Author Topic: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe  (Read 2180 times)

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Offline Eichhörnchen

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Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« on: October 29, 2011, 02:39:37 pm »
Wie Blätter im Wind

Teil 1 Jäger und Gejagte

Mit bösartig funkelnden Augen starrte die Kreatur auf ihr Opfer herab. Ein junger Na’vi lag blutüberströmt vor ihr, der gesamte Körper schrecklich entstellt von zahlreichen Wunden. In ihrem Blutrausch hatte sie ihn so zugerichtet. Ohne eine Spur von Bedauern blickte das Wesen auf den toten Ureinwohner. Es mochte ein Krieger oder vielleicht auch ein Jäger gewesen sein, doch spielte das keine Rolle für die von unbändigem Hass erfüllte Kreatur. Achtlos ließ sie den leblosen Körper zurück und bewegte sich weiter durch den Urwald. Wie ein Schatten glitt das Geschöpf fast lautlos zwischen den mächtigen Stämmen und Pflanzen hindurch. Seine Bewegungen waren nicht so elegant wie die der Ureinwohner Pandoras, jedoch war es genauso tödlich.

******

Brian hangelte sich über einen schmalen Felsvorsprung und prüfte sorgfältig mit seinen Füßen, ob der rutschige Stein ihm genügend Halt bot. Vorsichtig nahm er seinen selbst gefertigten Speer zur Hand und blickte auf das vor ihm ruhig dahin gleitende Wasser des Flusses.
Er hatte es sich zur Aufgabe gemacht, für seine neuen Brüder und Schwestern zu fischen, eine Tätigkeit die ihm sichtlich Spaß bereitete. Manchmal war der Söldner äußerst erfolgreich dabei und präsentierte den verblüfften Ureinwohnern seinen Fang. Ein anderes Mal gewannen die Fische und Brian landete bäuchlings im kalten Wasser, sehr zur Belustigung seiner Zuschauer. Heute schien wieder so ein Tag zu sein. Vom Fluss ein beträchtliches Stück entfernt, fast schon am zentralen Feuerplatz des gewaltigen Kelutral, war das Gelächter und die johlenden Rufe der Na’vi zu vernehmen. Fawn eilte mit weit ausholenden Sprüngen, über armdicke Äste, Wurzeln und andere Hindernisse, die der sie umgebende Urwald so bot. Am Ufer des Flusses angekommen, blickte die kleine Jägerin aufgeregt und mit klopfendem Herzen auf das sich ihr bietende Spektakel.
Brian lag im seichten Wasser und erhob sich gerade, wobei er versuchte seinen Speer als Halt zu nehmen. Ein besonders großer Krieger, feuerte die anderen Na’vi an und rief immer wieder, “skxawng”, wobei er lachend auf den Himmelsmenschen zeigte.
Fawn erkannte den imposanten Na’vi sofort und ihre Atmung beschleunigte sich. Ikelu, einer der besten Krieger des olo’eyktan, mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Die kleine Jägerin mochte ihn nicht, schließlich war er einer der Krieger, die sie immer wegen ihrer geringen Körpergröße aufgezogen hatten.
Außer sich vor Wut packte Fawn den Ureinwohner am Arm und fauchte ihn an. “Ma Ikelu! Kempe si nga?” Ihre andere Hand lag selbstbewusst auf dem Schaft des langen Dolches.
Ein verächtliches Lächeln folgte als Antwort, während der Na’vi sich mit Leichtigkeit aus ihrem Griff losriss. Trotzdem erzielte das unerwartete Auftauchen und die heftige Reaktion der kleinen Jägerin ihre Wirkung. Mit einem letzten wütenden Blick auf den völlig durchnässten Himmelsmenschen, entfernte sich Ikelu und einige andere der versammelten Jäger folgten ihm.
Ein paar Na’vi Kinder, waren inzwischen dabei, dem Söldner ans Ufer zu helfen. Fawn ließ das halb hervorgezogene Messer zurück gleiten und trat ihrem Himmelsmenschen gegenüber.
“Oel ngati kameie, ma Brian.” Mit einem liebevollen Ausdruck in ihren gelben Augen beschrieb sie die Begrüßungsgeste und nahm ihm den beschädigten Speer aus der Hand. Nur flüchtig überprüfte sie den hölzernen Stab. Dann warf die kleine Jägerin ihn achtlos von sich weg. Erstaunt riss Brian die Augen auf und wollte gerade protestieren, doch Fawn ließ ihm keine Zeit dazu.
“Komm mit mir, ma Brian. Wir müssen deine Sachen trocknen.”
Durchnässt und sichtlich verärgert folgte ihr der Söldner mit platschenden Schritten zurück zum Kelutral. An ihrem etwas abseits gelegenen Schlafplatz mit der kleinen Feuerstelle, setzte sich Brian mit einem Seufzen auf den Gras überzogenen Boden.
Fawn stand vor ihm und nahm seine nasse Kleidung entgegen, die sie geschickt über einige Äste zum Trocknen ausbreitete. Brian saß jetzt nur noch mit seiner mittlerweile zerschlissenen Hose bekleidet, vor dem Feuer und streckte sich entspannt aus.
Fawn kniete sich neben ihm nieder und blickte ihn mit ihren gelben Augen fragend an. “Du hast nichts gefangen?” Brian schüttelte nur den Kopf. “Nein.” Das Mädchen rückte näher an ihn heran, während ihr mit dunklen Bändern verzierter Schwanz über den Boden huschte. “Was ist passiert, ma Brian?”
Völlig unerwartet für das junge Mädchen, fuhr der Söldner sie wütend an. “Was passiert ist? Verdammt ich bin einfach nur ausgerutscht, Fawn… das ist passiert!”
Fawn zuckte erschreckt von seinem harschen Verhalten zurück.
Enttäuscht blickte die kleine Jägerin auf das leuchtende Moos und strich mit ihrer Hand sanft darüber, während ihre Augen einen unglücklichen Ausdruck annahmen.
Eigentlich hatte sie sich nach seiner Nähe gesehnt und immer noch verspürte sie das Verlangen, sich an ihn zu kuscheln.
Allerdings vermutete sie, dass Brian in seiner jetzigen Erregung wohl kaum der Sinn danach stand. Eine Weile saßen sie so schweigsam zusammen, nur zwischendurch hatte Fawn ein paar Äste geholt, um das kleine Feuer zu schüren. In der sich ausbreitenden Hitze, begann die nasse Kleidung des Söldners rasch zu trocken. “Warum hast du meinen Speer vorhin weggeworfen?” Brians Frage riss die kleine Jägerin aus ihren trüben Gedankengängen und sie betrachtete ihn nachdenklich mit ihren großen Augen. “An deinem Speer war der Schaft angebrochen, hattest du das nicht bemerkt, ma Brian?”
Der Söldner war mittlerweile wieder zur Ruhe gekommen und in Gedanken verfluchte er seine Unbeherrschtheit.
Sichtlich verwundert schüttelte er den Kopf. “Nein Fawn, das ist mir nicht aufgefallen. Ich war wütend auf Ikelu, er hätte mich nicht auslachen sollen. Es tut mir leid, dass ich dich so angefahren habe. Kannst du mir verzeihen?” Fawn seufzte auf, doch anstatt etwas zu sagen, setzte sie sich dicht neben Brian und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Zärtlich strich der Söldner durch ihre prächtigen langen Haare. “Nga yawne lu oer, ma Fawn”, flüsterte Brian in eines ihrer spitzen Ohren.
Das junge Mädchen erwiderte nichts, doch um ihre Mundwinkel zuckte ein kaum merkliches Lächeln.

******

Fawn tauchte neugierig einen Fuß in das gemächlich dahinfliegende Wasser, des nahe ihrem Heimatbaumes gelegenen Flusses, um die Temperatur zu prüfen. Ein diffuses Dämmerlicht durchzog den Urwald zu dieser frühmorgendlichen Zeit und verträumt blickte die kleine Jägerin zum über ihr aufragenden Dach des Waldes. Bis die Sonnen anfingen aufzusteigen, würde noch eine Weile vergehen. Befriedigt von dem Ergebnis legte die junge Na’vi alles ab, was sie am Leibe trug und tauchte bis zu den Hüften in die glasklare Flüssigkeit hinein. Ein leichter Schauder erfasste Fawn, als sie hinaus schwamm und sich immer weiter vom Ufer entfernte. Hier in der Flussmitte war das Wasser hervorgerufen durch die Strömung deutlich kälter, jedoch nicht unangenehm. Die kleine Jägerin tauchte mehrmals tief ein und kam prustend und japsend wieder nach oben. Ihr Blick schweifte neugierig über die Umgebung des vor ihr aufragenden Kelutral, doch dort blieb alles ruhig. Selbst für die Verhältnisse ihrer Brüder und Schwestern, war das Mädchen ungewöhnlich früh unterwegs. Fawn hatte anfangs noch versucht, Brian zu wecken, damit er mit ihr zusammen schwimmen konnte. Aber schon bald, hatte sie frustriert eingesehen, das es vermutlich einfacher wäre einen ausgewachsenen vrrtep zu bändigen, als den störrischen Söldner zum Aufstehen zu bewegen. Brian war wie er selbst zu ihr gesagt hatte, ein richtiger Morgenmuffel. Ein Wort das sie erst nicht richtig verstand, deren Bedeutung ihr aber alsbald ersichtlich wurde.
Unzählige Tiergeräusche erfüllten die Luft, mit ihren Klängen und vermischten sich mit dem ruhigen Plätschern des Flusses. Das junge Na’vi Mädchen schwamm eine Weile erst mit der Strömung und schließlich unter kraftvollen Bewegungen wieder dagegen an, um zu ihrem Platz wo sie in den Fluss gestiegen war zurückzukehren. Nach einer Weile erreichte Fawn erschöpft, aber von innerer Ruhe erfüllt, das sanft ansteigende Ufer. Ihr nackter Körper glänzte vor Nässe und außer Atem setzte sie sich auf den feuchten Untergrund. Wassertropfen stoben in alle Richtungen davon, als Fawn ihre Haare ausschüttelte. Geschickt ergriff das Na’vi Mädchen die zahllosen herabhängenden feuchten Strähnen, bändigte sie schließlich zu einem dicken Strang und wrang sie mehrmals aus.
Ihre liebliche Stimme erfüllte den Urwald, als die kleine Jägerin dabei begann zu singen, während sie ihre Haare zu zahlreichen Zöpfen flocht. Derart vertieft bemerkte das Na’vi Mädchen nicht wie sich ihr jemand von hinten näherte. Erschrocken zuckte Fawn zusammen, als eine große Hand sich fest auf ihre Schulter legte. Sofort ließ sie ihre Haare los und sprang mit einer flinken Bewegung auf, wobei sie sich dem Griff des ungebetenen Neuankömmlings zu entziehen versuchte. Der große Krieger dessen sie nun gewahr wurde, musste wohl mit ihrer Reaktion gerechnet haben, denn ohne ersichtliche Kraftanstrengung, packte er das Na’vi Mädchen hart und hielt sie fest. “Oel ngati kameie, ma Fawn”, ertönte die ihr sehr vertraute Stimme Ikelus mit einem höhnischen Unterton.
Zögernd erwiderte Fawn seine Begrüßung, wobei sie nervös eine nasse Strähne aus ihrem Gesicht wischte. “Lass mich gehen Ikelu… rutxe.” Der abschätzende Blick aus seinen Augen gefiel ihr nicht und fieberhaft überlegte die kleine Jägerin, worin der Grund für sein Handeln lag. Ikelu ließ sie jedoch nicht lange im unklaren. “Durch dein Verhalten, hast du mich gestern im Angesicht der anderen Krieger gedemütigt. Dazu hattest du kein Recht.” Der muskulöse Krieger zog sie noch enger an sich heran und Fawn spürte seinen heftigen Atem auf ihrem Gesicht. Unbändige Wut begann in ihr aufzusteigen, ob ihrer Hilflosigkeit und verzweifelt versuchte das junge Mädchen sich aus seiner festen Umklammerung zu lösen, doch der Na’vi hielt sie eisern in seinem unbarmherzigen Griff.
“Du bist stark geworden, Fawn. Stark und sehr schön. Dein Anblick erfüllt mich mit Freude und weckt ein ungekanntes Verlangen in mir.”
Bei seinen Worten zuckte Fawn zusammen und sich ihrer Nacktheit bewusst, stieg brennende Schamesröte in das Gesicht der kleinen Jägerin.
“Ma Ikelu, lass mich los. Das darfst du nicht. Ich bin mit meinem muntxatu vor Eywa vereint.” Fawn stammelte die Worte förmlich hervor und eine lähmende Angst begann sich ihrer zu bemächtigen.
Ein verächtliches Lachen erklang und in Ikelus Augen blitzte es gefährlich auf. “Wie kannst du dich mit einem Sawtute verbinden? Das ist unmöglich und du weißt das!” In einem unerwarteten Zornesausbruch, stieß der Krieger das Mädchen von sich weg. Befreit aus seinen Fängen, federte die Jägerin sich geschickt ab und tastete krampfhaft nach ihren vor ihr am Boden liegenden Sachen. Doch der Krieger dachte gar nicht daran es dabei zu belassen. Im nächsten Augenblick war Ikelu über ihr und warf sie zu Boden. Fawn schlug hart mit dem Kopf auf und nur die Beschaffenheit des Flussufers verhinderte das sie sich ernsthaft verletzte. Die Ohren flach am Kopf angelegt, füllten sich Ikelus Augen mit grenzenloser Gier, die scheinbar sein rationales Denken verdrängte. “Ma Fawn, Ich werde dich zu meiner muntxate erwählen. Du gehörst mir und bist eines großen Kriegers wahrhaft würdig!” Das Gewicht des gewaltigen Na’vi drückte Fawn mit ihrem Rücken hart auf den nassen Untergrund des Ufergeländes und erschwerte ihr das Atmen. Wie zufällig berührte Ikelu dabei mit seinen Fingern, ihre festen Brüste.
Bei seiner Berührung verwandelte sich die Wut der kleinen Jägerin in puren Hass. Das also war es, was Ikelu beabsichtigte.
Krampfhaft versuchte sie ihn von sich zu stoßen, doch ihre Kräfte waren den seinen bei weitem unterlegen.
“Rutxe… Ikelu! Kehe!” Heiß spürte sie das Blut durch ihre Adern fließen, aber so sehr sich Fawn auch bemühte, schaffte sie es nicht, den Krieger von sich abzuschütteln. Tränen traten in Fawns Augen und kullerten an ihren Wangen hinunter. Er tat ihr weh, doch schien Ikelu es in seinem Zustand gar nicht zu bemerken, oder er nahm es einfach in Kauf. Verzweifelt krallte sich ihre Hand immer wieder in das weiche Erdreich, während Fawn nach ihrem Dolch tastete. Nach Ewigkeiten währenden Momenten berührten ihre Finger schließlich das Heft der Waffe und schlossen sich fest um sie. Ein gequälter Aufschrei entfuhr ihrer Kehle, als sie unter gewaltiger Anstrengung alles daran setzte, den Krieger von sich fortzudrücken. Nur leicht lockerte sich sein Griff vor Überraschung, doch der Augenblick reichte der kleinen Jägerin völlig. Einen Herzschlag später, spürte Ikelu die scharfe Klinge ihres Dolches an seiner Kehle und ließ sie, erschreckt von der heftigen Abwehr aus seiner Umklammerung. Unendlich langsam erhob sich der Na’vi und trat ein paar Schritte zurück, während sich Fawn erschöpft aufrichtete, wobei die Klingenspitze weiterhin auf den Hals des Kriegers zielte. Instinktiv strichen Ikelus Finger über seinen Kehle und verblüfft stellte der starke Krieger fest, dass er blutete. Die Verletzung war nicht schwerwiegend, aber sie führte Ikelu vor Augen, welch ein ernstzunehmender Gegner die kleine Jägerin war.
“Ftang!”, rief Ikelu wütend hervor und ihm wurde schlagartig gewahr, dass er sich in Fawn gewaltig verschätzt hatte. Das junge Na’vi Mädchen zitterte am ganzen Körper und machte mit der Waffe in der Hand Zeichen, dass er verschwinden sollte. “Geh Ikelu, geh… und komm nicht wieder!” Fawn fauchte die Worte hasserfüllt hervor und versuchte ihrer Stimme die nötige Festigkeit zu geben, was ihr nur schwer gelang. Sich ein letztes mal umsehend, schlich der Krieger davon und verschwand nach einer Weile aus ihrem Blickfeld. Nun erst löste sich die wahnsinnige Anspannung unter der die kleine Jägerin gestanden hatte und mit Tränen in den Augen, sackte sie erschöpft auf ihre Knie. Obwohl die Sonnen mittlerweile am Horizont erschienen waren und gluthell leuchteten, war dem Na’vi Mädchen mit einem mal eisig kalt zumute. Schluchzend legte Fawn ihre Bekleidung an, während unzählige Tränen über ihr hübsches Gesicht liefen und zu Boden tropften. Zutiefst aufgewühlt und am ganzen Körper zitternd, schleppte sich das Mädchen zum Heimatbaum, wobei sie immer wieder angsterfüllt zurück blickte.

