Author Topic: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"  (Read 1848 times)

0 Members and 2 Guests are viewing this topic.

Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« on: March 04, 2012, 04:46:25 pm »
Wie Blätter im Wind Teil 2


Klagelied einer Jägerin


Die ersten sengenden Strahlen der gewaltigen Sonnen Alpha Centauris bahnten sich unaufhaltsam ihren Weg durch das dichte Blätterdach über ihnen. Brian ließ ein geräuschvolles Gähnen vernehmen und streckte seine müden Glieder, während der Schein der leuchtenden Feuerbälle langsam die Kühle der Nacht vertrieb. Direkt vor ihm planschte Fawn im klaren Wasser des Flusses und stieß immer wieder jauchzende Laute aus. Nach dem Vorfall mit Ikelu, hatte sie ihren Himmelsmensch förmlich auf Händen und Füßen bekniet sie morgens zu begleiten und zu ihrer Verwunderung hatte Brian nach anfänglichem Zögern seine Zustimmung gegeben. Dabei wusste das junge Na’vi Mädchen genau wie ungern er so früh aufstand. Ikelu hatte sich seitdem nicht mehr am Fluss sehen lassen und Fawn glaubte auch nicht das er ihr noch einmal zu nahe kommen würde. Doch die Gegenwart des Söldners half ihr dabei, die schlimmen Erinnerungen aus ihrem Kopf zu verdrängen. Mit spielerisch anmutenden Bewegungen schwamm Fawn dem nahen Ufer entgegen und stieg splitternackt aus den Fluten. Interessiert sah ihr der Söldner entgegen als die kleine Jägerin zu ihm trippelte und ihre Sachen anlegte. “Wirklich hübsch…”, sagte Brian anerkennend bei ihrem Anblick. Brians Verlangen sich näher mit ihrer Atemberaubenden Erscheinung zu beschäftigen, wurde nur noch von seinem bohrenden Hungergefühl überlagert. Ein Knurren ertönte aus seiner Magengegend und Brian hielt eine Hand auf seinen gepeinigten Bauch. “Du hörst dich an wie ein Nantang”, kicherte Fawn, während sie den geschwungenen Dolch mit den Ausmaßen einer irdischen Machete an ihrer Hüfte befestigte. Dem jungen Na’vi Mädchen schien es nichts auszumachen, das immer noch unzählige glitzernde Tropfen von ihrer nassen blau gemaserten Haut herab rannen. Zuletzt überprüfte sie die Verschnürung ihres Lendenschurzes und rief sichtlich befriedigt. “Komm mit mir, ma Brian. Unsere Brüder und Schwestern haben sich bestimmt schon versammelt.” Ohne eine Reaktion abzuwarten, ergriff sie seine Hand und zog ihn mit fast anmutig wirkenden Bewegungen zum nahen Kelutral.

Die Luft an der großen Feuerstelle war erfüllt von lauten Rufen, Geplapper und Lachen. Unzählige Gerüche verschiedenartigster Speisen zogen über den imposanten Lagerplatz hinweg und steigerten Brians Hungergefühl ins unermessliche. Fawn nahm wieder ihren vertrauten Platz neben ihrem smukan und seiner Geliebten ein und zog Brian zu sich herunter. Flink nahm der Söldner die Maske ab und ergriff etwas der würzigen Speisen, die er sofort begann gierig herunter zu schlingen. “Nantang…”, flüsterte Fawn mit fauchiger Stimme neben ihm, wobei ihre spitzen Reißzähne zum Vorschein kamen. Das Mädchen reckte die Nase in die Höhe und mit einem jaulenden Klang, ahmte sie den Klagelaut eines Vipernwolfes nach. Ihre Arme angewinkelt vor sich haltend, während sie die schlanken Hände schlaff nach unten hängen ließ, fing Fawn ohne jede Scheu an zu hecheln. Einige Ureinwohner begannen der Vorstellung freudig zu zusehen, während Awaiei sichtlich überrascht, über das seltsame Verhalten des jungen Mädchens wirkte. Iley betrachtete seine smuke irritiert, ganz als habe sie den Verstand verloren und so ließ es die kleine Jägerin dabei bewenden. Als sie wieder ihren völlig verdutzen Himmelsmenschen anblickte, zog ein Grinsen über ihr Gesicht und Fawn begann Hemmungslos zu Lachen. Immer noch kauend, wischte der Söldner Kopfschüttelnd seine Hände am weichen Moos ab. Schließlich setzte Brian die Atemmaske mit einem undefinierbaren Ausdruck im Gesicht auf und erwiderte. “Ach Fawn… lass mich doch. Ich hätte glatt ein Pferd verdrücken können.” Sich über ihre Lippen leckend, warf die kleine Jägerin Brian statt einer Antwort einen überaus sinnlichen Blick zu, worauf dieser sich fast verschluckte. Fawn neigte ihren Kopf mit einem bezaubernden Lächeln und flüsterte zärtlich, “nga yawne lu oer” in das Ohr des Söldners. Derweil Brian tief durch seine Atemmaske Luft holte um den kitzelnden Reiz in seinem Hals zu bekämpfen, begann die junge Na’vi neugierig den vor ihr liegenden Platz zu überblicken. Fast schon auf der anderen Seite saß ihr sempul und besprach sich wie so häufig in letzter Zeit mit den Kriegern des Stammes. Sogar der olo’eyktan lauschte aufmerksam den Worten Ayurs, was Fawn veranschaulichte für wie bedeutungsvoll er die Ausführungen ihres Vaters erachtete. Sie wusste von seinen letzten Jagten und den überaus heftigen Angriff eines Rudels Vipernwölfe. Seitdem er wieder zum Kelutral zurückgekehrt war, hatte ihr sempul nur selten über etwas anderes gesprochen. Seit ein paar Tagen wurden vermehrt Wolfsrudel in der Nähe des Heimatbaumes gesichtet und entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit, waren die Tiere unerwartet Aggressiv.
Plötzlich erhob sich ihr sempul, wobei er seinen Blick über die versammelten Jäger und Jägerinnen am Lagerplatz schweifen ließ. Als Ayur seine Tochter entdeckte, bahnte sich der gewaltige, Furcht einflößende Krieger einen Weg durch die vor ihm sitzenden Ureinwohner und schritt entschlossen auf sie zu. Fawn und ihr Bruder erhoben sich augenblicklich und begrüßten ihren sempul ehrfürchtig. “Za’u fìtseng, ma ‘itetsyìp!” Die Stimme klang hart und kompromisslos, ganz so wie man es von einem leidenschaftlichen Krieger erwartete. Brian machte keine Anstalten sich zu erheben, was ihm einen missbilligenden Blick Ileys einbrachte und sah nur interessiert zu dem großen Na’vi auf, wobei er ihm freundlich zunickte. Sein Gesicht war sichtlich gerötet von der Anstrengung den lästigen Hustenkrampf zu unterdrücken. Fawns sempul führte ein kurzes äußerst hitziges Gespräch mit der kleinen Jägerin. Brian verstand nur wenig des viel zu schnell gesprochenen, allein einige Begriffe, wie das Wort Ikran kamen ihm sehr vertraut vor. Fawn hörte ihrem sempul aufmerksam zu, aber im laufe des Gespräches verfinsterte sich ihr hübsches Antlitz immer mehr. Brian grinste still in sich hinein, als er bemerkte das Fawn wieder bockig wurde. “Ma sempul, warum ich? Das ist nicht Fair. Es gibt genug gute Jäger die diese Aufgabe übernehmen können.” Das junge Na’vi Mädchen hatte in ihrer Aufregung ohne das es ihr richtig bewusst wurde, auf die Sprache der Tawtute zurück gegriffen. So sehr sie auch ihren Ikran mochte und eine tiefe Verbundenheit gegenüber Faeli verspürte, hatte sie sich für diesen Tag vorgenommen, ihn mit ihrem Himmelsmenschen zu verbringen. Ayur war vom respektlosem Verhalten seiner ‘itetsyìp überhaupt nicht angetan, was sich gleich darauf in seiner Erwiderung zeigte. “Sei still! Es ist entschieden.” Drohend hielt er Fawn einen Finger unter die breite Nasenspitze als Geste, dass er keinen weiteren Widerspruch dulden würde. Fawns Ohren lagen seltsam eng am Kopf an und der Söldner wusste das es die kleine Jägerin nur schwer schaffte, ihre aufsteigende Wut im Zaum zu halten. Ihre gesamte Körperhaltung versteifte sich und mehr als einmal schnalzte Fawn verächtlich mit ihrer Zunge. Erst war der wundervolle mit lederartigen Bändchen verzierte lange Schwanz hektisch hinter ihr umher gepeitscht. Nun stand er kerzengrade aufgerichtet, was den Anwesenden verdeutlichte, wie es um die Stimmung des Mädchens bestellt war.
Als der große Krieger geendet hatte, beugte sich Fawn nervös zu ihm herab. “Mein Vater wünscht das ich ihn begleite, ma Brian. Wir werden unsere Banshees nehmen und mit einigen Kriegern die Umgebung des Kelutral nach weiteren Wolfsrudeln absuchen, die uns gefährlich werden könnten.” Brian sah dem Mädchen mit einem sehnsüchtigen Ausdruck in seinen Augen ins Gesicht. “Ich würde dich zu gerne begleiten Fawn”, gab er äußerst bedrückt von sich.
Nachdenklich fuhr sie ihm mit ihren schlanken Fingern durch die reichlich kurzen Haare. “Srane, ma Brian. Das weiß ich… aber das ist unmöglich.” Seine Zustimmung signalisierend nickte der kräftige Söldner und stocherte lustlos mit einem Stück Holz am Feuer herum. “Pass auf dich auf. Ich werde hier auf dich warten.” Fawn hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn, richtete sich schweren Herzens wieder auf und blickte sich immer noch aufgebracht um. Dabei fiel ihr Blick auch auf Awaiei und einen Augenblick fixierten sich die beiden jungen Frauen unbemerkt von den anderen. Niemand fiel auf das sich für einen flüchtigen Moment ein seltsamer Schimmer in den Augenwinkeln der kleinen Jägerin zeigte. Nachdem sie und ihr sempul sich mit der geläufigen Geste verabschiedet hatten, entfernten sich die beiden Geschöpfe fast völlig lautlos. Eine Weile betrachtete Brian nur schweigsam das Feuer, von dem immer wieder knisternd kleine Funken davon stoben.

“Fawn ist traurig, ma Brian.” Überrascht sah er zu Awaiei auf und erwiderte. “Wie kommst du darauf?”
Nun war es an der hageren Na’vi ihn verwundert anzublicken und sie ließ einen fast wehmütig klingenden Laut vernehmen bevor sie zu einer Erwiderung ansetzte.
“Tawtute… hast du es denn noch nicht bemerkt? Das ich ein Kind erwarte, weckt die unterschiedlichsten Gefühle in ihr. Vielleicht wird ihr nun schmerzlich bewusst, das sie nie eigene Kinder haben wird.” Brian atmete deutlich hörbar ein, wobei sein Blick die inzwischen gut sichtbare Wölbung ihres Bauches streifte. “Das kannst du nicht Wissen, Awaiei. Es war ihre Entscheidung.”
Awaiei nickte zustimmend und legte sanft ihre großen Hände auf seine Schultern. “Srane Brian, das war es. Aber ich bin eine Frau und weiß es, vertrau mir bitte. Deine Fawn ist noch sehr jung und sie wird die nächste Zeit deine Unterstützung brauchen.”
Iley meldete sich zu Wort und sagte mit einem unglücklichen Unterton, “Ich habe meiner smuke damals gesagt, wie unterschiedlich sie beide sind und das ihre Entscheidung endgültig ist.” Awaiei packte den großen Krieger entschlossen an der Schulter und fauchte ihn an. “Sei still, skxawng! Glaubst du sie wüsste das nicht?”
Iley setzte wieder seine steinerne Miene auf, die keine Rückschlüsse auf seine waren Gedanken zuließ. Brian bewunderte ihn jedes Mal aufs Neue für seine Beherrschtheit. Fast andächtig erhob sich Awaiei und gab ihren muntxatu zu verstehen, mit ihr zu kommen. Beide verabschiedeten sich die Vertraute Geste beschreibend von Brian, wobei die Na’vi  ihm noch ein aufmunterndes Lächeln schenkte. Nach einem letzten Blick über den großen Versammlungsplatz schritten sie davon und ließen einen sehr nachdenklich wirkenden Himmelsmenschen zurück.

******

Leicht vorgebeugt um dem anbrandenden Winden, so wenig wie möglich Widerstand zu bieten, stand Fawn auf ihrem Ikran. Das handgefertigte Fluggeschirr erfüllte seinen Zweck und verhinderte, das die junge Na’vi den Halt verlor. Unter ihr zog die eintönige Landschaft des Urwalds in Atemberaubenden Tempo dahin, nur gelegentlich unterbrochen von einer Lichtung oder eines im Sonnenlicht glitzernden Bachlaufs. Ihr sempul hatte sich schon kurz nach ihrem Abflug vom Heimatbaum, mit zwei Begleitern von der Gruppe gelöst, damit sie ein größeres Gebiet absuchen konnten. Über das Band mit dem mächtigen Geschöpf verbunden, gab die kleine Jägerin ihm gedankliche Befehle, worauf der Ikran immer wieder folgsam seinen Kurs korrigierte. Gelegentlich stieß Faeli wie das Mädchen seinen Begleiter nannte dabei durchdringende Schreie aus, was Fawn dann dazu veranlasste ihm beruhigend in seine empfindlichen Ohren zu flüstern. Ihr Ikran stand in seiner Launenhaftigkeit, dem Verhalten des Na’vi Mädchens in nichts nach und als sie es das erste Mal bemerkt hatte, wäre sie vor Lachen fast von dem prachtvollen Tier herunter gerutscht. Sie war eins mit dem mächtigen Geschöpf und im Laufe der Zeit hatte sie Faeli fest in ihr Herz geschlossen. Mit geschärften Sinnen sondierte das Mädchen ihre Umgebung und ließ den Ikran in einen sanften Gleitflug übergehen. Als sie meinte sich weit genug vom Kelutral entfernt zu haben, begann Fawn zu suchen. Nach einer Weile erspähte sie das erste Wolfsrudel, fast in der Gegend die ihr sempul in seinen Ausführungen beschrieben hatte. Einen kreischenden Laut von sich gebend, zog der gewaltige Ikran über die Ansammlung von Wölfen hinweg, die bei seinem Schrei allerdings keine Anstalten machten davon zu rennen. Fawn überlegte einen Moment, ob sie das unter ihr befindliche Rudel weiter beobachten sollte, entschied sich aber schließlich dagegen. Die Anweisungen ihres Sempul waren eindeutig gewesen. Sie sollte nach weiteren Wolfsrudeln in der Umgebung des Kelutral suchen. Fawn war sich nur nicht sicher, ob ihr das aufspüren allein von oben gelingen würde. Neben ihr flog Oreyu und etwas hinter ihm ein noch junger Na’vi den Fawn nur flüchtig kannte. Beide versuchten dabei ständig an ihrer Seite zu bleiben, was dem erfahrenen Jäger keine besonderen Schwierigkeiten bereitete. Gelegentlich kamen sie sich so nahe das Fawn in die großen prüfenden Augen des alten Kriegers sehen konnte. Ihn umgab eine Aura der Unnahbarkeit, wie fast alle auserwählten Krieger des olo’eyktan.
Eine Eigenschaft die sie seit einiger Zeit auch an Iley verstärkt beobachtete. Auf dem Gesicht des Kriegers waren deutlich die Narben zu sehen, welche von vergangenen Kämpfen zeugten. Der andere Na’vi vollführte lachende Laute von sich gebend immer wieder gewagte Flugmanöver, was ihm eine wütend geschrieene Bemerkung Oreyus einbrachte. Fawn achtete nicht weiter auf ihn und konzentrierte sich erneut auf ihre Aufgabe. Das Mädchen ließ ihren riesigen Begleiter eine gewaltige Fläche rund um den Heimatbaum abfliegen. In einer Gegend in der die jungen Frauen des Stammes meist verwertbare Pflanzenfasern und Früchte sammelten vermeinte sie plötzlich etwas entdeckt zu haben. Die Nähe zum Kelutral verunsicherte Fawn, während sie ihren Ikran ruhelos kreisen ließ. Nach einer Weile gab sie ihm über ihr Tsahelu Befehl zu landen und mit seinen messerscharfen Klauen hakte sich das gewaltige Tier an einem Baum fest. Fawn löste die Verbindung, hangelte sich geschickt zum Boden des Urwaldes hinab und begann mit ihrer Suche. Dabei kamen ihr ihre ausgeprägten Fähigkeiten als Spurenleserin zu Hilfe.
Oreyu blieb ihr auf den Fersen, dicht gefolgt von dem noch unreifen Krieger und trotz seines fortgeschrittenen Alters hatte der Na’vi nichts von seiner Geschicklichkeit eingebüßt. Nach einiger Zeit fanden sie die ersten Fährten und verfolgten sie ein Stück in das Dickicht hinein. Den zahlreichen durcheinander verlaufenden Spuren nach musste es ein ungewöhnlich großes Wolfsrudel sein und die Tiere waren allem Anschein nach sehr aufgeregt gewesen. Fawn legte ihre Hand auf die Spuren, hob ihre breite Nase in die Luft um Witterung aufzunehmen und betrachtete nachdenklich die vor ihr liegende Szenerie. Das Mädchen entschied, sich noch etwas umzusehen, bevor sie zum Heimatbaum zurückkehrten. Es erfüllte Fawn mit Genugtuung, das Ayur ihr die Führung der kleinen Gruppe anvertraut hatte. Sie machte Oreyu lautlos ein Zeichen hier auf sie zu warten, worauf der Krieger nur ein leichtes Nicken andeutete. Mit Kampfbereiten Bogen, blieb der Jäger hinter ihr zurück, wobei sich deutlich die Anspannung auf seinem Gesicht abzeichnete. Bevor der junge kampfbegeisterte Krieger der kleinen Jägerin nacheilen konnte, hielt ihn Oreyu fest.
Eine Stück weit folgte Fawn der Fährte, deren Spuren zunehmend frischer wurden. Plötzlich von einer inneren Warnung erfüllt, blieb sie stehen und lauschte angestrengt in das vor ihr liegende fast undurchdringliche Gestrüpp des Waldes. Ihre empfindlichen Ohren registrierten mit wachsender Besorgnis die unheimliche Stille um sie herum, wo sonst die unterschiedlichsten Geräusche zu vernehmen waren. Seltsam berührt, richtete sich Fawn auf, als sie ein Rascheln neben sich bemerkte und dann noch eines. Irgendetwas näherte sich, schlich sich an die kleine Jägerin und ihre wachsamen Begleiter heran, wollte sie umrunden… heimtückisch… bösartig. Hinter ihr ertönte im selben Augenblick von dem älteren Krieger ein harsches “Ftang!“, welches dem Klang nach voller Furcht ausgesprochen wurde. Fawn sprang von den dichten Büschen zurück und rief panisch nach ihrem Ikran. Ein Jaulen und Knurren erfolgten schon gefährlich nahe als Antwort. Kurz nachdem sie die vertrauten Locklaute ausgestoßen hatte, brach der Körper des riesigen Tieres unter heftigen Flügelschlag vor ihr durch das Blätterdach des Waldes.
In Windeseile erklomm die Jägerin geschickt den bunt gemaserten Rücken des Ikrans, verband sich mit ihm und unter einem wilden kraftvollen Aufschrei, erhob sich Faeli vom Boden. Auch Oreyu war ihrem Beispiel gefolgt und befand sich mit seinem wesentlichen größeren Banshee in der Luft. Fast im selben Moment sprangen die ersten Vipernwölfe mit gebleckten Zähnen aus dem Unterholz hervor. Rasend vor Wut versuchten sie ihre Fänge in die über ihnen befindlichen Wesen zu treiben. Ein markerschütternder Todesschrei erklang unter ihnen und ließ Fawn erschreckt zusammen zucken. Der waghalsige junge Na’vi hatte weniger Glück und bevor er sich auf seinen hektisch mit den Flügeln schlagenden Ikran schwingen konnte, sprang ihn ein Vipernwolf von hinten an und riss ihn zu Boden. In Windeseile war der Körper des Ureinwohners in einem wilden Strudel aus Klauen und Reißzähnen verschwunden. Nur sein Ikran schaffte es der Bedrohung zu entgehen und flog unter wilden Flügelschlag den anderen hinterher. Heftige Schreie von sich gebend, stiegen sie immer weiter auf, bis die Nantangs nur noch dunkle Schatten im grünen Meer des Waldes waren. Entsetzt schaute Fawn einen Augenblick auf das sich versammelnde Rudel unter ihr hinab. Tränen bildeten sich in ihren Augenwinkeln und selbst Oreyu der nun wieder an ihrer Seite flog, standen der Schrecken über den Tod ihres Bruders ins Gesicht geschrieben. Zögernd gab sie ihrem treuen Begleiter über das Band den Befehl zum Kelutral zurück zufliegen. Jede weitere Spurensuche erschien ihr zum gegenwärtigen Zeitpunkt zu gefährlich. Sie hatte genug gesehen und brannte darauf ihren sempul und den anderen Kriegern des Stammes Bericht zu erstatten.

