Author Topic: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"  (Read 1718 times)

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Offline Eichhörnchen

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Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« on: August 08, 2012, 01:58:43 pm »
Wie Blätter im Wind Teil 3


Zarte Bande


Neugierig sah Fawn ihrem Himmelsmenschen dabei zu, wie er ihr gemeinschaftliches Frühstück zubereitete oder das, was Brian darunter verstand.
Hier in der Basis war alles anders, als in der vertrauten Umgebung des Kelutral, doch das junge Na’vi Mädchen genoss es. Brian kam wieder aus der kleinen Kammer zum Vorschein, in der er vor wenigen Minuten verschwunden war. Zufrieden vor sich hinsummend, legte er mehrere Behälter auf einem der Tische ab und holte zwei Tabletts. Aufmerksam betrachtete er nacheinander die Aufschriften darauf. “Na was haben wir denn hier… Bohnen, Fett, Dosenfleisch… toll, aber kein Hinweis was genau. Pfirsiche… schon besser.” Der Söldner stellte die Sachen nacheinander wieder hin. “Ich denke mal Fleisch und Pfirsich sollten genügen.” Fawn trippelte zu ihm heran. “Was ist Pfirsich?” Genießerisch rollte Brian mit den Augen und leckte sich in freudiger Erwartung über seine Lippen. Eine ganz besondere Frucht, Fawn.” Der Söldner war sichtlich erfreut über seine Beute, erleichterten die zurückgelassenen Konserven des ehemaligen Bodenpersonals ihnen ihren Aufenthalt beträchtlich. Fawn war sicherlich eine ausgezeichnete Jägerin, doch die Aussicht auf vertrautes Essen ließ den Soldaten frohlocken.
Von draußen trommelte der Regen stürmisch gegen das Panoramafenster der Kantine und lief in langen wässrigen Bahnen herunter. Einen Moment ruhte sein Blick nachdenklich auf der Scheibe, dann fuhr Brian damit fort ihr Essen anzurichten. Das Mädchen hatte sein Zögern bemerkt und sah ihn fragend an. “Ist etwas ma Brian?” Er klatschte ihr etwas von der Fleischkonserve auf den Teller, zusammen mit ein paar Früchten. “Ich fürchte wir werden bei dem heftigen Regen heute nicht raus können Fawn. Eigenartig… so stark habe ich es bisher noch nie erlebt.” Sie warf ihm einen spöttischen Blick zu. “Wir könnten uns ausziehen ma Brian.” Ihre nüchternen Worte brachten ihn unweigerlich zum lachen. “Ja Fawn, das könnten wir.” Hungrig fing Brian an, das einfache Frühstück zu verzehren. Aufseufzend betrachtete Fawn mit einem Blick, in dem sich Verwunderung und Abscheu paarten das vor ihr stehende Essen. Schließlich nahm sie etwas von dem Fleisch auf und roch vorsichtig daran, bevor sie es in den Mund stopfte. “Ekelhaft ma Brian. Wie könnt ihr das nur essen?” Fawn machte ein äußerst unglückliches Gesicht und der Söldner sah ihr an, dass sie es am liebsten sofort wieder ausgespuckt hätte. “Jetzt verstehe ich warum ihr so klein seid.“ Sie leckte ihre Finger sauber und schob den Teller von sich. “Na in deinem Fall scheint eure Ernährung auch nicht geholfen zu haben.” Im nächsten Augenblick hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Traurig sah sie ihn an und erwiderte. “Das war nicht fair, ma Brian.“ Sanft streichelte Brian über ihre Hand. “Es tut mir leid, das war eine sehr unbedachte Äußerung. Versuche die Früchte Fawn. Sie schmecken herrlich.” Zögernd nahm die kleine Jägerin ein Stück Fruchtfleisch und fuhr mit der Zunge darüber. Enttäuscht legte sie es zurück. “Zu süß… bitte verzeih mir ma Brian, aber ich kann das nicht essen.” Schulter zuckend widmete er sich weiter seinem Frühstück. Fawn blickte voller Sehnsucht in Richtung der großen Panoramascheibe und der Söldner versuchte zu verstehen, was in ihr vorgehen mochte. “Du möchtest jagen gehen Fawn? Ich sehe es dir an.” Ein Leuchten trat in ihre großen Augen. “Srane ma Brian. Kommst du mit mir?” Brian blickte in ihre hübschen gelben Augen, die ihn erwartungsvoll betrachteten. “Na los, sehen wir zu, ob sich nicht etwas brauchbares für dich finden lässt.” Brian wischte sich mit einem Tuch den Mund ab und ein Blick nach draußen ließ ihn erleichtert feststellen, dass der Regen für den Moment nachgelassen hatte. “Irayo ma Brian”, rief das Na’vi Mädchen freudig und trippelte kichernd hinter ihm zur nahen Schleuse. Geduldig wartete sie bis er seine Maske aufgesetzt und den korrekten Sitz überprüft hatte, dann traten beide Wesen ins Freie.

******

Die ganze Nacht über hatte es geregnet. Iley hatte mehr im Halbschlaf dem monotonen Trommeln der Wassertropfen auf dem Blattwerk gelauscht. Neben ihm wälzte sich ein schmächtiges Geschöpf unruhig hin und her. Awaiei hatte wie so oft die letzten Nächte, wieder unter ihren Dämonen gelitten, die ihr gekonnt versuchten, die Nachtruhe streitig zu machen. Vorsichtig richtete sich der gewaltige Krieger auf und horchte in die morgendliche Dämmerung hinein. Um sie herum war nur eine Handbreit weit zu sehen. Dichter Nebel lag über dem weichen Gras und zog in langen Schlieren durch das Unterholz.
Iley versuchte einige der seltsamen Schwaden mit seinen Fingern zu packen, doch seine Hand griff ins Leere. Mehrmals wiederholte der Krieger das Spiel dann hatte er schließlich genug und erhob sich leise um seine Geliebte nicht zu wecken. Der Krieger überprüfte routiniert den Sitz des Dolches. Seine Blicke wanderten über die grüne Wand des Dschungels entlang am Fluss weiter zum gewaltigen Stamm des Kelutrals. Um ihn herum war alles ruhig, fast schon friedlich und es schien als ob alle Schrecken der vergangenen Zeit nur ein böser Traum gewesen wären. Seine Lippen fest zusammengepresst schaute er auf seine geliebte muntxate und erschrak. Große gelbe Augen sahen angsterfüllt zu ihm auf. “Ma Awaiei du bist wach?” Iley sank vor ihr auf die Knie und schloss das schmächtige Wesen zärtlich in seine Arme. Deutlich spürte er dabei ihren hervorstehenden Bauch. Ihre Niederkunft musste nur noch eine Frage von Tagen sein. “Ich habe sie gesehen ma Iley. Sie sind hier… ganz nah. Fast kann ich sie spüren.” Der Krieger erstarrte und sah das Mädchen ungläubig an. “Ma Awaiei… wen siehst du? Ich verstehe dich nicht. Hier ist niemand, sei ohne Furcht.” Die junge Frau umklammerte ihn zitternd mit Tränen in ihren Augen und ihre Stimme war wie ein Hauch im Wind. “Tawtute ma Iley. Sie waren in meinen Träumen. Die Soldaten kommen mich holen und… werden mir wehtun.” Iley zuckte bei ihren Worten zusammen und sie verursachten ihm fast schon körperliche Schmerzen.
“Das werde ich nicht zulassen, ma Awaiei, niemals!”
Der Krieger wusste nicht so recht mit den Traumdeutungen seiner Geliebten umzugehen. Allerdings hütete er sich davor ihre Warnungen als Hirngespinste in den Wind zu schlagen. Ihm fiel seine kleine smuke ein, die mit ihrem Himmelsmensch vor ein paar Tagen das Lager verlassen hatte. Der Krieger hatte eine ungefähre Vorstellung davon, wohin Brian mit ihr entschwunden war. Bei den Gedanken daran, überkam ihn ein seltsames Gefühl in der Magengegend. Sollte Awaiei mit ihren Andeutungen Recht haben, dann bestand Gefahr, dass die beiden in eine Falle liefen.

******

Kommandant Riley war zufrieden, äußerst zufrieden sogar, wenn man die Umstände betrachtete, denen sich die kleine Besatzung des Stützpunktes gegenüber sah. Der neue Generator tat widerspruchslos seinen Dienst und versorgte die Basis mit dem benötigten Strom. Riley und sein Adjutant hatten sichtlich aufgeatmet, sobald die energetischen Absperrgatter ihren Betrieb aufnahmen und das gesamte Gelände des Stützpunktes, bis auf wenige Ausnahmen hermetisch abschirmten. Versonnen sah der Kommandant durch das Fenster seines schlichten Büros, wie ein paar Techniker versuchten, einen Scorpion wieder startbereit zu machen. Überall in der Basis hatten sie Material und Fahrzeuge vorgefunden, meist in schlechtem Zustand, trotzdem aber immer noch von nutzen. Sein Blick fiel auf die behelfsmäßige Karte der Region, auf der sich der Stützpunkt und die entfernt liegende Forschungsstation abzeichneten. Eine Weile hatte er mit dem Gedanken gespielt seine Besatzung umzusiedeln und das gut erhaltenen Lager zu besetzten. Nur die relative Nähe zu den verhassten Ureinwohnern hatte Riley im letzten Augenblick davon abgebracht. Hier weit entfernt von den Na’vi fühlte er sich sicher. Unter dem Knallen seiner Stiefel schritt der Kommandant an die Abbildung heran. Sobald sich ihre Position erst gefestigt hatte, würden sie die Bedingungen auf diesem Mond diktieren. “Bald…”, zischte Riley und hieb mit der Faust auf die Karte.

******

Fawn schlich völlig lautlos durch das dichte Gras, während sie ihre Beute nicht aus den Augen ließ. Unruhig bewegte das Geschöpf seinen Kopf umher in dem Versuch seine Jäger zu erspähen. Es spürte etwas in seiner Nähe, doch die kleine Jägerin war viel zu geschickt um sich zu zeigen. Fast anmutig legte sie ihren wunderschönen Jagdbogen, den sie eigenhändig aus dem Holz des Heimatbaumes gefertigt hatte an und schickte den Tod bringenden Pfeil auf die Reise. Ein leichtes Surren war das einzige vernehmbare Geräusch, dann ruckte das Wesen auf und fiel auf die Seite. Fawn spurtete an die Flanke des Tieres und zückte ihren Dolch um es von seinen Leiden zu befreien. Regungslos kniete die kleine Jägerin vor dem sterbenden Tier und sprach ein kurzes Gebet zu Eywa bevor sie ihren Dolch in seinen Körper stach. “Das ist besser ma Brian”, sagte das Mädchen zuversichtlich und begann mit geschickten Handgriffen das Tier zu zerlegen. Brian bewunderte ihre Fähigkeiten, denn er hätte nicht gewusst, welche Stelle geeignet war das Messer anzusetzen. Sie reichte ihm einen Teil des Fleisches und Brian wickelte die blutigen Klumpen in ein dickes Tuch, dass er im Rucksack verstaute. Fawn schnitt noch ein größeres Stück aus dem Schulterbereich, dann säuberte sie ihren Dolch am nassen Gras und legte sich das Fleisch über die Schulter. Fawn zeigte einen sehr zufriedenen Gesichtsausdruck und leckte sich über die Lippen. “Lass uns gehen, das sollte für die nächsten Tage reichen.” Brian warf einen letzten Blick auf das zerlegte Tier, dann wandte er sich Schulter zuckend ab. “Wie lange wollen wir denn noch in der Basis bleiben Fawn? Iley und deine Mutter werden sich bestimmt irgendwann Sorgen um dich machen.” Fawn schenkte ihm einen verstehenden Blick. “Tam tam, ma Brian. Es geht mir wirklich schon wieder besser und ich danke dir, dass du so besorgt bist um mich. Aber ich möchte noch nicht zurück. Es gibt da noch etwas… .” Sie schwieg aber der sinnliche Ausdruck in ihren Augen verriet ihm auch ohne Worte was sie beabsichtigte.
“Ich liebe dich Fawn”, sagte Brian und nahm seine Maske ab. Ein Leuchten trat in ihre hübschen gelben Augen und sie beugte sich zu ihm herab. Brian durchflossen aufregende Gefühle, als ihre Lippen sich fanden und leidenschaftlich küsste er die kleine Jägerin, bevor er die Maske wieder aufsetzen musste. “Ich weiß das ma Brian, deswegen habe ich dich erwählt.” Fawn seufzte auf und bedauerte das sie ihn nicht weiter küssen konnte. Ihre Zungenspiele, die er ihr beigebracht hatte, gefielen dem jungen Na’vi Mädchen und gerne hätte sie mehr davon gehabt. Brian blieb ruckartig stehen und sah sie an. “Was soll das heißen: du hast mich erwählt? Ich habe Interesse an dir, ansonsten wäre aus uns ganz sicher nichts geworden.” Fawn riss entsetzt ihre Augen auf und überdachte das eben Gehörte. Als sie das Grinsen auf dem Gesicht des Söldners bemerkte, wusste sie das Brian sie wieder veralbert hatte. “Tawtute”, fauchte sie ärgerlich und trippelte an ihm vorbei zur nahen Basis. Brian spurtete sich immer noch das Lachen verbeißend hinter ihr her.

******

Anìhe sah den Krieger zögerlich an. “Du kannst gehen ma Iley. Ich benötige deine Hilfe nicht mehr oder möchtest du das Kind selbst zur Welt bringen?” Er hielt seine munxate liebevoll in den Armen und strich sanft über ihren Bauch. Awaiei hatte gespürt, dass ihr Baby kam und ihn gebeten sie zur Tsahìk zu geleiten, einer Aufforderung der er ohne zögern und freudig nachgekommen war. Es gefiel ihm überhaupt nicht, von Anìhe fortgeschickt zu werden und am liebsten hätte Iley die ganze Zeit über seine Geliebte gewacht. Sein Blick fiel wieder auf die Narben, die sich über den Körper der schlanken Na’vi zogen. “Wirst du jetzt endlich gehen Skxwang!”, fauchte Anìhe ihn an und er zuckte überrascht vor ihrer Ehrfurcht gebietenden Erscheinung zurück. Hastig richtete er sich auf und beschrieb die geläufige Geste des Abschieds. Ein letzter Blick auf Awaiei zeigte dem jungen Krieger, dass er seiner muntxate jetzt nicht weiter helfen konnte. Er wäre gerne an ihrer Seite geblieben um Awaiei Zuversicht und Kraft zu spenden, doch der zugleich ablehnende wie mit einer Spur von Verärgerung behaftete Blick der Schamanin ließ in zu der Überzeugung kommen, das es besser war zu gehen. Die nächsten Stunden zogen sich endlos dahin und Iley starb in Gedanken tausend kleine Tode. Seine absolute Hilflosigkeit den Geschehnissen gegenüber lähmte ihn und noch nie in seinem jungen Leben war er sich so verloren vorgekommen.
Iley stapfte mit seinen großen Füßen ruhelos durch das dichte Gras. Dass er nichts von Awaiei vernahm, beunruhigte ihn zutiefst und mehr als einmal war er versucht an ihre Seite zu eilen um nach ihr zu sehen. Ein leichtes Wimmern riss ihn aus seinen Überlegungen, erst sanft wie der Wind, dann drang der Schrei eines Babys an seine Ohren. Iley hielt nun nichts mehr an seinem Platz und aufgeregt wie selten zuvor, rannte er zum nahen Flussufer hinab. Die Schamanin wirkte sichtlich ruhiger, als er sie noch beim Verlassen in Erinnerung hatte und schenkte ihm sogar ein mildes Lächeln, was er als gutes Zeichen deutete.

“Du hast eine tapfere muntxate Iley, sie hat nicht ein einziges Mal geschrieen, sagte Anìhe und Anerkennung schwang in ihren Worten mit. Iley trat ganz dicht an das hagere Mädchen heran und setzte sich neugierig mit klopfenden Herzen neben sie. Behutsam reinigte die Schamanin das Baby und legte es auf den Bauch der immer noch heftig atmenden Na’vi. Sanft wie es nur eine Mutter vermag, nahm Awaiei das winzige Bündel in ihre Hände und betrachtete es liebevoll. “Sieh es dir an, ma Iley. Wir haben ein kleines Mädchen.” Iley blickte sprachlos auf das Kind in ihren Händen.
“Tsahey… ich wollte einen Krieger.” Awaiei verzog ungläubig das Gesicht und ihre spitzen Ohren zuckten nervös hin und her. Mit einem traurigen Ausdruck in ihren Augen legte sie dem Krieger eine Hand auf die Schulter. “Ma Iley… ich… .” Ihr versagte die Stimme. Iley schalt sich einen Narren für seine unbedachte Bemerkung. Er hatte sie nur ein wenig aufziehen wollen und nun bedauerte der Krieger zutiefst sein Verhalten.
Vorsichtig strich er mit seinen Fingern über den Rücken des Babys. “Ich habe nur Spaß gemacht ma Awaiei. Es ist wunderschön.” Zum Beweis legte er vorsichtig einen Arm um sie und küsste die junge Na’vi sanft auf ihre weichen Lippen.
Awaiei seufzte erleichtert auf und alle Anspannung schien augenblicklich von ihr abzufallen. “Du bist ein Skxwang ma Iley“, sagte sie mit leichtem Vorwurf. Gleich darauf presste sie ihre Lippen so fest auf die seinen, das ihm die Luft wegblieb und in gespielter Verzweiflung löste er sich von dem bezaubernden Geschöpf. Trotz aller Glücksgefühle die ihn erfüllten, erschienen unerwartet winzige Falten auf seiner Stirn. Iley hätte ihr vollkommenes Glück zu gern mit seiner kleinen smuke geteilt, doch seit Tagen war er ohne Nachricht von ihr oder ihrem Himmelsmensch. Awaiei bemerkte seinen veränderten Gesichtsausdruck. “Ma Iley was hast du?  Irgendetwas bedrückt dich, das spüre ich.” Er blickte in ihre wunderschönen leuchtenden Augen. “Srane ma Awaiei. Ich mache mir große Sorgen um Fawn. Sie sollten längst wieder zurück sein.” Awaiei nahm seine Hand und streichelte sie zärtlich. Fawn kann auf sich selbst aufpassen. Hast du Angst wegen meinen Dämonen? Vielleicht waren es wirklich nur Träume. Ich bin mir selbst nicht mehr sicher. Außerdem wird Brian sie beschützen, sollte das nötig sein.” Ihre zuversichtlichen Worte machten ihm neuen Mut und er nickte dankbar. “Du hast recht meine geliebte muntxate. Ich benehme mich wie ein kleines Kind, dabei benötigt ihr nun den Krieger an eurer Seite.” Er deutete auf das winzige Bündel in ihrem Arm. Sie lächelte ihn an. “Kehe, das tust du nicht. Dass du so besorgt um uns bist, ist das, was ich an dir liebe.” Erneut fanden sich ihre Lippen und Iley gab sich ganz ihren Zärtlichkeiten hin. Awaiei schaffte es, alle seine Bedenken zu verdrängen und schon lange hatte sich der große Krieger nicht mehr so glücklich gefühlt.