******

Der hoch gewachsene Jäger sah sich gehetzt um und auch die Blicke seiner Begleiter kündeten von dem Schrecken, dem sie nur mit knapper Not entkommen waren.
Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen. Noch vor Sonnenaufgang einen halben Tagesmarsch vom Kelutral entfernt, war die kleine Jagdgemeinschaft auf die Spuren von zahlreichen Tieren gestoßen. Es schien eine erfolgreiche Jagd zu werden, bis die Ureinwohner feststellten, das sie nicht die Einzigen waren, die der Beute nachstellten. Abgelenkt und völlig in das Aufspüren der Tiere vertieft, hatten die Krieger nicht bemerkt, dass sie mit hungrigen Blicken beobachtet wurden. Als das Rudel Vipernwölfe aus dem Unterholz hervorbrach, war es fast schon zu spät für eine Gegenwehr. Eine leichte Beute witternd, fielen die Bestien wie eine Flut aus Zähnen und Klauen, über die überraschten Jäger herein. Unter den Tieren befand sich ein besonders großer Vipernwolf mit gewaltigem Gebiss. Scharfkantige Klingen trafen auf messerscharfe Reißzähne und der Geruch vergossenen Blutes breitete sich um sie herum aus. Nach heftigen Kampf lag einer der Krieger tödlich verletzt am Boden und Mìnyu ein weiterer Jäger der Gruppe hatte eine gefährlich aussehende Bisswunde an seinem Waffenarm davongetragen, welche heftig blutete. Fawns sempul hatte das riesige Untier im Zweikampf besiegt und dunkles Blut tropfte von der Schneide seines Dolches. Der Ehrfurcht gebietende Körper des Nantang, zuckte noch ein paar Mal im Todeskampf, dann erstarrte das Geschöpf und blieb mit Augen in denen jeder Glanz erloschen war liegen. Ayur wischte den Dolch am Gras ab und kniete vor einem Vipernwolf nieder, welcher schwer verletzt aber noch am Leben war.
“Oeru txoa livu, ma oeyä tsmukan.” Fast andächtig und sanft kamen die Worte des Kriegers über seine Lippen. Mit einem sicher ausgeführten Stoß seiner Waffe, erlöste Ayur das Geschöpf von seinen Leiden. Nachdem den Gesetzen seines Stammes genüge getan war, konnte sich der erfahrene Jäger nun den Verletzten, unter seinen ihn begleitenden Brüder und Schwestern zuwenden. Seine Nerven zum Zerreißen gespannt, richtete der Anführer seine Aufmerksamkeit flüchtig auf den sie umgebenden Urwald. Doch zu seiner Verwunderung blieb alles ruhig. Das Rudel der Vipernwölfe musste sich für den Moment zurück gezogen haben um ihre Wunden zu lecken. Ayur war allerdings davon überzeugt, dass sie nicht lange mit einem erneuten Versuch warten würden, an die vor ihren geifernden Mäulern sitzende äußerst schmackhafte Beute zu kommen, welche die Ureinwohner für sie darstellten. Mit ernsten Gesichtsausdruck, trat der Na’vi an die Seite des verletzten Jägers und begann seinen Arm zu untersuchen. Dunkles fast schon schwärzliches Blut trat aus den Wunden hervor und tropfte den Arm hinab.
Schweigend holte Ayur ein paar mit einer gelartigen Substanz bestrichene Blätter, aus einem Beutel hervor. Die Tsahìk selbst hatte ihm dieses Heilmittel mit auf den Weg gegeben und Ayur hatte es voller Ehrfurcht und auch mit einem gewissen Stolz entgegengenommen. Ein schmerzerfüllter Schrei hallte durch das Dickicht des Urwaldes, als Ayur mehrere der Blätter auf die Wunden des Jägers presste. Ein schmatzendes Geräusch erzeugend, saugten sich die Gel behafteten Blätter fest und bildeten sofort einen natürlichen Verband, welcher die starke Blutung zum Stehen brachte. Mit dankbaren Gesichtsausdruck sank der junge Na’vi vor seinem Anführer erschöpft in das weiche Gras. Trotz der Hilfe die ihm zuteil geworden war, spiegelte sich in seinen Augen immer noch der Schmerz, der seinen Körper erfüllte. “Du kannst nicht bei uns bleiben Minyu. Geh zum Heimatbaum zurück. Wir werden zu Eywa beten, dass sie dich beschützt.” Die Worte Ayurs erklangen teilnahmslos und hart, doch der junge Na’vi wusste, dass sein Anführer recht hatte.
Die kleine Jagdgesellschaft befand sich nicht allzu weit vom schützenden Kelutral entfernt. Vielleicht einen halben Tagesmarsch, oder auch weniger überlegte Minyu. Allein konnte er das Lager vielleicht erreichen um seine Wunden versorgen zu lassen. Hier bei den anderen Jägern würde er sie nur gefährden und ihren Auftrag zunichte machen. Die Wölfe waren blutgierig und witterten eine verletzte Beute auf gewaltige Entfernungen. Minyu gab sich keinen Illusionen hin, was seine Aussichten anging. Es war ein Wettlauf, bei dem der junge Krieger sehr leicht sein Leben verlieren konnte.
Ayur spürte instinktiv was den erfahrenen Jäger bedrückte. “Sei ohne Furcht, ma Minyu. Wir werden die Nantangs beschäftigen und aufhalten, um dir einen Vorsprung zu verschaffen.”
Der athletische gebaute Krieger erhob sich zögernd mit schmerzverzerrten Gesicht. Auch die anderen Jäger hatten sich nun um ihn herum eingefunden und wünschten ihm Glück.
“Wir können dir nichts von unseren Vorräten mitgeben, aber wenn du schnell genug bist, kannst du es schaffen.” Minyu beschrieb die Geste zur Stirn und machte sich daran aufzubrechen. Das letzte was er von den Jägern hinter sich hörte war, “Eywa ngahu.”

******

Brian sah nervös auf, als Fawn sich in der Nähe ihres Schlafplatzes zwischen den dichten Sträuchern, hervor mühte. Das ungewöhnlich lange Fernbleiben des Mädchens hatte ihn verwundert und allmählich hatte sich die Sorge um die kleine Jägerin in sein Herz geschlichen. Sofort bemerkte der kräftige Söldner, das irgend etwas nicht mit ihr stimmte, denn die junge Na’vi verzichtete auf jegliche Begrüßung und machte einen ungewöhnlich matten und erschöpften Eindruck. Fawn ging fast zu Beginn jeden neuen Tages schwimmen und bisher war sie immer ein Ausbund an Lebhaftigkeit, wenn sie vom nahen Fluss zurückkehrte. Mit einem Stöhnen ließ Fawn sich neben ihm, auf ihr strammes Hinterteil fallen. Immer noch hingen ihre Haare klatschnass herunter und sahen seltsam zerwühlt aus, ein Zustand den Brian gar nicht von dem Mädchen gewohnt war.
“Was ist mit dir Fawn?” Brian wollte ihre Hände ergreifen, doch das Na’vi Mädchen zuckte bei seiner Berührung unerwartet zusammen und bedeckte damit aus Scham ihr Gesicht. Allerdings nicht schnell genug, denn Brian konnte noch an ihren trüben Augen erkennen, dass sie geweint hatte. In Fawn tobte ein wahrer Sturm der Gefühle. Mehrmals war das Mädchen versucht ihren Kummer und das ihr zugefügte Leid einfach herauszuschreien. Doch mit eiserner Beherrschung unterdrückte sie dieses Verlangen. Sie überlegte fieberhaft ob sie Brian sagen sollte was sich am Fluss ereignet hatte, entschied sich jedoch schließlich dagegen. Er würde es sicherlich nicht verstehen und sich vielleicht zu einer unüberlegten Handlung gegenüber Ikelu hinreißen lassen. Das musste sie unter allen Umständen verhindern, schon allein um ihn zu schützen. Zögernd nahm Fawn die Hände herunter und sah den Söldner unsicher in die Augen. “Es ist nichts, ma Brian. Ich war… unvorsichtig und wäre fast ertrunken.” Sie setzte ein gequältes Lächeln auf und Brian spürte dass das Mädchen nicht weiter über den Vorfall reden wollte. Jedes weitere Nachhaken hätte Fawn wieder unglaublich bockig werden lassen und so seufzte er nur auf.
“Na schön, wenn du es sagst.”
Sanft ergriff der Söldner ihre Hand und hielt sie fest. Diesmal entzog Fawn sich ihm nicht. Brian glaubte ihr kein Wort, ließ sich allerdings davon nichts anmerken. Denn die Jägerin war genauso geschickt im Wasser, wie sie sich im Kelutral täglich über bodenlose Abgründe hangelte. Das Na’vi Mädchen schüttelte ihre zerzausten Haare aus und begann sie erneut liebevoll in kleine Zöpfe zu flechten. Brian sah ihr aufmerksam dabei zu und bewunderte ihr Geschick, welches sie an den Tag legte.
Allmählich begann um sie herum das muntere Treiben des Dorflebens. Gelegentlich schritten Ureinwohner, auf dem Weg zur großen Feuerstelle vorbei. Einige tuschelten miteinander oder kicherten ohne jegliche Scheu, während sie zu ihnen blickten.
Brian wurde bei der vielen unerwünschten Aufmerksamkeit die ihnen zuteil wurde komisch zumute und so erhob er sich und half der verstört wirkenden Jägerin ebenfalls auf. “Komm Fawn, ich habe Hunger und es gibt noch etwas das ich bald erledigt wissen möchte.”
Neugierig geworden sah das Mädchen ihn an. “Was hast du vor, ma Brian?” Sich seine abgetragene Weste überstreifend, winkte der Söldner ab. “Später Fawn… jetzt lass uns erst etwas essen, dann sehen wir weiter.” Zusammen gingen sie zum Versammlungsplatz in der Mitte des Lagers, wo sich um diese Zeit schon die meisten Bewohner des Kelutral versammelt hatten.
« Last Edit: November 03, 2011, 05:01:54 pm by Eichhörnchen »
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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #1 on: October 29, 2011, 02:41:13 pm »
Während Brian ohne zu zögern zwischen Iley und seiner Geliebten Platz nahm, blickte das Na’vi Mädchen argwöhnisch über die große Feuerstelle hinweg. Nach einigen bangen Momenten atmete Fawn erleichtert auf und ihr kerzengrade aufgerichteter Schwanz entspannte sich wieder. Ikelu hatte es scheinbar vorgezogen nicht zu erscheinen oder es ganz einfach nicht gewagt, dem Mädchen vorerst wieder unter die Augen zu treten. Eine Hand griff plötzlich nach ihr und erschrocken sah sie herab. “Komm meine kleine smuke und setz dich zu uns, oder hast du keinen Hunger?” Ihr Bruder Iley lächelte ihr aufmunternd entgegen, wobei seine gelben Augen sie voller Zuneigung betrachteten. Dankbar nahm sie sein Angebot an und ließ sich neben ihrem smukan nieder, während sie die Umgebung im Blickfeld behielt. Brian rückte hastig beiseite um der kleinen Jägerin genug Platz zu schaffen. Dabei stieß er versehentlich äußerst unsanft mit der neben ihm hockenden Awaiei zusammen, was diese mit einen undefinierbaren Blick aus ihren leuchtenden Augen quittierte. Unangenehm davon berührt, stieg dem ansonsten harten Söldner eine leichte Röte ins Gesicht und er stammelte etwas, das wie eine Entschuldigung klingen sollte, aber seine eigenen Worte kamen ihm selbst unsagbar fremd vor. Die hagere Na’vi Frau betrachtete ihn nun aufmerksam und gab ein glucksendes Geräusch von sich, worauf Brian das Gefühl hatte, sein Antlitz verwandele sich in eine Tomate. Ihre unmittelbare Nähe verunsicherte Brian zusehends, denn in der vorherrschenden Enge vor dem Feuer blieb es nicht aus, dass sich ihre Körper immer wieder berührten. Im Gegenzug schien das blaue Geschöpf mittlerweile jede Scheu vor ihm verloren zu haben. Awaiei leckte sich übertrieben gründlich die Finger ab, während ihre Blicke weiterhin auf ihm ruhten. Der Söldner konnte sich nicht des Gefühls erwehren das sie es aus voller Absicht tat. Ein äußerst verkrampftes Lächeln von sich gebend, wandte er sich Fawn zu und erstarrte vollends.
Dem jungen Mädchen war sein Ungeschick nicht verborgen geblieben und mit eindringlichem Blick, hauchte sie nur ein “Tawtute…” über ihre Lippen. Dabei hielt sie eine fleischige Frucht abwiegend in ihren schlanken Händen.
Wenn Fawn ihn so bezeichnete, bedeutete das immer ihre größte Missbilligung. Brian drängte sich unweigerlich der Gedanke auf, ob Fawn vielleicht so etwas wie Eifersucht empfinden konnte. Er beschloss sie bei passender Gelegenheit danach zu fragen. Es gab noch so vieles was er über das Zusammenleben der Ureinwohner nicht wusste. Fawn biss ein großes Stück des saftigen Fruchtfleisches heraus und reichte ihm dann mit auffordernder Geste die Frucht. Inzwischen vermied sie es, ihm das in ihren Augen äußerst schmackhafte Teylu anzubieten, nachdem sie seine Abscheu davor gesehen hatte. Die Atemmaske griffbereit vor sich ablegend, fing der Söldner an sie zu verzehren, wobei er immer wieder einen kurzen Atemzug aus der Maske nahm. Brian blickte sich kauend um. Fawns Bruder war in eine hitzige Diskussion mit anderen Jägern vertieft und schien alles um ihn herum vergessen zu haben. Unter Lachen und lauten Geplapper, zeigten sie sich gegenseitig ihre imposanten scharfen Dolche und der Söldner nahm an, das sie sich wohl über Beschaffenheit und Qualität unterhielten. Nachdenklich schweifte sein Blick zum wolkenlosen Himmel Pandoras hinauf. Kaum eine Handbreit über dem Horizont, standen die glühenden Sonnen und verstrahlten schon in diesem frühen Stadium des Tages eine unbarmherzige Hitze. Brian hatte die letzte Nacht erst spät in den Schlaf gefunden und derweil er immer wieder grübelnd wach lag, war in ihm ein Plan gereift.
Er verzehrte die Reste der unbekannten aber gut schmeckenden Frucht und nahm etwas Wasser aus seiner Feldflasche zu sich. Angenehm kühl rann die klare Flüssigkeit seine Kehle hinunter und erfrischte den Söldner zusehends. Derart gestärkt erhob sich Brian unter den verwunderten Blicken der ihn umgebenden Na’vi. Neugierig sah Fawn zu ihm auf und Saft lief über ihre Mundwinkel den sie geschickt mit den Fingern wegwischte.
“Was hast du vor, ma Brian?” Ihre Stimme klang immer noch irgendwie rau und unsicher. Brian war nicht entgangen wie die kleine Jägerin sich immer wieder besorgt umsah und alles daransetzte den gesamten Lagerplatz im Auge zu behalten. Das war nicht das lebenslustige Geschöpf, welches er kannte und der Söldner fragte sich zum wiederholten Male, was in den frühen Morgenstunden unten am Fluss wirklich vorgefallen sein mochte. Allerdings hütete er sich Fawn direkt danach zu fragen.
Eine Hand zu ihr ausstreckend, erwiderte Brian. “Komm mit mir, Fawn. Ich erzähle es dir unterwegs.”
Ihre formelle Geste ausführend, verabschiedete sich das Na’vi Mädchen von ihrem Bruder und Awaiei. Sofort rückte die hagere Na’vi wieder dicht an die Seite des imposanten Kriegers und warf Brian mehrere flüchtige Blicke zu, wobei sie unentwegt kicherte. “So ein… kleines Biest”, meinte Brian als sie sich etwas von der Feuerstelle entfernt hatten. Das Na’vi Mädchen dem Awaieis Verhalten nicht entgangen war, antwortete augenblicklich. “Kehe ma Brian. Ich denke sie mag dich… so wie mein Bruder und… wie… wie ich es tue.” Ohne zögern packte sie den verdutzten Söldner und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. “Genau so mag sie mich?” Brian bedachte die kleine Jägerin mit einem Grinsen, das an Frechheit nicht mehr zu überbieten war. Bevor er sich versah, erhielt er von Fawn einen Klaps auf den Kopf. “Du weißt genau wie ich es meine, ma Brian. Wohin gehen wir nun?” Brian verzog das Gesicht und seine Stirn wies mit einem mal, unzählige Falten auf.
“Ich möchte die Forschungsstation aufsuchen Fawn.”
Unglauben spiegelte sich in ihren Augen und Fawn musste mehrmals schlucken, bevor sie ein Wort hervor brachte.
“Ma Brian, was sollen wir dort? Hier ist alles was du benötigst.” Sie machte eine Geste mit der Hand die das gesamte Gebiet des Heimatbaumes mit einschloss. Brian zeigte auf seine abgetragenen und sichtlich in Mitleidenschaft gezogenen Sachen. “Ich könnte ein paar Kleidungsstücke gebrauchen und vielleicht finden wir mit etwas Glück auch noch Munition und andere Dinge.” Er deutete auf seine Waffe, die gut gesichert in seinem Halfter steckte. Fawn nahm ihren Bogen von der Schulter und hielt ihn mit beiden Händen entschlossen vor ihn. “Wir können hiermit jagen. Meine Pfeile sind schnell und tödlich. Deine Waffe brauchst du nicht mehr.” Brian seufzte auf, als er die Entschlossenheit in ihren Worten heraushörte, doch bevor er etwas erwidern konnte, fuhr sie fort.
“Meine sa’nok wird dir neue Kleidung weben, ma Brian. Ich werde sie danach fragen. Oder eine unserer anderen Frauen, wenn dir das lieber ist. Du siehst es gibt keinen Grund nochmals zu eurem Lager zurück zukehren.”
Brian holte nachdenklich geworden tief Luft. Die Sache Fawn zum mitkommen zu bewegen, gestaltete sich schwieriger, als er sich es anfangs vorgestellt hatte. “Fawn bitte… es gibt dort vielleicht noch Dinge, persönliche Sachen von mir, die ich holen möchte.”
Die kleine Jägerin sah ihn überlegend mit ihren hübschen gelben Augen an. “Warum bist du so sicher, das die Himmelsmenschen nicht alles mitgenommen haben, ma Brian?”
Brian atmete erleichtert auf und in ihm stieg die Hoffnung, das er sie doch noch überreden konnte ihn zu begleiten.
“Die Shuttles haben nur begrenzten Platz Fawn und der Aufbruch erfolgte in äußerste Hektik. Außer der kompletten Besatzung, war vermutlich nur noch Raum für die zahlreichen Pflanzenarten und vielleicht das restliche Unobtanium.
Ich denke… also hoffe, das dass meiste der Ausrüstung des Stützpunktes zurückblieb. Mit Sicherheit kann ich es allerdings nicht sagen, das stimmt.”
Ganz nah trat das Na’vi Mädchen an ihn heran. “Warum haben wir deine Ausrüstung nicht damals in eurem Lager mitgenommen, ma Brian?”
Brian antwortete nicht sofort und zuckte verlegen mit den Schultern.
“Pater Cunningham sagte immer zu mir, was ein Mann nicht im Kopf hat, das muss er in den Beinen haben.” Fawn sah ihn mit ausdruckslosen Gesicht an und erwiderte. “Dein Pater war ein kluger Mann, ma Brian.”
Für einen Augenblick überlegte der Söldner ob sich Fawn vielleicht über ihn lustig machte. Schließlich brachte er nur zerknirscht, ein “Na Toll” hervor und schabte grübelnd mit einem Fuß über den Waldboden.
“Wirst du mich nun begleiten Fawn?” Der Söldner stellte einen Mitleid erregenden Ausdruck zur Schau, worauf Fawn sich nur mühsam ein Lachen verkneifen konnte. “Wir sind vor Eywa vereint für das Leben, ma Brian. Ich komme mit dir.” Damit war für das Na’vi Mädchen alles gesagt und flink hängte sie sich ihren Jagdbogen wieder über die Schulter.
“Was sind das für persönliche Sachen die du suchst, ma Brian?”
Fawn konnte sich darunter nichts vorstellen, da ihr Besitz außer vielleicht ihrem Bogen den sie aus dem Holz des Heimatbaumes geschnitzt hatte, völlig unbekannt war. Sie teilte ohne zögern alles was sie besaß, jagte oder fand mit ihren Brüdern und Schwestern. “Das zeige ich dir, wenn wir die Basis erreicht haben, sofern noch alles an seinem Platz liegt.“
Verspielt streifte Brian eine herabhängende Haarsträhne aus ihrem Gesicht und befestigte sie hinter einem ihrer spitzen Ohren. Sanft berührte er dabei die zarte blau gemaserte Haut des Mädchens und Fawn schmiegte sich mit der Wange an seine Handfläche.
Innerlich erleichtert und zufrieden sah der Söldner sie aufmerksam an. “Das wäre also geklärt.” Fawn trippelte ein paar Schritte an ihm vorbei und rief belustigt. “Ich muss dich doch begleiten. Allein würdest du den Weg zu eurem Lager nie finden, ma Brian.” Noch etwas anderes hatte Fawn zu ihrem plötzlichen Sinneswandel bewogen. Die Aussicht mit ihrem Himmelsmenschen für ein paar Tage den Heimatbaum zu verlassen und Ikelu damit aus dem Weg zu gehen, war äußerst verlockend. Später so sagte sich die kleine Jägerin, konnte sie immer noch über ihr Problem und was sie unternehmen sollte nachdenken. Auch ihre eigene Familie würde sie vermutlich nicht vermissen. Iley hatte nur noch Augen für Awaiei und ihr sempul war wie so oft auf der Jagd. Fawn bedauerte das zutiefst, denn es war ihr größter Wunsch, ihm Brian einmal vorzustellen. Ihr kam der leise Verdacht, das ihr sempul vielleicht absichtlich den Geschehnissen im Lager aus dem Weg ging.
Gerade als sie sich vom Kelutral abwenden und sich dem Schutz des dichten Urwald anvertrauen wollten, erhob sich aufgeregtes Geschrei vom anderen Ende des kleinen Lagers.
Neugierig geworden eilten Brian und die kleine Jägerin den Kriegern entgegen welche den Platz betraten und scheinbar etwas in ihrer Mitte hielten, was ihre Kräfte aufs äußerste beanspruchte. Als sie näher kamen formte sich der dunkle Klumpen zu einem leblosen Körper, der überall mit eingetrockneten Blut bedeckt war. Vor einem der kleineren Feuer, legten die Ureinwohner sichtlich erschöpft, das reglose Bündel ab. Fawn hielt beide Hände vor ihr Gesicht und starrte fassungslos auf den toten Na’vi, der vor ihnen am Boden lag.
Voller Sorge legte Brian zärtlich eine Hand auf ihre Schulter. Der tote Ureinwohner sah schlimm zugerichtet aus und der von ihm ausgehende Gestank, verschlug Brian trotz seiner Maske fast den Atem. Der Na’vi musste schon eine Weile im Wald gelegen haben und der Verwesungsprozess war eingetreten. Anhand seines allgemeinen Zustandes ließ sich nur vermuten, was ihn so zugerichtet hatte. “Kanntest du den Jäger, Fawn?”
Langsam sanken ihre Hände herunter und mit großen traurigen Augen, in denen sich das blanke Entsetzen spiegelte sah Fawn ihn an. “Kehe…”. Mehr sagte sie nicht, doch es reichte Brian. Entschlossen packte er das verschreckte blaue Geschöpf und zog es ein Stück mit sich fort. “Lass uns aufbrechen Fawn. Du musst dir das nicht weiter ansehen. Wir können nichts mehr für ihn tun.”
Ihre Zustimmung andeutend folgte ihm die kleine Jägerin und schon bald ließen sie die aufgeregt durcheinander plappernden Stimmen hinter sich zurück. Gemeinsam tauchten sie ein in die geheimnisvolle Welt, die der dichte Urwald vor ihnen ausbreitete.