******

In Gedanken immer noch bei Fawn, hatte sich Brian inzwischen ihrem kleinen Lagerplatz genähert, unschlüssig darüber was er in der Zwischenzeit anfangen sollte. Gelegentlich grüßte er einen der überall hantierenden Ureinwohner, sobald er ein vertrautes Gesicht entdeckte. Unter anderem auch Ikelu, aus dessen Blicken er einfach nicht schlau wurde und wie so oft ignorierte Brian das spöttische Lächeln das der eindrucksvolle Krieger zur Schau stellte und schritt gelassen weiter. Inzwischen machte es dem Soldat kaum noch etwas aus, sich zwischen den riesigen Geschöpfen zu bewegen. Er dachte daran das ihm Iley aufgetragen hatte einige Pfeile anzufertigen, von denen Brian noch nicht einmal die Hälfte fertig hatte. Lustlos tastete er nach seinem Kampfmesser, doch seine Hand griff ins leere. Verwundert betrachtete der Söldner den stramm sitzenden Gürtel, wo sich normalerweise die Waffe befinden sollte. Vermutlich hatte er sie beim frühen Aufbruch zum Fluss, einfach vergessen anzulegen. Brian entschied sich seufzend das scharfe Messer zu holen. Schon aus Entfernung vernahm er das Lachen einiger Na’vi Kinder und beschleunigte derart aus seinen Überlegungen gerissen die Schritte. Brian rannte den jungen Na’vi entgegen und schnaufend erreichte er ihren an gestammten Schlafplatz. Was er dort sah ließ den Atem des sonst so unerschrockenen Söldners stocken.
Mit neugierigen Blicken waren die blauen Geschöpfe in die Betrachtung seines Rucksacks vertieft, deren Inhalt weit verstreut vor ihnen auf dem Boden lag. Eines der Kinder hatte sich die Atemmaske seines Ersatz Exopacks aufgesetzt und tollte ausgelassen damit um die anderen herum. “Ihr kleinen Racker…”, entfuhr es Brian und entschlossen schritt er auf die Gruppe zu, um ihnen die Sachen wieder abzunehmen. Erschreckt sahen die kleinen Na’vi von ihrem Treiben auf, als sie den heranstürmenden Himmelsmenschen bemerkten und stoben dann kichernd in alle Richtungen davon. Verärgert überflog Brian die vor ihm liegende Szenerie und nach einer oberflächlichen Überprüfung stellte er fest, das sein Kampfmesser, die Stablampe und die Maske des Ersatz Exopack ihren Besitzer gewechselt hatten. Er war sich der unglaublichen Neugier der Na’vi Kinder bewusst, waren doch die für sie so fremdartigen Gegenstände aus einer anderen Welt zu verlockend. Schon mehr als einmal hatte der Söldner eingreifen müssen, wenn sich ihre Pfötchen zu intensiv mit seinen Sachen beschäftigten, nachdem die kleinen Na’vi jede Scheu vor ihm verloren hatten. Diesmal allerdings waren sie entschieden zu weit gegangen. Während sein Herzschlag sich merklich beschleunigte, flitzte der durchtrainierte Söldner den flüchtigen Missetätern hinterher. Kaum einer der anderen Ureinwohner schenkte dem keuchenden Tawtute Beachtung, als er sich fluchend seinen Weg zwischen ihnen hindurch bahnte. Brian war dafür überaus dankbar, ebenso das sich ihm niemand in den Weg stellte um Fragen zu stellen, was er da machte. Ein Stück vom Lagerplatz entfernt, erwischte er den ersten der kleinen Na’vi und nahm ihm das Kampfmesser ab. Kichernd betrachtete ihn der Junge einen Augenblick und trippelte dann davon als sei nichts geschehen. Brian achtete nicht weiter auf ihn und nahm sich den nächsten der kleinen Racker vor. Mittlerweile hatten sie bei ihrer Jagd durch das Lager die große Feuerstelle erreicht, die um diese Zeit fast verlassen vor ihnen lag. Brian vollführte einen gekonnten Hechtsprung und schaffte es das vor ihm Flüchtende Na’vi Mädchen an ihrem Schwanz zu packen, worauf beide unter lauten Aufschreien zu Boden gingen.
Sichtlich erschrocken über seine ungebührliche Handlung, richtete sich die Na’vi keuchend wieder auf und händigte ihm ohne weitere Gegenwehr fauchend die Stablampe aus. Brian überprüfte schnell ob sie bei dem Sturz vielleicht Schaden genommen hatte, doch sein Verdacht bestätigte sich nicht. Obwohl sie ihm Leid tat, beschloss Brian sich nicht länger um die junge Ureinwohnerin zu kümmern und schnell wie der Wind raste der Söldner dem letzten der Na’vi Kinder nach. Der Junge war immer wieder kurz stehen geblieben und hatte so vom Schicksal seiner Freunde erfahren.
Deutlich kraftloser rannte er weiter, als Brian sich ihm zuwandte und verschwand zwischen den Sträuchern, hinter denen es zum Fluss hinunterging. Brian mobilisierte alle seine Kräfte und legte einen Spurt hin, wofür ihn jeder Langstreckenläufer bewundert hätte. Bevor der Junge das Flussufer erreichte, erwischte ihn der Söldner und riss den Na’vi härter als beabsichtig an der Schulter herum. “Habe… ich dich… endlich.” Brian brachte die Worte nur keuchend hervor und ein schmerzhaftes Stechen machte sich unangenehm in seiner Seite bemerkbar. Verwundert darüber, das es der Tawtute geschafft hatte ihn einzuholen, machte der junge Na’vi einen äußerst Mitleideregenden Eindruck. Vorsichtig griff Brian nach der Atemmaske und zog sie langsam vom Gesicht des Ureinwohners.
“Was hattest du dir eigentlich dabei gedacht?” Der Junge starrte ihn nur mit seinen leuchtend gelben Augen an und erwiderte nichts. “Auch noch sprachlos… na schön. Jetzt geh wieder zurück zu deinen Freunden.” Wesentlich freundlicher gestimmt, als er seine Sachen wieder sicher in seinem Besitz wusste, deutete der Söldner auf den nahen Kelutral. Sichtlich verunsichert so als ob er eine Bestrafung von Brian erwartete, schlich sich der kleine Na’vi an ihm vorbei. Innerhalb weniger Augenblicke war seine Gestalt zwischen dem vor ihnen aufragenden Dickicht verschwunden. Seufzend hielt Brian die Maske abwägend in der Hand, betrachte eine Weile seine Umgebung und stapfte dann Kopfschüttelnd ebenfalls zum Kelutral zurück.

******

Ayur war von Ungeduld erfüllt, welche sich auf seinen gewaltigen Ikran übertrug. Immer wieder schrie das in wundervollen Farben gemusterte Tier vom Jagdtrieb erfasst auf. Wie alle Banshees verfügte sein Begleiter über einen fast unbeugsamen Willen. Sobald der Krieger einen Befehl nicht nachdrücklich genug übermittelte, versuchte der Ikran seinen eigenem Verlangen nachzugehen. Gedanklich trieb er das Tier zurück zum Kelutral, dicht gefolgt von den beiden ihn begleitenden Jägern. Der Flug hatte gezeigt, das sich in absehbarer Zeit eine Konfrontation mit den Wölfen anbahnte. Die schon von Natur aus kampflustigen Tiere, gebärdeten sich wie wild, wenn sie der Jäger gewahr wurden. Sobald der Ikran sich im oberen Teil des mächtigen Kelutral festgehakt hatte, löste Ayur das Band und sprang auf einen riesigen Ast unter ihm. Geschickt hangelte sich der erfahrene Jäger in die Tiefe, seine beiden Begleiter dicht im Gefolge, die seinem können in nichts nach standen. Eyaye hatte das herannahen der Ikrans mit Interesse verfolgt und erwartete am Fuße des gewaltigen Kelutral aufgeregt ihren geliebten muntxatu. “Ma Ayur, oel ngati kameie”, sprudelte die reife Na’vi ihre Begrüßung unter Herzrasen hervor. Obwohl sie mit ihrem Ayur nun schon unzählige Jahre vor Eywa vereint war, brachte es immer wieder ihr Blut in Wallung, wenn sie seiner gewahr wurde. Eyaye konnte zu ihrer Betroffenheit die Nächte an ihren Fingern abzählen, die sie in ihrem gemeinsamen Schlaflager mit Ayur verbracht hatte. Allzu gerne hätte sich die anmutige Na’vi öfters zügellos dem gewaltigen Krieger hingegeben und sich mit ihm vereint, jedoch wusste sie wie viel dem erfahrenen Krieger die Jagd bedeutete. Auch wenn es für die Na’vi Frau bedeutete, das sie viel zu oft allein zurück blieb. Ihr Geliebter beschrieb eilig die Begrüßungsgeste zur Stirn und hechtete an der sehnsüchtig wartenden Frau vorbei. Mit trippelnden Schritten folgten leichtfüßig die anderen Jäger seiner kleinen Gruppe. Keine Umarmung oder sonstige Zärtlichkeit folgte, nach der sich die reife Frau instinktiv gesehnt hatte. Enttäuscht senkte Eyaye, von traurigen Gefühlen erfüllt ihren Blick zum Boden und Erinnerungen an längst vergangenes überkam sie. Ayur war schon als Kind immer den Jägern heimlich gefolgt, hatte schnell gelernt Spuren richtig zu deuten und seine Kampfkünste kontinuierlich verbessert. So blieb es nicht aus das die Krieger seines Stammes bald auf ihn aufmerksam wurden. Früher als die meisten anderen Na’vi, bestand Ayur die schwere Prüfung der angehenden Jäger und erwählte seinen Ikran, ein überaus mächtiges Tier mit einer gewaltigen Flügelspannweite. Für seine Kayur war dieses Ereignis ein deutliches Zeichen das sie sich nicht in ihm getäuscht hatten. Eyaye war zu diesem Zeitpunkt bereits dem für sie so aufregenden Jäger zugetan. Auch Ayur erwiderte ihre Umgarnungen und Zärtlichkeiten. Schon bald war es für ihre Brüder und Schwestern offensichtlich das sich zwischen den beiden jungen Na’vi etwas anbahnte. Innerhalb nur weniger Jahre, hatte sie ihre Kinder das Licht Pandoras erblicken lassen. Im Gegensatz zu den meisten Na’vi, die nur ein Kind bekamen und aufzogen, fühlte sich Eyaye vom Schicksal begünstig. Nur äußerst selten kam es vor das eine junge Na’vi Frau noch ein drittes Kind zur Welt brachte. Während sie mit fast geschlossenen Augen ihre Gedanken um Fawn und Iley kreisen ließ bemerkte die Na’vi nicht, das sich ihr jemand näherte.
Ein Finger legte sich unter ihr Kinn und drückte es sanft nach oben. Erschrocken riss Eyaye ihre gelben Augen auf und blickte in das lächelnde Gesicht Ayurs. Seine dichten schwarzen Haare fielen zu beiden Seiten fast bis auf die Schultern herab, als versuchten sie dem vorherrschenden harten Ausdruck in seinem Antlitz etwas von seiner Schärfe nehmen.
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #1 on: March 04, 2012, 04:48:56 pm »
“Was bedrückt meine geliebte muntxate? Du siehst traurig aus, ma Eyaye.”
Zärtlich strich der Krieger eine herabhängende Haarsträhne aus ihrem hübschen Gesicht, wobei er sie wohlwollend betrachtete.
Eyaye verschluckte sich vor Überraschung, derweil ihr Herz anfing Freudensprünge zu vollführen. In ihrer Niedergeschlagenheit hatte sie gar nicht wahrgenommen, dass ihr Geliebter noch mal zu ihr zurückgekehrt war. Ein leichtes Schamgefühl machte sich in ihr bemerkbar und vor Aufregung schaffte sie es nicht ihre nun merkwürdig zittrige Stimme unter Kontrolle zu bekommen.
“Ma Ayur… ich…”, Eyaye verschlug es vollends die Sprache. In Gedanken schalt sie sich eine Närrin für ihr Verhalten und kam sich wieder vor wie ein junges Mädchen, das gerade von ihrem liebsten erwählt wurden war. Der gewaltige Krieger packte seine schlanke muntxate und zog sie dicht an sich heran. Ayur küsste sie leidenschaftlich, wobei ihre Lippen miteinander fast verschmolzen und Eyaye ließ ihn gewähren. Zu sehr hatte sie sich diesen Moment herbeigesehnt. Unerwartet sanft klangen die Worte des Kriegers, wie er sich von ihr löste. “Ma Eyaye, ich nehme mir immer zu wenig Zeit für dich… oeru txoa livu.”
Sie deutete wortlos ein leichtes Nicken an und nur ihre strahlenden gelben Augen zeugten von der Freude, die von ihr in den letzten Augenblicken Besitz ergriffen hatte. In einiger Entfernung warteten neugierig die anderen Jäger und ließen Gelächter vernehmen. Damit verflog für die beiden flirtenden Na’vi der Zauber des Augenblicks und wütend fuhr Ayur seine Begleiter an. “Seid still… alle beide. Ma Eyaye, warte hier auf mich. Ich bin bald zurück.“ Ayur riss sich von seiner aufregenden Begleiterin los und trat den wartenden Ureinwohnern entschlossen entgegen. Kommt meine Brüder, der olo’eyktan erwartet unsere Nachricht. Damit drängte er sich an den Jägern vorbei, die Mühe hatten, mit dem weit ausholenden Krieger Schritt zu halten. Die Na’vi sah ihnen mit vor Glück wild schlagenden Herzen nach. Eyaye konnte es kaum erwarten, bis ihr muntxatu zu ihr zurückkehrte und so hoffte sie, dann für länger.

******

Verwundert sah Fawn auf ihren völlig verschmutzen Himmelsmenschen herab, der sichtlich erschöpft auf dem Moos ruhte. Sie hatte nach ihrer Rückkehr, Ayur bereits beim Stammes Anführer vorgefunden gehabt und nur noch seinen Ausführungen ihre eigenen Erlebnisse beigefügt. Sobald ihre Anwesenheit nicht mehr erwünscht wurde, war sie aufgeregt zum kleinen Lagerplatz geeilt um nach Brian zu sehen. Der Soldat wirkte vom äußeren Erscheinungsbild auf die junge Na’vi, als habe er während ihrer Abwesenheit einen Ringkampf mit einem der Krieger des Stammes hinter sich gebracht. Neugierig hockte sich Fawn neben dem Söldner hin und stupste ihn leicht an. “Ma Brian was ist passiert?” Ruckartig öffnete Brian seine Augen, als er die lieblich klingende Stimme der kleinen Jägerin vernahm. Er musste wohl für einen Augenblick eingenickt sein, anders konnte er es sich nicht erklären, das ihm Fawns herannahen entgangen war.
Die unerwartet heftige Jagd hatte letztlich doch ihre Spuren an dem durchtrainierten Soldaten hinterlassen. Seufzend richtete sich Brian auf und blickte der Jägerin in ihre hübschen großen Augen. “Frag lieber nicht Fawn. Diese kleinen Racker…”, dabei deutete er auf eine Gruppe Na’vi Kinder die immer noch neugierig in einiger Entfernung herübersahen, “…haben einige meiner Ausrüstungsgegenstände entwendet und ich musste sie ihnen wieder abnehmen.” Unsicher erwiderte das Mädchen, “mehr nicht, ma Brian? Du siehst aus als seiest du mit einem Hammerkopf zusammengestoßen.” Brian antwortete nicht darauf und versenkte seine Hände in den breiten Hosentaschen.
“Was hat deine Suche ergeben, Fawn? Hast du irgendetwas herausfinden können?” Sichtlich betroffen schüttelte das Mädchen ihren Kopf. “Wir haben einen unserer Brüder verloren. Die Nantangs…”, die kleine Jägerin stockte in ihren Ausführungen, “… er war zu unvorsichtig, ma Brian.” In dem Moment wie Brian zu einer Erwiderung ansetzen wollte, trat eine sichtlich aufgeregte Na’vi Frau an sie heran, in ihrem Gefolge ein junges Mädchen, das immer wieder auf den Söldner deutete und dabei auf sie einsprach. Brian erkannte das Kind sofort und ihm schwante nichts Gutes dabei. Fauchend brach ein wütender Wortschwall aus der großen Ureinwohnerin hervor und Brian hatte Mühe überhaupt etwas davon zu verstehen. Fawn war sichtlich verblüfft beim Erscheinen der Frau aufgesprungen und versuchte in Erfahrung zu bringen, was sie so erzürnte. Nach einem kurzen äußerst intensiven Wortwechsel, trat die Jägerin etwas zurück, wobei sie sich eine Hand vor den Mund hielt, fast so als habe sie die Aussage der Frau erschreckt. Im nächsten Moment bemerkte Brian jedoch, der das Geschehen aufmerksam verfolgt hatte, das Fawn nur versuchte ein aufquieken zu verbergen, das in dieser Situation äußerst unangebracht gewesen wäre.
Mit wenigen Schritten war sie wieder an Brians Seite. “Du hast was getan ma Brian? Ist das wirklich wahr?” Sie flüsterte fast schon und ihre Augen nahmen einen seltsamen Glanz an. Dabei deutete sie auf das vor ihnen stehende Mädchen das den Himmelsmenschen mehr verwundert als bösartig anblickte. “Was hätte ich denn tun sollen Fawn? Sie hatten das Ersatz Exopack und mein Kampfmesser entwendet und ich habe sie auf frischer Tat ertappt. Fawn sah ihn sichtlich erheitert an bei der Vorstellung wie er die junge Na’vi am Schwanz gepackt hatte um sie zu erwischen und versuchte die verfahrene Situation wieder in den Griff zu bekommen.
“Tam tam, ma Brian. Es ist besser wenn du jetzt gehst. Ich werde mit ihr reden. Wir treffen uns später bei meinem smukan. Er möchte sicher, dass du weiter mit dem Bogen übst.”
Nachdenklich trat der Söldner vor die große Frau und streckte seine Hand aus. “Es tut mir sehr leid. Ich wollte das nicht.“ Ohne eine Regung blickte die Na’vi schweigend auf ihn herab, nur das kleine Mädchen stieß ein leichtes fauchen aus. Über die Missachtung der Na’vi irritiert, zog er seine Hand zurück. Enttäuscht schlenderte Brian davon und ließ die ihm erstaunt nachblickenden Ureinwohner hinter sich zurück.