******

Kommandant Riley nahm zufrieden die eingehenden Funksprüche der ausgesandten Aufklärungseinheiten entgegen.
Soweit es sich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sagen ließ, befand sich kein weiteres Lager der Ureinwohner in unmittelbarer Nähe der Basis. Diese Nachricht verbreitete sich schnell auf dem gesamten Stützpunkt und wurde allgemein mit großer Erleichterung aufgefasst. Trotzdem mahnte die oberste Führung zu verstärkter Wachsamkeit. Eine Tatsache, die sich auch in den zahlreichen Spähtrupps wieder spiegelte, die tagtäglich die Umgebung des Lagers durchstreiften und dabei ihren Suchkreis ständig erweiterten. Unterstützt wurden sie von einigen Scorpions, die es dem Bodenpersonal gelungen war wieder kampfbereit zu machen. Auch in anderer Hinsicht begann sich die allgemeine Lage allmählich zu verbessern. Die Beschaffung von Wasser und Nahrung stellten die Besatzung des Stützpunktes nicht vor unlösbare Probleme, da alles Dank der reichhaltigen Flora und Fauna Pandoras vorhanden war. Die allgemeinen Fortschritte bestätigten seine vorherrschende Überzeugung das bald seine Soldaten die Bedingungen auf dem Mond diktieren und durchsetzen würden. Ein bitterer Zug umspielte seine Mundwinkel, als er die unzähligen Orden betrachtete, die an seiner Brust baumelten. Sinnlose gewordene Abzeichen längst vergangener Schlachten, deren Bedeutung ihm mittlerweile so fremd geworden war, wie es ihm selbst Pandora niemals sein konnte. Von innerer Unruhe erfüllt, setzte er die Atemmaske auf und trat hinaus in die emsige Betriebsamkeit des Stützpunktes.

******

Brian sah nachdenklich aus der großen Panoramascheibe
der Kantine des ehemaligen Stützpunktes. Draußen glänzte der Belag des Rollfeldes vor Nässe. Es kam eigentlich nicht oft vor das auf Pandora Regen fiel und den ansonsten wolkenlosen Himmel in ein tristes Grau einfärbte. Sanfte Schritte hinter ihm kündeten davon, dass sich jemand näherte. Brian fuhr herum und schaute direkt in die hübschen gelben Augen der kleinen Jägerin. “Ma Brian, oel ngati kameie”, sagte Fawn mit zuckersüßer Stimme die seinen Herzschlag beschleunigte.
Er bemerkte wie ihre Blicke erst auf ihm ruhten und dann ziellos umherwanderten, so als ob Fawn selbst nicht wusste, wo sie beginnen sollte. “Was bedrückt dich Fawn? Sage es mir.” Fawn atmete deutlich hörbar aus und leckte sich über ihre Lippen. “Ich habe mich in letzter Zeit benommen wie ein Kind. Darf ich Verzeihung haben bitte, ma Brian?” Ihre Ruhelosigkeit irritierte ihn sichtlich, als er erwiderte. “Fawn es gibt nichts wofür…”, weiter kam er nicht den im selben Augenblick packte sie ihn und presste ihre weichen Lippen auf die seinen. Er spürte ihren hektischen warmen Atem, wie ihre Zunge begann seinen Mund zu erkunden. Prustend nach Luft schnappend versuchte er sie ein wenig von sich zu drücken. “Fawn warte… nicht so wild! Du must mir wirklich nichts beweisen.” Sie zog ihn weiter fest an sich heran und er fragte sich, woher diese zierliche Geschöpf eigentlich die unglaubliche Kraft dafür nahm. “Fnu Skxawng!”, erklang es ungehalten. Erneut fanden sich ihre Lippen und sie begann damit ihn leidenschaftlich zu küssen. Brian kam sich vor, als wäre er draußen vor dem Gebäude ohne seine Atemmaske und alle Türen ins rettende Innere verschlossen. Ihre ungestümen Liebesbezeugungen ließen ihm kaum Gelegenheit zum Atmen und so löste sich der Söldner sanft aber bestimmt aus ihrer festen Umarmung. “Fawn was ist nur mit dir los? So kenne ich dich gar nicht.” Ihr kecker Blick schien ihn zu taxieren und auffordernd schnalzte sie mit der Zunge, wobei sie ihren Lendenschurz zu Boden gleiten ließ. Immer noch machten ihr die Erlebnisse mit Ikelu und ihr verpatztes Liebesabenteuer zu schaffen. Eine für das mittlerweile reichlich selbstbewusste Mädchen unhaltbare Situation. Sie hatte einen Entschluss gefasst. Fawn stand nicht der Sinn nach Versteckspielen. Nicht jetzt, nicht hier. “Küssen ist ganz schön, ma Brian, aber ich möchte mehr… du auch?” Ihre Frage war ein einziges erotisches Versprechen. Brian setzte ein selten dämliches Grinsen auf und betrachtete wohlwollend ihren formvollendeten Körper. “Also daran soll es nicht liegen, Fawn.” Ein Klaps auf den Kopf erfolgte als Antwort und sie deutete ihm an sich ebenfalls auszuziehen. Brian kam dem ohne zögern nach und warf seine Kleidung achtlos vor sich auf den Boden. “Hier?” Das junge Na’vi Mädchen nickte flüchtig, bückte sich und breitete die Kleidungsstücke vor sich aus. Zufrieden betrachtete Fawn ihre eilig geschaffene Liegestatt und richtete sich wieder zu voller Größe vor ihm auf. Ruhelos huschte der verzierte Schwanz hinter ihr über den Boden, während sie sich an den Söldner presste. Brian spürte ihre zarten Brustwarzen angenehm an seiner Haut. Ein Gefühl wie brennendes Feuer schoss in seine Lenden und ungeduldig begann der Söldner ihre knospenden Brüste zu streicheln. Es bedurfte nicht vieler Liebkosungen, dann hatte er sein Ziel erreicht, was sich in einem sanften Stöhnen des Mädchens äußerste. Fawn krallte sich an seinen Haaren fest, wobei lustvolle Laute über ihre Lippen kamen. Hervorgerufen durch seine intensiven Berührungen, kam ihr Blut ordentlich in Wallung und sie spürte es durch jede Ader ihres Körpers rinnen. Hemmungslos führte sie seine Hände tiefer auf ihre Scham und zeigte ihm, wo sie berührt werden wollte. Sobald Brian zwischen ihre Schenkel griff, quiekte Fawn begeistert auf. Bald hallten ihre lustvollen Laute durch die Kantine und beide Geschöpfe vergaßen die Welt um sich herum.

Etwas später rollte sich Brian erschöpft von ihr und blieb einen Augenblick mit fest geschlossen Augen liegen, während neben ihm das junge Mädchen immer noch zitterte und leise stöhnte. Nur allmählich ließ das heiße alles verzehrende Feuer in ihrem Innern nach und machte einer behaglichen Wärme Platz. Schweiß tropfte von ihrer Stirn und rann an ihren Ohren und über die Wangen auf den Boden.
Fawn versuchte sich torkelnd aufzurichten. Sie hatte das Gefühl ihre Beine würden unter ihr wegknicken, so sehr zitterten ihre Knie. Ihre Brüste schmerzten ebenso wie ihr Unterleib, doch es war kein unangenehmes Gefühl. Krampfhaft versuchte sie ihr Gleichgewicht unter Zuhilfenahme ihres hübschen Schwanzes zu halten, was ihr anfangs noch sehr schlecht gelang. Unsicher bewegte sich die kleine Na’vi auf die Schleuse zu. “Was hast du vor Fawn?” Brian hatte ihren Versuchen, wieder sicher auf den Beinen zu stehen, mit einer gewissen Belustigung beigewohnt und setzte nun seine Maske auf.
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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #1 on: August 08, 2012, 02:01:11 pm »
Er fühlte sich bereits wieder fit, während die Jägerin auf ihn einen angeschlagenen und erschöpften Eindruck erweckte, eine Reaktion, die er auf ihre empfindsame Natur schob. Sie hantierte an dem einfachen Mechanismus und zischend öffnete sich die Tür vor ihr. Oft genug hatte sie dem Söldner dabei zugesehen. Ein triumphierender Ausdruck spiegelte sich in ihren Augen, als sie sich umdrehte. “Ich gehe mich waschen, Brian. Das würde dir auch nichts schaden.” Er blickte sie verwundert an. Sie würde wohl kaum die Duschen in Betracht ziehen, von denen er noch nicht einmal wusste ob sie überhaupt noch nach all den Monaten funktionierten. “Waschen… wo Fawn? Hier ist doch kein Bach in der Nähe.” Sie deutete seufzend auf den strömenden Regen, der draußen vor der Tür in langen Fäden herunterfiel. “Tawtute.” Kopfschüttelnd trat das Mädchen ins Freie und begann ausgelassen auf dem Rollfeld herum zuspringen. Als sich die Tür wieder geschlossen hatte, setzte Brian seine Maske ab und blieb vor dem großen Panoramafenster stehen.
Verträumt presste er seine Handflächen gegen die Scheibe, fast als ob er das im strömenden Regen stehende Mädchen dadurch berühren könnte. In seinem Kopf formte sich ein Gedanke während er die kleine Na’vi liebevoll betrachtete. Leise flüsterte Brian vor sich hin. “Nga yawne lu oer, ma Fawn. Nga yawne lu oer.”

******

Die Nachricht seines Adjutanten traf Riley wie ein Schlag ins Gesicht. “Sir das müssen sie sich ansehen, wir empfangen Funksignale  innerhalb des Systems!” Unzählige Überlegungen schossen ihm durch den Kopf, wovon er die meisten binnen eines Augenblicks wieder verwarf. Hektisch stürmte er neben Clark in die provisorisch in Betrieb genommene Relaisstation, wo die Dienst habenden Funker schon ungeduldig auf seine Ankunft warteten. Die Zerstörungen hatten auch vor dem Innern der Station nicht halt gemacht und so war der Kommandant dankbar, das seine Leute es überhaupt geschafft hatten, sie wieder in Betrieb zu nehmen, was an sich schon an ein kleines Wunder grenzte. Es bedurfte keines weiteren Wortwechsels. Rileys geschultes Auge überflog die eingehenden Daten der Ortung und lauschte dem Geräusch das über die Übertragung hörbar wurde. “Klingt wie ein Notsignal Kommandant. Den vorliegenden Informationen nach bewegt sich das Objekt in einer Kreisbahn um den Mond.” Riley versuchte sich nachdenklich an der Nase zu kratzen, bemerkte aber, dass er vor Aufregung sogar vergessen hatte, die Schutzmaske abzusetzen. “Geschwindigkeit?” “Angepasst und gleich bleibend“, antwortete der Funker augenblicklich. “Sollte es möglich sein?” Seine Stimme klang zweifelnd und im nächsten Moment ließ er die völlig verblüfften Funker stehen und eilte aus der Station. “Clark, kommen sie mit. Ich brauche jemand auf den ich mich verlassen kann. Sein Adjutant nickte pflichtschuldig und bemühte sich mit ihm Schritt zu halten. “Wohin gehen wir Kommandant? Ich versteh nicht, was sie so sehr beunruhigt. Diese Daten, was bedeuten sie?” Riley blieb stehen und sah seine Untergebenen mit ernsten Ausdruck an. “Sie können einem ja Löcher in den Bauch fragen. Vielleicht sollten Sie mal ihren Kopf benutzen, dann würden Sie auf die Lösung von alleine kommen.” Abwartend musterte er Clark. “Na klingelt es langsam?” Sein Adjutant schüttelte missmutig den Kopf. Der Kommandant schritt weit ausholend dem instand gesetzten Rollfeld entgegen, auf dem die beiden Valkyrie wie lauernde Racheengel standen. “Wir gingen immer davon aus, dass dieses verdammte ISV durch einen strukturellen Zusammenbruch in absehbarer Zeit in den Orbit eintritt und verglüht. Nun mit Sicherheit wird das irgendwann eintreten, aber im Moment befindet sich die “Maleficent” in einer stabilen Kreisbahn um unseren Mond. So und nun sagen sie mir, was das für uns bedeutet.” Clark pfiff aufgeregt durch die Zähne. “Wir könnten nachsehen, ob wir noch etwas von dem zurückgebliebenen Material retten können, was bedauerlicherweise bei unserem überstürzten Aufbruch zurückbleiben musste.” Ein erfreutes Lächeln zog über das Gesicht des Kommandanten. “Ah endlich fangen sie an zu denken. Sie werden also ein Team zusammen stellen und sich an Bord der “Maleficent” begeben. Sehen Sie nach, ob in dem Raumschiff noch jemand lebt, oder was den Notruf ausgelöst hat. Ich folge sobald Sie die Lage an Bord sondiert haben.” Riley legte ihm in väterlicher Art die Hand auf die Schulter, doch konnte es Clark nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ihm wieder die gesamte Verantwortung für die Operation übertrug. Der Adjutant fluchte innerlich darüber, dass es ihm und seinem Team oblag die Kastanien aus dem Feuer zu holen, während Riley seinen Hintern in der Sicherheit des Stützpunktes parkte. Er machte eine flüchtige Ehrenbezeugung und begab sich zur Kantine, wo sich um diese Zeit die meisten Soldaten aufhielten um ihr frugales Mahl zu sich zu nehmen. Mit einem verbissenen Gesichtsausdruck öffnete er die kleine Schleuse, zog sich die Maske herunter und trat in den Kantinenbereich ein, wo ihm schon schallendes Gelächter entgegen hallte. Clark beschloss es kurz zu machen und trat vor die lachenden und lebhaft schwatzenden Soldaten. “Meine Herren, ich unterbreche ihr trautes Beisammen sein nur ungern, jedoch hat unser geliebter Kommandant eine Aufgabe die keinen Aufschub duldet. Ich brauche ein paar Freiwillige, die mit mir zur ISV Maleficent fliegen.” Augenblicklich verstummte jedes Gespräch im Raum und es wurde so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. “Also, wer möchte mich auf diesem Ausflug begleiten? Nur nicht so schüchtern meine Damen.” Clark grinste über das ganze Gesicht. Zögernd erhob sich Lorn ein schmächtiger unscheinbarer Kerl, der jedoch seine Zähigkeit oft genug unter Beweis gestellt hatte. Ihm folgten andere bis Clark abwinkte. “Das reicht, wir wollen schließlich nicht den Betrieb auf dem Stützpunkt beeinträchtigen.” Erneut brandete Gelächter auf und die Männer widmeten sich wieder ihrer Beschäftigung. Ohne weiteres zögern führte der Adjutant seine Gruppe ins Freie. Eine Stunde später befand sich der Stosstrupp an Bord des Valkyrie auf dem Weg zur ISV.

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Riley blickte aufgeregt immer wieder zur nahen Funkstation. Er überlegte krampfhaft, was wohl das Notsignal ausgelöst haben mochte. Eine Fehlfunktion des System kam ebenso in Betracht wie eine Möglichkeit die ihn weitaus mehr erschreckte. Vielleicht hatten einige Besatzungsmitglieder, die er ohne Rücksicht zurückgelassen hatte überlebt und ersuchten nun um Hilfe. Im gleichen Moment verwarf er die Vorstellung als absolut unhaltbar. Es konnte einfach nicht sein, das es noch Leben an Bord gab. Riley hätte sich in diesem Fall einigen unangenehmen Fragen ausgesetzt gesehen. “Ich werde auf diesem verdammten Mond noch verrückt.” Fluchend trat er einen Stein beiseite der in hohem Bogen davon schoss. Ein Melder erschien im Eingangsbereich der Funkstation und der Kommandant winkte ihn hektisch heran. “Informieren Sie mich, sobald Sie Nachricht von dem Shuttle erhalten. Ich bin in meinem Büro.” Damit ließ er den salutierenden Soldaten stehen und stapfte zum nahen Befehlsstand zurück.