******

Ikelu hatte es vorgezogen dem gemeinschaftlichen Essen seiner Brüder und Schwestern fernzubleiben. Zu stark nagte die Wut und Verzweiflung immer noch in ihm. Etwas abseits vom Lager hatte er ein paar Larven gesammelt, die er nun lustlos verzehrte.
Nur langsam fand der junge Krieger dabei zu seiner inneren Ruhe zurück. Er hatte sich was die kleine Jägerin und ihre Zuneigung zu dem Himmelsmenschen betraf gehörig getäuscht. Unvergessen waren all die vielen Situationen in vergangener Zeit, als die junge Na’vi, ihnen bei ihren Übungen und Kräftemessen beigewohnt hatte. Wohl in der Hoffnung das einer seiner stolzen Brüder ihr Interesse erwidern und sie erwählen würde. Statt dessen hatten sie das kleine Geschöpf bei jeder sich bietenden Gelegenheit verspottet und sie mit Verachtung über ihre schmächtige Erscheinung gestraft. Als der Tag der Prüfung für Fawn kam und sie ihren Ikran erwählte sowie er sie, erfüllte ihre Ernennung zur vollwertigen Jägerin, ihn mit einer gewissen Verwunderung.
Insgeheim hatte er fest damit gerechnet das die kleine so zerbrechlich wirkende Na’vi scheitern würde. Ihr starker Wille und ihr erstaunliches Durchhaltevermögen, erfreuten den Krieger allerdings und zum ersten mal war er damals des Mädchens richtig gewahr geworden. Etwas wovor er sich hütete, es vor den anderen Kriegern des olo’eyktan zuzugeben. Seit dem Tage hatte die kleine Jägerin sein Interesse geweckt und Ikelu damit angefangen, Fawn zu beobachten. 
Inzwischen war Fawn merklich reifer geworden, wie sich Ikelu selbst eingestehen musste und aus dem kleinen schüchternen Mädchen, eine äußerst attraktive und selbstbewusste Jägerin geworden.
Alles hing wohl mit ihren bedeutungsvollen Erlebnissen in der Basis der Himmelsmenschen zusammen, die immer wieder Thema unzähliger Gespräche am Lagerfeuer waren.
Ikelus Hand verkrampfte sich bei dem Gedanken an die verhassten Himmelsmenschen um einen Stein und mit einem wütenden Aufschrei warf er ihn weit in den Fluss hinaus, wo er mit einem hörbaren Aufplatschen versank.
Es sprengte sein Begriffsvermögen bei weitem, das Fawn sich einem Sawtute hingeben und Gefühle für ihn empfinden konnte.
Aber noch etwas anderes bedrückte den jungen so unbeherrschten Krieger. Ikelu hatte gegen ein Gesetz seines Stammes verstoßen, auch wenn er sich nicht sicher war ob es im Falle des Tawtute überhaupt Bedeutung hatte.
Die Angst das die kleine Jägerin dem olo’eyktan sein Verhalten nahe bringen würde, lähmte ihn und beraubte ihn fast der Fähigkeit klar zu denken. Ikelu würde in Ungnade fallen und vielleicht nicht mehr zum Kreise der besten Krieger des Stammes Anführers zählen. Diese Vorstellung, wog für den jungen Na’vi weit schwerer als die Tatsache dass Fawn seine Zuneigung zurückgewiesen hatte. Er musste sein Verhalten versuchen wieder gut zu machen, koste es ihn was es wolle.
Missmutig gestimmt erhob sich Ikelu und trottete zum Lager zurück.

******

Ayur hatte den jungen Krieger nur ungern zum Kelutral zurück geschickt, jedoch erforderte die Situation in der sich die kleine Gruppe befand diese Handlungsweise. Minyu war wie ein Freund für ihn, ein Vertrauter und sehr gelehriger Schüler. Fawns sempul war sich sicher, das der junge Ureinwohner in naher Zukunft ein hervorragender Jäger werden würde. Eine große Schar Raubvögel mit doppelten Flügelpaaren, flog über sie mit lautstarken Schreien hinweg und Ayur sah ihnen wehmütig nach. Er versuchte wieder sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Der Stamm hatte im Kampf gegen die Himmelsmenschen, große Verluste erlitten und viele gute Krieger und Jäger waren zu Eywa gegangen. Wenn ihre Brüder und Schwestern nicht hungern sollten, musste ihre Jagd erfolgreich sein. Die Verantwortung gegenüber dem Stamm, lastete schwer auf den Schultern des reifen Kriegers. Ayur rief mit befehlsgewohnter rauer Stimme die Jäger zu sich welche weit ausgefächert standen, bereit den Rückzug ihres Bruders zu decken. Nachdem er zu der Ansicht kam das Minyu, genug Vorsprung hatte, dass die Nantangs keine Gefahr mehr für ihn darstellten, gab er den Anderen zu verstehen dass es an der Zeit war aufzubrechen. Sein Entschluss wurde freudig begrüßt und von der Notwendigkeit angetrieben, erfolgreich zu sein, nahmen die erfahrenen Krieger, die Spur ihrer Beute wieder auf.

******

Schnell wie ein Pfeil glitt das blauhäutige Geschöpf durch den Dschungel, von dem festen Willen beseelt, den rettenden Kelutral zu erreichen. Ungeachtet seiner schweren Bisswunde am Arm, schaffte es Minyu in der ersten Zeit gut voran zukommen. Geschickt wich der Na’vi Hindernissen aus, oder hangelte sich über gewaltige Wurzeln, die immer wieder seinen Weg kreuzten.
Sein fast schon athletisch anmutender Körper, wurde dabei zu Höchstleistungen angetrieben, doch Minyu wusste dass er diese Geschwindigkeit, nicht lange würde halten können. Vordringlich galt es jedoch, soviel wie möglich Abstand zwischen sich und die hungrigen Nantangs zu bringen, deren überaus hoch entwickelte Sinne, eine mögliche Beute schon in weiten Umkreis wittern konnten.
Als die Sonnen ihren Abstieg begannen und sich der nahende Abend ankündigte, erreichte der junge Na’vi eine Lichtung mit zahlreichen Sträuchern, von denen einige essbare Früchte trugen. Erschöpft aber zugleich erfreut über seinen Fund, ließ sich Minyu nieder um etwas auszuruhen. Hungrig pflückte er eine große schillernde Frucht und biss herzhaft hinein, wobei ihm der Saft über das Kinn lief. Nachdem das erste Hungergefühl überwunden war, meldete sich auch die Wunde an seinem Arm wieder und sandte Wellen des Schmerzes durch den ohnehin schon erschöpften Körper des Wesens. Minyu betrachte verstört die gefährliche Verletzung. Obwohl der Anführer der Jäger seine Wunde notdürftig behandelt hatte, wurde das Brennen darin immer schlimmer und Minyu hatte das Gefühl, sein Arm wäre in flüssiges Feuer getaucht wurden. Vorsichtig hob er eines der klebrigen Blätter an und schaute darunter. Das angetrocknete Blut um die Biss Stellen, hatte eine fast schwärzliche Farbe angenommen.
Nervös und zum Teil auch verängstig, sah sich der Jäger um, aber auf der Lichtung gab es nichts was den Anschein einer Gefahr erweckte. Der Ureinwohner ließ sich müde und am Ende seiner körperlichen Kräfte ins leuchtende Moos fallen. Minyu beschloss etwas auszuruhen bevor er weiter zum Heimatbaum zog und streckte sich auf dem weichen Untergrund aus. Bevor sich der junge Jäger versah, fielen ihm vor Erschöpfung die Augen zu und er wurde von der Müdigkeit übermannt.

******

Die Kreatur bewegte sich mit einer Geschicklichkeit durch den Dschungel, die niemand dem gewaltigen Körper zugetraut hätte.
Sie war auf der Suche, angetrieben von ihrem grenzenlosen Hass, doch nichts kam vor ihre Augen was ihren Jagdinstinkt befriedigt hätte. Fast als das Wesen schon beschloss zu ihrem Lager zurück zukehren, stieß sie auf eine Lichtung. Neben einigen Sträuchern mit leuchtenden Früchten, lag ein Ureinwohner völlig regungslos. Sofort beschleunigte sich die Atmung der Kreatur und Mordlust trat in ihre Augen. Langsam jegliches Geräusch vermeidend schlich sie sich an den schlafenden Na’vi heran.

******

Der Jäger blickte voller Entsetzen, in die kleinen dämonischen Augen, die ihn hasserfüllt anstarrten. Sein Gesichtsausdruck deutete dabei von völligem Unverständnis. Er hatte sich nur etwas ausruhen wollen, war jedoch unglücklicher weise in einen tiefen Schlaf gefallen. Das mörderische Brennen der Bisswunde und ein Geräusch in unmittelbarer Nähe hatten ihn aufgeschreckt. Doch bevor Minyu zu einer Erkenntnis über die wahre Herkunft seines Feindes kommen konnte, hauchte er schon sein Leben aus. Mit tödlichen Verletzungen blieb der Na’vi in einer sich rasch vergrößernden Blutlache, auf dem Waldboden liegen. Das wahnsinnige Flackern in den Augen der Kreatur war das einzige Anzeichen einer emotionalen Reaktion.
Mit dem Tod des Ureinwohners erlosch auch das Interesse des Wesens an ihm. Nur der unstillbare Hass loderte in ihrem Innern
und trieb sie weiter durch den undurchdringlichen Dschungel. In unregelmäßigen Abständen kehrte die Kreatur zu ihrem versteckten Schlafplatz zurück, um sich von ihrer mörderischen Jagd zu erholen. Auf einem ihrer Streifzüge kam sie in gefährliche Nähe des Lager der Ureinwohner… dem Kelutral.

******

Ihre Reise durch den dichten Urwald zur ehemaligen Basis der Himmelsmenschen, verlief wie schon so oft ohne besondere Vorkommnisse. Nach einer kurzen erholsamen Nachtruhe waren sie wieder aufgebrochen, bevor die Sonnen zu hoch standen und ihre Hitze verbreiteten, die Brian jedes Mal den Schweiß auf die Stirn trieb. Zu Beginn des Vormittags erreichten die beiden so verschiedenartigen Geschöpfe RC-33.

Konzentriert ihre Umgebung musternd, trippelten sie über den Beton des Rollfeldes, das sichtliche Spuren der vergangenen Kämpfe zeigte. Ruhig und verlassen lag das Basis-Gelände vor ihnen. Obwohl der Söldner keine unmittelbare Gefahr vermutete, sah er sich doch zu ein paar Instruktionen seiner bildhübschen Begleiterin gegenüber veranlasst.
Schließlich hatte Fawn mit ihrer übergroße Neugierde, schon öfters sich selbst und andere in beträchtliche Schwierigkeiten gebracht. Vor dem Gebäude der Kantine angekommen, hielt Brian sie zurück.
“Fawn… warte einen Moment. Bevor wir damit beginnen die Basis absuchen, möchte ich dich bitten vorsichtig zu sein. Du wirst sicherlich viele interessante Dinge dort vorfinden, die deine Neugierde wecken werden, aber manches davon kann sehr gefährlich sein. Also bleibe hinter mir und rühr am besten nichts an.”
Ihre glänzenden Reißzähne traten ein klein wenig hervor, als Fawn irritiert seiner Warnung lauschte. Deutlich sichtbar mit sich selbst und ihrer inneren Einstellung ringend, suchte sie nach einer Antwort. Doch nach einigem Zögern, kamen nur ein paar klägliche Worte über ihre Lippen. “Brian… ich werde vorsichtig sein und nichts ungefragt anfassen. Ich… verspreche es dir.” Fawn hasste sich selbst für ihre Aussage, aber ein Blick in seine Augen deutete an, das er keinen Widerspruch dulden würde. Dafür kannte sie Brian mittlerweile viel zu gut.

Brian öffnete ohne zögern die dickwandige Schleusentür und betrat dicht gefolgt von der kleinen Jägerin, das Innere der einstmaligen Kantine. In dem von diffusem Licht, welches durch das in Mitleidenschaft gezogene Panoramafenster fiel erhellten Raum, stand alles noch so wie die Besatzung es ehemals verlassen hatte. Nichts kündete davon, das hier nie wieder jemand zurückkehren und an den einfachen aber gemütlichen Tischen Platz nehmen würde.
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Offline Eichhörnchen

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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #2 on: October 29, 2011, 02:43:57 pm »
Mit einem kräftigen Ruck, drückte der Söldner den schweren metallischen Riegel nach oben, welcher in die Wand eingelassen war. Ein summendes Geräusch von sich gebend, sprang die zentrale Energieversorgung an und nahm ihren Dienst auf.
Fawn blickte sich wachsam und kampfbereit um, wobei sie Brian und die Schleuse nicht aus den Augen ließ. Als aber nichts weiter passierte, kehrte ihr Mut wieder zurück und neugierig begann Fawn, die für sie fremdartige Umgebung zu erkunden. Vorsichtig nahm der Söldner die Atemmaske des Exopacks ab und prüfte sorgsam die Luft. Sofort sprang die hübsche Jägerin, mit einem entsetzten Gesichtsausdruck an seine Seite. “Was machst du, ma Brian?”
Einen tiefen Atemzug nehmend, erwiderte er, “Sollte ich in ein paar Augenblicken umkippen, dann setz mir einfach die Maske wieder auf, Fawn.” Mit einer Hand stützte sich der Söldner an der Wand ab und atmete ruhig weiter, unterdessen das Na’vi Mädchen ihn mit ihren gelben Augen aufmerksam beobachtete. Brian rechnete nicht damit, das unmittelbare Gefahr bestand, denn er hatte ohne Atemprobleme klar sprechen können.
Nach weiteren bangen Momenten des Wartens, ließ er seine Schutzmaske achtlos an der Seite herabbaumeln und sah die kleine Jägerin lächelnd an.
“Siehst du Fawn, die Luft ist in Ordnung. Die Filteranlagen versehen nach wie vor ihren Dienst.” Zufrieden ging der Söldner an der verblüfften Jägerin vorbei und begann sich umzusehen. Auch Fawn setzte ihre Erkundung nun fort, wobei sie sich anfangs immer wieder nach ihrem Himmelsmenschen umblickte.
Langsam schritt Brian die Reihen der Tische ab und warf gelegentlich eine genaueren Blick auf die teilweise achtlos liegen gelassenen Ausrüstungsgegenstände, des verschwundenen Basispersonals. Seine Gedanken kehrten zu dem Moment zurück, als das Raumschiff am Himmel verschwand und eine Zeitlang fragte er sich was sein Kampfgenosse Jenkins wohl in diesem Augenblick gerade tat. Brian kam an der hintersten Reihe Tische entlang und gerade als er seinen gelangweilten Blick abwenden wollte, zuckte der Söldner abrupt zusammen. “Was…”, rief er erregt aus und sah auf einen benutzten Teller herab, auf dem sich die Reste einer wohl äußerst hastig verspeisten Mahlzeit verteilten. Fawn von seinem überraschten Aufschrei herbeigerufen, blickte abwechselnd zu Brian und auf den Tisch. “Was hast du ma Brian… ist etwas nicht in Ordnung?”
Ein merkwürdiges Gefühl begann sich in Brians Magengrube zu bilden, doch er wollte das junge Mädchen nicht unnötig ängstigen. “Es ist nichts Fawn. Vermutlich hat das Kantinen personal diesen Tisch vergessen zu säubern, bevor sie aufgebrochen sind.” Brian überlegte fieberhaft, warum jemand einen Teller übersehen sollte, wo um ihn herum die gesamte Kantine aufgeräumt war. Doch er kam einfach zu keinem befriedigenden Ergebnis. Vermutlich hatte Fawn recht und er machte sich wieder einmal zu viele unnötige Sorgen.
Die kleine Jägerin, hatte derweil an einem der Tische Platz genommen. Mit einem unglücklichen Ausdruck rutschte sie mit ihrem Hinterteil, auf der kreisrunden Fläche des Stuhles hin und her. “Wie könnt ihr darauf nur sitzen, ma Brian?”
Einen letzten fragenden Blick auf die Überreste der vor ihm liegenden Mahlzeit werfend, wandte sich Brian dem blauen Geschöpf zu und grinste über das ganze Gesicht. “Unsere Einrichtung ist nun mal nicht für…”, er kratzte sich überlegend an der Nase, “… also für so große Wesen gedacht.” Fawn ignorierte seine Bemerkung und begann neugierig das herum liegende Plastik Geschirr zu untersuchen. Vorsichtig fuhr die Jägerin erst mit den Fingern über das fremdartige Material und schnüffelte daran. Schließlich leckte das Mädchen beherzt mit ihrer Zunge darüber, doch das Plastik entzog sich zu ihrer Enttäuschung jeder Form der Untersuchung und gab nichts von seinen Geheimnissen Preis. Auch die vielen anderen Gegenstände auf dem länglichen Tisch, widersetzen sich äußerst erfolgreich ihrer unglaublichen Neugierde.
Zu gerne hätte sie darauf gebissen um vielleicht noch etwas herauszufinden. Doch ein Blick in Brians sie interessiert musternde Augen zeigte ihr deutlich, dass sie es besser lassen sollte. Wenn Fawn etwas abgrundtief hasste, dann dass er sie für ein Kind hielt.
“Soviel zum Thema, ich fasse auch ganz bestimmt nichts an”, bemerkte der Söldner grinsend.
Das Mädchen seufzte kaum merklich auf und schob die Gegenstände, scheinbar völlig desinteressiert zur Seite. Es kribbelte Fawn in den Fingerspitzen und kostete sie große Überwindung, den lustigen Dingen der Himmelsmenschen keine weitere Aufmerksamkeit zu schenken.
“Komm mit mir”, sagte Brian mit auffordernden Tonfall und steuerte direkt auf einen kleinen Raum zu, der an die Küche der Kantine angrenzte. Fawn erhob sich und folgte ihm, wobei sie immer wieder sehnsüchtig auf die vielen für sie völlig neuen und überaus farbenfrohen Gegenstände blickte, die überall auf den Tischen und Regalen standen.
Brians suchende Finger fanden den kleinen Schalter und mit einem Klacken wurde die Kammer von hellem Kunstlicht durchflutet. Geblendet hielt sich Fawn eine Hand vor ihre Augen, bis diese sich an das neue und seltsame Licht gewöhnt hatten. Ordentlich aufgereiht lagen die unterschiedlichsten Dinge auf ungewöhnlich sauberen Regalbrettern. Vor sich hin summend, suchte der Söldner nach verwendbarer Ausrüstung. Ein paar Konzentratriegel fielen Brian in die Hände und wanderten augenblicklich in die Taschen seiner Weste. Es folgten weitere teils konservierte Nahrungsmittel, die seine Aufmerksamkeit erregten und eine Abwechslung in der bisherigen Ernährung des Söldners versprachen. Sorgsam packte Brian alles in seinen mitgeführten Rucksack. Eine fast schon kindliche Freude leuchtete in den stahlfarbenen Augen des Soldaten, als er seine Beute betrachtete. Brian überlegte wie verzweifelt wohl die Situation auf der Erde mittlerweile sein musste, wenn das Oberkommando sich entschloss eine ganze Basis einfach aufzugeben. In einigen Behältnissen entdeckte er eingetrocknetes oder verdorbenes Gemüse und angewidert verzog Brian das Gesicht.
Als er nichts mehr von Interesse fand, beendete der Söldner die Erkundung und zog Fawn mit sich hinaus.
Die kleine Jägerin sah ihn neugierig und fragend an. “Was machen wir nun, ma Brian?” Auf die Schleusentür der Kantine zuschreitend, meinte er grinsend, “…nun erkunden wir die anderen Gebäude.”