******

Iley kam mit selbstbewussten Schritten zu ihnen herüber, im Gefolge einen noch sichtlich jungen Na’vi. Die Art wie der Jäger seinen einfachen Bogen hielt verriet Fawn, das er keinerlei Erfahrung im Umgang mit der Waffe hatte. Beide Neuankömmlinge machten das Zeichen der Begrüßung. “Das ist Ateyi, ma smuke, stellte Iley den Jäger vor. “Ich möchte dass du ihn im Bogenschiessen unterrichtest und somit weitergibst, was uns unser sempul lehrte. Ich bin mit den anderen angehenden Jägern beschäftigt und Ateyi bat mich darum.“ Der junge schmächtige Ureinwohner sah sie Aufmerksam an, wobei es Fawn vorkam, als könne er nicht seine Blicke von ihr lösen. Die kleine Jägerin nickte ihrem neuen Schüler flüchtig zu, dann nahm sie ohne eine Reaktion abzuwarten, den Bogen von Ateyis Schulter und ließ ihre Finger zur Überprüfung eingehend über das Material gleiten.
“Er ist nicht so gut wie ein Jagdbogen aus dem Holz des Heimatbaumes…”, das Mädchen ließ ihre Worte auf den Na’vi wirken der sie sichtlich erschreckt ansah, “… aber ich denke für den Anfang sollte es gehen”. Ateyi atmete voller Erleichterung aus. Fast hatte er befürchtet dass die Jägerin ihn ablehnen würde. Fawn reichte ihm seinen schlichten Bogen zurück und deutete auf ihren smukan, der schon wieder mit den anderen Übungen vollführte. “Komm mit mir, Ateyi”, sagte das Na’vi Mädchen und trippelte anmutig zu Iley hinüber. Der schmächtige Jäger folgte aufgeregt in ihrem Schlepptau, wobei er sich immer wieder umsah. An einer lichten Fläche des Urwaldes, standen die sich im Bogenschießen übenden Jäger, gelegentlich unterbrochen, durch einen missmutigen Laut oder einer Aufforderung des großen Kriegers. Auch Brian war in seine Übungen vertieft und Iley hatte ein besonderes Augenmerk auf ihn gerichtet. Einen Moment beobachte Fawn neugierig wie ihr geliebter Himmelsmensch sich anstellte. Brian wirkte äußerst konzentriert und schien die kleine Jägerin nicht einmal zu bemerken. Immer wieder richtete er seinen Bogen neu aus, wobei er die Sehne überprüfte. Das Mädchen hütete sich ihn anzusprechen, oder gar dabei zu unterbrechen, wusste sie doch genau, wie ungehalten ihr smukan darauf reagieren würde. Der swizaw löste sich von Brians Bogen und traf das anvisierte Ziel haargenau. Ein begeisterter Ausruf von Iley war die Folge. Zufrieden wandte Fawn sich ab und führte Ateyi zu einer freien Fläche etwas abseits der anderen übenden. Sie entschied dass es besser war, wenn der junge Ureinwohner erst einmal ein Gefühl für die nicht ungefährliche Waffe bekam. Der Jäger sah sich verdrossen im Kreis um, bis sein Blick wieder auf das Na’vi Mädchen fiel. “Warum üben wir hier und nicht zusammen mit den anderen?” Fawn deutete ihm an seinen Bogen abzunehmen, während sie kühl erwiderte. “Kehe! Ich möchte nicht das du vielleicht jemand verletzt.” Sie zeigte auf etwas in einiger Entfernung. “Siehst du den dünnen Stamm des Tigerzahns dort drüben Ateyi? Versuch ihn zu treffen, das sollte nicht allzu schwer sein.” Die kleine Jägerin war Ateyi behilflich, die richtige Körperhaltung anzunehmen. Äußerst schnell bemerkte sie, dass ihre Nähe dem jungen Ureinwohner gefiel. Seine Blicke wanderten immer wieder zu dem jungen Na’vi Mädchen, statt sich dem eigentlichen Ziel zu zuwenden. “Konzentriere dich gefälligst, Ateyi.” Fauchend, gab die Jägerin ihm einen Klaps auf den Kopf, worauf dieser erschreckt zusammenzuckte und schuldbewusst seinen Bogen auf den Stamm ausrichtete. Äußerst unbeholfen versuchte der Jäger eine korrekte Haltung anzunehmen, wie es ihm das Mädchen gezeigt hatte. Abermals blickte er Fawn in die Augen und sie nickte ihm erwartungsvoll zu, als Geste dass er beginnen sollte. Fast lautlos ging der Pfeil auf die Reise, passierte den Tigerzahnbaum und verschwand im Unterholz. Das Mädchen sah dem Ureinwohner in die enttäuschten Augen. “Noch mal Ateyi.”
Der nächste Pfeil surrte dem Stamm entgegen, blieb aber ein Stück vor dem Ziel mit zitterndem Schaft im weichen Boden stecken. Fawn zeigte einen undefinierbaren Gesichtsausdruck und nahm Ateyi den Bogen, sowie einen weiteren Pfeil aus der Hand. Ohne zögern legte das Na’vi Mädchen an und versuchte konzentriert die Entfernung richtig einzuschätzen. Ateyi keuchte vor Erstaunen laut auf, als die kleine Jägerin, den Pfeil blitzschnell abschoss und mitten ins Ziel traf. Begleitet von einem Lächeln gab Fawn den Bogen wieder zurück. “Du darfst ihn nicht überspannen, ma Ateyi. Halte ihn etwas überhöht, dann trifft der Pfeil nicht den Boden.” Fawn konnte nachempfinden wie sich der Jäger fühlen musste. “Sei nicht enttäuscht, Ateyi, es ist schwerer als es aussieht. Mein sempul hat lange gebraucht, mir sein Wissen zu lehren.” Die Jägerin deutete dem Na’vi an es weiter zu versuchen und ließ sich nachdenklich auf dem Gras nieder, wobei sie sich hütete ihren Schützling aus den Augen zu lassen. Eine Weile verging, in der Ateyi weiter mit der festen Überzeugung übte es zu schaffen und das Mädchen begann sich zu langweilen. Wie gerne hätte sie jetzt Brian bei seinen Übungen beigewohnt. Aufseufzend begann die kleine Jägerin wie so oft in letzter Zeit, sich ihrem halb nackten Körper zu widmen, wenn man von dem äußerst schlichten Lendenschurz absah. Ein Aufschrei riss sie aus ihren Betrachtungen. Der junge Jäger hatte es nach unzähligen Versuchen fertig gebracht, das Ziel genau zu treffen. Erleichtert trat die kleine Jägerin neben ihn. “Das war sehr gut Ateyi. Nun hole die Pfeile zurück und geh zu den anderen.” Sie war etwas gereizt, das ihr smukan ihr diesen jungen Jäger zur ersten Ausbildung geschickt hatte und sich nicht wie sonst auch selbst seiner annahm. Fawn verspürte mit einem mal Hunger, was wohl auch daran liegen mochte, das sie seit ihrem Flug mit Faeli, nichts mehr zu sich genommen hatte. Sie verabschiedete sich freundlich aber bestimmt, von ihrem anvertrauten Schützling und wandte sich ab. Nicht weit entfernt kannte sie einen kleinen Hain, in dem die leckersten Früchte zu finden wahren. Vielleicht entdeckte sie sogar eine der äußerst seltenen Bananen Früchte, wenn Eywa ihr wohl gesonnen war. Die Aussicht darauf ließ die Stimmung des Mädchens erheblich steigen und verträumt machte sich Fawn auf den Weg.

******

Hungrig griff die kleine Jägerin nach den saftigen Früchten und quiekte im nächsten Augenblick erschreckt auf.
Im selben Moment bedauerte Ateyi schon sein Verhalten, ließ ihren wie er fand, wunderschönen Schwanz los und trat einen Schritt zurück in Erwartung ihres Wutausbruchs. Doch nichts dergleichen geschah, denn das Na’vi Mädchen blickte ihn nur überrascht mit ihren gelben Augen an, als könne sie nicht begreifen was eben geschehen war.
“Solltest du nicht mit meinem smukan zusammen beim Bogenschiessen sein, ma Ateyi?” Fawn sah den jungen Na’vi äußerst irritiert an. Ateyi schaute sichtlich nervös zu Boden, wobei seine Ohren vor Aufregung zuckten. Nur sehr zögerlich brachte der junge Na’vi eine Antwort heraus. “Ich habe dich beobachtet… wie du den anderen hilfst und es hat mir gefallen.”
Ateyi fasste wieder neuen Mut und unruhig wanderten seine Blicke über den aufregenden Körper der vor ihm wartenden Na’vi. “Bald werde ich meine Prüfung ablegen und meinen Ikran erwählen”, sagte Ateyi voller Zuversicht, so als ob er ein scheitern nicht in Betracht zog. Fawn musste über sein Selbstbewusstsein lachen und schaffte es nur mit Mühe es nicht allzu offen zu zeigen. Ateyi bemerkte nichts von der Belustigung, welche von der kleinen Jägerin Besitz ergriff. “Ich werde bald ein großer Krieger sein und dann darf ich mir eine Frau erwählen.” Sein unverhohlener Gesichtsausdruck, den er dabei an den Tag legte, zeigte Fawn nur allzu deutlich wen Ateyi damit meinte. Auf eine Art die sie sich nicht erklären konnte gefiel ihr der so blutjunge Ureinwohner. Der Jäger hatte ein ansehnliches Erscheinungsbild, wie sie anerkennend bemerkte. Als Fawn bewusst wurde in welche Richtung sich ihre Gedanken bewegten, begann eine leichte Röte in ihr aufzusteigen. Das Mädchen versuchte von sich abzulenken und schnalzte abschätzig mit ihrer Zunge.
“Wir haben viele gute Frauen, also warum bist du hier?”
Ateyi gestand sich ein, das er selbst die Antwort nicht so recht wusste. Er hatte sich von seinen Empfindungen und Gefühlen leiten lassen. So brachte er nur zögerlich hervor, “…du bist so anders, als die anderen Brüder und Schwestern.”
Fawn seufzte laut auf und biss gedankenverloren in die saftige Frucht um ihren Hunger zu stillen. Seine Aussage ließ sie nachdenklich werden und munter vor sich hin kauend ließ sie den jungen Na’vi nicht aus ihren Augen. “…so anders…”, wiederholte Fawn und fand das es ihre Situation recht gut traf. Ihr ganzes bisheriges Leben, hatten die jungen Krieger ihr zu verstehen gegeben, wie anders sie war. Die Jägerin spürte wie sich ungewollt ein Hauch von Trauer in ihr Herz schlich.
Fawn stand nicht der Sinn nach weiteren Versteckspielen. Ganz nah trat sie an Ateyi heran und fixierte ihn mit ihrem Blick. “Findest du mich hübsch?” Ateyis Augen weiteten sich vor Überraschung über ihren spontanen Vorstoß und sein angedeutetes Nicken bestätigte ihren Verdacht.
“Ma Ateyi, würdest du mir einen Gefallen erweisen?” Fawn sah an seinen hingebungsvollen Blick, das der junge Na’vi dabei war sich in sie zu verlieben und sie vermutlich alles von ihm verlangen konnte.
“Mache den anderen Kriegern klar, das ich mit Brian vor Eywa für das Leben vereint bin… rutxe.” Die Jägerin bemerkte die Enttäuschung in den Augen des jungen Na’vi und seufzte kaum merklich auf. “Ich verbringe zuviel Zeit mit meinem Himmelsmensch und wohl auch bei Iley”, sagte sie zu dem wartenden Krieger. Ateyi sah sie weiterhin mit einer gewissen Ratlosigkeit an. “Ich verstehe nicht…”, gab er stattdessen als Antwort. Die kleine Jägerin schüttelte nur leicht den Kopf. Sie verspürte keine Lust, ihm ihre derzeitigen Gefühlsausbrüche zu erklären. “Es ist… nichts. Nun geh, ma Ateyi.”
Eine Geste der Zustimmung beschreibend trippelte der Jäger ein paar Schritte rückwärts, wobei er weiterhin dem Mädchen begehrliche Blicke zuwarf. Erst als Fawn eine finstere Miene auf ihr Antlitz zauberte, die nicht ihrer eigentlichen Stimmung entsprach, rannte der junge Na’vi erschreckt davon.

******

Eine gewisse Ratlosigkeit zur Schau stellend, sah ihm die junge Na’vi mit ihren leuchtenden Augen an. “Habe ich mich verändert, ma Brian?” Sprachlos blickte der Söldner zu dem Mädchen auf, wobei er sichtlich mit den passenden Worten rang.
Brian verkniff sich eine Bemerkung darüber, dass sie immer noch reichlich bockig und von ihrer Neugier angetrieben war.
So sagte er nur, “Du bist reifer geworden Fawn… und wunderschön.” Fawn musste unweigerlich bei seinen Worten schlucken und ihre hübschen gelben Augen weiteten sich. “Skxwang… ich möchte die Wahrheit wissen, ma Brian… rutxe.” Jetzt lächelte ihr der durchtrainierte Soldat aufmunternd zu.
“Das ist die Wahrheit Fawn.” Zärtlich strich er mit der Hand über ihre Wange, während die Blicke die sich beide zuwarfen miteinander verschmolzen. Innerlich zutiefst aufgewühlt, versuchte sie sich zu entspannen. Brians Liebkosungen wurden immer intensiver und allmählich fand die kleine Jägerin gefallen daran. Es fiel ihr in letzter Zeit gelegentlich schwer sich einfach fallen zu lassen und ihren zumeist hemmungslosen Liebesspielen hinzugeben. Aller Erregung zum Trotz ertappte sich die kleine Jägerin gelegentlich dabei, dass ihre Gedanken abschweiften, was sie auf ihre völlig aus den Fugen geratene Gefühlswelt schob. Fawn fühlte wie der Söldner eine Hand zwischen ihre Beine schob und stöhnte lustvoll auf. Ein eiskalter Schauer fuhr ihren Rücken hinunter, doch gleichzeitig schien das Blut in ihren Adern kochen zu wollen. Von ihrer Leidenschaft gepackt ergriff sie hart Brians kurze Haare und krallte ihre Finger darin fest. Durch die dicht ineinander verschlungenen Büsche vor neugierigen Blicken geschützt, fiel es Fawn diesmal sichtlich leichter sich von Brian Verwöhnen zu lassen. Nur vereinzelt drang ein Stöhnen oder helles Quieken über den versteckten Lagerplatz, so dass niemand der anderen Ureinwohner etwas von dem lustvollen Treiben bemerkte. Nach einiger Zeit rollte sich der Söldner erschöpft auf den Rücken. Fawn fingerte keuchend nach ihrem Lendenschurz, während sie sich mit zittrigen Beinen neben ihm nieder ließ. “Irayo ma Brian, nga yawne lu oer.” Ihre Aussage war mehr ein Flüstern und überraschte den Soldaten. “Danke… für was Fawn? Manchmal verstehe ich dich wirklich nicht.” Das junge Na’vi Mädchen beugte sich über ihn, so dass er direkt in ihre strahlend gelben Augen sehen konnte. “Ich bin so…”, sie suchte nach den passenden Worten. “Ist es wegen Awaiei? Bist du unglücklich Fawn?” Statt einer Antwort nickte das Mädchen nur. Der Söldner setzte sich auf und nahm sie sanft in seine kräftigen Arme. “Ich liebe dich Fawn. Du bist wunderschön und ich brauche dich. Uns war von Anfang an bewusst dass unser Zusammensein, nur durch Verzicht möglich sein würde. Für beide von uns.” Fawn holte tief Luft, während sie es sichtlich genoss, von Brian liebkost zu werden.
“Srane ma Brian. Mein Verhalten die letzte Zeit tut mir Leid. Oeru txoa livu.” Brian strich zärtlich durch ihre dichtes schwarzes Haar. “Vielleicht wäre es besser, wenn wir für ein paar Tage den Heimatbaum verlassen würden. Fort von Awaiei und den anderen.” Sie sah ihn erschreckt an, doch dann stahl sich etwas wie Erkenntnis in ihre traurigen Augen. “Ich bin einverstanden und gehe mit dir wohin du willst, ma Brian.”
Zufrieden gab der Söldner sie frei und kuschelte sich auf den weichen Waldboden. “Dann wäre das also geklärt. Ich denke etwas Ruhe wird uns jetzt gut tun. Txon lefpom livu ngar, ma Fawn.” Brian rollte sich auf die Seite und schon bald verkündeten regelmäßige Atemzüge, das der Söldner eingeschlafen war. Immer noch aufgewühlt, blickte sie zu den funkelnden Sternen über ihr empor.
Fawn spürte wie etwas feuchtes ihre Wange hinunterlief und verwundert stellte sie fest das sie weinte. Sie dachte an Ateyi, wie er sie angesehen und was er ihr über die anderen Krieger berichtet hatte. Traurig wischte sie ein paar Tränen weg. “Warum habt ihr mir denn nie etwas gesagt…”, flüsterte das Mädchen mehr zu sich selbst, verzweifelt und Gedankenverloren in die Dunkelheit hinein.

******

Unheilschwanger näherte sich das gewaltige Gebilde mit rasender Geschwindigkeit der Nachtseite des Mondes, ganz so als habe es vor, sich wie ein Schwert tief in das Herz Pandoras zu stoßen. Von einer glühenden Aureole umgeben, aus der in einem ständigen Strom unzählige Partikel abgegeben wurden, fraß sich der gewaltige Körper durch die Finsternis des Raumes. Gelegentlich zuckten an verschiedenen Stellen mächtige Lichtblitze aus dem Objekt und erhellten die Szenerie mit ihren dämonischen Farbenspielen. In einer flammenden Kaskade aus purem Licht passierte das Geschoss völlig lautlos den Planeten Polyphemus, dann einen weiteren seiner wesentlich kleineren Begleiter, während sich der Mond Pandora immer deutlicher vor ihm abzuzeichnen begann.

******

Fawn reckte ihr hübsches Gesicht den aufgehenden Sonnen entgegen und fühlte die angenehm warmen Strahlen auf ihrer blau gemaserten Haut. “Komm her ma smuke und setz dich zu uns”, erklang die freundliche Stimme ihres smukan Iley. Das Na’vi Mädchen schüttelte nur flüchtig den Kopf und sah sich gelangweilt um. Iley war wie so oft dabei, ihrem Himmelsmenschen die Sprache beizubringen. Ein fast aussichtloses Unterfangen, wie der Krieger gelegentlich scherzhaft zu ihr in einem verschwörerischen Flüsterton sagte. Awaiei saß neben ihm, wobei eine Hand wie beiläufig auf der mittlerweile deutlich sichtbaren Wölbung ihres Bauches lag und sich sanft darüber bewegte.
Fawn musste bei diesem Anblick ständig schlucken und merkwürdige Gefühle begannen sie zu durchfluten. Fast unmerklich sah das junge Na’vi Mädchen an sich herab und betrachtete ihren wohlgestalteten Bauchnabel. Doch im nächsten Moment hatte sich die kleine Jägerin wieder fest im Griff und nur ein leichtes Aufseufzen verriet ihre wahren Gefühle. Sie würde nie ein Kind in sich tragen und versuchte sich insgeheim vorzustellen, wie es sich wohl anfühlen mochte.
“Mit was hast du dich in letzter Zeit beschäftigt?”, erklang die Frage ihres Bruders und riss sie aus ihren trüben Gedanken.
Fawn blickte noch nicht einmal auf als sie erwiderte.
“Ma Iley… ich möchte nicht darüber sprechen.”
Unerwartet hart rief Iley ihr entgegen, “Fnu, ma ‘evi! Ich habe Brian gemeint. Er soll es übersetzten.” Mit zögerlichen klingenden Lauten brachte Brian die Worte hervor und sah seinen Karyu erwartungsvoll an. Das Na’vi Mädchen riss erstaunt die Augen auf und eine brennende Schamesröte begann in ihr aufzusteigen. Eine flüchtig wirkende Geste beschreibend verabschiedete sich Fawn und trippelte mit klopfenden Herzen davon, ohne sich noch einmal umzusehen.
“Das war sehr gut, ma Brian”, meinte der große Krieger anerkennend und gestattete sich den Hauch eines Lächelns.
“Irayo, ma Iley.” Brian sah der immer kleiner werdenden Gestalt des Mädchens verwundert nach. “Was hat sie in letzter Zeit nur… Fawn benimmt sich so merkwürdig.” Awaiei schnalzte verärgert mit der Zunge und sah ihm tief in die Augen. “Ma Brian… ich habe es dir gesagt. Fawn ist unglücklich, auch wenn sie vielleicht selbst nicht genau zu sagen vermag warum das so ist. Du solltest ihr nachgehen und mit deiner muntxate sprechen. Vertrau mir… rutxe.”
Brian atmete tief durch seine Maske ein und blickte abwechselnd Awaiei und dann Iley in die gelben Augen, die ihn ansahen als erwarteten sie eine Entscheidung von ihm.
“Ach was… ich kenne Fawn. Sie fängt sich schon wieder. Lass uns weiter üben Iley. Ich habe noch viel zu lernen.”
Eine Geste der Zustimmung beschreibend, machte sich der kräftige Krieger daran ihre unterbrochenen Lektionen fortzusetzen.
Nur Awaiei blickte enttäuscht auf Brian herab und flüsterte kaum merklich, “Tawtute.”