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Völlig lautlos näherte sich das gewaltige Shuttle der vor ihr aufgetauchten ISV Maleficent, die langsam in den Sichtbereich des Cockpits wanderte. Schon von weiten waren die beträchtlichen Zerstörungen im Rumpf des Schiffes zu sehen. Gewaltige Risse und Ausbuchtungen zogen sich über die gesamte Länge der Traverse, vom Andockbereich bis zu den mächtigen Schubdüsen des Antriebs. “Sieht aus als ob eine Titanenaxt auf das Metall eingeschlagen hat”, sagte Lorn mit belegter Stimme. Clark fingerte nervös an seinem fest sitzenden Kragen herum und hatte das unbestimmte Gefühl, jemand würde ihm die Luft abschnüren. Routiniert vollführten die Piloten das Andockmanöver. Ein kurzer Ruck erfasste das gesamte Shuttle als die Andockklammern sich um das Raumfahrzeug schlossen und sich mit der “Maleficent” verankerten. Clark gab das Zeichen zum Öffnen der Schleuse und mit einem surrenden Geräusch schwenkte die stählerne Luke nach innen und gab den Blick auf das Innere des reglosen Raumschiffs preis. Fast vollständige Dunkelheit erfüllte den Gang der Traverse vor ihnen, nur in regelmäßigen Abständen erhellt von den Deck- Markierungen der Notbeleuchtung. Clark warf einen abschätzenden Blick den langen Gang hinunter und schritt die Waffe im Anschlag aus der Schleuse. Jedes Mitglied des Einsatzteams hatte seinen Raumanzug angelegt. Der Adjutant befürchtete Risse in der Hülle des ISV Maleficent und zumindest in einzelnen Sektionen das Fehlen jeglicher Atemluft. “Sieht alles andere als einladend aus. Na dann wollen wir mal meine Herren. Sehen wir nach, ob sich noch etwas Brauchbares bergen lässt.” Er gab sich keiner Illusion hin, hatte aber auf dem Stützpunkt keine Einwände gegenüber der Meinung des Kommandanten hervorgebracht. Allein der Zustand des Hangars in dem alles heillos durcheinander gewirbelt lag, ließ Clark nichts gutes ahnen. Zahlreiche der dort gelagerten Gerätschaften waren zerstört und unbrauchbar geworden, wie eine erste Bestandsaufnahme zeigte.
Im Kegel der Handstrahler tastete sich das kleine Team weiter durch den mächtigen Rumpf des Raumschiffs. Die stellenweise völlige Finsternis und Stille statt der vertrauten Geräuschkulisse rief Beklemmung unter den Soldaten hervor, obwohl sie nicht zu sagen vermochten wovor sie sich eigentlich fürchten sollten. “Ist das auch der richtige Weg zur Kommandozentrale? Ich bin mir auf einmal nicht mehr sicher. Lorn kommen Sie mal her, Sie kennen sich doch mit den Deckbeschreibungen aus.” Der Angesprochene war sofort neben ihm und richtete den Strahler auf die Anzeigetafel, die nur noch in einem diffusen Licht leuchtete. “Ein Stück weiter vorne müsste eine Aufstiegsmöglichkeit zum oberen Deck kommen. Aber die Richtung stimmt Sir. Dieser Weg führt uns direkt zur Brücke.” Der Anführer ließ sich seine Erleichterung nicht anmerken. Es war nie ratsam, im Kreise seiner Untergebenen die eigene Unsicherheit zu zeigen. Etwas das Clark gleich zu Beginn seiner Laufbahn im Ausbildungslager gelernt hatte. Die Magnetsohlen ließen sie ihre Bodenhaftung behalten, als sich die Gruppe wieder auf den Weg machte. Das Fehlen jeglicher Schwerkraft war das erste was ihnen aufgefallen war. “Die Explosionen müssen die Energieversorgung unterbrochen haben. Das sieht gar nicht gut aus.” Clark hing seine Gedanken nach während sie die Metallsprossen erreichten, die mit einer Markierung versehen nach oben wiesen. Er fragte sich was aus dem Rest der Mannschaft des ISV Maleficent geworden war, die es nicht geschafft hatte, die rettenden Shuttle zu erreichen. Vielleicht würden sie auf der Brücke Antworten finden. Clark holte tief Luft und deutete den Anderen des Trupps ihm zu folgen. Ruhelos ließ er einen Moment den Kegel des Suchscheinwerfers in der Höhe pendeln, doch außer dem im Widerschein glänzenden Metalls erblickten sie nur Dunkelheit um sich herum. “Ich fürchte, wir müssen da rauf. Also los, ich habe keine Lust den ganzen Tag hier zu verbringen.” Ein Blick auf sein Chronometer zeigte ihm, dass es später Nachmittag war, was bedeutete, dass sie in tiefster Nacht wieder dort landen würden. “Wie passend”, kicherte Clark als er es bemerkte. Lorn sah ihn nur fragend an, doch der Adjutant sah sich nicht zu einer weiteren Erklärung veranlasst. Nacheinander erschienen die Soldaten aus der Luke im Boden und machten sich daran das vor ihnen liegende Deck zu erkunden.

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Glücklich reichte Awaiei einer ihrer Schwestern das Kind hinab und ließ sich dann selbst geschickt vom Rücken des ruhig wartenden Pa’li gleiten. Kein Geräusch war zu vernehmen, als ihre Füße sanft das weiche Moos des Waldbodens berührten. Trotz ihrer beachtlichen Größe hatte es die Na’vi wie alle anderen ihres Volkes gelernt, sich lautlos zu bewegen, schnell wie ein Pfeil zu sein oder bei Gefahr mit dem Hintergrund des Urwaldes zu verschmelzen. Doch das alles war für sie an diesem Tag nur von untergeordneten Interesse. Awaiei wollte heute zusammen mit ihrem Baby und den sie begleitenden Schwestern einfach nur Spaß haben. Jede der anderen war selbst Mutter geworden und hatte ihr Kind dabei, sicher aufgehoben in einer Trageschlaufe vor ihrem Bauch. Nur Siny bevorzugte es ihr Baby auf dem Rücken zu tragen, was ihr ständige Sticheleien ihrer Begleiterinnen einbrachte. Die jungen Na’vi Frauen kicherten und knufften sich verspielt. “Hier fang auf!” rief Siny und warf Awaiei eine Handgroße Frucht zu. Ein überraschter Ausdruck erschien auf ihrem Gesicht, dann biss sie herzhaft hinein. Klebriger Saft rann ihre Mundwinkel hinunter, während sie sich genießerisch über die Lippen leckte. Die Frucht schmeckte herrlich und das Mädchen war von dem aufregenden  Ritt hungrig geworden wie sie nun verwundert feststellte. In ihrem Tragegurt gab das Kind jauchzende Laute von sich, als es die Freude seiner Mutter verspürte. Eine Weile saßen sie zusammen im Knöchel hohen Gras und ließen sich von den Sonnenstrahlen wärmen. Siny schnallte ihren Tragegurt vom Rücken, nahm das Kind heraus und begann es zu stillen. Die anderen beiden Frauen folgten ihrem Beispiel, da auch ihre Kinder erste Anzeichen von Hunger zeigten. “Du wirst einen krummen Rücken bekommen. Warum trägst du das ‘evi nicht vor dem Bauch wie wir alle? “ Awaiei sah sie interessiert an. Siny schürzte ihre vollen Lippen. “Ich spüre das Kind kaum beim laufen. Macht euch nur keine Sorgen. Außerdem bin ich äußerst gelenkig, was mein munxatu sehr schätzt.” Sie streckte sich, legte das Kind vorsichtig auf den weichen Boden und begann ausgelassen durch das Gras zu tollen. Die Na’vi neben Awaiei gluckste los. “Ich bin mir sicher ihr Geliebter schätzt andere Dinge an ihr noch viel mehr.” Awaiei begann schallend zu lachen, als ihr nach einer Geste der Frau bewusst wurde was sie meinte. Siny hatte für eine Na’vi außerordentlich große und stramme Brüste, was sich durch ihre Schwangerschaft nur noch verstärkt hatte. “Ich finde ihr Hintern ist viel zu dick”, sagte Awaiei kichernd. Ihre Begleiterin kippte hell auflachend ins Gras. “Was findet ihr so komisch? Kommt schon, ich möchte mitlachen.” Siny hatte mit ihrem wilden Sprüngen und Herumrennen aufgehört und trat den grinsenden Frauen entgegen. Einen Augenblick sahen sich die beiden Na’vi wortlos an, dann begannen sie wieder zu lachen. “Ist es wegen dem hier?” Sie umfasste ihre nackten Brüste. “Mein muntxatu mag wie ich aussehe. Ihr seid doch nur neidisch. Eure sind so flach und glatt wie der Stamm eines Tautral. Die Na’vi neben ihr keuchte auf, schnappte sich eine Frucht und warf sie nach Siny. “Das ist gar nicht wahr.“ “Ist es doch”, kicherte Siny und wich geschickt dem Wurfgeschoss aus. Awaiei richtete sich unangenehm berührt auf und sah Siny in die großen leuchtenden Augen. “Du hast recht, das war nicht nett von uns. Oeru txoa livu?” Die junge Na’vi lächelte. “Srane ma Awaiei. Doch nun komm. Wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen, sonst kommen wir zu spät zum gemeinschaftlichen Abendessen am Lagerfeuer.” Awaiei blickte auf ihr Kind, das in dem Leinentuch ruhig schlief und entschied sich spontan dagegen. “Reitet schon voraus. Ich komme später nach.” Die anderen Frauen sahen sich verwundert an, akzeptierten dann aber ihre Entscheidung. Auf dem gesamten Weg hatten sie keinerlei Anzeichen von herumstreifenden Wölfen gesehen und nahmen an, dass keine unmittelbare Gefahr drohte.
 
Awaiei sah ihren beiden Schwestern dabei zu, wie sie ihre Pa’li bestiegen und nickte ihnen aufmunternd zum Abschied zu. Ein  flüchtiger Ausruf folgte, dann stoben die wilden Tiere unter dem Trampeln ihrer Hufe davon. Seufzend ließ sie sich zurück in das weiche Gras sinken, das schlafende Baby sicher in der Trageschlaufe um ihren Bauch bewahrt. Zärtlich strichen ihre Finger über den Kopf des Mädchens, ihm dabei liebevolle Worte in die winzigen Öhrchen flüsternd. “Nga yawne lu oer, ma ‘itetsyìp.” Sie hatte es einfach nicht über ihr Herz gebracht, das Baby durch einen überstürzten Aufbruch zu wecken. Die Geburt lag nun über eine Woche zurück und ihr Baby gedieh prächtig. Dankbar hatte sie der Aufforderung ihrer Schwestern folge geleistet sie zu begleiten, als diese eine Lichtung nicht allzu weit vom Kelutral aufzusuchen gedachten. Dort sollte es die seltenen und besonders leckeren Bananenfrüchte geben, dessen Finder bei den Na’vi großes Ansehen genoss. Nun, die Früchte blieben verschwunden und Awaiei seufzte bei dem Gedanken daran, aber es wurde trotz allem ein aufregendes Erlebnis. Schon lange hatte die Na’vi den Kelutral nicht mehr verlassen und die Abgeschiedenheit tat ihr sichtlich gut. Um sie herum war heller Tag, die Sonnen wärmten angenehm ihr Gesicht und so streckte sich die junge Na’vi aus und gähnte entspannt. Die Aufregung der letzten Tage ließ sie schläfrig werden. Eine Weile später war Awaiei eingedöst, ohne es zu wollen.

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Das gewaltige Schott der Brücke, blinkte metallisch im Licht der Handstrahler. Einer der Techniker schüttelte den Kopf. “Es rührt sich nichts Sir. Vermutlich wurde der Öffnungsmechanismus in Mitleidenschaft gezogen. Ich werde es überbrücken müssen.” Clark funkelte das Schott an, als könnte er es Kraft seines Geistes bewegen. “Wie lange wird das dauern?” Der Soldat war schon dabei, die Verkleidung des Codegebers abzunehmen und zog ein Gestrüpp von Kabeln dahinter hervor. “Schwer zu sagen. Vielleicht eine Stunde oder länger. Sehen Sie hier. Das ist alles hinüber.” Nachdenklich sah Clark auf die rußgeschwärzten Kabelstränge. Er legte dem Mann eine Hand auf die Schulter. “Geben Sie ihr bestes. Lorn bleibt zur Unterstützung bei ihnen, die Anderen kommen mit mir. Wir beginnen damit, das Shuttle zu beladen. Melden Sie sich sofort über Funk bei mir, wenn Sie das Schott repariert haben oder es Schwierigkeiten gibt.” Die beiden Soldaten machten eine flüchtige Ehrenbezeugung, während Clark mit den anderen davon spurtete. Er hasste nichts mehr als Untätigkeit und sich um die Beladung zu kümmern, schien ihm eine geeignete Beschäftigung, um die Zeit zu überbrücken. Außerdem half es, in der für alle bedrückenden Finsternis auf andere Gedanken zu kommen. Sobald die Tür zur Kommandozentrale offen war, würde er hoffentlich Antworten erhalten.

Der Techniker hatte es vor Ablauf der selbst gesetzten Frist geschafft und als die Meldung bei Clark eintraf, verankerte er gerade mit seinen Begleitern eine der letzten unbeschädigten Materialkisten. Zufrieden blickte er in den gefüllten Laderaum des Valkyrie. Das Fehlen jeglicher Schwerkraft war ihnen zugute gekommen und hatte die Arbeiten rasch voran kommen lassen. Erneut trieb Clark seine Leute durch die Traverse des Schiffes und stand bald darauf wieder vor der schweren Stahltür. “Worauf warten Sie? Öffnen Sie das verdammte Schott.” Der Techniker zögerte und leckte sich nervös die Lippen. “Sir, wenn dahinter noch jemand am Leben ist, könnte das plötzliche Entweichen der Luft eine Dekompression auslösen. Es wäre ihr sicherer Tod.” Mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtete er die Tür. “Wie wahrscheinlich ist das? Vielleicht ist die Brücke auch zerstört.” Lorn meldete sich zu Wort. “Es besteht immerhin die Möglichkeit. Wir haben schon versucht, durch unsere Übertragungsbänder Kontakt aufzunehmen, aber leider erfolglos. Damit deutete er auf sein Gerät mit dem kleinen Sender, das jeder Soldat um den Hals mit sich führte. “Öffnen Sie endlich, das ist ein Befehl. Das Raumschiff wird in absehbarer Zeit an Höhe verlieren und abstürzen.” Zähneknirschend tippte der Techniker den Öffnungscode ein, während die anderen sich an die Gangwand pressten, um so wenig wie möglich Angriffsfläche zu bieten. Ein Zittern ging durch das Schott, dann schob es sich langsam auseinander. Obwohl er mit allem gerechnet hat, keuchte Clark entsetzt auf, als der Körper eines Besatzungsmitglieds durch die Öffnung schwebte. Ein gewaltiger Riss zog sich vom Oberschenkel bis weit über die Hüfte. Verunsichert sahen die Soldaten zu, wie die Leiche ihres Kameraden an ihnen vorbei trieb. Clark hatte sich als erster wieder unter Kontrolle. “Damit wäre das nun geklärt”, erklang seine Stimme voller Sarkasmus über die Lautsprecher der Mannschaft. Zu allem entschlossen durchschritt der Adjutant das schwere Schott. Im Kegel der Suchscheinwerfer offenbarte sich ihnen das ganze Ausmaß der Zerstörung. Die Explosionen hatten sich wie ein Geschwür durch weite Teile des Schiffs gefressen und seine gesamte Struktur beeinträchtigt. Mehrere Risse zogen sich filigranartig über die Panoramascheibe der Brücke. Trotz des sich automatisch schließenden Schotts war die Luft explosionsartig entwichen und hatte der Brückenbesatzung ein jähes Ende beschert. Sie fanden noch mehrere Leichen, die teils angeschnallt in ihren Sitzen, oder mitten im Raum schwebten. “Hier gibt es nichts mehr für uns zu tun. Wir begeben uns umgehend zum Hangar und leiten den Rückflug zur Basis ein.” Er sah sich noch einmal um. “Kommandant Riley wird gar nicht zufrieden sein, wenn er davon erfährt. Schließlich hatte er gehofft, das Schiff vielleicht instand setzen zu können.” Lorn schüttelte voller Verzweiflung den Kopf. “Mit unseren Hilfsmitteln? Das ist unmöglich Sir. Wir würden Monate brauchen und wer weiß, wie lange sich dieses verdammte Schiff noch in der Umlaufbahn hält.” Clark nickte nur und rief über seinen Helmfunk. “Abrücken!” Eine halbe Stunde später löste sich das Shuttle mit der wertvollen Fracht an Bord, lautlos vom Rumpf des dem Tode geweihten ISV und schwenkte mit seiner Nasenspitze in Richtung des nahen Mondes.

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Iley blickte verwundert auf, als die beiden Frauen zum Lager zurückkehrten. Einen Moment stand er unschlüssig herum, in Erwartung das seine geliebte Awaiei noch folgen würde, schließlich war die kleine Gruppe zusammen unterwegs gewesen. Nach bangen Augenblicken, in denen sich nichts tat, wechselte seine Anspannung in echte Besorgnis. Nervös ging er den beiden Na’vi hinterher und hielt sie auf. “Ist Awaiei nicht mit euch gekommen?” Sie schüttelten ihre Köpfe und Siny blickte ihn herausfordernd an. “Tam tam Iley. Deiner muntxate ging es gut als wir sie verließen. Sie wird bald nachfolgen, sei ohne Furcht.“ Kichernd und ohne jede weitere Erklärung ließen die beiden Frauen den Krieger stehen. Unschlüssig sah sich Iley im Lager um und allerlei schlimme Vorstellungen bemächtigten sich seiner Gedanken. Sein Blick fiel auf den Speer in seiner Hand, den er unbewusst so fest umklammert hielt, dass seine Knöchel deutlich hervortraten. Bei seinem Anblick reifte ein Plan im Kopf des eindrucksvollen jungen Kriegers. Wilder Eifer erfasste ihn als er sein wartendes Pa’li aufsuchte, das Band mit ihm herstellte und mit ihm in wilden Galopp durch das Lager jagte. Er musste sie finden, bevor es ein Rudel Nantangs taten oder noch weitaus schlimmeres. Einige Ureinwohner gerade mit dem Gerben von Fellen beschäftigt, sprangen verschreckt zur Seite, als der Krieger an ihnen vorbei aus dem Lager preschte. Ein paar heftige Ausrufe folgten ihm nach, doch Iley kümmerte es nicht.
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Offline Eichhörnchen

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #2 on: August 08, 2012, 02:03:26 pm »
Alles in ihm drehte sich nur um Awaiei. In geradezu mörderischem Galopp trieb er das Tier durch den Urwald ohne Rücksicht auf eventuelle Hindernisse wie Wurzeln oder die armdicken Stränge von Schlingpflanzen, die über den Boden wucherten. Zu sehr war ihm das Gelände um den Heimatbaum herum vertraut und die Angst um seine Geliebte trieb den Krieger voran. In Windeseile hatte er den Platz erreicht, den ihm die beiden Frauen beschrieben hatten. Sofort erkannte der erfahrene Na’vi die Spuren ihrer Rast und obwohl er nicht über die Fertigkeiten seiner smuke Fawn verfügte, erkannte Iley das sich die Frauen hier getrennt hatten. Deutlich war die Fährte eines einzelnen Pa’li zu erkennen, die tiefer in den Wald hineinführte. Warum Awaiei allerdings ihr Reittier vom Kelutral weggelenkt und nicht mit den anderen Na’vi zurück gekehrt war entzog sich seiner Kenntnis. Eine Stück weit ritt er in die selbe Richtung, die seine muntxate genommen hatte bis er nicht mehr in der Lage war, der Spur zu folgen. Er sandte gedanklich ein Gebet zu Eywa, dass ihr nichts zugestoßen sein mochte und wünschte sich in diesem Augenblick Fawn an seine Seite. Die erfahrene Jägerin hätte die Fährte mit Leichtigkeit wieder aufnehmen können. Enttäuscht und voller Sorge kehrte er zum Kelutral zurück, um seine Brüder und Schwestern zu benachrichtigen.