******

Iley sah seine muntxate sichtlich nervös an, während sein Herz vor Aufregung fast zu schlagen aufhörte. Der junge Krieger und Awaiei teilten seit einiger Zeit ein Geheimnis, das sie ansonsten noch keinem ihrer Brüder und Schwestern offenbart hatten. Dabei vermittelte die hagere Na’vi immer noch ein schwächliches Erscheinungsbild und ließ niemanden vermuten, dass sie ein Kind in sich trug.
“Du musst dich schonen ma Awaiei“, sagte Iley mit leichtem Vorwurf, während aufrichtige Besorgnis in seiner Stimme mitschwang. Awaiei fing an zu kichern und bedachte Iley mit einem liebevollen Blick aus ihren hübschen Augen. “Ma Iley… mir fehlt nichts. Bitte Sorge dich nicht um mich. Es bleibt noch viel Zeit.” Gedankenverloren, strich die junge Na’vi sanft mit den Fingern über ihren flachen Bauch. Iley wirkte verunsichert und zum ersten mal in seinem Dasein als Krieger, fühlte er sich völlig hilflos und wusste nicht wie er sich verhalten sollte. “Bist du dir sicher dass es so ist?” Aufreizend verzog Awaiei ihren Mund zu einem Lächeln und nahm seine Hände in die ihren. “Ma Iley… ich weiß es, vertrau mir.” Vorsichtig drückte der mächtige Krieger seine breite Nase ganz dicht an ihre. Bei seiner Berührung stöhnte die Frau leicht auf und schloss genießerisch die Augen. Geschickt griff der Krieger nach ihrem Zopf und verband ihn mit seinem, um das Band mit Awaiei auszuführen. Im gleichen Augenblick begannen die erfreulichen Empfindungen des Mädchens, seinen Geist zu füllen. Iley legte einen Arm um sie und zog Awaiei fest an sich heran, während er mit der anderen Hand anfing sie zu streicheln. Dabei berührten  seine Finger auch zärtlich ihre Narbe, die sich zwischen ihren Brüsten, hinunter zum Bauchnabel und über ihren Unterleib zog. Immer heftiger und von Leidenschaft geprägt wurde das Stöhnen der Na’vi als Iley sie überall dort berührte, wo sie es besonders mochte. Keuchend kamen ihre Worte hervor, während sie mit dem Krieger zusammen auf das weiche Moos sank. “Hast du es… deiner sa’nok schon gesagt?” Iley verneinte. Er würde mit Eyaye sprechen, wenn die Zeit dafür gekommen war. Awaiei spürte seine Unentschlossenheit, erwiderte aber nichts. Zu sehr erregten die nun völlig zügellose Na’vi seine Zärtlichkeiten. Auch Iley verdrängte überglücklich alles um ihn herum und gab sich ganz ihrem Liebesspiel hin.

******

Nachdem Brian immer dicht gefolgt von der kleinen Jägerin, mehrere Lagerhallen und das Labor ohne nennenswerte Ergebnisse abgesucht hatte, machten sie sich nun an die Erkundung der Mannschaftsunterkünfte.
Im Innern der Baracke deren unpersönliche Einrichtung einen höchstens spröden Charme versprühte, sah sich die kleine Jägerin aufmerksam um. Immer noch schien die Luft in dem Raum von den Ausdünstungen der zahlreichen Marines geprägt zu sein, die hier vor langer Zeit geschlafen hatten. Obwohl die Ventilationsanlagen wieder anliefen roch es abgestanden, doch Fawn schien davon keine Notiz zu nehmen. Behutsam setzte sie sich prüfend auf eines der zahlreichen Feldbetten, während Brian sein ehemaliges Ausrüstungsfach inspizierte.
“Das sind eure Hängematten?” Das Mädchen, zog an einem Ende des Lakens und ließ den seltsamen Stoff durch ihre Finger gleiten. Brian nahm verschiedene persönliche Dinge an sich, ließ die metallische Schranktür scheppernd zufallen und setzte sich neben das blaue Geschöpf. “Sie sind nicht sehr bequem Fawn, aber sie erfüllen ihren Zweck.” Fawn ließ den Stoff wieder los und blickte neugierig auf die Sachen, welche der Söldner in seinen Händen hielt. Er bemerkte ihr Interesse, legte ein paar der Gegenstände neben sich und reichte der kleinen Jägerin einige Aufnahmen, die vom Alter schon deutliche Spuren davongetragen hatten. Die Atmung des Mädchens wurde schneller, als sie mit einem fragenden Ausdruck in ihren Augen auf die Fotos deutete. “Bist du das, ma Brian und wie kommst du darauf?” Verwundert drehte sie die Bilder hin und her, verstand aber nicht wie sie ihren geliebten Himmelsmenschen darstellen konnten. “Können sie mich auch zeigen?” Amüsiert streichelte Brian über ihre Hand und deutete auf ein Bild, das ihn vor dem alten Haus seiner Familie in Detroit abbildete. “Ja Fawn, das bin ich, allerdings in jungen Jahren und ich muss dich enttäuschen. Die Bilder können dich nicht… zeigen…”. Brian versuchte die richtigen Worte zu finden, um es ihr verständlich zu machen. Ihm war bewusst, das dass Na’vi Mädchen vermutlich zum ersten mal in seinem Leben eine Fotographie sah. Aufgeregt strich Fawn mit ihren Fingern über die Bilder und gab dabei ein geflüstertes “ayverrtep” von sich.
“Nein das sind keine Dämonen Fawn”, erwiderte Brian kopfschüttelnd, “nur schlichte Aufnahmen. Sie zeigen die Vergangenheit.” Im gleichen Augenblick hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Seine letzte Äußerung musste für die kleine Na’vi noch viel unverständlicher klingen.
Sie schien seine Bemerkung jedoch zu ignorieren und versank vollkommen in die Betrachtung der in ihrer Hand liegenden Aufnahmen.
Auf einer davon blieb ihr Blick besonders lange hängen und Brian sah sich zu einer Erklärung veranlasst. “Das ist… war… meine Mutter Fawn,… meine sa’nok.” Bei dem Gedanken an seine verstorbene Mutter, machte sich ein schaler Geschmack in seinem Mund breit und der Söldner fühlte wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Lächelnd gab ihm Fawn die Fotos wieder zurück. “Deine Sa’nu war eine schöne Frau. Du vermisst sie bestimmt sehr, ma Brian.” Der Söldner erwiderte nichts darauf und packte die verblichenen Aufnahmen mit den anderen Habseligkeiten zusammen und steckte sie in seine Weste. Eine Weile saßen sie so schweigend nebeneinander bis das Mädchen zu ihm sagte. “Wir sind wie Blätter im Wind, ma Brian. Nur Eywa allein weiß wohin es uns treibt.” Bei ihrer Formulierung musste Brian unwillkürlich lächeln und ein verschmitzter Ausdruck erschien auf dem Gesicht des Söldners. Brian stand auf und legte eine Mattratze des Nachbarbettes auf den sauberen jedoch fühlbar kalten Belag des Steinfußbodens, während Fawn ihm interessiert dabei zusah. In rascher Folge kamen weitere hinzu und zum Abschluss warf der Soldat einige Laken achtlos auf die neu erschaffene Spielwiese.
Fragend sah ihn die kleine Jägerin an. “Wollen wir nicht zurückgehen? Hier gefällt es mir nicht.” Das Mädchen wirkte sichtlich bedrückt, als es ihre Blicke durch den sterilen Raum wandern ließ.
Der Söldner grinste nur als Antwort, schnallte den Behälter des Exopacks von seinem Rücken und kurz darauf flogen Weste und Hemd in eine Ecke. “Nachher Fawn. Ich kann hier endlich ohne die verdammte Maske atmen. So eine Gelegenheit sollten wir nicht ungenutzt verstreichen lassen.”
Fawn quiekte vor Überraschung auf, als ihr bewusst wurde was er vorhatte. Doch schnell hatte sie sich auf die neue Situation eingestellt und schenkte Brian einen verführerischen Augenaufschlag, der von einem frechen Grinsen begleitet wurde.
Äußerst flink folgte das junge Na’vi Mädchen seinem Beispiel und legte ihre Waffen ab. Dann entledigte sie sich ohne zögern des Federschmuckes der ihre knospenden Brüste bedeckte und begann die Verknüpfung an ihrem Lendenschurz zu lösen.
Fast lautlos glitt das fein gewebte Tuch an ihren schlanken Fesseln zu Boden.
“Mir gefällt was ich sehe”, sagte der Söldner anerkennend und ließ dabei seinen Blick über ihren atemberaubenden nackten Körper wandern. Die Ohren der kleinen Jägerin zuckten aufgeregt, als sie mit sanfter Stimme erwiderte, “…mir auch, ma Brian.”
Brian zog das  junge Na’vi Mädchen an sich heran, während sein Herzschlag immer rasender vor Erregung wurde. Auch Fawn lief ein wohliger Schauer den Rücken hinunter, als der Söldner damit begann sie zu streicheln. Sanft presste die Jägerin ihre weichen Lippen auf die seinen und küsste ihn leidenschaftlich, wobei sie ihren Himmelsmenschen eng umschlungen hielt. Ihr mit Bändern geschmückter Schwanz strich dabei verspielt an einem ihrer langen Beine entlang. Fawn begeisterte es zusehends, das Brian nicht seine Atemmaske benötigte. Immer heftiger wurde ihr Herzschlag, in dem maße wie ihre Leidenschaft stieg und sie vermeinte es in ihrer Brust schlagen zu hören.
Für den Söldner gab es nun kein Halten mehr und spielerisch begann seine Zunge den Mund der kleinen Jägerin zu erforschen. Von seiner Wildheit überrascht, löste sich Fawn kichernd von ihm und bedachte ihn mit einem gespielt schüchternen Blick aus ihren großen leuchtenden Augen. “Brian… ich… habe so etwas noch nie vorher getan.” Das Na’vi Mädchen sah ihn mit einer Mischung aus Neugier, Erregung und Verunsicherung an. “Na das hoffe ich doch”, erwiderte der Söldner grinsend und rang ihr einen weiteren Kuss ab. Auch für ihn war es eine neue aufregende Erfahrung. Endlich befreit von der Last des Exopacks und der Atemmaske, konnte er Dinge tun, die früher undenkbar gewesen wären. Brian faszinierte es den fremdartigen und äußerst exotischen Geruch ihrer Haut in sich aufzunehmen.
Langsam sank das Na’vi Mädchen auf die Knie und zog den Söldner eng umschlungen, sanft mit sich herab. Genießerisch ließ sie zu, das er ihren Körper mit Küssen bedeckte. Als Brian mit seinen Liebkosungen tiefer ging, nachdem er sich zuvor ihren Bauchnabel ausgiebig gewidmet hatte, quietschte die junge Na’vi vergnügt auf. Völlig ruhig ließ sich Fawn auf ihren Rücken fallen und mit einem entspannten Seufzen setzte Brian sich auf sie, während er damit fortfuhr sie zu streicheln.
Das Mädchen fing wieder an zu kichern. “Deine Hände sind wirklich überall, ma Brian.”
Fawn spürte ihren Himmelsmenschen mit jeder Faser ihres Körpers und obwohl sie es sonst immer mit Freude erfüllte, schaffte sie es diesmal einfach nicht richtig loslassen. Eine Weile lag sie einfach nur da und versuchte seine Zärtlichkeiten zu erwidern, doch es wollte sich einfach kein Glücksgefühl einstellen. Irgendetwas war anders als sonst, aber ihr kam nicht in den Sinn was es war. Vielleicht war es die für sie so ungewohnte und fremdartige Umgebung. Schließlich war es das erste mal, das sie sich mit Brian in einem Gebäude der Himmelsmenschen vereinigte. Verärgert über sich selbst schnalzte Fawn mit der Zunge und versuchte sich zu entspannen. Fawn hörte die heftige Atmung ihres Himmelsmenschen und fühlte das Gewicht seines muskulösen Körpers auf sich. Sein Gewicht… siedendheiß fiel der kleinen Jägerin ein, was hier nicht stimmte. Ihre Gedanken kehrten zum Fluss zurück, als Ikelu sie so sehr bedrängt hatte. Sein markantes Gesicht schob sich vor ihr geistiges Auge und begann jegliche Leidenschaft zu verdrängen. Ohne das sie es verhindern konnte, stieß sie ein gequältes “ke…” heraus. Brian bemerkte es in seiner Erregung nicht und machte auch sonst keine Anstalten inne zuhalten. Die kleine Jägerin versuchte alle äußeren Einflüsse beiseite zu schieben und konzentrierte sich nur auf den Söldner. Doch es gelang ihr nicht. Immer wieder tauchte das Antlitz des Kriegers vor ihr auf und schien sie höhnisch anzulächeln. Fawn hatte das Gefühl sie müsse ersticken, als die bösartigen Erlebnisse sie wie eine Welle überfluteten. In einem einzigen lauten Angstschrei, manifestierte sich in diesem Moment all ihre Ablehnung. “Kehe… ma Brian. Kehe!”
Brian starrte verwundert in das ängstliche Gesicht der jungen Na’vi, als ihre Schreie an sein Ohr drangen. Nur zögerlich löste er sich von Fawn und setzte sich auf den Boden.
Das Mädchen zog sich sofort von ihm zurück und lehnte sich keuchend gegen die kalte Metallwand des Gebäudes, wovon sie in ihrem Zustand keine Notiz nahm. “Möchtest du mir nicht endlich einmal sagen, was in letzter Zeit mit dir los ist Fawn?” Brian sah sie desillusioniert an und als keine Reaktion erfolgte griff er nach seinen Sachen und begann sich wieder anzukleiden. Nachdenklich ging der Söldner zu der am Boden kauernden Gestalt des Mädchens und kniete sich behutsam neben sie. Brian hörte ihr leises Schluchzen und so wartete er wortlos in seine eigenen Gedanken versunken ab, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Nach einiger Zeit nahm Fawn ihre Hände vom Gesicht und blickte Brian mit Tränen verquollenen großen Augen an. Sie schämte sich, das sie ihm die erste Gelegenheit, völlig unbefangen mit ihr zusammen zu sein zunichte gemacht hatte. Fawn hasste sich und noch bedeutend mehr Ikelu… allein bei dem Gedanken an den Krieger, wurde sie von unbändiger Wut erfasst. “Ich kann nicht darüber reden. Gib mir bitte mehr Zeit, ma Brian.” Ihre Worte waren so flehentlich ausgesprochen, das es ihm die Sprache verschlug. Brian nickte der kleinen Jägerin zu und strich sanft über ihre spitzen Ohren, wovon er wusste das ihr das jedes Mal gefiel. Im Schlafsaal der Baracke war nur das eintönige Summen der Ventilatoren und Filteranlagen zu vernehmen.
Der Söldner griff hinter sich und reichte Fawn ihren Federschmuck und den Lendenschurz.
“Zieh dich an Fawn. Es ist das beste wenn wir bald wieder aufbrechen. Ich versuche noch etwas Munition und vielleicht eine andere Waffe zu finden.” Ihre schlanken Finger griffen nach dem fein gewebten Stoff ihrer Bekleidung und das Mädchen richtete sich von Unsicherheit gezeichnet auf. “Srane, ma Brian.” In Fawns Kopf rauschte es und sie hatte das Gefühl er müsse zerspringen.
Ungeschickter als sonst band sie sich diesmal ihren Lendenschurz um und mehrfach war Brian versucht ihr zu helfen. Brian sammelte die auf seiner Schlafstatt liegenden Fotos und anderen Dinge ein und packte alles in seine Taschen.
Aufmunternd lächelte er die kleine Jägerin an. “Lass uns noch rasch die restlichen Gebäude durchsuchen Fawn. Danach können wir zum Kelutral zurückkehren.” Draußen vor der Schleusentür, empfing sie die anbrechende Dämmerung. Einen Augenblick überlegte Brian ob sie nicht vielleicht die bevorstehende Nacht in der Baracke verbringen sollten. Doch wollte er Fawn in ihrem jetzigen Zustand einen längeren Aufenthalt in der für sie völlig fremdartigen Umgebung nicht zumuten. Erwartungsvoll blickte ihn das Na’vi Mädchen an und Brian deutete auf das nahe Munitionsdepot. Es war eines der wenigen Gebäude welches sie noch nicht näher in Augenschein genommen hatten und der Söldner hoffte dort noch etwas Brauchbares zu entdecken.
Von neuen Tatendrang erfüllt, stapfte Brian auf das vor ihnen liegende Schott der Waffenkammer zu. Fawn blieb mit sanften trippelnden Schritten an seiner Seite. Ein flüchtiger Blick genügte Brian um zu erkennen dass sie irgend etwas bedrückte. Nichts war von ihrer Wachsamkeit oder brennenden Neugierde zu spüren, die sie sonst immer vorantrieb und zur Schau stellte.
Mühsam versuchte Brian die Verriegelung aufzuheben, eine Tätigkeit die selbst dem starken Söldner einiges abverlangte. Schließlich gaben die Sicherungsbolzen klackend nach und mit einem metallisch klingenden Geräusch, öffnete sich die mächtige Schleuse. Nachdem die Energieversorgung angesprungen war und den Raum in helles Licht tauchte, machte sich Brian an die Arbeit. Fawn schaute kurz in den weitläufigen Gang der zur eigentlichen Waffenkammer führte, dann schüttelte sie den Kopf und verschwand wieder nach draußen. Innerhalb kürzester Zeit hatte der erfahrene Soldat sich für eine Waffe entschieden. Eines brandneue Shotgun mit eingebautem Granatwerfer. Mit dem Kolben eines Gewehres welche an den Wänden ordentlich in den zahlreichen Halterungen hingen, hieb Brian nacheinander die Verschlüsse mehrerer Munitionsschränke auf. Sichtlich erfreut über das reichliche Angebot, traf der Söldner seine Wahl. Als er schwer bepackt wieder ins Freie trat, wurde er von fast undurchdringlicher Finsternis empfangen. Fast unbemerkt während seiner Suche, war die Nacht hereingebrochen und nur der mit unzähligen Sternen übersäte Himmel erhellte die Dunkelheit. Vor sich erblickte er die leuchtenden Augen der kleinen Jägerin.
“Wir können zum Kelutral zurückkehren Fawn. Ich habe alles gefunden was ich benötige.” Erleichterung zeigte sich im Antlitz des Mädchens. “Gut ma Brian, folge mir. Bis zum Bach sollten wir es schaffen. Dort werden wir ausruhen und den neuen Tag erwarten.” Brian nickte ihr aufmunternd zu und zusammen verschwanden sie im Dunkel der Nacht.