******

Fawn saß Ateyi gegenüber und betrachtete interessiert den jungen Ureinwohner. Der Jäger hatte sie abgefangen, nachdem sie sich völlig in Gedanken versunken, vom Lagerplatz entfernt hatte. Zuerst bleckte sie die Zähne und wollte ihn wütend fortjagen, entschied sich jedoch im gleichen Augenblick dagegen. Für das junge Na’vi Mädchen ein unangenehm deutliches Zeichen, wie durcheinander ihre Gefühlswelt war.
Sie führte Ateyi aus einer Laune heraus zu ihrem provisorischen Schlafplatz, der mittlerweile mehr zu einer Dauereinrichtung mutiert war, da sie es einfach nicht schaffte Brian dazu zu bewegen, die viel bequemeren Hängematten im Kelutral zu benutzen. Eine Weile saßen sie sich schweigend gegenüber. “Hast du den Kriegern gesagt um was ich dich bat Ateyi?”
Ateyi blickte sie einen Moment durchdringend an, dann verzog er die Lippen zu einem Lächeln. “Srane ma Fawn. Du brauchst dir keine Sorgen mehr zu machen.” Die kleine Jägerin seufzte erleichtert auf, während die Blicke des Jägers immer wieder flüchtig über die vor ihnen liegenden seltsamen Ausrüstungsgegenstände huschten.
Fawn bemerkte das Interesse des Na’vi, ergriff die metallisch glänzende Stablampe und richtete sie auf ihn. Geblendet von dem aufleuchtenden Strahl, hielt Ateyi überrascht die Hände vor seine Augen, bevor er sie mit erschrockenem Gesichtsausdruck wieder herunter nahm. “… Ayvrrtep…”. Die Stimme des Ureinwohners klang seltsam und voller Ehrfurcht, was Fawn zu einem Kichern veranlasste. Neugierig wollte der Jäger nach der Stablampe greifen um sie näher zu betrachten, doch Fawn zog sie pfeilschnell zurück. “Kehe! Rä’ä ‘ampi tsat!
Brian wird böse, wenn wir seine Sachen benutzen oder durcheinander bringen. Selbst mir hat er es untersagt.”
Fawn steckte den länglichen Gegenstand wieder vorsichtig in den neben ihr befindlichen Rucksack des Söldners. Verlockende Gerüche zogen vom Kelutral zu ihnen herüber, die davon kündeten das ein Teil der Jägerinnen des Stammes damit beschäftigt war, das gemeinschaftliche Essen vorzubereiten.
“Die seltsamen Geräte der Himmelsmenschen… sie faszinieren dich?” In ihren geheimsten Wünschen ertappt, zuckte Fawn sichtlich zusammen und fast schon ungewollt sprudelte die Antwort aus ihr heraus. “Srane, ma Ateyi. Sie haben so viele lustige Dinge in ihrer Basis. Leider hat mir Brian verboten etwas davon mitzunehmen.” Fawn seufzte lautstark auf und ihr Blick schien verloren in die Ferne gerichtet zu sein, auf etwas das nur sie sehen konnte. “Wo ist dieses Lager von dem unsere Brüder und Schwestern sprechen?” Die kleine Jägerin dachte sich nichts dabei, als sie dem jungen Na’vi den Weg erklärte. Schließlich war die genaue Lage des nahe gelegenen Stützpunktes keines der besonders gehüteten Geheimnise, wie sie sonst vielleicht nur die Schamanin kannte.
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #2 on: March 04, 2012, 04:50:46 pm »
Nachdem sie ihre Ausführungen beendet hatte, erhob sich Ateyi wobei ein zufriedener Ausdruck auf seinem Gesicht lag. In dem jungen Jäger war ein ebenso waghalsiger wie gefährlicher Plan gereift, doch er ließ sich nichts davon anmerken. “Irayo Fawn. Ich muss mich nun verabschieden. Meine Pflichten warten auf mich.” Ateyi beschrieb die geläufige Geste des Abschieds und entfernte sich rasch von dem kleinen Lagerplatz.

Fawn sah ihm nach wie der junge Na’vi zum nahen Heimatbaum davon trippelte. Versonnen pflückte das Mädchen eine Blume aus dem vor ihr befindlichen, dichten Moos und roch an der leuchtenden Pflanze. Insgeheim war sie froh das Ateyi gegangen war auch wenn sie ihn sehr mochte, denn in letzter Zeit wurde ihr die Aufmerksamkeit die ihr ihre Stammesgenossen zuteil werden ließen einfach zuviel. Dieselben Empfindungen hatten sie damals erfüllt, als sie sich verletzt vom Lager der Himmelsmenschen zurück schleppte und von der Tsahìk des Stammes in Empfang genommen wurde.
“Ich bin anders als meine Brüder und Schwestern”, sagte Fawn mit einem seufzenden Unterton vor sich hin. “Ja das bist du… sonst hätte das Schicksal uns wahrscheinlich nicht zusammengeführt”, erwiderte eine vertraute Stimme hinter ihr und ließ die kleine Jägerin erschrocken herumfahren.
“Ma Brian… ich habe dich gar nicht bemerkt. Seid ihr für heute fertig mit lernen?” Das Na’vi Mädchen ärgerte sich insgeheim, das sie so unachtsam gewesen war. Ja Fawn, dein smukan war sichtlich zufrieden mit meinen Fortschritten.” Fawn deutete ihm an neben ihr Platz zu nehmen und kuschelte sich an ihn. “Das ist gut, ma Brian.” Ihre Stimme klang leidenschaftslos, ohne rechte Freude und Brian merkte sofort dass etwas nicht stimmte.
Sanft legte er einen Arm um sie und blickte in ihre großen leuchtenden Augen die sich ihm zugewandt hatten. “Was bedrückt dich Fawn? Du kannst über alles mit mir reden, das weißt du.” Die kleine Jägerin nickte nur, sagte aber nichts zu seinem Angebot. Erst nach langen Momenten der Stille, brach Fawn endlich das Schweigen unter einem lauten Seufzen. “Ich möchte nicht darüber sprechen. Bitte vertrau mir.” Brian zeigte sich nicht überrascht von ihren Worten, war es doch von jeher schon eine fast unlösbare Aufgabe gewesen, etwas aus Fawn heraus zubekommen, wenn sie das nicht wollte. So drückte er nur leicht ihre zarte Hand. “Du wirst es mir irgendwann sagen? Versprich es Fawn.” Das Mädchen ließ ihre Hand in seiner während sie zögernd antwortete, “…srane, das werde ich, ma Brian.” Das Gespräch verstummte wieder und eine wohltuende Ruhe kehrte ein, während über ihnen das leuchtende Sternenmeer sich wie ein glitzernder Teppich auszubreiten begann.

******

Ateyi hatte sorgsam alles für seinen langen Weg zum Lager der Himmelsmenschen vorbereitet. Sein scharfer Dolch steckte sicher verwahrt in der Halterung an seiner Hüfte. Den einfachen Jagdbogen hatte er über seine Schulter gehängt. Zu sehr bedauerte es der Krieger, das er sich noch keinen richtigen Bogen aus dem Holz des Heimatbaumes schnitzen durfte. Nachdenklich betrachtete der junge Na’vi die schlaffe Sehne aus einfach gefertigten Materialien. Seine Waffen würden ihn schützen müssen und insgeheim hoffte Ateyi das er sie für die Dauer seiner Abwesenheit nicht benötigte.
Noch nie in seinem jungen Leben hatte der Jäger sich so weit vom Heimatbaum entfernt, wie er es jetzt beabsichtigte. Unsicherheit begann ihn zu erfüllen, gemischt mit einem Hauch von Neugier. Seine Gedanken kehrten wieder wie so oft in letzter Zeit, zu der kleinen Jägerin zurück. Sofort verdrängte ihr hübsches Antlitz, vor seinem geistigen Auge jedes in ihm aufkeimende Gefühl von Furcht. Die Erinnerung an Fawn, zauberte ein Lächeln auf das Gesicht des Na’vi. Sie war jede Herausforderung Wert, befand der Ureinwohner insgeheim für sich selbst. Sollte es ihm gelingen etwas Aufregendes aus der Basis der Tawtute zu entwenden und zu ihr zurück zubringen, würde er ganz sicher in ihrer Gunst steigen. Ateyi betrachtete ein letztes Mal den großen Lagerplatz, wo seine Brüder und Schwestern wie immer mit den vielfältigsten Aufgaben beschäftigt waren. Der Jäger hatte sich mit seinem Vorhaben niemanden anvertraut, war Ateyi doch davon überzeugt diese äußerst riskante Aufgabe selbst erledigen zu können. So schnell es ihm möglich war, wollte der Ureinwohner wieder zum vertrauten Kelutral zurückkehren. Fawn hatte ihm eindringlich erklärt wo die Basis lag, sowie eingeschärft auf den Ring der Fallen welche das Lager umgaben zu achten und der junge Na’vi war von Zuversicht erfüllt, das er den Stützpunkt finden würde. Aufgeregt aber zugleich auch von Glücksgefühlen durchströmt, trippelte Ateyi davon, einem für ihn ungewissen Schicksal entgegen.

******

Besorgt sahen Brian und die anderen auf die unheimliche leuchtende Erscheinung die unter einem Donnergrollen am nächtlichen Himmel in der Ferne vorbeizog. Noch vor wenigen Augenblicken hatten sie sich zum schlafen niedergelegt, doch ihnen war keine Ruhe vergönnt gewesen.
“Ayvrrtep…”, hauchte Fawn fast schon ehrfürchtig und konnte ihre Blicke nicht von dem so fremdartigen wie Furcht einflößenden Objekt wenden. Brian bemerkte den angstvollen Unterton, der in der dünnen Stimme des Na’vi Mädchens mitschwang. Obwohl er gelegentlich bei dem Gedanken an Dämonen lächeln musste, wieder sprach ihr der Söldner dieses Mal nicht sondern erwiderte. “Ich fürchte du hast Recht Fawn.”
Ein paar kleine jedoch äußerst helle Objekte lösten sich rasend schnell von dem strahlenden Gebilde und zogen in einer Bogenförmigen Route davon. Brian verfolgte ihre Flugbahn mit Hilfe seines Chronometers um herauszufinden, wo die Teile herunterkommen würden. Seine Berechnungen führten ihn zu dem Schluss dass der vermutliche Aufschlags Ort des großen leuchtenden Objekts, sowie der abgesplitterten Teile irgendwo in der Nähe der verlassenen Basis liegen musste.
“Da regnet gerade eine Menge Ärger auf uns herab Iley”, sagte Brian äußerst missmutig gestimmt.
Verwundert blickte der so unnahbare Krieger auf ihn herab und zum ersten Mal, seit er Iley kannte vermeinte Brian eine tiefe Unsicherheit in seinen Augen zu erkennen.
Neben ihm japste Awaiei nach Luft und zeigte mit ihren schlanken Händen auf den Hell strahlenden Feuerball der über den Horizont zog. “Wie meinst du das ma Brian? Ich verstehe dich nicht.” Brian zuckte als Antwort nur mit den Schultern und als ihm bewusst wurde, das Iley diese Geste vielleicht nicht richtig verstand fügte er schnell hinzu, “… ma Iley ich verstehe es selbst nicht. Aber ich denke es ist für uns alle am besten, wenn wir es so bald wie möglich herausfinden.”
Fawn trat neben ihn, wobei sie eine Hand zärtlich auf seine Schulter legte. “Du machst mir Angst, ma Brian. Vielleicht sind es wirklich Dämonen. Wir sollten die Tsahìk befragen.”
Iley wandte seine Blicke von dem eindrucksvollen Schauspiel, wobei er seine smuke aufmunternd zulächelte. “Das wird nicht nötig sein ma smuke. Sieh dich doch nur um.” Dabei deutete der Krieger zum im Halbdunkel liegenden Kelutral, wo sich ein aufgeregtes Stimmengewirr erhob. “Jeder unserer Brüder und Schwestern hat das Zeichen am Himmel bemerkt. Ich bin sicher, das unser olo’eyktan schon informiert ist. Wir werden seine Entscheidung abwarten müssen.” Iley nahm seine hagere muntxate zärtlich bei der Hand. Awaiei starrte immer noch mit schreckgeweiteten Augen zum Sternenmeer empor und zuckte bei seiner unerwarteten Berührung zusammen. Die junge Frau rief aufgeregt immer wieder, “Aungia Aungia.”
Irritiert sah Brian ihr dabei zu und wandte sich dann an die dicht neben ihm stehende kleine Jägerin. “Was meint sie damit Fawn?” Mit klopfenden Herzen antwortete Fawn leise aber bestimmt. “Awaiei sagt es ist ein Zeichen, ma Brian, das uns von Eywa gesandt wurde.” Brian wusste nicht was er darauf erwidern sollte und hoffte das die folgenden Tage ihnen eine Erklärung für das unerwartete Ereignis liefern würden. Zum ersten Mal seit langer Zeit, fühlte der Söldner sich unwohl und eine spürbare Beklemmung ergriff von ihm Besitz.

******

Von der Hügelkuppe bot sich ein hervorragender Blick auf die unter ihm liegende Basis der Himmelsmenschen.  Ateyis Herzschlag beschleunigte sich, als er das Ziel zum greifen nah vor sich sah. Er hatte die seltsame Erscheinung letzte Nacht noch nicht vergessen. Nur hatte die dichte des Waldes verhindert, das Ereignis am Himmel besser sehen zu können. Ateyi hatte es als Zeichen, das Eywa seinem Vorhaben wohl gesonnen war gedeutet. Eine Weile hockte sich der junge Krieger an den Rand des Abhangs und beobachtete neugierig das geheimnisvolle Lager, von dem er bisher immer nur gehört hatte. Alles dort unten blieb ruhig und nichts deutete auf die Anwesenheit von Himmelsmenschen oder einer anderen Gefahr hin. Aufgeregt machte sich der athletische Na’vi vorsichtig an den beschwerlichen Abstieg. Sorgsam achtete er dabei auf den vor ihm liegenden Boden, denn aus den Erzählungen der kleinen Jägerin wusste Ateyi, das die Tawtute ihre Basis gegen unerwünschte Eindringlinge, durch Fallen gesichert hatten. Oft genug hatte er auf die schreckliche Narbe der Jägerin gestarrt und ihr Bild deutlich vor Augen. Ihm war bewusst das er bei einem Fehltritt das gleiche Schicksal erleiden würde. Nur das diesmal vermutlich niemand zu seiner Rettung eilen würde. Langsamer als beabsichtig, jedoch unaufhaltsam näherte sich der Ureinwohner dem Lager der Himmelsmenschen.

******

An Bord der “Maleficent” spielten sich dramatische Szenen ab. In unregelmäßigen Abständen bäumte sich der gewaltige Rumpf des ISV auf und Explosionen ließen das Schiff in seinen Grundfesten erzittern. An einigen Stellen taten sich Risse in der Außenhaut auf, was zu einem gewaltsamen Druckverlust führte. Die Schreie derer die es nicht rechtzeitig schafften ihre Raumanzüge anzulegen, hallten gespenstisch in den Ohren der übrigen Besatzung. Riley dachte an die Kälteschlafkammern in denen unzählige seiner Kameraden noch auf die bevorstehende Aufwachphase warteten. Es würde ein hässliches Erwachen werden, oder der Traumlose Übergang in die ewige Finsternis, wenn sie Glück hatten. Seine Kehle schnürte sich bei den Gedanken an ihr Schicksal zu. Zusammen mit den engsten Mitarbeitern seines Befehlsstabes hastete der Kommandant zu den Rettung versprechenden Einstiegsschleusen der in ständiger Bereitschaft stehenden Shuttles. Über ihnen plärrte eine weiblich klingende Stimme, der Computerdurchsage in einem monotonen, völlig emotionslosen Modus. “Struktureller Zusammenbruch in t- 8 Minuten… Achtung… dies ist keine Übung. Ich wiederhole… Struktureller Zusammenbruch in….”
Wütend sah Riley im sprinten nach oben. “Kann das verdammte Miststück nicht endlich die Klappe halten….” Neben ihm musste sein Adjutant trotz der angespannten Situation unwillkürlich grinsen. “Ich fürchte bis zur Ausschleusung, werden wir es ertragen müssen… danach allerdings.“ Er ließ offen was dann passierte, aber Riley verstand es auch so nur allzu gut. In wenigen Minuten würde das ganze Schiff mit hoher Wahrscheinlichkeit auseinander brechen und der Kommandant hoffte, das sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an Bord befanden. Vermutlich verwandelte sich der ungeheuer komplexe Antrieb des ISV in eine Miniatur Sonne. Der Gedanke daran trieb Riley den Schweiß auf die Stirn und unter Aufbringung aller Kräfte hetzten sie durch die langen Gänge des Raumschiffs, bis vor ihnen die große offen stehende Schleuse der Verladebucht auftauchte. Soldaten rannten wild hin und her, Ausrüstung wurde sich zugeworfen und auf dem gesamten Hangardeck herrschte eine emsige Betriebsamkeit.
“… Zusammenbruch in t- 5 Minuten… “. Riley schubste seinen Adjutanten durch die Luke des Valkyrie. Er selbst hechtete hinterher während hinter ihm schon die nächsten Soldaten nachdrängten. Ein mörderischer Ruck erfasste den gesamten Ausschleusungsbereich und riss die panisch aufschreienden Menschen von den Beinen. Riley klammerte sich mit letzter Kraft an der Luke fest und im nächsten Augenblick wurde er von seinem Adjutanten in das rettende innere des Shuttles gezogen. Immer mehr Soldaten und Personal der Schiffsbesatzung versuchten einen der Plätze in den Shuttles zu erreichen, bis der Pilot das Zeichen zum schließen der Luke gab. Gedämpft drang von draußen die Computerstimme ins innere des so zerbrechlich wirkenden Transportfahrzeuges. “… t- 3 Minuten… “. Ein zittern ging durch den gesamten Innenraum, als sich die Andockklammern lösten und das Valkyrie freigaben. Viel zu langsam schien sich das Shuttle für die nervös wartende Besatzung von der mächtigen ISV Maleficent zu lösen. Doch im nächsten Moment aktivierte der Pilot die auf Hochtouren laufenden Triebwerke und einem rasenden Geschoss gleich, entfernte sich das Fahrzeug von der dem Tode preisgegebenen ISV. Riley klopfte dem Piloten anerkennend auf die Schulter, als er feststellte das sie es schaffen würden, rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich zu kommen. Ein kurzer Blick in die Augen verriet ihm das der Pilot die Ruhe selbst war, ein untrügliches Zeichen seiner guten Ausbildung und langjährigen Erfahrung. Riley hatte seine Leute stets nach ihren Fähigkeiten ausgesucht und sich noch nie in jemand getäuscht. Immer mehr fiel das mächtige Raumschiff hinter ihnen zurück, während sich unzählige angstvolle Blicke darauf hafteten. Wie ein feuriger Himmelskörper zog die ISV Maleficent durch die Schwärze des Weltalls davon, einen brennenden Schweif aus Trümmern hinter sich herziehend.
Der Kommandant ließ sich auf seltsame Weise völlig entspannt auf seinen Platz nieder, als ihm bewusst wurde das ihnen vorerst keine Gefahr mehr drohte. Wieder Erwarten schien der Antrieb des Raumschiffes nicht explodiert zu sein und Riley war dafür insgeheim dankbar, ließ sich aber im Kreise seiner Untergebenen nichts von der Unsicherheit anmerken, die ihn noch vor kurzem fest in ihrem Griff hatte. Erschöpft blickte er in die Gesichter der ihm gegenüber sitzenden Soldaten und seine Gedanken begannen abzuschweifen. Sie kehrten zurück zu einem Zeitpunkt lange vor diesen Ereignissen. Damals vor fast sechs Jahren, hatten sie sich in einer ähnlichen heiklen Situation befunden, nur das dass ISV damals ihre einzige Zufluchtsmöglichkeit gewesen war.