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Vorsichtig lenkte sie das gewaltige Tier durch verschlungene Pfade und über zahllose Hindernisse hinweg. Heimlich stahl sich die Sorge in ihr Herz, ob sie es noch vor Einbruch der Dunkelheit in die Sicherheit des Kelutral schaffen würde. Sie hatte sich unbewusst mehr Zeit gelassen als sie sich vorgenommen hatte. Mittlerweile wurden die sie umgebenden Schatten der nahen Abenddämmerung immer länger. Wortlos gab sie dem Pa’li über das Band ihre Anweisungen und folgsam reagierte das Tier mit zitternden Flanken darauf.
Ein Geräusch in der Ferne ließ sie aufschrecken. Lang gezogen drang ein Heulen durch das Dickicht des Urwaldes an ihre Ohren… Nantangs. Awaiei spürte, wie ihre Kehle rau wurde und die Angst um ihr kleines Mädchen ließ ihre Gedanken verrückt spielen. Nervös gab sie ihrem Reittier den Befehl sich zu beeilen. Es war ein Wagnis in der zunehmenden Dunkelheit, denn allzu leicht konnte das Pferd über einen Baumstamm oder ein anderes Hindernis stürzen und sie beide ins Verderben reißen. Erneut erklang das Wolfsgeheul, diesmal allerdings deutlich näher. Awaiei trieb das schnaubende Pa’li weiter an, sich bewusst, dass es den mörderischen Galopp nicht lange durchhalten würde. Schon längst hatte sie jegliche Orientierung verloren und hoffte, dass ihr treuer Begleiter seinen Weg zielsicher finden würde.
Zwischen dem Knacken der Äste, die das Pferd mit seinen Hufen zerbrach, mischte sich ein Geräusch unzähliger Pfoten welche durch die Finsternis hetzten. Awaiei hörte das Geifern der mächtigen Vipernwölfe, spürte, wie sie immer näher kamen. Ihr Pa’li wurde von Augenblick zu Augenblick unsicherer, was sie auch auf ihre eigenen Gedanken schob, die sie einfach nicht  mehr schaffte, in ihrer Panik zu kontrollieren. Zögernd löste sie die Verbindung in der Hoffnung, dass sich das Tier auf seine Instinkte besinnen würde. Eine Arm hatte sie schützend um den Körper ihres kleinen Mädchens gelegt, während sie sich mit der anderen Hand krampfhaft versuchte, festzuhalten. Immer weiter hetzten sie durch die Nacht und Awaiei versuchte verzweifelt irgendetwas zu erkennen, dass sie an die vertraute Umgebung des Heimatbaumes erinnerte. Langsam kam in der jungen Na’vi der Verdacht auf, dass sie sich immer mehr davon entfernten. Sie versuchte sich aufzurichten um ihre Umgebung besser erkennen zu können, derweil das Tier unter ihr in mörderischem Tempo durch den Urwald hetzte. Gerade als sie Ausschau nach ihren Verfolgern halten wollte, schlug ihr ein Ast ins Gesicht. Awaiei schloss vor Schmerz die Augen und versuchte krampfhaft, das Gleichgewicht zu halten. Ein unangenehmes Brennen zog über ihr hübsches Antlitz und benommen drückte sich die junge Frau wieder dicht an den Körper des Tieres. Nach einer Weile hatte sie das Gefühl, dass die Geräusche der hinter ihnen jagenden Wölfe zurückblieben. Trotz ihrer Benommenheit versuchte sie sich zu konzentrieren. Stille umgab sie, nur unterbrochen von dem Trampeln ihres Begleiters, der weiter völlig ziellos durch die Nacht stürmte. Awaiei wollte erleichtert aufatmen, wie ihr bewusst wurde, das sie die Nantangs abgehängt hatten, doch im nächsten Moment riss sie ein gewaltiger Ruck vom Rücken des Tieres. Hart schlug das Na’vi Mädchen auf dem Boden auf, nur darauf bedacht, ihr Baby vor dem Aufprall zu schützen. Neben ihr sackte das gewaltige Pa’li mit gepeinigten Lauten zusammen.
Awaiei brachte sich vor den wild ausschlagenden Hufen des Tieres in Sicherheit. Kraftlos zog sie sich und ihr kleines Mädchen in den Schutz eines gewaltigen Baumes. Nach endlosen Augenblicken schnaubte das Reittier nur noch unruhig vor sich hin. Die junge Na’vi sah ihm an, dass es Schmerzen haben musste. Sie nahm allen Mut zusammen und näherte sich ihrem Begleiter vorsichtig, um ihn nicht zu ängstigen. Dabei kamen beruhigende Worte über ihre vom heftigen Sturz aufgeplatzten Lippen. Sie verdrängte den seltsamen Geschmack, der sich in ihrem Mund ausbreitete. Eine Hand schützend um den Körper des Babys gelegt, berührte sie sanft die Flanke des vor ihr liegenden Tieres. Awaiei spürte, wie ein Zittern durch den prächtigen Körper ihres treuen Begleiters ging. Unruhig warf das Tier den Kopf hin und her. Sie versuchte, das Reittier zum Aufstehen zu bewegen, jedoch vergeblich. Schnell hatte sie den Grund dafür herausgefunden. Seine Vorderläufe mussten durch den schweren Sturz gebrochen worden sein, eine Verletzung, die für das Pa’li den sicheren Tod bedeutete, da es eventuellen Verfolgern nicht mehr entkommen konnte. Die junge Na’vi entschloss sich zu einer Verzweiflungstat, um das Pa’li sich nicht unnötig weiter quälen zu lassen. Behutsam sprach sie auf das Pferd ein, während sie ihren scharfen Dolch hervorzog. Nach einem Gebet zu Eywa stieß sie die gewaltige Klinge in den Leib des Tieres. Ein letztes Aufbäumen folgte, dann lag ihr Begleiter reglos vor ihr. Awaiei säuberte ihre Waffe und steckte sie zurück. Ihr Baby lag seltsam ruhig in der Trageschlaufe um ihren Bauch. Vorsichtig legte sie einen Finger an seine Halsschlagader und atmete erleichtert auf, als sie das Leben darunter pulsieren fühlte. Soweit sie feststellen konnte, hatte sie sich keine ernsthaften Verletzungen bei dem Sturz zugezogen, eine Tatsache, die sie mit Dankbarkeit erfüllte. Neugierig nahm sie ihre Umgebung näher in Augenschein. So sehr sie auch suchte, fand sie nichts das ihr vertraut vorkam und die vorherrschende Dunkelheit tat ihr übriges zu ihrer Unsicherheit.
Insgeheim wünschte sie sich jetzt die Fähigkeit, Spuren lesen zu können. Fawn hätte sich sicher sofort zurechtgefunden und sie beide zum Heimatbaum zurück geleitet, aber das blieb in ihrer jetzigen Situation Wunschdenken. Es half alles nichts, sie musste sich allein aus dem Schlamassel befreien, in den sie durch ihr eigenes Verhalten geraten war. Awaiei überprüfte nochmals die einfache Trageschlaufe in der ihr kleines Mädchen ruhig vor sich hinschlummerte, dann machte sie sich auf den Weg.

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Ich werde dir nicht helfen, ma Iley. Der Kampf gegen die Himmelsmenschen hat viele unserer Brüder und Schwestern das Leben gekostet. Jeder einzelne ist ein schmerzlicher Verlust, der durch nichts zu ersetzen ist.” Der Anführer des Stammes blickte Iley äußerlich gelassen an, auch wenn er eine gewisse Wehmut verspürte. Der junge Krieger hatte im olo’eyktan seine einzige Hoffnung gesehen, die nun wie ein Blatt im Wind davon getrieben wurde. Niedergeschlagen zog er sich von den versammelten Kriegern des Stammes zurück. Ikelu trat ihm plötzlich in den Weg und bedachte ihn mit abschätzenden Blick. “Wie kannst du unseren Anführer um Hilfe ersuchen. Er hat in diesen Zeiten wichtigeres zu tun, als deine muntxate zu suchen. Wenn es Eywas Wille ist, wird sie zurückkehren. Ihr Verhalten ist das eines Kindes.” Iley funkelte ihn wütend an und ballte instinktiv die Fäuste. Ikelu bemerkte es und ein freudiges Leuchten trat in seine gelben Augen.
“Willst du mit mir kämpfen? Ich bin bereit dazu.” Iley schüttelte den Kopf, eine Geste die er sich von Brian abgeguckt hatte. “Kehe. Du hast meine sa’nok gerettet und du bist mein Bruder.”
Der Krieger sah ihn enttäuscht an. “Du bist schwach Iley, genau so schwach wie deine muntxate. Der Umgang mit den Himmelsmenschen verweichlicht euch. Wie konntest du ihn nur zu deinem Bruder machen. Ich verstehe das nicht.” Iley wollte ihn beiseite schieben um vorbeizukommen, doch der Na’vi wich nicht vom Fleck. Beide Krieger waren sich was das Kräfteverhältnis anging nahezu ebenbürtig. “Brian ist nun einer von uns. Wenn alle Himmelsmenschen so wären wie er, könnten unsere Völker in Frieden leben und nun lass mich vorbei.” Ikelu zuckte mit den langen Ohren, entschied sich dann aber, es nicht auf eine direkte Konfrontation ankommen zu lassen, auch wenn es ihm in allen Fingern juckte, sich mit Iley im Kampf zu messen. “Es wird niemals Frieden zwischen den Himmelsmenschen und uns geben. Wenn du dich weiter mit ihnen abgibst wird es eines Tages dein Verderben sein.” Iley warf ihm einen traurigen Blick zu, dann huschte er davon. Er beschloss sich eine Weile zurück zuziehen, um in Ruhe über seine nächsten Schritte nachdenken zu können. Das Awaiei tot war, konnte und wollte er nicht glauben. Wie bei ihrem ersten Verschwinden, betete Iley wieder zu ihren Ahnen, dass Awaiei sicher zurück finden werde. Doch nichts dergleichen geschah und je mehr Zeit verging, umso trauriger und wortkarger wurde der junge Krieger. Er dachte an ihr kleines Mädchen und das er es vielleicht nie wieder sehen würde. Mit einem Gefühl vollkommener Leere in seinem Innern rollte er sich vor dem Feuer zusammen und starrte in die Flammen.

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Brian sah interessiert zu den unzähligen Sternen über ihnen empor. Die sich durch das gewaltige Frontglas der Panoramascheibe zeigten, vor der beide standen. “Eigenartig wie die Konstellationen von hier aus betrachtet wirken. In Detroit standen sie an völlig anderen Stellen.” Die kleine Jägerin rieb sich verblüfft die Augen und überlegte ob er sie nicht wieder veralberte. “Ma Brian, die Tanhi stehen schon immer dort, seit der Zeit der ersten Lieder. Unsere Schamanin kann dir das bestätigen, wenn du mir nicht glaubst.” Er seufzte versonnen auf. Wie sollte er ihr das auch begreiflich machen. “Von meiner Heimatwelt sieht der Himmel anders aus Fawn. Die kaum vorstellbare Entfernung zwischen unseren Welten, lässt sie an anderen Positionen erscheinen, obwohl sie das natürlich nicht sind.” “Du sprichst in Rätseln ma Brian und ich kann dir nur schwer glauben.” Fawn spielte wieder mit ihrem hübsch geflochtenen Zopf herum, was ihm zeigte, wie sehr sie gerne in diesem Augenblick seine Empfindungen in sich aufgenommen hätte. “Wir müssen zurück gehen Fawn, am besten mit Beginn der Morgendämmerung. Die Lage sollte sich etwas beruhigt haben nach dem unerwarteten Tod des jungen Ureinwohners.” Die kleine Jägerin nickte nur verstehend. “Du hast recht, ma Brian. Ich sehne mich selbst ein wenig nach meiner sa’nu und Iley zurück. Vermutlich hat Awaiei längst ihr Kind bekommen.” Brian versuchte bei der er Erwähnung des Babys in ihren Gesichtzügen zu erkennen, ob es sie noch immer unglücklich machte. Doch das Na’vi Mädchen schenkte ihm nur ein herzergreifendes Lächeln. “Was hast du ma Brian? Ist etwas mit mir?” “Nein Fawn, alles in Ordnung. Ich habe dich nur angesehen. Du bist einfach wunderschön.” “Irayo”, erwiderte sie kichernd und schlang die Arme um ihn. “Lass uns noch etwas ausruhen, ma Brian.” Sie tippte mit einer Fingerspitze auf seine Nase. “Die letzte Nacht ohne deine Maske. Wir können auch etwas anderes machen als schlafen”, kam es mit sinnlicher Stimme. “Ich bin zu allem bereit Fawn”, meinte er grinsend und ließ sich von ihr eng umschlungen zu Boden ziehen.

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Die junge Na’vi steifte ziellos durch die Nacht. Verzweiflung breitete sich in ihr aus, mit jeder Stunde die verging. An einem Bach kniete sie sich erschöpft nieder und trank etwas von dem kalten, träge vor sich hinfliegenden Wasser. Es erfrischte sie herrlich und ihre Lebensgeister kehrten langsam zurück. Ihr Baby gab meckernde Laute von sich und so nutze sie ihre kurze Rast, um es zu stillen.
Ein eigenartiges Gefühl durchströmte sie, als die winzigen Lippen des Babys sich um ihre Brustwarze schlossen und begannen daran zu saugen, doch es war ihr nicht unangenehm. Sie nahm sich fest vor, alles dafür zu tun damit sie und ihre kleine Tochter wieder sicher zum Heimatbaum zurückkehren konnten. Aufmerksam lauschte sie in die Nacht hinein doch um sie herum blieb alles ruhig und das gelegentliche Plätschern und Gluckern des Baches blieben die einzigen Geräusche. Müdigkeit erfasste die junge Frau und nachdem sie ihr Kind wieder sicher in der Trageschlaufe verstaut hatte, schloss sie erschöpft ihre hübschen gelben Augen.

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Ihr Aufenthalt hatte schließlich doch länger gedauert als beabsichtigt, ganz wie Clark es vermutet hatte. Über der nördlichen Hemisphäre des Mondes, wo sich die Basis befand, zeigte sich nur finsterste Nacht. Langsam drang das Shuttle durch die oberen Luftschichten und nahm Kurs auf einen stetig näher kommenden Fleck auf dem Ortungsgerät.
Unter dem Donnern seiner mächtigen Triebwerke setzte der schwere Transporter schließlich auf dem breiten Rollfeld zur Landung an. Der Kommandant und Teile des Bodenpersonals standen schon bereit, um Clark und seinen Erkundungstrupp in Empfang zu nehmen. Krachend fuhr die Laderampe auf und noch bevor sie zur Ruhe gekommen war, stürmte Riley schon ins Innere des Valkyrie. Ohne die Männer eines Blickes zu würdigen, begann der Kommandant die Ladung zu inspizieren. Je länger er sich damit beschäftigte umso mehr hellten sich seine Gesichtszüge auf. “Sie sehen mich hocherfreut Clark und das ist nicht einfach nur so dahergesagt.” Anerkennend klopfte er seinem Adjutanten auf die Schulter.” Riley zeigte mit der Hand auf die bis zur Decke gestapelte Ausrüstung. “Lassen Sie eine genau Bestandsaufnahme machen und erstatten mir dann umgehend Bericht.” “Sehr wohl, Sir!” Clark salutierte und gab den Befehl an seine Mannschaft weiter. Der Kommandant hatte das Shuttle schon wieder verlassen und stampfte zum nahen Befehlsstand zurück. Etwas später betrat Clark sein Büro und legte ihm die Liste vor. “Na dann wollen wir doch mal sehen, was Sie so alles organisieren konnten. Waffen, Munition, Ersatzteile… sehr schön, das wird uns einige Sorgen abnehmen und das Leben hier sichtlich erleichtern. Gute Arbeit Adjutant, Sie dürfen wegtreten.” Clark musste vor Freude innerlich grinsen, behielt dennoch seinen ernsten Gesichtsausdruck bei. Ihm kam etwas in den Sinn, was ihn schon seit ihrem Abflug von der ISV bedrückte. Der Kommandant sah von den Unterlagen auf, als er das Verharren seines Adjutanten bemerkte. “Ist noch etwas Clark?” Der junge Gruppenführer suchte nach der richtigen Formulierung. “Auf ein Wort Sir. Wir haben an Bord des ISV mehrere Leichen gefunden. Ich bitte um die Erlaubnis, sie bergen zu dürfen, um sie hier zu bestatten und ihnen die letzte Ehre zu erweisen.” Riley klatschte mit der flachen Hand auf den Tisch. “Eine wirklich vertrackte Situation finden sie nicht? Ich sollte ablehnen, immerhin wird das verdammte Schiff vermutlich bald verglühen. Doch um des lieben Friedens unter der Mannschaft Willen bekommen Sie die Genehmigung. Nein danken Sie mir nicht. Das wird uns wieder unsinnige Mengen an Treibstoff kosten. Andererseits… es lässt sich wohl nicht leugnen, dass wir die Erde niemals wieder sehen werden. Also haben auch die Valkyrie für uns jegliche Bedeutung verloren.” Clark atmete erleichtert auf. “Vielen Dank, Sir. Nebenbei bemerkt lässt sich vielleicht noch einiges bergen. Meine Gruppe war zu klein, aber mit mehr Leuten und beiden Valkyrie könnten wir… .” Riley unterbrach seine Überlegungen. “Sind Sie sicher, dass sich der ganze Aufwand lohnt? Immerhin ist laut Ihren eigenen Beschreibungen das Schiff völlig unbrauchbar geworden. Nein ich fürchte, ich muss ablehnen. Holen Sie die Besatzungsmitglieder und dann will ich nichts mehr davon hören. Ihr kleiner Ausflug hat schon alle meine Erwartungen übertroffen. Es wird Zeit, dass wir uns wieder mit den Gegebenheiten hier am Boden befassen und unsere Patrouillen ausdehnen. Wir müssen wissen, was sich um uns herum abspielt. Diese Ureinwohner sind unberechenbar.” Clark salutierte und verließ den Kommandostand. Morgen würde er das vermutlich letzte mal an Bord eines der Valkyrie gehen.