******

Der Tag erwachte mit der selben Geräuschvielfalt zu neuem Leben, die Brian nun schon so oft erlebt hatte, seitdem er dem Lager der Himmelsmenschen damals den Rücken gekehrt hatte. Fawn und er hatten seinem Chronometer nach, in tiefster Nacht den kleinen kaum Wasser führenden Bach gefunden. Doch es hatte gereicht um ihren Durst zu stillen und der Söldner hatte vorsorglich seine Feldflasche wieder mit der belebenden Flüssigkeit aufgefüllt. Müde von der Reise hatten sich beide auf das leuchtende Moos niedergelegt und Fawn war schon bald erschöpft eingeschlafen. Der Söldner hatte noch eine Weile seinen Gedanken nachgehangen und in die sie umgebende Dunkelheit gelauscht, bevor auch er sich schlafen legte. Mit Anbruch des neuen Tages, zogen sie ungewöhnlich schweigsam weiter. Brian wusste nicht wie er Fawn sagen sollte, was ihn bedrückte und er vermutete dass es dem Mädchen ähnlich erging.
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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #3 on: October 29, 2011, 02:45:33 pm »
Wenn Fawn die Zeit für gekommen hielt würde sie sich ihm schon anvertrauen, soviel wusste er mit Sicherheit. Während die farbenfrohen Bälle der Sonnen immer höher stiegen, kämpften sie sich durch das unwegsame Gelände. Brian schätzte so geschickt wie das Mädchen ihn führte, dass sie den Kelutral, wenn die Sonnen am höchsten standen erreichen würden. Stunden vergingen in denen sie ohne ein Wort miteinander zu wechseln, durch den Urwald schritten.
Als sich der gewaltige Kelutral schließlich vor ihnen erhob, war Brian noch nie so dankbar gewesen ihn zu erblicken. Vielleicht lag es daran, das er sich den mittlerweile den Weg eingeprägt hatte und kannte. Aber es kam dem Söldner so vor als ob sie dieses mal schneller unterwegs gewesen wären. Hoffnungsvoll betrat er die große Lichtung mit dem zentralen Feuerplatz, dicht gefolgt von dem Na’vi Mädchen. Egal was der Tag noch bringen sollte, Brian beschloss völlig erschöpft fürs erste nur sich auszuruhen.

******

An diesem Nachmittag brachten Krieger die zweite Leiche eines toten Jägers zum Kelutral. Fassungslos versammelten sich die Ureinwohner um den völlig entstellten Körper ihres Bruders. Auch Brian und die kleine Jägerin befanden sich unter ihnen. Deutlich sichtbar war für alle Anwesenden die schwere Bisswunde am Arm des Na’vi. So kam die Schamanin nach kurzer Untersuchung zu dem für niemanden wirklich überraschenden Ergebnis, dass der Jäger ein Opfer herumstreunender Wölfe geworden war. Die zahlreichen anderen Verletzungen blieben unbeachtet und wurden dem heftigen Todeskampf des Ureinwohners zugeschrieben. Fawn wirkte zutiefst erschüttert, als sie in das von zahlreichen Kampfspuren gezeichnete Gesicht des Na’vi blickte. “Minyu… das ist Minyu, ma Brian.” Mit einem Aufschluchzen sank das junge Mädchen vor der Leiche auf ihre Knie. “Du kennst den Jäger Fawn?” Der Söldner starrte verblüfft auf den Toten herab. Dabei fiel ihm eine Einzelheit auf, die ihn ziemlich nachdenklich stimmte, aber er schwieg vorerst.
“Minyu war einer der Begleiter meines sempul, ma Brian.” Fawn strich sanft ein paar Haare aus der Stirn des Jägers und erhob sich seufzend.
“Warum hat er versucht allein zurück zukommen und wo ist mein Vater? Ob ihnen etwas zugestoßen ist?” Die kleine Jägerin sah ihn Hilfe suchend an und ihr trauriger Blick berührte Brian zutiefst.
Kopfschüttelnd nahm er das blaue Geschöpf in seine Arme. “Ich kann es dir nicht beantworten Fawn. Vielleicht wissen die anderen Jäger mehr. Wir sollten sie fragen.”
Fawn wendete sich an ihre Brüder und Schwestern, welche Minyu gefunden hatten und das Na’vi Mädchen erfuhr den genauen Ort. Über ihren sempul und seine anderen Begleiter vermochten die Jäger hingegen nichts zu berichten. Nervös und traurig zugleich kehrte die kleine Jägerin an Brians Seite zurück.
Mittlerweile waren die Sonnen unter den Horizont gesunken und schnell breitete sich zwischen den dichten Pflanzen und Stämmen des sie umgebenen Urwaldes Dunkelheit aus. In der Mitte des Lagers flackerten bereits die Flammen des großen Feuers dem sich verfinsternden Himmel entgegen. Fawn führte den Söldner trübsinnig an die Feuerstelle um mit ihm am gemeinsamen Essen teilzunehmen. Brian verspürte ebenso wie die kleine Jägerin, nach dem grausigen Fund überhaupt kein
Hungergefühl. Trotzdem folgte er ihr und zusammen nahmen sie zwischen den zahlreichen aufgeregt plappernden Ureinwohnern Platz. Auch im Verlaufe der Mahlzeit, wollte sich ihr bedrückender Gemütszustand nicht bessern. Keiner der beiden verspürte rechte Lust an irgendwelcher Gesellschaft und so nahmen sie still und in seltsamer Hast ihr Essen zu sich.

Etwas später saß der Söldner gesättigt auf dem Moos bewachsenen Boden ihres Schlafplatzes und Fawn kuschelte sich erschöpft und schläfrig an ihn. Nachdenklich strich Brian durch ihr dichtes Haar und das Mädchen stieß genießerische Laute aus. Sichtlich erleichtert nahm er dabei zur Kenntnis das sie seine Zärtlichkeiten nicht mehr ablehnte. “Es waren keine Wölfe Fawn.” Wie ein Schwert hingen seine Worte drohend in der Luft und erschrocken richtete die kleine Jägerin sich auf. “Wie meinst du das ma Brian?”
Mit ernstem Gesichtsausdruck blickte er ihr tief in die leuchtend gelben Augen. “Minyu hatte eine seltsame Verletzung an seiner Wange. Ich bin mir völlig sicher, das diese blutunterlaufenden Flecken auf seinem Gesicht, von einer Waffe stammen. Genauer gesagt, würde ich vermuten, er wurde erschlagen.”
Fawn rückte so nah an ihn heran, dass ihre breite Nasenspitze fast seine Schutzmaske berührte. “Keiner meiner Brüder und Schwestern würde so etwas schreckliches tun.” Das Mädchen trug ihre langen Haare offen und so schaffte es der laue Nachtwind, sie verspielt hin und her zu bewegen.
“Nein einer eurer Krieger nicht aber... wo wurde der Jäger von den anderen gefunden?” Ungläubig sah sie ihm in die Augen. “Bei den Himmelsmenschen… in Richtung eures Lagers. Du glaubst es war ein Tawtute, ma Brian?” Schweigend richtete der Söldner sich auf und schloss nachdenklich die Augen. Er war sich nicht sicher, aber zumindest bestand diese Möglichkeit und durfte nicht außer Acht gelassen werden. Brian kam der seltsame Fund in der Basis-Kantine zu Bewusstsein und so ergab sein anfänglicher Verdacht einen Sinn. Als er seine Augen wieder öffnete, stand Fawn vor ihm. “Ich werde es bei Tagesanbruch meinem smukan sagen, ma Brian. Er wird sich mit dem olo’eyktan und den anderen Kriegern besprechen.” Brian nickte ihr zu und sah auf sein Chronometer. “Schon spät… wir sollten uns noch etwas ausruhen Fawn.” Dabei dachte er an den Kräfte zehrenden Rückweg von der Basis, den sie hinter sich hatten.
Brian legte alle unnötige Ausrüstung ab und machte es sich im tiefen Gras ihres Schlafplatzes bequem. Auch die junge Na’vi zeigte deutliche Anzeichen von Erschöpfung und schmiegte sich erneut mit ihrem warmen und weichen Körper dicht an ihn. Um sie herum herrschte fast vollkommene Stille und der Söldner nahm an, das die meisten Na’vi vermutlich schon längst schliefen.
“Was ist am Fluss passiert Fawn? Bitte… ich muss es wissen.”
Die kleine Jägerin schluckte hörbar und erwiderte nach einigem zögern mit sanfter Stimme “Siltsan, ma Brian.” Fawn stützte sich auf einem Ellenbogen ab und sah direkt in sein erwartungsvolles Gesicht. In kurzen und einfachen Sätzen, wie es ihrer Art entsprach beschrieb das Na’vi Mädchen ihre schrecklichen Erlebnisse.
Als sie endete schimmerten ihre Augenwinkel feucht, im Licht des fast niedergebrannten Feuers. “Kann ich Verzeihung haben, ma Brian?” Völlig ruhig nahm Brian ihr Gesicht zwischen seine Hände und strich vorsichtig eine Träne weg. “Es gibt nichts, wofür du dich entschuldigen müsstest Fawn.” Entschieden verneinte das Mädchen mit fauchiger Stimme und richtete sich neben ihm auf. “Ich hätte es dir schon früher sagen müssen.”
Als Antwort nahm der Söldner seine Atemmaske ab und gab dem überraschten Mädchen einen Kuss auf ihre breite Nase. Seufzend setzte Brian die Maske wieder auf. “Ich liebe dich Fawn, wann begreifst du das endlich.” Diesmal schluckte die kleine Jägerin noch heftiger und dann zeigte sich seit langem ein Lächeln auf ihrem Gesicht. Deutlich war ihr die Erleichterung anzusehen, dass sie endlich den Mut aufgebracht hatte, sich ihm anzuvertrauen. Fawn hielt einen Finger an ihren Mund, als Zeichen das er still sein sollte. Langsam zog sich die junge Na’vi vor ihm aus, während einzig das Licht der fernen Sterne ihren wohlgestalteten Körper beleuchtete. Fawn setzte sich nun völlig nackt mit einem alles versprechenden Blick auf den sie erwartungsvoll ansehenden Söldner.
Ihre Stimme war nur ein Hauch und sanft wie der Wind, als Fawn erwiderte bevor sie sich von ihrer Leidenschaft hinweg treiben ließ. “Nga yawne lu oer, tì’i’avay krrä, ma Brian.”

******

Leise fast wie eine Horde Diebe schlich sich Ayur mit seinen Gefolgsleuten noch lange vor Sonnenaufgang ins Lager. Nach harter Verfolgung und unter Aufbringung aller Kraftreserven, war es ihnen gelungen das Wild zu stellen. Geschickt hatten die zwar jungen, hingegen sehr erfahrenen Jäger die Beute handgerecht zerlegt. Mit genug Nahrung für ihre Brüder und Schwestern und mit der Gewissheit das diese die nächste Zeit nicht hungern mussten, hatte Ayur die Rückkehr zum Kelutral befohlen.

******

Brian wurde unsanft aus seinen Träumen gerüttelt und mit zusammengekniffenen Augen starrte er immer noch müde, zu dem Schatten über ihm. “Ma Brian, wach auf!” Die Stimme und der Schatten kristallisierten sich zu Fawn zugehörig heraus, als sich langsam die Schleier der Nacht von ihm lösten.
Äußerst faul rekelte sich der Söldner auf dem moosbedeckten Boden herum und machte keine Anstalten sich zu erheben. “Fawn… warum muss euer Dorfleben immer so früh beginnen? Ich bin noch total gerädert.” Dabei überkamen den Söldner Gedanken an die vergangene Nacht und ein spitzbübisches Lächeln stahl sich in sein Gesicht.
Ein gefauchtes “Tawtute”, erklang über ihm als Antwort und im nächsten Moment wurde Brian von zwei schlanken blauen Händen unsanft in die Höhe gezogen.
“Komm mit mir ma Brian, mein Vater möchte uns sehen. Es wird Zeit, dass du ihn kennen lernst.” Sichtlich überrascht von dieser unerwarteten Ankündigung erhob sich Brian und griff nach seinen neben ihm liegenden Sachen. Geduldig wartete die kleine Jägerin ab, bis der Söldner sich angezogen hatte. Ihre leuchtenden Augen betrachteten ihn abschätzend, wobei sie mit ihren Fingern durch seine kurz geschorenen Haare wuschelte.
“Das sollte reichen, ma Brian. Folge mir… meinen Vater lässt man nicht warten.” Eifrig trippelte sie voraus und Brian folgte ihr erwartungsvoll, aber auch mit einem merkwürdigen Gefühl in der Magengrube.

Ayur war groß, selbst für einen Na’vi und seine eindrucksvolle Erscheinung, mochte sogar Iley überragen, überlegte Brian, als er fasziniert den Ureinwohner betrachtete.
“Das ist also der Tawtute, von dem das ganze Lager spricht.”
Die harte Stimme Ayurs, klang rau wie ein Reibeisen und vermittelte Brian einen ersten Eindruck von der Mentalität des mächtigen Kriegers. Fawn fuhr bei dem Wort zusammen, vermied aber jegliches bockiges Verhalten. Sie kannte ihren Vater genau und wusste das er keinen Widerspruch dulden würde. Anders als ihre sa’nok hatte sie es nie geschafft ihren sempul milde zu stimmen, wenn er erzürnt war. Dafür war er zu sehr ein Krieger und erfolgreicher Jäger.
“Ist es wahr? Du hast dich mit diesem…”, Ayur unterbrach sich kurz bevor er fortfuhr, “…mit ihm vereint, itesyp?” Der gewaltige Krieger deutete auf Brian und machte einen ungläubigen Gesichtsausdruck. Ayurs gelbe Augen schienen Brian dabei durchbohren zu wollen, um das Innerste seiner Seele zu erkunden.
Fawn trat einen Schritt vor und ihre Ohren zuckten verdächtig, was Brian deutlich zeigte, unter welche Anspannung die junge Na’vi stand. “Srane, ma sempul. Es ist wahr, wir sind vor Eywa vereint.” Noch nie waren dem jungen Mädchen diese Worte so schwer über die Lippen gekommen und Fawn hatte das Gefühl ihr Hals wäre völlig ausgetrocknet. Auf die Worte der kleinen Jägerin folgte eisiges Schweigen und es wurde so still dass Brian das Gefühl bekam, er hätte eine Stecknadel fallen hören können. Die herrschende Situation erschien ihm wie ein geistiges Duell zwischen Vater und Tochter, in der keine Seite bereit war nach zugeben. Schließlich kam Bewegung in den mächtigen Krieger.
Fawns sempul sah auf seine Tochter herab und betrachtete sie abschätzend. “Bist du noch so gut mit dem Bogen, wie ich es dich einst gelehrt habe, oder hat dich der Umgang mit dem Himmelsmenschen verweichlicht?”
Die kleine Jägerin zeigte erst Verblüffung über seine Äußerung, dann nahm ihr Gesicht einen zunehmend bockigen Ausdruck an. Mit einem Fauchen, zog sie ihren reich verzierten Jagdbogen von der Schulter und legte einen Pfeil auf die Sehne. Ihr Sempul deutete auf eine entfernt aufragende Pflanze, an der übergroße leuchtende Früchte hingen und wartete sichtlich gelassen ab. Fawn visierte das gewünschte Ziel an und surrend raste der swizaw davon. Bevor er einschlug hatte das Na’vi Mädchen bereits einen weiteren Pfeil aufgelegt und schoss diesen wieselflink hinterher.
Wie Fawn erwartet hatte, trafen beide Pfeile sicher ihr Ziel und immer noch bockig, blickte sie ihren Vater provozierend in die Augen. Das sie dabei zu ihm aufsehen musste, verschaffte ihrem Unmut nur weitere Nahrung. Ayur deutete ein kaum merkliches Nicken an, doch Brian vermeinte so etwas wie Anerkennung in seinen Augen aufblitzen zu sehen.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, oder den Himmelsmenschen noch eines Blickes zu würdigen, wandte sich der große Jäger von ihnen ab und schritt selbstbewusst davon.
Der Söldner legte sanft eine Hand auf die Schulter des Na’vi Mädchens. “Das war wirklich sehr beeindruckend Fawn. Dein Sempul hat dich gut unterrichtet.”
Fawn fauchte ihn an, “Sei still! Er hätte…. Er…”. Sie stockte und eine Mischung aus Trauer und Wut spiegelte sich in ihren großen Augen wieder.
“Er hätte was Fawn? Sich entschuldigen müssen? Nein… er ist wohl nur besorgt um seine hübsche Tochter und ich kann es ihm nicht einmal verdenken.”
Bei Brians Bemerkung, riss die kleine Jägerin die Augen auf und sah ihn sprachlos und unsicher an. Zögernd nahm Brian seine Atemmaske ab und drückte seine Stirn sanft an ihre. Fawn ließ ein leichtes Seufzen vernehmen und erwiderte seine Zärtlichkeiten. Nach viel zu kurzen Momenten, setzte der Söldner die Schutzmaske wieder auf, doch schwieg er weiterhin.
Brian wusste das jetzt jedes weitere Wort überflüssig war. Alles was Fawn in dieser Situation wollte, war seine Zuneigung und Nähe und so ließ er sie gewähren. Nach einer Weile löste die kleine Jägerin sich von ihm und blickte Brian tief in die Augen.
“Du hast recht, ma Brian. Es war töricht von mir und ich habe mich verhalten wie ein… wie ein Kind.” Entschlossen erwiderte der Söldner. “Nein Fawn, das hast du nicht. Meine Anwesenheit, ist für viele deiner Angehörigen, vielleicht nur schwer zu ertragen und etwas völlig neues. Du musst ihnen mehr Zeit geben. Für den Moment reicht es das du und Iley meine neue Familie seid.” Brian machte einen Schritt auf sie zu. “Ich bin doch schon froh, das sie mich nicht aus dem Lager gejagt haben.” Entsetzt starrte das Mädchen ihn an und fauchte im nächsten Moment los. “Das würden sie nicht wagen, ma Brian!”
Der Söldner antwortete nichts und grinste über das ganze Gesicht. In diesem Augenblick wurde Fawn bewusst, dass er nur wieder einen Spaß mit ihr gemacht hatte und hin und her gerissen von ihren Gefühlen, zeigte sie leicht verunsichert ihre glänzenden Reißzähne.