Die letzte Phase der Schlacht war mit Beginn des neuen Tages angebrochen. Kommandant Riley blickte sichtlich nervös zur nahen Stadt hinüber, oder besser dessen was davon noch übrig war. Donnerschläge hatten die ganze Nacht über ein Schlafen illusorisch werden lassen und nun lag die Metropole in Schwaden aus Feuer und Rauch gehüllt vor ihnen. Immer weiter rückten die mittlerweile gut organisierten Truppen der Widerstandsbewegung gegen einen der letzten verbliebenen Stützpunkte der RDA vor. Es war abzusehen, wann es ihnen gelang die stündlich schwächer werdende Abwehrlinie zu durchbrechen und in die gewaltige Basis einzudringen. “Gefreiter Clark kommen sie her… Beeilung!” Ungehalten winkte der Kommandant seinen stets beflissenen Adjutanten zu sich heran, während die ersten Geschosse über sie hinwegheulten und weit abseits des Lagers einschlugen. “Viel zu weit eingestellt… ihr jämmerlichen Verräter”, überlegte Riley, als er die Flugbahnen beobachtete. Er war sich bewusst das es nicht mehr lange dauern würde, bis die Gegenseite sich eingeschossen hatte. Es blieben ihnen vielleicht ein paar Minuten, wertvolle Zeit die es zu nutzen galt. “Clark… hören sie jetzt genau zu…”, Riley schnaufte verächtlich, wie eine Rakete in der Nähe einschlug und eine Staubfontäne aus dem Geröll und Sandhaltigen Boden hervorbrach. Ein kampfbereit wartender AMP der von dem sich rasch ausbreitenden Feuerball erfasst wurde ging in Flammen auf. Unmerklich zuckte der Kommandant zusammen und verbiss sich einen Fluch der ihm auf den Lippen lag. “Geben sie unseren Leuten Bescheid sich zurückzuziehen. Wir werden an Bord der Shuttles gehen und versuchen die im Orbit wartende ISV zu erreichen.”
Sein Adjutant sah ihn einen kostbaren Moment verständnislos an, währenddessen weitere Geschosse in der Basis einschlugen, diesmal allerdings schon wesentlich gezielter. “Aber Sir…”, stammelte der junge Adjutant aufgeregt, “…was ist mit unseren Soldaten in den Frontstellungen? Sie werden die Valkyrie nicht mehr rechtzeitig erreichen können.” Für einen Moment erschien es, als denke der Oberst angestrengt über das Problem nach. Schließlich zuckte er nur resigniert mit den Schultern. “Das ist bedauerlich, aber in einem Krieg muss man nun mal bereit sein Opfer zu bringen. Sobald wir an Bord sind, soll der Captain mit maximaler Beschleunigung aus dem System fliegen.” Erneut sah sich der Adjutant zu einer Bemerkung veranlasst. “Sir, mit allem gebührenden Respekt, aber so nahe der Erdatmosphäre ist es verboten, die Triebwerke des ISV auf Höchstwerte zu schalten.” Riley riss wütend die Augen auf und fuhr seinen zusammenzuckenden Untergebenen an. “Es ist mir Scheißegal, was mit der verdammten Atmosphäre wird. Sie persönlich werden unsere Mannschaft unverzüglich zu den Shuttles geleiten. Das ist ein Befehl, haben sie das verstanden?” Clark schluckte einen Kloß in seinem Hals herunter und zeigte eine schnittige Ehrenbezeugung. Mit zusammengeschlagenen Absätzen, machte der Gefreite kehrt. Riley schenkte ihm keine weitere Beachtung. Er wusste das er sich auf seinen jungen, aber ungeheuer talentierten Adjutanten verlassen konnte. Seine Überlegungen kehrten zu den Shuttles zurück, welche gut geschützt auf dem modernen Rollfeld des Basisgeländes warteten. Das war sein letzter Joker in diesem Spiel um Leben und Tod gewesen. Niemand, noch nicht einmal die Rebellen ahnte etwas davon, das sie noch eines der ISV in ihrer Hand hatten. Bereits mehrmals in den letzten Tagen, wie sich abzuzeichnen begann, das sich eine drohende Niederlage für die Truppen der RDA nicht mehr abwenden ließ, waren die Shuttles zu der im sicheren Orbit wartenden ISV aufgebrochen. Waffen, Ausrüstung, selbst schwerstes Gerät für die vielfältigsten Verwendungszwecke war in die gewaltigen Lagerräume an Bord des Raumschiffes gebracht wurden. Alles von dem Kommandant Riley annahm, das es für einen längeren Aufenthalt auf der so fernen und geheimnisvollen Welt namens Pandora hilfreich wäre. In Richtung der Stadt waren die vertrauten Geräusche anfliegender Scorpions zu hören. Gleichzeitig eröffnete die Luftabwehr des Stützpunktes ihr gezieltes Sperrfeuer. Heftige Explosionen hallten über das Umland, als mehrere der Hubschrauber von den Flakgeschossen zum Absturz gebracht wurden. Rileys Gesicht verzog sich zu einem hämischen Grinsen. Diese ahnungslosen Idioten würden ihn nicht aufhalten, ebenso wenig wie die verbliebene Führungsspitze der RDA, die in der Nacht mit einem schweren Transporter aus der zerstörten Stadt eingeflogen wurden war. Fast unbemerkt von den anderen Geschehnissen in der gut gesicherten Basis, hatte Riley dafür gesorgt, das es seinen Vorgesetzten an nichts mangelte und sie in seinem Befehlsbunker einquartiert, der tief verborgen in der Erde lag.
Riley hatte das nicht aus reiner Nächstenliebe veranlasst, vielmehr aus eiskalter Berechnung. In seinem allerheiligsten kannte er sich bestens aus und nur die engsten Mitarbeiter hatten dazu Zugang. Derweil sich die Mitglieder des Rats sicher wähnten und auf den bevorstehen Abtransport warteten, setzte Riley alles daran seinen in wenigen Stunden ausgearbeiteten Plan zur Ausführung zu bringen. Unauffällig betrat er den Vorbereich der Unterirdischen Anlage und grüßte völlig beherrscht den Wachhabenden. Riley tat als wollte er an ihm vorbeigehen um an das hinter dem Rücken der Wache angebrachte Codeeingabegerät zu gelangen, welches die massive Schleuse öffnete. Der Sergeant nahm Haltung an und richtete seine Augen wieder geradeaus. Was um ihn herum passierte war für die Wache von keinem Interesse, wenn es erstmal als unbedenklich eingestuft wurden war. Riley begann halbherzig die Zahlenkombination einzugeben, wobei er lautlos sein Kampfmesser zückte. Im nächsten Augenblick trat er blitzschnell hinter die Wache, drückte sie mit einem Arm fest an sich und schnitt dem überraschten Soldat die Kehle durch.
Nervös blickte sich der Kommandant um, ob jemand etwas von dem Vorfall bemerkt hatte. Doch die abschüssige Rampe zu den unterirdischen Anlagen, lag abgeschirmt vom Rest der Basis und ließ sich nur schwer einsehen. Durch den gepanzerten Schacht merklich gedämpft, drang der Gefechtslärm an seine Ohren. Riley wusste das ihm nicht viel Zeit blieb. Unter geübten griffen, zog er seinen umgehängten Granatengürtel von der Schulter. Die Finger seiner anderen Hand fuhren zielsicher über das kleine Eingabefeld und vollendeten die Codeeingabe. Erst blieb alles ruhig, doch dann glitt die schwer gepanzerte Tür mit einem Surren auf und gab den Blick ins innere Frei. Riley durchschritt den kleinen Schleusenraum, der ehemals zur Dekontamination gedacht war.
Vor der Tür zu seinen privaten Befehlsraum verharrte er einen Moment und atmete tief durch, dann öffnete er sie mit einem beherzten Ruck. Erstaunt sprangen einige der Anwesenden aus ihren Sitzen, als Riley in der Tür stehen blieb. Alle Augen richteten sich gespannt auf den Neuankömmling. “Kommandant Riley, welch eine Freude sie endlich begrüßen zu dürfen, nach unserer etwas hektischen Anreise.” Der Leiter der RDA blickte sich im Kreise seiner Lakaien um, während diese übereifrig ihre Zustimmung bekundeten. “Ich bin sicher sie sind gekommen um uns mitzuteilen das dass Shuttle für unsere… nun sagen wir unerwartete Dienstreise… bereit steht.” Erst jetzt bemerkte er den Granatengurt in der Hand des Stützpunktkommandanten.
Die Augen weit aufgerissen rief er entsetzt, “…was haben sie vor Oberst Riley? Ich Befehle ihnen sofort die Granaten fallen zu lassen.” Riley sah mit einem süffisanten Gesichtsausdruck aus der Wäsche und machte blitzschnell ein paar der Granaten scharf. Im nächsten Moment flog der Gürtel den wartenden entgegen und knallte hart auf den großen Konferenztisch. “Kleine Plan Änderung”, rief der Oberst aus und hechtete aus dem Raum, während sich eine Vielzahl entsetzter Augenpaare, fassungslos auf die vor ihnen liegenden Sprengkörper richtete.
Im nächsten Augenblick brach die Hölle los und eine gewaltige Detonation fegte durch den Raum. Hinter Riley schoss eine Stichflamme aus der Tür, während die Todesschreie des Gremiums verhallten. In größter Eile flitzte der Oberst durch die Schleuse und ließ das dick gepanzerte Schott zufahren. Riley dachte erst jemand wäre durch die Detonation auf sein Treiben aufmerksam geworden, doch mittlerweile war der Kampflärm über ihm, bis ins unermessliche angewachsen. Ohne ein Gefühl des Mitleids über sein handeln, richtete er seine schwere Dienstpistole auf die Konsole und zerstörte sie. Nun würde niemand mehr in die Anlage gelangen und ebenso wenig heraus. Die Druckwelle einer gewaltigen Explosion riss Riley von den Beinen, gerade als er aus dem Schacht trat. Sichtlich erschreckt registrierte er das es ein paar der startbereiten Hubschrauber der Stützpunktverteidigung getroffen hatte. Im Bruchteil einer Sekunde waren sie in brennende Wracks verwandelt worden. Begleitet von dem Geräusch seiner knallenden Stiefel, stapfte der Kommandant eilig zu den startbereiten Transportern. Es wurde Zeit diesen Planeten zu verlassen.

“Unsere Führungsspitze hat alle Kommunikationsverbindungen abgeschaltet, Adjutant. Sie haben sich entschlossen, bis zum bitteren Ende durchzuhalten um uns den Rücken zu decken.”
Clark sah bei seiner Erwiderung reichlich verwundert aus.
“Das ist wahrer Heldenmut Sir. Diese Entscheidung hätte ich nie von unserem Oberkommando erwartet.” Riley blickte noch nicht einmal auf und versuchte nur den zynischen Unterton in seiner Stimme zu verbergen. “Ehrlich gesagt ich auch nicht, Clark.”
Gemeinsam mit seinem Untergebenen, bestieg Riley den wartenden Transporter, der sie zur ISV Maleficent bringen sollte.

Ein leichter Ruck riss Oberst Riley wieder in die Wirklichkeit zurück, als das Shuttle in die ersten Luftschichten des Mondes eindrang. Ihm gegenüber saß Clark, wie ein Häufchen Elend in sich zusammen gesunken. Die letzten Ereignisse waren wohl zuviel für den jungen Adjutanten gewesen. “Ich verstehe immer noch nicht was eigentlich passiert ist. Wie konnte der Antrieb nur derartig versagen. Es hieß doch immer, er wäre Narrensicher.” Der Oberst leckte sich nervös über seine spröden Lippen. “Das ist er auch… mit Sicherheit Clark, … ein Materialversagen ist aber nie ganz auszuschließen. Drücken wir es mal so aus… wir hatten wahrscheinlich einfach nur Pech.” Rileys Adjutant blickte mit verbissenem Gesichtsausdruck in die Runde und dachte angestrengt nach. Schließlich blieb sein Blick wieder auf dem Kommandanten haften. Eine andere Sache hatte ihn schon seit dem überstürzten Aufbruch damals von der Erde beschäftigt.
“Sagen sie Sir… das Oberkommando, also…”, der Sergeant überlegte wie er seine Frage am besten formulieren sollte, “…haben sie damals wirklich die Entscheidung getroffen, auf der Erde zu bleiben?” Riley zeigte seine strahlenden Zähne. “Sicher haben sie das, was glauben sie denn Clark?” Wenn der Kommandant eine Frage aufrichtig beantworten konnte, dann war es diese. Er hatte schnell in Erfahrung gebracht, das die Führungsspitze gar nicht daran dachte nach Pandora zu fliegen, oder den Kampf fortzusetzen. Vielmehr waren ihm geheime Unterlagen zugespielt wurden, aus denen klar hervorging, das man bereit war die gesamte Basis und das mächtige völlig unbeschädigte ISV, der Widerstandsbewegung in die Hände zu spielen. Was aus dem Bodenpersonal, sowie den dort stationierten Soldaten wurde interessierte den Stab nicht. Vermutlich erhoffte sich das Gremium besondere Vergünstigen, oder sie bekamen einfach nur eine Kugel in den Kopf. So genau kannte Riley die Antwort selbst nicht.
“Ich denke sie haben das richtige getan Sir”, sagte Clark unerwartet und Oberst Riley sah ihn verblüfft an. Dann stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht. “Sie werden es noch weit bringen Clark, darauf gebe ich ihnen mein Wort.” Vor den kleinen Sichtluken des Shuttles war längst die Schwärze des Weltalls gewichen und hatte den dünnen Wolkenschichten der Atmosphäre Platz gemacht. Seit langem drang wieder echtes Licht in das innere des gewaltigen Transporters.
Riley atmete erleichtert auf, als er es zu Notiz nahm. Die Landung musste unmittelbar bevorstehen.

******

Neugierig sah sich der noch so junge Na’vi in dem Raum um, der das Büro des Lagerkommandanten darstellte und versuchte die völlig fremdartige Einrichtung zu begreifen.
Durch das offen stehende Schleusenschott und die kleinen Fenster viel genug Licht herein um genug erkennen zu können. Eine Weile war der Jäger nur in die Betrachtung der vielfältigen Gegenstände vertieft, welche wahllos über den ehemaligen Schreibtisch des Besitzers verstreut lagen. Schließlich blieb sein suchender Blick auf einer Reihe Waffen und anderer Ausrüstung hängen, die fein säuberlich hinter Glaskästen geschützt, die Wände des Büros zierten. Verwundert ließ Ateyi seine Finger über das merkwürdige durchsichtige Material gleiten.
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #3 on: March 04, 2012, 04:53:29 pm »
Die Gegenstände waren allesamt Pfeile und Dolche seiner Stammesangehörigen, wie er unschwer erkannte. Jeder Stamm hatte seine eigene Art, Dinge zu kennzeichnen und die Waffen waren jedes für sich Einzelstücke, welche von den jungen Kriegern, in mühevoller Arbeit selbst angefertigt wurden. Den weniger geschickten oblag es, die Hilfe eines Karyus in Anspruch zu nehmen.
Nach vergeblichen Versuchen an einen besonders prachtvoll gefertigten Dolch zu kommen, holte der Na’vi missmutig seine Klinge hervor. Den Griff als Hiebinstrument einsetzend, zersplitterte das Glas der Schutzummantelung klirrend in unzählige Teile und gab seinen wertvollen Inhalt Preis.
Von Freude erfüllt über seinen Erfolg ergriff der junge Krieger die wundervoll gearbeitete Waffe und befestigte sie nach kurzer Betrachtung Ehrfurchtsvoll an der Verschnürung seines Lendenschurzes. Fawn würde sich sicher von seiner Beute beeindruckt zeigen. Gerade als er das Gebäude verlassen wollte, fiel sein Blick auf einen seltsam glänzenden und äußerst flachen Gegenstand, der scheinbar völlig unbeachtet auf der Platte des Schreibtisches lag. Das seltsame Objekt erweckte seine Neugier und einer Eingebung folgend griff Ateyi danach. Bei der Betrachtung fuhren seine schlanken Finger, auch über die leichten Dellen in dem Material und Plötzlich gab der Gegenstand einen hellen Summton von sich und ein Display begann aufzuleuchten. Sein Herz übersprang vor Schreck einen Schlag und aufgeregt starrte der junge Krieger auf die seltsamen Symbole, die wie durch Zauberei farbig vor ihm auf dem Material prangten. “Ayvrrtep!”. Nur undeutlich kam das Wort über die Lippen des völlig verschreckten Wesens und fast hätte Ateyi es fallengelassen. Doch schnell packte eine Art von Erregung den Na’vi über seinen imposanten Fund. Damit würde er die Gunst der kleinen Jägerin bestimmt erringen. Oft genug hatte er am Lagerfeuer zugehört mit welcher Begeisterung Fawn über die merkwürdigen Dinge der Himmelsmenschen sprach. Der seltsame Glanz welcher dabei jedes Mal in ihre Augen trat, hatte ihn völlig verzaubert. Zuversichtlich klemmte Ateyi das kleine Objekt in die Halterung seines Dolches und überprüfte sorgsam, ob es nicht rausrutschen konnte.
Nachdenklich sah er sich nochmals um, doch es gab nichts weiter das sein Interesse erweckt hätte. So trippelte der Jäger von freudigen Gefühlen erfüllt ins Freie. Ateyi konnte es kaum erwarten wieder den vertrauten Heimatbaum zu erreichen und seiner heimlichen Auserwählten die Fundstücke zu präsentieren.
Erst wollte der Na’vi dem nahen Sperrzaun entgegen gehen, um so schnell wie möglich das unheimliche Lager hinter sich zu lassen. Ein drückendes Hungergefühl, verbunden mit einer leichten Ermüdung, ließen Ateyi allerdings innehalten. Der Jäger entschied sich für eine Weile auf dem seltsamen Belag des Rollfeldes, dessen Bedeutung er ebenso wenig verstand wie alles andere um ihn herum, Platz zu nehmen. Ateyi legte den Bogen neben sich ab und holte aus einem kleinen leinen artigen Beutel etwas Nahrung hervor. Genüsslich biss er in das mitgeführte Fleisch hinein, wobei er vergnügt anfing zu kauen.
Nachdem das erste Hungergefühl verflogen war, steckte der Jäger alles ordentlich weg. Seine Hände unter dem Kopf verschränkt, legte sich Ateyi auf den unkomfortablen Untergrund nieder, um sich etwas Ruhe zu gönnen.
Eine Weile lag er so da und betrachtete verträumt die wenigen über ihn hinweg ziehenden Wolken, am ansonsten fast blauen Himmel Pandoras.
Er machte sich keine Sorgen wegen eventueller wilder Tiere. Von Fawns Erzählungen wusste er, dass die Nantangs, das Lager der Himmelsmenschen in weiten Umkreis mieden. Seine Gedanken drifteten noch eine Weile um die verschiedensten Dinge, dann entschied der junge Na’vi, das es an der Zeit wäre an den vor ihm liegenden Rückmarsch zu denken. Dem Stand der Sonnen nach, hatte er sich schon länger als anfangs beabsichtigt in der Basis aufgehalten Langsam erhob sich Ateyi, hängte seinen Bogen über die Schulter und bewegte sich auf den stellenweise völlig zerstörten Zaun zu, der den Rest des Lagers vom nahe gelegenen Urwald abgrenzte.

******

Unaufhaltsam glänzenden Speerspitzen gleich drangen die Shuttles durch die obersten Wolkenschichten, bis die ersten Täler und Flüsse sichtbar wurden. Rasend schnell zog die eindrucksvolle Landschaft unter ihnen vorbei, doch Riley hatte keinen Blick für die Schönheit die sich ihnen auf überwältigende Weise darbot.
Aufgeregt trat er an die Piloten des Valkyrie heran. “Haben sie Nachricht vom Boden?” Einer der Soldaten drehte seinen Kopf in Richtung des Kommandanten. “Negativ Sir. Unsere Rufe werden nicht empfangen. Dabei sollten wir laut den Koordinaten ganz in der Nähe des Stützpunktes sein. Sie müssten uns eigentlich Antworten.”
Riley sah sichtlich betroffen aus der vor ihm befindlichen großen Scheibe des Transporters, wobei er auf seiner Unterlippe  herumkaute. “Vielleicht gibt’s die schon gar nicht mehr.“
Für einen winzigen Augenblick, blitzte das nackte Entsetzen im Gesicht des Piloten auf, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle. In wahnsinnig anmutender Geschwindigkeit rasten die Valkyrie weiter dem Erdboden entgegen. Am fernen Horizont blitzten Lichtreflexe auf und der Funker machte den Kommandanten darauf aufmerksam. Riley nickte nur wortlos, hatte er die Reflexionen doch selbst schon bemerkt. Vor ihnen musste sich eine große metallische Ansammlung befinden. Fahrzeuge, Gebäude… alles Mögliche kam dafür in betracht, allerdings ließ sich das auf diese Entfernung nur schwer einschätzen. Nach bangen Minuten des Wartens hatte die Besatzung des Transporters endlich Gewissheit. Für alle sichtbar schoben sich die Konturen eindeutig von Menschenhand geschaffener Gebäude über den Horizont… die lang ersehnte Basis. Routiniert leitete der Pilot den Bremsvorgang ein und unter einem infernalischen Aufheulen sackte das schwere Raumfahrzeug fast senkrecht dem nahen Boden entgegen. Unmengen von Staub wurden durch die Umkehrdüsen der Transporter in die trockene Luft geschleudert und zogen in spiralförmigen Wirbeln davon. Im innern spürten die Soldaten unter ihren Füssen, wie der schwere Transporter Bodenkontakt aufnahm und im selben Moment fuhr die gewaltige Frachtluke krachend nach unten. Nur sehr zögerlich betraten die ersten Soldaten im Schein der strahlenden Sonnen die neue Welt, von der keiner eine rechte Vorstellung hatte, was für Überraschungen sie für die Neuankömmlinge bereithielt.