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Die beginnenden Morgendämmerung weckte Awaiei aus ihren traumlosen Schlaf. Ihr Nachtlager war schlicht gewesen, nur bestehend aus dem leuchtenden Moos das sich überall zwischen den Bäumen ausbreitete. Dennoch fühlte sich die junge Na’vi auf eine seltsame Art erholt, während sie neue Zuversicht wohltuend durchströmte. Neben ihr eingebettet in das Tuch der Trageschlaufe, lag ihr kleines Mädchen völlig ruhig, nur gelegentlich zuckten die winzigen Öhrchen ein wenig. Der Anblick zauberte jedes Mal ein Lächeln auf das Gesicht der jungen Na’vi. Ruhig um das Baby nicht zu erschrecken, trippelte sie zum nahen Bach und begann sich zu waschen. Das kalte Wasser wirkte belebend und Awaiei blickte wieder mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft. Irgendwie musste es ihr gelingen, den Weg zum Kelutral zu finden. Nachdenklich horchte sie um sich herum, doch es befand sich nichts unter den zahlreichen Geräuschen des Urwaldes was ihr einen Grund zur Besorgnis gegeben hätte. Sie rieb sich den letzten Rest Schlaf aus den Augen und kehrte zu ihrem Baby zurück. Es lag immer noch vollkommen friedlich da und so nahm sie es sanft auf, strich über die weiche gemaserte Haut und legte es dann an ihre Brust um es zu stillen. Instinktiv begann das Kind an ihrer Brust zu nuckeln, während Awaiei ihm liebevoll dabei ins Ohr flüsterte. Auch ihr eigener Magen machte sich nun unangenehm bemerkbar und so erhob sich die junge Frau und sah sich neugierig suchend um. Die reichhaltige Flora Pandoras bescherte ihr alsbald einige Früchte, die nicht weit vom Bach an einem dichten Busch hingen. Hungrig pflückte sie ein paar der schillernden Gebilde und biss herzhaft hinein. Klebrig rann der Fruchtsaft über ihr Kinn und die Finger. Awaiei stillte ihre bohrendes Hungergefühl und leckte sich zufrieden die  Mundwinkel sauber. Derart gestärkt bereitete sich die junge Na’vi zum Aufbruch vor. Einen Moment betrachtete sie nachdenklich den Himmel, doch der Stand der Sonnen und das vor ihr aufragende Dach des Urwaldes gaben ihr keinen Hinweis auf ihre jetzige Position. Sie durfte sich nicht zu lange aufhalten, wollte sie nicht noch eine Nacht ungeschützt mit ihrem Baby im Urwald verbringen. Im Gegensatz zu ihren ersten Befürchtungen, war sie auf keine weiteren Wolfsrudel mehr aufmerksam geworden. Die junge Na’vi nahm das als gutes Zeichen, dass Eywa ihr vielleicht sogar wohl gesonnen war.
Von neuem Tatendrang erfüllt, begann sie sich ihren Weg durch den Dschungel zu bahnen.

******

Sicher verankert ruhte das mächtige Valkyrie neben der “Maleficent”. Clark beobachtete angestrengt die Bergungsarbeiten. Immer mehr tote Besatzungsmitglieder oder was von ihnen übrig geblieben war, wurden in Leichensäcke gepackt und im Lageraum des Shuttles aufgebahrt. Für die Männer war es ein bedrückendes Gefühl zusehen, wie viele ihrer ehemaligen Kameraden es nicht geschafft hatten. Für den letzten Flug zum ISV hatte der Adjutant eine größere Mannschaft ausgewählt, um das riesige Schiff schneller durchkämmen zu können. Je länger er durch die Scheibe auf die “Maleficent” neben ihnen starrte, umso mehr kam ihm eine wage Idee. Er winkte einen der Techniker heran. “Kommen Sie mal her Johnson und Sie auch.” Damit deutete er auf Lorn, der gerade dabei war, eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Trotz der Beschädigungen an Bord des Schiffes, hatte sich noch einiges nützliches im Hangar angesammelt. Zumeist kleinere Ausrüstungsgegenstände, Schutzanzüge und Konserven, denen sie bei ihrem ersten Rundgang nur wenig Beachtung geschenkt hatten. “Wie mir mitgeteilt wurde, ist der Weg zum Antrieb frei geräumt. Schauen Sie nach, ob wir ihn wieder aktivieren können.” Johnson kratzte sich überrascht. “Was haben Sie vor Sir?” “Nun die Brücke ist zerstört und die Leitungen zum Maschinenraum unterbrochen. Aber wenn es Ihnen gelingen würde, sie zu reparieren und in Betrieb zu nehmen... Ich denke da an eine Art … Fernsteuerung.” Er ließ den Rest offen, aber die verblüfften Gesichter zeigten ihm, dass sie verstanden hatten. Eine Weile später meldete sich Johnson über Helmfunk. Der Adjutant war gerade dabei, sich mit der Basis in Verbindung zu setzten um seinem Kommandanten Bericht zu erstatten. “Was gibt es denn Johnson? Ich hoffe, Sie haben gute Neuigkeiten”, rief Clark genervt in den kleinen Empfänger, der zugleich als Sender fungierte. “Wir brauchen noch etwas Zeit Sir. Ich kann den Antrieb dann direkt von hier aus starten. Wir beginnen gerade damit, die Triebwerke einem Test zu unterziehen.” Sein Vorgesetzter zuckte entsetzt zusammen und schrie fast über seinen Helmfunk zurück, so das sich der Techniker gezwungen sah die Lautstärke zu regulieren. “Nein Johnson sind Sie wahnsinnig geworden? Ich verbiete Ihnen das zu tun. Wir sind noch gedockt.“ Er hörte das Toben seines Vorgesetzten und schnitt eine Grimasse. “Clark benimmt sich wieder wie ein Mädchen, dass sich sein Höschen nass gemacht hat. Möchte wissen, wie so ein Emporkömmling es bis zum Adjutanten schaffen konnte.” Lorn kicherte. “Vermutlich steckt er mit dem Kopf in Rileys Hintern.” Er schaltete die Übertragung wieder frei und antwortete seinem heftig atmenden Gesprächspartner. “Hören Sie Sir. Ich habe während meiner Zeit auf der Akademie ein Semester in Antriebstechnik belegt. Ich versichere Ihnen, dass überhaupt nichts passieren kann. Es ist wirklich nur ein kleiner Probelauf.” Gelassen tippte er den Code für die Triebwerkszündung in das tragbare Terminal und bestätigte die Startsequenz. Mit dämonisch leuchtenden Ziffern begann die Zeit herunter zulaufen. “Ich habe eine Testsequenz initiiert Sir. Nach erfolgreichen Ablauf melde ich mich wieder.” Gelassen sah Johnson zu seinem Begleiter. “In wenigen Augenblicken werden wir sehen… .“ Lorn erfuhr nie was Johnson ihm sagen wollte, denn im selben Moment zeigte die Uhr den Ablauf der Frist an und mit einem Wummern das sich zu einem infernalischen Tosen entwickelte, sprangen die Triebwerke der ISV Maleficent an. Clark keifte an Bord des Shuttles weiter, jetzt völlig außer sich vor Wut. “Pilot sofort abdocken, das ist ein Befehl!” Ausdruckslos und mit völliger Gelassenheit, ließ der Pilot die Schleuse zu gleiten.
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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #3 on: August 08, 2012, 02:05:22 pm »
Im nächsten Moment fuhr ein Ruck durch das Raumfahrzeug, als die mächtigen Andockklammern das Gefährt für Rileys Begriffe viel zu langsam freigaben. Völlig lautlos schwebte das Valkyrie durch den Raum und entfernte sich von dem ISV, während die kraftvollen Schubdüsen in Betrieb traten.
Im Innern des Transporters stampfte Clark nervös mit dem Fuß auf. Ein grünes Licht zeigte ihm an, dass die Verbindung zum Mond hergestellt war. Er wollte gerade damit beginnen, seinen Bericht abzusetzen, als ein gewaltiger Lichtblitz neben dem Shuttle die Finsternis des Raumes zerriss und ihn geblendet die Augen schließen ließ. Der Pilot gab mit schweißnassen Gesicht sein bestes um das Gefährt aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich zu bringen, als hinter dem Transporter eine künstlich geschaffene Hölle losbrach.
Das Valkyrie wurde von den äußersten Ausläufern der Stoßfront erfasst. Von einer unsichtbaren Faust gepackt, bäumte sich das Gefährt auf und beschleunigte auf wahnsinnige Werte. Die ISV Maleficent verglühte in einer gleißenden Lichterscheinung, während das Shuttle es nur knapp schaffte, der drohenden Vernichtung zu entgehen und dem nahen Mond entgegen raste.

******

Awaiei sah sich gehetzt um. Stimmen drangen an ihre spitzen Ohren, Laute die ihr fremd und auf eine seltsame Weise auch wieder vertraut waren. Es schienen viele zu sein, denn die Schritte und abwechselnden Rufe kamen aus verschiedenen Richtungen und machten ihr eine genaue Bestimmung unmöglich. Ihr Kind spürte die Anspannung unter der sie stand und begann zu wimmern. Entsetzt sah Awaiei zu dem kleinen Bündel in der Trageschlaufe. “Fnu ma ‘evi.” Doch ihre Worte zeigten keine Wirkung und nun fing das Kind mit aller Kraft laut an zu schreien und zog damit unerwünschte Aufmerksamkeit auf sie. Die junge Na’vi hörte, wie die Stimmen verstummten und einen Moment blieb es totenstill, nur unterbrochen von den klagenden Lauten des Babys. Dann hörte sie Schreie und im nächsten Moment drang das Brechen von Ästen aus verschiedenen Richtungen an ihre empfindlichen Ohren. Awaiei konnte nicht erkennen, von wo sich ihre Verfolger näherten und entschied sich, die Flucht nach vorne anzutreten. Eine Hand um die Trageschlaufe gelegt um das Baby bei einem Sturz zu schützen, hechtete sie so schnell es der Untergrund zuließ durch das Dickicht. Ihre ganze Hoffnung beruhte darauf, dass die Himmelsmenschen sich in für sie völlig unbekannten Gelände bewegten und sie ihnen so entkommen konnte. Auch wenn sie jegliche Orientierung verloren hatte, war ihr der Urwald vertrauter, als er es einem Tawtute jemals sein konnte. Ein Schuss peitschte seitlich von ihr und das nahe Brechen von Blattwerk ließ ihr Herz rasen. Was immer sie einzukreisen versuchte, war schon sehr dicht herangekommen. Sie blickte sich gehetzt um und machte einige weitere Schritte, weg von den Schüssen. Plötzlich hielt sie in der Bewegung inne und erstarrte, wobei sich ihre Hände angstvoll um das kleine Bündel an ihrem Bauch schlossen, das sich einfach nicht mehr beruhigen lassen wollte. Vor ihr standen mehrere Himmelsmenschen, die Läufe ihrer Waffen auf die junge Mutter gerichtet und blickten sie ebenso überrascht und verwundert an. Awaiei traute sich nicht, irgendeine Bewegung zu machen um die Soldaten vor ihr vielleicht zu einer unbedachten Handlung zu verleiten. Die Geschöpfe waren zwar klein und wirkten wie Kinder auf sie, dennoch wusste sie gut genug Bescheid über die tödliche Wirkung ihrer Waffen. An ihren Gesichtern erkannte sie, dass die Himmelsmenschen wohl ebenso erschreckt wie erstaunt waren wie sie selbst. Vermutlich war es reines Unglück gewesen, dass sie der Gruppe über den Weg gelaufen war. Gleichsam kam in ihr das Gefühl großer Sorge auf, als sie an ihre Brüder und Schwestern denken musste und wie weit die Tawtute mittlerweile schon vorgedrungen waren. Nur würde sie vermutlich keine Gelegenheit mehr bekommen sie zu warnen. Ihre Angst und der Überlebenswille rangen einen harten Kampf in ihrem Innern. Die Na’vi war mehrmals versucht einfach loszustürmen, in der Hoffnung ihnen zu entkommen, doch ihre lähmende Furcht bannte sie auf den Fleck. Immer mehr Himmelsmenschen tauchten auf und schlossen sie kreisförmig ein. Einer der Soldaten drückte ihr den Lauf seiner Waffe in Hüfte und drängte sie sich zu bewegen. Vor ihr bahnte sich eine Gasse und so fügte sich die Frau in ihr Schicksal und ging in die angewiesene Richtung. Die Soldaten lachten und redeten wild durcheinander. Awaiei verstand fast nichts davon, dafür sprachen sie viel zu schnell durcheinander. Nur das sie sich freuten, sie gefangen zu haben, wurde ihr schmerzlich bewusst und sie schalt sich eine Närrin für ihre eigene Dummheit. Es folgte ein stundenlanger Marsch durch den Dschungel, bis die Wand des Urwalds zurück wich und zahlreiche glitzernde Gebäude im hellen Sonnenlicht sichtbar wurden. Überrascht rieb sich die junge Na’vi über ihre Augen. Das war nicht das Lager das sie kannte. Dieses hier war bedeutend größer und zum ersten mal wurde ihr bewusst, wie weit sie von ihrem vertrauten Kelutral entfernt sein musste. Lautlos begann Awaiei zu Eywa zu beten, während der Trupp weiter auf die gewaltige Basis zuschritt.

******

Brian schwitzte im Licht der hoch am Himmel stehenden Sonnen. Seine Maske klebte beinahe auf seinem Gesicht und trotz der Filter hatte er das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Auch wenn er es vermisste, ohne Schutzmaske atmen zu können, etwas das ihm in der Basis vieles erleichtert hatte, freute er sich darauf, zum Lager der Ureinwohner zurückzukehren, um Iley und all die anderen wieder zusehen. Der Söldner wertete das als gutes Zeichen und seine Mundwinkel verzogen sich belustigt. Vor ihm bewegte sich Fawn trotz ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit voller Anmut. Obwohl er nun so lange mit der kleinen Jägerin zusammen war, konnte er sich einfach nicht an ihrem Anblick satt sehen. Ihr blau gemaserter Rücken und das hin und her schwenken des hübschen Schwanzes faszinierten ihn immer noch wie am ersten Tag, als er ihr begegnete. Die Nacht rasteten sie an einem der zahlreichen kleinen Bäche, die sich wie Adern durch den Urwald zogen und erreichten schließlich am nächsten Vormittag den nun herbeigesehnten Heimatbaum. Im Lager herrschte bei ihrem Eintreffen eine spürbare Unruhe und als Brian auf Iley traf, wusste er das etwas vorgefallen sein musste. Der sonst so vor Tatkraft strotzende Krieger machte auf den Söldner einen völlig apathischen Eindruck und selbst die Gegenwart von Fawn vermochte ihn nicht aufzumuntern. Brian bemerkte diese Tatsache mit großer Sorge. “Ma Iley, was ist geschehen? Wo sind Awaiei und das Kind?” Fawn kniete vor dem kleinen Feuer und sah ihrem Bruder fest in die Augen. “Sie ist nicht zurückgekommen. Nur ihre Begleiterinnen.” Iley starrte zu Boden und schwieg. “Wovon redest du nur, ma Iley?” Fawn sprang auf und packte ihren smukan völlig fassungslos. Fest hielt sie sein Gesicht mit beiden Händen gepackt, so dass der Krieger nicht anders konnte als sie anzusehen. “Sie hat einen Ausritt auf ihrem Pferd unternommen, zusammen mit ihren Begleiterinnen. Ich habe sie schon gesucht und fand die Spuren, aber dann verliert sich ihre Fährte im Wald.” Er legte ihr eine Hand auf die schmale Schulter. “Ich brauche deine Hilfe, ma Fawn. Nur du allein kannst sie noch finden.” Fawn nickte ihm zu und schlang die Arme um ihren Bruder. “Das werden wir ma Iley, mach dir keine Sorgen. Aber wir werden etwas Zeit benötigen. Was sagt der Olo’ eyktan dazu?” Der Krieger machte eine abwägende Geste mit seiner Hand. “Er kann mir nicht helfen und meint, das ihr Schicksal nun in Eywas Händen liegt. Vermutlich sei sie aber schon längst tot. Ein Opfer der Nantangs oder anderer Tiere geworden, sonst wäre sie zum Lager zurück gekehrt. Er verurteilt ihr Verhalten, dass sie nicht bei den anderen Frauen blieb.” “Nun so ganz unberechtigt ist das auch nicht”, meinte der Söldner, was ihm einen missbilligenden Blick von Fawn einbrachte. “Möchtest du uns begleiten Iley?” Brian hatte mehr aus Höflichkeit gefragt und nicht damit gerechnet, dass der junge Krieger sofort zusagte. “Srane ma Brian, ich reite mit euch.” Sein Blick fiel auf Fawn. “Es macht euch nichts aus? Du wirkst etwas erschöpft. Vielleicht möchtest du eine Weile ausruhen, ma Fawn.” Das Na’vi Mädchen fühlte sich tatsächlich wie gerädert ließ sich aber davon nichts anmerken. “Tam tam, ma Iley wir schaffen das schon.” Sie zeigte auf die grasenden Pa’li außerhalb des Kelutral. “Wir holen Nahrung und Wasser für die Suche. Du besorgst die Pferde ma Iley, dann sind wir schneller.” Er nickte zustimmend und ein Hauch von Zuversicht erschien in seinen großen Augen. Im nächsten Moment war der Ureinwohner verschwunden. Brian schluckte einen Klumpen herunter. Die Vorstellung wieder auf dem schwankenden Rücken eines Pferdes sitzen zu müssen, erfüllte in nicht mit Begeisterung. Dazu kam die gewaltige Höhe, welche seinen Magen aufgrund seiner Angst schon allein bei der Vorstellung daran in Aufruhr geraten ließ. “Müssen wir die Pferde nehmen Fawn?” Er füllte die Feldflaschen mit dem kalten Wasser aus dem Fluss und befestigte sie sorgsam an seinem Gürtel. “Ma Brian, du musst uns nicht begleiten. Iley und ich werden sie finden, wenn Eywa uns wohl gesonnen ist.” Der Söldner schüttelte den Kopf. “Ich lasse dich nicht allein Fawn. Außerdem könnt ihr vielleicht etwas Hilfe gebrauchen.” Brian tippte auf den Lauf seiner Waffe. “Ich hoffe du hast Unrecht ma Brian.” Er seufzte auf und folgte dem Na’vi Mädchen zum mit Iley verabredeten Treffpunkt etwas außerhalb des Lagers. “Das hoffe ich auch Fawn.”