******

Eyaye band sich den stoffähnlichen Beutel um ihre formvollendeten Hüften. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters und der Tatsache das sie schon zwei Kinder geboren hatte, war sie immer noch eine atemberaubende Frau. Ein paar Na’vi Kinder sprangen lebhaft um sie herum und zeigten lachend ihre mit leuchtenden Farben beschmierten Hände. Fawns Sa’nok half ihnen immer, bei der Beschaffung der Zutaten. Eyaye überprüfte mit geschickten Handgriffen ihren bunten Federschmuck, den sie sich voller Hingabe in stundenlanger Arbeit in ihre Haare gebunden hatte.
Sie würde ebenfalls nach ein paar neuen Federn Ausschau halten müssen überlegte Eyaye, wobei sich leichte Fältchen auf ihrer Stirn bildeten. Mit einer Geste wies Eyaye die Kinder an zurückzubleiben und auf sie zu warten, unterdessen sie sich zielstrebig in den Urwald begab. Mit leichtfüßigen Bewegungen trippelte die Na’vi Frau über das leuchtende Moos, was ihrem Erscheinen etwas anmutiges verlieh. Nach einiger Zeit erreichte sie die kleine Lichtung, wo sie immer ihre gesuchten Pflanzen in ausreichender Menge vorfand. Auch andere ihrer Brüder und Schwestern, befanden sich in der Nähe und sammelten die vielfältigsten Dinge. Zwei Na’vi stritten sich lebhaft um eine besonders große utu mauti und wer das Recht in Anspruch nehmen durfte sie zuerst gefunden zu haben und zum Kelutral zu bringen. Eyaye beachtete sie kaum und fragte sich, warum die jungen Krieger immer sinnlose Kräftemessen veranstalten mussten, anstatt gewissenhaft ihre Aufgaben zu erfüllen.
Seufzend lenkte sie ihre Aufmerksamkeit wieder der eigentlichen Aufgabe zu. Voller Verwunderung sah sich Eyaye auf der Lichtung um, doch wohin sie auch blickte, nirgends war auch nur die geringste Spur, der gesuchten Pflanzen zu entdecken. “Fayverrtep”, kam es enttäuscht über ihre Lippen und diese Bezeichnung schloss so ziemlich alles mit ein, was für das Verschwinden der Pflanzen verantwortlich sein mochte. Nur klägliche zertrampelte Überreste zeugten davon, das sie sich an der richtigen Stelle befand. Mit großen traurigen Augen, nahm die Na’vi vorsichtig ein paar der in den Boden getretenen und zerrissenen Gewächse auf und betrachtete sie. Vermutlich war eine Herde Hammerköpfe vorbeigezogen oder etwas schlimmeres von gewaltigen Ausmaßen. Wortlos warf sie die aufgesammelten Reste von sich und blickte auf die scheinbar undurchdringliche Wand, die der Urwald vor ihr bildete. Sie musste eine andere Stelle finden, dachte Eyaye bei sich selbst und entschlossen trat die Na’vi Frau in das Dickicht des Dschungels hinein.

******

Nachdem Brian mit Hilfe von Iley damit beschäftigt war einen neuen Speer zum Fischen herzustellen, beschloss Fawn ihre sa’nu aufzusuchen. Sie hoffte von ihr zu erfahren, was das merkwürdige Verhalten ihres sempul ihr gegenüber zu bedeuten hatte.
Verzweifelt suchte Fawn im gesamten Lager nach ihrer sa’nok, doch wohin sich die junge Na’vi auch wand, niemand vermochte ihr zu sagen, wohin sie gegangen war.
Den ersten Hinweis erhielt sie zu ihrer Verwunderung von ein paar Na’vi Kindern, die sie nach Farben fragten, welche ihrer sa’nu im Wald sammeln wollte. Bei dem Gedanken an die letzten Ereignisse und Brians Verdacht, schnürte sich ihr die Kehle zu. Fawn hatte unweigerlich das Gefühl eine eiskalte Klaue griff nach ihrem Herzen. Aus den sehr widersprüchlichen Beschreibungen der kleinen Na’vi versuchte sie zu erahnen, wie lange ihre Mutter schon das Lager verlassen hatte. Was sie erfuhr beunruhigte sie zutiefst und ihr kam die Befürchtung, dass ihre geliebten sa’nok etwas passiert sein musste. Fawn zwang sich dazu ihre Angst zu unterdrücken. Sie entschied noch etwas zu warten und weiter nach ihr zu suchen, bevor sie ihre Brüder und Schwestern um Hilfe bat.

******

Iley betrachtete mit regungsloser Mine, den langen Schaft des Speers den der Himmelsmensch ihm entgegen hielt. Abschätzend nahm er ihn in die Hand und überprüfte sorgsam das Gewicht und die Verarbeitung. Nach eingehender Untersuchung lächelte der Krieger anerkennend auf den Söldner herab. “Eine sehr gute Waffe, ma smukan. Ich selbst hätte keine bessere anfertigen können.” Brian nahm erfreut die Waffe wieder entgegen und hoffte das er nicht errötete. “Ich gebe dir meinen Dank, Iley.” Der große Krieger sah sich um als überlege er etwas. “Ist es wahr was meine kleine smuke mir anvertraut hat? Dein Verdacht über einen Himmelsmenschen?” Brian sah den Ureinwohner überaus ernst an. “Ja Iley, die Verletzungen lassen keinen anderen Schluss zu. Ich bin mir sicher.”
Iley machte einen Gesichtsausdruck, als bereiteten ihm die Worte des Söldners körperliche Schmerzen. “Gut, ma Brian. Ich glaube dir und werde unseren olo’eyktan davon unterrichten.”
Nach einer kurzen Verabschiedung, ließ der Krieger den Söldner stehen und schritt in Richtung des Versammlungsplatzes davon.

******

Eyaye war einfach zielsicher immer weiter durch den Dschungel gelaufen, auf der Suche nach geeigneten Pflanzen. Es widerstrebte ihr ohne die Körner und Samen zurückgehen zu müssen, auf welche die Na’vi Kinder erwartungsvoll hofften. In Gedanken sah sie schon die großen enttäuschten Augen vor sich und entschieden schüttelte sie den Kopf. Schrittweise trat die reife Frau durch das Dickicht, umgeben von unzähligen Geräuschen und Lauten. Eine Hoffnung blieb ihr noch, doch dazu musste sie sich weit von den vertrauten Sammelplätzen entfernen. Von äußerst gemischten und zwiespältigen Gefühlen erfüllt, trippelte Eyaye immer weiter. Sie konnte nur erahnen wie viel Zeit vergangen war und wie weit sie sich von ihrem vertrauten Heimatbaum entfernt hatte. Schließlich erreichte die große Na’vi die Stelle, von der ihr im Lager einige Jäger berichtet hatten. Eine ungewöhnliche Stille lag über der großen Lichtung, doch in ihrem Eifer achtete die schlanke Frau nicht darauf. Freudige Erregung packte Eyaye als sie auf das Meer von Blumen und Sträuchern sah, die sich vor ihr ausbreiteten. Ohne Zeit zu verlieren kniete sich die Na’vi in das Moos und begann die benötigten Materialien einzusammeln. Als der Schatten über sie fiel, blieb ihr keine Zeit mehr für eine Reaktion. Gerade als Eyaye erschrocken den Kopf wenden wollte, um zu erkennen was sich von hinten an sie heranschlich, traf sie ein mörderischer Schlag mitten im Nacken. Blutrote Schlieren tanzten vor ihren Augen und verzweifelt versuchte sie sich abzustützen. Erneut wurde sie getroffen und es wahr als ob eine riesige Pranke nach ihr hieb. Sie spuckte Blut und fühlte wie die warme klebrige Flüssigkeit aus Mund und Nase an ihr herab lief. Ihre Kräfte schwanden zusehends, während unzählige Sterne vor ihren Augen, einen wilden Tanz begannen.
Eyaye kippte röchelnd ins Moos unfähig zu erkennen wer oder was da über sie herfiel. Doch plötzlich trat der Schatten in ihr Blickfeld und ein Gesicht schälte sich daraus hervor. “Sawtute…”, stieß Eyaye keuchend aus und Unglauben erfüllte die reife Frau, über das was sie sah und nicht begreifen konnte. In einem letzten verzweifelten Reflex versuchte sie nach ihrem Dolch zu greifen, da traf sie ein weiterer Schlag. Für einen Augenblick packte sie ein alles verzehrender Schmerz, dann verschwanden die roten Schlieren und machten der Finsternis Platz.

******

Ikelu sah entsetzt auf als Iley sich dem Lagerplatz näherte und gradewegs vor den olo’eyktan trat. Vermutlich hatte Fawn ihrem smukan darüber berichtet, wie er sie bedrängt hatte und nun kam er um Gerechtigkeit zu fordern. Die nackte Angst leuchtete in Ikelus Augen auf, als der große Krieger zu sprechen begann.
Doch schon bei den ersten Worten, wurde ihm klar das es nicht um ihn ging und vor Erleichterung seufzte er hörbar auf, was ihm einen missbilligenden Blick der ihn umgebenden Jäger einbrachte. In ruhigen und knappen Worten, besprach Iley mit dem Stammes Anführer den Verdacht des Himmelsmenschen.
Keine Regung zeigte sich auf dem strengen Gesicht des mächtigen Na’vi als er den Schilderungen des jungen Kriegers lauschte. Mitten in seinen Ausführungen unterbrach ihn unerwartet der laute verzweifelt klingende Ruf seiner smuke. Die Augen der versammelten Jäger richteten sich auf die heran eilende kleine Jägerin und zeugten deutlich ihre Missbilligung über die unvorhergesehene Störung.
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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #4 on: October 29, 2011, 02:47:21 pm »
Völlig aufgelöst machte Fawn die Begrüßungsgeste gegenüber ihrem Stammes Ältesten und rief mit tränenerstickter Stimme Iley zu. “Ma Iley… unsere sa’nok ist verschwunden!”
Als der Krieger ihre Worte vernahm, bekam er das Gefühl jemand reiße ihm das Herz aus der Brust und ungläubig starrte er auf die kleine Jägerin hinab. “Was sagst du da? Ist das war, ma smuke? Iley konnte kaum fassen, was er da hörte. Verzweiflung und Wut mischten sich im Ausdruck seiner Augen, doch nach wenigen Augenblicken hatte der noch so junge Krieger sich wieder unter Kontrolle. Völlig beherrscht trat er erneut vor den Stammes Anführer und bat ihn um Verzeihung für die ungebührliche Unterbrechung. In knappen Worten, sagte Iley seine Teilnahme an dem Trupp zu, den der olo’eyktan nun aufgrund der schwere der Vorkommnisse bereit war aufzustellen. Doch kaum hatte er um die Erlaubnis gebeten, die allesamt erfahrenen Krieger zu begleiten, bereiteten ihm die Worte des Anführers die nächste Enttäuschung. Iley wurde es untersagt die Gruppe zu begleiten oder gar anzuführen. Statt dessen deutete der Stammes Älteste auf Ikelu, welcher sich sofort erhob und mit Feuereifer seinen schweren Speer über den Kopf hob. Lauthals brachen die umstehenden Na’vi daraufhin in Jubel aus. Fawn war etwas zurückgetreten, weil sie spürte das ihre Anwesenheit nicht länger erwünscht wurde. Als Ikelu zum Führer des Suchtrupps ernannt wurde, fauchte sie vor Überraschung und Wut auf, akzeptierte aber die Entscheidung. Tief in ihrem Herzen wurde sie sogar von Erleichterung erfüllt, als ihrem smukan die Teilnahme verweigert wurde. Nachdenklich schlich sich die kleine Jägerin fast lautlos zurück, um die anwesenden Krieger nicht noch weiter zu verärgern. Etwas abseits erblickte sie ihren Himmelmenschen. Brian beobachtete die Ereignisse äußerst aufmerksam und hatte eine steinerne Miene aufgelegt. Der Anblick Ikelus rief widersprüchliche Gefühle in ihm hervor. Er konnte den Krieger nicht einfach zur Rede stellen, oder ihn zum Zweikampf herausfordern. So blieb Brian nichts weiter übrig, als sich wütend einzugestehen, dass er auf die Gesetze des Stammes und Fawns Liebe vertrauen musste. Zumindest was die kleine Jägerin betraf, war er sich vollkommen sicher und bei dem Gedanken daran, entspannten sich seine Muskeln.
Zu seinem Bedauern stand er zu weit von der Versammlung entfernt, um überhaupt etwas verstehen zu können. Neugierig sah er Fawn an. “Iley hat es eurem Anführer mitgeteilt?”
Die Na’vi verneinte und zog ihn ein Stück mit sich. “Ikelu wird den Trupp anführen und nach unserer sa’nok suchen.” Brian blickte sie sprachlos an und zeigte deutliches Unverständnis.
Traurig berichtete ihm Fawn, das ihre sa’nok verschwunden war und sie sich große Sorgen deswegen machte.

Vor dem Kelutral erhob sich wildes Geschrei, als weitere Na’vi ihre nervös schnaubenden Reittiere auf den Versammlungsplatz führten. Drohend hielten sie ihre Bögen und scharfen Dolche in die Höhe, wobei sie laute Kampfeslaute ausstießen. Ikelu stieg selbstbewusst auf das wartende riesige Tier und beschrieb eine Geste des Abschieds gegenüber dem olo’eyktan.
Unter lautem Hufgetrappel entfernte sich die kleine Gruppe junger Na’vi Krieger auf ihren imposanten sechsbeinigen Pa’li.
Verwundert blickte Brian zu Iley herüber und fragte sich warum er sich nicht der Gruppe angeschlossen hatte. War er doch die meiste Zeit darauf bedacht, den auserwählten Kriegern des olo’eyktan zu beweisen wie fähig er war.
Brian ließ die Jägerin stehen und trat ein paar Schritte auf den großen Na’vi zu, wobei er versuchte sich dabei so lautlos zu nähern, wie Fawn ihm es gezeigt hatte. Das Knacken eines Astes unter seinen Füßen, machte diese Anstrengung jedoch zunichte und von dem Geräusch gewarnt, wirbelte der Krieger herum. “Dir wird es nie gelingen dich an jemanden anzuschleichen, wenn du nicht vorsichtiger bist”, sagte Iley tadelnd. Brian sah zu dem riesigen blauen Geschöpf hinauf. “Warum reitest du nicht mit den anderen Jägern, Iley?” Der ungewöhnlich muskulöse Ureinwohner, betrachtete den Söldner wissend. “Unser olo’eyktan ist nicht nur sehr mächtig, sondern auch weise, ma Brian.” Iley zupfte überlegend an seiner Halskette herum. “Er schickt nur die jungen Krieger auf diesen gefährlichen Ritt.”
Der Söldner zog eine Augenbraue in die Höhe. “Du bist jung Iley“, sagte Brian verständnislos.
Seine Zustimmung signalisierend, sah Iley auf den Himmelsmenschen herab. “Das ist richtig ma Brian. Aber ich habe nun Verantwortung… für Awaiei. Etwas anderes wäre es, wenn sie mich begleiten würde, aber ihre Wunden sind gerade erst verheilt und ich möchte sie dieser neuerlichen Gefahr nicht aussetzen.” Der große Krieger spürte das Brian nicht verstand, das er so ruhig blieb, wo es doch um seine sa’nok ging.
Iley blickte sich um, als suche er nach den richtigen Worten um sein Handeln zu beschreiben. “Da ist noch etwas, ma Brian. Aber dazu kann und möchte ich dir jetzt nichts sagen.”
“Du sprichst in Rätseln mein Freund“, erwiderte Brian. “Vielleicht sollte ich Awaiei selbst befragen.” Auf dem Gesicht des Kriegers zeigte sich kaum eine Regung als er antwortete. “Ma Brian… wenn die Zeit gekommen ist, wird sie es dir selbst sagen. Vertrau mir bitte.” Brian konnte seine Enttäuschung darüber nur schwerlich verbergen entschloss sich aber, Iley nicht weiter zu bedrängen. Er mochte für das geheimnisvolle Verhalten seine Gründe haben. Nachdenklich geworden wandte er sich von den heftig miteinander diskutierenden Kriegern ab und kehrte in dem herrschenden Durcheinander zu Fawn zurück.

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Unter dem Donnern ihrer Hufe, jagten die schweren Tiere mit ihren Reitern durch den lichten Wald. Nachdem Ikelu erfahren hatte, was Fawns sa’nok beabsichtigte, trieb er sein Pa’li zu Höchstleistungen an. Auf der nahe dem Kelutral gelegenen Lichtung fanden sie nichts weiter als die Überreste zertretener Pflanzen, die von den Ureinwohnern zur Herstellung von Farben benutzt wurden. Von der gesuchten Na’vi fehlte zu Ikelus Enttäuschung jede Spur. Nun gab es nur noch einen Ort den sie aufsuchen konnte und der Krieger hoffte inständig dass sie nicht zu spät kamen. Ohne zögern jagte er weiter in das Dickicht hinein, gefolgt von seinen johlenden Begleitern.

******

Mitleidslos blickte der Soldat auf das große bewusstlose Geschöpf herab und versetzte ihm einen Tritt um eine Reaktion hervor zurufen. Enttäuscht stellte er fest das die Na’vi wohl zu keiner Gegenwehr mehr fähig war und so nahm er sich zum ersten mal, seit er auf Pandora weilte Zeit diese Geschöpfe näher in Augenschein zu nehmen. Vorsichtig jederzeit im Hinterkopf, das dass Wesen wieder aufspringen und ihn angreifen könnte, griff er nach ihrer Waffe an der Hüfte und nahm sie an sich. Abschätzig betrachtete er erst den gewaltigen Dolch der einer irdischen Machete gleichkam und dann wieder die Na’vi. Er begriff nicht wie jemand etwas für diese Kreaturen empfinden konnte oder sich sogar in sie verliebte. Nach einem weiteren Blick auf die imposante Waffe der Frau, warf er den Dolch achtlos ins Gebüsch. Er hatte keine Verwendung dafür und sie würde ihn nicht mehr brauchen, wenn er erst mit ihr fertig war. Bei dem Gedanken daran, beschleunigte sich seine Atmung vor freudiger Erregung.
Djargel hatte seit seiner Kindheit einen Ruf, der ihn allgemein wohl als bösen Jungen bezeichnet hätte. Allerdings ein bösartiger Junge mit tödlichem Potential.
Er war anders als viele der Marines und Söldner die im Laufe der Jahre nach Pandora kamen und gingen oder einfach nur hier starben.
Djargel kämpfte aus Begeisterung und war felsenfest von seinem Tun und Handeln im Auftrag der RDA überzeugt.
Seine Kondition war geradezu atemberaubend und allein seine schiere Körpergröße von annähernd zwei Metern, ließ ihn auf viele seiner Kameraden, wie eine Kampfmaschine wirken.
Geradezu unermesslich war seine Enttäuschung, als die erst willkommen geheißene Verstärkung, gar nicht daran dachte den Na’vi einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Aus seiner anfänglichern Bestürzung, wurde schnell Hass auf die neue Führungsspitze. Die Begnadigung des flüchtigen Söldners, brachte dann für den Marine das Fass zum Überlaufen. Voller Verachtung und blind vor Wut, reifte in dem routinierten Soldaten ein mörderischer Plan. In seinem Augen sah er sich nur noch von Verrätern umgeben, die nichts sehnlicher wünschten als dem Mond schnellstmöglich den Rücken zu kehren. Der Soldat hatte sich versteckt gehalten, bis die Besatzung den Stützpunkt verlassen hatte. Er fühlte sich dazu genötigt, den Deserteur seiner gerechten Strafe zuzuführen. Sollte er dazu keine Gelegenheit erhalten, wollte er zumindest so viele der verhassten Ureinwohner töten wie irgendwie möglich, auch wenn ihn das vermutlich sein eigenes Leben kosten würde. Die kompromisslose Art, wie der Söldner sich auf sein Leben unter den Ureinwohner vorbereitete, hatten Djargel Respekt abverlangt. Doch war es auch der einzige Punkt, in dem er eine gewisse Sympathie für den Verräter hegte, weil es seiner eigenen Einstellung entsprach. Seine Maske bedeutete für ihn ebenso wenig eine Einschränkung, wie für den Fahnenflüchtigen. Groß geworden unter der Propaganda der RDA, hatte Djargel verwundert festgestellt, wie leicht es war seine Gegner zu töten. Diese Tatsache erfüllte ihn mit geradezu kindlicher Freude. Ein Geräusch riss ihn aus seiner Selbstbetrachtung und gehetzt richtete der Soldat sich auf, doch es war bereits zu spät.