Schaffen sie es die Energieversorgung wieder zu reparieren? Johnson betrachtete nachdenklich das vor ihm liegende Durcheinander an zerrissenen Leitungen und Kabeln. “Ich weiß nicht Sir. Vielleicht…”, damit hieb er eine Faust auf die Metallene Abdeckung des Generators, welche einen dumpfen Klang erzeugte.
“Ich werde mehr Zeit brauchen, Kommandant.” Eifrig ergriff Johnson das mitgeführte Werkzeug und machte sich an den mächtigen Maschinen zu schaffen. “Zeit…” sinnierte Riley, mit einem sarkastischen Unterton in seiner Stimme, “…Zeit ist genau das was wir nicht haben.” Der leitende Ingenieur untersuchte einige Steckverbindungen und machte sich dann am mächtigen Steuerpult der Anlage zu schaffen. Ein dröhnendes Geräusch erfüllte urplötzlich den Raum, als die Maschinen wie ein wildes Tier aufbrüllten. Mit verzerrtem Gesichtsausdruck presste sich der Kommandant augenblicklich die Hände auf seine Ohren. Seinem Techniker schien der sie umgebende Lärm hingegen nichts auszumachen, denn ohne jegliche Regung ging er weiter der Reparatur der Stromversorgung nach. “Ich würde sagen 25 vielleicht auch 30% Sir… mehr ist nicht drin.”
Mit einer Lässigkeit, als habe er seinen Kommandanten eben zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, blickte der Ingenieur den Lagerführer an.
Kommandant Riley sah erst überrascht, dann aufs äußerste Verärgert aus. “Wollen sie mich verhöhnen? Das reicht niemals für einen Basisbetrieb und die Sicherungsanlagen. Holen sie alles aus den verdammten Maschinen heraus was möglich ist. Das ist ein Befehl… haben sie das verstanden?”
Der Ingenieur zeigte sich unbeeindruckt vom plötzlichen Wutausbruch seines Kommandanten. Mit einem Schraubenschlüssel in der Hand klopfte er überlegend auf das Metall der Abdeckungen, welche die Menschen vor den tödlichen Energien die darinnen tobten abschirmten.
“Sie sind der Boss Kommandant.” Damit machte sich der Techniker wieder an den völlig ramponierten Leitungen zu schaffen.
Immer noch erzürnt setzte Riley seine Schutzmaske auf und trat mit einem wütenden Schnauben durch die Sicherheitsschleuse ins Freie.

Ein paar Stunden später stand das Ergebnis der Reparatur fest. Die Maschinen erzeugten nun 32.5% Leistung. Das war bedeutend weniger als Riley sich erhofft hatte. Nun gab es für ihn nur noch einen Ausweg und hektisch versammelte er seine Mitarbeiter zu einer Besprechung um sich. Wie ein Monument stand der Kommandant inmitten des leidenschaftlich diskutierenden und miteinander streitenden Basispersonals und wartete geduldig bis endlich Ruhe einkehrte und alle Augen sich auf ihn richteten.
“Sie dürfen gerne bis in alle Ewigkeit weiter diskutieren“, meinte Riley mit einem milden Lächeln und trat an den großen Kartentisch mit Holographischer Darstellung heran. “Allerdings fürchte ich, das es ihnen nichts nützen wird.” Er machte eine Pause und wartete gespannt die nervösen Reaktionen seiner Zuhörer ab. Fragende Stimmen wurden laut, doch wurden diese sofort wieder unterbrochen von anderen, die um Ruhe baten und meinten man solle erstmal den Kommandanten sprechen lassen.
“Ich danke ihnen, meine Herren. Wie sie vielleicht erfahren haben, ist diese Basis aufgrund der nur notdürftigen Energieversorgung nicht zu halten und somit wertlos für uns.”
Nun zeichnete sich ein entsetzter Unterton in den Zwischenrufen seiner Zuhörer ab. “Also welche Optionen bleiben uns noch?” Erwartungsvoll sah er sich im Kreise der Beteiligten um und er wurde nicht enttäuscht. Fast lautlos trat ein junger Mann mit tief liegenden Augen aus der Menge, dabei ein kleines Datenpad vor sich herschwenkend.
“Ah Gefreiter Clark… wie immer zur rechten Zeit nicht war?“, rief der Kommandant ohne ein Zeichen echter Überraschung. Er wusste das er sich in Schwierigen Situationen auf seinen jungen aber äußerst talentierten Stellvertreter verlassen konnte. “Es ist schön das es noch Leute gibt die echten Arbeitseifer zeigen.” Riley zeigte ein Lächeln, das an Falschheit kaum noch zu überbieten war, doch keiner der umstehenden nahm davon in irgendeiner Weise Notiz. “Ich habe diese Aufzeichnungen des ehemaligen Personals gefunden”, sprudelte es aus dem übereifrigen Mitarbeiter hervor. Mit hochgezogenen Augenbraunen musterte Riley den jungen Mann. “Wären sie dann so freundlich, uns zu sagen was daraus hervorgeht?”
“Einen Moment Sir…”, erwiderte der Adjutant und trat an die riesige Projektionsfläche heran. Unter den wachsamen Blicken des Kommandanten nahm er einige Einstellungen vor und eine dreidimensionale Karte leuchtete vor den Anwesenden auf.
Clark bewegte die Darstellung, wobei die plastische Karte weiter glitt, bis eine deutlich hervorgehobene Markierung ins Blickfeld rückte. Kommandant Riley stand mit zusammen gekniffenen Augen davor und las fragend die Bezeichnung vor.
“RC-33. Um was handelt es sich bei diesem Objekt?”
Bevor Clark antworten konnte erlosch die Projektion unter einem knisternden flackern, erschien kurz wieder und brach endgültig als Folge der ungenügenden Stromversorgung in sich zusammen.
Der Adjutant sah seufzend von seiner Schaltfläche auf. “Eine Forschungsstation, Kommandant Riley. RC-33 ist eine Basis, etwa 3-4 Flugstunden entfernt mitten im Urwald. Möglicherweise ist sie noch intakt, wenn wir Glück haben.”
Riley nickte nachdenklich, “vielleicht… wir werden das sofort überprüfen.” Erfüllt von neuem Tatendrang gab der Kommandant Befehl eines der Valkyrie Shuttle startbereit zu machen und eine Gruppe AMP mit ihren Besatzungen, sowie einen kleinen Stoßtrupp unter Führung seines Stellvertreters Clark aufzunehmen. Das andere sollte beladen mit Gerätschaften folgen, um einen der dringend benötigten Generatoren aufzunehmen, den der Kommandant in der Forschungsstation zu finden hoffte. “Sagen sie Clark, wie spät ist es eigentlich?“ Riley brachte die ungewohnte Konstellation des Dreigestirns aus der Ruhe. “Sie meinen bevor es dunkel wird, Sir?“ Der Adjutant betrachte konzentriert sein Chronometer, sah dann zum Himmel empor und versuchte eine genaue Schätzung abzugeben. “Ich würde sagen, in ein paar Stunden, Kommandant.“ Ein Großteil der überlebenden Schiffsbesatzung stand noch unschlüssig auf dem Rollfeld oder war mit kleineren Reparaturen beschäftigt, als Kommandant Riley an Bord eines der gelandeten Shuttles ging. Minuten später stieg das riesige Gefährt unter dem dröhnen seiner Triebwerke auf und verschwand in kürzester Zeit am Wolkenlosen Himmel Pandoras.

******

Ein seltsames Geräusch drang überraschend an seine empfindlichen Ohren und neugierig geworden versuchte der Na’vi zu ergründen woher es stammte. Suchend richtete er seine Blicke zum Himmel, als ein gewaltiger Schatten die über ihm stehende Sonne verdeckte. Der junge Krieger riss entsetzt die Augen auf, wie ein drohendes und unheilvolles Objekt sich unter infernalischem Heulen langsam herabsenkte, genau auf die Position zu an der er sich befand. Ein beklemmendes Gefühl überkam ihn und wie gebannt starrte Ateyi auf den seltsamen Metallischen Vogel, unfähig sich zu bewegen. Noch ein zweites Objekt, was dem anderen zum verwechseln ähnlich sah tauchte auf und setzte ebenfalls zur Landung an. Im letzten Moment hechtete der junge Na’vi entsetzt zur Seite um nicht von dem mächtigen Shuttle erdrückt zu werden. Langsam wich er zum nahen Basiszaun zurück, dabei immer seinen furchtsamen Blick auf die Ereignisse hinter ihm gerichtet. Mit einem letzten aufbrüllen der Triebwerke verstummte das gewaltige Valkyrie Shuttle und krachend fuhr die lange Rampe nach unten. Hrrap, formte sich ein Wort in seinem Kopf und Ateyi begann wie noch nie zuvor in seinem Leben zu rennen.

******

Kommandant Riley sah sichtlich zufrieden aus dem Cockpit des gewaltigen Shuttles, auf den unter ihnen sich ausbreitenden Landeplatz. Das Basisgelände wies an vielen Stellen Spuren längst vergangener Kämpfe auf, jedoch schienen die meisten der Gebäude noch intakt zu sein. Gerade als der schwere Transporter zur Landung ansetzte, schrie Riley vor Überraschung auf und zeigte hektisch fuchtelnd auf eine Gestalt die in einiger Entfernung auf dem Rollfeld stand. Der Fremde seiner Größe nach vermutlich einer der verhassten Ureinwohner, musste sie wohl ebenfalls bemerkt haben, denn wie von Furien gehetzt begann er zu laufen. “Runter! Machen sie schneller Mann! Er darf uns nicht entkommen. Nicht auszudenken was geschieht wenn es ihm gelingt seine Freunde zu warnen.” Der neue Kommandeur spornte den Piloten mit seiner Wut zu ungeahnten Höchstleistungen an und unter einem mörderischen Ruck begleitet von einem Aufheulen der Triebwerke setzte die Maschine auf. Nur mit Mühe schaffte es Riley sich im letzten Moment fest zuhalten und nicht durch das mächtige Schiff geschleudert zu werden. Als endlich wieder Ruhe einkehrte bestieg der Kommandant seinen AMP und wartete ungeduldig zusammen mit seinen Begleitern, auf das herunterfahren der Laderampe. Kaum das deren metallische Greifer sich im Boden festhakten, donnerte die Gruppe mit ihren Furchteinflössenden Exoskeletten an den wartenden Mannschaften vorbei ins Freie.
Auf dem Scanner erschien überdeutlich das sich entfernende Signal des Flüchtenden Na’vi. Während hinter ihnen das restliche Schiffspersonal mit der Ausschleusung begann, sprinteten die Kampfkolosse mit kraftvollen Bewegungen die ihnen niemand zugetraut hätte zum Basiszaun. Über Funk gab Riley immer wieder die sich verändernden Koordinaten an seine Begleiter durch. Seine Wut wich langsam einer gewissen freudigen Erregung, als er feststellte das sich der leuchtende Punkt immer mehr dem Zentrum der Zielerfassung näherte. “Gleich haben wir dich…”, flüsterte der Kommandant bösartig.

******

Die Himmelsmenschen mussten mit Dämonen im Bunde stecken, anders ließ sich ihre ungewöhnliche Größe nicht erklären. Eine andere Tatsache hingegen beunruhigte Ateyi noch viel mehr. Seine Brüder und Schwestern sagten immer das ein Tawtute nicht sehen könnte. Warum gelang es ihm dann nicht sie abzuschütteln. Ateyi war immer sehr geschickt gewesen und mehr als einmal hatte er sich einen Spaß daraus gemacht, anderen Na’vi aufzulauern und sie unerwartet zu erschrecken. Ein Geräusch von zerbrechenden Ästen und Zweigen seitwärts, ließ ihn erschreckt herumfahren. Sie versuchten ihn einzukreisen und der junge Krieger rätselte immer noch darüber warum sie ihn so zielsicher aufspüren konnten. Schüsse peitschten auf und zerrissen die Deckung des Blattwerks neben ihm. Unter einem Aufschrei sprang er Hoch und rannte nun völlig ziellos und in wilder Panic weiter. Das Krachen splitternden Holzes und die seltsamen Summtöne der gewaltigen fremdartigen Maschinen kamen immer näher. Ateyi sah sich gehetzt um und wollte gerade eine andere Richtung einschlagen, als ihn etwas Hartes in den Rücken traf. Ein brennender Schmerz fuhr durch seinen Körper und der junge Na’vi schrie gepeinigt auf. Eine warme klebrige Flüssigkeit begann seinen Körper herab zulaufen. Im nächsten Augenblick gaben seine Beine nach und Ateyi sackte auf die Knie. Voller Furcht berührte er die schmerzende Stelle unterhalb seiner Schulter und als er die Hand wieder vor sein Gesicht hielt, zuckte er entsetzt zusammen. Hellrotes Blut leuchtete ihm entgegen und tropfte von seiner Handfläche herab auf den moosbedeckten Boden. In der Nähe wurde der gewaltige Stamm eines Tautral von den Geschossen der AMPs zersiebt und in Stücke gerissen. Ein surrendes Geräusch erzeugend spritzen die scharfkantigen Splitter an ihm vorbei. Seine letzten Kraftreserven mobilisierend, erhob sich der junge Na’vi mühevoll und taumelte die Schmerzen verdrängend weiter. Unvorstellbar laut schien das Herz in seiner Brust zu schlagen während rote Schlieren begannen vor seinen Augen zu tanzen. Ateyi hastete und sprang dabei über armdicke Wurzeln, was jedes Mal einen heftigen Stich in seiner Schulter erzeugte. Die Verletzung brannte wie Feuer und sein gesamter Rücken fühlte sich feucht vom herab rinnenden Blut an.
Im vollen Lauf prallte der junge Krieger gegen etwas unglaublich hartes und wurde zurückgeschleudert. Geschwächt und am ganzen Körper zitternd blickte er zu dem Ungetüm auf, das sich drohend vor ihm befand. Langsam bewegte die Hydraulik den Metallenen Koloss auf ihn zu und im gleichen Augenblick wurde er von einer gewaltigen Hand gepackt und nach oben gezogen. Ateyi schrie vor Schmerz und Entsetzen auf und versuchte sich vergeblich zu befreien. Doch jeder Widerstand erschien letztendlich aussichtslos, im Angesicht des gewaltigen stählernen Armes der ihn fest umklammert hielt.
“Was hattest du ihn der Basis zu suchen?”, erklang dumpf die Stimme des vor ihm befindlichen Himmelsmenschen.
Ateyi lauschte den für ihn unverständlichen Worten, wobei er versuchte ihnen einen Sinn zu geben. Als er nicht gleich antwortete, erklang die Stimme erneut, diesmal allerdings weitaus unfreundlicher. “Antworte endlich! Du hast keine Wahl, am Ende erfahren wir ja doch was wir wissen wollen.”
Hervorgerufen durch die schwere Schusswunde wurde dem jungen Na’vi schwindlig und zusehends ließ seine instinktive Abwehr nach. Dunkle Schatten tanzten einen wilden Reigen vor seinen Augen. Während er im Unterbewusstsein die krachenden Schritte der anderen Maschinen vernahm, bemächtigte sich eine gnädige Ohnmacht des Kriegers.

******

In seinem schwer gepanzerten AMP sitzend beobachtete Kommandant Riley, den fest im Griff seiner metallischen Faust befindlichen Ureinwohner.
Das so seltsam aussehende blau gemaserte Geschöpf schien die Besinnung verloren zu haben, denn seit einigen Momenten rührte es sich nicht mehr. Riley hob in seinem Exoskelett den Handschuh und bewegte damit das stählerne Gegenstück nach oben. Wütend schüttelte er den Ureinwohner hin und her und schrie vor Enttäuschung auf, als dieser keinerlei Regung zeigte. Langsam sicherte der Kommandant die gewaltige Waffe auf der anderen Seite des AMP und ließ sie aus seiner Faust zu Boden fallen, wo sie mit einem dumpfen Aufschlag liegen blieb.
Riley bewegte ein paar mal die Finger der Hand, als müsse er sie erst nach dem langen tragen der schweren Kanone wieder gelenkig machen. Schließlich betrachtete er den jungen Na’vi mit einem spöttischem Lächeln und holte weit aus.
Ateyi erhielt einen Schlag ins Gesicht und wurde durch den aufkommenden Schmerz aus der wohltuenden Ohnmacht heraus, wieder in die grausame Realität zurückgeholt.
“Bist du noch da?” Wie ein Messer schnitten die Worte eiskalt durch die vorherrschende Stille. Angstvolle gelbe Augen blickten dem Kommandanten entgegen, als dieser fortfuhr. “Na schön. Also noch mal von vorne.”

******

Der laue Wind wehte sanft zwischen den Bäumen des in der Abenddämmerung liegenden Urwaldes hindurch, näherte sich dem Kelutral, wo er auch einen kleinen Lagerplatz erreichte an dem zwei sehr nachdenkliche Geschöpfe saßen. Wie die Berührung von Seide so leicht und kaum fühlbar, strich der Lufthauch über die erhitzten Körper der beiden völlig unterschiedlichen Wesen.
“Ich hätte Ateyi nicht zur Basis der Tawtute schicken dürfen. Das war sehr unüberlegt von mir, ma Brian.” Die kleine Jägerin machte auf Brian einen völlig zerknitterten Eindruck und er versuchte sich vorzustellen was in ihr vorging.
Ateyi wird schon wieder sicher zum Kelutral zurück finden.” Er nahm ihre schlanken Hände in die seinen und hielt sie fest. “Sieh mal… wir beide sind die Route doch so oft gelaufen und uns ist nichts geschehen. Einem erfahrenen Jäger sollte es gelingen diese Aufgabe zu schaffen.” Fawn löste sich aus seinem Griff und unterbrach den Söldner. “Eywa hat ihre Hand schützend über uns gehalten, ma Brian. Aber nun sind da die Wölfe und…” das Mädchen stockte ihren Redefluss und sah Brian verunsichert an. “Ateyi ist doch so jung… fast noch ein Kind.”
Nachdenklich kratzte sich Brian am Kopf. “Der Jäger ist nicht viel jünger als du selbst Fawn.” Jetzt war es an Fawn, ihn verblüfft anzusehen. Brian sah wie sich ihre Augen begannen mit Tränen zu füllen und das sie kurz davor stand zusammen zu brechen. Verspielt streichelte er ihre zarten Ohren. Fawn genoss es sichtlich, jedoch kam sie sich vor wie ein kleines Mädchen. Brian hatte wohl recht mit seiner Behauptung sagte sie zu sich in Gedanken. Entschieden schüttelte Fawn den Kopf, so das ihre langen geflochtenen Zöpfe in alle Richtungen flogen.
“Es ist alles meine Schuld, verstehst du denn nicht ma Brian? Ich habe Ateyi erst dorthin geschickt und ihm den Weg gezeigt. Ohne diese Hilfe wäre er wohl sicher nie aufgebrochen.”
Das Mädchen kniete sich traurig in das sanft im Wind wippende Gras. Ihr langer Schwanz bewegte sich dabei unentschlossen über ihren Oberschenkel. Diesmal widerstand Brian der in ihm aufkommenden Versuchung verspielt danach zu greifen. Der Söldner verstand nicht, warum der Jäger überhaupt zur Basis aufgebrochen war, oder was Fawn mit seinem Verschwinden zu tun hatte. In ihrer jetzigen Verfassung, war es vielleicht besser nicht weiter nach zuhaken. Andererseits… er musste einfach Gewissheit haben. Ihm war das seltsame Verhalten und die tiefe Traurigkeit die Fawn die letzte Zeit zu beherrschen schien aufgefallen und dem Söldner fielen die Worte Awaiei’s wieder ein. Doch das konnte nicht alles sein. Brian fasste sich ein Herz und beschloss das ihn mit trübsinnigen Blicken musternde junge Na’vi Mädchen zu fragen. Fawn hörte ihm zu und er bemerkte wie sie mit sich und einer Antwort rang.
“Unsere Vereinigung, ma Brian… sie ist für meine Brüder und Schwestern nicht bindend, zumindest nicht für alle. Ein paar wenige mögen meine Entscheidung wohl akzeptieren. Ich bat Ateyi es ihnen zu sagen.” Der Söldner fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen. “Na schönen Dank auch.“ Sie setzte sich wieder vor ihm nieder. „Ich liebe dich, ma Brian. Daran darfst du niemals zweifeln.“ Brian zeigte ein übertriebenes Lächeln. „Das weiß ich doch Fawn. Wenn Ateyi die nächste Zeit nicht auftaucht, werden wir beide ihn suchen, versprochen.“ Ihre Augen leuchteten vor Freude und Erleichterung über seine Worte auf. “Irayo ma Brian, ich werde also warten.“