Nachdenklich starrte Brian in Richtung des großen Versammlungsplatzes, der aber aus dieser Entfernung nur schwer einsehbar war. Gelegentlich gingen Ureinwohner vorbei, zumeist beladen mit Körben, aus denen Früchte und Gemüse hervorschauten. In der Nähe tollte eine Gruppe kleiner Na’vi ausgelassen herum und ihre Schreie übertönten selbst die Geräusche des Urwalds. “Wo bleibt dein Bruder denn Fawn? Er müsste längst hier sein.” Das Na’vi Mädchen trat unruhig auf ihren Füßen umher. “Ich weiß nicht ma Brian. Vielleicht sucht er ein besonders ruhiges Pa’li für uns beide aus.” Die Anspielung auf seine Angst vor den gewaltigen Pferden war unüberhörbar. “Du kleines Biest!” Er knuffte sie verspielt, was einen überraschten Aufschrei zur Folge hatte. Ein Knacken zwischen den Bäumen unterbrach ihr neckisches Treiben und im selben Augenblick traten Iley, Ayur und ein paar Jäger mit ihren Pferden hervor. “Ma Ayur, oel ngati kameie.” Fawn legte eine Hand an ihre Stirn zur Begrüßung und Brian folgte ihren Beispiel. Wenn Iley sie mit dem Erscheinen Ayurs überraschen wollte, so war ihm dieses gelungen.

******

Sie hatten in raschem Galopp die Entfernung zum letzten bekannten Aufenthaltsort zurückgelegt. Brian verfluchte innerlich das Pferd unzählige male und das Gefühl, sein Mageninhalt dränge nach außen wollte einfach nicht weichen. Fawn erstaunt darüber, dass Ayur sich ihnen angeschlossen hatte, sagte nichts weiter dazu und begann nach ihrer Ankunft auf der Lichtung nach verwertbaren Spuren der jungen Frau Ausschau zu halten. Nach einer Weile in der sie im dichten Gebüsch verschwunden war, kehrte sie schließlich lächelnd zurück. “Sie ist dort entlang geritten, ma Iley.” Sie blickte zu ihrem Bruder auf. “Das verstehe ich nicht. Der Heimatbaum liegt doch in der anderen Richtung. Bist du dir sicher, dass es so ist Fawn?” “Ich weiß was ich tue ma Iley.” Ihre Stimme nahm den Brian bestens vertrauten bockigen Klang an, wenn ihr etwas deutlich missfiel. Abwehrend erhob Iley seine Hände. “Gut gut… ich glaube dir ma smuke. Was meinst du wie alt die Fährte ist? Hat sie einen großen Vorsprung? Vielleicht ist Awaiei hier ganz in der Nähe.” Es fiel dem Krieger sichtlich schwer sich zu beherrschen und seine Aufregung unter Kontrolle zu bringen. “Kehe ma Iley. Sie ist mit ihrem Pa’li aufgebrochen, aber die Spur ist älter. Ich fürchte wenn sie auf dem Weg geblieben ist, wird es nicht einfach werden sie einzuholen.” Brian hatte dem Wortwechsel zusammen mit den anderen bisher nur regungslos gelauscht, bis ihm etwas aufgefallen war. Er holte sein Chronometer hervor und verglich die Anzeige darauf mit seinen Erinnerungen und der von Fawn angegebenen Richtung. So sehr er auch überlegte , er kam immer wieder zu dem selben Schluss. Es passte einfach alles. Nachdenklich betrachtete er den Himmel über ihnen. Es sah schon wieder nach Regen aus. “Wir sollten uns eine Weile hier ausruhen, schon um die Pferde zu schonen. Ich denke, ich weiß, wo wir Awaiei finden können.” Alle Augen richteten sich auf ihn und Iley sprang fast an ihn heran. “Wo ma Brian? Was sagt dir dein seltsames Gerät?” Fawn legte die Hand auf das Chronometer und ließ ihre Finger darüber streichen, so als ob es ihr helfen würde die Funktionsweise zu verstehen. “. Erinnerst du dich noch an die unheimlich leuchtende Erscheinung am Himmel? Ich bin mittlerweile der Auffassung, dass es ein Raumschiff war. Nur war ich mir bisher nicht sicher, wo sie gelandet sind.” Ayur hockte sich neben ihn. “Es ist schwer deinen Worten zu folgen Himmelsmensch. Wo sollen wir Awaiei suchen?” Brian spürte die ersten Regentropfen auf seinen Händen und steckte das empfindliche Gerät wieder in die Tasche zurück. “Es ergibt alles einen Sinn. Die Wölfe, die sich damals wie hysterisch gebärdeten. Wir wussten nicht, was sie aufscheuchte und so angriffslustig machte. Es muss das Raumschiff gewesen sein. Sie haben die drohende Gefahr, die davon ausgeht, instinktiv gespürt. Auf der Erde verhalten sich unsere Tiere ähnlich, wenn sie großes Unheil wittern.” “Du meinst, Eywa wollte uns damit ein Zeichen geben ma Brian?” “Srane Fawn. Ich denke, das trifft es ungefähr. Irgendetwas muss an Bord vorgefallen sein, deshalb der leuchtende Feuerball am Nachthimmel. Vielleicht eine Explosion oder etwas anderes. Die Punkte waren keine Trümmer, sondern die Shuttles.” Iley hielt es nicht mehr aus und packte den Söldner unerwartet hart. “Wo ma Brian… wo kann ich meine muntxate finden? Sag es mir endlich, rutxe.” “In der Basis der Tawtute ma Iley. Du findest deine Frau in Hells Gate.”

******

Verzweifelt blickte die junge Na’vi zwischen den Holzlatten ihres Gefängnisses hindurch. In Sichtweite zum Greifen nah, lag der ihr so vertraute Urwald. Ihre Augen richteten sich wehmütig auf das Stück des Nachthimmels das Awaiei von ihrer Position aus sehen konnte. Winzigen Punkten gleich funkelten die Sterne auf sie herab, genauso unerreichbar wie der Dschungel. Tränen traten in ihre großen Hilfe suchenden Augen und rannen die Wangen hinunter. Still und leise begann Awaiei zu weinen, immer von der Furcht beseelt, ihr Kind damit aufzuwecken oder gar zu ängstigen. In ihren Träumen hatte sie ihr Schicksal vorhergesehen, hatte sie Eywa vielleicht sogar gewarnt. Wieder befand sich die junge schüchterne Na’vi in Gefangenschaft, nur diesmal würde sie niemand retten. Zitternd zog sich das schmächtige Wesen in den hintersten Winkel des kleinen Verschlags zurück. In der ersten Zeit hatte sie an Flucht gedacht, doch schon bald erschreckt festgestellt, dass die Himmelsmenschen wohl für die Ewigkeit gebaut hatten. Es gelang ihr einfach nicht, auch nur einen der zusammengesetzten Balken zu lösen. Bald schon hatte sie ihre sinnlosen Versuche erschöpft aufgegeben. Sie musste ihre Kräfte schonen, brauchte sie für ihr kleines Kind, das ruhig in dem Tragegurt um ihren Bauch schlief. Verstört strich Awaiei mit einem Finger über die Nase des Babys. “Tam…”, sagte sie mit brüchiger Stimme. Es fiel ihr schwer die Tränen zu unterdrücken und sich nicht völlig von ihrer Traurigkeit überwältigen zu lassen. Die junge Na’vi empfand ihre Umgebung als schrecklich. Hier gab es nichts was sie auch nur im Entferntesten an Zuhause erinnerte. Schmerzlich vermisste sie ihre Brüder und Schwestern. Ein Name schoss in ihren Kopf, verdrängte alles andere… Iley. Die Erinnerung an ihren muntxatu trieb ihr erneut die Tränen ins Gesicht. Diesmal gab es für das empfindsame Geschöpf kein halten mehr. Ein fast unwirklicher Schrei aus purer Verzweiflung und abgrundtiefem Schmerz kam über ihre Lippen. Awaiei schloss stöhnend die Augen, versuchte ihre Atmung zu regulieren, während ihr Herz in der Brust raste. Das Kind schlug die Augen auf und begann im gleichen Moment ein leichtes Wimmern von sich zu geben. Vom Weinen des Babys aus ihrer Hilflosigkeit gerissen, nahm sie es mit zittrigen Händen aus der Trage. Die Na’vi zwang sich ruhiger zu werden und legte das nun schreiende Kind an eine ihrer Brüste, um es zu stillen. Insgeheim hoffte Awaiei, dass sie noch genug Nahrung für  ihr Baby hatte. Ihr eigener Bauch schmerzte schon seit Stunden unerträglich, ebenso wie sich ihr Mund vollkommen spröde und ausgetrocknet anfühlte.

Sie wusste nicht, wie lange sie schon nichts mehr gegessen oder das letzte mal einen Schluck Wasser zu sich genommen hatte. Derart abgeschirmt von ihrer vertrauten Umgebung verlor die junge Frau jegliches Zeitgefühl. Ein furchtbarer Gedanke bohrte sich tief in ihr Gehirn, wollte sie nicht mehr loslassen. Vielleicht dachten die Himmelsmenschen gar nicht daran, sie weiterleben zu lassen oder hatten sie vergessen. Awaiei konnte sich nicht erklären, das seit ihrer Gefangennahme am Vortag niemand mehr nach ihr gesehen hatte. Noch mehr Sorgen als um sich selbst machte sich die junge Na’vi um ihr kleines Kind. Die Vorstellung, dass sie beide in einer Falle saßen, war für sie unerträglich und immer wieder suchte sie verzweifelt nach einem Ausweg, doch wollte ihr einfach keiner einfallen. Sie versuchte, Ruhe auszustrahlen, als sie mit einer Hand sanft über den Kopf des Kindes strich. Stimmen… fremdartige Laute, die sie kaum verstand. Sie bemerkte Schatten, die an der Vorderseite des Gefängnisses vorübergingen. Awaiei nahm ihren ganzen Mut zusammen und streckte ihre Finger durch eine Lücke des Verschlags, die gerade groß genug war. Die Na’vi hoffte in ihrer Verzweiflung, so jemand auf sich aufmerksam zu machen. “Rutxe… .”, rief sie flehentlich.

Soldat Branigan kam am Verschlag vorbei und bemerkte die bittende Stimme. Neugierig geworden sah er sich um, ob ihn jemand beobachtete und trat dann ganz nahe heran. Blaugemaserte Finger, deutlich größer als seiner, bewegten sich zwischen den Ritzen der eng zusammen stehenden Planken. “Kann ich dir helfen? Was willst du?” Er wusste nicht, ob die Gefangene ihn überhaupt verstand, irgend etwas in seinem Innern aber drängte ihn, dem Wesen darin Hilfe anzubieten. “Wasser rutxe… Wasser.” “Du sprichst ja unsere Sprache.” Er blickte sich wieder um und fühlte sich mit einen mal sehr unwohl in seiner Haut. “Wer immer du bist, ich werde versuchen dir zu helfen.” Von drinnen erklang wieder die flehentliche Stimme. “Wasser.” Dann wurden die Finger zurückgezogen. Aufgewühlt ging der Soldat zum nahen Lagerfeuer an dem einige Soldaten des Bodenpersonals saßen und sich lautstark miteinander unterhielten.

“Was tun die da eigentlich”, wollte Branigan wissen. “Na was schon, sie kochen sie weich.” Der angesprochene Soldat blickte zu dem provisorischen Gefängnis herüber. “Ich sehe darin keinen Sinn. Wir wissen so wenig über ihre Lebensweise. Was ist, wenn sie vorher stirbt?” Johnson, einer der Techniker des Bodenpersonals sah ihn misstrauisch an. “Glaubst du wirklich, das interessiert den Kommandanten? Dann sucht er sich halt jemand anderen. Warum machst du dir überhaupt so viele Gedanken? Der Oberst braucht sie, um mit den Ureinwohnern zu verhandeln. Dazu muss er erst ihren Willen brechen. Einfach hingehen und mit ihnen reden scheidet aus, da sie den Boten garantiert töten würden, nach allem was zwischen unseren Rassen vorgefallen ist. Aber auf lange Sicht werden wir nicht auf eine gewisse Verständigung miteinander verzichten können, wenn wir hier eine Zukunft haben wollen.” Branigan schüttelte verwundert seinen Kopf. “Das ist der falsche Weg und ich kann so ein Verhalten nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Die Ureinwohner werden sich dafür ganz sicher versuchen zu rächen.” Der Soldat betrachtete Branigan nachdenklich. “Du redest zuviel und irgendwann verbrennst du dir noch mal das Maul. Mein Wort darauf! Wenn du soviel Mitgefühl mit diesen Wilden hast, warum bist du dann hier und hast nicht die Rebellen unterstützt?” Branigan zuckte mit den Schultern und ließ den Techniker ohne Erwiderung am Feuer zurück.

Soldat Branigan reichte dem Wachhabenden die vereinbarte Summe. Ein gieriges Leuchten trat in seine Augen, als er den Sold in Empfang nahm, doch im nächsten Augenblick hielt er den Kadett zurück. “Was ist denn noch? Du hast dein verdammtes Geld, nun lass mich zu ihr.” Die Wache sah ihn mit misstrauischen Blicken an.
“Ich sagte: nur das Wasser, kapiert?” Branigan blickte die Wache überlegend an. “Ach komm schon. Sie hat ein Baby bei sich und kann die Sachen sicher gut gebrauchen.“ Der Sergeant sah auf die Tücher. “Sicher kann sie das. Vielleicht möchtest du ihr auch gleich noch die Schlüssel für die Tür überreichen. Aber damit du nicht denkst ich wäre undankbar, du bekommst 20 Minuten Zeit. Hoffe, du hast deinen Spaß.” Ein widerliches Lachen ertönte und der Wachhabende steckte die Scheine ein. Während sich die Tür hinter ihm schloss, rief der Soldat nur “Dreckskerl.”
Vorsichtig sah er sich in dem Raum um. Seine Augen mussten sich erst an die nahezu völlige Finsternis, die hier drinnen herrschte, gewöhnen. Nur äußerst spärlich drang das Licht des Nachthimmels durch die kleinen Ritzen im Verschlag.
Vor sich in einer Ecke bemerkte er eine hastige Bewegung und sah, wie sich etwas vor ihm zusammenkauerte. Immer deutlicher formten sich die Umrisse ab, bis sich seine Augen auf das spärliche Licht eingestellt hatten. Angstvoll hockte das große blau gemaserte Geschöpf an die rückwärtige Wand gelehnt. Er hörte ihre heftige Atmung, sah das Kind, wie es sich an seine Mutter klammerte, während ihre Hände es sanft umschlossen. “Ke… rutxe… ke.” Awaiei flehte die Gestalt vor ihr an. Sie hatte versucht, etwas zu schlafen und die Augen halb geschlossen gehabt, bis sie bemerkte, dass jemand den Verschlag betreten hatte. Die Na’vi wurde von panischer Angst erfasst. Würden die Himmelsmenschen sie nun holen? Vielleicht wieder in einen merkwürdigen Raum schleppen um ihr neue Qualen zu bereiten? Awaiei erinnerte sich schmerzlich, was für unbeschreibliche Dinge die Tawtute mit ihr angestellt hatten. Die Vorstellung daran lähmte das Mädchen und sie hatte das Gefühl, ersticken zu müssen. Dicke Tränen tropften ihre Wangen hinunter und ungewollt fest hielt sie das Baby dicht an ihren hageren Körper gepresst. Branigan ging vorsichtig auf das fremdartige Wesen zu, stellte den Behälter mit dem Wasser ab und legte die Tücher daneben. Einer instinktiven Eingebung folgend, zog er sich wieder von der lauernden Na’vi zurück, soweit es der Platz zuließ . Awaiei sah den Tawtute mit völlig verstörten Blick an. Sie erwartete jeden Augenblick, dass weitere Himmelsmenschen hinein kommen würden, um sie aus dem Verschlag zu zerren, doch nichts dergleichen geschah. Langsam beruhigte sich die junge Na’vi wieder und warf einen Blick auf die vor ihr abgestellten Sachen. Der Soldat hielt weiter Abstand und rührte sich nicht, aber Awaiei konnte im Dämmerschein seine Blicke spüren. Vorsichtig tauchte sie einen Finger in die Flüssigkeit und leckte daran. Wasser… kaltes klares Wasser, stellte sie erleichtert fest.
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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #4 on: August 08, 2012, 02:06:55 pm »
Vorsichtig probierte sie wieder etwas davon, wobei sie den Soldat nicht aus den Augen ließ. “Du kannst es trinken. Es ist nicht vergiftet.” Branigan hoffte, dass sie ihn vielleicht verstand. Awaiei lauschte seinen Worten, wobei sie versuchte, ihnen einen Sinn zu geben. Oft hatte sie dabei gesessen, wenn ihr muntxatu Brian unterrichtete und diese Lektionen in beiden Sprachen kamen ihr jetzt zu Hilfe. “Irayo” erwiderte sie zögernd und als sie seinen Gesichtsausdruck bemerkte, “…ich danke dir.” Sie schöpfte mit beiden Händen Wasser aus dem Behälter und ließ es ihre ausgetrocknete Kehle hinunter rinnen. Nun völlig sicher, dass der Soldat nichts böses vorhatte, befeuchtete sie sanft die Lippen ihres Babys mit der belebenden Flüssigkeit.
Mit geschlossenen Augen begann das kleine Mädchen an ihrem Finger zu lecken und so gab Awaiei ihm mehr zu trinken.
Der Himmelsmensch hielt weiterhin Abstand, wofür sie ihm dankbar war. Sie nahm einige der Tücher auf und untersuchte neugierig geworden den ungewohnten Stoff. Das Material fühlte sich angenehm weich an. Geschickt formte die junge Na’vi daraus eine neue saubere Trageschlaufe für ihr Baby. Vorsichtig legte sie es darin ab, bevor sie den deutlich verdreckten Gurt achtlos in eine Ecke warf. Erneut bemerkte sie seine aufmerksamen Blicke und Schamgefühl erfasste das Mädchen. Sie fühlte sich schmutzig und gerne hätte sie sich gewaschen und andere Dinge getan. Die gesamte Situation erniedrigte sie, was sich in ihrer verzweifelten Stimmung niederschlug.
“Kannst du mich freilassen? Bitte!” In ihren Worten schwang Traurigkeit. Dennoch schaffte Awaiei das Kunststück, nicht hemmungslos vor dem Himmelsmensch zu weinen. Der Soldat machte unsicher ein paar Schritte auf sie zu. “Ich kann dich nicht gehen lassen, so sehr ich das auch möchte. Aber ich kann dir meine Hilfe anbieten, dir Sachen bringen wenn du etwas benötigst.”
Branigan wartete ab, ob sie alles richtig verstanden hatte.
“Mein Baby hat Hunger… und ich auch“, sagte sie und führte eine Hand zum Mund um es ihm besser verständlich zu machen.
Er zweifelte daran, ob es etwas im Lager gab, was eine Na’vi unter Nahrung verstand. “Ich werde sehen, was sich machen lässt.” Er wollte sich abwenden und gehen, da die Zeit, die ihm die Wache zugestanden hatte, langsam ablief. Awaiei zwang sich zum äußersten und ergriff ihn an der Schulter. “Lass mich frei… oder bring mir einen Dolch”, fügte sie verzweifelt hinzu.
Ihm war sofort klar, was sie damit meinte und der Gedanke ließ ihn erschauern. “Das… kann ich nicht.” Ohne ein weiteres Wort, verließ der Soldat ihr Gefängnis. Eine Weile starrte sie teilnahmslos auf die geschlossene Tür, dann richtete sie ihren Blick wieder durch die schmalen Ritzen des Verschlags. “Iley… ma Iley, wo bist du… ich brauche deine Hilfe. Lass mich nicht allein…”, flüsterte sie mit dünner Stimme.