******

Ikelu hatte zusammen mit den ihn begleitenden Kriegern auf ihren Pa’li den Schauplatz des Geschehens erreicht und sprang aufgebracht und voller Wut von dem gewaltigen Reittier.
Sie mussten den Sawtute überrascht haben, anders ließ sich sein zögerliches Verhalten nicht erklären. Ohne eine weitere Reaktion des fremden Soldaten abzuwarten, nahm Ikelu seinen Speer zur Hand und rief dem Tawtute zu. “Ngeyä kxetse lu oeru!” In einer fließenden Bewegung sprang der Himmelsmensch auf und richtete sein Gewehr auf die riesigen Na’vi. Feuerblumen tanzten vor dem Lauf der Waffe und rissen blutige Löcher in eines der wartenden Pa’li, das augenblicklich tödlich getroffen zusammenbrach. Unter lauten Schreien und Rufen stoben die anderen Reiter entsetzt auseinander. Ikelu hatte sich instinktiv zur Seite geworfen und kam im gleichen Augenblick wieder auf die Füße. Hektisch riss der Himmelsmensch sein Gewehr herum, doch der Krieger hatte genug gesehen und seine eigenen Schlüsse daraus gezogen. Mit machtvollen Wurf schleuderte er seinen Speer und traf den Soldaten in die Brust. Einen lauten Aufschrei von sich gebend wurde Djargel von der regungslos am Boden liegenden Eyaye zurück geschleudert und blieb mit weit aufgerissenen Augen im dichten Moos liegen. Nur kurz währte sein Todeskampf, dann erlag er seiner schweren Verletzung. Unglaublich flink eilte der muskelbepackte Krieger an die bewusstlose Na’vi und beugte sich besorgt über sie. Erleichtert atmete Ikelu auf, als er merkte das die Frau noch lebte und nur bewusstlos war. Vorsichtig hob er sie vom Boden und trug sie zu seinem nervös wartenden Reittier. Ikelu fand dass sie sich in seinen Armen leicht wie eine Feder anfühlte. Gerade als er sie auf das schnaubende Pa’li setzen wollte, erwachte Eyaye wieder aus ihrer Ohnmacht. Verwundert und mit Angstvoll geweiteten Augen blickte sie sich hastig um. Die ruckartigen Bewegungen taten indes ihr alles andere als gut und Übelkeit stieg in Eyaye auf. Auch ein widerlicher Blutgeschmack erfüllte ihren Mund. Als sie nach kurzen Schreckmomenten in das Antlitz des Kriegers sah, machte sich Erleichterung in ihr breit. Eywa hatte wohl schützend ihre Hand über sie gehalten und sie gerettet.
Eyaye erkannte das Gesicht ihres Retters sofort, waren ihr doch die Gefolgschaft des olo’eyktan vertraut, denen ihr ’itan versuchte nach zueifern. “Irayo ma Ikelu”, brachte sie kaum hörbar hervor. Die Schmerzen in ihrem Kopf waren kaum auszuhalten und dunkle Schatten tanzten vor ihren Augen.
Der Ureinwohner erwiderte nichts und hob die aufstöhnende Frau sanft auf sein schnaubendes Reittier. In diesem Moment verlor Eyaye bereits wieder das Bewusstsein. Bevor die Na’vi runterrutschen konnte, hatte er sich ebenfalls auf das sechsbeinige Geschöpf geschwungen und führte das Band mit ihm aus. Ikelu blickte verächtlich auf die Leiche des toten Soldaten, dann wandte er sich an seine treuen Begleiter und rief, “Makto ko!”

******

Unendlicher Jubel empfing den kleinen Trupp, als die Krieger ihre erschöpften Pa’li auf den Versammlungsplatz trieben. Erwartungsvoll sammelten sich unzählige Ureinwohner und erschwerten den Reitern das vorankommen. Vor Iley brachte der Anführer des Suchtrupps sein aufgeregt schnaubendes Tier zum Halt. Ikelu half der Na’vi, von dem großen Pferd abzusteigen.
Voller Freude schloss Iley seine noch sichtlich benommene sa’nok in die Arme. “Oel ngati kameie, ma sa’nok”, rief der Krieger überglücklich und sah ihr in die vom Schrecken gezeichneten Augen. Eyaye bedachte ihn mit einem schmerzverzerrten Lächeln, entzog sich Iley jedoch und schritt unsicher an ihm vorbei.
Bereitwillig machten ihr die anderen Ureinwohner Platz und einen Moment später stand die große Na’vi vor ihrer Tochter, die sie sprachlos und voller Überraschung anstarrte. Fawn brachte kein Wort hervor als sie ihre geliebte sa’nu erblickte.
Tränen traten ihr in die Augen und obwohl sie sich dafür schämte, konnte sie es nicht unterdrücken. Der Anblick des vielen Blutes auf dem Körper ihrer Mutter, war für das junge Mädchen nur schwer zu ertragen. Zärtlich legte Eyaye ihre Hände auf die Schultern des Mädchens und zog sie an sich heran. Eyaye beugte sich zu ihrer Tochter herab und flüsterte etwas in ihre Ohren, so leise das die umstehenden nichts verstehen konnten. “Eywa hat schützend ihre Hand über mich gehalten. Nga yawne lu oer, ma Fawn. Sei ohne Furcht.” Bevor Fawn etwas erwidern konnte, sackte ihre sa’nok vor ihr auf den Boden, wo sie regungslos liegen blieb. Schreiend fiel Fawn neben ihrer geliebten sa’nu auf die Knie und streichelte voller Verzweiflung ihr Gesicht. Eine Hand packte sie bestimmend an der Schulter und eine vertraute Stimme forderte die kleine Jägerin auf, sich zu erheben und beiseite zutreten. Mit Tränen in den Augen, gehorchte Fawn und sah im selben Augenblick der tsahìk ins Gesicht. Die Schamanin betrachtete die bewusstlose Na’vi flüchtig und winkte dann Iley zu sich heran. Unaufgefordert packte der Krieger mit Hilfe eines weiteren Stammesangehörigen die verletzte Frau und folgte der tsahìk um seine Mutter behandeln zu lassen. Fawn kämpfte das Verlangen nieder ihnen einfach nachzugehen. Die Schamanin würde ein solches Verhalten kaum tolerieren. Erleichtert dass ihre Mutter noch lebte aber zugleich traurig über ihren Zustand, blickte das junge Mädchen sich um und erstarrte. Ikelu stand immer noch neben seinem Pa’li bei den anderen Kriegern des Trupps und beobachtete sie. Fawn schluckte und wollte sich erst abwenden, doch sah sie sich zu einer Reaktion genötigt. Unsicher schritt die kleine Jägerin langsam auf den sie interessiert musternden Krieger zu.
Einen Moment lang sahen sich beide nur in die Augen, während um sie herum die Welt den Atem angehalten zu haben schien. Schließlich brach Fawn das Schweigen. “Irayo Ikelu…, dafür das du meine sa’nu gerettet hast.” Ohne eine Erwiderung nickte ihr der Krieger zu und schwang sich auf sein Reittier. Unter Freudengeschrei ritt der gewaltige Na‘vi mit den anderen Jägern davon. Unschlüssig sah Fawn ihnen nach. Die Entscheidung mit Ikelu zu reden, war ihr nicht leicht gefallen, doch konnte sie ihre tiefe Dankbarkeit ihm gegenüber nicht verleugnen. Sie ließ nachdenklich ihre Blicke über den sich leerenden Versammlungsplatz schweifen. Dass ihre geliebte sa’nu wieder geheilt wurde, war jetzt alles was für sie zählte.

******

Die nächsten Wochen, oder waren es gar Monate, zogen wie im Fluge vorbei. Brian war sich darüber zu seinem Bedauern nicht mehr völlig sicher und hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Eyaye war längst von ihren Verletzungen genesen und hatte soweit der Söldner es einzuschätzen vermochte, auch keine bleibenden Schäden davon getragen. Anders als seinerzeit Awaiei, schien Fawns sa’nok über eine unglaubliche Willensstärke zu verfügen.
Der Abend dämmerte bereits herauf und gerade als Brian sich mit der Jägerin zu ihrer Lagerstätte begeben wollte, winkte ihn Iley zu sich heran. “Komm zu mir, ma Brian”. Neugierig trat der Söldner an Fawns Bruder und seine neben ihm sitzende muntxate heran. Der Schein des Feuers spiegelte sich auf den Gesichtern der beiden Na’vi und ließ ihre leuchtenden Augen noch heller erscheinen.
“Wollen wir wieder lernen Iley?” Fragend blickte Brian den mächtigen Krieger an. Iley schnalzte mit der Zunge und deutete auf Awaiei. “Kehe, ma Brian. Meine muntxate möchte dir etwas zeigen.” Erstaunt und Erwartungsvoll zugleich sah Brian erst den Krieger und dann Awaiei an. Mit einem mal fiel es ihm wie Schuppen von den Augen und er erinnerte sich an ihr Gespräch von damals. Die Aufregung ließ ihn heftiger atmen und langsam trat er an die schmächtige Na’vi heran.
Awaiei nahm bedächtig die Hand des Söldners und einen Moment hielten ihre großen blauen Finger sie zögernd fest, während die Na’vi ihm prüfend in die Augen schaute. Schließlich legte Sie seine Hand auf die leichte Wölbung ihres ansonsten straffen Bauches. Sprachlos blickte Brian die Na’vi an und fühlte verwundert die Wärme ihres Körpers. Dabei wurde dem hünenhaften Söldner schlagartig bewusst, was sie ihm zeigen wollte und welche Bedeutung ihre Handlung besaß.
“Du bekommst ein Kind?” Es war mehr eine Feststellung, denn die gesamte Situation erschien ihm eindeutig. Verlegen wollte Brian seine Hand wieder wegziehen, aber Awaiei hielt sie fest und machte eine Geste das er fühlen sollte. “Srane, Brian.” Mehr erwiderte sie nicht, doch der Ausdruck voller Freude und Vertrauen genügte um Brian zu beschämen. Das Awaiei ausgerechnet einem Himmelsmenschen erlaubte sie zu berühren, rief merkwürdige Empfindungen in ihm hervor.
Fawn setzte sich neben ihn und legte ebenfalls eine Hand auf die deutlich sichtbare Wölbung. Dabei sah sie den Söldner mit einem sonderbaren Strahlen in ihren hübschen Augen an. “Ich kann es fühlen“, rief die kleine Jägerin überrascht aus.
Brian verhielt sich ganz ruhig und plötzlich spürte er einen leichten, kaum merklichen Druck gegen das innere seiner Handfläche. “Ja Du hast Recht, Fawn. Ich fühle es auch.” Brian spürte außer dem neuen Leben in ihrem Bauch auch allzu deutlich die dicke Narbe welche gut verheilt schien. Bei dem Gedanken an das Labor verzog er das Gesicht und zog zutiefst berührt seine Hand weg. Awaiei musste spüren was in ihm vorging. Ihre gelben Augen bedachten ihn mit einem wissenden Blick, bevor sie etwas zu Fawn sagte. Die beiden jungen Frauen, fingen an miteinander zu kichern und Brian kam sich mit einem mal schrecklich fehl am Platze vor.
Langsam erhob er sich und ging zu Fawns Bruder, der etwas abseits am Feuer saß und sie aufmerksam beobachtete.
Auf dem sonst so beherrschten und unbeweglichen Gesicht, war ein neuer Ausdruck erschienen, wie Brian verwundert feststellte. Iley war erfüllt von Stolz, über die in naher Zukunft bevorstehende Geburt seines Kindes.
“Du siehst sehr erfreut aus Bruder.” Brian benutzte seit einiger Zeit diese Anrede für Iley, nachdem ihm dieser die Ehre zuteil werden ließ, sein Bruder zu sein.
Nachdenklich stieß der junge Krieger deutlich hörbar die Luft aus seinen Lungen aus. “Ma Brian, das bin ich auch. Meine muntxate Awaiei, macht mir das schönste Geschenk.”
Der Schein der flackernden Flammen tauchte die Umgebung in ein faszinierendes Licht und gelegentlich stoben kleine Funken zum dämmrigen Himmel empor. Die beiden Na’vi Frauen unterhielten sich in ihrer Sprache, von ständigen Glucksen und Kichern begleitet. Brian verzog das Gesicht und schüttelte nachdenklich den Kopf. Fawn sprach in ihrer Aufregung viel zu schnell mit Awaiei, als das er der Unterhaltung hätte folgen können.
“Wann glaubst du wird es soweit sein, Iley?”
Die strahlend gelben Augen des jungen Kriegers schauten flüchtig zu den Mädchen hinüber, bevor sein Blick schließlich wieder auf Brian haften blieb. Unentschlossen nahm der große Na’vi ein Holzstück und stocherte damit in den Flammen herum.
“Ich weiß es nicht, ma Brian. Eywa wird uns noch viele Sonnenaufgänge schenken, bevor das neue Leben, das Licht dieser Welt erblickt.”
Die beiden Na’vi Mädchen, gesellten sich zu ihnen ans Feuer, wobei sie ihren Redefluss nicht unterbrachen und immer wieder glockenhell auflachten. Iley ignorierte gekonnt das Verhalten der jungen Frauen und blickte auf den Söldner herab. Trotzdem er saß, war der Krieger immer noch eine imposante Erscheinung. “Kommst du mit dem Lernen unserer Sprache voran, ma Brian?” Der Söldner streckte einen Arm aus so dass seine Handfläche nach unten wies und bewegte sie hin und her. Brian wollte damit andeuten, dass er nur sehr langsame Fortschritte machte. Iley unterrichtete ihn gelegentlich, wenn es die Situation gerade zuließ. Im Gegenzug brachte Brian dem großen blauen Geschöpf, einige Redewendungen und Gesten der Himmelsmenschen bei.
Bei der Erinnerung daran, kam ihm wieder seine schmerzende Schulter zu Bewusstsein und instinktiv rieb er sich mit der Hand darüber. Iley hatte ihn aus einer Laune heraus begrüßen wollen und ihm hart auf die Schulter geklopft, dabei aber seine immense Kraft unterschätzt. Brian hatte das Gefühl gehabt, ihm werde die Luft aus den Lungen getrieben. “Es tut immer noch weh? Unsere Schamanin könnte sich darum kümmern.” Ileys Stimme klang besorgt. Brian winkte verneinend ab. “Das ist wirklich nicht nötig Iley.”
Auch Fawn war nun auf das Gespräch der beiden aufmerksam geworden und sah ihren smukan vorwurfsvoll an. “Du bist ein Trottel, ma Iley.” Der große Na’vi wirkte völlig sprachlos und starrte seine smuke nur verblüfft an. Die beiden jungen Frauen sahen sich kurz in die Augen und fingen dann erneut an zu kichern. Missmutig erhob sich der große Krieger, packte Awaiei und zog sie zu sich heran. “Wir werden schlafen gehen. Txon lefpom livu ngar, ma Brian.” Die vertraute Geste ausführend, verabschiedete sich auch Awaiei von ihnen und trippelte Iley hinterher. Seufzend blickte Brian ihnen nach, bis die Nacht sie vollständig verschluckt hatte. Mittlerweile erhellten einzig die glimmenden Feuer, die Szenerie des Kelutral und um sie herum war es fast völlig still geworden. Fawn schmiegte sich dicht an ihren Himmelsmenschen heran und ihre leuchtenden Augen schienen direkt in seine Seele zu blicken. Zärtlich strich er mit einem Finger über ihre breite Nase und tippte leicht darauf. “Lass uns auch etwas ausruhen Fawn.” Ihre Zustimmung signalisierend erwiderte sie, “…hier, ma Brian?” Nachdenklich sah er sich um. Ihr eigener Schlafplatz lag etwas weiter hinter ihnen, doch Brian verspürte keine Lust durch das nächtliche Lager zu schleichen. Ohne zögern ließ er sich ins weiche Gras fallen. Die kleine Jägerin legte sich kuschelnd neben ihn und Brian vermeinte in der Stille des Lagers ihren Herzschlag zu spüren. “Irayo ma Brian”, erklang ihre sanfte Stimme völlig unerwartet. Verwundert erwiderte der Söldner. “Ich verstehe nicht Fawn.“ Ein kaum merklicher Seufzer war an seiner Seite zu vernehmen. “Ich danke dir dass du bei mir geblieben bist. Du hättest auch mit den anderen Himmelsmenschen gehen können.” Brian drehte sich etwas so das er der jungen Na’vi direkt in die Augen sehen konnte. “Ich liebe dich Fawn. Du bist alles was ich will und mein Platz ist an deiner Seite.” Fawn erwiderte nichts aber das leuchten in ihren Augen zeigte ihm ihre Empfindungen.
Todmüde legte Fawn einen Arm um ihren Himmelsmenschen.
Ihre körperliche Nähe verschaffte ihm seit er mit ihr zusammen war ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, welches er so nie gekannt hatte.
Entspannt richtete Brian seinen Blick auf die Sterne über ihm und noch eine Weile lag er nachdenklich auf dem Rücken und dachte über die Worte des Mädchens nach. Neben ihm verrieten leichte Atemgeräusche, das Fawn eingeschlafen war. Vor seinem Auge zogen die aufregenden Ereignisse der letzten Tage an ihm vorbei.
Für einen Moment kamen Erinnerungen an seine alte Heimat Detroit in ihm auf und er verglich sein damaliges Leben mit den unzähligen Geschehnissen die hier seiner harrten. Er hätte es wirklich schlechter treffen können, dachte der Söldner bei sich. Einige Zeit später war auch er eingeschlafen. Das vereinzelnde Knistern der herab gebrannten Feuer und ein leichtes Schnarchen, waren die einzigen Geräusche, die der Nachtwind mit sich trug.

******

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Offline Tsu'tey

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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #5 on: October 30, 2011, 05:44:14 am »
Lieber Robert wieder einmal außerordentlich genial geschrieben ! Habe mich wirklich wieder sehr darin vertieft, und einfach klasse ! Ein toller Start in den morgentlichen Sonntag ;)

Ich bleibe in Erinnerung. Ich habe mit Toruk Makto gekämpft. Und wir waren Brüder. Und er war mein letzter Schatten.

Offline Neytiri2000

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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #6 on: October 30, 2011, 08:27:01 am »
Was soll ich nur dazu sagen  ;D

ich finde das du diesen Teil wieder sehr gut geschrieben hast
es war wieder spannend, rätselhaft und leidenschaftlich gewesen  :D

man konnte sich wiedermal sehr gut sich in die figuren hineinversetzen



ich hab auch keine großen Logik oder Rechtschreibe fehler gefunden wodurch der lesefluss recht flüssig war

was mich nur ein kleines bissel stutzig macht sind die seltenen stellen wo die sätze in Na´vi geschrieben sind
obwohl die geschichte fürs Forum geschrieben wurde und auch schon mehrere die sprache lernen
ist es für diejenigen besonders schwierig die die sprache nicht beherrschen ( mich eingeschlossen )
manche zusammenhänge zu verstehen.

Das soll jetzt nicht heißen das du dies ändern sollst oder die übersetzung in klammern setzten musst,
es war nur ne anmerkung meinerseits an dich


Ansonsten ist mein Fazit: dieser Teil ist wie andere vor ihm von dir, ein Lesegenuss ohne wirklich die Worte dazu zu finden


Ich bin wirklich ein großer FAN von dir Robert und ich hoffe auf weiter Spannende Abenteuer mit unserer kleinen Jägerin Fawn.

Mit lieben Grüßen dein Michael ( Neytiri2000 )
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Offline Ricardo

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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #7 on: October 30, 2011, 09:59:10 am »
Ich freue mich sehr darüber, dass es weitergeht und werde mir die Geschichte so bald wie möglich zu Gemüte führen!

Offline tsmukan_stephen

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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #8 on: October 30, 2011, 10:04:52 am »
Ma tsmukan Eichhörnchen,

ich danke Dir für diese neue Geschichte!

Ich habe sie heute morgen gegen 0:10 entdeckt und bis 1:30 gelesen (das war dann eine ziemlich kurze Nacht, trotz der Stunde mehr).