******

Hart dröhnte die Stimme des Kommandanten. “Du hattest eine faire Chance deine Leiden zu verkürzen. Wir sind ja nicht Bösartig… zumindest nicht alle von uns.” Dabei fiel sein süffisanter Blick auf den zu ihm erwartungsvoll hochsehenden Adjutanten. “Nun werde ich dich meinem Gehilfen überantworten und ich kann dir versichern, das er nicht so freundlich mit dir sein wird, wie ich es bisher war.”
Unter einem seltsamen Summen, öffnete sich die harte Klaue aus Metall und gab den jungen Na’vi frei, der darauf auf dem Boden aufschlug. Dort erwartete ihn schon ein allem Anschein nach noch sehr junger Soldat, in dessen Augen jedoch reine Bösartigkeit funkelte. Ateyi war zu geschwächt um sich aufzurichten.
Der junge Na’vi drehte und wand sich auf dem Boden um seinen Peiniger nicht aus den Augen zu verlieren, der ihn mit sichtlicher Genugtuung umrundete. Eine Weile fuhr Clark mit der Betrachtung des Ureinwohners fort, dann trat er energisch an ihn heran und packte ihn hart an einem der spitzen Ohren.
Ganz nahe brachte er dabei seine Lippen an das empfindliche Organ des Wesens. “Ich beginne allmählich die Geduld mit dir zu verlieren. Also zum letzten Mal… wo ist euer verdammtes Dorf?” Ateyi versuchte in seiner Verzweiflung zu verstehen was der Tawtute von ihm wollte, doch er hatte die Sprache nie erlernt und kannte allenfalls einzelne Begriffe. Soweit er die Bruchstücke verstand, forderte der Himmelsmensch von Ateyi, das er ihn begleitete, aber er begriff nicht wohin. So brachte Ateyi nur ein äußerst klägliches “ke…” hervor. “Ke? Was soll das heißen… Nein? Du willst also nicht kooperieren?” Wütend zog Clark an dem Ohr des Na’vi und schlug ihn unbeherrscht mit der Waffe ins Gesicht. Er verabscheute die Ureinwohner und ihre gesamte Lebensweise. Regungslos sah er auf den jungen Na’vi herab der nun zusammengesunken vor ihm auf dem Boden lag, während der Hass über ihre hoffnungslose Situation langsam begann ihn von innen heraus zu verzehren. “Ich habe es so satt. Wohin man auch schaut, überall nur Kollaborateure, Saboteure… Verräter!” Beim letzen Wort spie er vor dem Krieger wütend aus.
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Eichhörnchen

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 437
  • Karma: 270
  • Oel ngati kame
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #4 on: March 04, 2012, 04:56:38 pm »
“Ich werde nicht zulassen, dass du und deinesgleichen uns weiter ungefragt auf der Nase herumtanzen… hast du das Verstanden?” Clark begann zu toben und seine Stimmung spiegelte sich deutlich in seinen Augen wieder. Der junge Na’vi zitterte und versuchte etwas von dem schreienden Himmelsmenschen den er nicht verstand abzurücken. Ateyi spürte wie ihn langsam seine Kräfte verließen. Durch den Schlag des Tawtute, war seine Lippe aufgeplatzt und der warme Blutstrom der sich aus ihr ergoss, füllte seinen Mund mit einem widerlichen Geschmack.
Ängstlich sah er in die kleinen Augen des Himmelsmenschen und was sich in ihnen abzeichnete, erfüllte den Na’vi mit Furcht. Auch ohne ein Wort zu verstehen, las der Krieger darin die reine Mordlust. Wie alle Na’vi beherrschte Ateyi die Gebärdensprache fast bis zur Perfektion und auch wenn der vor ihm schreiende Mann so unglaublich Fremd war, so ließen sich aus seiner Körperhaltung doch einige Rückschlüsse ziehen. Schlagartig kam dem jungen Krieger die Erkenntnis, dass die Himmelsmenschen gar nicht vorhatten ihn gehen zu lassen, egal ob er ihren Forderungen nachkam. Zu der Furcht um sein Leben, gesellten sich die Schmerzen seiner Verletzung und raubten ihm unaufhörlich die Fähigkeit klar zu Denken. Clark trat so nahe an ihn heran, das Ateyi den seltsamen Geruch des Himmelsmenschen war nahm. Bevor er etwas unternehmen konnte, griff der Tawtute nach seinem Rasiermesser scharfen Dolch am Gürtel.
Als Clark die Waffe des Na’vi hervorzog, fiel auch das kleine seltsame Gerät heraus und blieb im Gras liegen.

Für einen Moment betrachtete Clark fasziniert die mörderische Waffe dann warf er sie in weiten Bogen von sich. Etwas anderes hatte seine Aufmerksamkeit erregt. Vorsichtig bückte sich der Soldat und hob das vor ihm liegende Datenpad auf. Verwundert so als traue er seinen eigenen Augen nicht, starrte der Adjutant darauf, während seine Miene sich versteinerte.
“Wo hast du das her? Los Antworte mir gefälligst!”
Wütend trat Clark nach dem vor ihm befindlichen Wesen, seine Augen nicht von dem unerwarteten Fund nehmend. Ateyi begann vor Angst zu stammeln. Doch seine für Clark unverständlichen Worte steigerten dessen Raserei nur weiter ins unermessliche. “Genug! Du hast dein Leben verwirkt. Nun sollst du am eigenen Leibe erfahren wie wir mit euresgleichen verfahren.” Der Adjutant richtete sein Gewehr auf den zitternden Ureinwohner. Gerade als er den Abzug betätigen wollte stoppte ihn ein über ihm hastig ausgerufener Laut. Lagerkommandant Riley blickte mit funkelnden Augen auf ihn herunter, während eine der stählernen Fäuste mit einem ausgestreckten Finger auf ihn zeigte. “Lass ihn in Ruhe Clark. Sollen ihn doch die Wölfe holen. Wenn du ihn erschießt wissen bald alle Ureinwohner das wir hier gelandet sind.” Dem Kommandanten war der Sinneswandel nicht aus plötzlicher Liebe zu den Ureinwohnern gekommen. Während er das Treiben seines Adjutanten verfolgte hatte Riley zu überlegen begonnen, wie sie weiter auf diesem fremdartigen Mond verfahren sollten. Riley hatte Gedanklich in Windeseile sämtliche in Frage kommenden Szenarien durchgespielt, Pläne entwickelt und Ideen wieder als undurchführbar verworfen. Der Kommandant kannte nicht die derzeitigen Machtverhältnisse auf Pandora, allerdings wäre ein Waffenstillstand zwischen den Ureinwohner und den Neuankömmlingen eine vorerst akzeptable Option. Zumindest solange dachte Riley, bis sie ihre Machtposition auf dem Mond gefestigt und zum Gegenschlag bereit waren. Ein durch Menschenhand getöteter Na’vi, würde Verhandlungen nur unnötig erschweren. “Sergeant Clark, ich befehle ihnen die Waffe wegzustecken.” Riley begann allmählich die Geduld zu verlieren. Fluchend nahm der Gefreite seine Waffe wieder herunter und sicherte sie. “Sie sind der Boss, Sir!” Aus der Kanzel des stählernen AMP schalte die Stimme Rileys zu ihm herunter. “Ganz genau und das sollten sie auch niemals vergessen. So und nun machen sie den Wilden wieder Fit und lassen ihn laufen.”

******

Ateyi konnte sein Glück kaum fassen und in Gedanken schickte er immer neue Gebete zu Eywa, während er versuchte so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die Himmelsmenschen zu bringen. Die zahlreichen Splitterverletzungen behinderten ihn zusehends und der Jäger spürte wie allmählich seine Lebenskraft aus ihm wich. Seine Schulter brannte wie Feuer, dunkle Schlieren tanzten vor seinen Augen und mehr als einmal stolperte Ateyi vor Unachtsamkeit. Sein Weg führte ihn immer weiter durch den Urwald, vorbei an einem kleinen Bach und dann wieder in dichtes Gestrüpp, das keinen gangbaren Weg erkennen ließ. Trotz seiner getrübten Wahrnehmung, schaffte es Ateyi einem Rudel Nantangs auszuweichen, das er in einiger Entfernung bemerkte. Zum ersten Mal, rettete ihm seine Fähigkeit, sich an andere Lautlos heranzuschleichen und Gefahren unbemerkt auszuweichen das Leben. Dunkelheit umgab ihn doch verzweifelt kämpfte sich der junge Na’vi weiter. Als der Morgen graute, vermeinte er dem Kelutral nahe zu sein. Die Erkenntnis darüber erfreute ihn, im gleichen Atemzug bemächtigte sich jedoch eine alles überwältigende Erschöpfung des jungen Jägers. Kraftlos sank er in das tiefe Gras, von Hunger und Schmerzen gepeinigt. Wenn er nur einen Augenblick ausruhte, würde er genug Kraft haben um den Heimatbaum zu erreichen. Ateyi blieb mit rasenden Herzen liegen und bevor er es bemerkte überkam ihn eine tiefe Ohnmacht.

******

Angespannt beobachtete Kommandant Riley das atemberaubende Verlademanöver. Unendlich langsam bewegte sich der gewaltige Generator auf seine Position im innern des Shuttles zu. Schweiß tropfte von der Stirn des Lagerführers und ein schneller Blick verriet ihm, das es seinen um ihn herum versammelten Untergebenen nicht anders ging. Riley wagte sich nicht auszudenken, was passieren würde, sollte der Metallklotz die im Verhältnis hauchdünnen Wände des Valkyrie beschädigen. Ein letzter Ruck, dann rastete der Generator in der dafür vorgesehen Halterung ein und Riley gestattete sich zum ersten Mal seit Stunden ein kaum merkliches Lächeln. “Das wäre geschafft meine Herren. Ganz hervorragende Arbeit… sie sehen mich äußerst zufrieden.” Die Erleichterung über das geglückte Verlademanöver war allen Beteiligten überdeutlich anzumerken und selbst der sonst so abgebrühte Gefreite Clark, sandte insgeheim ein Stoßgebet zum Himmel Pandoras empor.
“Nun denn… wir sind hier fertig Leute. Gefreiter Clark…”, der Kommandant winkte seinen Adjutanten herbei. “Geben sie den Männern das Zeichen zum abrücken. Sie werden mit dem zweiten Shuttle fliegen.” Clark zeigte sich von der Ankündigung nicht im Geringsten Überrascht, auch wenn er gehofft hatte, an der Seite des Kommandanten zu bleiben. Vielfach geprobte Abläufe griffen ineinander und die Besatzungen der schweren Transportflugzeuge bereiteten sich auf den bevorstehenden Abflug vor. Pfeilschnell stiegen die eindrucksvollen Shuttles auf, während sich das Sonnenlicht auf ihrer metallischen Haut wieder spiegelte. Schon nach wenigen Minuten lag die Basis wieder leer und einsam da, zur Bedeutungslosigkeit verdammt wie die unzähligen Monate zuvor.

******

Die letzte Nacht war für den mutigen Krieger anstrengend, wenn nicht sogar nervenaufreibend gewesen.
Awaiei wurde wieder von Alpträumen heimgesucht, aus Erinnerungen geboren, die sie längst so erfolgreich verdrängt geglaubt hatte. Iley gab dem seltsamen Ereignis am nächtlichen Himmel die Schuld dafür, auch wenn er sich nicht erklären konnte, in welchem Zusammenhang es mit den Qualen stand, denen seine Auserwählte sich nun konfrontiert sah.
Unruhig wälzte sich die junge hagere Na’vi auf dem grasigen Boden herum, wobei sie ständig stöhnende Laute von sich gab, gelegentlich unterbrochen von hellen Schreien.
Besorgt musterte Iley das sich neben ihm, windende schweißüberströmte Geschöpf. Seit ihr Bauch immer mehr angeschwollen war, verzichtete sie auf den strapaziösen und nicht ganz ungefährlichen Aufstieg, in die luftigen Höhen ihrer Schlafplätze. Iley war es gleich wo sie schliefen, denn der Krieger war wie die meisten seiner Brüder und Schwestern, an das raue und teilweise entbehrungsreiche Leben im Urwald Pandoras bestens angepasst. Wer nicht schnell genug lernte starb, das war ein ungeschriebenes Gesetz des Dschungels.
Ein erneutes Stöhnen riss Iley aus seinen Gedanken und ließ ihn wieder nach seiner muntxate sehen. Ihre Stirn glänzte wie ihr gesamter Körper feucht, im Licht der Sternenklaren Nacht. Völlig verunsichert was er tun sollte, versuchte der Krieger beruhigend auf das vor ihm liegende Wesen einzusprechen um ihm etwas von seiner Anspannung zu nehmen. Zu seinem Verdruss reagierte Awaiei allerdings anders als von dem kräftigen Na’vi erwartet und stieß seine Hände beiseite, wobei sie immer wieder ausrief, “…weg, ke… geh Weg!”
Iley ließ sich von ihrer unerwarteten Ablehnung nicht entmutigen. Sanft zog er seine Geliebte an sich und tätschelte ihre Wange um sie aus ihren Alpräumen zu wecken. Zu seiner Überraschung gelang es ihm nach bangen Momenten, fast als er schon glaubte keinen Erfolg zu haben. Awaiei schlug die Augen auf und ihr Atem rasselte förmlich, als sie mühsam versuchte sich aufzurichten. Iley sah seiner muntxate an, wie sehr sie unter den Dämonen litt, welche ihr die ständigen Alpträume bescherten. Doch das war nicht der alleinige Grund für ihre allgemeine Erschöpfung. Soweit der Krieger es einzuschätzen versuchte, rückte die Geburt ihres Kindes immer näher. “Ma Awaiei, ich werde unsere Schamanin rufen. Sie wird sich um dich kümmern.” Bevor sich Iley erheben konnte, ergriff die junge Frau seinen Arm und hielt ihn fest. “Ke… das wird nicht nötig sein, es geht mir gleich wieder besser, ma Iley.”
Nervös schaute der Krieger abwechselnd zu seiner Auserwählten und zum nahen Kelutral der sich im Schein der glimmenden Feuer in dunklen Konturen abzeichnete. Dort lag alles in beruhigender Stille und niemand seiner Brüder und Schwestern, schien Anstoß an dem merkwürdigen Verhalten der hageren Na’vi zu nehmen. Im Grunde seines Herzens war Iley dankbar dafür. Neugierige Blicke und Fragen, auf die er wohl selbst keine Antwort gewusst hätte, wären ihm nun zutiefst zuwider gewesen. “Du musst mir Vertrauen ma Iley. Es ist alles in Ordnung… ich verspreche es.” Trotz ihrer dünnen zittrigen Stimme, musste Iley bei ihren Worten lächeln. Die Redewendung hatte sie von eindeutig von Fawn übernommen.
Sie zog ihn wieder zu sich herunter, so das er den wunderbaren Geruch ihrer Haut wahrnehmen konnte, auf der sich unzählige leuchtende Punkte abzeichneten, obwohl um sie herum finsterste Nacht herrschte. Vorsichtig legte er sich neben Awaiei zum schlafen nieder und nahm sie sanft in seinen Arm. Ganz dicht kamen sich die beiden verliebten Na’vi dabei, so dass Iley ihren heißen Atem auf seinem Gesicht spürte, doch es war ihm nicht unangenehm. Nachdem sie eine Weile Küsse und weitere Zärtlichkeiten ausgetauscht hatten, drehte sich der Krieger auf den Rücken. Seine Blicke wanderten über den Himmel über ihnen und für einen Moment kam ihm Fawn wieder in den Sinn. Iley wusste nicht was der genaue Grund für die Launenhaftigkeit seiner smuke in letzter Zeit war, doch er vertraute darauf, das Brian ihr beistehen werde. Er mochte den Söldner, sah in ihm einen Freund und nicht zuletzt deswegen, hatte er den Himmelsmenschen zu seinem Bruder ernannt. Neben ihm rührte sich Awaiei und legte einen Arm auf seine Brust. Sanft berührten seine Finger ihre schmale Hand und strichen darüber. Eine tiefe Müdigkeit ergriff Iley und er schloss seine Augen, während sich die junge Frau ganz eng an ihn kuschelte. Iley hoffte das sie für den Rest der Nacht noch etwas Ruhe finden würden. Unbemerkt von den beiden Geschöpfen, brannten in ihrer Nähe die Reste der glimmenden Feuer herunter, bis der letzte Funken erlosch und der Nachtwind begann mit der Asche zu spielen.

******

Die Tsahìk funkelte Fawn voller Verachtung an. “Was hast du dir nur dabei gedacht? Hast du nicht mit deinem Tawtute schon genug Unfrieden in unser Lager gebracht?“ Wütend deutete sie auf den Schwerverletzten Ureinwohner. Vor ein paar Stunden hatten Jäger den bewusstlosen Jäger ins Lager geschleppt, dem Tode näher als dem Leben. Fawn hatte davon erfahren und war sofort an seine Ruhestatt geeilt. “Sie ihn dir genau an… das alles ist deine Schuld.” Aufgebracht packte sie das Mädchen und zog es so dicht zu sich heran, dass Fawn vor Überraschung erschreckt quiekte. “Du bist wie ein kleines Kind!“ Fest gepackt hielt die Schamanin das zitternde Mädchen weiterhin, während sie überlegte, was sie mit Fawn anfangen sollte. Schluchzend fast schon flehentlich erwiderte die kleine Jägerin. “Ma Tsahìk… rutxe… du musst Ateyi helfen.” Der Griff lockerte sich und gab sie frei. Ein Finger legte sich drohend auf ihre Nasenspitze und mit leiser aber durchaus eindringlicher Stimme, erfolgte die Antwort der reifen Stammesmutter. “Muss ich das? Ich bin nicht Herrin über Leben und Tod, ‘Evi… auch wenn du das in deiner Unvernunft glauben magst. Nur unsere allmächtige Mutter Eywa, vermag den Jäger jetzt noch zu retten. Ich werde für ihn beten.” Damit war für die Tsahìk alles Wichtige gesagt und sie gab Fawn zu verstehen das sie nun gehen sollte.
Langsam trat die Jägerin ein paar Schritte zurück, wobei sie ihre Blicke nicht von dem todkranken Na’vi lösen konnte. Fauchend fuhr die Schamanin das Mädchen an, als sie bemerkte wie zögerlich Fawn ihrer Anweisung folge leistete. Schließlich blieb der kleinen Jägerin nichts anderes übrig als traurig mit gesenktem Haupt davon zu trippeln. Es lag ihr fern, die Ehrfurcht gebietende Frau noch weiter zu erzürnen. Die Tsahìk sah ihr eine Weile nach, dann fuhr sie damit fort, die eitrigen Wunden des Jägers zu versorgen.

Am folgenden Morgen, war Fawn die erste am Lager des Schwerverletzten Jägers. Etwas seitlich saß die Schamanin mit geschlossenen Augen. Sie musste wohl die ganze Nacht über den Na’vi gewacht haben, etwas das die kleine Jägerin sichtlich beeindruckte. Vorsichtig um die reife Frau nicht in ihrer Ruhe zu stören, schlich sich Fawn an ihr vorbei und ließ sich neben Ateyi nieder. Seine Atmung ging hektisch und stoßweise. Von großer Trauer erfüllt, musterte sie die zahlreichen Verletzungen, die der junge Ureinwohner erlitten hatte. Das Mädchen holte ein Tuch hervor, das sie von ihrer sa’nok bekommen hatte und begann damit vorsichtig die schweißglänzende Stirn des Jägers abzutupfen.
“Glaubst du, das wird ihn heilen?” Fawn ruckte zu Tode erschrocken herum und blickte geradewegs in die leuchtenden Augen der Schamanin. Sie hatte gar nicht geschlafen und ihr kommen längst bemerkt. Anìhe machte eine Geste das die Jägerin mit ihrer “Behandlung” fortfahren sollte. Ihre Wut auf das oftmals in ihren Augen, so unüberlegt handelnde Mädchen war längst verflogen. Total verunsichert über die unerwartete Reaktion der weisen Frau, doch von dem festen Willen beseelt dem jungen Na’vi zu helfen, konzentrierte Fawn ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ateyi. Sie wollte alles ihr mögliche tun um ihre Schuld gutzumachen. Die Schamanin beobachtete alles mit wachsamen Augen, aber kein einziges Wort kam über ihre fest zusammengepressten Lippen.
Fawn war von jeher wie ein Wirbelsturm der Gefühle, kam es der mit großer Weisheit gesegneten Schamanin in den Sinn.
Innerlich zerrissen von ihren Erwartungen und Wünschen, versuchte die kleine Na’vi tapfer, fast schon verzweifelt ihren Platz im Stamm zu finden und kämpfte immer aufs Neue um Anerkennung.
Sie erinnerte sich noch genau an den Tag, wie sie Eyaye dabei behilflich war, ihre Tochter zur Welt zu bringen. Soviel Zeit war inzwischen verronnen. Anìhe seufzte ernüchtert auf. “Es ist gut mein Kindchen… geh nun. Du kannst ihm nicht helfen.”
Diesmal gehorchte Fawn ohne zögern und verschwand unter ihren aufmerksamen Blicken. Etwas später verstarb der junge Krieger an seinen Verletzungen.