******

Kommandant Riley hatte die Meldung über die Gefangennahme der Na’vi mit Verzückung entgegen genommen. Im ersten Augenblick hatte er befürchtet, dass sich weitere Ureinwohner in ihrer Nähe befinden würden, vielleicht sogar ein Kriegszug. Denn es erschien ihm seltsam, dass eine junge Na’vi allein mit ihrem Kind durch den Urwald zog. Die entgegensetzten Meldungen des Trupps ließen ihn dann zu der Vermutung kommen, dass ihnen wohl ein ziemlich blödes und einfältiges Exemplar dieser Gattung direkt in die Arme gelaufen war.
“Es stimmt wohl wirklich, was die Ureinwohner immer sagen. Eywa lächelt uns diesmal zu.” Der Kommandant grinste beinahe schon höhnisch über das ganze Gesicht. “Nein mein lieber Clark, viel besser. Sie packt uns an den Backen und küsst uns den Arsch.” Sein Adjutant blickte zum nahen Verschlag rüber. “Was sollen wir nun mit ihr anfangen? Wird das nicht Angriffe der Ureinwohner nach sich ziehen, wenn sie ihr Verschwinden bemerken?” Kommandant Riley wirkte belustigt über die einfachen Gedankengänge seines Untergebenen. “Nicht unbedingt. Im Urwald lauern zahlreiche Gefahren und viele der Na’vi werden ein Opfer der Wildnis. Selbst wenn sie darauf kommen, das wir dahinter stecken könnten, was sollten sie schon gegen unseren Stützpunkt ausrichten?” “Vermutlich nichts Sir”, sagte Clark frustriert. Der Kommandant hatte wie immer recht. “Aber um ihre Frage zu beantworten. Wir werden sie gefügig machen. Gefangenschaft vermag jedes Wesen zu brechen und für diese Na’vi muss es die Hölle sein, wenn man sie einsperrt. Sobald die Frau bereit ist zu kooperieren, werden wir unsere Bedingungen stellen.” “Wird sie auch alles verstehen Sir? Vielleicht besitzt sie keine Kenntnisse unserer Sprache.“ Riley rieb sich über sein stoppeliges Kinn. “Das muss sie auch gar nicht, Clark. In Begleitung einer Wachmannschaft und unseres Unterhändlers werden die Na’vi keine Schwierigkeiten machen, wenn sie die Frau und ihr Kind lebend zurück haben wollen.” Der Adjutant verbiss sich jede Frage darauf, an was Riley dachte. Im Laufe der Zeit würden sich die Antworten von ganz allein darauf ergeben.

******

Im Schein der Abenddämmerung erreichte die kleine Gemeinschaft die gewaltige Basis der Himmelsmenschen.
Anders als vor der verlassenen Forschungsstation, schütze hier ein dichter Sperrzaun das Lager und ein eigenartiges Knistern in der Luft verriet dem aufmerksamen Beobachter, dass die Schutzsperren aktiviert waren. “Was macht dich so sicher, das wir Awaiei hier finden?“ Ayur blickte neugierig zu den für ihn seltsam anmutenden Gebäuden. “Nur so eine Vermutung Ayur.“ Iley griff ihn an seiner Schulter. “Das bedeutet: du weißt es nicht ma Brian?“ Seufzend riss der Söldner sich los. “Iley, es ist die einzig logische Schlussfolgerung. Ich glaube nicht daran, dass sie ein Opfer herumstreifender Tiere wurde. Brian hantierte konzentriert an seinem Fernglas herum und beobachte aufmerksam nacheinander die einzelne Abschnitte des Lagers. Große Teile wiesen schwerste Zerstörungen auf und nur in wenigen Bereichen herrschte Betrieb. Schnell hatte er anhand einiger auffälliger Verhaltensmerkmale herausgefunden, wo sich die junge Na’vi befinden musste. Nach einer kurzen Beratschlagung über die weitere Vorgehensweise, entschied Brian, dass es das beste wäre, bis zum Einbruch der Nacht zu warten. Sobald es im Lager ruhiger geworden war, wollten sie darangehen, Awaiei zu befreien.

“Ich verstehe nicht, was du meinst ma Brian.” Fawn bedachte ihn mit einem unschuldigen Blick aus ihren Augen. Er seufzte auf und drückte sanft ihre zarten Hände. “Nein natürlich nicht… wie solltest du auch, verzeih mir bitte.” Er sah nachdenklich auf seinen Revolver, dann drückte er ihn der kleinen Jägerin in die Hand. “Mit deinen Waffen kannst du dich nicht selbst töten, zumindest nicht sicher genug. Unsere Waffen sind da wirkungsvoller. Ich möchte nicht, dass dir das selbe widerfährt wie Ileys Frau, sollte unsere Befreiungsaktion scheitern und du in Gefangenschaft geraten, Fawn.” Sie gab ihm nach einigem Zögern die seltsame Waffe wieder zurück. “Kehe ma Brian. Das wird nicht nötig sein. Wir kommen alle wieder sicher zum Kelutral. Du must meinem Vater vertrauen. Er ist ein großer Krieger.” “Das steht außer Frage Fawn, aber auch er ist nicht unsterblich. Ich habe einfach nur Angst um dich.” Mittlerweile war es fast stockdunkel geworden, wodurch ihre großen leuchtenden Augen nur nach faszinierender auf ihn wirkten. “Ich habe mir etwas überlegt Fawn. Iley soll mit deinem Vater und den anderen hier warten. Wir beide sondieren erst einmal die Lage, das ist sicherer und außerdem sind wir so unauffälliger. Er sagte nicht das ihre geringe Größe ihr diesmal zum Vorteil gereichte, weil Fawn das ganz gewiss wieder auf die Palme gebracht hätte. Das Na’vi Mädchen hasste jede Anspielung auf ihr geringes Wachstum. Zu sehr hatte sie lange Zeit unter den Sticheleien der erwachsenen Na’vi des Stammes gelitten. Fawn rief eine kurze Bemerkung zu den Wartenden, dann war sie wieder an seiner Seite.
Brian nahm die mitgeführten Waffen von seiner Schulter und brachte sie mit verbissenen Gesicht in Anschlag. “Dann mal los. Lasst uns ein paar Leuten so richtig in den Arsch treten gehen, das können wir schließlich am besten.” Fawn ließ ein anerkennendes “Srane, ma Brian”, vernehmen und spannte ihren Jagdbogen. Der Söldner war fest entschlossen, die junge Na’vi zu befreien, auch wenn sie sich dadurch in große Gefahr begaben. Im Schutze der Dunkelheit überwanden sie die löchrige Absperrung und huschten ungesehen bis zur Rückwand des Gebäudes, indem sie Awaiei vermuteten. In der Basis herrschte ungewohnte Ruhe, was sich Brian nicht zu erklären wusste. Die Besatzung des Schiffes musste deutlich kleiner sein, als er zuerst angenommen hatte. Vorsichtig schaute er um die Ecke des Gebäudes und blickte genau auf den wache stehenden Soldaten vor dem Eingang. Sofort zog er den Kopf wieder zurück und gab Fawn zu verstehen, sich still zu verhalten. In Brians Kopf rasten Überlegungen herum, doch ihm wollte nichts einfallen, wie sie sich des unliebsamen Soldaten entledigen konnten. Er betrachtete überlegend sein Kampfmesser, verwarf aber den Gedanken gleich wieder. Selbst wenn es ihm gelang, sich an die Wache heranzuschleichen, würden die Soldaten am Lagerfeuer auf ihn aufmerksam werden. Die Gefahr entdeckt zu werden, war einfach zu groß. Hinter sich hörte er Fawn plötzlich etwas flüstern und drehte sich erschreckt um.

Von drinnen bemerkte Awaiei die Schatten dicht an der Wand ihres Gefängnisses, gegen die sie sich kauerte. Sofort war die junge Na’vi hellwach und versuchte völlig verschreckt zu erkennen, wer oder was da draußen durch die Dunkelheit schlich. Im ersten Moment glaubte sie, dass die Himmelsmenschen nur ihre Wachen verstärkt hatten, um ihr eine Flucht unmöglich zu machen. Doch dann vernahm sie die liebliche Stimme von Ileys smuke und ihr blieb fast das Herz stehen. Heftig atmend presste sie ihr Ohr an das Holz, um besser verstehen zu können. “Jetzt hörte sie es eindeutig und auch einen Namen: Brian.” Dort draußen, fast zum Greifen nah, stand eindeutig Fawn und sie musste ihren Himmelsmenschen dabei haben. Awaiei hätte vor Freude beinahe laut geschrieen, biss sich aber schnell auf die Lippen und versuchte, ruhiger zu atmen um überhaupt sprechen zu können. “Ma Fawn… oel ngati kameie.” Ihre Stimme klang rau und dünn. Awaiei hoffte, dass sie überhaupt von den beiden wahrgenommen wurde. Vorsichtig steckte sie ihre schlanken Finger durch die Ritzen des Verschlags und im gleichen Moment spürte sie die Berührung darauf.” “Awaiei? Ma Awaiei. Eywa sei dank, du lebst.” Fawn schaffte es nur schwer, ihre sich überschlagende Stimme im Zaum zu halten um sie nicht zu verraten. “Fnu ma smuke. Wir werden dich befreien. Geht es deinem Kind gut?” Aus dem Dunkel des Verschlags klang wieder die raue Stimme. “Srane ma Fawn, doch bitte beeilt euch. Ich halte es hier nicht länger aus.” Fawn streichelte abermals ihre schlanken Finger, als sie ein angespannter Ausruf des Söldners innehalten ließ. Vorsichtig und von ihrer unglaublichen Neugierde beseelt schlich sie an ihn heran um zu sehen was ihn dazu veranlasst hatte. Fawn konnte nur noch erkennen das sich die Wache vom Gefängnis entfernte…

******

Snider hatte die Schnauze gestrichen voll von seiner Wachtätigkeit. Während sich die anderen Jungs seiner Einheit am Feuer unterhielten oder in der Kantine vergnügten, stand er sich die Beine in den Bauch. Ein forderndes Drücken in seiner Blase gab  für ihn den Ausschlag und veranlasste Snider, sich für eine Weile zurück zuziehen. Der Kommandant würde ihm schon nicht gleich den Kopf abreißen und die Gefangene wähnte er in dem engen Verschlag sicher. Er ließ das Gefängnis hinter sich und passierte den Platz, wo ein paar Soldaten des Bodenpersonals herumlungerten. Als er vorbeikam, sah einer der Männer auf. “Hey Snider wieso verlässt du deine Wache? Deine Zeit ist doch noch nicht um.” Snider machte eine eindeutige Geste, was schallendes Gelächter der Männer hervorrief. “Dann beeil dich, bevor du dir noch dein Höschen nass machst.” Wieder brandete Gelächter auf, doch der Angesprochene achtete nicht mehr darauf und verschwand zwischen den Büschen. Die Männer wandten sich wieder ihren Gesprächen zu und niemand achtete mehr auf das ruhig daliegende Gefängnis.

******

Überrascht rieb sich die junge Na’vi ihre Augen. “Wohin geht die Wache ma Brian?” Brian lugte um die Ecke des Verschlags. Er blickte auf den Rücken des Mannes, der im Dunkel der Nacht verschwand. “Ist doch jetzt egal Fawn. Das ist unsere Chance Awaiei da rauszuholen.” Sie sah ihn wortlos mit ihren gelben Augen an und deutlich konnte Brian sehen, dass sie Angst hatte. Ihm erging es nicht anders. Sollte etwas bei ihrer Befreiungsaktion schief laufen, würden sie hier alle sterben.
Fawn duckte sich an die Wand des Gefängnisses, verschmolz fast mit ihrem Schatten, lauerte in der Dunkelheit… lautlos… unsichtbar und tödlich. Vor ihr auf dem Gelände des Stützpunktes blieb alles ruhig. Sie machte ihren Begleitern ein Zeichen und Brian flitzte aus dem Halbdunkel zur nahen Tür des Gebäudes. Ein kurzer Blick darauf zeigte ihm, dass bei aller Schlichtheit des Verschlags trotzdem auf die Sicherheit geachtet worden war. Nervös zog er sich zurück und trat ganz dicht an die kleine Jägerin heran. “Was hast du ma Brian? Kannst du die Tür nicht öffnen?” Brian behielt das Gelände im Auge während er seine Antwort formulierte. “Doch Fawn, aber dazu müsste ich das Schloss aufschießen. Dann haben wir innerhalb weniger Minuten das gesamte Lager auf dem Hals.” Das Mädchen schluckte hörbar und überlegte einen Moment. “Was machen wir nun? Awaiei bleibt nicht mehr viel Zeit. Ihr Zustand ist sehr schlecht. Wir müssen sie befreien… diese Nacht, ma Brian.” Er machte lautlos eine zustimmende Handbewegung und schlich mit ihr zusammen zu ihrem sempul und Iley zurück, die bei den Pa’li warteten.
Fawn trat an die imposante Erscheinung ihres Vaters heran, “ma sempul… wir brauchen deine Hilfe.” Der große Krieger nickte wortlos und gab seinen Begleitern ein Zeichen. “Genug mit reden?” Brian faszinierte Ayurs staubtrockene Art jedes Mal aufs neue und so erwiderte er nur, “srane Ayur… genug mit reden.”
Der Krieger umschloss seinen Speer und trat forsch dem Lager der Himmelsmenschen entgegen, gefolgt von seinen Jägern. Brian warf der kleinen Jägerin einen flüchtigen Blick zu. “Ich hoffe, dein Vater lässt sich nicht zu einer unbedachten Handlung hinreißen Fawn.” “Ma Brian, ich bin mir sicher, dass mein Vater weiß, was zu tun ist. Zusammen schlichen sie zurück an die Rückseite des Verschlags, in dem Awaiei gefangen gehalten wurde und Brian war immer wieder verwundert, wie völlig lautlos sich die großen Ureinwohner bewegen konnten. Zum ersten mal seit sie vom Lager aufgebrochen waren, traf Iley auf seine geliebte muntxate. Die junge Na’vi streckte ihre Finger durch die Ritzen im Verschlag und konnte ihr Glück kaum fassen, als sie des Kriegers gewahr wurde. Brian hoffte inständig dass sie nicht anfangen würde zu schreien oder sonst irgendeine Dummheit beging, die all ihre Pläne zunichte machen würden. Ayur und Iley begannen mit ihren geradezu mörderischen Macheten, das Holz zu bearbeiten, das der Schärfe der Waffen keinen nennenswerten Widerstand bot. Immer wieder blickten er und Fawn beunruhig über das Gelände des Stützpunkts und hofften inständig, dass niemand auf die Geräusche hinter dem Gebäude aufmerksam wurde. Ein unterdrückter Ausruf des Kriegers ließ ihn herumfahren. Iley packte mit beiden Händen eine der Holzplanken und mit einem Krachen zersplitterte das drangsalierte Material. Ayur half ihm nach Kräften, während im Innern die junge Na’vi alle Mühe hatte, beruhigend auf das Baby einzuwirken, damit es nicht laut anfing mit schreien. Noch zwei weitere Planken folgten, dann war die Öffnung groß genug, dass Awaiei sich mit dem Kind durchzwängen konnte.