Wieder einmal ein Besuch auf Pandora, das tut gut. 8) ;D

Du hast die beteiligten Charaktere gut ausgearbeitet, das Gesamtbild stimmt auch,
der Anschluß an die vorigen Teile ist nahtlos, kurzum TOP. :D

Von mir gibt es dafür wieder ein Karmapünktchen, du hast es verdient!    :-*

Möge die (Kreativ-)Macht mit Dir sein.  ???  Eywa ist es sowieso... ;)

Eywa ngahu.

tsmukan_stephen

« Last Edit: October 30, 2011, 12:55:23 pm by tsmukan_stephen »
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Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt,
sondern wir haben sie von unseren Kindern nur geliehen.
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Offline Eichhörnchen

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Re: Wie Blätter im Wind - Teil 1 Jäger und Gejagte
« Reply #9 on: October 30, 2011, 05:18:57 pm »
Kaltxì ma smuktu

Irayo für die überaus positiven Rückmeldungen, das Karma und das ihr euch die Zeit genommen habt, die wieder sehr lange Geschichte zu lesen. :D

es war wieder spannend, rätselhaft und leidenschaftlich gewesen  :D

@Neytiri2000
Das freut mich sehr. Diesmal ist es mir auch wieder bedeutend leichter gefallen, zu schreiben, als noch beim Abschluss des letzten Teils. Mag daran liegen, das diesmal die Handlung für alle 3 neuen Teile feststeht und dann "wie aus einem Guß" wirkt.
Ich hoffe die neuen Charakteure kommen gut bei euch an und werden ebenso ihren Weg in eure Herzen finden wie Fawn und Brian.
Fawns sempul wird noch öfter seiner Tochter auf ihre blauen Pfötchen klopfen, soviel kann ich schon verraten. ;D

was mich nur ein kleines bissel stutzig macht sind die seltenen stellen wo die sätze in Na´vi geschrieben sind
obwohl die geschichte fürs Forum geschrieben wurde und auch schon mehrere die sprache lernen
ist es für diejenigen besonders schwierig die die sprache nicht beherrschen ( mich eingeschlossen )
manche zusammenhänge zu verstehen.

Ja aber das war in den ersten 3 Teilen doch auch schon so. In Klammern setzen würde irgendwie störend wirken und auf Na'vi in meinen Geschichten verzichten möchte ich auch nicht. :-\
Die Story ohne ein fauchiges "skxawng" oder gehauchtes "ke" von Fawn, wäre völlig undenkbar. :-*

Aber ich verstehe was du meinst. Ich schicke dir eine kleine Übersetzung der Sätze.
Mittlerweile ist mir die Sprache durch das viele lernen auch so in Fleisch und Blut übergegangen, da merke ich nicht wenn es mal in den Sätzen zuviel wird. Entschuldige bitte. :-[

Ich freue mich sehr darüber, dass es weitergeht und werde mir die Geschichte so bald wie möglich zu Gemüte führen!

@Ricardo
Lass dir nur Zeit. Ist ja nicht gerade wenig Text, auch wenn ich es anfangs deutlich kürzer schreiben wollte. Aber immer kommt noch etwas dazu oder eine Sache muss "runder" werden und schon sinds wieder viel mehr Seiten. Auf deine Bewertung freue ich micht trotzdem schon.
Hoffe du wirst diesmal nicht enttäuscht und ich konnte die Kritikpunkte ausräumen. :D

Du hast die beteiligten Charaktere gut ausgearbeitet, das Gesamtbild stimmt auch,
der Anschluß an die vorigen Teile ist nahtlos, kurzum TOP. :D

@tsmukan_stephen
Auch dir meinen Dank. Sieht so aus als ob dir die neuen Charakteure gefallen.
Ikelu war z.B. wieder mal ein Versuch und was ich mit dem kleinen Racker mache, weiß ich noch nicht so recht. ;D
Lustigerweise konzentriere ich mich beim schreiben immer deutlich mehr auf die Gefühle der Protagonisten. Die Handlung ist da eher Nebensache und ergibt sich irgendwie von selbst. Naja schwer zu erklären. Meine Art zu schreiben ist eh bisserl Chaotisch, das muss keiner wirklich verstehen. :-X
Hauptsache das Endergebnis gefällt. ;D


Eywa ayngahu,

Euer Eichhörnchen ( Robert )
« Last Edit: October 30, 2011, 05:20:29 pm by Eichhörnchen »
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Offline Toruk'makto

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #10 on: November 06, 2011, 12:25:02 pm »
Kaltxì
So ich werde mich dann auch ma über deine Geschichte machen :)

Kiyevame
Die Himmelsmenschen haben uns eine Botschaft gesandt, dass sie sich alles nehmen können was sie wollen und dass niemand sie aufhalten kann. Aber wir schicken ihnen auch eine Botschaft; fliegt so schnell wie euch der Wind nur tragen kann; ruft die anderen Clans herbei. Sagt ihnen Toruk'makto ruft sie zu sich. Ihr fliegt jetzt mit mir. Meine Brüder, Schwestern und dann zeigen wir den Himmelsmenschen, dass sie sich nicht alles nehmen können was sie wollen und dass dies unser Land ist.

Offline ´eveng te atan

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #11 on: November 06, 2011, 04:33:02 pm »
Also ich hab die Geschichte (absichtlich !) noch nicht gelesen, da sie
eine eigene, kleine Idee vllt. ungewollt verändern könnte/würde.

Zu dem Na'vi in FF-Storys:
Selbst im Film werden einige, kurze Dialoge in Na'vi gesprochen,
OHNE dass Untertitel eingeblendet werden.
Ich denke, dass wir hier eine Minderheit sind, die sich sehr ausgiebig
mit dem Film, den Charakteren und der Sprache, etc. befasst.
Trotzdem hat bislang niemand darüber "gemeckert", dass man ja
im Film "die Hälfte" (hust...) nicht versteht...

So wie Wasser & große Zähne zum weißen Hai gehören, gehört
m.M.n. in eine Na'vi Geschicte auch die Sprache Na'vi.
Es kommt nur darauf an, WIE... !
Ich denke, dass jeder hier (und wer liest sonst die FFs ?) einige
Grundvokabeln aus dem Film kennt (z.B. skxawng, kaltxì, etc.).
Der Rest sollte dann allerdings aus dem Kontext der Geschichte
erklärbar sein.

Bei einem Autor, wie unserem Eichhörnchen bin ich mir dessen
aber zu 99% sicher, dass seine Geschichten von jedermann zu
verstehen sind. Teil 1 versteht man, gleube ich, sogar, wenn man
den Film nie gesehen hat.

Fasst das bitte nicht als böse Kritik auf, es ist nur meine Meinung
und das ohne die Story zu kennen.
Kann sein, dass ich es anders bewerte, wenn ich sie gelesen habe,
nur so recht glauben mag ich das nicht.

Offline Cortana

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #12 on: November 07, 2011, 05:20:17 am »
ich bin leider noch nicht ganz durch... aber man kann sich richtig super reinlesen und reinversetzen... man liest sich richtig in diese welt rein
die charaktere sind gut ausgearbeitet, dass man schon das gefühl bekommt sie zu kennen, und trotzdem kommt immer etwas, was doch überrascht^^
ich bin einfach richtig begeistert, das na´vi kann man tatsächlich auch aus dem kontext auch rauskriegen...
es macht spass zu lesen und ich lese es inzwischen jeden abend bis ich von selber einschlaf weil cih von selbst nicht mehr aufhören kann ;D
ganz großes lob an eichhörnchen und ich freu mich auch schon auf die nächsten teile...

LG Cortana
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Offline Neytiri2000

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #13 on: November 07, 2011, 09:51:29 am »
´eveng te atan:

das von mir oben geschriebene war nur als abmerkung meinerseits angesprochen wurden
( wollte jetzt nicht das sich das negativ auswirkt) ???

mir sind selbstverständlich die Grundvokabeln bekannt
nur will ich darauf hinweise, das Leser/innen die kein Na´vi können  beim Lesen einer Geschichte da behindert werden,
das trifft besonders für längere Sätze zu.
Bei kleinen Wörtern wie zum Beispiel Kaltxí oder anderen kann man ja sagen was es bedeutet
aber wenn man bei jeden satz fragen muss was es bedeutet ist das halt auch blöd

ich will jetzt damit keine schlechte kritik auf Roberts geschichte  verfassen sondern nur
hinweisen das man rücksicht vor den anderen Lesern haben sollte  ;)

ich kann mir gut vorstellen das es vielleicht irgendwann auch Geschichten ganz in Na´vi verfasst werden
aber ich finde es blöd wenn man dann erzählt bekommt " Wenn du das lesen willst lern erstmal die sprache und dann sehen wir weiter ! "
und sowas finde ich dann einfach unfair  :(


Cortana:

freut mich sehr das dir die Geschichten von Eichhörnchen so gut gefallen
darf ich fragen wie weit du bist ?  ;)


Eichhörnchen:

Will mich hier nochmals entschuldigen das ich hier so ne szene abgelassen habe wegen dem Na´vi .
Hoffe du bist mir deswegen nicht böse

Zitate:

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Offline Cortana

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #14 on: November 07, 2011, 05:17:38 pm »
Neytiri2000

ich bin bei der stelle wo ikelu fawn's mutter suchen geht... Fast fertig...
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Offline Ricardo

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #15 on: November 10, 2011, 02:54:34 pm »
FERTIG.
Ich habe dir, lieber Robert, ja schon mehrmals per PN mitgeteilt, was ich denke und ich glaube, auch ohne weitere Worte weißt du es.

Hier der Text, den ich dir schon einmal geschrieben habe:



Bis jetzt kann ich nur sagen, dass mich dein erzählerisches Talent wieder einmal eingefangen hat. Du vermagst es wie kein anderer Autor, den ich kenne, triviale und aus aller Literatur längst bekannte Sätze selbst zu verwenden und doch das Gefühl zu vermitteln, dass es genau so sein muss und trotzdem sehr frisch und neu wirkt.
Wie soll ich das verständlicher sagen ... Stell dir einen Gruselfilm vor, in dem die Kamera langsam den Schritten eines ängstlichen Mannes folgt und dabei immer lautere Musik spielt. Es ist jedem klar, was das bedeutet. Der Regisseur ist gut, wenn er es trotzdem nicht wie "kenn' ich schon, langweilig" aussehen lässt und genau das ist dein Talent.

Wie immer könnte es sein, dass mein Lob zu sehr nach Kritik klingt. Sollte dem so sein, wollte ich es nicht.

Weiterhin beschreibst du die Gefühle der Charaktere wunderbar. Ich kann mich sehr gut hineinversetzen und gerade deine Beschreibungen von Fawn sind traumhaft.

Ach ja, als ich mitten in der Geschichte entdeckte, woher der Titel "Wie Blätter im Wind" stammt, war ich noch mal berührt. Genau solche Rückbezüge von Titel und Geschichte sowie Wortspielen trifft meinen Nerv. Schön gemacht.





In der zweiten Hälfte baute sich dann noch einmal Spannung auf und es wurden Brücken angefangen, die zu weiteren Abenteuern führen. Über diese Brücken würde ich sehr gerne gehen.
Es ist wirklich so, wie du selbst erkannt hast. Du beschreibst die Gefühle deiner Charaktere sehr gut und genau das ist es, worin ich mich so gerne verliere!

Ich kann nur für so etwas Schönes danken, ein dickes Lob aussprechen und auf viele weitere Inspirationen hoffen!

Offline Eichhörnchen

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #16 on: November 11, 2011, 04:18:14 pm »
Kaltxì ma smuktu

Auch euch meinen Dank für eure netten Rückmeldungen. :D

So dann wollen wir mal...

@Neytiri2000
Will mich hier nochmals entschuldigen das ich hier so ne szene abgelassen habe wegen dem Na´vi .
Hoffe du bist mir deswegen nicht böse

Kehe! Das bin ich nicht. Ich habe das Problem mit Andreas schon durch gehechelt.
Fußnoten kommen nicht in Frage, weil ich keine Seiten, in dem Sinne habe, wo man diese unten anfügen könnte. Außerdem ist so etwas auch bisserl nervig. Die Übersetzung dransetzen geht auch nicht, weil es einfach nicht schön aussieht, wenn man alles in einem Satz doppelt liest. Ich könnte mir vorstellen, dann im nächsten Teil einen kleinen Anhang zu veröffentlichen, wo alle schwierigen Textpassagen aufgeführt sind, in der Reihenfolge ihres Auftretens natürlich. :-\

Ihr könnt mich auch einfach fragen, wenn ihr etwas nicht versteht und ich schicke die Hilfe direkt per PM. :-*

ich will jetzt damit keine schlechte kritik auf Roberts geschichte  verfassen sondern nur
hinweisen das man rücksicht vor den anderen Lesern haben sollte  

Siehe Vorschläge Oben...
Ich möchte nicht wie schon gesagt auf Na’vi in meiner Tìyawnvur verzichten. Es hat mich wahnsinnig viel Zeit und Mühe gekostet, diese konstruierte Sprache halbwegs vernünftig zu erlernen und meine Liebesgeschichte ist für mich die einzige praktische Anwendungsmöglichkeit. Das bitte ich zu respektieren. :'(

ich kann mir gut vorstellen das es vielleicht irgendwann auch Geschichten ganz in Na´vi verfasst werden
aber ich finde es blöd wenn man dann erzählt bekommt " Wenn du das lesen willst lern erstmal die sprache und dann sehen wir weiter ! "
und sowas finde ich dann einfach unfair  :(  

Das gibt es schon längst. Schau mal bitte in diesen Thread "Pamrel nìNa'vi nì'aw". ;)
Es soll doch auch keiner Ausgeschloßen werden. Wie gesagt, ich lasse mir etwas einfallen um das Problem zu lösen.
Vielleicht könntest du dich dafür erwärmen, eines Tages es doch mal mit dem lernen zu versuchen. Meine Hilfe ist dir sicher.

@´eveng te atan
Also ich hab die Geschichte (absichtlich !) noch nicht gelesen, da sie
eine eigene, kleine Idee vllt. ungewollt verändern könnte/würde.

Kein Problem. Bedien dich ruhig, wenn es dir in irgendeiner Weise weiterhilft. Freut mich doch, wenn jemand etwas mit meinem Geschreibsel anfangen kann oder es ihn selbst inspiriert, unabhängig davon was du vorhast.

Bei einem Autor, wie unserem Eichhörnchen bin ich mir dessen
aber zu 99% sicher, dass seine Geschichten von jedermann zu
verstehen sind. Teil 1 versteht man, gleube ich, sogar, wenn man
den Film nie gesehen hat.
Kann sein, dass ich es anders bewerte, wenn ich sie gelesen habe,
nur so recht glauben mag ich das nicht.

Naja das hatten wir ja nun auch schon beide “intern” besprochen.
Nicht nur Teil 1, auch die anderen Teile lassen sich gut lesen ohne allzu große Vorkenntnisse der Sprache. In Teil 4 muss ich aber leider zugeben, das wohl stellenweise der Zusammenhang etwas schwerer zu erahnen ist. Dafür bitte ich um Entschuldigung. In der nächsten Fortsetzung werde ich wieder ein Hauptaugenmerk auf die Verständlichkeit legen.

@Cortana
ich bin einfach richtig begeistert, das na´vi kann man tatsächlich auch aus dem kontext auch rauskriegen...
es macht spass zu lesen und ich lese es inzwischen jeden abend bis ich von selber einschlaf weil cih von selbst nicht mehr aufhören kann

Vielen Dank. Schön wieder einen neuen Leser gewonnen zu haben.
Das zeigt mir das es nicht völlig unmöglich ist, den Gesamtinhalt zu verstehen. Vor allem wenn man bedenkt wie kurz du erst bei uns im Forum bist. Finde ich richtig gut. :-*

@Ricardo
Weiterhin beschreibst du die Gefühle der Charaktere wunderbar. Ich kann mich sehr gut hineinversetzen und gerade deine Beschreibungen von Fawn sind traumhaft.

Deine abschließende Bewertung war mir besonders wichtig und ich habe sie voller Interesse und Spannung erwartet. Im letzten Teil schien ich ja leider deine Erwartungen nicht ganz erfüllt zu haben, was mich mit Trauer erfüllt hat. :'(
Er war dir wohl etwas hmm… zu seicht? :-\
Umso schöner das es mir jetzt wieder gelungen ist euch und besonders dich so zu fesseln.

In der zweiten Hälfte baute sich dann noch einmal Spannung auf und es wurden Brücken angefangen, die zu weiteren Abenteuern führen. Über diese Brücken würde ich sehr gerne gehen.
Es ist wirklich so, wie du selbst erkannt hast. Du beschreibst die Gefühle deiner Charaktere sehr gut und genau das ist es, worin ich mich so gerne verliere!

Ich kann nur für so etwas Schönes danken, ein dickes Lob aussprechen und auf viele weitere Inspirationen hoffen!

Tjo was soll ich sagen… Dankeschön! Mir fällt echt ein Stein vom Herzen. :D

Ich hoffe das ich euren Erwartungen auch weiterhin gerecht werden kann. Neue Ideen habe ich schon zuhauf.
Mittlerweile haben alle Protagonisten ihre Fans. Brian ebenso wie Fawn und sogar Ikelu wurde mit Interesse aufgenommen.
Obwohl er nicht als Hauptcharakter konzeptiert war, werde ich das noch mal überdenken und ihn vielleicht weiterhin in die Handlung mit einflechten.
Die Szene mit Fawns Mutter kam wohl auch gut an. Jemand schrieb mir per PM, er dachte für einen Augenblick, ich würde sie sterben lassen. :o
Dabei brauche ich die gute noch. Ist immerhin eine interessante Persönlichkeit. Neben der kleinen Jägerin ist mir Fawns Mutter besonders ans Herz gewachsen. :D

So das soll erstmal reichen. Irayo für das viele Lob und die Anregungen.

'Ivong Na'vi!

ta Robert
« Last Edit: November 12, 2011, 09:35:02 am by Eichhörnchen »
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Toruk'makto

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #17 on: November 21, 2011, 09:58:53 am »
Kaltxì
Ich hab die Geschichte jetzt auch schon länger fertig, nur bin ich bis jetzt nicht zum schreiben iwie gekommen. Naja das hol ich jetzt ma nach :)
Also dir ist die Geschichte mal wieder gut gelungen und sie verlangt förmlich nur nach einer Fortsetzung :)
Also die Stroy is echt gut wobei ich an manchen Stellen echt dachte "Er wird doch nicht,..." hast es dann aber doch nicht getan, gell Robert :) (Ich mein da als Beispiel die Mutter töten)
Naja gut am Anfang hab ich mich ja gefreut, dass ich ma einen Logikfehler gefunden hab, nur leider musste ich feststellen, das du deine geschichten doch ziemlich gründlich durchdenkst :P und dir viele Gedanken zu den ganzen Handlungen machst, sodass sie realistisch und logisch wirken.
Also hoffen wir, das deine Fortsetzung min genauso gut wird. :)
Kìyevame
Die Himmelsmenschen haben uns eine Botschaft gesandt, dass sie sich alles nehmen können was sie wollen und dass niemand sie aufhalten kann. Aber wir schicken ihnen auch eine Botschaft; fliegt so schnell wie euch der Wind nur tragen kann; ruft die anderen Clans herbei. Sagt ihnen Toruk'makto ruft sie zu sich. Ihr fliegt jetzt mit mir. Meine Brüder, Schwestern und dann zeigen wir den Himmelsmenschen, dass sie sich nicht alles nehmen können was sie wollen und dass dies unser Land ist.

Offline Jake.S

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Re: Wie Blätter im Wind - Pxel ayrìk mì hufwe
« Reply #18 on: April 22, 2012, 04:55:59 am »
@Eichhörnchen

Die Geschichte ist ebenfalls sehr gut gelungen!
Hier auch mal mit einer ordentlichen Portion Spannung.
Nach so was freut man sich dann wieder richtig auf die Liebesszenen. 8)

      Naja, einer muss doch auch zur RDA halten, oder nicht?  ::) Und ein Hubschrauber ist nun mal cooler als ein Vogel. :P

 

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