******

“Was macht sie da Iley?” Mit versteinerten Gesichtszügen, antwortete der Krieger. “Meine smuke singt ein Klagelied über unseren toten Bruder Ateyi, ma Brian.” Er lauschte weiter dem melodischen und unendlich traurigen Klang ihrer Stimme. Sichtlich berührt, wartete er ab bis die kleine Jägerin ihr Lied und die darin enthaltenen Gebete beendet hatte.
Fawn blieb regungslos vor dem toten Ureinwohner sitzen. Tränen rannen über ihre Wangen, während die Schamanin an ihre Seite trat und ihre Worte an die versammelten richtete.
Brian packte das Mädchen unter den erschreckten Blicken der umstehenden Na’vi. Er schalt sich selbst einen Narren, das er nicht schon viel früher reagiert hatte. Fawn war gemessen an ihrem Alter ein blutjunges Mädchen, auch oder besonders nach irdischen Maßstäben. Nun war das empfindsame Geschöpf am Ende dessen angekommen, was es an Belastung noch ertragen konnte. “Ich kann es nicht länger mit ansehen, wie du dich vor selbst zweifeln weiter quälst. Du kommst jetzt mit mir Fawn.”
Er ergriff ihre schlanke Hand und führt sie mit sich, fort von den anderen zu ihrem Lagerplatz. Die Tatsache das sie ihm widerspruchslos folgte zeigte ihm überdeutlich, wie es in ihr aussehen musste. Wenn er links sagte, dann ging sie rechts. Entschied er zu laufen, dann wollte sie schwimmen… normalerweise. Aber heute war alles anders. Die kleine Na’vi machte auf ihn einen gebrochenen Eindruck und ihr Anblick schnürte ihm vor Besorgnis die Kehle zu. Ohne zögern packte Brian ein paar Dinge ein, die ihm nützlich erschienen und schulterte dann den schweren Rucksack. “Wohin gehen wir, ma Brian?” Er richtete sich auf und versuchte zuversichtlich auf sie zu wirken. “Wir verlassen den Heimatbaum, Fawn. Das hatten wir doch schon besprochen. Ich denke du brauchst etwas Abstand von den Dingen hier.” Fawn nahm ihren Bogen auf, sowie einige Pfeile. “Ich verstehe nicht genau was du sagst, aber ich bin bereit zu gehen ma Brian. Sollen wir uns noch von den anderen verabschieden?” Er schüttelte entschieden den Kopf. “Nein Fawn. Das würde alles nur verschlimmern. Wir brechen sofort auf. Lass uns nachschauen, ob wir Ateyis Dämonen finden können. Du kannst uns doch führen oder?” Sie nickte stumm und trippelte an dem Söldner vorbei. Brian sandte einen Stoßseufzer zum Himmel. Das konnte ja noch heiter werden.

******

Verlassen lag das Gelände des ehemaligen Stützpunktes vor ihnen. Eine Weile beobachteten die beiden Geschöpfe, aufmerksam ihre Umgebung. Nachdem sich nichts in dem kleinen Lager rührte erhob sich Brian, holte seine Pistole hervor und entsicherte sie.
“Warte Fawn, ich werde mich erst einmal umsehen.” Gerade als er auf den nahen Sperrzaun der Basis zuschreiten wollte, schnalzte das Mädchen hinter ihm aufgebracht mit der Zunge. “Kehe, ma Brian!”. Unwillig fuhr der Söldner herum und starrte sie eindringlich an. Brian stand in dieser angespannten Situation nicht der Sinn nach Diskussionen.
“Fawn du wirst jetzt gehorchen und hier bleiben, sonst werde ich…”. Brian stockte wie er den unglaublich bockigen Ausdruck auf ihrem Gesicht bemerkte. “Ma Brian, …was wirst du sonst tun?”, beendete sie seinen Satz und blickte ihn neugierig an.
Ihre mit Bedacht gewählten Worte, sowie der Klang ihrer Stimme, brachten in dem Söldner das widersprüchliche Verlangen hervor, ihr den Hintern zu versohlen und sie gleichzeitig zu Küssen.
Brian wollte zu einer Erwiderung ansetzen, schüttelte aber schließlich nur den Kopf und sagte seufzend, “Ach nichts… komm einfach mit.” Die spontane Entscheidung viel ihm nicht leicht doch hier konnte er nur verlieren. Innerhalb von Sekunden, geradeso als ob nichts gewesen wäre, entspannte sich die kleine Jägerin und rief freudig “Irayo, ma Brian.”
Ihren Dolch kampfbereit gezogen, schlich sie neben ihm her.
Schritt um Schritt ließen sie den völlig demolierten Basiszaun hinter sich und näherten sich den einsam daliegenden Gebäuden des kleinen Lagers. Gelegentlich gab er Fawn durch lautlose Zeichen zu verstehen, was er wollte. Einmal hob Brian die Hand um sie zum anhalten zu bewegen, als er vermeinte ein Geräusch vernommen zu haben. Aber seine Sinne spielten ihm nur einen Streich. Ein anderes Mal, hielt der Söldner einen Finger vor den Mund unter der Maske, um ihr zu bedeuten ganz leise zu sein. Brian vermochte nicht zu sagen was ihn so beunruhigte. Immerhin waren die Himmelsmenschen schon vor Monaten von Pandora verschwunden und es gab keinerlei Anzeichen dafür, dass sich noch Soldaten hier befanden. Sie kontrollierten die vor ihnen auftauchenden Hallen, welche vormals als Lager genutzt wurden waren, doch auch hier blieb alles ruhig. Nachdenklich schlich Brian zum Büro des ehemaligen Obersts. Fawn war wie ein Schatten ein seiner Seite, völlig lautlos in ihren Bewegungen, doch der Söldner wusste nur zu gut, über welch eine tödliche Präzision die kleine Jägerin im Umgang mit ihren Waffen verfügte. Die Schleusentür des alten Kommandopostens stand weit offen und ermöglichte einen Blick in das innere. Auch hier gab es nichts was das Interesse, der beiden Wesen geweckt hätte. Brian bemerkte die eingeschlagen Vitrine, sowie die überall auf dem Boden herumliegenden Glassplitter.
“Jetzt wissen wir wo Ateyi sich aufgehalten hat, aber keine Spuren von den Soldaten.” Nachdenklich schlichen sie weiter über das Gelände der Basis, bis sie den jenseitigen Sperrzaun erreichten. Brian lehnte sich an einem der massiven Pfeiler und warf einen Blick zurück zum hinter ihnen liegenden Lager. “Ich verstehe das nicht Fawn. Wenn Ateyi hier Soldaten gesehen hat, wo sind sie dann?” Die kleine Jägerin sah sich um, dann trat sie kurz entschlossen dicht an den Söldner heran. Ihren Dolch hatte sie mittlerweile nach dem keine Gefahr ersichtlich wurde wieder zurück gesteckt. “Ma Brian… Ateyi hat von vielen großen Himmelsmenschen gesprochen die ihn verfolgten, bevor er zu unserer Mutter heimkehrte. Du musst mir vertrauen.” Schulter zuckend blickte Brian in ihre immer noch so unendlich traurigen Augen. “Die Verletzungen haben ihn stark geschwächt Fawn. Es ist ein Wunder, das er es überhaupt noch zum Heimatbaum zurück geschafft hat. Vielleicht war er verwirrt.”
Über seine Aussage sichtlich erschrocken, packte ihn die kleine Jägerin unsanft am Arm. “Kehe! Du meinst Ateyi wurde von… Ayvrrtep gejagt?” Gnadenlos brannte das Licht der Sonnen auf sie herab und trieb dem Söldner den Schweiß auf die Stirn. Kopfschüttelnd griff er missmutig nach seiner Wasserflasche. “Ich weiß nicht was Ateyi gesehen hat, aber ganz sicher keine Dämonen. Hier ist überhaupt nichts Fawn.” Geübt nahm er seine Atemmaske herunter und trank etwas von der belebenden Flüssigkeit. Erfrischt reichte Brian der kleinen Jägerin die Feldflasche, während er seine Maske wieder aufsetzte. Fawn betrachte sie einen Moment, dann trank auch sie zaghaft daraus. Mittlerweile war sie was die Benutzung dieser Dinge anging äußerst routiniert geworden. Die junge Na’vi konnte ein Lächeln nicht unterdrücken, als ihr bewusst wurde wie sehr der Umgang mit Brian sie zu verändern begann. Der Söldner nahm die Wasserflasche wieder entgegen und befestigte sie an seinem Gürtel, während die Blicke des Mädchens auf ihm ruhten.
“Es erfüllt mich mit Freude, Fawn”, meinte Brian und bediente sich dabei der Ausdrucksart der Na’vi. Verwundert verzog Fawn das Gesicht, wobei ihre leuchtend gelben Augen ihn musterten. “Was ma Brian?” Er umschlang ihre schmalen Hüften mit den Armen und zog sie ganz dicht an sich heran. “Na dich endlich wieder Lächeln zu sehen, Fawn.” Sie gluckste überrascht auf, dann zog sie seine Maske sanft herunter und presste ihre Lippen fest auf die seinen. Brian hielt sie immer noch an den Hüften umklammert und bewegte seine Hände langsam über ihr aufregend strammes Hinterteil. Mit einer Hand packte er dabei ihren Schwanz und ließ ihn sanft durch seine Finger gleiten. Fawn löste sich kichernd von ihm. “Kehe ma Brian. Nicht hier…” Erleichtert darüber das ihr kleiner Ausflug dem Mädchen sichtlich gut tat, setzte der Söldner seine Maske wieder auf. Er dachte an die Erscheinung am nächtlichen Himmel und seine Versuche die genau Position der herunterfallenden Trümmerstücke oder was auch immer es gewesen war einzuschätzen. Hells Gate… der Name fraß sich wie ein glühendes Stück Metall in sein Gehirn. “Wie weit ist es von hier zu der großen alten Basis?”
Er wusste das Fawn mit dem Station Namen nichts würde anfangen können. “Ich habe nur davon gehört ma Brian, aber um sie zu erreichen brauchen wir Pa’li. Ich kann dir nicht versprechen das ich sie dann auch finde.” Ihre Erwähnung der riesigen Reittiere, verursachte ihm ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube. Brian winkte uninteressiert ab. “Mach dir keine Gedanken Fawn. Es war nur so eine Überlegung.” Insgeheim glaubte er auch nicht daran das sie dort etwas vorfinden mochten. Vermutlich hatte der Ureinwohner in seinen Fieberträumen fantasiert und da war es nur verständlich, das neben Dämonen auch Tawtute eine Rolle spielten.
Brian sicherte seine Waffe und nahm den Rucksack zur Hand. “Wir bleiben fürs erste hier Fawn. Bist du einverstanden?” Sie nickte ohne jede Scheu und sah sich um. Brian nahm sie zärtlich an der Hand und führte das Mädchen zu den Baracken, wo er sich ein provisorisches Quartier für die nächsten Tage einzurichten gedachte. Fawn würde es gut tun wenn sie etwas Abstand zu Ateyis Tod gewann und obendrein nicht ständig mit Awaiei konfrontiert wurde.
Zusätzlich verschaffte ihm die Aussicht innerhalb der Station gelegentlich ohne seine Maske leben zu können, ein unerwartetes Glücksgefühl. Während die beiden Wesen in einem der Gebäude verschwanden, tauchten am Horizont die ersten Schatten der beginnenden Abenddämmerung auf und färbten den Himmel in ein Atemberaubendes Rot. Erneut neigte sich ein Ereignisreicher Tag auf Pandora seinem Ende entgegen.


@Copyright 2012 Eichhörnchen
kxetse sì mikyun kop plltxe


Offline Ricardo

  • Taronyu
  • ****
  • *
  • Posts: 631
  • Karma: 28
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #5 on: March 04, 2012, 05:51:16 pm »
Es ist abgespeichert.
Ich werde es noch in pdf umwandeln und dann auf mein Iphone ziehen, damit es lesen kann.
Sobald ich fertig bin, kommen wie immer die Bewertung und Karma+.

Jetzt schonmal ein dickes Dankeschön fürs Weiterschreiben.

Offline Tsu'tey

  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • Posts: 4461
  • de Germany
  • Karma: 51
  • Tsu'tey Olo'Eyktan a.D
    • Projekt Telefon Sammlung
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #6 on: March 04, 2012, 09:42:55 pm »
Da kann ich jedem Punkt nur zustimmen den Ricardo erwähnt hat, auch ich muss erst fürs Iphone konvertieren oder ich les es so im Explorer aber das ist leicht umständlich...

Ich bleibe in Erinnerung. Ich habe mit Toruk Makto gekämpft. Und wir waren Brüder. Und er war mein letzter Schatten.

Offline Toruk'makto

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 455
  • Karma: 11
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #7 on: March 06, 2012, 12:36:25 pm »
So jetzt hab ich erst mal die Geschichte durchgeplottert.  :D
Mogen gleich mal übers lesen machen... :) *G*
Die Himmelsmenschen haben uns eine Botschaft gesandt, dass sie sich alles nehmen können was sie wollen und dass niemand sie aufhalten kann. Aber wir schicken ihnen auch eine Botschaft; fliegt so schnell wie euch der Wind nur tragen kann; ruft die anderen Clans herbei. Sagt ihnen Toruk'makto ruft sie zu sich. Ihr fliegt jetzt mit mir. Meine Brüder, Schwestern und dann zeigen wir den Himmelsmenschen, dass sie sich nicht alles nehmen können was sie wollen und dass dies unser Land ist.

Offline Tsu'tey

  • Palulukan Makto
  • *****
  • *
  • Posts: 4461
  • de Germany
  • Karma: 51
  • Tsu'tey Olo'Eyktan a.D
    • Projekt Telefon Sammlung
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #8 on: March 07, 2012, 03:28:21 am »
So ich habe gestern deine Geschichte gedruckt, und sie heute auf dem Weg zum Dienst gelesen ! Bin wieder einmal beeindruckt, gerade wieder von Iley aber auch die Rolle von Ateyi hat mir sehr gefallen !
Das von mir hierzu ! Ich bin schon sehr gespannt wie es weiter gehen wird, in der Geschichte dort ist ja doch noch viel an Handlungsspiel da ;)

« Last Edit: March 07, 2012, 03:01:07 pm by Tsu'tey »

Ich bleibe in Erinnerung. Ich habe mit Toruk Makto gekämpft. Und wir waren Brüder. Und er war mein letzter Schatten.

Offline Neytiri2000

  • Uniltìranyu
  • **
  • *
  • Posts: 113
  • Karma: 17
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #9 on: March 07, 2012, 10:21:43 am »
ich muss sagen das deine Geschichte hier schon ganz schön nervenaufreibend wird

es ist viel neues dazugekommen

viele emotionen

schmerzen und leid

aber auch freudige momente

wie immer finde ich diesen Teil wie die anderen deiner Geschite großartig gemacht und schön zu lesen

und ich freue mich schon auf die Fortsetzung

MFG Neytiri2000

PS. ein Karmapünktchen ist natürlich auch wieder für dich drin  ;D
Zitate:

Jake Sully: Ich möchte kein Mitleid, wenn du Fair behandelt werden willst, bist du auf dem Falschen Planeten.

Offline Ricardo

  • Taronyu
  • ****
  • *
  • Posts: 631
  • Karma: 28
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #10 on: March 13, 2012, 12:23:18 pm »
Was ich zu sagen habe, bekommst du als PN zu lesen, weil ich um die Bedeutung dessen für dich weiß.

Natürlich bin ich wie immer begeistert von dem, was du veröffentlicht hast und kann die Fortsetzung(en) kaum erwarten.
Du hast wieder mal alles richtig gemacht.

Irayo nìtxan, ma tsmukan. ;)

Offline tsmukan_stephen

  • Uniltìranyu
  • **
  • Posts: 127
  • Karma: 10
  • www.learnfrompandora.de
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #11 on: March 15, 2012, 05:47:02 pm »
Kaltxì, ma smuk,

also, ich kann wieder nur bestätigen, dass Eichhörnchen echt ein Naturtalent ist im Fabulieren und Beschreiben!  ;) :D ;D

Die neue Geschichte passt exakt an die vorige ;D , auch die Handlungsstränge sind gut weitergeführt und neue sehr gut angelegt.  :-*

Allerdings ähneln sich die Charaktere der RDA-Kommandeure  >:( :o, aber das kennt man ja auch auf der Erde: Gleich und gleich gesellt sich gern...

Lesenswert, auf alle Fälle weiterzuempfehlen!  :-*

Dafür gibt es natürlich auch wieder ein Karma-Pünktchen. ;D

Mein liebes Nagetier, wenn Du deine Story komplett hast, würde ich sie glatt als 'Print on Demand'-Buch kaufen.

Oder soll ich Dir den Kaufpreis schon mal vorab überweisen, damit ich das Buch mit der Seriennummer 000001 bekomme?  :-* :P

Eywa ngahu

tsmukan_stephen
Unsere Seite zum Treffen in Leipzig: http://www.LearnFromPandora.de

Wir haben die Erde von unseren Eltern nicht geerbt,
sondern wir haben sie von unseren Kindern nur geliehen.
(Uraltes indianisches Sprichwort)

Offline Toruk'makto

  • Omatikaya
  • ****
  • *
  • Posts: 455
  • Karma: 11
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #12 on: April 01, 2012, 01:40:40 pm »
Kaltxì
ich habe jetzt am Wochenende endlich die Geschichte lesen gekonnt und muss sagen, dass du mal wiede reine klasse Geschichte abgeliefert hast :)
Freut mich immer was von dir zu hören :)
Einzelheiten bekommst du wie immer per PM :)
Die Himmelsmenschen haben uns eine Botschaft gesandt, dass sie sich alles nehmen können was sie wollen und dass niemand sie aufhalten kann. Aber wir schicken ihnen auch eine Botschaft; fliegt so schnell wie euch der Wind nur tragen kann; ruft die anderen Clans herbei. Sagt ihnen Toruk'makto ruft sie zu sich. Ihr fliegt jetzt mit mir. Meine Brüder, Schwestern und dann zeigen wir den Himmelsmenschen, dass sie sich nicht alles nehmen können was sie wollen und dass dies unser Land ist.

Offline Jake.S

  • Tawtute
  • *
  • Posts: 84
  • Karma: 2
  • Auch ein Skorpion kann fliegen
Re: Wie Blätter im Wind Teil 2 - "Klagelied einer Jägerin"
« Reply #13 on: April 22, 2012, 05:01:12 am »
Oh wow!!! :o
Wiedereinmal bin ich beim lesen aus allen Wolken gefallen.
Genial gut geschrieben.
Und der Inhalt ist auch perfekt durchdacht. ;)

RESPEKT! :D
Weiter so! ;)
      Naja, einer muss doch auch zur RDA halten, oder nicht?  ::) Und ein Hubschrauber ist nun mal cooler als ein Vogel. :P

 

Become LearnNavi's friend on Facebook Follow LearnNavi on Twitter! Watch LearnNavi's videos on YouTube

SMF 2.0.18 | SMF © 2021, Simple Machines | XHTML | RSS | WAP2 | Site Rules

LearnNavi is not affiliated with the official Avatar website,
James Cameron, LightStorm Entertainment or The Walt Disney Company.
All trademarks and servicemarks are the properties of their respective owners.
Images in the LearnNavi.org Forums and Gallery may not be used without permission.

LearnNavi Affiliates:
ToS

LearnNavi is the community to learn Na'vi, the Avatar Language
"A place where real friendships are made." -Paul Frommer

AvatarMeet | Learn Na'vi Forum | Learn Na'vi Wiki | Na'viteri

LearnNavi