Überglücklich schloss Iley seine muntxate in die Arme, die von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Nur schwerlich gelang es ihm, die total verstörte Frau zu beruhigen. “Wir müssen hier weg, bevor die Wachen auf uns aufmerksam werden.” Brian sah immer wieder nervös zu dem Krieger, der alles um sich herum vergessen hatte. Dabei versuchte er auch die Basis nicht aus den Augen zu lassen, von der eine ständige Gefahr für die kleine Gruppe ausging. Awaiei hielt ihr Kind fest an sich gepresst und folgte Iley, um den Schutz des Urwalds zu erreichen. Doch genau jetzt machte sich der lange Aufenthalt in dem kleinen Verschlag bemerkbar. Ihre Beine knickten ein und wollten ihr Gewicht nicht mehr tragen. Nur mühselig taumelte sie mehr als das sie ging den anderen hinterher. Das Kind, aufgeschreckt durch die verzweifelten Rufe seiner Mutter, begann lautstark zu schreien. “Sag ihr, sie soll es beruhigen“, zischte Brian der kleinen Jägerin zu. Fawn wollte auf Awaiei einreden, doch im gleichen Moment leuchteten Scheinwerfer im Lager auf und richteten sich auf die nahe Absperrung. Laute Rufe erklangen hinter dem Gefängnis. Snider hatte noch eine Weile am Feuer gesessen, in dem Glauben, dass die Nacht genauso ereignislos verlaufen würde wie die anderen davor. Als das Geschrei eines Kindes hinter dem in Sichtweite liegenden Gebäude erklang, sprang er auf und zog im laufen seine Dienstwaffe aus dem Halfter. Brian zögerte keine Sekunde, als die Wache in seinem Blickfeld auftauchte. Snider sackte tödlich in die Brust getroffen zusammen, unfähig noch um Hilfe zu rufen. “Los jetzt, beeilt euch! Sie haben uns entdeckt.” Brian nahm die Waffen auf und zog sich langsam zurück, zusammen mit Ayur, der dicht an seiner Seite blieb. Erste Schüsse peitschten auf und surrten über ihre Köpfe hinweg. Die Mannschaft der Basis hatte sie noch nicht lokalisiert, doch Brian wusste, dass es nicht lange dauern würde. “Ich hoffe, deine Krieger halten die Pa’li bereit. Wir werden jeden Vorsprung brauchen, den wir bekommen können.“ Ayur lächelte nur auf seine schwer zu deutende Art, ohne direkt zu antworten. Brian seufzte auf. Die scheinbar völlige Gelassenheit der Ureinwohner trieb in immer wieder zur Verzweiflung. Fawn tauchte aus dem Halbdunkel auf und fletschte fauchend ihre Zähne. Den Jagdbogen hielt sie gespannt mit beiden Händen. Der schmale Lichtfinger eines Scheinwerfers streifte sie, wanderte weiter und kehrte schlagartig zurück. Im gleichen Moment ertönten aufgeregte Schreie aus Richtung des hinter ihnen liegenden Gefängnisses. Fawn visierte den Ursprung des Lichtkegels an und ließ surrend den swizaw von der Sehne gleiten. Kurz darauf erlosch der Strahl, doch weitere Scheinwerfer wurden herumgeschwenkt und erfassten die kleine Gruppe. Gewehrfeuer brandete auf, diesmal deutlich näher und sicherer als bei den ersten Schüssen. Brian packte die junge Na’vi und zog sie mit sich. “Komm Fawn zu den Pferden, bevor uns die Wachen erreicht haben.” Sie sah sich unsicher um und wollte einen weiteren Pfeil auflegen, als Brian sie vor schubste. “Lauf endlich! Wir können sie nicht aufhalten. Los weg hier.” Endlich setzte sich die kleine Jägerin in Bewegung, während um sie herum die Salven aufpeitschten. Brian schritt mit dem Rücken zum Urwald und gab immer wieder Speerfeuer aus seinen Waffen ab, um eventuelle Verfolger in Deckung zu zwingen. Eine Kugel zischte so nah an seinem Ohr vorbei, das er ein Brennen auf der Kopfhaut verspürte. Schließlich erreichten sie unbeschadet die wartenden Krieger, während hinter ihnen die Schreie und Rufe immer lauter wurden. Iley saß bereits mit seiner muntxate auf einem der gewaltigen Pferde und stellte die Verbindung her. Das Pa’li bäumte sich unruhig auf, tänzelte herum und der Krieger hatte Mühe, es gedanklich unter Kontrolle zu bekommen. Brian schoss bis die Magazine leer waren, dann entledige er sich der sperrigen Waffen. Fawn kam dicht auf ihrem Tier an ihn heran und half dem Söldner nach oben. Ein befehlsgewohntes “Makto ko!” erklang von Ayur, dann stob die kleine Gruppe davon, während hinter ihnen wütende Stimmen näher kamen und Schüsse ungezielt durch die Nacht peitschten.

******

Riley tobte vor Wut. Seine kostbare Gefangene entkommen, das ISV zerstört und als ob das nicht genug wäre, war auch einer seiner besten Techniker ums Leben gekommen. “Warum haben sie nicht die Hubschrauber eingesetzt? Sie hätten die Flucht unter allen Umständen verhindern müssen”, fauchte er seinen Adjutanten an. “Aber Sir. Es war ihr eigener Befehl, dass wir nach Einbruch der Dunkelheit nicht starten dürfen.” “Seit wann führen sie meine Befehle denn Wort…”, er verschluckte den Rest als ihm bewusst wurde, in welche Richtung sich seine Aussage bewegte. “Haben die ausgesandten Suchmannschaften etwas finden können?” Clark blickte betreten auf den staubfreien Boden des Büros. “Nein Kommandant, die gefangene Na’vi ist wie vom Erdboden verschwunden. Ich habe die Trupps wieder zurückbeordert.” “Blödsinn absoluter Blödsinn, Clark. Sie kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Bin ich denn nur noch von unfähigen Idioten umgeben?” Riley hieb verzweifelt auf den Schreibtisch. “Das wirft uns wieder weit zurück in unseren Planungen. Sagen Sie den Wachen Bescheid, die nächsten Tage besonders wachsam zu sein. Gut möglich, dass die Ureinwohner uns einen Besuch abstatten um sich zu rächen.” Der Adjutant nickte eifrig. “Sehr wohl Sir, ich werde alles umgehend veranlassen.” Riley blickte auf und einen Moment dachte Clark, der Kommandant würde sich auf ihn stürzen. “Jetzt raus mit Ihnen Clark, bevor ich die Beherrschung verliere!” Der Adjutant flitzte aus dem Raum und Riley wartete, bis sich die Tür geschlossen hatte. “Trottel” dachte er nur bei sich und wandte sich wieder der Karte zu, um die weitere Vorgehensweise zu überdenken.

******

Brian und Ayur trieben die Gruppe ohne Pause vorwärts und bereits am Abend des nächsten Tages erreichten sie den Kelutral.
Die kleine Gemeinschaft war stürmisch von ihren Brüdern und Schwestern begrüßt worden. Nachdem gemeinschaftlichen Essen und zahlreichen Erklärungen hatten sich Iley und seine muntxate mit ihrem Kind zurückgezogen und die anderen hatten es ihnen gleich getan. Nun saß Brian mit der kleinen Jägerin an ihrem vertrauten Lagerplatz und ließ die Ereignisse vor seinem geistigen Auge ablaufen.
“Eywa hat für den Ausgleich gesorgt ma Brian.” Sie blickte ihn mit ihren großen gelben Augen an. “Findest du wirklich Fawn? Ich weiß nicht.” Er dachte an die Himmelsmenschen in dem Lager, völlig abgeschnitten von der Heimat, wenn nicht irgendwann noch mal ein Schiff nach Pandora kommen würde. Die kleine Jägerin hatte vermutlich recht. In naher oder ferner Zukunft mussten sie mit den Ureinwohnern kooperieren, wollten sie nicht elendig zugrunde gehen. Doch bis zu dieser Erkenntnis so fürchtete Brian war es ein weiter Weg und keiner wusste, wie sich der Kommandant verhalten würde. “Mach nicht so ein nachdenkliches Gesicht. Das macht dich älter ma Brian.” Erschrocken riss er sich von seinen Überlegungen los und blickte in ihr hübsches Antlitz, das einen schelmischen Ausdruck angenommen hatte. “Du bist wirklich ein kleines Biest.” Kichernd packte sie Brian und zog ihn mit sich zu Boden. Der Söldner seufzte flüchtig auf und versuchte gar nicht erst, Widerstand zu leisten. Die Himmelsmenschen waren weit weg und er lebte nun hier mitten in der Geborgenheit des mächtigen Kelutral. Brian umschlang das junge Mädchen und zog sie fest an sich. Entspannt wie schon lange nicht mehr, kuschelten sich die beiden so unterschiedlichen Geschöpfe aneinander. Eywa hatte wohl wirklich für das Gleichgewicht gesorgt und ihm zugleich das schönste Geschenk seines Lebens beschert. Glücklich schloss er seine Augen und genoss das Gefühl, die kleine Jägerin an seiner Seite zu wissen.

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Offline Ricardo

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #5 on: August 08, 2012, 03:20:02 pm »
Da ist es ja!  8)

Ich werde es gleich mal herunterladen und so bald wie möglich lesen.

Offline Tsu'tey

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #6 on: August 09, 2012, 06:41:05 am »
So habe jetzt über eine Stunde gelesen, und bin mal wieder und wie man es schon kennt beeindruckt, wirklich toll gemacht Robert. Mir hat die ganze Story wieder sehr gut gefallen, alles war stimmig und einfach nur perfekt ! Auch von Iley war ich natürlich, wieder sehr angetan und fand es wieder toll von ihm zu lesen !

Ich bleibe in Erinnerung. Ich habe mit Toruk Makto gekämpft. Und wir waren Brüder. Und er war mein letzter Schatten.

Offline Jake.S

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #7 on: August 09, 2012, 12:03:07 pm »
JUHUUUUUUUUUUUU!!!! Der nächste Teil!!!!   :D :D :D
Danke Eichhörnchen.
Gleich mal lesen........

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Offline Yaknun

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #8 on: August 09, 2012, 01:24:26 pm »
 :) :) :) :) :) :) :) :) :) :)

soeben herunter geladen ... und jetzt geht es an's Lesen  :D

Neytiri:
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Offline Yaknun

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #9 on: August 12, 2012, 06:12:33 am »
So ma Eichhörnchen,
eben auch noch einen PC-Crash hier auf Arbeit "bearbeitet" und anschließend mit Freuden festgestellt, daß unser Forum wieder online ist  :) :D

Nach dem Herunterladen hatte ich sofort gelesen und wollte auch gleich ein Feedback geben ... aber, na ja - da ging dann nichts mehr  :-[

Was soll ich lange "reden": es war wieder faszinierend, wie Du die Handlung in Worte umgesetzt hast. Ich tauchte ein ins Geschehen und später wieder auf und fragte mich "Warum werden wir so unter Spannung gesetzt" und stehen dann da mit mindestens 2 Fragen  :-* die Dritte wäre "Wann kommt Teil 4"  :-\ :-\ :-\ :-\ :-\ :-\

Will sagen, BIN BEGEISTERT und hoffe (auf mehr)  ;)
Als kleines Dankeschön gibt es ein karmatisches Pünktchen von mir  ;)
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Offline Neytiri2000

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #10 on: August 12, 2012, 08:28:09 am »
Hallo Eichhörnchen

leider war vor einigen Tagen mein Internet am sterben und wollte schon zu Eywa, aber nun geht es wieder  ;D

Ich hab gesehen und bin jetzt schon voller freude den 3. Teil zu lesen

werde ihn mir auch gleich ausdrucken und durchlesen

als dankeschön bekommst du gleich jetzt schonmal ein Karmapünktchen für deine fleißige arbeit

mein Feedback kommt dann in kürze ^^

Dein Neytiri2000
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Jake Sully: Ich möchte kein Mitleid, wenn du Fair behandelt werden willst, bist du auf dem Falschen Planeten.

Offline Jake.S

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #11 on: August 12, 2012, 11:05:12 am »
So, ich bin durch.
Gleich am Anfang werde ich wohl nicht drumherum kommen deinen, von mir bereits oft erwähnten, Schreibstil zu loben. 8)
Ich kenne nur wenige, die die Story derart Sprachgewannt rüberzubringen in der Lage sind.
Auch die Story folgt deinem bisherigen Standard, was so viel heißt wie magna cum laude.  :D
 
Ich find es sehr schade und auch traurig, dass Fawn und Brian erstmal wieder pausiert werden. Man sagt zwar, dass Vorfreude die schönste Freude sei, aber ich kann es schon gar nicht mehr erwarten, die Geschichte weiterlesen zu dürfen.  :P

In diesem Sinne:

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Offline Toruk'makto

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #12 on: August 12, 2012, 01:18:08 pm »
So nachdem das Forum wieder funktioniert, habe ich jetzt auch deine Geschichte runtergeladen und werde sie in der nächsten Zeit hoffentlich lesen.
Freu mich schon :)
Die Himmelsmenschen haben uns eine Botschaft gesandt, dass sie sich alles nehmen können was sie wollen und dass niemand sie aufhalten kann. Aber wir schicken ihnen auch eine Botschaft; fliegt so schnell wie euch der Wind nur tragen kann; ruft die anderen Clans herbei. Sagt ihnen Toruk'makto ruft sie zu sich. Ihr fliegt jetzt mit mir. Meine Brüder, Schwestern und dann zeigen wir den Himmelsmenschen, dass sie sich nicht alles nehmen können was sie wollen und dass dies unser Land ist.

Offline Tìtstewan

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #13 on: August 15, 2012, 03:37:02 pm »
Kaltxì, ma Eichhörnchen

Ich habe komischer weise mit dem 3. Teil angefangen die "Wie Blätter im Wind"-Story zu lesen...
Danach musste ich die anderen 2 Teile finden und als ich sie fand, habe ich sie alle in einem Stück gelesen (also von Teil 1 bis 3).  :D ;D

Nun muss ich mich Fragen: Wann kommt der nächste Teil? :-\ :-\ :-\
(Dafür gibs nen Keks ;) )

 - ta Tìtstewan

Edit:
Doofe Frage, wie vergibt man hier nen Karma?
(auf "applaud" und dann?)
« Last Edit: August 15, 2012, 03:41:29 pm by Tìtstewan »

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Offline Yaknun

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #14 on: August 15, 2012, 04:50:43 pm »
Edit:
Doofe Frage, wie vergibt man hier nen Karma?
(auf "applaud" und dann?)

Du weißt doch: es gibt keine dooooofen Fragen  ;D

Im Bild anbei siehst Du, wie es geht  ;)

Das heißt also, Text eingeben und dann auf "Continue" drücken ...
Neytiri:
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Offline Tìtstewan

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #15 on: August 15, 2012, 05:09:50 pm »
Irayo, ma Yaknun

Ich weis ;D
Nur kam mir es irgendwie peinlich vor, das ich keinen Karma vergeben konnte...
...denn ich musste erst alles auf Englisch umstellen, damit es genauso aussieht wie in deinem Bild (war vorher komplett leer, also keinen Text und so...).

So, Eichhörnchen hat jetzt, wenn auch zur späten Stunde, sein verdientes Keks erhalten! ;D

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Offline Yaknun

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #16 on: August 15, 2012, 05:20:38 pm »

Nur kam mir es irgendwie peinlich vor, das ich keinen Karma vergeben konnte...
...denn ich musste erst alles auf Englisch umstellen, damit es genauso aussieht wie in deinem Bild (war vorher komplett leer, also keinen Text und so...).


ja ja - das Problem hatte ich auch  :-X hatte schon angefangen, an mir zu zweifeln  :'(

aber nun klappt das und unser kleines Felltierchen wird sich sicherlich riesig freuen  :D
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Offline Ricardo

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #17 on: August 16, 2012, 09:13:30 am »
Bravo!
Mir gefällt dieser Teil wie alle anderen zuvor schon sehr gut. Du bleibst deinem Talent einfach treu!
Man hat gar keine andere Möglichkeit, als sich mit deinen Figuren zu identifizieren.

Hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung zu lesen. ;)

Offline Neytiri2000

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #18 on: August 25, 2012, 03:33:58 pm »
Hi Eichhörnchen

so seit langen und nachdem endlich wieder das Forum geht kommt jetzt meine von dir erwartete Bewertung

wie schon viele vor mir hier schon geschrieben haben bleibt dein schreiberisches können im gleichen stand wie seit deiner Geschichte für den Wettbewerb.

was mir so eig aufgefallen ist das komischerweise die figuren sich andauernd im dschungel sich verlieren und dann später angegriffen oder gefangen genommen werden - dies finde ich aber net so schlimm, besonders weil die Abenteuer immer sehr spannend von dir erzählt werden und immer was neues hinzukommt


Ich finde es schon etwas schade das du nichtmehr schreiben wirst, aber ich hoffe mit Eywa´s hilfe kommt vlt doch irgendwann mal noch was über unsere Geliebte "kleine" Jägerin

Und um ehrlich zu sein, deine Geschichten haben mich wirklich am meisten persönlich und emotional angeregt, in keinen anderen Buch habe ich mehr gelacht, mitgefühl und freude gehabt. Dies war bestimmt auch der Anreiz bei mir selbst es zu versuchen.

Glücklicherweise mit der hilfe von Apokya haben wir es dann schließlich auch geschafft, und soweit kann ich schon sagen das wir schon die Häfte der Fortsetzung haben ;)

Aber jetzt komme ich vom Thema ab  :-X

Auf jedenfall sollst du wissen das ich mich jederzeit freue eine neue Geschichte von dir zu lesen und viel glück und gesundheit in deinem Weiteren Leben

Mit lieben grüßen dein Neytiri2000

Zitate:

Jake Sully: Ich möchte kein Mitleid, wenn du Fair behandelt werden willst, bist du auf dem Falschen Planeten.

Offline ´eveng te atan

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Re: Wie Blätter im Wind Teil 3 - "Zarte Bande"
« Reply #19 on: August 26, 2012, 08:17:18 am »
Sooo, mein lieber Robert, dann will auch ich (eeeeendlich) mal was zu Deiner Geschichte schreiben.

Zuerst einmal sorry, dass ich sie offenbar (wieder mal) als allerletzter gelesen habe.
Aber ich habe sie jetzt gelesen und muß sagen, es ist im Großen uns Ganzen wieder mal sehr schön gewesen,
sowas zu lesen. Das Thema mit der Geburt hat ja Michael schon angedeutet und ich muss sagen, die Sache hat mir
gefallen.

Auch der Anfang der Geschichte (Das leckere Frühstück) fand ich sehr unterhaltsam.

Kurz gesagt, Ich gebe Dir 98 von 100 Punkten.
Es gibt lediglich einen minimalen Punktabzug, weil ich (ganz persönlich!) es etwas gewöhnungsbedürftig fand,
wie Du die einzelnen Kapitel aufeinander zuführst.
Was im Teil 1 noch einfach zu lesen war (Fawn und Brian kommen in jedem Kapitel  immer weiter aufeinander zu),
fand ich im 3. Teil stellenweise ein wenig schwierig. Es mag aber auch an meinem zunehmenden Alter liegen,
dass ich manchmal nicht mehr sooo mitkomme, wie ich es mir wünschen würde.
Oder liegt es an den vielen Dingen, die ich so mache...?

Trotzdem soll das Deiner Arbeit keinen Abbruch tun. Schreib weiter, wie Du noch nie geschrieben hast und
erfreue uns uch weiterhin mit spannenden, lustigen, emotionalen und vor allem "blauen" Geschichten.

Eine frage zum Schluß: Wo ist der GEFÄLLT MIR Button? :D

Gruß,

'eveng te atan.

 

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