend on Facebook Follow LearnNavi on Twitter! Watch LearnNavi's videos on YouTube

SMF 2.0.18 | SMF © 2021, Simple Machines | XHTML | RSS | WAP2 | Site Rules

LearnNavi is not affiliated with the official Avatar website,
James Cameron, LightStorm Entertainment or The Walt Disney Company.
All trademarks and servicemarks are the properties of their respective owners.
Images in the LearnNavi.org Forums and Gallery may not be used without permission.

LearnNavi Affiliates:
ToS

LearnNavi is the community to learn Na'vi, the Avatar Language
"A place where real friendships are made." -Paul Frommer

AvatarMeet | Learn Na'vi Forum | Learn Na'vi Wiki | Na'viteri

LearnNavi